Freitag, 8. September 2000

Fidel Castro bei einer Kuba-Solidaritätsveranstaltung in der Riverside Church in Harlem, New York

Ansprache von Dr. Fidel Castro Ruz, Präsident des Staatsrates und des Ministerrates der Republik Kuba, bei einer Kuba-Solidaritätsveranstaltung in der Riverside Church in Harlem, New York, am 8. September 2000.

Liebe hier versammelte Brüder und Schwestern;

Liebe Brüder und Schwestern, die sich in einem Saal in der Nähe zusammengefunden haben;

Liebe Brüder und Schwestern, die uns von der Straße aus zuhören können, weil viele nicht in diesen Raum der Kirche eintreten konnten;

Ihr wart mir gegenüber äußerst großzügig und liebenswürdig.

Als hier einige Dinge erwähnt wurden, aufgrund derer ihr denjenigen geantwortet habt, die bestimmte Fragen stellten, die im Zusammenhang standen mit unserer Anstrengung für unsere Kinder und für unser ganzes Volk, sowie mit den Anstrengungen, die wir auch für andere Kinder und andere Völker an verschiedenen Orten der Welt unternommen haben - Dinge, an die wir niemals erinnern, und wir haben auch gar keinen Grund dafür, an sie zu erinnern oder sie anzusprechen -, kam mir beim Zuhören von all dem eine Idee in den Sinn. Ich sage folgendes: All dies hat in der Tat einen Namen, und der lautet "Verletzung der Menschenrechte" (Beifall und Rufe), womit versucht wird, eine Blockade und einen Wirtschaftskrieg zu rechtfertigen, die bereits mehr als 40 Jahre andauern.

Als ihr "Happy Birthday" sangt, erinnerte ich mich auch am viele Dinge, und es kam mir die Idee, daß es vielleicht genauer gewesen wäre, "Happy Good Luck, Fidel" zu sagen.

Ich habe dieses Lebensalter wie durch ein Wunder erreicht (Beifall und Rufe), und zwar nicht deswegen, weil wir eine Reihe von Jahren gegen die Tyrannei in unserem Land gekämpft haben oder wegen der Teilnahme an einigen Kriegshandlungen, sondern wegen all dem, was nach dem Sieg der Revolution kam. An gute Zuhörer muss man nur wenige Worte richten (Beifall), und ihr seid nicht nur gute, sondern auch sehr noble und intelligente Zuhörer.

Ich muß sagen, daß ich mich bei meiner Ankunft hier an meine vier Besuche bei den Vereinten Nationen erinnerte. Beim ersten Mal warfen sie mich aus dem Hotel in der Nähe der UNO. Ich mußte zwischen zwei Optionen auswählen: ein Feldlager im Garten des UNO-Gebäudes zu errichten - und das erschien mir als erst kurz zuvor aus den Bergen gekommenem Guerrillero nicht sehr schwierig (Beifall) -, oder nach Harlem zu gehen, wo mich eines der Hotels dieses Stadtteils eingeladen hatte (Beifall). Ich entschied mich sofort: "Ich gehe nach Harlem, denn dort befinden sich meine besten Freunde" (Beifall und Rufe).

(Aus dem Publikum wird ihm gesagt: "Mein Haus ist auch dein Haus!") (Beifall)

Vielen Dank. So sagten sie es mir in vielen schönen Wohnhäusern, in denen sehr reiche Leute lebten. Sie hatten ein Schildchen, auf dem eben dies stand. Danach, als wir etwas für die Armen machten, entfernten sie die Schilder für immer (Beifall). Bei dir nehme ich die Großzügigkeit der einfachen Leute wahr.

Ich erinnere mich jetzt nicht genau daran, was ich 1979 bei meinem zweiten Besuch in New York machte. Ich weiß nur, dass ich dort im Namen aller armen Länder der Welt sprach. Beim dritten Mal kehrte ich nach Harlem zurück, und nicht nur nach Harlem, sondern auch in die Bronx (Beifall), wie ihr hier am heutigen Abend erwähnt habt.

Dieses Mal wurde mir die Ehre zuteil, daß man mich in eine Zone eingeladen hat, die glaube ich Riverside heißt. Ist das so? (Es wird ihm bestätigt) Gemäß meinem Verständnis befinde ich mich am Ufer eines Flusses (Lachen); aber außerdem inmitten eines Flusses, nämlich des Flusses der gesündesten und nobelsten Freundschaft (Beifall).

Ihr werdet verstehen, daß es für mich leicht ist, New York zu besuchen, dafür gibt es unzählige Beweise. Und dieses Mal war es ohne Zweifel keine leichte Reise und es gab viele Landsleute, die sich Sorgen machten. Wir durchleben eine Spezialperiode, und ich beziehe mich dabei nicht auf die Spezialperiode Kubas, zu der das Land durch die doppelte Blockade gezwungen ist, sondern auf die Spezialperiode von Präsidentschaftswahlen (Lachen). Außerdem befinden wir uns inmitten vieler Drohungen aller Art, die von meiner Ermordung bis zu meiner Inhaftierung in einem US-amerikanischen Gefängnis reichen.

Aber es handelte sich um ein wichtiges Gipfeltreffen. Sie nannten es den Milleniumsgipfel, und in der Tat beginnen wir ein ungewisses Jahrtausend. Und mehr noch: für diejenigen, die wir der Ansicht sind, daß das 20. Jahrhundert am 31. Dezember dieses Jahres endet, ist die Menschheit dabei, das 21. Jahrhundert unter äußerst schwierigen und äußerst beunruhigenden Bedingungen zu beginnen. Ich mußte auf jeden Fall kommen, und glaubt mir, ich war sehr glücklich, als ich nach komplizierten Formalitäten zum Erlangen des Visums endlich das Flugzeug bestieg.

Wie ihr wißt, kam mit uns der Genosse Alarcón (Beifall und Rufe), der an einer Konferenz der Präsidenten der Parlamentarischen Versammlungen oder Kammern aller Länder der Welt teilnehmen sollte. Er hatte vor fast einem Monat das Visum beantragt, es wurde ihm verweigert und dann schließlich zusammen mit meinem Visum - da er zur Delegation beim Gipfeltreffen gehörte - etwa 24 oder 48 Stunden vor der Reise gewährt. Ich muß hinzufügen, daß ich zu jedem Zeitpunkt gut behandelt wurde und daß das US-amerikanische Sicherheitspersonal, das uns betreute, diese Arbeit mit Liebenswürdigkeit mit großer Effizienz verrichtete, es ist gerecht, dies so anzuerkennen (Beifall).

Sie gaben uns fünf Minuten, um beim Gipfeltreffen zu sprechen. Wie ihr verstehen werdet, ist dies ziemlich wenig Zeit für enzyklopädische Probleme, oder besser gesagt für eine enzyklopädische Liste von Problemen, doch ich unternahm die Anstrengung und es gelang mir, sieben Minuten und drei Sekunden zu sprechen (Beifall), wobei ich trotz allem einer derjenigen war, die am kürzesten redeten.

Mit diesem Training komme ich heute abend hierher (Rufe), aber ich weiß, daß ihr mir mehr als sieben Minuten und drei Sekunden zugesteht (Beifall und Rufe).

Ich legte ein Tuch auf einige Lampen, welche die Zeit anzeigten, und ich tat dies aus zwei Gründen: Erstens als eine Art von Protest dagegen, daß die Staats- und Regierungschefs dieser Folter unterzogen werden, die darin besteht, daß zunächst eine gelbe Lampe aufleuchtet und danach eine rote, die sie darauf hinweist, daß sie die fünf Minuten bereits ausgeschöpft haben - es geschieht nichts, aber man erleidet eine Demütigung -, und zweitens deswegen, weil ich meine, daß das Rednerpult der Vereinten Nationen nicht zu einer Ampel werden darf (Lachen und Beifall). Es ist klar, daß man die Redezeit bei einer so großen Zahl von Rednern begrenzen muß, um nicht so viele Probleme für New York zu schaffen und hier eine oder zwei Wochen versammelt zu sein, aber ist anzunehmen, daß es sich nicht um Vorschulkinder handelt und daß sie sich sehr kurz fassen können, wenn man mit ihnen spricht und es ihnen erklärt.

Ich habe an vielen wichtigen Treffen mit einer sehr eng gefaßten zeitlichen Begrenzung teilgenommen. Es gibt einige, die mit oder ohne Ampel immer weit über die zugewiesene Redezeit hinaus reden. Ich habe immer versucht, mich an die vorgegebene Redezeit anzupassen, denn die schlimmste Strafe für denjenigen, der zu sehr ausschweift, besteht in der Ungeduld aller anderen, die darauf warten, an der Reihe zu sein, und so gut seine Ausführungen auch seien, die Leute kritisieren ihn auf jeden Fall. Es ist nicht politisch, bei dieser Art von Veranstaltung zu sehr auszuschweifen, Und wenn wir jetzt nicht bei den Vereinten Nationen sind, so habe ich doch die Absicht, mich auf wesentliche Fragen zu beschränken.

Warum sagte ich euch, daß dies meiner Ansicht nach ein sehr wichtiges Treffen war? Weil die Welt wirklich eine katastrophale Situation durchleidet. Glaubt nicht denjenigen Experten, die Optimismus vorgaukeln, oder denjenigen, die das ignorieren, was in Wirklichkeit auf der Welt geschieht. Ich habe unanfechtbare Daten über die Situation der Dritten Welt, der Länder, aus denen viele von euch stammen, oder von Ländern, die viele US-Amerikaner durch Besuche kennen und in denen drei Viertel der Menschheit lebt. Ich habe einige Dokumente mitgebracht und eine Reihe dieser Angaben ausgewählt. Das werde ich euch jetzt vorlesen.

Ich kann zum Beispiel sagen, daß in mehr als 100 Ländern das Einkommen pro Einwohner niedriger ist als vor 15 Jahren.

In der Dritten Welt gibt es 1,3 Milliarden Arme. Das bedeutet. Daß einer von drei Bewohnern dieser Länder in Armut lebt.

Mehr als 820 Millionen Menschen auf der Welt leiden an Hunger. Von diesen leben 790 Millionen in der Dritten Welt.

Mehr als 840 Millionen Erwachsene sind weiterhin Analphabeten, die überwiegende Mehrheit davon in der Dritten Welt.

Ein Bewohner der Dritten Welt hat bei der Geburt eine 18 Jahre niedrigere Lebenserwartung als ein Mensch in der industrialisierten Welt.

Die Lebenserwartung in Schwarzafrika erreicht kaum 48 Jahre. Das sind 30 Jahre weniger als in den entwickelten Ländern.

Man schätzt, daß 654 Millionen Menschen, die heute in den Ländern des Südens wohnen, nicht das 40. Lebensjahr überleben werden - fast die Hälfte der Lebensjahre, die ich bereits habe.

99,5 % aller Todesfälle von Müttern bei der Geburt geschehen in der Dritten Welt. Das Müttersterblichkeitsrisiko in Europa beläuft sich auf einen Todesfall bei 1 400 Geburten. In Afrika gibt es dieses Risiko bei einer von sechs Geburten. Ich spreche von Risiko, denn die Anzahl derjenigen Mütter, die wirklich sterben, ist selbstverständlich geringer. Doch die Zahl der Mütter, die in Afrika pro 10 000 Geburten sterben, ist nicht weniger als einhundert Mal höher als die in Europa.

Mehr als 11 Millionen Mädchen und Jungen unter fünf Jahren sterben jedes Jahr in der Dritten Welt aufgrund von Krankheiten, die in der überwiegenden Zahl der Fälle vermeidbar sind. Es handelt sich um eine Zahl von mehr als30 000 pro Tag, das heißt 21 pro Minute. Es sind seit Beginn dieser Veranstaltung vor etwa 45 Minuten also bereits mehr als Eintausend.

In der Dritten Welt sterben 64 von 1 000 lebend geborenen Kindern vor dem ersten Lebensjahr.

Zwei von fünf Kindern in den Ländern der Dritten Welt leiden an zurückgebliebenem Wachstum und eines von drei Kindern hat ein zu niedriges Gewicht für sein Alter.

Ich sprach von 64 von 1 000 als Durchschnittswert, wobei ich alle Länder der Dritten Welt mit einbezogen habe, einschließlich Kuba, das einen Wert von etwas weniger als sieben aufweist, doch es gibt zahlreiche Länder in Afrika, in denen jährlich mehr als 200 Kinder pro 1 000 Lebendgeborenen vor dem Erreichen des fünften Lebensjahres sterben.

Es gibt noch andere moralische Aspekte, die schrecklich hart sind.

Zwei Millionen Mädchen werden dazu gezwungen, die Prostitution auszuüben.

Etwa 250 Millionen Kinder unter 15 Jahren sind zum Arbeiten gezwungen, um zu überleben.

Von den elf Infektionen mit dem AIDS-Virus, die jede Minute auf der Welt stattfinden, geschehen zehn in den schwarzafrikanischen Ländern, wo die Gesamtanzahl der Infizierten bereits 25 Millionen Menschen überschreitet.

Dies geschieht, während auf der Welt jedes Jahr 800 Milliarden Dollar für Militärausgaben, 400 Milliarden Dollar für Drogen und eine Billion Dollar für kommerzielle Werbung investiert werden.

Die Außenverschuldung dieser Dritten Welt belief sich Ende 1998 auf 2,4 Billionen Dollar - vier Mal mehr als diejenige im Jahr 1982, vor nur 18 Jahren.

Zwischen 1982 und 1998 bezahlten die besagten Länder mehr als 3,4 Billionen Dollar für den Schuldendienst, das heißt fast eine Billion mehr als der aktuelle Gesamtbetrag der Schulden. Weit davon entfernt abzunehmen, stieg die Verschuldung innerhalb von 16 Jahren um 45 %.

Trotz der neoliberalen Konzeption über die Chancen der Handelsöffnung leisteten die unterentwickelten Länder mit 85 % der Weltbevölkerung im Jahr 1998 nur 34,6 % der weltweiten Exporte, weniger als 1953, trotz der Tatsache, daß ihre Bevölkerung sich mehr als verdoppelte.

Während 1992 die Leistungen der staatlichen Entwicklungshilfe 0,33 % des Bruttoinlandsprodukts der entwickelten Länder entsprachen, verringerte sich diese Proportion sechs Jahre später im Jahr 1998 auf 0,23 %, weit entfernt von den von den Vereinten Nationen als Ziel ausgegebenen 0,7 %. Das bedeutet, daß die reiche Welt reicher geworden ist und der Beitrag zur Entwicklung dieser immensen armen Menschheit jedes Jahr zurückgeht. Die Solidarität und die Verantwortung verringern sich Jahr für Jahr.

Andererseits beläuft sich der tägliche Umfang der Transaktionen des Kaufs und Verkaufs von Devisen auf Weltebene zur Zeit auf eine Summe, die etwa 1,5 Billionen Dollar entspricht. Diese Zahl beinhaltet nicht die Operationen der sogenannten Finanzderivate, die eine etwa gleich große zusätzliche Summe ausmachen. Das bedeutet, daß täglich spekulative Finanzoperationen mit einem Umfang von 3 Billionen Dollar vonstatten gehen. Wenn eine Steuer von 1 % auf alle spekulativen Finanzoperationen erhoben würde, wäre dies mehr als genug für die nachhaltige Entwicklung, mit dem unverzichtbaren Schutz der Natur und der Umwelt aller sogenannten Entwicklungsländer, die in Wirklichkeit den Weg einer wachsenden und sichtbaren Unterentwicklung beschreiten, denn jeden Tag vergrößert sich der Unterschied zwischen den armen und den reichen Ländern, und auch die Differenz zwischen den Armen und den Reichen innerhalb der Länder wird größer.

Ich könnte euch zum Beispiel fragen, ob ihr alle zusammen mit den kleinen Ersparnissen, die ihr möglicherweise auf der Bank liegen habt - den größeren oder kleineren -, den tausendsten Teil des Vermögens zusammenbekommen könntet, das der Mann besitzt, der das meiste Geld auf der Welt hat und der freilich ein Mitbürger dieses Landes ist.

Ich habe von täglich Billionen Dollar aus spekulativen Finanzoperationen gesprochen: 3 Billionen Dollar. Was hat das mit dem Welthandel zu tun? Der gesamte Welthandel beläuft sich auf 6,5 Billionen Dollar in einem Jahr, was bedeutet, daß in diesen Börsen, von denen ihr so viel reden gehört habt, an zwei Werktagen spekulative Finanzoperationen abgewickelt werden, die etwa den monatlichen dem Welthandel erwachsenden Operationen entsprechen.

Als die Börsen entstanden, von denen ich sprach, gab es die von mir erwähnten Phänomene nicht, es ist etwas total Neues und wahrhaft Absurdes. Die spekulativen Finanzoperationen, bei denen das Geld das Geld sucht, haben absolut nichts mit der Schaffung von materiellen Gütern oder Dienstleistungen zu tun. Es ist ein Phänomen, das in den letzten 30 Jahren unkontrolliert angewachsen ist und jeden Tag mehr bis zum Absurden anwächst. Kann dieses wahnsinnige Glücksspiel Wirtschaft genannt werden? Kann dies die wahrhafte Wirtschaft aushalten, die die lebenswichtigen Bedürfnisse des Menschen befriedigen muß?

Das Geld wird schon nicht mehr hauptsächlich für Investitionen zur Produktion von Gütern verwendet. Man verwendet es für Währungen, Aktien und Finanzderivate, wobei man verzweifelt Geld sucht, direkt, mit Gebrauch von Software und den modernsten Computern, und nicht, wie es in der Geschichte geschah, mittels der produktiven Prozesse. Das ist das, was uns die prahlerische und berühmte neoliberale Globalisierung gebracht hat.

Die entwickelten Länder kontrollieren 97 % aller Patente auf der Welt, weil sie naturgemäß die besten Intelligenzen monopolisierten, die der Planet hervorgebracht hat. Lateinamerika und der Karibik haben die industrialisierten Länder in den letzten 40 Jahren eine Million Fachkräfte entzogen, ich wiederhole, eine Million Fachkräfte! Wären sie in den Vereinigten Staaten ausgebildet worden, hatte dies 200 Milliarden Dollar gekostet. Die armen Länder der Erde versorgen auf diese Weise die entwickelten Länder mit den besten Früchten ihrer Universitäten.

Ich hatte die Angaben dort auf einem Zettel, davon sprach ich bei einer Podiumsdebatte bei den Vereinten Nationen: In den letzten zehn Jahren fingen die USA 19 der 22 Physik-Nobelpreisträger ein, etwas ähnliches geschieht mit den Nobelpreisträgern der Medizin und anderer wissenschaftlicher Zweige. Das Wissen wird heutzutage als der wichtigste Faktor für die Entwicklung angesehen, und die Länder der Dritten Welt sehen sich konstant ihrer besten Talente beraubt.

Eine letzte Angabe von einigen, die ich auswählte: Kaum 1 % der 56 Milliarden Dollar, die jedes Jahr für Gesundheitsforschungen investiert werden, verwendet man für die Erforschung von Lungenentzündung, Durchfallkrankheiten, Tuberkulose und Malaria, vier der hauptsächlichen Geißeln der unterentwickelten Welt.

Die fortschrittlichsten Medikamente, mit Hilfe derer diejenigen Menschen, die die Tragödie einer Infektion mit dem AIDS-Virus erlitten, einige Jahre länger überleben können, kosten in den industrialisierten Ländern 10 000 Dollar. Das ist das, was sie kassieren; auch wenn sich die realen Produktionskosten dieser Medikamente auf etwa 1 000 Dollar belaufen.

Wir sind gut über die Tragödie unterrichtet, welche die Welt erleidet, denn eines unserer geheiligsten Prinzipien ist die Solidarität (Beifall).

Diejenigen, die nicht an den Menschen glauben, an sein Potential an noblen Gefühlen, an seine Fähigkeit zu Güte und Altruismus, können niemals verstehen, daß wir nicht nur Schmerz empfinden angesichts eines sterbenden oder leidenden kubanischen Kindes - man muß nicht nur über diejenigen sprechen, die sterben -, sondern daß wir uns auch um das haitianische, guatemaltekische, dominikanische, puertorikanische, afrikanische und aus jedem anderen Land der Welt kommende Kind sorgen (Beifall). Die menschliche Spezies wird ihren höchsten Bewußtseinsgrad erreicht haben, wenn jedes Volk dazu in der Lage ist, die Leiden der anderen Völker als seinen eigenen Schmerz zu verspüren.

Ich denke noch etwas weiter: Die Menschheit erreicht erst das Maximum ihres Bewußtseins und ihrer potentiellen Qualitäten, wenn einen Menschen der Tod des Kindes irgendeiner Familie so sehr schmerzt wie der Tod des eigenen Kindes oder des Kindes aus jeglicher anderen nahestehenden Familie (Beifall).

Ich weiß, daß viele von euch - vielleicht die überwiegende Mehrheit - Christen sind und hier befinden wir uns in einer Kirche. Nun gut, Christus predigte genau dies, und für uns bedeutet dies Nächstenliebe (Beifall). Dies erklärt die Anstrengungen, die Kuba für andere Länder im Rahmen seiner Kräfte unternommen hat. Einige der Dinge erwähntet ihr zu Beginn der Veranstaltung.

Es gibt eine Angabe, die diese Gefühle der Solidarität beweist: etwa eine halbe Million unserer Landsleute haben internationalistische Einsätze in zahlreichen Ländern in verschiedenen Teilen der Welt abgeleistet, besonders in Afrika (Beifall), als Ärzte, Lehrer, Techniker, Arbeitskräfte oder als Soldaten (Beifall).

Als alle Welt mit dem Südafrika des Rassismus und des Faschismus Handel trieb und dort investierte, stellten sich Zehntausende von freiwilligen kubanischen Kämpfern den Soldaten des Rassismus und Faschismus entgegen (Beifall).

Heutzutage sprechen alle glücklich über die Bewahrung der Unabhängigkeit Angolas, das trotzdem noch einen harten Bürgerkrieg durchleidet, und zwar durch die Schuld derjenigen, die über viele Jahre hinweg die bewaffneten Banden ausrüsteten, darunter die Apartheid-Regierung und andere Regierungen, die ich aus Respekt vor dem Ort, an dem ich mich befinde, nicht erwähne (Beifall).

Die halbe Million Freiwillige, die ihren Einsatz kostenlos erfüllten, gingen nicht dorthin, um in Erdöl, Diamanten, Mineralien oder in irgendeinem Reichtum dieses Land zu investieren (Beifall).

Kuba besitzt keine einzige Investition in den Ländern, in denen unsere Internationalisten ihre Pflicht erfüllten (Beifall); es besitzt dort weder einen Dollar Kapital noch einen Quadratmeter Land (Beifall).

Amilcar Cabral, ein großer afrikanischer Führer (Beifall), sagte eines Tages prophetische Worte, die eine unvergeßliche Ehre für uns darstellen: "Wenn die kubanischen Kämpfer zurückkehren, werden sie nur die Überreste ihrer gefallenen Genossen mitnehmen" (Anhaltender Beifall).

Niemand blockierte das schändliche Apartheid-Regime, niemand führte einen Wirtschaftskrieg gegen es; es gab keine Helms-Burton- oder Torricelli-Gesetze für das faschistische und rassistische Regime. Alle diese Gesetze und Maßnahmen wenden sie hingegen gegen das solidarische Land an, welches Kuba gewesen ist und immer sein wird.

Allein mit der Reduzierung der Kindersterblichkeit in unserem Vaterland von etwa 60 Todesfällen im ersten Lebensjahr pro 1 000 Lebendgeborenen auf etwa 7 haben wir das Leben von Hunderttausenden von Kindern gerettet; wir haben die Gesundheit aller Kinder kostenlos bewahrt, und wir haben ihnen eine Lebenserwartung von mehr als 75 Jahren garantiert (Beifall). Mehr noch, wir haben ihnen nicht nur das Leben bewahrt, sondern wir haben allen auch eine kostenlose Ausbildung garantiert (Beifall), und zwar keine egoistische und mittelmäßige Ausbildung, sondern eine solidarische und hochqualifizierte Ausbildung.

Bei einer von der UNESCO, einer UNO-Institution, durchgeführten Untersuchung wurde festgestellt, daß unsere Kinder über fast das Doppelte an Kenntnissen verfügen im Vergleich zu den durchschnittlichen Kenntnissen der Kinder in Lateinamerika (Beifall).

Wir haben gleichfalls während der Jahre der Revolution das Leben von vielen Hunderttausend Kindern in Afrika und anderen Teilen der Dritten Welt gerettet, und wir haben Aberdutzende Millionen Menschen gesundheitlich betreut. Mehr als 25 000 Beschäftigte des Gesundheitssektors haben an dieser internationalistischen Aktivität teilgenommen (Beifall). Dies nennt man "Verletzung der Menschenrechte", und deswegen müssen wir zerstört werden.

Unsere Revolution hat ihre Geschichte. Ich besäße nicht die geringste Moral, um hier zu sprechen, wenn in den mehr als 40 Jahren nur ein kubanischer Bürger von der Revolution ermordet worden wäre, wenn in Kuba nur eine einzige Todesschwadron existiert hätte, wenn es in Kuba nur einen einzigen Verschwundenen gegeben hätte; aber ich gehe noch weiter, wenn ein einziger Bürger unseres Landes gefoltert worden wäre - seht, was ich euch sage -, wenn ein einziger Bürger unseres Landes gefoltert worden wäre. Und das weiß das ganze kubanische Volk (Beifall), ein rebellisches Volk mit einem äußerst ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Es hätte uns keines dieser Dinge, die ich genannt habe, verziehen (Beifall), und dieses Volk ist der Revolution über mehr als 40 Jahre hinweg gefolgt und hat mit vorbildlichem Stoizismus 41 Jahre Blockade von seiten der Regierungen des politisch, wirtschaftlich, technologisch und militärisch mächtigsten Landes der Erde ertragen. Und zudem in den letzten 10 Jahren die doppelte Blockade, zu der es nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Blocks und der UdSSR kam und die uns unsere Märkte und Versorgungsquellen entzog zum Erwerb von Lebensmitteln, Treibstoff, Rohstoffen und vielen anderen lebenswichtigen Produkten, die wir mit unseren Einnahmen bezahlten, und um zu bezahlen, muß man selbstverständlich Handel treiben. Wenn man einem Land nichts abkauft, kann dieses Land über nichts verfügen, mit dem es bei dem kauft, der ihn seiner Einnahmen beraubt.

Vielleicht wird die Geschichte eines Tages zeigen, wie Kuba das Wunder vollbringen konnte, durchzuhalten (Beifall); doch währenddessen versichere ich euch, daß kein anderes Land Lateinamerikas und der Karibik dies hätte ertragen können.

Dieses Land, in dem wir uns gerade befinden, ist eines der wenigen Länder, das sich mit fast allen lebenswichtigen Elementen selbst versorgen könnte. Aber das ist nicht die Lage eines kleinen isolierten Landes, oder eines mittelgroßen oder selbst großen Landes Lateinamerikas. Keines hätte auch nur 15 Tage durchgehalten und wir haben 10 Jahre durchgehalten (Beifall), und seit bereits einigen Jahren haben wir Schritt für Schritt nicht nur erreicht zu überleben, sondern auch unsere wirtschaftliche Produktion allmählich zu steigern, wenn wir auch noch nicht die Werte erreicht haben, die wir vor der doppelten Blockade hatten, die uns zu dem zwang, was wir eine Spezialperiode nennen.

Es genügt, euch zu sagen, daß der tägliche Konsum von 3 000 Kalorien - mehr oder weniger gleichmäßig - von einem Tag auf den anderen auf 1 800 Kalorien sank. Jetzt bewegen wir uns etwa um die 2 400 Kalorien.

Doch nicht einmal dies hindert uns daran, das zu tun, was wir taten. In den letzten 10 Jahren haben wir 30 000 Ärzte in unser Gesundheitsnetz eingegliedert, denn es wurde keine einzige Poliklinik, keine einzige Schule und kein einziges Klassenzimmer geschlossen (Beifall).

Niemals kam es in unserem Land zu den sogenannten Schocktherapien, die Krankenhäuser, Schulen, die soziale Sicherheit und die lebenswichtigen Ressourcen für Menschen mit geringerem Einkommen hinwegfegen. Wir hielten durch und es wurde nicht eine einzige jener Maßnahmen angewandt, und diejenigen, die wir anwandten, um einer so schwierigen Situation zu begegnen, wurden mit dem ganzen Volk diskutiert, nicht nur in unserem Parlament. Unser Parlament existiert, obwohl viele Leute dies ignorieren, und es existiert mit einem demokratischen Geist, auf den wir stolz sind, denn es sind die Bewohner der Stadtviertel, die bei öffentlichen Versammlungen die Kandidaten für den Posten des Abgeordneten auf Wahlkreisebene aufstellen und sie durch allgemeine und geheime Wahl wählen. Keiner wird von der Partei aufgestellt. Sie werden frei von den Nachbarn der Viertel aufgestellt - nicht mehr als acht und nicht weniger als zwei Kandidaten, um daraus einen auszuwählen - und unter Berücksichtigung ihrer Verdienste und ihrer Fähigkeit gewählt.

Diese Volksvertreter auf Stadtteilebene bilden die Kreisversammlungen, und diese Kreisversammlungen, die aus der Basis hervorgegangen sind, stellen die Kandidaten für die Abgeordnetensitze in der Provinzversammlung und der Nationalversammlung auf, die ebenfalls durch direkte und geheime Wahl gewählt werden und mehr als 50 % der Stimmen erhalten müssen.

Und fast die Hälfte dieser Nationalversammlung, zur der Alarcón und einige Genossen der Delegation, die ich von hier aus sehe, gehören, setzt sich aus diesen Volksvertretern der Stadtteilebene zusammen, die, wie ich erklärte, vom Volk aufgestellt und gewählt wurden, ohne irgendeinen Eingriff unserer Partei, deren einzige Mission darin besteht, die Einhaltung der von unserer Verfassung aufgestellten Normen und unserer Gesetze im Zusammenhang mit dem Wahlprozeß zu garantieren.

Niemand muß einen einzigen Cent ausgeben, nicht einen einzigen (Beifall). Die Kandidaten auf Stadtteilebene bestreiten die Wahlkampagne gemeinsam, und ebenso gemeinsam bestreiten sie die Kandidaten für die Nationalversammlung , die von den Kreisen aufgestellt werden, und zwar gemäß der Größe jedes Kreises, wenn auch jeder von ihnen über mindestens zwei Abgeordnete im Parlament verfügen muß. Das ist die Vorgehensweise, die Methode, die wir entworfen haben, um das demokratische Prinzip zu garantieren.

Aber ich sagte euch, daß alle Maßnahmen, die wir zum Begegnen der schwierigen Situation der Spezialperiode anwandten, diskutiert wurden, und zwar zunächst an der Basis, mit Arbeitern, Bauern, Studenten und den weiteren Massenorganisationen, in Hunderttausenden von Versammlungen, und nachdem sie danach in der Nationalversammlung analysiert wurden, kehrten sie erneut zur Basis zurück, um dort diskutiert zu werden, bevor sie schließlich endgültig von der Nationalversammlung beschlossen wurden.

Diese Maßnahmen schützten alle und garantierten für alle Sicherheit. Es wurden hauptsächlich alkoholische Getränke, Zigarren und alle Art von Luxusgütern besteuert. Niemals Medikamente, Lebensmittel und andere für unsere Bevölkerung lebenswichtigen Dinge, und trotz allem konnten wir für jedes der Kinder bis zum siebten Lebensjahr den täglichen Liter Milch garantieren (Beifall). Wißt ihr zu welchem Preis? Gemäß dem offiziellen Wechselkurs zu 1,5 US-Cent, eineinhalb Cent.

Wir haben noch immer Rationierung und wir werden sie weiter haben in bezug auf eine Reihe von Lebensmitteln; aber ein Pfund Reis, das auf dem Weltmarkt 12 bis 15 Cent kostet- ohne den Transport von einem entfernten Ort einzurechnen, weil wir ihn nicht dort erwerben können, wo er am nächsten ist, und ohne Einbeziehung der Ausgaben für internen Transport, Verteilung und alles weitere -, wird der Bevölkerung - das Pfund Bohnen verkauft man zum Preis der Milch, 1,5 US-Cent - für etwas weniger als 1,5 US-Cent verkauft (Beifall).

In unserem Land wird für die Wohnungen, in denen die Mehrheit der Bürger leben, 0 US-Cent bezahlt (Beifall), denn heute befinden sich im Einklang mit den revolutionären Gesetzen mehr als 85 % der Wohnungen im Besitz der Familie, die sie bewohnt (Beifall), und sie bezahlen nicht einmal Steuern. Für die restlichen Wohnungen, die sich an entlegenen Orten befinden, die für die Industrie und die Dienstleistungen unentbehrlich sind, wird eine äußerst bescheidene Miete bezahlt oder die Familien erhalten sie zum Nießbrauch. Wenn jemand sagt, daß in Kuba ein bestimmter Bürger 15 oder 20 Dollar pro Monat verdient, dann sage ich deshalb folgendes: Man muß hierbei eine bestimmte Summe hinzufügen, die die Bezahlung einer Wohnung in New York kosten würde, einige Hundert Dollar für Ausgaben bei der Ausbildung, weitere Hunderte Dollar für Ausgaben bezüglich der Gesundheit, und ich füge andere wachsende Ausgaben hinzu. Das heißt nicht, daß wir nicht arm wären oder daß wir keine Bedürfnisse hätten; aber wir haben die Armut und die Mittel mit der größtmöglichen Gerechtigkeit verteilt (Beifall).

Zwei oder drei Beispiele mehr. Der Besuch eines wichtigen Baseballspiels - zum Beispiel in Baltimore, gemäß unserer Erfahrung - kostet im Durchschnitt 19 US-Dollar. Einen kubanischen Bürger kostet dies gemäß dem Wechselkurs 5 US-Cent . Der Eintritt ins Kino oder ein Theater - wie ihr wißt, kostet dies in New York zwischen 6 und 8 US-Dollar - kostet einen Kubaner 5 US-Cent. Der Besuch eines Museums - diejenigen, die bezahlen, denn unsere Kinder bezahlen keinen Eintritt - kostet unsere Bürger 5 US-Cent. Deshalb war es möglich, die schwierigsten Bedingungen auszuhalten, trotz der Krise, wenn uns auch noch viele Dinge fehlen.

Die Preise der grundlegenden Medikamente sind die gleichen wie 1959, vor 40 Jahren (Beifall), und zwar um die Hälfte reduziert, denn eine der ersten Maßnahmen, die die Revolution einleitete, war die Senkung der Preise, und diejenigen, die diese Medikamente im Krankenhaus verabreicht bekommen, müssen nicht einen Cent zahlen (Beifall); und wenn sie eine Herztransplantation, eine Nierentransplantation oder andere Arten von Transplantationen benötigen, oder kostspielige Operationen oder Behandlungen, dann müssen sie nicht einen Cent bezahlen.

Das, was die Revolution für das Volk machte, erzeugte das Heldentum, mit dem dieses Volk eine solch kolossale, von keinem anderen Land jemals bewältigte Probe meisterte, über mehr als 40 Jahre Blockade hinweg, von denen die letzten 10 Jahre die Charakteristiken hatten, die ich euch erläuterte. Es dürfte deshalb nicht erstaunen, wenn die US-Amerikaner selbst anerkennen, daß die gesündesten der jungen Menschen, die auf die eine oder andere Weise in die USA emigrieren, Kubaner sind; und außerdem mit einem größeren Wissensniveau als die Immigranten aus irgendeinem anderen lateinamerikanischen und karibischen Land (Beifall).

Euch gegenüber, die ihr mit so viel Standhaftigkeit gegenüber so vielen Verleumdungen und Lügen solidarisch mit unserem Vaterland gewesen seid, fühle ich mich in der Pflicht, diese Dinge zu erklären, ohne mich auch nur einen Hauch von der Wahrheit zu entfernen.

Nun gut, unser internationalistischer Geist ließ während der Spezialperiode nicht nach. Es trifft zu, daß wir die Anzahl von Stipendien für ausländische Studenten verringern mußten, die in den achtziger Jahren für 24 000 Studenten gewährt wurden. Wir waren das Land mit der höchsten Zahl von ausländischen Studenten pro Kopf, unter allen Ländern der Welt (Beifall), ohne dafür einen einzigen Cent zu kassieren.

Zehntausende Fachleute und Techniker aus Afrika studierten in Kuba und machten dort ihren Abschluß; ich spreche von Afrika, wenn auch aus vielen anderen Ländern Studenten kamen, doch sie kamen hauptsächlich aus dem ärmsten Kontinent. Während dieses Jahrzehnts ging die Zahl zurück.

Ebenso reduzierten sich während einigen Jahren unvermeidlicherweise die Hilfsprogramme im Gesundheitsbereich; doch ich kann euch mit Zufriedenheit sagen, daß wir heutzutage mehr Ärzte und Beschäftigte des Gesundheitswesens haben, die kostenlose Dienste in der Dritten Welt leisten, als zu jeder vorherigen Epoche (Beifall).

Einige kurze Worte zu dieser Frage. Nach dem Hurrikan George - ich kann mir nicht erklären, warum sie ihm den Namen des Mannes gaben, der der wichtigste Schmied der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten und ihr erster Präsident war -, der große Zerstörungen anrichtete und viele Menschen tötete, boten wir Haiti, dem ärmsten Land unserer Hemisphäre, die Ärzte an, die es benötigen würde (Beifall). Und als wenige Wochen danach in Mittelamerika das selbe mit dem Hurrikan Mitch geschah - der schreckliche Regenfälle mitbrachte als Folge der Klimaveränderungen, mit sehr schädlichen Folgen, und zwar hauptsächlich deswegen, weil die Wälder abgeholzt wurden, um Holz in die reichen Länder zu exportieren -, boten wir das gleiche an, und wir entsendeten sogar unmittelbar Hunderte von Ärzten und schlugen ihnen vor, integrale Gesundheitspläne zu entwickeln.

Unserer Ansicht nach handelte es sich nicht nur darum, eine Anzahl von Ärzten zu schicken, 15 oder 20 Tage nach dem Hurrikan zu helfen und danach abzureisen, denn dieser Hurrikan tötete, gemäß den damals genannten höchsten Zahlen, mehr als 30 000 Menschen. Vielleicht beliefen sich die reellen Zahlen um etwa 15 000 Todesopfer, weil viele der Verschwundenen später an irgendeinem Ort wieder auftauchten. Wir wußten, daß in Mittelamerika jährlich aufgrund von voraussehbaren Krankheiten mehr als 40 000 Kinder sterben - ich erwähne nicht die Erwachsenen -; später kommt es zu einem dauerhaften und stillen Hurrikan, der sehr viel schrecklicher als Mitch ist und der jedes Jahr dreimal mehr Kinder tötet als diejenigen, die durch Mitch ums Leben kamen, ohne daß irgend jemand davon spricht.

Die Länder akzeptierten die Vorschläge, hauptsächlich diejenigen, die mit einem unabhängigen Kriterium handelten; einigen verboten sie es. Diese damals entstandenen Gesundheitsprogramme gingen weiter.

Zur Zeit halten sich in einem dieser Länder - und in den entlegensten Gebieten, wo es Schlangen und Moskitos und keinerlei Strom gibt - etwa 450 Ärzte und Beschäftigte des Gesundheitswesens auf, wobei einige Techniker für medizinische Geräte und einige fachspezifisch ausgebildete Krankenschwestern eingeschlossen sind. Doch fast alle sind Ärzte.

Diese Programme gehen weiter und werden verbreitert. Wir steuern nicht die Medikamente bei, weil wir sie nicht haben. Die Medikamente werden von den Regierungen und bestimmten Nichtregierungsorganisationen geliefert; doch die Dienste unserer Ärzte sind absolut kostenlos (Beifall).

In Haiti betreuen unsere Ärzte heute - und es sind einige Hundert, etwa genau so viele wie die in dem anderen erwähnten Land - mehr als vier Millionen Einwohner; und eine Gruppe von Fachärzten betreut im wichtigsten Krankenhaus des Landes und in anderen Krankenhäusern, wo Ärztemangen herrschte, diejenigen Bedürftigen, die aus jeglichem Ort des Landes kommen. Sie haben viele Leben gerettet.

Es genügt zu sagen, daß das Retten von Menschenleben nicht so schwierig ist, wenn man auf das schlichte Verfahren der Impfungen zurückgreift, die nur Cents kosten, und wenn man selbstverständlich in der Gesundheitspolitik Konzeptionen anwendet, die es erlauben, viele Menschenleben zu retten und viele Menschen mit niedrigstem finanziellem Aufwand zu heilen. Man verliert Millionen von Kinderleben in der Dritten Welt wegen einigen Cents.

Wir boten allein Mittelamerika etwa 2 000 Ärzte an, und Haiti diejenigen, die es benötigt. Aber wir machten nicht nur das. In einer wichtigen militärischen Einrichtung der Verteidigungsschulen und ausgehend von den Kürzungen, die wir an unseren Militärausgaben vornahmen, schufen wir in Kuba eine Schule, in der etwa 1 000 junge Menschen aus Mittelamerika, die von den entlegensten Orten und aus einfachen Verhältnissen herstammten, den Unterricht aufnahmen, um Medizin zu studieren (Beifall).

Sechs Monate medizinisches Vorstudium, um sie einzustufen; zwei Jahre Studium der grundlegenden Wissenschaften in dieser Schule, und danach vier Jahre in einigen der 20 medizinischen Fakultäten, über die das Land verfügt, deren Kapazitäten, gemeinsam mit denjenigen der grundlegenden Wissenschaften, zur Zeit für fast 40 000 Studenten ausgeweitet werden.

Es gab Jahre, in denen wir in diesen Fakultäten 6 000 Studenten einschrieben, danach reduzierten wir logischerweise diese Zahl. Jetzt studieren ihnen nicht nur Medizinstudenten, sondern auch diejenigen, die das Diplom in Krankenpflege anstreben, sowie Techniker für Krankenhausdienste mit Universitätsniveau, zusätzlich zu den angehenden Zahnärzten. Wir verfügten über eine bedeutende Kapazität.

Und diese Schule, die ich erwähnte, verfügt über mehr als 3 000 Studenten, innerhalb von einigen Monaten, wenn der neue Kurs beginnt – einige Länder beenden den Kurs der Mittelschulausbildung am Ende des Jahres und andere zu Beginn des Sommers -, beginnen wir mit dem Empfang von neuen Studenten für den Einstufungskurs. Im März beginnen an dieser Schule 1 700 Studenten, und man wird die Zahl von etwa 5 000 Studenten erreichen (Beifall).

Innerhalb von drei Jahren wird es in Kuba mehr als 8 000 lateinamerikanische Medizinstudenten geben, ohne einen einzigen Cent zu bezahlen, und sie haben sogar eine bessere Ernährung als die diejenige der 40 000 kubanischen Universitätsstipendiaten, die wir in unseren Universitäten haben.

In dieser Schule gibt es auch zur Zeit 80 Studenten aus Äquatorial-Guinea, einem spanischsprachigen Land.

Das ist ein Programm, es heißt Lateinamerikanische Fakultät für Medizin, doch es verfügt nicht nur über jenes Gebäude für grundlegende Wissenschaften und Vormedizin; das Programm beinhaltet alle medizinischen Fakultäten im ganzen Land.

Ich beziehe hierbei nicht ein, daß wir in Santiago de Cuba mehr als 200 haitianische Schüler haben, exzellente Studenten, die dort ihren Einstufungskurs absolvierten und ihr Medizinstudium begannen. Jedes Jahr werden wir etwa 80 empfangen. Ebensowenig schließe ich die jungen Medizinstudenten aus der Karibik in der Fakultät von Cienfuegos ein. Insgesamt dürfte es zur Zeit - ich werde konservativ schätzen - etwas mehr als 4 000 Studenten aus Lateinamerika und der Karibik geben, die in Kuba Medizin studieren. Innerhalb von kurzer Zeit werden es 10 000 sein (Beifall). Das kann unser Land trotz der Blockade machen, absolut kostenlos und mit angemessenen Lebens- und Ernährungsbedingungen, mit Laborgeräten, Texten, Kleidung, selbstverständlich, und anderen Ausgaben, einschließlich der Transportmittel der Schule selbst.

Die Immatrikulierung wurde auf Studenten aus ganz Lateinamerika ausgeweitet, als eine Form der Gemeinschaft, der Brüderlichkeit und des kulturellen Austauschs.

Diese Schule hat ihre nach Ländern eingeteilten Kulturgruppen. Sie werden diese Schule mit weitgehenden Kenntnissen über den Rest der Nationen verlassen, und es handelt sich hauptsächlich darum, eine neue Konzeption zu schaffen, eine neue Doktrin darüber, welche die Rolle des Arztes in der Gesellschaft sein muß, denn in den Hauptstädten und den großen Städten Lateinamerikas gibt es Ärzte im Überfluß, aber sie wurde nicht alle mit der Idee ausgebildet, was die Pflicht eines Arztes zu sein hat (Beifall). Die Anzahl der Studenten ist nicht so wichtig wie die Ideen, die diesem Programm leitgebend sind.

Nun gut, ihr stellt euch nicht vor, mit welcher Begierde diese jungen Menschen studieren, mit welchem Fleiß, mehr sogar als unsere eigenen Schüler, die daran gewöhnt waren, alle diese Chancen auf die selbe Weise zu erhalten, wie sie jeden Tag die Sonne aufgehen sehen. Jene jungen Menschen stammen aus sehr armen Orten und das Studium der Medizin war ein Traum für sie. Die Ergebnisse sind exzellent. Welch wunderbare Ärzte werden in diesen Schulen ausgebildet! Wir fühlen uns wirklich entschädigt durch die Anstrengung, die sie unternehmen.

Was machen wir in Afrika? Es ist unmöglich, Zehntausende von Afrikanern herzubringen. Schaut, Afrika würde etwa 160 000 Ärzte benötigen, um im Durchschnitt einen Arzt für je 4 000 Einwohner zu haben. Kuba hat einen Arzt pro 168 Einwohner und graduiert 2 000 pro Jahr.

Um einen Arzt pro 1 000 Einwohnern zu haben, bräuchten die schwarzafrikanischen Länder etwa 596 000 Ärzte. Wie können diese Länder sie ausbilden? Was ist die Lösung, die wir mit den integralen Gesundheitsprogrammen für Afrika anwenden? Wir haben eine Verfügbarkeit von 3 000 Ärzten für die schwarzafrikanischen Länder. Ihre erste Aufgabe besteht darin, dort, wo keine medizinische Fakultät existiert, eine solche sofort aufzubauen (Beifall), wobei sie Abiturienten sammeln und einen sechsmonatigen Einstufungskurs beginnen. So haben wir es gerade in Gambia gemacht, wo es 158 kubanische Ärzte gibt (Beifall). Sie baten um 90 weitere und wir boten sie ihnen an. Es war das erste Land Afrikas, in dem mit den integralen Gesundheitsplänen begonnen wurde. Sie hatten in Gambia 30 einheimische Ärzte für 1 200 000 Einwohner.

An zweiter Stelle kam Äquatorial-Guinea: sie haben dort auch bereits die medizinische Fakultät geschaffen. Es gibt gleichfalls in diesem Land mehr als 100 kubanische Ärzte.

Eine Medizinschule, die wir vor vielen Jahren in Guinea-Bissau geschaffen hatten und die durch einen kürzlichen Bürgerkrieg mit ausländischer Intervention zerstört wurde, konnten sie noch nicht wieder aufbauen, aber sie baten uns, daß die Studenten des fünften und sechsten Studienjahres in Kuba weiter studieren könnten. Sie wurden sofort angenommen (Beifall), aber da sich der Wiederaufbau der Schule verzögerte, baten sie uns vor einigen Wochen, auch die Studenten des ersten, zweiten, dritten und vierten Jahres herzubringen. Wir sagten ihnen: "Schickt sie sofort". So bleiben also in keinem dieser Fälle die jungen Menschen ohne ihre Studien.

Das ist die Linie, die wir verfolgen. Man muß Hunderttausende von afrikanischen Ärzten ausbilden. Niemand kümmert sich darum. Es gibt einen sehr reichen Teil der Welt, den nur das Erdöl, die Diamanten, die Erze, die Wälder, das Gas, die billige Arbeitskraft und sonst nichts interessiert. Deshalb ist die Situation dieser Hemisphäre heutzutage schlimmer als in der Kolonialzeit, sehr viel schlimmer! Die Bevölkerung hat sich vervielfacht. Die Situation ist schrecklich.

Gestern bei den Vereinten Nationen sprach man von AIDS. Das ist ein anderes Kapitel. Wenn ihr es mir erlaubt, spreche ich später darüber (Beifall).

Warum bin ich ein wenig ausgeschweift bei diesem Thema der Medizin? Ich erkläre es euch? Wir haben allen Ländern der Karibik kostenlos die Stipendien gewährt, die sie für das Absolvieren jeglicher Universitätslaufbahn beantragt haben. Es gibt viele Länder in der Karibik, doch die Gesamteinwohnerzahl ist nicht sehr groß. Sie sprechen Englisch. Ich entdeckte vor kurzem etwas, das mich stauen ließ: es besuchten uns einige Vertreter der schwarzen Fraktionsversammlung im US-Kongreß - ich spreche davon, weil sie über das Thema gegenüber der Presse sprachen, es ist das erste Mal, daß ich dies öffentlich erwähne -, und ein Abgeordneter aus Mississipi - für einen Distrikt dieses US-Bundesstaates -, dem ich von diesen Programmen erzählte, sagte mir: "Hören Sie, in meinem Distrikt gibt es viele Orte, die über keinen einzigen Arzt verfügen." Ich sage ihm: " Wie bitte? Ah, jetzt merke ich, daß ihr die Dritte Welt der Vereinigten Staaten seid" (Beifall und Rufe). Und ich sagte ihm: "Wir sind bereit, ihnen einige Ärzte kostenlos zu schicken, genauso wie wir es mit anderen Ländern der Dritten Welt machen."

Ich erfuhr dies wie aus heiterem Himmel. Man hört immer, wie vom Reichtum der Vereinigten Staaten gesprochen wird, vom Bruttoinlandsprodukt, das 8 Billionen Dollar übersteigt, usw., usf., und plötzlich treffe ich mich mit einem angesehenen Mitglied des US-Repräsentantenhauses, der mir erzählt, daß in seinem Distrikt Ärzte fehlen. Deswegen antwortete ich ihm: "Wir können sie schicken." Und sofort darauf fügte ich hinzu: "Noch etwas mehr, schauen Sie," - ich erinnerte mich an die Schulen - "wir sind bereit, eine Anzahl von Stipendien für arme Jugendliche ihres Distrikts zu gewähren, die nicht die 200 000 Dollar bezahlen können, die ein Universitätstudium kostet." (Beifall und Rufe) Als sie zurückkehrten, sprachen sie über dieses Problem, und sie haben uns gesagt, daß sie die Frage der Stipendien prüfen, denn immer gibt es ein Problem der Vereinbarkeit bezüglich des Systems der Berufsausbildung in jedem Land.

Und ich versichere euch, daß unsere Ärzte hervorragend ausgebildet sind. Ab dem ersten Studienjahr stehen sie in Kontakt mit den Familienärzten und den Polikliniken, und über sechs Jahre hinweg absolvieren sie nicht nur theoretische Studien mit ausgezeichneten Professoren und den notwendigen technischen Mitteln, sondern auch praktische, und zwar in permanentem Kontakt mit den Krankenhäusern. Unsere 20 Fakultäten - in Wirklichkeit sind es 22, aber nur 2 sind Fakultäten für grundlegende Wissenschaften - wurden in der Umgebung der wichtigsten Krankenhäuser des Landes in allen Provinzen errichtet. Genau dort absolvieren sie ihre Lehrpraktika und genau dort studieren sie ihre Fachrichtungen, ohne die Provinz zu verlassen, um in der Hauptstadt zu studieren.

Der Abgeordnete des Repräsentantenhauses bemerkte mir gegenüber, daß dies auch die Situation anderer Minderheiten sei, und er erzählte mir von den Chicanos, den Indianerreservaten und anderen Gebieten des Landes, und nicht nur von Latinos und Immigranten, sondern auch von in den Vereinigten Staaten geborenen Bürgern. Ich sagte ihm: "Das ist ein sehr großes Land, enorm groß, wir könnten dort nicht das machen, was wir mit anderen Ländern machen. Ich weiß nicht, wie viele Einwohner eure Dritte Welt hat, aber ich stelle mir vor, daß es 30 oder 40 Millionen sein können" (Beifall).

Wollt ihr, daß ich euch etwas sage? Wir verfügen über Ärzte für einige Millionen Menschen, aber ich wagte nicht, ihm mehr anzubieten, denn wir haben viele Verpflichtungen. Ich sagte ihm: "Das wird euer großes Problem nicht lösen, aber ich bin sicher, daß in dem Fall, wenn ihr Ärzte benötigt und Visa für die Einreise dieser Ärzte beantragt, es unmöglich sein wird, daß die Behörden diesen Ärzten die Visa verweigern. Wie rechtfertigen sie sonst die Tausende von Ärzten, die sie uns gestohlen haben, die 3 000, die sie in den ersten Jahren raubten - die Hälfte der 6 000, die wir hatten, die Hälfte! -, und mehr als die Hälfte der Universitätsdozenten. Es blieben in Wirklichkeit 3 000 patriotische Ärzte (Beifall), und mit ihnen organisierten wir unsere Pläne, wir nahmen die Herausforderung an. Heute haben wir 67 500 (Beifall), mehr als 20 für jeden einzelnen, den sie in den ersten Jahren geraubt haben. Das ist die Frucht der Beharrlichkeit und des Willens, diese Dinge zu machen (Beifall).

Und was geschieht zur Zeit? Es gibt eine Politik zur Förderung der Desertion unserer Ärzte, die internationalistische Einsätze leisten. Vor einigen Wochen geschah dies mit zwei der 108 Ärzte, die wir in Zimbabwe zur Betreuung von Provinzkrankenhäusern haben, denn diese Krankenhäuser haben nicht genügend Ärzte, da die Apartheid in Rhodesien keine schwarzen Ärzte ausbildete und jenes Rhodesien, das heutige unabhängige Zimbabwe, hat nach mehr als 20 Jahren viele Krankenhäuser ohne Ärzte. Wir verteilten in fast allen Provinzen Teams von wenigstens 8 bis 10 Ärzten: Fachärzte in allgemeiner integraler Medizin, Chirurgen, Orthopäden, Anästhesisten, Radiologen und einige Techniker für die Reparatur der Geräte (Beifall).

Zwei dieser Ärzte, die offensichtlich durch die Billion Dollar angezogen wurden, die jedes Jahr für Werbung ausgegeben wird, um den Konsum zu verherrlichen - und die immer dazu führt, daß ein bestimmter Prozentsatz desertiert und sein Vaterland verläßt-, desertierten. Zu Ehren unseres Landes müssen wir euch sagen, daß - von all denen, die diese Integralen Gesundheitspläne in die Tat umsetzen-, nur 1,6 % der Ärzte Fahnenflucht begangen hat, wenn dies auch schmerzt (Beifall).

Jene gingen zu niemand Geringerem als dem Büro des UN-Hochkomissars für Flüchtlinge. Sofort wandten sich diejenigen, die so stark im Kongreß für das Zurückhalten des Kindes Elián in den USA gekämpft hatten, an die Regierung, um Visa für jene zwei Ärzte zu erbeten. Niemand erinnerte sich an die Kinder, die zurückgelassenen Krankenpfleger, die Menschen, die diese Ärzte betreuten, und die Leben, die sie retteten. Das Wichtigste war der Publics Relations-Effekt: Wir haben zwei kubanische Ärzte gefischt! Und das selbe hat die kubanisch-amerikanische Mafia gemacht, wie wir das nennen, was niemals Stiftung hätte genannt werden dürfen, da es zu einer terroristischen Organisation wurde (Beifall und Rufe). Damit beschäftigt sich diese Organisation in Guatemala, Honduras, Belize, Haiti, Guyana, Paraguay, in den 13 Ländern, in denen diese Programme heute durchgeführt werden, die meiner Berechnung nach auf 30 oder 40 hauptsächlich afrikanische Länder ausgeweitet werden. Wie sie es schaffen, Gehirne zu stehlen!

Ich sagte dem US-amerikanischen Abgeordneten: "Wie könnten sie dir das Visum verweigern, mit welchen Argumenten, mit welcher Moral, wenn sie diese Dinge machen? (Beifall)

Müßten wir etwa, um diese Ärzte zu schicken, auf den Cuban Adjustment Act zurückgreifen, den wir als mörderisches Gesetz bezeichnen aufgrund der Tausenden von Leben, das es kostet, und zwar ausgehend von einem Privileg, das keinem anderen Lateinamerikaner und keinem anderen Bürger eines anderen Landes der Welt gewährt wird, sondern nur den Kubanern, um Destabilisierung, Unordnung und Material für die PR-Aktionen gegen Kuba zu fördern?

Selbstverständlich würden wir dies nicht tun, es handelt sich um ein ernstes Thema. Ich habe die Hoffnung, daß in dem Fall, daß die Abgeordneten der Schwarzen Fraktionsversammlung oder die Vertreter der aus Lateinamerika stammenden Minderheiten - wie sie sie nennen -, oder Vertreter der indianischen Bevölkerung, die Entsendung einer Gruppe von Ärzten beantragen würden - was weder den Steuerzahler noch den US-Haushalt etwas kosten würde -, dann, denke ich, würde ihnen die US-Regierung nicht das Visum verweigern. Das ist das, was ich glaube. Eine andere Haltung sehe ich nicht als logisch an.

Sie werden logischerweise über das Ausbildungsniveau diskutieren. Ich bin absolut sicher, daß die Ärzte, die wir schicken würden, in diesem Fall sich einer rigorosen Überprüfung durch jegliche gerechte Prüfungskommission unterziehen könnten und alle notwendigen Prüfungen bestehen würden, um diesen Einsatz mit Ehre durchzuführen.

Es ist noch leichter, die Medizinstudenten zu schicken. Sie befassen sich mit dieser Aufgabe, und von hier aus kann ich bekräftigen, daß wir bereit sind, 250 Studenten pro Jahr aus der US-amerikanischen Dritten Welt zu empfangen (Beifall). Sie werden außerdem Spanisch lernen und mit Jugendlichen aus der ganzen Hemisphäre in Beziehung treten, denen sie das vermitteln werden, was sie über die Vereinigten Staaten und die US-amerikanische Kultur wissen. Ihre Mitschüler werden ihnen die Kultur ihrer jeweiligen Heimatländer nahebringen.

Und da ich bereits eine Zahl nannte, es handelt sich um 250 Stipendien pro Jahr im ersten Vormedizin-Kurs, der im März beginnt, wir können ihnen 500 anbieten, um andere Minderheiten einzubeziehen. Für die Auswahl wäre unsere Seite nicht zuständig, sondern die Kongreßabgeordneten, die armen jungen Menschen aus ihren Distrikten dabei helfen wollen, Medizin zu studieren, mit der Verpflichtung, zu ihren Herkunftsorten zurückzukehren, wenn sie ihren Abschluß als Ärzte machen (Beifall).

Jetzt möchte ich noch einige Dinge hinzufügen, und damit ihr nicht ungeduldig werdet, werde ich am Ende etwas zu dem Kind Elián erzählen, und danach komme ich zum Schluß. Ich muß auf die Uhr schauen (Er sieht auf die Uhr), wir sind schon eine Weile hier, ich hoffe, daß es nicht zu lange dauert.

Ich sagte, daß die sanitäre Situation in Afrika katastrophal ist, doch das Schrecklichste ist, daß eine neue Plage droht - schaut, was ich euch sage -, ganze Nationen auf diesem Kontinent auszulöschen. Noch etwas mehr: sie droht, die Bevölkerung der schwarzafrikanischen Länder auszulöschen, die 596 Millionen Einwohner haben.

Ich spreche mit aller Ernsthaftigkeit und Überlegung. Ich möchte kein Schwarzmaler sein, aber aus dem Gedächtnis heraus werde ich euch folgendes sagen: Von den 35 Millionen AIDS-infizierten Personen auf der Welt sind 25 Millionen Afrikaner. Zur Zeit - ich verfüge über Angaben aus verschiedenen Quellen und vor allem aus meinen Gesprächen mit dem Verantwortlichen des AIDS-Programms der Vereinten Nationen, der sich intensiv mit dem Problem beschäftigt - sterben jedes Jahr etwas mehr als 2 Millionen afrikanische Bürger aufgrund von AIDS, und es sind, wie man annehmen kann, junge Leute und Mütter im Reproduktionsalter, und auf 2 Sterbefälle kommen 5 Neuinfektionen. Es sind bereits 19 Millionen gestorben, es gibt 12 Millionen Waisen und man berechnet, daß in den nächsten 10 Jahren die Zahl von 42 Millionen erreicht wird.

Man ist weit davon entfernt, einen Impfstoff zu finden.

Und ich frage mich: Wie kann sich ein armes Land der Dritten Welt unter Bedingungen wie denjenigen entwickeln, wo 30 % der Bevölkerung mit AIDS infiziert ist und es ihnen an Ärzten, Medikamenten und Infrastruktur mangelt? Wie betreut man 42 Millionen Waisenkinder? Und das Schrecklichste: unter den 19 Millionen, die bereits gestorben sind, war eine große Anzahl Kinder, die sich bei der Geburt mit dem Virus angesteckt haben, und selbstverständlich viele Mütter. Wie können sie sie ernähren, bei der Menge von unterernährten Menschen und bei dem Hunger, der in vielen dieser Länder existiert?

Vor einigen Wochen fand eine Konferenz in Durban, Südafrika, statt, und dort sprachen afrikanische Vertreter und Vertreter der Industriestaaten Länder. Diese sagten, daß man eine Anstrengung unternehmen müsse, um dem Problem zu begegnen, und daß das Problem schrecklich sei. Ich sagte mit also: Sie haben gerade erst AIDS in Afrika entdeckt, oder es scheint so, daß sie es gerade erst entdeckt haben. Sie sprechen von zu treffenden Maßnahmen, davon, wie die Pharmaunternehmen ihre Kosten reduzieren können und welche kleine Geldsumme sie geben, um zu helfen. Man sprach von einer Milliarde Dollar, oder etwas mehr als einer Milliarde Dollar. Sehr gut. Aber es genügt, darauf hinzuweisen, daß in dem Fall, daß sie den Preis von 10 000 Dollar, den jede Behandlung zum Eindämmen der Krankheit - oder dem Beginn der Eindämmung - kostet, auf 1 000 Dollar senken, sie 25 Milliarden Dollar jährlich bräuchten. Wenn der Preis 5 000 Dollar betragen würde, bräuchten sie 125 Milliarden Dollar, und bei dem momentanen Preis würden 250 Milliarden Dollar benötigt.

Nun muß man abwarten, wieviel vereinbart wird, wie viele Zeit sie benötigen, um ein Programm in die Praxis umzusetzen, wie viele Millionen sich noch neu infizieren, wie viele Millionen sterben werden und um wie viele Millionen die Zahl der Waisen noch zunehmen wird.

Ich versichere euch, daß man mit der Zusammenarbeit der Industriestaaten ein Hauptproblem lösen könnte, auf das ich mich gerade bezog, als ich über das sprach, was einige afrikanische Vertreter vorbrachten: "Wofür? Wofür, wenn wir keine Infrastruktur haben, um diese Medikamente anzuwenden?" Diese Medikamente bestehen aus einer Anzahl von Tabletten, die man zu einer bestimmten Uhrzeit und unter bestimmten Umständen einnehmen muß. Das ist kein Aspirin, das man bei Kopfschmerz einnimmt. Ich habe viel daran gedacht.

Bei der Podiumsdebatte von gestern sprachen viele afrikanische Vertreter von AIDS, und ich, indem ich mich an die Ausführungen von Durban erinnerte, sagte folgendes: "Wenn die Industriestaaten das Geld für die Medikamente beisteuern, kann unser Land aufgrund der Erfahrung, die es durch die Arbeit von Zehntausenden von Ärzten in der Dritten Welt erlangt hat, diese Infrastruktur zur Bekämpfung von Aids und anderer Krankheiten in einem Jahr organisieren (Beifall). Und sorgt euch nicht um politische Fragen, denn unsere Ärzte haben die rigorose Anweisung, sich vor allem anderen an eine Regel zu halten:

Niemals weder über Politik noch über Religion oder Philosophie reden.. An diese Regel halten sie sich. Wenn irgendwo ein Pfarrer einer evangelischen Kirche ist, arbeiten sie mit dem Pfarrer. Der Pfarrer will nicht, daß ihm seine Kinder und Leute sterben und kooperiert. Er kann bei den Gesundheitsprogrammen sehr viel helfen, er kann die Leute dazu bewegen, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen. Wenn sie mit einem Pfarrer einer anderen Kirche, einem islamischen Geistlichen oder dem geistigen Führer einer afrikanischen Religion zusammentreffen, geschieht dasselbe. Sie wollen nicht, daß ihnen die Kinder sterben. Wenn es ein katholischer Pfarrer ist, geschieht genau das gleiche. Er will nicht, daß ihm die Kinder und die Familien der Gemeinde sterben. Wer kann dagegen sein?

Wenn eine so schreckliche Epidemie fortschreitet, werden sie nicht arbeiten, nicht einmal Lebensmittel herstellen können. Sie werden niemals die wenigen Krankenhausbetten erreichen, weil Aids zu anderen schrecklichen Erkrankungen führt.

Zu diesem gesundheitlichen Unglück kommen noch Hunderte von Millionen Fälle von Malariainfektionen und -reinfektionen, an denen jährlich eine Million Menschen sterben. Und 3 Millionen sterben an Tuberkulose, eine Erkrankung, die zweifellos mit Unterernährung und dem HI-Virus zusammenhängt. Ich sagte bereits, daß nur 1% der weltweiten Forschungsausgaben im Gesundheitsbereich zur Erforschung von Tropenkrankheiten ausgegeben werden.

Die Infrastruktur könnte noch weitere ärztliche Leistungen bieten, nicht nur die Verabreichung von Medikamenten gegen Aids. Wenn es Medikamente und Impfstoffe zur Behandlung und Vorsorge anderer Erkrankungen gibt, die viele Opfer fordern, können diese auch bekämpft werden. Die Leistungen werden angeboten und diese sind wirklich recht billig. Wir könnten in jedes Land in Schwarzafrika, wo die Bedürfnisse am größten sind, 100 Ärzte schicken.

Diese Ärzte organisieren die Infrastruktur, leiten Jugendliche an und bilden sie aus. Wenn ihnen 15jährige Jugendliche, die die 6 Klasse abgeschlossen haben, mit den entsprechenden Lehrbüchern zugewiesen würden, könnten sie diese in der Hälfte der Zeit, die an einer Fachschule benötigt würde, zu Krankenpflegern machen. Wenn sie Fachärzte in Orthopädie, Chirurgie oder anderen Fachrichtungen ausbilden wollen, können sie dies in der Hälfte der Zeit tun, die eine Facharztausbildung an einem Krankenhaus dauern würde. Diese Ärzte könnten also viel mehr tun, als die Infrastruktur zu schaffen: Sie könnten Zehntausende qualifizierte Kräfte ausbilden. Und darüber hinaus könnten sie in den Ländern, in denen es keine medizinischen Hochschulen gibt, diese aufbauen. Kuba würde für diese Leistungen keinen Cent verlangen und auch nicht jahrelang warten, um sie umzusetzen. (Beifall).

Sie werden sagen, es gäbe kein Geld. Man könnte ein wenig davon nehmen, was für Werbung ausgegeben wird, die nicht nur in den entwickelten Gesellschaften zum Konsum anregt, sondern auch Millionen Bürger, die in unterentwickelten Ländern leben, wo sie praktisch keine Möglichkeit zum Konsum haben, und von den Militärausgaben, die sich auf 800 Milliarden belaufen (Beifall).

Sie können weltweit Beteiligungsscheine ausgeben, damit viele gute Menschen, die dies nicht wissen, als Beitrag Beteiligungsscheine kaufen können, und noch etwas: eine kleine Steuer auf Spekulationsgeschäfte. Es wäre nicht nur mehr als genug Geld dafür vorhanden, sondern praktisch auch zur Entwicklung dieser Dritten Welt. Es ist notwendig, es ist absolut dringend.

Weshalb wird das nicht getan? Weshalb wird so viel über Menschenrechte geredet, wenn all dies Unglück auf der Welt geschieht? Wer sind die Verantwortlichen dafür, daß jedes Jahr Dutzende von Millionen Menschen, die gerettet werden könnten, sterben, darunter Kinder - von denen mehr als 11 Millionen sterben -, Jugendliche und Erwachsene, die auch wegen der fehlenden angebrachten Hilfe sterben, oder die an einer Erkrankung sterben, die nicht rechtzeitig behandelt wird, oder wegen einer Mißbildung, die behoben werden könnte, oder wegen einer chirurgischen oder orthopädischen Operation nach Unfällen? Man weiß nicht, wie viele sterben, die gerettet werden könnten, oder wie vielen alten Menschen das Leben verlängert werden könnte.

Ein Mensch, der 50 Jahre lang lebt - und Ihr kennt viele und habt viele Verwandte -, würde gerne noch 10 Jahre länger, 20 Jahre länger oder 30 Jahre länger leben; und 70jährige möchten 5, 8 oder 10 Jahre länger leben; und Menschen in meinem Alter, von 74 Jahren, an die ihr heute erinnert habt, würden gerne noch 4 oder 5 Jahre oder sogar 10 Jahre leben, um zu sehen, wie sich die Welt entwickelt und ob einige der Vorhersagen eintreten.

In meinem Fall würde ich dies wirklich gerne, um die in vielen Jahren des Kampfes im Dienst für das Volk gesammelte Erfahrung ein wenig länger auszunutzen (Beifall). Die Gegner reden von "Castro ist seit X Jahren an der Regierung", "Castros Diktatur", "Castros Tyrannei", "er ist an der Macht und will die Macht nicht loslassen", und wer weiß was sonst noch alles. Die Macht, wenn sie nicht dazu dient etwas zu tun, Gutes zu tun, dient zu absolut nichts, und es wäre verrückt, sie zu wünschen (Beifall).

Außerdem habe ich - wie ich es vielen Besuchern erklärt habe - sehr wenige verfassungsmäßige und rechtliche Vollmachten, minimale. Ich ernenne keine Botschafter. Überall auf der Welt ernennt der Präsident des Landes die Botschafter, die Minister. Ich ernenne keine Minister, ich ernenne kein staatliches Amt. Die Botschafter werden von einer Kommission vorgeschlagen, die alle Kader analysiert und dann einen Vorschlag macht, der dem Staatsrat unterbreitet wird, der ihn bestätigen muß - er hat 31 Mitglieder -; und ich habe die Aufgabe, am Ende zu unterschreiben.

Dasselbe gilt für Begnadigungen oder die Umwandlung der Strafe im Fall der Höchststrafe, die von den 31 Mitgliedern des Staatsrats diskutiert werden müssen.

Mir ist das aber egal, ich brauche das nicht. Ich denke, ein Regierender oder jemand der regiert, braucht keine Ämter. Was er braucht, ist moralische Autorität, was er braucht, ist moralische Macht (Beifall).

Im Laufe von 41 Jahren gab es nur ein einziges Mal in Havanna in der Nähe des Hafens einige öffentliche Unruhen. Sie standen in Verbindung mit den Hinweisen im Radio, daß sich einige Boote aus den Vereinigten Staaten nähern würden, um Immigranten abzuholen. Sie wußten, daß wir weder schießen noch versuchen würden, Boote mit Menschen an Bord abzufangen. Als Schnellboote aus den Vereinigten Staaten anfingen, in Schmuggelaktionen zu kommen, näherte sich eines von ihnen der Küste im Osten von Havanna; das Wachpersonal, von diesem außergewöhnlichen Vorfall überrascht, ruft es zum Halt auf und schießt. Es gab einige Verletzte. Ich weiß nicht, ob jemand starb.

Ein anderes Mal versuchte ein Traktor - der einen Wagen mit Menschen zur Küste brachte – einen Polizisten zu überfahren, der sich ihm entgegenstellte, und andere, die ihn begleiteten, schossen: Einige wurden verletzt und einige fielen. Das waren schon zwei Vorfälle.

Ein anderes Mal entführten sie ein Sandbaggerschiff mitsamt Besatzung - all dies wurde durch das Cuban Adjustment Act angeregt -, ein Küstenwachboot gab einige Schüsse ab; glücklicherweise wurde niemand getroffen.

Umgehend erging an alle Grenztruppen und Behörden die direkte Order: "Auf kein Boot mit Menschen an Bord, die versuchen auszureisen, wird geschossen, noch wird versucht, es abzufangen; auch dann nicht, wenn es sich mitten in der Bucht befindet."

Daraufhin wurde sogar die Fähre nach Regla, von der viele von euch wissen, daß es ein Transportmittel zwischen der Altstadt Habana Vieja und dem Ortsteil Regla ist, entführt. Da kam einer mit einem Revolver und mehreren Komplizen an Bord, überwältigte den Bootsführer, und sie fuhren einfach aus dem Hafen aus. Niemand rührte sie an.

Die Geschichte des berühmten Vorfalls mit dem Schlepper "13 de Marzo", von dem gesprochen wird, ist vollständig und im Detail dokumentiert. Wir ordneten eine gewissenhafte Untersuchung aller Gesichtspunkte an. Was geschah war, daß es einen Ort gab, an dem die Schlepper für den Dienst im Hafen lagen. Sie überfielen ihn, überwältigten die Bewacher, zerstörten die Kommunikationseinrichtungen und fuhren mit ihm fort. Drei der dortigen Arbeiter nahmen einen anderen Schlepper und weitere drei oder vier - ich habe hier jetzt nicht die genaue Zahl - nahmen einen anderen, nachts, ohne irgend jemand etwas zu sagen, und sie fuhren mit den zwei Schleppern aus, um zu versuchen, den, den sie mitgenommen hatten, aufzubringen. Niemand wußte davon und es waren bereits Stunden vergangen, seitdem der Schlepper gestohlen worden war.

Sobald der Vorfall den zuständigen Behörden bekannt wurde, wurden der Küstenwache umgehend Instruktionen erteilt, sich der Route, die sie eingeschlagen hatten, zu nähern, um einen Unfall zu vermeiden und den Schleppern, die ausgefahren fahren, um zu versuchen, ihn aufzubringen, zur Umkehr zu befehlen.

Es war früher Morgen, bewegtes Meer und starker Seegang. Bevor das Küstenwachboot ankam, das glücklicherweise beinahe die Hälfte der Insassen des entführten Bootes retten konnte, da es mit Rettungsringen, Tauen und anderen Geräten zur Hilfe und Rettung von Schiffbrüchigen ausgestattet ist, war es zum Zusammenstoß zwischen einem der beiden Schlepper, die versuchten ihn abzufangen, und dem Heck des gestohlenen Schleppers gekommen, der unterging. Die wenigen Besatzungsmitglieder retteten mehrere der Schiffbrüchigen, obwohl ihnen die geeigneten Mittel fehlten und mit der Angst, selbst entführt zu werden. Das Küstenwachboot kam bald an und konnte trotz der schwierigen Situation und der Dunkelheit der Nacht 25 Personen retten. Das ist die wahre Geschichte des Vorfalls. Ah, aber es mußten Lügen erfunden und eine zynische Legende über den Vorfall geschaffen werden.

Ich versichere euch, daß ich nicht übertreibe und die Tatsachen nicht einen Deut verfälscht habe; es würde mich zutiefst beschämen, wenn ich versuchen würde, etwas zu rechtfertigen, das eine niederträchtige Tat darstellt. Das ist nie unsere Verhaltensart gewesen.

In den Vereinigten Staaten müssen noch viele der 1 200 Gefangenen sein, die wir in der Schweinebucht gemacht hatten. Keiner von ihnen kann sagen, daß sie ihn mit dem Kolben gestoßen hätten, obwohl 100 Genossen gestorben und Hunderte verletzt worden waren. Ich war dort. Das wurde mir nicht erzählt. Ich habe wirklich selbst an der Gefangennahme teilgenommen. Ich ging sogar an einer Gruppe bewaffneter Invasoren, die hinter einigen Mangroven waren, vorbei - ich ging auf einem Weg in der Nähe des Ufers -, sie sahen mich aus wenigen Metern Entfernung. Keiner schoß.

Es gibt Augenblicke in einer Schlacht, in denen die Moral des Gegners vollständig verschwindet und niemand noch einen Schuß abgibt. Später gaben sie vor Gericht als Verdienst an, damit es gewürdigt werde, daß ich vor der Schwadron mit automatischen Waffen vorbeigegangen war und sie nicht auf mich geschossen hatten. Vielen Dank, ich bin ihnen sehr dankbar. Ich wäre keine 74 Jahre alt geworden, also bin ich ihnen dankbar (Beifall). Aber keiner kann sagen, sie seien mißhandelt worden, und sie waren bewaffnet und, von einer ausländischen Macht geschickt, in unser Vaterland eingedrungen.

Wäre es umgekehrt gewesen, wißt ihr, daß sie zumindest zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden wären. Und hier wird niemand so leicht aus lebenslänglicher Haft entlassen, denn jene Puertoricaner, die viele Jahre im Gefängnis waren und kürzlich freigelassen wurden (Beifall) mußten lange leiden bis sie die Früchte eines langen Solidaritätskampfes sehen konnten. Ich weiß nicht wie viele Jahre sie genau im Gefängnis waren, vielleicht können einige von euch es mir sagen (20 Jahre, sagen sie ihm).

Schwestern und Brüder, ich versichere euch, in Kuba, wenn einige der Söldner, die vom Ausland aus bezahlt werden, um subversive Aktivitäten durchzuführen, kaum drei Monate im Gefängnis sind, wird Druck gemacht und strömen die Briefe von überall her nach vorgefertigten Plänen und Mechanismen, damit sie freigelassen werden. Wer weiß wie viele rechtmäßig verurteilte Konterrevolutionäre wir freigelassen haben! Denn der Kampf war lang.

Am Anfang der Revolution gab es 300 konterrevolutionäre Organisationen, die terroristisch tätig waren, und wenn wir bei dieser einen Aktion 1 200 Gefangene machten, waren sie nicht einmal zwei Jahre im Gefängnis. Denen, die sie schickten, schlugen wir vor: "Schaut, wenn ihr eine Entschädigung in Form von Medikamenten und Nahrungsmitteln für Kinder bezahlt, lassen wir sie alle frei." Einige von ihnen begangen später Verbrechen, töteten Genossen von uns mit Bomben und Anschlägen. Wären sie 30 Jahre inhaftiert gewesen, wäre das Leben vieler Genossen gerettet worden; Aber dieses Risiko hatte keinen Einfluß und eines Tages kam ein Schiff voller "Helden" problemlos in den Vereinigten Staaten an. Sie übergaben ihnen eine Fahne, ich glaube, der damalige Präsident übergab sie ihnen oder umgekehrt, um sie eines Tages in einem freien Kuba zu hissen. Sie konnten in Wirklichkeit weder die Fahne noch Wimpel oder Waffen oder sonst etwas retten. Das ist viele Jahre her.

Seit jenen Episoden habe ich mit einer Reihe derer, die bei dieser Expedition mit dabei gewesen waren, und mit anderen Menschen gesprochen. Sie hatten ihre Meinung geändert, sie dachten anders. Der Mensch kann sich ändern.

Ich habe das Beispiel der Ereignisse in der Schweinebucht erwähnt, weil es die Kontinuität der von uns seit dem Krieg in der Sierra Maestra verfolgten Politik zeigt. In den ersten Kämpfen wehrten sich die gegnerischen Soldaten bis zur letzten Patrone. Sie dachten wir würden sie töten. Danach war das anders. Im Verlauf des Kriegs machten wir Tausende Gefangene. Die Verletzten wurden vorrangig vor unseren Verletzten behandelt. Niemals wurde ein Gefangener erschossen. Niemals wurde einer von ihnen geschlagen. Das Internationale Rote Kreuz ist Zeuge. Sie haben die Listen und Akten der Hunderten von Gefangenen, die wir in der letzten Offensive gegen die Front Nr. 1 im Sommer 1958 gemacht hatten. In ihnen kann nachgeforscht werden, ob ein Soldat geschlagen worden war, ob ein Soldat erschossen wurde..

Sie waren unsere Waffenlieferanten. Sie wurden in eine andere Provinz gebracht und wenn die Kolonnen kamen und sie einem Kampf als verloren erkannten, kämpften sie nicht wie anfangs bis zum Ende. Man muß genauer sagen, daß sie in der Regel immer kämpften. Sie gaben den harten Widerstand nicht auf. Aber wenn sie erkannten, daß ein Kampf verloren war, ergaben sie sich. So gab es Soldaten, die sich drei Mal ergaben. Warum? Weil wir genauso dem Feind gegenüber eine Politik verfolgten wie wir der Bevölkerung gegenüber eine Politik verfolgten. Sie kamen und töteten Zivilisten, brannten Häuser nieder, stahlen alles und bezahlten nichts. Wir kamen und bezahlten alles, was wir kauften. Wenn niemand da war, hinterließen wir das Geld bei einem Nachbarn oder an einem anderen Ort. Und in der ganzen Zeit, die der Krieg dauerte, seit der Front Nummer eins in der Sierra Maestra, von wo alle Kolonnen mit derselben Kriegsdoktrin, derselben politischen Doktrin ausgingen, erinnere ich mich an keinen einzigen Fall, daß es einem unserer Kämpfer der Frau oder Tochter einer Bauernfamilie gegenüber an Respekt hätte mangeln lassen.

Nachdem wir zerstreut wurden, ausgehend von sieben bewaffneten Männern, wurde der Krieg in weniger als 24 Monaten im Kampf gegen Streitkräfte, die aus 80 000 Soldaten, Marinesoldaten und Polizisten bestand, mit der Unterstützung des gesamten Volkes gewonnen. Warum? An erster Stelle, weil wir eine gerechte Sache verteidigt haben (Beifall), und an zweiter Stelle, weil wir eine Politik für die Bauern und allgemein die Bevölkerung und eine Politik für den Gegner hatten. Ohne diese Politik hätten wir nicht siegen können, weder in 2 noch in 30 Jahren, immer unter der Annahme, die restlichen Dinge wären mehr oder weniger gut erledigt worden.

Diese Traditionen sind bis heute erhalten. Sie können Südafrikaner befragen, die Gefangene unserer Truppen waren, ob jemand sie geschlagen hat, ob nur einer von ihnen erschossen wurde, weil wir unsere Politik der Kriegführung an alle, mit denen wir kooperierten, verbreitet und übertragen haben. Und ich werde nicht mehr hierzu sagen, denn vielerorts töten sich die Kämpfenden gegenseitig. So ist das.

Was uns betrifft, sowohl in unserem Krieg als auch bei den internationalistischen Einsätzen wurde niemals ein Gefangener geschlagen oder erschossen. Von allem, was ich euch erzähle, gibt es lebende Zeugen. Das verleiht einem natürlich Moral und Autorität.

Als sich am 5. August 1994 jene Unruhen in der Hauptstadt ereigneten war sogar die Polizei überrascht. Das war noch nie vorgekommen. Gruppen, die aus mehreren Hundert Zivilisten bestanden, begannen Steine in Fensterscheiben, in die Häuser zu werfen. Die Leute waren etwas verwirrt. Ich hörte die Nachricht, begab mich in mein Büro und sie sagen mir: "Das und das passiert." Ich sage: "Daß sich keine einzige Einheit rührt." Ich rufe die Leibwache - neun Männer, die mich begleiteten -, ich hatte drei Jeeps gerufen - ich wollte im Jeep fahren, nicht in einem Sicherheitsfahrzeug, einem gepanzerten Wagen oder irgend etwas ähnlichem -, die Jeeps kamen. Mit den neun Leibwächtern, einem Genossen, der heute hier ist und der damals mit mir arbeitete, ihr kennt ihn, Felipe Pérez Roque, derzeit unser hervorragender Minister für Auswärtige Angelegenheiten (Beifall), und der Genosse Lage, der auf dem Weg zu uns stieß, waren wir insgesamt 12 Personen.

Wir gingen zum Ort der Tumulte. Die Leibwache hatte den strikten Befehl, die Waffen nicht zu benutzen. Als wir ankamen, stieg ich aus und ging zu Fuß. Die Bevölkerung reagierte sofort. In wenigen Minuten waren die Unruhen vorbei und selbst diejenigen, die Steine warfen, wurden angesteckt und gingen in einer riesigen Menschenmenge fort,. Wir gingen bis zum Malecón und kehrten auf demselben Weg zu Fuß zurück. Das war und wird immer der Stil der Revolution sein (Beifall).

In unserem Land hat man nie einen Wagen der Feuerwehr gesehen, der einen Wasserstrahl gegen das Volk spritzt. Man hat nie die Männer mit einem Taucheranzug gesehen, der sie so aussehen lassen, als kämen sie von einem anderen Planeten, die wer weiß für Sachen sie umhaben, und die Demonstrationen unterdrücken und brutale Methoden anwenden! In unserem Land ist das nie passiert. Dem, der nur ein einziges Bild zeigen könnte, würden wir einen großen Preis zahlen.

Ich erinnere daran, daß es in den ersten Jahren der Revolution 300 konterrevolutionäre Organisationen, bewaffnete Banden im ganzen Land gab. Tausende von Menschen waren im Gefängnis und als ich die Insel Isla de Pinos besuchte, die heutige Isla de la Juventud, traf ich mich dort die Gefangenen, die mit Macheten, Äxten und so auf dem Land arbeiteten, und war bei ihnen. Sie versuchten niemals mich anzugreifen!

Mit denen, die in der Schweinebucht einfielen, traf ich mich mehrere Male, ich kam sogar bis ins Gefängnis, als sie verurteilt wurden. Keiner wurde auch nur ausfällig!

Man weiß gar nicht, was es wert ist, ethisch zu sein und ein würdevolles Verhalten zu haben. Das ist die mächtigste Kraft, über die man verfügen kann (Beifall).

Ich habe euch schon von zwei Reisen erzählt; jede Sorte von Bedrohungen. Ich habe euch auch gesagt, daß ich gerne noch ein paar Jahre leben würde; aber ich kann euch ganz ehrlich versichern, daß ich für das Leben kein einziges Prinzip ändern, keine einzige Entwürdigung und keine einzige Drohung annehmen würde (Beifall).

Deshalb habe ich euch erzählt, daß ich glücklich war, als ich die Reise in dieses Land antrat, bzw. nach New York - ich habe kein Visum um das Land zu bereisen -, nur New York und den Umkreis von 25 Meilen, keinen Millimeter weiter. Die Genugtuung entsprang der Verachtung gegenüber der Flut von Drohungen und dem Wunsch, mich mit euch zu treffen.

Vielleicht sind diese Bewertungskriterien, die ich euch angeboten habe, denen nützlich, die so tapfer und solidarisch sind wie ihr.

Ich habe von den ernsten sozialen Problemen der Dritten Welt gesprochen. Ernste soziale Probleme gibt es aber selbst in einem so reichen Land wie diesem, dem reichsten der Welt. Ich möchte einige erwähnen.

36 Millionen Menschen, 14% der Bevölkerung, leben unter der Armutsgrenze. Der Prozentsatz ist doppelt so hoch wie in anderen entwickelten Ländern. doppelt so hoch wie in Europa oder Japan.

43 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu einer Krankenversicherung und weitere 30 Millionen sind so schlecht versichert, daß sie praktisch unversichert sind.

Es gibt 30 Millionen Analphabeten und weitere 30 Millionen funktionale Analphabeten. Das ist keine kubanische Erfindung, das sind offizielle Zahlen internationaler Organisationen.

Unter der schwarzen Bevölkerung ist der Anteil der Armen über 29%; der Anteil an der gesamten Bevölkerung beträgt 14%. Die Armutsrate der schwarzen Bevölkerung ist also mehr als doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten. Bei den schwarzen Kindern erreicht diese Rate 40%. In einigen Städten und ländlichen Gegenden der Vereinigten Staaten liegt sie über 50%.

Trotz des wirtschaftlichen Wachstums ist die Armutsrate der US-amerikanischen Gesellschaft zwei oder drei Mal höher als in Westeuropa. 22% der US-amerikanischen Kinder leben in Armut. Das sind offizielle Zahlen.

Nur 45% aller Beschäftigten des Privatsektors genießen den Schutz einer Sozialversicherung.

Schätzungsweise 13% der US-amerikanischen Bevölkerung wird nicht älter als 60 Jahre werden.

Frauen verdienen immer noch nur 73% von dem, was Männer in vergleichbaren Beschäftigungen verdienen, und sie stellen 70% der Teilzeitbeschäftigten, die keinerlei Anrecht auf irgendeine soziale Absicherung haben.

Von 1981 bis 1995 waren 85% der Neuangestellten, die mehr als eine Arbeit ausüben, Frauen.

Das reichste Hundertstel der Bevölkerung, das im Jahr 1975 20% aller Güter besaß, besitzt heute 36%. Der Unterschied nimmt zu.

Unter den 3 600 zum Tode Verurteilten, die die Todeskorridore der US-amerikanischen Gefängnisse bevölkern, ist kein einziger Millionär, keine einzige Person, die zur oberen Mittelschicht gehört. Man könnte sich fragen weshalb. Ihr könnt vielleicht besser antworten als ich. Ich beschuldige niemanden, ich sage nur was geschieht.

Scheinbar muß man in die Kategorie der Millionäre aufrücken, um den notwendigen Anstand und Disziplin zu erlangen, damit man nie zu einer Strafe dieser Art verurteilt wird.

Es gibt noch andere Zahlen, die etwas hart sind, aber ich muß sie sagen.

In der gesamten Geschichte der Vereinigten Staaten wurde nicht ein einziger weißer Mann wegen der Vergewaltigung einer schwarzen Frau hingerichtet (Beifall).

Während Vergewaltigung - und das ist historisch - als Kapitalverbrechen eingestuft war, waren jedoch von den 455 Hingerichteten 405 Schwarze, das heißt 9 von 10.

Im Staat Pennsylvanien zum Beispiel, dort wo 1776 die Unabhängigkeitserklärung ausgerufen wurde, sind nur 9% der Bevölkerung Afroamerikaner. 62 der zum Tod Verurteilten, also sieben Mal so viele, sind Schwarze.

Noch ein kleiner Punkt. Über 90% der 3 600 zum Tod Verurteilten waren in ihrer Kindheit Opfer physischer oder sexueller Gewalt.

Eine kürzliche Studie einer Nichtregierungsorganisation zeigt, daß die Wahrscheinlichkeit, zu längeren Haftstrafen verurteilt zu werden, für schwarze Männer 13 Mal höher ist als für Weiße, wenn es um Probleme im Zusammenhang mit Drogen geht. Dabei gibt es in den Vereinigten Staaten fünf Mal mehr weiße Männer, die Drogendealer sind.

Über 60% der in den Vereinigten Staaten inhaftierten Frauen sind Afroamerikanerinnen oder Spanisch sprechende Lateinamerikanerinnen.

Vielleicht sind wir Spanisch sprechende Lateinamerikaner, Afroamerikaner und anderen Ethnien, die praktisch alle Verbrechen begehen, alle geborene Verbrecher nach der Theorie von Lombroso.

Ich will überhaupt keine Verbrechen beschönigen. Ich bin auch nicht in der Lage, genau und sicher zu wissen, wie die Verfahren sind und was gewöhnlich geschieht. Ich frage mich einfach nur warum. Ich frage mich einfach nur, ob wir von genetischer Veranlagung her Verbrecher sind, und wenn dies zutrifft, was macht es aus, wenn ganz Schwarzafrika verschwindet, alle Indios, alle Mestizen, alle Weißen in Lateinamerika und alle Bewohner der Länder in der Karibik, wir Kubaner natürlich eingeschlossen. Das ist eine Frage, die man zumindest das Recht hat sich zu stellen. Ich habe diese 74 Jahre, an die ihr erinnert habt, selbstverständlich gelebt. Ich habe in meinem Leben mit vielen Menschen zu tun gehabt.

Ich wurde auf dem Land als Sohn eines Grundbesitzers geboren. Mein Vater war ein armer Bauer spanischer Herkunft. Er war zuerst als rekrutierter Soldat im letzten Unabhängigkeitskrieg in Kuba gewesen ohne jemals auf eine Schule gegangen zu sein. Nach dem Krieg wurde er 1898 in sein Heimatland repatriiert. Danach kam er auf eigene Faust zurück. Er arbeitete in jenem System und mit der Zeit gelang es ihm, eine Hundertschaft Tagelöhner, Immigranten und Kubaner zusammen zu bekommen und zu leiten. Es war die Zeit, in der die United Fruit zum Ausbau ihrer Zuckerrohrplantagen in der auf Kuba errichteten Neokolonie die Wälder mit den kostbaren Hölzern fällte und niederbrannte, die Hölzer, aus denen der berühmte El Escorial-Palast gebaut wurde und auch das größte Kriegsschiff der Zeit Admiral Nelsons, das in der Schlacht von Trafalgar versenkt wurde. Diese Hölzer waren besonders angesehen, und mein Vater beteiligte sich gemeinsam mit jenen Männern, die er rekrutiert hatte, am Fällen von Wäldern und kostbaren Hölzern. Wer könnte ihnen etwas vorwerfen?

Er sparte Geld zusammen und kaufte nach und nach Land, viel Land. Es gelang ihm, 900 Hektar selbst zu besitzen und weitere 10 000 Hektar zu pachten. Ich lebte und wohnte auf jenem großen Gut. Ich hatte das Glück, Sohn und nicht Enkel eines Großgrundbesitzers zu sein. Ich konnte die Mentalität und Kultur der reichen Klasse nicht annehmen. Revolutionär zu sein, ist kein Verdienst, das hängt von vielen Faktoren ab und alle meine Freunde waren arme Kinder und Jugendliche in meinem Alter. Ich lernte die Baracken in der ganzen Umgebung kennen, sowohl auf dem Land meiner Familie als auch auf den riesigen Plantagen großer US-amerikanischer Firmen, wo viele haitianische Immigranten lebten. Ihre Arbeits- und Lebensbedingungen waren schlechter als die der Sklaven, und es hieß, die Sklaverei sei in Kuba seit 1886 verschwunden. Das hat mich nicht zum Revolutionär gemacht, aber es hat mir geholfen, später die soziale Wirklichkeit und Ungerechtigkeit in dem Land, in dem ich geboren bin, zu verstehen.

Ich werde den Überlegungen, die ich gerade gemacht habe, noch ein paar Wörter anschließen. Ihr habt vor wenigen Minuten den Namen eines afroamerikanischen Mannes genannt, der vor kurzem hingerichtet wurde. Ihr wißt, daß unser Volk mit voller Kraft den Justizmord an Shaka Sankofa wegen eines Verbrechens, das er nicht begangen hat, verurteilt hat (Beifall); und dies, obwohl sich die Weltöffentlichkeit und sogar viele Regierungen auf der Welt einmütig dagegen stellten.

Ich habe ziemlich viel Information, Daten und Details angefordert. Ich habe sogar kleine Lagepläne, Zeichnungen des Orts, an dem die Vorfälle geschehen waren, die ihm zur Last gelegt wurden. Die einzige Person, die angab, ihn gesehen zu haben, nachts, aus einiger Entfernung, in einem kurzen Blick, den selbst die empfindlichste Kamera nicht hätte einfangen können, und andere Elemente des Verfahrens haben mich von seiner Unschuld überzeugt. Ich sage das nicht, weil jemand es mir bestätigt hat, sondern weil ich alle Daten analysiert habe und zu dieser Überzeugung gelangt bin (Beifall). Ich habe sogar seine soziale Herkunft analysiert, die Bedingungen der Marginalisierung, unter denen er geboren wurde, seine ersten rechtlichen Probleme. Ich habe dies unserem eigenen Volk zitiert, als Beispiel für die tatsächlichen Faktoren, die dazu beitragen, daß ein schwarzer oder weißer oder jedweder Ethnie angehöriger Jugendliche ein Verbrechen begeht. Ich bin auch Anwalt. Ich kenne die Gesetze ein wenig. Ich habe mich selbst verteidigt, als sie mich wegen des Angriffs auf die Moncada-Kaserne anklagten. Seit ich Anwalt bin mußte ich das mehr als einmal tun. Ich hatte fast nie einen anderen Klienten (Lachen).

Ich wäre ich nicht zu dieser Überzeugung gelangt, würde ich mich, wenn ich so rede, wie ich es gerade getan habe, wie ein gemeiner Demagoge verhalten (Beifall).

In unserem Land hat eine Podiumsdebatte stattgefunden, an der internationale Persönlichkeiten teilgenommen haben. Ich sehe hier jemand, der bei diesem Runden Tisch mit dabei gewesen war.

Ich weiß auch, daß ihr seit geraumer Zeit mitten in einem sehr gerechten Kampf steckt, einem Kampf, den unser Volk auch absolut unterstützt: dem Kampf für die Freiheit des Journalisten Mumia Abu-Jamal (Rufe und anhaltender Beifall), der zum Tod verurteilt wurde, und dessen ungerechte Strafe eine gigantische Bewegung der Weltöffentlichkeit ausgelöst hat.

Wenn wir weiter ausholen und die geschichtlichen Daten analysieren, um nachzuforschen, wer dieser eine Weiße auf alle 9 Schwarzen, die wegen Vergewaltigung hingerichtet wurden, war - insgesamt waren es ungefähr 50 Weiße - werden wir sehen, daß, unabhängig von anderen Faktoren, soziale Marginalisierung vorhanden war. Und wenn, wie im Fall der Afroamerikaner, soziale Marginalisierung und rassistische Diskriminierung zusammenkommen, leiden Aberdutzende von Menschen schrecklich unter der Ungerechtigkeit, auch diejenigen, die nie zum Tod oder zu Haft verurteilt worden sind, denn sie werden geboren, um jeden Tag ihres Lebens erniedrigt zu werden.

Ich bin mehr oder weniger weiß. Ich sage mehr oder weniger weiß, weil es keine reine Ethnie gibt. Ich erinnere mich, daß ich 1948 die Vereinigten Staaten besuchte. Es war November. Ich erinnere mich daran, weil in jenen Tagen gerade Truman die Wahlen entgegen aller Vorhersagen gewann. Ich war nach Harvard gereist; ich wollte Wirtschaft studieren. Ich hatte bereits revolutionäre Ideen, wollte mich aber mit mehr Wissen wappnen. Von New York reiste ich mit einem billigen Auto zurück, das ich für 200 oder 300 Dollar gekauft hatte, eines von denen, die hier für wenig mehr als den Schrottpreis verkauft werden. Und ich fuhr über diese damaligen Straßen nach Florida, um dann mit der Fähre nach Kuba weiterzufahren. Mehrere Male hielt ich irgendwo an, zum Mittagessen, Abendessen oder um etwas zu kaufen. Bei mehr als einer Gelegenheit bemerkte ich Verachtung, ein abfälliges Verhalten nur weil ich eine andere Sprache sprach oder ein Spanisch sprechender Lateinamerikaner war. Ich bemerkte, daß nicht nur bestimmte Ethnien diskriminiert wurden, sondern auch Menschen anderer Nationalität, die eine andere Sprache sprachen.

Seither bin ich nur für einige Tage in die Vereinigten Staaten gereist, Ende 1955 glaube ich. Ich lebte bereits in Mexiko und bereitete die Rückkehr nach Kuba vor. Ich war hier in New York und an anderen Orten und besuchte die wenigen kubanischen Einwanderer, die es in den Vereinigten Staaten gab, denn zu jener Zeit gab es das Cuban Adjustment Act nicht - keiner konnte in einem Schiff oder Boot ausreisen - und es gab quasi keine illegalen Einwanderer. Letztendlich war es die Revolution, die Hunderttausenden von Personen, die seit langem ausreisen wollten und keinerlei Hoffnung hatten, die Tore öffnete.

Deshalb könnten wir die, die Kuba, die Revolution und besonders mich so sehr hassen, daran erinnern, daß sie sich von Zeit zu Zeit bei der Revolution bedanken, denn ohne die Revolution gäbe es viele kubanische Millionäre nicht (Beifall), ohne die Revolution gäbe es die Cuban American National Foundation nicht (Buhrufe), ohne die Revolution gäbe es einige Kubaner, die Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten sind, nicht. Sie könnten keine Gesetze zu nichts einbringen, sie würden während der Wahlkämpfe nicht umworben, ihnen würden nicht alle Wunsche erfüllt, auch wenn der Großteil nicht wählen geht, weil es für sie aufgrund der ihnen gewährten Privilegien die kubanische Staatsangehörigkeit vorteilhafter als die US-amerikanische ist.

Was ich sage kann unwiderlegbar bewiesen werden. Es gibt Statistiken und ich habe sie einmal angefordert: Wie viele Wohnsitz-Visa wurden beispielsweise in den letzten 30 Jahren vor dem Sieg der Revolution ausgegeben; in den 30er und 40er Jahren waren es unbedeutende Zahlen, und von 1950 bis 1959 kaum 2000 oder 3000.

Letztendlich war es die Revolution, die Hunderttausenden von Personen, die seit langem ausreisen wollten und keinerlei Hoffnung hatten, die Tore öffnete.

Wie bekannt ist, sind in den ersten Tagen des Januar 1959 viele Kriegsverbrecher, Veruntreuer und Komplizen Batistas, die Tausende von Kubanern ermordet und das Land geplündert hatten, in die Vereinigten Staaten geflohen. Die ersten revolutionären Gesetze in Zusammenhang mit der Wiedergewinnung veruntreuter Güter, der Senkung der Tarife für Grundleistungen, der Wiedereinstellung von während der Tyrannei zu unrecht entlassener Arbeiter, der Stadt- und Landreform und anderen Maßnamen grundlegender sozialer Gerechtigkeit schreckten die reichsten Schichten unserer Gesellschaft, die begannen, in die Vereinigten Staaten auszuwandern.

Seit dem ersten Tag der Revolution wurden die Visa für die Vereinigten Staaten ungewöhnlich schnell ausgegeben, vor allem für Personen aus der Ober- und Mittelschicht, Ärzte und andere Akademiker, Professoren, Lehrer, Techniker und qualifizierte Arbeiter, von denen sich viele schon immer danach gesehnt hatten, in dieses Land auszuwandern. Die Feindseligkeit gegenüber der Revolution und der Vorsatz, uns um qualifiziertes Personal zu bringen, war fast unmittelbar deutlich geworden. Außerdem brauchten sie ehemalige Offiziere Batistas und junges Personal, um die Söldnerbrigade für den Überfall zu bilden, ein Plan von dem damals niemand wußte. Die legalen Ausreisen in die Vereinigten Staaten wurden aber immer genehmigt. Der Diebstahl von Köpfen stimulierte die kolossalen Bildungsanstrengungen, mit denen die siegreiche Revolution unmittelbar begonnen hatte. Noch in den Tagen der Schweinebucht-Invasion wurden die Flüge aufrechterhalten. Nach der Oktoberkrise suspendierten die US-Behörden abrupt die Flüge und die Visa. Zehntausende von Familien blieben getrennt. Hingegen empfing man auf dem Staatsgebiet der USA noch vor dem Cuban Adjustment Act alle die Personen, die an den Küsten der Vereinigten Staaten auf eigenem Weg ankamen oder die Flugzeuge oder Boote entführt hatten.

Nach Camarioca verließen 360 000 Kubaner das Land, mit Genehmigung, auf legale Weise, absolut sicher und ohne ein einziges Opfer. Unter ihnen befanden sich neben Verwandten von in den USA lebenden Kubanern eine große Anzahl von Fachleuten und Lehrern, die in den Vereinigten Staaten einen zehn Mal größeren Lohn verdienen konnten als in Kuba, außerdem qualifizierte Arbeiter und Techniker von wichtigen Industrien. Es handelte sich wahrhaft um Wirtschaftsemigranten. Trotzdem bekam jeder, der in den USA ankam, die Bezeichnung "politischer Flüchtling" oder "Exilierter". Wenn man dieses Konzept auf die Mexikaner oder andere Lateinamerikaner, die in die USA emigrieren, anwenden würde, gäbe es zwischen 12 und 15 Millionen mexikanische politische Flüchtlinge (Beifall); eine Million haitianische politische Flüchtlinge; eine Million dominikanische politische Flüchtlinge; Hunderttausende von Mittelamerikanern wären politische Flüchtlinge, und wer weiß wie viele Puertoricaner (Beifall). Denn die Puertoricaner sind Patrioten, sie lieben ihr Land. Und warum gingen sie in die USA? Aus wirtschaftlichen Gründen. Auf diese Weise gibt es fast so viele von ihnen hier wie dort auf ihrer Insel.

Es versammeln sich eine Million in New York, dieses Jahr sahen wir sie, wie sie die gerechte Sache von Vieques verteidigten (Beifall). Darüber haben wir eine Podiumsdebatte mit hochangesehenen internationalen Persönlichkeiten veranstaltet.

Diese Podiumsdebatten werden per Satellitenfernsehen in alle Welt verbreitet, selbstverständlich in englischer Sprache, da die am meisten gesprochen wird. Unser Fernsehen sendet sie auch über das Internet. Klar, leider haben nur 1 % der Afrikaner Internet, zu ihnen muß man im Radio sprechen. Das selbe geschieht mit Lateinamerika.

Bezüglich dieses Themas der Kommunikation und der Zusammenarbeit mit den Ländern der Dritten Welt möchte ich euch bekanntgeben, daß wir ein Programm entwickelt haben, um per Radio das Lesen und Schreiben zu lehren. Diese Idee entsteht eines Tages, als uns der sich zu Besuch in Kuba befindliche Präsident von Niger auf die Frage nach der Analphabetenquote in seinem Land antwortete: 87 % Analphabetismus und eine Abdeckung mit Schulen von nur 17 %. Man feiert den Eintritt in das folgende Jahrhundert und das folgende Jahrtausend. In welchem Jahrhundert des dritten Jahrtausends wird jenes Land, das die gleiche Bevölkerungszahl wie Kuba hat, den Analphabetismus beseitigt haben?

Ich dachte darüber nach, daß unser Land, mit 11 Millionen Einwohnern, genau wie Niger, über 250 000 Professoren und Lehrer verfügte; genau wie im Fall der Ärzte besitzt es auch den weltweit höchsten Pro Kopf-Anteil von Lehrern. Wenn man an jene Analphabetenrate denkt und außerdem weiß, daß die Kindersterblichkeitsrate von 0 bis 5 Jahren in Niger mehr als 200 pro 1 000 Lebendgeborenen beträgt, daß bedeutet mehr als fünfundzwanzig Mal die Kindersterblichkeit Kubas, ist es unmöglich, sich nicht die Frage zu stellen: Wann, wann, wann? Ich frage ihn: "Haben sie Radio?" Er antwortet: "Ja, fast alle Familien haben Radio." Ich sage: "Wie, wenn sie keinen Strom haben?" Er erklärt mir: Ja, weil sie ein japanisches Gerät haben, das soundsoviel Dollar kostet, mit dem sie über Strom zum Hören des Radios verfügen können."

Ich schlug vor, daß eine Gruppe von kubanischen Pädagogen die Möglichkeit prüft, per Radio das Lesen und Schreiben zu lehren, ausgehend von der Idee, ein kleines Handbuch zu erarbeiten, das unter Verwendung von Tier-, Pflanzen- und Gegenstandsbildern ermöglicht, die Buchstaben des Alphabets zu identifizieren und Silben, Worte und Sätze zu entwickeln, und mit dem man mittels Radioübertragungen unter der Leitung von fachlich ausgebildeten Lehrern Konzepte in die ausgewählte Sprache einbauen könnte. Innerhalb von drei Monaten erarbeiteten unsere Pädagogen eine Methode, die - nachdem sie in Haiti in Kreolisch mit 300 Analphabeten einer Probe unterzogen wurde - wirklich vielversprechende Ergebnisse ergibt. Bald wird der Test mit 3 000 Personen begonnen. Ein Alphabetisierungskurs im Fernsehen wäre sehr einfach, doch der Zugang zu einem solchen Medium ist für die Mehrheit der Analphabeten auf der Welt unmöglich. Unsere Fachleute im Bereich der Pädagogik, die das Experiment durchgeführt, verfolgt und angeleitet haben, sind erstaunt. Es wurde in Französisch, Portugiesisch und Kreolisch erarbeitet.

Später kann man mit der Dritten Welt eine andere Zusammenarbeit eingehen, um Hunderten Millionen Menschen zu wirklich geringsten Kosten das Lesen und Schreiben beizubringen (Beifall). Schluß damit, weiterhin davon zu sprechen, daß es 800 Millionen erwachsene Analphabeten gibt, wenn man mit der Verwendung des Radios, das weder Internet noch Fernsehen oder ähnliches ist, erreichen kann, Hunderten Millionen Menschen das Lesen und Schreiben beizubringen.

Niemand kann sich vorstellen, wie erniedrigt sich ein Mensch fühlt, der nicht lesen und schreiben kann. Ich erinnere mich viel an meine Mutter und meinen Vater, die kaum lesen und schreiben konnten, ich bin ein Zeuge davon, wieviel sie litten. Ich weiß es. Das erklärt den Durst nach Wissen, den ich in unserem Volk erkenne. Wenn sie auch die zehnte oder zwölfte Klasse erreicht haben, haben sie einen unstillbaren Durst, andere Dinge zu wissen; wir haben es entdeckt, und auf Grund dessen haben wir bestimmte Programme vorbereitet - ich habe die Hoffnung, daß ihr sie eines Tages kennenlernt -, die schlichtweg erstaunlich sind, gezielt auf eine massenhaft verbreitete allgemeine und integrale Kultur. Wir werden sogar Sprachen unterrichten.

Ich werde euch etwas verraten: Es begann bereits das neue Schuljahr in Kuba. Unsere Schulen haben in diesem Moment - ausgehend von der Schlacht für die Rückkehr Eliáns und dem Erstaunen, in das uns das Talent unserer Kinder versetzte - einen 20 Zoll-Farbfernseher pro 100 Schüler unter den 2,4 Millionen Grund-, Real- und Mittelschülern, was 4,6 Millionen Dollar kostete (Beifall); und 15 000 Videorekorder, die 1,5 Millionen Dollar kosteten. So finden also vollkommen die Massenmedien in unser Schulsystem Eingang, zur Unterstützung unserer mehr als 250 000 Lehrer und Professoren.

Es genügt zu sagen, daß im Oktober von 7.00 Uhr bis 9.00 Uhr morgens ein Kurs in Erzähltechniken erteilt wird, der von einem der fähigsten Intellektuellen unseres Landes erarbeitet wurde, und ab dem 1. November wird es von 7.00 Uhr bis 8.00 Uhr morgens einen dreimal wöchentlich stattfindenden Spanischkurs geben. Ein großer Teil unserer Bevölkerung erinnert sich schlichtweg nicht an die Grammatikregeln, die sie vor langer Zeit erlernten. Ich sage im Scherz, daß wir nicht Spanisch, sondern einen Dialekt sprechen.

Gut, dreimal wöchentlich Spanisch und, staunt, zweimal wöchentlich Englisch. Wir sehen Englisch als die universelle Sprache an: Jahrhunderte britischer Kolonialismus und etwa 100 Jahre - laßt es uns mit Eleganz ausdrücken - enormer US-amerikanischer Einfluß haben sie zu einer universellen Sprache gemacht; sie ist verbreitet, aber nicht patentiert, wir benutzen sie.

Fast alle wissenschaftlichen und literarischen Bücher erscheinen zunächst in Englisch. Man schenkt mir viele und sie sind in Englisch.

Wir werden die Kenntnis der englischen Sprache massenhaft verbreiten, die Fernsehkurse sind bereits vorbereitet. Viele dieser Tausenden von Lehrern werden sie sehen, oder sie werden sie aufzeichnen und dort in der Schule selbst anschauen, sie brauchen die Schule nicht zu verlassen.

Unmittelbar darauf werden wir ähnliche Kurse in Französisch anbieten. Wir zielen darauf, daß alle unsere Bürger oder die überwiegende Mehrheit gemäß ihrem Alter drei Sprachen beherrschen: Spanisch, Englisch und Französisch (Beifall), zu geringen Kosten: die Ausgaben für den Strom bei den Übertragungen und die Materialien, die wir ihnen schriftlich zuschicken, an all diejenigen, die den Kurs direkt erteilt bekommen, oder an die Bürger, die darum bitten. In diesem letzten Fall würden wir sie ihnen zuschicken, wobei wir die Kosten für Produktion und Verteilung berechnen. Das sind Kurse für alle diejenigen, die sie verwenden möchten, und wir werden sie fördern.

Ich denke, daß die Tatsache, euch von dieser Idee zu erzählen, viele Mitbürger - praktisch alle - zufrieden machen wird.

Eines Tages fragte ich den Minister: "Wie viele Englischlehrer fehlen dir in der Mittelschulbildung?" Und er sagte mir: "Zweitausend". Ich antwortete ihm: "Du hast zu viele". Und es geht nicht darum, Lehrer der Mittelschule oder der Grundschule zu reduzieren; im Gegenteil, es wird keine Lehrerstelle weggenommen, sondern die Stellen werden erhöht, um die Anzahl der Schüler pro Lehrer zu verringern. Wir befinden uns bereits in dieser Schlacht, um die Qualität der Ausbildung zu erhöhen. Aber wir werden die Massenmedien bereitstellen, unser Fernsehen, bei dem es keine Werbung gibt, im Dienst der Ausbildung und einer massenhaft verbreiteten integralen Kultur (Beifall).

Ich denke, daß unser Land in eine neue Etappe eingetreten ist, eine absolut neue Etappe. Ich sage nicht mehr (Beifall).

Ich habe zu lange geredet und nicht mein Wort eingehalten (Beifall). Ich werde nur wenige Minuten zusätzlich verwenden.

Ich versprach euch, vor dem Ende meiner Rede von zwei Dingen zu sprechen: zunächst über das Kind. Elián geht es hervorragend (Beifall), ihr könnt euch nicht vorstellen, was für ein glücklicher Junge er ist, welch ein intelligentes Kind, was für ein ernsthaftes Kind, es ist wirklich außergewöhnlich. Er wurde nicht von Menschenmassen empfangen - wie wir vorher gesagt hatten -, es waren nur seine Schule und die nächsten Verwandten. Niemand von uns, keine Führungspersönlichkeit der Partei oder des Staates war dort zugegen. Die Familie verblieb sechs Minuten, um die zu grüßen, die sie empfingen, und unmittelbar darauf verließ Elián den Flughafen. Er verpaßte den Unterricht nicht einmal an dem Tag, als er aus den Vereinigten Staaten abreiste. In zwei Monaten hatte er zusammen mit seiner Familie, seiner Lehrerin und seinen Mitschüler außerordentliche Fortschritte gemacht, und danach in Kuba bekam er vom 29. Juni bis zum 28. Juli gemeinsam mit seinen Klassenkameraden, die dort in den USA waren, intensiven Unterricht erteilt, es fehlten ihm einige Laute. Er beendete das Schuljahr auf dem selben Niveau wie die anderen Kinder und wechselte in die zweite Klasse.

Der Vater drängte mich, Elián kennenzulernen. Ich sagte ihm: "Ich warte, bis das Schuljahr beendet ist." Und als das Schuljahr endete, traf ich ihn mit aller Diskretion und begrüßte ihn.

Unser Problem besteht jetzt darin, zu wissen, was zu tun ist, damit dieser Junge weiter ein normales Leben führt und seinen normalen Schulunterricht weiterführt, denn dieses Kind kennt die ganze Welt. Wir verfügen über die Unterstützung der ganzen Bevölkerung, die Mitwirkung des ganzen Volkes: wenn er in die Schule geht, sich ihm nicht zu nähern, keine Parolen zu rufen; ihn wie alle anderen Kinder behandeln. Er erschien nur sehr wenige Male im Fernsehen, weil die Bevölkerung darum gebeten hat. Niemals eine direkte Frage an das Kind, er wird zusammen mit der Familie aufgenommen, Einstellungen dieser Art, und sehr kurze Berichte. Man hat eine totale Sorgfalt gehabt.

Am 1. September begann bereits das neue Schuljahr, er wohnt weiter in dem selben bescheidenen Haus wie vorher; er besucht die selbe Schule; er hat die gleichen Lehrer, denn diese rotieren bis zum vierten Schuljahr, es sind diejenige, die in Wye Plantation war und die andere, die sie nicht kommen ließen; es sind weiterhin die selben Mitschüler der ersten Klasse mit ihm zusammen. Und sein Vater beginnt Mitte dieses Monats, in der selben bescheidenen Arbeitsstelle zu arbeiten, das ist das, was er will. Alle fordern, daß er sie besucht. Denn es ist nicht nur das Kind, auch der Vater erlangte im Land ein außergewöhnliches Ansehen. Er widerstand allem, als sie versuchten, ihn sogar mit seinem eigenen Kind zu kaufen, Versprechen, das Kind zu übergeben, wenn er in den USA bleiben würde, Millionenbeträge, und er zögerte nicht einmal eine Sekunde (Beifall). Er ist meiner Ansicht nach ein Vorbild. Bezüglich dessen muß ich sagen, daß ich mich nicht in Details aufhalten werde, wir werden euch Materialien zusenden, damit spare ich Zeit,; aber ihr werdet über das Kind auf dem Laufenden gehalten.

Man verwendete das angemessene Kriterium, daß dieses Kind eine optimale Ausbildung erhalten muß; man hätte nichts gewonnen, wenn dieser Junge zurückkommt und in Wirklichkeit kein guter Schüler und guter Bürger ist. Sie sind ein Vorbild für unser Volk und in gewisser Weise ein Vorbild für viele Millionen Menschen auf der Welt.

Niemals wird unser Volk aufhören, euch zu danken, die ihr so viel Sorge gezeigt habt, den Abgeordneten, die hier sprachen und anderen, die so viel kämpften; dem Rat der Kirchen, den verschiedenen Kirchen, die mit aller Aufrichtigkeit eine so gerechte Sache verteidigten.

Ich muß erwähnen, daß unser Volk auf die selbe Weise niemals das US-amerikanische Volk vergißt, das massenhaft die legitimen Rechte des Vaters und des Kindes unterstützte, und daß es ihm ewig danken wird. Einmal mehr sagte ich mir: Das US-amerikanische Volk ist sehr idealistisch. Damit es eine ungerechte Sache unterstützt, muß man es erst betrügen und es wie in Vietnam und an anderen Orten glauben lassen, daß dies gerecht sei. In diesem Fall erkannte es die Wahrheit durch eine Reihe von Faktoren, und im besonderen durch die Aktivität der Massenmedien, die die Bilder der 400 000 demonstrierenden Mütter übertrugen, von Hunderttausenden von demonstrierenden Kindern, einer Million demonstrierenden Menschen, in einem Kampf, der über sieben Monate hinweg geführt wurde und der heute weitergeführt wird gegen den Cuban Adjustment Act wegen der Opfer, die er verursacht; gegen das Torricelli-Gesetz, das Helms-Burton-Gesetz, die Blockade und den Wirtschaftskrieg; letztlich für den Respekt vor und den Frieden für unser Land. Das schworen wir dort in Baraguá, wo der historische Protest von Antonio Maceo stattfand, und für diese Ziele kämpfen wir heute.

Als das US-amerikanische Volk die Wahrheit erfuhr, unterstützte es das Kind und seine Familie, in einem Ausmaß, das mehr als 80 % der Bevölkerung umfaßte und bei der afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe in einem entscheidenden Spitzenmoment 92 % erreichte (Beifall). Das kann unser Volk niemals vergessen.

Ich habe nicht die Absicht, unser Vaterland als perfektes Modell von Gleichheit und Gerechtigkeit zu präsentieren. Wir glaubten am Anfang, daß durch die Herstellung der absolutesten Gleichheit vor dem Gesetz und die absolute Nichtduldung jeder Ausdrucksform von sexueller Diskriminierung im Fall der Frauen oder rassischer Diskriminierung im Fall der ethnischen Minderheiten diese Phänomene aus unserer Gesellschaft verschwinden würden. Wir brauchten Zeit, um festzustellen – ich sage das so -, daß die gesellschaftlichen Randphänomene und mit ihnen die Rassendiskriminierung in der Tat etwas sind, das man weder mit einem noch mit zehn Gesetzen beseitigt, und auch in 40 Jahren haben wir es noch nicht geschafft, dies total zu beseitigen.

Es wird niemals einen Fall der Anwendung der Rechtsprechung nach ethnischen Kriterien geben; aber wir haben mit der Zeit entdeckt, daß die Nachfahren der Sklaven - jener, die in den Holzbaracken lebten - am ärmsten waren und auch nach der angeblichen Abschaffung der Sklaverei an den ärmsten Orten lebten.

Es gibt vernachlässigte Randzonen, es gibt Hunderttausende von Menschen, die in vernachlässigten Randzonen leben, und zwar nicht nur Schwarze und Mestizen, sondern auch Weiße. Es gibt eine weiße Marginalisierung, die in der vorherigen Gesellschaft ihren Ursprung hat. Und ich sagte euch, daß in unserem Land eine neue Epoche eingeläutet wurde. Ich hoffe, ich kann euch eines Tages von den Dingen erzählen, die wir jetzt machen, und davon, wie wir sie weiter machen werden.

Wir haben kein Geld, um die Wohnungen zu bauen, in denen alle die Personen leben, die wir als unter Bedingungen der gesellschaftlichen Randexistenz lebend bezeichnen können; aber wir haben viele andere Ideen, die nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten, mit denen unser Volk, vereint und vollständig gerecht, bis zum geringsten Rest alle Marginalisierung und Diskriminierung jeder Art verschwinden lassen wird. Ich habe absolutes Vertrauen, daß wir es schaffen, denn diesem Ziel widmet sich heute die Führung unserer Jugend, unserer Studenten und unseres Volkes.

Ich füge nichts mehr hinzu, ich sage euch einfach, daß wir uns dessen bewußt sind, daß in unserem Land noch gesellschaftliche Randphänomene existieren; doch es gibt einen entschiedenen und totalen Willen, dies zu beenden, mittels der Methoden, mit denen diese Aufgabe durchgeführt werden muß, und damit es immer mehr Einheit und Gleichheit in unserem Volk gibt (Beifall).

Im Namen meines Volkes verspreche ich es euch und wir werden euch über den Fortgang unserer Anstrengungen informieren.

Als die US-Amerikaner dort in Kuba waren und uns von dem Problem erzählten, von den beiden Fällen, die ich erwähnte, Sankofa und Mumia, boten sie mir eine breite Information an über ihr Leben und die gegen sie verübte Ungerechtigkeit. Die Podiumsdebatten halfen viel dabei, Bewußtsein zu erlangen über die Schwere dessen, was dort geschah. Es ist keine Schande, arm zu sein, der Fehler, den irgendein junger Mensch als Kind oder als Heranwachsender begeht, ist keine Schande. Die Schande besteht darin, daß in diesem beginnenden Jahrhundert, mit all dem technischen Fortschritt, wo der Mensch die Absicht hat, sogar den Planeten Mars zu besiedeln, es Kinder, Heranwachsende und Bürger auf unserem Planeten gibt, die am Rand der Gesellschaft leben (Beifall), und daß sie in vielen Ländern zusätzlich zu ihrer Marginalisierung auch noch diskriminiert werden.

Das ist das Letzte, was ich euch sage, und es bleibt nur dieses Blatt, um euch eine Nachricht zu erläutern, die heute veröffentlicht wurde, von der der Pastor dieser Kirche sprach, und er redete von einem Signal. Mir erschien es unglaublich, daß das Einfachste der Welt zu einer großen Nachricht wurde. Ich dachte, daß die große Nachricht das sein müßte, was auf der Welt geschieht, die Themen, die beim Gipfeltreffen der Vereinten Nationen diskutiert wurden, das, was wir machen müssen, um die menschliche Spezies zu retten, und zwar nicht nur in Afrika. Bei dem Tempo, mit dem wir uns bewegen, gehen nicht nur die Afrikaner, sondern wir alle zugrunde. Bei der Geschwindigkeit, mit diesen Konsummodellen, die zur Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Atmosphäre führen, zum Mangel und der Verseuchung des Trinkwassers und der Meere, zu den Klimaveränderungen, den Naturkatastrophen, der Armut, den gewaltigen und wachsenden Unterschieden zwischen den Ländern und innerhalb der Länder, kann man mit mathematischer Präzision behaupten, daß die wirtschaftliche und soziale Ordnung, die heute auf der Welt existiert, untragbar ist. Man tendiert dazu zu denken, daß diese Themen wirklich wichtig sind. Ich war überrascht zu sehen, daß die große Nachricht, fast ein Skandal, in dem Ereignis bestand, das gestern auf absolut zufällige Weise bei den Vereinten Nationen stattfand. Bevor ich hierher kam, sah ich mich gezwungen, eine kurze Klarstellung zu schreiben. Ich titulierte sie "Die Begrüßung Clintons", und darin heißt es:

"Nach dem Mittagessen auf Einladung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen nach Beendigung der Eröffnungssitzung des Milleniumsgipfels wurden wir alle gebeten, uns für das offizielle Foto zu einem Raum zu begeben. Wir gingen dorthin, beinahe einer nach dem anderen, durch einen engen Durchgang zwischen vielen Tischen hindurch. Kaum vier Meter vor mir bemerkte ich Clinton, der mehrere Staatschefs, die dort vorbeikamen, begrüßte. Aus Höflichkeit gab Clinton jedem von ihnen die Hand. Ich konnte nicht weglaufen, um zu vermeiden, an diesem Punkt vorbeizukommen" - mehr noch, ich konnte nirgendwo hin rennen (Lachen) - "er konnte es auch nicht. Für beide wäre das peinlich feige gewesen. Ich ging weiter hinter den anderen her. Nach circa zwei Minuten kam ich an den Ort, wo ich vor ihm vorbeigehen mußte. Wie die anderen blieb ich einige Sekunden stehen und grüßte ihn mit allem Anstand und Höflichkeit (Beifall); er tat genau dasselbe und ich ging weiter. Etwas anderes zu tun wäre extravagant und ausfällig gewesen. Das ganze dauerte weniger als 20 Sekunden.

Das schlichte Detail war bald bekannt. Viele Presseorgane berichteten über den Vorfall in freundlichem Ton. Sofort kursierten Dutzende von Gerüchten. Nicht gut informierte offizielle Pressesprecher gaben unterschiedliche Versionen ab.

Die Mafia in Miami" - ich meine nicht die vielen guten Kubaner, die in Miami leben - "wurde hysterisch. Laut ihnen hatte der Präsident ein schweres Verbrechen begangen. Zu solchen Extremen gelangt ihr Fundamentalismus.

Ich meinerseits bin mit meinem respektvollen und zivilisierten Verhalten gegenüber dem Präsidenten des Landes, das Gastgeber des Gipfeltreffens war, zufrieden." (Beifall)

Heute geben noch mehr Gerüchte und offizielle Meldungen an, ich habe mich dorthin bewegt, wo der Präsident war. So etwas ist nicht nötig. Jedermann weiß, daß ein ehrbarer Kubaner niemals einen Gruß oder eine Ehrung erbettelt.

Ich bin am Schluß angelangt. Entschuldigt, daß ich solange gesprochen habe.

Danke (Beifall).

Donnerstag, 7. September 2000

Fidel Castro am Runden Tisch Nr. 3 des Gipfeltreffens des Jahrtausends, "Die Rolle der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert"

Redebeitrag des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Vorsitzender des Staatsrats und des Ministerrats, am Runden Tisch Nr. 3 des Gipfeltreffens des Jahrtausends, "Die Rolle der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert", Vereinte Nationen, New York, 7. September 2000.

Kollegen,

zum Abschluß dieses faszinierenden Themas sind wir nur noch ein paar Treue hier. Die anderen sind dem Thema auch treu, ich verstehe aber sehr gut, daß sie wegen früher eingegangener Verpflichtungen nicht die ganze Zeit hier sein konnten. Ich werde, und das ist beinahe eine Gewissensfrage, ein paar wenige Worte sagen, ausgehend von den innersten Überzeugungen zu dem, was hier diskutiert worden ist.

Du sagtest (er richtet sich an Präsident Chávez), daß Du morgen eine kurze Rede halten mußt. Ich weiß nicht, wieviel Zeit sie Dir geben.

Präsident Chávez.- Fünf Minuten.

Comandante.- Fünf Minuten für das alles? (Gelächter) Na gut, es ist Dir gelungen, einen ... interessanten Runden Tisch zu leiten. Ich war bei dem von heute Morgen, aber ich versichere Ihnen, daß ich beim Hören der Dinge, die hier gesagt wurden, große Genugtuung empfinde.

Wenn statt der, die wir hier sind, einschließlich Vertreter einiger entwickelter Länder, zusätzlich zu den hier anwesenden, 100 Länder der Dritten Welt hier gewesen wären, hätten sie mehr oder weniger dieselben Standpunkte vertreten, wie die, die hier vertreten worden sind.

Wenn Du also sagen wirst, was man in wenigen Minuten sagen kann, dann bin ich sicher, daß es dies Gefühl, das sich am heutigen Nachmittag gezeigt hat, wiedergeben wird, und wir - zumindest ich, und ich bin sicher, auch alle anderen - geben Dir gerne ein Vertrauensvotum, damit Du als Vorsitzender dieses Runden Tisches irgendwie, so elegant wie möglich aber der Wahrheit gemäß, die Sorgen ausdrückst, die wir geäußert haben, und in unserem Namen darüber sprechen kannst.

Ich erinnere mich an den Moment, als die Vereinten Nationen gegründet wurden: unmittelbar nach einem schrecklichen Krieg gegen den Nazismus, in dem sich ungewöhnliche Allianzen zwischen Kräften verschiedener ideologischer Strömungen ergaben, um gegen jenes schreckliche Übel, das die Menschheit bedrohte, zu kämpfen.

Jener Krieg kostete 50 Millionen Leben. Aus ihm gingen eine Gruppe der wichtigsten kriegführenden Länder hervor, die gemeinsam mit anderen weniger Gewichtigen diese Institution gründeten. Sogar Cuba war dabei; Kuba besaß keinerlei Unabhängigkeit, Kuba war eine Halbkolonie und, um die Wahrheit zu sagen, fast alle anderen lateinamerikanischen Länder waren Halbkolonien, und der größte Teil der hier anwesenden Länder war damals nicht unabhängig.

Wir befinden uns in einer total neuen Situation. Man kann heute eigentlich nicht von einem System der Vereinten Nationen sprechen; es gibt kein System der Vereinten Nationen. Was es gegenwärtig tatsächlich gibt, ist ein System der Domination fast aller Länder der Welt durch eine kleine Gruppe von Mächten, die unter der Leitung der Vereinigten Staaten, der mächtigsten von allen, alle Angelegenheiten unserer Welt bestimmen.

Gestern sah ich ein Bild von dem, was die Vereinten Nationen gegenwärtig sind. Beim Mittagessen, bei dem es eine große Zahl von Tischen gab, saßen wir, die Plebejer, an einigen Tischen und an einem anderen – ich habe ihn aufmerksam beobachtet – saßen die Mächtigen, die diese Welt regieren. Sagen wir, die, die sie politisch regieren. Ich kann nicht sagen, daß sie alle sie auch wirtschaftlich regieren. An diesem Tisch saß auch eine Untergruppe, die die Welt nicht nur politisch sondern auch wirtschaftlich dominiert. Den Vorsitz des Tisches hatte logischerweise unser illustrer Freund, der Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan, der die Rede halten mußte; neben ihm war, ebenfalls logischerweise, der Präsident der Vereinigten Staaten; zu seiner Linken saß unser Freund, der Präsident von Mali, denn da mußte etwas Farbe hineingebracht werden; rechts von Präsident Clinton saß der Präsident Frankreichs und direkt daneben, ebenfalls etwas Farbe hinzufügend, eine Illustre Persönlichkeit, unser Freund Obasanjo. Links vom Präsidenten von Mali saß Jiang Zemin, ein großes Land, das die Welt nicht wirtschaftlich dominiert, wohl aber große politische Macht hat; links von Jiang Zemin saß der Premierminister Großbritanniens und etwas weiter, mit dem Rücken zu meinem Beobachtungsort, saß der Präsident Rußlands, das keine große Wirtschaftsmacht, wohl aber eine große politische Macht und vor allem eine große militärische Macht ist. Ich unterscheide zwischen einer Großmacht, die die große Macht 12 oder 14 Mal zerstören kann, und einer großen Macht, die diese 6 oder 7 Mal zerstören kann. Jedenfalls haben beide mehr als genug Macht, um sich gegenseitig zu zerstören.

Es gibt auch komplexe Themen. Man hätte hier über die Konsequenzen diskutieren können, die der geplante atomare Schutzschild für die Welt haben wird. Etwas gesunder Menschenverstand reicht aus, und wer die Kandidaten gehört hat – der eine will einen teilweisen Schutzschild, der andere einen vollständigen –, der merkt, welche Konsequenzen solche Verrücktheiten für die Dritte Welt haben können, diese Welt, über die wir, wenn es um Entwicklung geht, sprechen.

Gut, das war das reale Abbild der Vereinten Nationen.

Jemand hat hier gesagt, ich glaube es war der Premierminister von Belize, daß diejenigen, die das Recht haben, darüber zu entscheiden, ob das Vetorecht erhalten bleibt, diejenigen sind, die gegen jede Vereinbarung, die wir alle treffen, und jeden entgegengesetzten Vorschlag Veto einlegen können.

Das Veto entspricht einer Art göttlichem Recht mit absoluter Macht, neben dem jener Ludwig XIV. ein Niemand war. Wenn diese historische Persönlichkeit sagen konnte, "der Staat bin ich", könnte jeder von denen, die als ständigen Mitglied des Sicherheitsrates an jenem Tisch saßen, sagen, "die Vereinten Nationen bin ich", vor allem die mächtigste Großmacht überhaupt.

Das ist die Realität, was nicht heißt, ganz und gar nicht, daß dies für immer so sein kann; und es kann nicht ewig so sein, weil die derzeitige auf der Welt herrschende politische und wirtschaftliche Ordnung schlicht untragbar ist und in die Katastrophe führt.

Diese Macht ist sehr groß, vor allem die der größten Großmacht, da sie die größte wirtschaftliche Macht, die größte politische Macht, die größte militärische Macht, die größte technologische Macht, die größte wissenschaftliche Macht ist. Als der Präsident von Saint Lucia davon sprach, daß sie zwei Nobelpreisträger haben, war ich drauf und dran ihn zu fragen, wo diese seien. Ich habe hier nämlich Angaben darüber, daß sie in den letzten zehn Jahren 19 von 21 Trägern des Nobelpreises in Physik, 17 von 24 in Medizin und 13 von 22 in Chemie gestohlen haben. Sie holen sich alle Träger wissenschaftlicher Auszeichnungen. Und sie holen sie nicht nur aus der Dritten Welt, sie holen sie aus Europa. Seitdem die IDB vor 40 Jahren gegründet wurde, haben sie uns aus Lateinamerika und der Karibik eine Million Fachleute gestohlen, einschließlich der besten Intelligenzen. Sie haben uns sogar unserer größten Talente beraubt. Wir haben sie an unseren bescheidenen Universitäten ausgebildet, aber sie holen sich die intelligentesten. Eine Million!

In den Vereinigten Staaten beliefen sich die Kosten für diese Million Fachleute – ich hatte das einmal ausgerechnet – auf ungefähr 200 Milliarden Dollar. Und dabei ist die voruniversitäre Ausbildung, Gymnasium und Grundschule, nicht mit eingerechnet. Sie haben uns sogar unserer Intelligenzen beraubt. Welche Instrumente der Domination benutzen sie unter anderem? Die modernen Technologien.

Ich hatte hier noch weitere Zahlen, aber wozu soll ich sie erwähnen. Ich wollte ein wenig über die wirtschaftliche, nicht nur über die soziale und menschliche, Situation sprechen. Ich glaube ich hatte hier die Angabe, daß die entwickelten Länder 97% der Patente kontrollierten. Sie besitzen dank eines Systems, das am Ende des letzten Krieges geschaffen wurde, alles Geld der Welt. Alle kennen den Streit zwischen den Ideen, die Keynes, der Engländer, hatte, und denen von White, dem US-Amerikaner, der die US-amerikanische Delegation in Bretton Woods leitete. Einige entwarfen ein logischeres Wirtschaftssystem. Die Vereinigten Staaten hatten damals 80% des Goldes der Welt. Aus Bretton Woods entstand ein Währungssystem, das alle Macht den Vereinigten Staaten gab. Danach kommt das totale und absolute Vetorecht im Währungsfonds und in der Weltbank, ein weiteres Instrument wirtschaftlicher Macht der Vereinigten Staaten, die als einzige das Recht besitzen Veto einzulegen. Es wurde ein Wirtschaftssystem entworfen, wonach dieses Land alles, was neu geschaffen wird, leitet; die WTO, das Projekt des multilateralen Investitionsabkommens – das sie hintenrum einführen wollten – und viele weitere Institutionen, die zur totalen Beraubung unserer Rechten in allen Bereichen führen.

Die Zölle sollen zurückgehen, erlaubt Däumling mit Gulliver bei der Produktion, den Technologien und allem anderen zu konkurrieren. Für unsere Länder gibt es keinerlei Möglichkeit. Mir scheint, daß es sehr ermutigend ist, zu sehen, daß unseren Ländern dies alles bewußt wird. Ich denke, man muß Bewußtsein schaffen, deutlich reden. Jedes Mal, wenn wir eine Botschaft übermitteln können, tun wir dies über alle Medien. Obwohl sie die Besitzer der wichtigsten Massenmedien der Welt, der Kommunikationsmittel sind, haben wir, die Armen, Möglichkeiten, unsere Botschaften auf unterschiedliche Weise zu verbreiten. Wir können in unserer Schlacht gegen die Blockade und gegen viele andere Dinge unsere Botschaft über Satellit in viele Universitäten dieses Landes tragen, und über Internet in jeden Winkel der Erde.

Gestern haben wir unser Fernsehprogramm in Kuba, ein Gespräch am Runden Tisch, über Internet gehört. Das heißt, es gibt Medien, viele Medien. Trotzdem glaube ich, das wichtigste Medium von allen, das wir uns bewußt machen müssen, liegt in unseren Kriterien, die heute Nachmittag geäußert wurden. Und die Krise. Ich erinnere mich an keine Zeit in der Geschichte, in der die großen Probleme nicht über die großen Krisen gelöst worden wären, und die derzeitige Ordnung führt in eine gewaltige Krise.

Die reale Wirtschaft gibt es nicht mehr. Es gibt eine virtuelle Wirtschaft. Die Weltexporte belaufen sich auf etwas mehr als 6 Billionen Dollar im Jahr. Jedermann weiß aber, daß täglich 1,5 Billionen bei spekulativen Währungsgeschäften umgesetzt werden, da die Konvertierbarkeit des Dollar in Gold verschwand, als ausgerechnet den Vereinigten Staaten 1971 nur noch 10 Milliarden der 30 Milliarden in Gold übrig blieben, die sie anfangs hatten. Mit den 30 Milliarden wurde die Stabilität gewahrt, weil sie Gold kauften, wenn Überschuß da war, und Gold verkauften, wenn etwas fehlte. Das weiß jedermann. Nixon trifft aber im Jahr 1971, nachdem er so viele Milliarden ohne Steuern im Krieg gegen Vietnam ausgegeben hat, einfach die einseitige Entscheidung, die Konvertierbarkeit des Dollar in Gold ohne Rücksprache aufzuheben. Damit fing die Instabilität aller Währungen an. De Gaulle war dagegen – natürlich war er dagegen, denn er wußte, was danach kommen würde. Daraufhin brach die Spekulation los und heute beläuft sie sich auf anderthalb Billionen Dollar täglich in spekulativen Währungsgeschäften, wo noch weitere anderthalb Billionen in Spekulationen mit Aktien und Werten jeder Art hinzu zu zählen sind. Das hat mit realer Wirtschaft nichts zu tun.

Einige an der Börse gehandelte Aktien haben beispielsweise in nur acht Jahren einen Wert von eintausend Dollar in einen Wert von 800 000 verwandelt; das ergibt sich durch Einbildung auf Grundlage von Perspektiven, obwohl besagte Unternehmen Verluste machen. Es wurde eine gewaltige virtuelle Wirtschaft geschaffen. Man hat einen Riesenluftballon aufgeblasen, der eines Tages platzt, und dieser Luftballon wird aufgrund eines unumstößlichen Gesetzes platzen. Dann werden wir die große Krise haben, die vielleicht dabei hilft, eine neue wirtschaftliche und politische Weltordnung zu schaffen.

Währenddessen können wir Bewußtsein schaffen, uns näher mit all diesen Themen befassen, Ideen vermitteln, so wie all die, die hier geäußert wurden. Weil man all das, was hier gesagt wurde, und viele weitere Ideen äußern kann. Wir können keine Pessimisten sein. Ich bin davon überzeugt, daß dies in einiger, nicht allzu langer Zeit, eintreten wird. Wir kennen alle die Pläne zur Aufteilung der Welt im kommenden Jahrhundert. Die beiden Kandidaten dieses Landes haben gesagt, für Lateinamerika sei dies das "nordamerikanische Jahrhundert". Und es entstehen nicht nur mit den Ländern der Dritten Welt, sondern auch mit Europa Widersprüche wegen eines Interessenkonflikts. Jemand sagte heute mit großer Weisheit, die Globalisierung habe vor Jahrhunderten mit der Aufteilung der Welt begonnen. Vor dem ersten Weltkrieg stiegen die Auslandsinvestitionen stark an. Jetzt gibt es eine neue Art der Globalisierung, die den besonderen Bedingungen entspricht und von den Kommunikationsmitteln unterstützt wird; all das, was geschieht.

Ich gehe von de Überzeugung aus, daß eine Krise kommen wird. Heute gab es hier eine Art Aufstand. Hier wurde geäußert ... zumindest hat diese Versammlung und dieses Treffen dazu gedient, daß wir uns in diesem kleinen Saal frei geäußert und gesagt haben, was wir dachten. Ich bin aber sicher, daß sich immer mehr Menschen trauen werden, zu sagen was sie denken, trotz ihrer Abhängigkeit von der Weltbank, vom Währungsfonds, von dem einen Kredit oder sonst etwas. Wir haben das Privileg, absolut frei reden zu können, denn wir sind weder vom Währungsfonds noch von der Weltbank abhängig, wir haben 10 Jahre lang der doppelten Blockade widerstanden – als die UdSSR zusammenbrach, waren wir einer doppelten Blockade ausgesetzt – und wir haben wegen des Werkes, das die Revolution in 30 Jahren geschaffen hatte, widerstanden, weil wir ein Land hatten, ein Volk, mit politische Kultur und einen großen Geist der Solidarität. Eine halbe Million Kubaner haben freiwillig internationalistische Einsätze geleistet! Ich habe nicht übertrieben, als ich sagte, uns stünden 6000 Ärzte auf freiwilliger Basis, wie sie es immer getan haben, zur Verfügung. Als ich heute Morgen, als wir über Aids sprachen, wogegen die modernen Medikamente, auch wenn sie kostenlos erhältlich wären, nicht angewandt werden können, weil es keine Infrastruktur gibt, von einem von uns vorgeschlagenen Programm sprach, sagten wir deshalb, daß wir die Vereinten Nationen und die WHO und die Völker Afrikas bei der Schaffung einer Infrastruktur durch Noteinsatz unterstützen können. In einem Jahr könnte alles geschaffen werden. Man kann nicht warten, bis viele Millionen sterben, bis die Plage, die einen ganzen Kontinent auslöschen kann, sich weiter ausbreitet, um sich an die Arbeit zu machen und etwas zu tun. Und es blieb dabei.

Mir scheint, daß dieses Treffen sehr nützlich sein wird, weil sich viele Menschen kennengelernt, gesprochen und Ideen ausgetauscht haben. Ich bin mir sicher, daß bei diesem Runden Tisch wie an keinem anderen Ort die Dinge geäußert wurden, die am meisten weh tun. Ich denke, daß Du, Chávez, als Vorsitzender dazu beigetragen hast, daß diese Gefühle ausgedrückt wurden.

Ich werde mit dem Eindruck fortgehen, daß bei diesem Runden Tisch alle gesprochen haben. Hier war keiner von den Mächtigen anwesend, die gestern beim Mittagessen am Tisch beisammen saßen. Hier waren eher die Kleinsten, die Plebejer, einige der großen Länder wie Indien, das heißt die Leidenden. Wir sind hier und konnten sehr frei sprechen. Das finde ich äußerst positiv.

Ich werde weiter darüber nachdenken, denn ich verbringe viele Stunden und viel Zeit mit Lesen, suche nach Informationen, versuche zu erfahren, was passiert, und für mich ist es eine große Erleichterung, zu sehen, daß Bewußtsein gebildet wird. Mit dem Bewußtsein kann man Druck ausüben, kämpfen. Man kann uns nicht verleugnen, wenn wir Wahrheiten, Wahrheiten und Wahrheiten sagen. Und damit werden wir, wenn eine Krise aufkommt, auf eine Veränderung dieser Institutionen vorbereitet sein, und wir müssen auf eine Änderung der heute auf der Welt herrschenden politischen und wirtschaftlichen Ordnung vorbereitet sein.

Entschuldigen Sie, daß ich so lange gesprochen habe, aber es wird festgehalten werden, denn ich habe es hier aufgenommen. Ich habe hier ein kleines Aufnahmegerät, um festzuhalten, was ich sage. Es freut mich, daß es aufgenommen wurde. Ich weiß nicht, ob ich dafür verhaftet werde, aber mir gefällt es, die Geschichte zu dokumentieren und mich danach daran zu erinnern und über jeden einzelnen Punkt nachzudenken. Ich habe es gerne dokumentiert und arbeite es gerne durch.

Es hat sich gelohnt, in Mitten der großen oder kleinen Schwierigkeiten,, die ich aus offensichtlichen und bekannten Gründen gewöhnlich habe, wenn ich nach New York reise, zu diesem Treffen zu kommen.; ich glaube, es hat sich nicht nur wegen der zahlreichen Freunde, die ich begrüßen konnte, gelohnt, sondern wegen der Dinge, die ich an diesem Runden Tisch gehört habe.

Vielen Dank

Präsident Chávez
.- Vielen Dank, Fidel. Dir sei versichert, daß Du nicht ins Gefängnis gehen wirst, weil dieser Tisch Dich freisprechen wird.

Vielen Dank für Deine Anmerkungen.

Mittwoch, 6. September 2000

Rede des Dr. Fidel Castro Ruz, Vorsitzende des Staats- und Ministerrates der Republik Kuba, in dem Gipfeltreffen des Jahrtausend, Vereinten Nationen

Rede des Dr. Fidel Castro Ruz, Vorsitzende des Staats- und Ministerrates der Republik Kuba, in dem Gipfeltreffen des Jahrtausend, Vereinten Nationen, New York, am 6. September 2000.

Exzellenzen:

Unsere Welt ist von Chaos in und ausserhalb ihrer Grenzen beherrscht. Blinde Gesetzen werden als heilige Normen vorgestellt die unserer Planet Frieden, Ordnung, Wohlstand und Sicherheit bringen sollen. Das wollen sie uns glauben lassen.

Drei Zehner hochentwickelten und reichen Ländern die, über das Monopol der ökonomischen, technologischen und politischen Macht verfügen, treffen sich hier mit uns um weitere der selben Rezepten anzubieten die dazu gedient haben, uns immer ärmer, ausgebeuteter und abhängiger zu machen.

Es wird nicht ein Mal davon gesprochen diese uralte Institution, die vor einem halbe Jahrhundert, als nur wenige Länder unabhängig waren, geboren wurde, gründlich zu reformieren und sie in ein Organ zu verwandeln die, die Interesse aller Völker der Welt vertritt, ohne dass, das erbitternde und antidemokratische Einspruchsrecht weiter besteht. Dabei sollte ein gesundes Prozess angefangen werden, der die Erweiterung der Mitgliederzahl und die Vertretenheit des Sicherheitsrates als einem der Generalversammlung untergestellte leitende Organ, enthält. Die Generalversammlung sollte weiterhin über so lebenswichtige Themen wie Intervention und Gewaltanwendung entscheiden.

Man soll endlich und standhaft erklären, dass das Souveranitätsprinzip nicht geopfert werden kann, zugunsten einer ausbeutenden und ungerechten Ordung, mit der eine hegemonische Übermacht beabsichtigt, auf Macht und Gewalt stützend, über alles zu entscheiden. Das wird Kuba niemals akzeptieren.

Die Hauptgründe der aktuellen Konflikten liegen in der Armut und Unterentwicklung die in der grossen Mehrheit der Ländern überwiegen, in der ungleichen Verteilung der Reichtum und der Kenntnisse in der Welt. Es kann nicht vergessen werden, dass die heutige Unterentwicklung und Armut Folgen sind der Eroberung, der Kolonialisierung, der Versklaverung und der Ausplünderung grossen Teile der Erde durch die Kolonialmächte, der Entstehung des Imperialismus und den blutigen Kriegen um eine neue Weltverteilung. Heute haben sie die moralische Verpflichtung unseren Ländern für die jahrhundertelang verursachte Schaden zu entschädigen.

Die Menschheit soll über das, was wir bis heute waren und weiter sein können, bewusst werden. Heute hat der Mensch genug Kenntnisse, ethische Werte und wissenschaftliche Mittel erworben, um zu eine neue historische Etappe der Gerechtigkeit und Humanismus zu gehen.

Nichts was in der wirtschaftliche und politische Ordnung enthalten ist, dient den Interessen der Menschheit. Sie kann nicht aufrechterhalten werden. Sie soll umgewandelt werden. Man soll nur überlegen das wir schon über 6 Milliarden Einwohner sind, davon 80 Prozent Armen. Während reichen Ländern fabelhafte Summen für Militärausgaben und Luxus investieren und eine gierige Plage Spekulanten Währungen, Aktien und andere tatsächliche oder scheinbare Werten für Summen die täglich Billionen Dollars betragen, austauschen, sind tausendjährige Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose und andere ebenso todbringende Krankheiten in den Länder der Dritten Welt nicht beseitigt; neue Epidemien wie AIDS drohen mit der Vernichtung ganzen Nationen. Die Natur wird zerstört, das Klima ändert sich vor unseren Augen, das für menschliches Verbrauch notwendige Gewässer ist verschmutz und wird knapp, in Meer werden die für die Menschen erforderliche Nahrungsquellen ausgeschöpft; lebenswichtige, nicht erneubare Ressourcen werden für Pracht und Nichtigkeiten verschwenden.

Jeder begreift dass, das Hauptziel der Vereinten Nationen in den dringende Jahrhundert der bereits beginnt daran liegen soll, die Welt nicht nur von dem Krieg zu retten, sondern auch von der Unterentwicklung, dem Hunger, den Krankheiten, der Armut und der Zerstörung der für das Menschenleben unerlässlichen Naturmitteln.. Dies soll dringend gemacht werden, bevor es zu spät wird!

Der Traum tatsächliche, gerechte und vernünftige Normen zu erreichen, die das menschliche Schicksal regieren, scheint für Viele unmöglich zu sein. Unsere Überzeugung ist es, dass der Kampf um das Unmögliche das Motto dieser Institution die uns heute zusammenbringt, sein soll!

Vielen Dank

Samstag, 5. August 2000

Fidel Castro anlässlich der Gedenkfeier des 47. Jahrestages es Sturms auf die Moncada-Kaserne

Rede des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, erster Sekretär des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Kubas und Vorsitzener des Staatsrates und des Ministerrates, gehalten anlässlich der Gedenkfeier des 47. Jahrestages es Sturms auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1953 auf der Plaza Provisional de la Revolución in Pinar del Río, 5. August 2000

Bürger von Pinar del Río,

Landsleute in ganz Kuba,

sehr geehrte Gäste,

im Nachbarimperium stehen Wahlen an. Es ist bereits bekannt, welche die Kandidaten für die Präsidentschaft der Regierung der Vereinigten Staaten, unseres verbissenen, arroganten und hochmütigen Gegners sind. Im harten und langwierigen Kampf für die Rückgabe des entführten Kindes konnten wir alle Anwärter auf dieses begehrte Amt kennenlernen. Es gab nicht einen einzigen, der die Rechte des Kindes und seines Vaters aus grundlegendem Anstand und Rechtsempfinden unterstützt hätte. Um die mageren Stimmen der kubanisch-amerikanischen Annexionsmafia zu fangen, und insbesondere deren reichhaltigen Geldmittel, unterstützten sie die Entführer oder ermunterten den Vater, einen bescheidenen, ehrlichen und unbestechlichen kubanischen Arbeiter, auf zynische Weise zur Fahnenflucht.

In jenem Land, wo es unter bestimmten historischen Umständen Kandidaten mit den tiefen Überzeugungen Lincolns gab, der Weisheit eines Staatsmannes wie Roosevelt in für sein Land und die Welt tatsächlich schwierigen Zeiten, oder der Ethik aufgrund aufrichtiger religiöser Überzeugungen eines Mannes wie Carter - der vielleicht gegenüber der galoppierenden Inflation aufgrund des Abenteuerkriegs in Vietnam und der Energiekrise ein besseres Los verdient hätte – entstanden Persönlichkeiten, die in- und außerhalb der Vereinigten Staaten auf großes Interesse gestoßen sind. Aber vielleicht standen sich in derart komplexen und chaotischen Zeiten, wie sie die Menschheit heute erlebt, niemals zwei so langweilige und fade Kandidaten gegenüber, ohne erprobte historische Erfahrung und solide Kriterien und Prinzipien. wie die, die heute um die Führung der Weltgroßmacht in einer einpoligen und globalisierten Welt streiten. Sie haben nicht einmal die ehrlichen Sorgen um bestimmte soziale Probleme, den intellektuellen Scharfsinn und die Bildung von Clinton, trotz dessen Wankens und Fehler.

Jedweder, der die Präsidentschaft erlangt, wird mit tödlichen Waffen umgehen und das nukleare Arsenal in seinen Händen halten und wird, noch viel mehr als ein Kaiser des antiken Roms, Herr über Krieg und Frieden in der Welt sein.

Wenn in den Vereinigten Staaten einer der Kandidaten die Mehrheit der Delegierten einer der großen Fraktionen des in diesem Land dominierenden politischen Systems für sich gewinnt, wofür sie Hunderte Millionen Dollar zu investieren pflegen, beginnt die Endphase des Wahlkampfes.

Zunächst kommt der Ritus, einen Vizepräsidenten zu finden. Er wird selbstverständlich vom Kandidaten ausgewählt, gemäß rein auf die Wahl bezogener taktischer und zweckmäßiger Gesichtspunkte. Danach kommt die pompöse Zeremonie der Bewerbung auf die Präsidentschaft und nichts weniger als ein angebliches Regierungsprogramm, das keinerlei Wert als Mandat oder ethische und politische Verhaltensregel besitzt. Meistens ist es ein einfacher Abriß von Gemütszuständen, Gruppeninteressen, Kompromissen, Posen und Sätzen zur Versüßung der Ohren der einen oder anderen Wählergruppe inmitten eines wilden Streits, bei dem jeder die Anschuldigungen beschwichtigen will, unangemessen liberal oder konservativ zu sein, deren sich beide Fraktionen gegenseitig bezichtigen. Niemand erwartet Aufrichtigkeit, Verantwortungsbewußtsein für das Land oder die Welt, oder ein Zeichen grundlegenden Wissens, wirklicher politischer Kultur und Bewußtseins für die ernsten Probleme, mit denen die Menschheit konfrontiert ist.

Jetzt ist gerade die sogenannte Republican Convention beendet worden, ausgerechnet in Philadelphia, Ort in der die berühmte Unabhängigkeitserklärung von 1776 bekanntgegeben wurde. Jene Sklavenbesitzer, die sich gegen den britischen Kolonialismus auflehnten, auch wenn sie das schändliche System der Sklaverei, das noch beinahe ein Jahrhundert andauerte, nicht abschufen - die Rassendiskriminierung ist noch immer tief in der US-amerikanischen Gesellschaft verwurzelt – waren letztendlich Träger vieler der fortschrittlichsten politischen Ideen jener Zeit.

Obwohl der bloße Gedanke, unter dem Bruch wichtiger internationaler Abkommen eine Raketenabwehr zu schaffen, vor kurzem die Weltöffentlichkeit erschütterte, hat die Republican Convention, die gerade in Philadelphia unter der Leitung ihres illustren Kandidaten zusammengetroffen war, als erstes die Absicht angekündigt, den Haushalt der Streitkräfte wesentlich aufzustocken, mit dem Ziel militärische Forschung, die Entwicklung und den Bau einer Raketenabwehr, die die gesamte Nation abdeckt, durchzuführen, mit einem Radarnetz, das feindliche Raketen, die auf dem Weg in Richtung des Territoriums der Vereinigten Staaten sind, aufspüren und mitten im Flug abschießen könnte.

Diejenigen, die so denken, sind nicht in der Lage zu verstehen, dass diese Politik zu totaler internationaler Ablehnung führen würde, einschließlich von Europa, und alle, die sich durch eine Strategie bedroht fühlen, die sie vor den Vereinigten Staaten entwaffnet, wie ein Magnet anziehen würde. Ein neues gefährliches und überteures Wettrüsten würde auf der Stelle losbrechen, und nichts könnte die Verbreitung von Nuklear- und anderer Massenvernichtungswaffen verhindern.

Die Autoren des Projekts wissen genau, dass etwas mehr als die Hälfte der US-Amerikaner, die noch verwirrt sind und über das komplexe Problem nicht ausreichend informiert sind, glauben, dass eine solche Lösung den Sicherheits- und Friedensinteressen des Landes am besten gerecht wird. Der republikanische Kandidat mit dieser extremen Position, dem Gegenteil jedes vernünftigeren und angemesseneren Vorschlags von Seiten seines Gegners, würde den Wählern als der starke, vorsorgliche und harte Mann gezeigt werden, den die Vereinigten Staaten angesichts jeder eingebildeten oder reellen Gefahr brauchen. Dies ist die gute Nachricht, mit der sie die Bewohner des Planeten von Philadelphia aus bescherten.

Was hat das nagelneue Programm besonders für Lateinamerika und die Karibik zu bieten? Es gibt einen vielsagende Satz, : "Das nächste US-amerikanische Jahrhundert muß ganz Lateinamerika mit einschließen.". Diese einfache Zeile bedeutet nichts anderes, als die Verkündung des Besitzanspruchs auf Lateinamerika und die Karibik.

Gleich darauf wird hinzugefügt: "In Abstimmung mit dem Kongreß wird der Präsident mit Schlüsseldemokratien in der Region wie Argentinien, Brasilien, Chile und vor allem Mexiko zusammenarbeiten." Sie verdeutlichen nicht, ob Regierungen der Art Pinochets oder Militärjuntas, wie die, die in Argentinien nach einer Reihe von den vorherigen republikanischen Regierungen geförderten Putschen, Zehntausende Menschen verschwinden ließen, und mit deren brutal repressiven Regimes sie eng kooperierten, auch zu dem US-amerikanischen Jahrhundert zählen, von dem sie reden.

Der Satz "und vor allem Mexiko" fällt auf, ein Land, dem sie schon die Hälfte des Territoriums in einem expansionistischen und nicht zu rechtfertigenden Krieg entrissen haben. Die deutliche Absicht ist offensichtlich, zunächst die wirtschaftliche Annexion und die totale politische Unterwerfung dieses Landes zu betreiben, und später dasselbe mit den restlichen Ländern unserer Region zu tun, ihnen ein besonders für die US-amerikanischen Interessen höchst günstiges Freihandelsabkommen aufzuzwingen, dem sich nicht einmal eine kleine Insel in der Karibik entziehen könnte. Selbstverständlich Freizügigkeit für das Kapital und Waren, niemals für Personen! Die Vereinigten Staaten können sich nicht mit Indios, Schwarzen oder Mestizen füllen. Auch nicht mit weißen Lateinamerikanern, weil sie nicht reinen arischen Blutes sind, und keiner kann sich des Verdachts entziehen, Träger verirrter Gene zu sein, die zum Genom einer anderen menschlichen Rasse gehören. Weder der Ku-Klux-Klan noch andere eifrige und wachsende Bewunderer des Hakenkreuzes würden das zulassen.

Wie zu erwarten, war laut den Agenturmeldungen im Löwenprogramm von Philadelphia ein bedeutender Teil des Abschnitts über Lateinamerika Kuba gewidmet: "Unsere wirtschaftlichen und politischen Beziehungen werden sich ändern, wenn das kubanische Regime alle politischen Gefangenen freiläßt, friedlichen Protest legalisiert, die politische Opposition und die Redefreiheit zuläßt und sich zu demokratischen Wahlen verpflichtet." Für die Autoren dieser demagogischen Ausgeburt ist Freiheit und Demokratie das, was in einem hinfälligen und korrupten System praktiziert wird, in dem allein das Geld entscheidet und wählt, und in dem ein Präsidentschaftskandidat dies auf blitzartige Weise als Erbe eines freien Throns wird, erklärbar einzig durch den mächtigen Einfluß seines Vaters und weil er mit Millionenspenden von denen rechnen kann, die sich vom neuen Regenten große Privilegien erhoffen, was viele Lichtjahre von dem entfernt ist, was sich diejenigen erträumten, die jenes Land vor mehr als zwei Jahrhunderten gründeten.

Eine andere Agenturmeldung berichtet: "Das Programm beinhaltet, neben der aktiven Unterstützung für die Feinde der Revolution, die Übertragung von Informationssendungen von den Vereinigten Staaten aus nach dem karibischen Land". Das heißt, sie beabsichtigen, mit dem Dreck, den die subversiven Sender gegen Kuba vom Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten aus ausposaunen, weiterzumachen; die Schmach wird andauern, dass in den offiziellen Sendern der Regierung der Vereinigten Staaten der für unser Volk ruhmvolle und heilige Name José Martís gebraucht wird.

Die Agenturmeldungen weisen wörtlich darauf hin, dass "die Mitglieder der Delegation aus Florida bei einer Pressekonferenz erklärten, die Schlußfassung der Erklärung sei das Ergebnis der Arbeit der Vertreter des Staates mit dem bedeutendsten Stimmenanteil von US-Amerikanern kubanischer Herkunft in den Vereinigten Staaten, der mehrheitlich republikanisch ist."

Bei einer Pressekonferenz kreischte der hysterische Díaz Balart euphorisch: "Diese Sprache ist ohnegleichen. Die Republikanische Partei hat sich noch nie so weitgehend verpflichtet". Sie können die riesige und erdrückende Niederlage nicht vergessen, die die kubanisch-amerikanische Mafia gerade erlitten hat, und von der sie sich nie erholen werden kann.

Ihrerseits hat Ileana Ross, die reißende Wölfin, die Elián in die Flagge der Stars and Stripes hüllte, hocherfreut erklärt, die Republikaner seien "die Partei, die die Demokratie fördert". Lüge! Eine reine und unverschämte Lüge! Es gibt Republikaner, die sogar den Faschismus fördern. Aber es gibt viele Republikaner, die anständige Menschen sind und jene "Demokratie" der extremen Rechten, der Terroristen und Rechtsbrecher, welche die genannte Dame vertritt, und die in der Lage sind, ein unschuldiges, sechsjähriges Kind viele Monate lang zu entführen, zu plagen und politisch auszubeuten, weder teilen noch unterstützen.

Eine Meldung aus Philadelphia vom 31. Juli berichtete, das Programm der Republikanischen Partei vertrete, "die Vereinigten Staaten müssen unter der Präsidentschaft von George Bush die Politik gegenüber Kuba durch die aktive Unterstützung der Dissidenten auf der Insel verstärken." Und weiter unten geht es weiter: "Obwohl das Papier grundsätzlich dieselbe Politik beibehält, macht es ihre offene Unterstützung der Gegner Fidel Castros deutlich." Sehr gut, hervorragend! Es wird nicht mehr nötig sein, zu beweisen, was jedermann in unserem Land weiß: das Söldnertum und der verräterische Charakter der kärglichen Grüppchen, die in unserem Vaterland im Sold des Imperiums stehen. Ihre ungeschickten Herren berücksichtigen überhaupt nicht, dass sie nach sieben Monaten unablässigen Kämpfens des kubanischen Volkes gegen die widerlichen Taten der Annexionsmafia und der extremen Rechten der Vereinigten Staaten nun wie Fische in einem Schwimmbad ohne Wasser sind.

"Die Politik gegenüber Kuba muß auf soliden Prinzipien gründen", wird in dem Text behauptet, der Kuba in dem Kapitel mit dem Titel Nachbarschaft in Amerika erwähnt. Man muß schon unverschämt sein, um die Gase, die aus der stinkenden Kloake, die die terroristische und söldnerische Mafia von Miami ist, solide Prinzipien zu nennen.

Zur Krönung des Berges an Unrat, den das republikanische Programm enthält, wird schließlich festgestellt: "Die Republikaner denken, dass sich die Vereinigten Staaten an die im Cuban Adjustment Act von 1966 aufgestellten Prinzipien halten müssen, das die Rechte der kubanischen Flüchtlinge die vor der kommunistischen Tyrannei fliehen, anerkennt." Hervorragend! Man wird den Kubanern zu den Gründen für den Schwur von Baraguá und der Notwendigkeit, unseren Kampf gegen die Höhlenpolitik, die gegen Kuba wiederholt wird, ohne Pause und Erholung weiterzuführen, nicht mehr viel erklären müssen.

Vom Ansehen der imperialen Politik wird nicht einmal Staub übrig bleiben. Wir werden ihre Heuchelei und ihre Lügen eine nach der anderen systematisch anklagen und niederreißen. Es ist offensichtlich, dass sie keine Ahnung davon haben, welch erstklassiges Volk sich in diesen vierzig Jahren Revolution geschmiedet hat.

Unsere Botschaft wird an alle Enden der Welt gelangen und unser Kampf wird Beispiel sein. Die Welt, die immer unregierbarer wird, wird den Kampf fortführen, bis Hegemonismus und Unterjochung der Völker völlig unhaltbar werden.

Wer nun zum Präsidenten des Imperiums gewählt wird, darf nicht verkennen, dass Kuba die totale Aufhebung des mörderischen Cuban Adjustment Act und der kriminellen Gesetze mit den berüchtigten Namen Torricelli und Helms-Burton, der völkermörderischen Blockade und des Wirtschaftskrieges fordert; dass sich seine Autoren, Urheber und Vollstrecker des Verbrechens des Völkermordes schuldig gemacht haben, das in den internationalen von den USA und Kuba unterzeichneten Abkommen definiert und sanktioniert wird; dass in diesem Falle seine Gerichte als das geschädigte Land zuständig sind, über diese Handlungen zu richten.

Sie dürfen nicht vergessen, dass, wenn auch für den moralischen Schaden, der sehr hoch sein kann, keine Ersatzforderungen gestellt wurden, die Regierung der Vereinigten Staaten dem kubanischen Volk bereits mehr als 300 Milliarden Dollar für menschlichen Schaden schuldet, verursacht durch ihre Söldnerinvasion in der Schweinebucht, ihren schmutzigen Krieg und viele andere Verbrechen sowie für die Auswirkungen der Blockade auf die Volkswirtschaft. So bestimmen es rechtskräftige Urteile, absolut gesetzlich gefällt durch Gerichtsverfahren, zu denen sich die Behörden der Vereinigten Staaten aus Hochmut und moralischer Feigheit nicht einmal herabließen, einen Vertreter zu entsenden.

Auch dürfen sie sich keinen Illusionen zur Haltung Kubas hingeben, sollten die Vereinigten Staaten irgendwann normale Beziehungen zu unserem Land aufnehmen, so wie sie sie heute zu anderen sozialistischen Ländern wie China und Vietnam unterhalten. Wir werden zu keinem gegen die Völker begangenen Verbrechen, keiner Aggression oder Ungerechtigkeit schweigen. Unsere Schlacht der Ideen wird nicht aufhören, solange es das imperialistische, hegemonische und unipolare System gibt, das für die Menschheit zur Geißel und für das Überleben der Gattung Mensch zu einer tödlichen Bedrohung geworden ist.

Es wächst die Anzahl der Millionen US-Bürger, die sich der Schrecken der Wirtschafts- und politischen Ordnung bewußt werden, die der Welt aufgebürdet wurde. Sie, die bis heute nach ihrem Gutdünken mit dem Schicksal der Menschen umgingen, können schon nicht mehr in Seattle oder Washington zu den schmutzigen Politiken der WTO oder des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank tagen, denn Tausende und Zehntausende von US-Bürgern versammeln sich in steigender Anzahl um die Tagungsgebäuden. Sie werden brutal verdrängt unter Einsatz von Methoden des Hasses und der Gewalt, die an die Repressionen der Überfalltruppen Hitlers oder der brutalen Polizei Pinochets erinnern.

Die Kubanische Revolution vertraut nicht nur auf die moralische Integrität und die patriotische und revolutionäre Kultur seines Volkes sowie auf den Selbsterhaltungstrieb der Gattung Mensch, deren Überleben bedroht ist. Sie glaubt auch an den traditionellen Idealismus des US-amerikanischen Volkes, das nur durch plumpe Täuschung zu ungerechten Kriegen und beschämenden Aggressionen geführt werden kann. Sind Demagogie und Lüge einmal aus der Welt geschafft, dann wird die Welt in den Bürgern der Vereinigten Staaten ausgezeichntete Verbündeten haben, wie es nach jenem abscheulichen Krieg der Fall war, der zwei Millionen Vietnamesen und mehr als 50 000 jungen US-Amerikanern das Leben gekostet hat; oder wie es dieses Volk eben erst mit seiner edlen Unterstützung für einen kubanischen Jungen und seine Angehörigen bewies, die Opfer eines brutalen Verbrechens durch eine Bande von Übeltätern geworden waren, die sich der Gastfreundlichkeit jenes Landes bedient hatten und am Ende, von Haß und Frustration fortgerissen, das Banner der Vereinigten Staaten in den Schmutz zerrten und anzündeten. Nie ist es im revolutionären Kuba zu so einer Tat gekommen, trotz der Blockade und Verbrechen, die die Regierungen jenes Landes gegen unser Volk begingen.

Der Wandel in der Kuba-Politik der Regierung der Vereinigten Staaten hat ein einseitiger zu sein, denn die Blockade und der Wirtschaftskrieg gegen Kuba durch jene, die dieses Land regieren, erfolgen auf einseitige Weise.

Mitbürger!

Pinar del Río war bis zum Sieg der Revolution die ärmste Provinz Kubas. Ihr Grund und Boden war im Besitz von Großgrundbesitzern. In keiner anderen Provinz zahlten die Teil- und Vollpächter eine so hohe Pacht für die Bodennutzung. Viele mußten mindestens 30 Prozent ihrer Ernte abgeben. Die Provinz war als das Aschenbrödel Kubas bekannt. Wie ich schon einmal erzählte, sagte Jahre nach dem revolutionären Sieg ein Medizinstudent zu mir: "Sie ist schon nicht mehr das Aschenbrödel; jetzt ist sie die Prinzessin."

Aus 16 schlecht funktionierenden ärztlichen Einrichtungen, die sich mit etwa hundert Privatpraxen die medizinische Betreuung teilten, wurden 125 Betreuungszentren.

Aus einer Anzahl von 248 Ärzten, 25 Zahnärzten und 50 KrankenpflegerInnen und Hilfspersonal wurden 3 473 ÄrztInnen, 569 ZahnärztInnen und 5 702 KrankenpflegerInnen und Hilfspersonal, die der gesamten Bevölkerung kostenfrei zur Verfügung stehen.

Aus 60,5 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten wurden 6,5 Todesfälle, die die Kennziffer der Vereinigten Staaten unterschreiten.

Aus 53 Jahren Lebenserwartung wurden 76,5 Jahre.

Aus 30 Prozent Analphabeten im Alter von über zehn Jahren wurden faktisch null Prozent.

Aus der zweiten Klasse Bildungsdurchschnitt wurde der Abschluß der neunten Klasse.

Aus 1 710 Lehrern und Dozenten wurden 18 816.

Aus fünf oder sechs Millionen Bildungsetat wurden 113 Millionen.

Aus 33 weiblichen Hochschulabsolventen wurden 22 940.

Aus 541 Berufskadern mit Hochschulabschluß wurden 46 500.

Aus 25 Kultureinrichtungen wurden 171.

Aus 42 Sportanlagen wurden 604.

Die Beschäftigungslosigkeit schrumpfte von 30 auf 4 Prozent.

Ich habe mich auf nur einige wenige Angaben zu sozialen Aspekten beschränkt, die für das Leben des Menschen sehr wesentlich sind: Gesundheit, Bildung, Kultur, Sport, Beschäftigung.

Die Universitätsfakultäten der Provinz, ihre wissenschaftlichen Einrichtungen, in denen mehr als 200 Personen Doktor- und Mastertitel besitzen, ihre Krankenhäuser, Einrichtungen für Erholung, Sport und Altenheime und die soziale Sicherheit ihrer Bürger haben der einstigen Aschenbrödelprovinz Kubas ein anderes menschliches Antlitz gegeben. Das gleiche ist überall im Land geschehen, von Punta de Maisí bis zum San Antonio-Kap. Keine Bevölkerung der Welt hat in so kurzer Zeit so große Fortschritte erzielt, und das in einem Umfeld ständiger Aggressionen, der Blockade und des Wirtschaftskrieges, denen wir ausgesetzt sind.

Keinen politischen Mord, keine extralegale Hinrichtung, nicht einen einzigen Vermißten, nicht einen einzigen gefolterten Menschen – alles Tatsachen, die vielerorts einschließlich der Vereinigten Staaten geschehen – hat es im Verlaufe der 41 Jahre je in Kuba gegeben. Das wissen alle unsere Mitbürger, sogar die Kinder der Vorschulerziehung.

Fast die Hälfte der Mitglieder unseres Parlaments sind Abgeordnete aus den Wahlkreisen, die ohne jegliches Intervenieren der Partei von den Bürgern vorgeschlagen und gewählt wurden. Sämtliche Mitglieder dieses obersten Staatsorgans werden von den Munizipalversammlungen aufgestellt, wobei in jedem Munizipium die jeweiligen Abgeordneten der Wahlkreise vertreten sind. Alle Mitglieder unseres Parlaments, das seinerseits die Exekutive und die Justizgewalt unseres Landes wählt, müssen ausnahmslos mit mehr als 50 Prozent der Stimmen derer gewählt werden, die von ihrem Wahlrecht in geheimer und direkter Wahl Gebrauch machen. Nicht ein einziges Gewehr bewacht unsere Wahllokale. Unsere Pioniere sind es, die die Urnen mit der gleichen Effizienz behüten, mit der sie auf die Interessenvertretung der Vereinigten Staaten bei den offenen Tribünen und den großen kämpferischen Märschen nahe ihres Gebäudekomplexes achtgaben, ohne dass jemals auch nur eine Glasscheibe zerbrochen wäre.

Nun bezeichnet jedoch der Imperialismus all das, was ich erwähnt habe, Verletzung der Menschenrechte. Deshalb wird das Land, das eine solche großartige Leistung für den Menschen vollbracht hat, blockiert, angefeindet und auf tausend unterschiedliche Arten angegriffen. Weil wir so hohe Errungenschaften erzielt haben, sind wir heute das einzige Land der Welt, das dieser wilden Hetze durch die Regierung der Vereinigten Staaten, der einzigen, reichsten und mächtigsten Supermacht der Welt, ausgesetzt ist.

Wie irrig sind doch die Illusionen derer, die eben noch die Fortsetzung der schamlosen und verbrecherischen Politik proklamierten, die ich zu Beginn meiner Rede beschrieb.

Von hier aus, von dieser Provinz aus, wo der Bronzetitan in Mantua seine kolossale Heldentat der bei den Mangos von Baraguá begonnenen Invasion zu Ende führte, erteilen wir ihnen unsere Antwort: Ihr Dummköpfe! Begreift ihr denn nicht, dass Kuba uneinnehmbar ist, dass seine Revolution nicht vernichtet werden kann, dass sich sein Volk niemals ergeben noch beugen wird? Werdet ihr nicht gewahr, dass die Wurzeln unseres Patriotismus und unseres Internationalismus so tief in unseren Köpfen und unseren Herzen sitzen wie die beeindruckenden Mogotefelsen aus Feuergestein von Pinar del Río auf dem vulkanischen Grund dieses Teiles unserer Insel, die sich Kuba nennt und die sich heute rühmen kann, fast 42 Jahre Blockade und Aggression durch das mächtigste Land, das es je gegeben hat, unbesiegt überstanden zu haben?

Für uns spricht die Stärke unseres Prestiges und unseres Beispiels, die unzerstörbare Stahl der unanfechtbaren Gerechtigkeit unserer Sache, das unlöschbare Feuer unserer Wahrheit und unserer Moral, der doppelte und uneinnehmbare Schützengraben aus Steinen und Ideen, den wir errichtet haben.

Deshalb, Herr Busch, sollten Sie Oberhaupt des Imperiums werden – denn Republik kann es schon nicht mehr genannt werden – so rate ich Ihnen als aufrichtiger Gegner, denken Sie zurück; lassen Sie die Euphorie und Hitzigkeit Ihrer Konvention beiseite und riskieren Sie nicht, der zehnte Präsident zu werden, dessen Amtszeit einmal abläuft, indem er mit steriler und überflüssiger Bitterkeit einer Revolution in Kuba zusehen mußte, die sich weder beugt, noch aufgibt, noch vernichtet werden kann.

Ich weiß recht gut, was Sie unüberlegterweise zu Ihren engen und schwatzhaften kleinen Freunden der kubanisch-amerikanischen Mafia äußerten, nämlich dass Sie das Kuba-Problem sehr leicht in Griff bekommen können, wobei Sie klaren Bezug nehmen auf die Methoden der unheilvollen Zeit, als bei Mordplänen gegen die Führungspersönlichkeiten unseres Landes die CIA direkt mit herangezogen wurde. Da ich diese so enge Auffassung zur Rolle des Einzelnen in der Geschichte nicht teile, ermahne ich Sie, nicht zu vergessen, dass für jeden der revolutionären Führer, den Sie auf diesem Wege zu beseitigen beschließen, es in Kuba Millionen Männer und Frauen gibt, die seinen Platz einzunehmen fähig sind. Sie alle zusammen sind viel mehr als Sie beseitigen könnten und als Ihre riesige politische, ökonomische und militärische Macht besiegen könnte.

Bürger Pinar del Ríos, die ihr der verdienten Ehre würdig seid, Veranstaltungsort der Gedenkfeierlichkeiten zum 47. Jahrestag des 26. Juli zu sein:

Angesichts des zynischen Programms von Philadelphia laßt uns unseren Schwur von Baraguá ein weiteres Mal erneuern:

Schluß mit dem Cuban Adjustment Act!

Schluß mit dem Helms-Burton-Gesetz!

Schluß mit dem Torricelli-Gesetz!

Schluß mit den in viele Gesetze des US-Kongresses hineingeschmuggelten Veränderungen zur Vergrößerung der Leiden unseres Volkes!

Schluß mit der gesamten Blockade und dem verbrecherischen Wirtschaftskrieg gegen Kuba!

Schluß mit den Drohungen, den Subversionskampagnen, den Plänen zur Destabilisierung!

Und zu gegebener Zeit – denn es ist im Augenblick kein vorrangiges Ziel, aber doch ein äußerst gerechtfertigtes und unabdingbares Recht unseres Volkes – ist das illegal besetzte Gebiet in Guantánamo an Kuba zurückzugeben!

All das hat vollkommen bedingungslos zu erfolgen!

Bürger Pinar del Ríos, herzlichen Glückwunsch!

Mitbürger ganz Kubas, Vaterland oder Tod!

Wir werden siegen!

Samstag, 29. Juli 2000

Fidel Castro anlässlich der Gedenkfeier des 47. Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1953

Rede des Staatsratsvorsitzenden der Republik Kuba, Fidel Castro Ruz, gehalten auf der offenen Tribüne auf der Plaza de la Revolución "Comandante Ernesto Che Guevara" anlässlich der Gedenkfeier des 47. Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1953. Villa Clara, 29. Juli 2000

Bürger von Villa Clara,

Landsleute,

Gäste,

alles ändert sich, sogar die Uhrzeit und Form unserer großen öffentlichen Veranstaltungen wie der 1. Mai und der 26. Juli. Der unbeugsame und unablässige Kampf zur Behebung des enormen Unrechts, das gegen ein kubanisches Kind, seinen Vater und seine Familie verübt wurde, und der enorme Kampf der Ideen und der Massen, den unser Volk während 7 Monaten gefochten hat, haben unsere revolutionäre Erfahrung außerordentlich bereichert. Ein gesteigertes Mobilisierungs-, Organisations- und Disziplinpotential wurden erlangt. Hunderte neuer und brillanter Redner, darunter viele Kinder und Jugendliche, sind überall als eindeutiger Beweis der unübertrefflichen Bildungsleistung der Revolution aufgetaucht.

Wir haben neue und wirksame Formen dafür entwickelt, dem Volk und der Welt unsere Wahrheiten zu vermitteln. Die Kunst und das gesprochene Wort, die künstlerische Kultur und die revolutionäre Botschaft haben sich in unserer historischen Entwicklung auf beinahe untrennbare Art und Weise vereint. Wissen, Allgemeinbildung und politisches Bewußtsein werden immer schneller vertieft. Lange Reden bei ungemütlichen und heißen Versammlungen werden nicht mehr nötig sein, um komplexe Themen gründlich zu behandeln und Ereignisse zu erklären, die beinahe täglich in Sendungen, Erklärungen und Analysen in unseren Fernsehsendern, Radios und Printmedien diskutiert werden.

Heute sind wir bei dieser offenen Tribüne auf dieser Plaza de la Revolución vor dem Mausoleum, das die Reste des Unterstützungskommandos bewahrt, das aus dem Che und seinen heroischen Genossen bestand, die fielen, als sie an einem edlen und großzügigen Kampf in anderen Ländern der Welt teilnahmen.

Sie wurden alle einzeln gesucht und an verstreuten und entlegenen Orten gefunden; ihre Knochen wurden alle einzeln identifiziert. Das Vaterland hat das Privileg erhalten, die Akteure einer der schönsten Seiten der Geschichte Amerikas an dieser Stätte der Solidarität und des Internationalismus zu vereinen. Bevor die Träume Bolivars und Martís von der Einheit Wirklichkeit werden, ist hier unser Amerika bereits symbolisch vereint. Argentinier, Bolivianer, Peruaner und Kubaner, und sogar eine Tochter des Landes, das die Wiege dessen ist, der als erster von einer sozialistischen Welt träumte, sind an diesem Ort für immer vereint.

Diese Gräber, aus deren Gegenwart Mut entspringt, erinnern uns daran, daß wir an diesem 26. Juli in Villa Clara nicht alleine sind, daß auch diejenigen bei uns sind, die in jener Schlacht fielen, bei der die Straßen und Gebäude dieser heldenhaften Stadt eine nach der anderen den Krallen der Tyrannei entrissen wurden.

Als wir die Städte Santiago de Cuba und Villa Clara in unsere Macht gebracht hatten, wurde der Kampf nicht eine Sekunde angehalten, und unsere Truppen führten ihren ungestümen Marsch mit der einmütigen Unterstützung der Arbeiter und dem restlichen Volk bis zum völligen Sturz des Regimes in weniger als 48 Stunden fort. Es handelte sich nicht um eine Machtergreifung mit Waffengewalt; es war eine Revolution.

Wir alle verstanden bald, daß der wahre Gebieter nicht der gestürzte Satrap war; der wirkliche Gebieter war ein tausendmal mächtigerer Gebieter. Unter gewöhnlichen Umständen könnte man meinen, es habe sich um hier eine einfache politische Theorie oder Annahme gehandelt. Es waren Zeiten, in denen viele glaubten, die Souveränität und Unabhängigkeit der Völker seien heilige universelle Prinzipien, die von allen anerkannt und respektiert würden.

Unser Volk erhielt seine erste Lektion, als es hunderte der großen Plünderer der öffentlichen Mittel und die übelsten Kriegsverbrecher, die Tausende seiner Söhne gefoltert und ermordet hatten, massiv in die Vereinigten Staaten auswandern sah, wo sie ihre Vermögen aufbewahrten. Und das war nur der Anfang. Die Behörden jenes Landes suspendierten unmittelbar alle Kredite und es begann ein Bombardement mit Verleumdungen, das praktisch bis heute andauert, und mit denen sie immer ihre Aktionen rechtfertigen. Der Vorwand war damals die exemplarische Bestrafung der Kriegsverbrecher, die nicht entfliehen konnten, und Verstaatlichung und die Konfiszierung von Landgütern, Immobilien und anderen während beinahe sieben Jahren Tyrannei unlauter erworbenen Reichtümern.

Eine für das Land notwendige und lebenswichtige Landreform, die viereinhalb Monate nach dem Triumph der Revolution verordnet wurde, entfesselte den Zorn des Imperiums. Mehrere seiner großen Firmen waren Eigentümer übergroßer Flächen der besten Ländereien des Landes. Die Revolution wurde unerbittlich zum Tode verurteilt. Das schien eine leichte Aufgabe zu sein. Es begannen die Luftangriffe mit Piratenflugzeugen von US-amerikanischem Hoheitsgebiet aus auf Zuckerrohrplantagen, Zuckerfabriken und sogar auf Städte; terroristische Taten, bewaffnete Banden, schmutziger Krieg, Attentatspläne, Angriffe vom Meer aus auf Küsteneinrichtungen und Handels- und Fischereischiffe, die Söldnerinvasion in der Schweinebucht und die scheinbar absolute und unwiderstehliche Waffe gegen ein kleines und unterentwickeltes Land: die totale Blockade und der totale Wirtschaftskrieg.

Die korrupten, oligarchischen und bourgeoisen Regierungen unserer eigenen Sprache, Kultur und Kolonialgeschichte in dieser Hemisphäre schlossen sich auf brudermörderische Art eine nach der anderen, mit Ausnahme eines einzigen lateinamerikanischen Landes, den Vereinigten Staaten an. Unsere Zuckerquote von über 3 Millionen Tonnen Zucker, die während einem Jahrhundert erreicht wurde, wurde unter Komplizen und Verrätern aufgeteilt. Alles im Namen der "Freiheit" und der "Demokratie", die in vielen dieser Länder selten existierten, wenn es sie tatsächlich je einmal gegeben hat.

Nachdem die Söldnerinvasion niedergeschlagen war, wurden die Pläne für eine direkte Invasion Kubas unter Einsatz der Streitkräfte der Vereinigten Staaten ausgearbeitet, was heute durch die freigegebenen Unterlagen unanfechtbar belegt wird. Sogar ein Atomkrieg brach beinahe aus.

Anstrengungen zur totalen Isolierung Kubas, Sabotagen gegen unsere Handelsflotte und Fluggesellschaft; ein Flugzeug wurde während des Flugs mit 70 Passagieren, darunter unsere Jugendfechtmannschaft, die gerade alle Goldmedaillen bei den zentralamerikanischen Meisterschaften gewonnen hatte, zur Explosion gebracht; biologischer Krieg gegen Menschen, Tiere und Pflanzen, Bomben in Hotels und anderen Tourismuseinrichtungen und andere terroristische Taten, die direkt von Einrichtungen der Regierung der Vereinigten Staaten oder über Marionettenorganisationen verübt wurden - all dies mußte unser Volk im Laufe von vier Jahrzehnten ertragen.

Der Fall des sozialistischen Lagers und der Zerfall der UdSSR, was das Land um seine wichtigsten Märkte, Brennstoffe, Nahrungsmittel, Rohstoffe, Geräte und Ersatzteile brachte, brachte uns in eine außerordentlich schwierige Lage. Diesen Zeitpunkt nutzte die Regierung der Vereinigten Staaten mit abstoßendem Opportunismus, um zu versuchen, der Revolution mit dem Torricelli- und dem Helms-Burton-Gesetz und Dutzenden von Zusatzklauseln zu wichtigen Gesetzen des US-amerikanischen Kongresses den Gnadenstoß zu versetzen.

Viele warteten jahrelang vergeblich auf die Nachricht, die Revolution habe aufgehört zu existieren. Unser Volk leistete unerschütterlich Widerstand.

Die Beispiellose Heldentat, zu der es in der Lage war, erfüllt uns mit berechtigtem Stolz. Nichts verhinderte die außerordentlichen sozialen Errungenschaften, die heute von allen ehrlichen Menschen der Welt bewundert werden. Nichts löschte die Seiten aus, die mit goldenen Buchstaben in das Buch der Geschichte des Internationalismus und der Solidarität unter den Völkern geschrieben wurden. Nichts wird das Beispiel auslöschen können, das wir der Welt gegeben haben. Unsere patriotischen Gefühle haben sich verstärkt und unsere internationalistischen Gefühle haben sich vervielfacht, da in die Seele des kubanischen Volkes der schönste aller Gedanken Martís gesät wurde, als er sagte "Vaterland ist Menschheit".

Mit Stolz erfüllen uns ebenso die Gefühle, die Martí nach Dos Ríos geführt haben; Che Guevara und seine Genossen nach Ñacahuazú, zum Río Grande, zur Quebrada del Yuro und nach La Higuera; Hunderttausende kubanische internationalistische Kämpfer nach Angola, nach Kuito Cuanavale und an die Ufer des Flusses Cunene an der Grenze zu Namibia, um mit den Brudervölkern Afrikas entscheidend für den Sturz einer der widerwärtigsten und verhaßtesten Bastionen des Rassismus und des Faschismus zu kooperieren. Diese Gefühle führten Zehntausende Ärzte, Lehrer, Techniker und Konstrukteure in viele Winkel der Welt, um Leben zu retten, Schmerzen zu lindern, Gesundheit wieder zu erlangen und zu schützen, auszubilden und zum Wohlstand und zur Entwicklung von Millionen Menschen beizutragen; sie brachten uns dazu, unsere Bildungseinrichtungen und Universitäten Zehntausenden Jugendlichen der Dritten Welt anzubieten. Dies ist ein Vermächtnis, das Kuba - von der mächtigsten Nation der Erde bedroht, angefeindet und blockiert - der Welt der Zukunft vermachen konnte, die nur gestützt auf diese Säulen der Solidarität und des Internationalismus gerettet und gebaut werden kann.

Die Theoretiker und Auguren der imperialen Politik träumen davon, daß die Revolution, die mit solch niederträchtigen und kriminellen Verfahren nicht zerstört werden konnte, mittels verführerischen Methoden, wie jener, die sie "Politik des Kontaktes von Volk zu Volk" getauft haben, zerstört werden könnte. Also gut: Wir sind bereit, die Herausforderung anzunehmen, sie müssen aber sauber spielen, ihre Bedingungen aufheben, das mörderische Cuban Adjustment Act aufheben, das Torricelli-Gesetz, das Helms-Burton-Gesetz, die Dutzenden von Zusatzklauseln, die, obwohl sie unmoralisch sind, auf opportunistische Weise ihren Gesetzen hinzugefügt wurden; die völkermörderische Blockade und den Wirtschaftskrieg endgültig beenden; das verfassungsmäßige Recht ihrer Studenten, Arbeiter, Intellektuellen, Geschäftsmänner und generell ihrer Bürger respektieren, ohne Einschränkungen und lächerliche Ängste unser Land zu besuchen, Geschäfte zu machen, zu handeln und zu investieren, wenn sie dies wünschen, genauso wie wir es unseren Bürgern erlauben, frei in die Vereinigten Staaten zu reisen und dort sogar zu wohnen; und wir werden sehen, ob sie die kubanische Revolution auf diese Weise zerstören können, denn das ist letztendlich ihr Ziel.

Ohne daß ich die süßen Träume jener stören möchte, die letzteres denken, erfülle ich die höfliche Pflicht, sie darauf hinzuweisen, daß die kubanische Revolution weder mit Gewalt noch Verführung zerstört werden kann.

Martí hat gesagt, daß Schützengräben aus Ideen mehr wert sind als Schützengräben aus Stein, und wir teilen seine Meinung, er hat aber niemals gesagt, daß diese unnötig seien. Kuba wird heute von einem doppelten Schützengraben aus Stein und aus Ideen verteidigt: Einer gegen die grobe Gewalt, der aus der Bereitschaft eines Volkes besteht, bis zu den letzten Konsequenzen zu kämpfen, so daß die sogenannten intelligenten Waffen nichts nutzen würden, und auch die ausgeklügeltsten Mittel nicht, die aus den hochentwickelten Fabriken für Todeswerkzeuge kommen, die unsere potentiellen Aggressoren besitzen. Kuba wird aber auch von einem riesigem Schützengraben aus Gefühlen und Ideen verteidigt, an dem jedes Arsenal von Lügen, Demagogie und Heuchelei zerschellen wird, mit dem der Imperialismus beabsichtigt, die Welt zu täuschen. Mit wirklich gerechten Ideen und einer soliden Allgemein- und politischen Bildung kann unser Volk genauso seine Identität verteidigen und sich vor den Pseudokulturen schützen, die von den entmenschlichten, egoistischen und unverantwortlichen Konsumgesellschaften herrühren. Auch in diesem Kampf können wir siegen und werden wir siegen.

Die Geschichte ist ebenfalls auf unserer Seite, denn die der Welt auferlegte ungerechte und globalisierte wirtschaftliche und politische Ordnung ist nicht tragbar, und eher früher als später wird sie zusammenbrechen. Die Natur wird den Angriffen, denen die natürlichen Ressourcen und die Umwelt ausgesetzt sind, nicht widerstehen können. Die Milliarden Armen, die in wachsender Zahl diesen Planeten bevölkern, werden unregierbar werden. Weder Einwanderungsgesetze noch vermauerte Grenzstreifen werden sie zurückhalten können. Die Zivilisation selbst ist bedroht. Die Politiker, so hochmütig und unfähig sie sein mögen, werden verstehen müssen, daß in unserer Zeit und auf unserem Planeten die einzig mögliche Alternative der Frieden und die enge Kooperation zwischen den Völkern ist.

Die Bürger unseres Landes erlangen immer schneller grundlegendes Wissen und volles Bewußtsein dieser Tatsachen. Der riesige Aufmarsch in der Hauptstadt vor 72 Stunden zeigt dies. Diese massive, organisierte, begeisterte, ergreifende und schöne Offene Tribüne in Santa Clara bestätigt es.

Dieses Monument, das neben uns in die Höhe reicht, ist wie ein Leuchtturm, der uns die Zukunft weist. Die Reste, die nicht sterblich sondern unsterblich sind, die in ihren Gewölben ruhen, zeigen uns, was die Menschen für eine Welt der Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und des Friedens zu tun in der Lage sind.

Ewiger Ruhm den Gefallenen der Moncada-Kaserne, der Schweinebucht, im Escambray-Gebirge, in den Bergen, auf den Ebenen und in den Städten Kubas, um die Träume jenes 26. Juli möglich werden zu lassen!

Ewiger Ruhm dem Che und jenen, die ihr Leben gemeinsam mit ihm ließen!

Ewiger Ruhm denen, die in Guinea Bissau, im Osten des Kongo, in Äthiopien, in Angola, in Kuito Cuanavale, in der Nähe der Grenze von Namibia und an anderen Orten gefallen sind!

Ewiger Ruhm den Lehrern und zivilen Arbeitern, die starben, als sie internationalistische Missionen erfüllten!

Ehre, Dankbarkeit und Anerkennung den Tausenden Ärzten und Beschäftigten des Gesundheitswesen, die heute in entlegenen Winkeln der Welt Leben retten!

Ehre und Ruhm dem Volk, das zu diesen Heldentaten fähig war!

Bürger von Villa Clara, Sieger über Schwierigkeiten und Hindernisse, Gewinner der Ehre, Sitz der Feierlichkeiten zum 47. Jahrestag jenes Tages zu sein, an dem der Funke eines Beispiels und einer Idee gezündet wurde, die heute um die ganze Welt zieht, herzlichen Glückwunsch!

Vorwärts, Landsleute in ganz Kuba!

Hasta la victoria siempre!

Mittwoch, 5. Juli 2000

Fidel Castro anläßlich der Verleihung des Ordens "Carlos Manuel de Céspedes" an Juan Miguel González im Theater "Karl Marx" am 5. Juli 2000

Rede des Vorsitzenden des Staatsrates der Republik Kuba, Fidel Castro Ruz, anläßlich der Verleihung des Ordens "Carlos Manuel de Céspedes" an Juan Miguel González im Theater "Karl Marx" am 5. Juli 2000, "Jahr des 40. Jahrestages des Entschlusses Vaterland oder Tod"

Liebe Mitbürger!

Es war am 2. Dezember letzten Jahres um 17.00 Uhr, als ich Juan Miguel kennenlernte. Zufälligerweise war es der Tag, an dem sich ein weiteres Mal der Tag der vor 4Jahren erfolgten Landung der "Granma" jährte.

Fünf Tage vorher war sein Schreiben vom 27. November eingegangen, in dem er das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten Kubas ersucht, bei den Behörden der Vereinigten Staaten die Rückkehr seines Sohnes Elián in die Wege zu leiten, der den Schiffbruch eines kleinen illegal aus Kuba ausgereisten rustikalen Bootes überlebt hatte. Einen Tag darauf beantragte das gleiche die Großmutter mütterlicherseits des Jungen in einem separaten Schreiben. Weder sie verloren auch nur eine Minute für das Einreichen ihres Gesuches, noch unser Minister für dessen unmittelbare Weiterleitung.

Bis zum genannten Tag konnte ich mich nicht um das Problem kümmern. Ich hatte den Vater gebeten, nach Havanna zu kommen. Von vornherein wußte ich, daß die Regierung der Vereinigten Staaten in mehr als 41 Jahren niemals einer legalen Geltendmachung dieser Art stattgegeben hatte. Dieser Fall mußte, ebenso wie der der Fischer und andere Fälle durch eine moralische und Öffentlichkeitsschlacht unter Beteiligung des Volkes geklärt werden.

Doch worauf konnten wir uns stützen? Wer war der Vater und was für eine Art Vater war er? Wie hat er sich um sein Kind gekümmert? Welches Verhältnis hatte er zu den Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits des Kindes? Obwohl mir bereits bekannt war, daß es sich um einen einfachen jungen Arbeiter handelte, ernsthaft und pflichtbewußt, bereits in frühen Jahren aktiver Revolutionär, war es entscheidend, diesen und jenen Aspekt seines Verhaltens und die einzelnen Züge seines Charakters kennenzulernen.

Vorsichtig und respektvoll doch gleichzeitig offen und klar besprach ich mit ihm diese Themen. Dabei sprach ich mit einem Mitglied unserer Partei.

Ich stellte ihm zahlreiche Fragen, die er inmitten sichtbaren Schmerzes und Traurigkeit mit überzeugenden Argumenten und unfragwürdigen Beweisen seines herzlichen, musterhaften und konstanten Verhältnisses zu seinem Sohn beantwortete.

Keine Minute wichen aus seinem Gesicht die Züge eines edlen, ehrlichen und ernsten Menschen.

Ich brachte ihm meine Überzeugung zum Ausdruck, wonach der Junge niemals im Ergebnis von gerichtlichen Verhandlungen zurückgeführt würde. Es handelte sich um einen Fall, für den die Gerichte der Vereinigten Staaten absolut nicht zuständig waren, und einzig und allein die Immigrationsbehörde der Vereinigten Staaten war verpflichtet, die unmittelbare Rückführung seines Sohnes einzuleiten. Doch ich kannte zur Genüge, wie arrogant, willkürlich, parteiisch und komplizenhaft sich die US-Behörden verhielten, wenn es um Ruchlosigkeiten und Verbrechen ging, die gegen unser Volk begangen wurden. Die Rückführung dieses Jungen konnte nur durch eine intensive politische und Öffentlichkeitsschlacht unseres Landes und der Welt erreicht werden. Ich machte Juan darauf aufmerksam, daß dieses nicht eine Frage von Tagen oder Wochen, sondern von Monaten sei. Um ihn nicht zu stark zu entmutigen, sagte ich ihm, daß es auf keinen Fall weniger als drei Monate sein würden. Ich sagte ihm ebenfalls, daß sich das Land nur auf vollkommen soliden rechtlichen und ethischen Grundlagen in eine Schlacht dieser Art werfen konnte.

Nach dem dreistündigen Gespräch gab es für mich nicht den geringsten Zweifel mehr, daß Juan Miguel ein ernster und anständiger junger Mann war, der Opfer einer furchtbaren Ungerechtigkeit wurde. Meine Argumente verstand und akzeptierte er.

Fast eine Woche war seit der Übergabe der Note des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten Kubas vergangen, in der den US-Behörden das Gesuch des Vaters auf Rückführung des Kindes übermittelt wird, und es war nicht die geringste Antwort erfolgt, wie mit dem entführten Jungen weiter verfahren würde. Alles was wir wußten, stammte aus den Veröffentlichungen der US-Presse. Von nicht geringem Umfang waren die Propagandaorgie und die von der kubanisch-amerikanischen Mafia und den reaktionärsten Politikern der Vereinigten Staaten ausgelöste Euphorie anläßlich einer Tragödie, bei der elf kubanische Staatsbürger den Tod fanden und ein noch nicht einmal sechs Jahre alter Junge die Küste jenes Landes erreichte. Hier ein weiteres Resultat von 41 Jahren Anfeindung und Aggressionen der USA gegen Kuba!

Es war unnütz, weitere diplomatische Noten an die Behörden einer tauben Regierung zu senden, deren Beantwortung nicht einmal aus Höflichkeitsgründen erfolgte.

Am folgenden Tag tauschte ich mich mit den Genossen unserer Führung aus und ohne eine Minute zu verlieren, setzte ich mich mit der Leitung des Kommunistischen Jugendverbandes und des Studentenbundes in Verbindung. Die Jugend und Studenten sollten zur Avantgarde dieses Kampfes bei voller Unterstützung durch alle revolutionären Kräfte werden.

Zur ersten Protestkundgebung kam es 48 Stunden später kam es an einem Sonntagabend vor der Interessenvertretung der Vereinigten Staaten, an der 1 000 Jugendliche der Technischen Jugendbrigaden teilnahmen. Diese hatten eben eine Landeskonferenz beendet und nun eigentlich das Einsetzen der öffentlichen Aktionen um 24 Stunden vorverlegt.

Heute, am 5. Juli, sind es also genau sieben Monate, da der epische Kampf um die Befreiung Eliáns begann.

Am Samstag, den 4. Dezember hatten wir öffentlich erklärt, daß, wird der Junge nicht binnen 72 Stunden zurückgeführt, es zu einer breiten Landes- und weltweiten Schlacht der Öffentlichkeit kommen werde. Einige Medien legten jene Worte als ein Ultimatum an die Vereinigten Staaten aus. Doch es war nichts weiter als eine einfache Warnung vor dem, was unvermeidbar geschehen würde.

Erst nach dem dritten Tag des Volksprotestes, der exponentiell anwuchs, kam die erste Antwort. Am Tag zuvor hatte der Sprecher des Weißen Hauses erklärt, die Angelegenheit befände sich in Händen der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde, es gäbe keine offizielle Haltung diesbezüglich und der Fall könne schließlich vor die Gerichte gebracht werden.

In den folgenden Wochen wurden viele Noten ausgetauscht. Die Dokumente beweisen, daß unsere Regierung ihre Standpunkte zu den Folgen der irrtümlichen und gesetzwidrigen Entscheidung der US-Regierung, den Fall der Rechtsprechung ihrer Gerichte auszusetzen, denen dieses Recht nicht zukam, wiederholt dargelegt hat.

Etwas, das in einer Frage von Tagen hätte gelöst werden müssen und können, fiel nun in ein unendliches Labyrinth von Verfahren, Prozessen und gedeichselten Einsprüchen, während der kubanische Junge monatelang psychischer Folter ausgesetzt und Gegenstand der brutalsten Ausbeutung zu Werbe- und politischen Zwecken war. Sein geistiger Gesundheitszustand, ja sogar sein Leben waren monatelang in ernster Gefahr. Erstaunlicherweise überlebte er die so großen Risiken wie das des ersten Schiffbruches, der sich diesmal in einem schmutzigen Morast von Unmoral, Hysterie, widerlicher politischer Ränke und schäbiger Interessen der kubanisch-amerikanischen Mafia und ihrer Verbündeten der Ultrarechten ereignete.

Nicht ein blinder Zufall, sondern der bewundernswerte Kampf unseres Volkes war es, der ihn vor dem Tod oder einem schrecklichen Schicksal bewahrte.

Heute lassen wir jenem Menschen Gerechtigkeit widerfahren, der so beispielhaft seine Pflichten als Vater und als Patriot erfüllt hat. Ein ganzes Volk hat alles auf Spiel gesetzt und war bereit, alles Notwendiges für seinen Sohn zu tun; aber in der Endphase war der Erfolg oder das Scheitern unserer großen Bemühungen von ihm abhängig. Die vernünftigste Entscheidung der Revolution war, volles Vertrauen zu Juan Miguel zu haben. Der größte Fehler der Mafia und des Imperiums war, daß sie meinten, Juan Miguel könne erkauft und zum Verrat bewegt werden.

Auch wenn es Diskrepanzen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und der durch die Ultrarechte unterstützten Mafia hinsichtlich der beiderseitigen Haltung vor den Gerichten gegeben hat, die in einen Rechtsstreit mündeten, so wurde doch eine Todsünde begangen, von der keine dieser beiden Seiten unbefleckt ist, nämlich man war der Meinung, Juan Miguel sei käuflich, und er wurde sogar offen angesprochen, fahnenflüchtig zu werden und in den Vereinigten Staaten zu bleiben. Zu diesem Aspekt hat keine der Seiten im Herzen des Imperiums die Hoffnung aufgegeben, daß Elián mit seinem Vater in den Vereinigten Staaten bleibt. Daher die von den Anwälten der Mafia systematisch angewandte Taktik des Hinauszögerns des Prozesses, während die Präsidentschaftsanwärter beider Parteien und selbst die Ehefrau des Präsidenten Juan Miguel öffentlich zur Fahnenflucht aufriefen.

Hohe Regierungsbeamte und sogar die Generalstaatsanwaltin bekräftigten, nicht für die Rückkehr Eliáns nach Kuba, sondern für die Vereinigung von Vater und Sohn einzutreten. Sie träumten davon, daß die für sie bereits verlorene Schlacht mit einem Treffer dieser Art positiv ausgehen würde. Erst als sich alle überzeugt hatten, daß Juan Miguel Ehrgefühl und Standhaftigkeit nicht zu erschüttern waren und daß alles Gold der Welt nicht ausgereicht hätte, um ihn auch nur eine Sekunde in seiner Treue zur Heimat schwankend zu machen, gaben sie auf und beugten sich seiner Rückkehr mit dem Jungen.

Als Juan Miguel, den sie so oft der Feigheit bezichtigt und ihm zynisch vorgeworfen hatten, sein Kind interessiere ihn nicht - denn er war nicht in die Vereinigten Staaten gereist, wo sie ihm so viele Fallen ausgelegt hatten - auf die Minute genau, in der er sich in jenem feindlichen und risikogeladenen Feld einzufinden hatte, mit der ihn kennzeichnenden Entschlossenheit und Mut in das Herz des Imperiums aufbrach und seine Ehefrau und seinen sechs Monate alten Sohn mitnahm, trat die Schlacht in ihre entscheidende Phase ein. Mit seinem großmütigen Gesichtsausdruck, seiner Bestimmtheit, seiner geradlinigen, einfachen und ehrlichen Sprache und der Bestätigung seiner unwiderlegbaren Willensfreiheit, indem er sich von seiner Frau und dem jüngeren Sohn begleiten ließ, fand das Monate zuvor von den Großmüttern Eliáns, Mariela und Raquel, begonnene Werk seine Vervollständigung. Er gewann die mehrheitliche Unterstützung des US-amerikanischen Volkes, das sich, jetzt nach fünf Monaten intensiven Kampfes von Millionen kubanischer Männer, Frauen, Jugendlicher und Kinder viel ausführlicher über die Wahrheit informiert, auf seine Seite stellte.

Dazu trugen - es muß gerechterweise anerkannt werden - das US-Fernsehen und die wesentlichen Presseorgane bei, die die Bilder und Meldungen der Ereignisse in Kuba in den Vereinigten Staaten übertrugen.

Während Juan Miguels Aufenthalt in den Vereinigten Staaten war sein Entschluß, allein, nur von seiner Frau Nersy und dem kleinen Hianny begleitet, die Höhle der Mafia in Miami zu betreten, ausschlaggebend dafür, daß die Einbürgerungs- und Einwanderungsbehörde seine Leute schickte, die mit Kühnheit und Geschicklichkeit das Kind den kriminellen Händen entrissen, die es eingesperrt hielten, es nach Washington brachten und fast unmittelbar nach Ankunft mit seiner Familie in die Verbannung von Wye Plantation schickten. Dort setzte nun die von dem langen Warten gekennzeichnete Endphase ein.

Sofort knüpfte Agueda, seine selbstlose Lehrerin der Vorschulklasse, mit Unterstützung von vier Schülern der ersten Klasse und in Begleitung seines zehnjährigen Cousins am Lehrstoff des fünf Monate zuvor abgebrochenen Unterrichts an. Der Abschluß dieses Schuljahres in anderthalber Woche wird ein Tag der Ehre und des Ruhmes für das kubanische Bildungswesen sein, und die Heldentat unseres Volkes wird für immer verewigt bleiben.

Für die Rettung des Lebens Eliáns war Juan Miguel bereit, sein eigenes zu geben und das seiner Ehefrau und seines anderen Sohnes aufs Spiel zu setzen. Aber er war nie bereit, die Übergabe seines so geliebten Kindes um den Preis des Verrates an der Heimat zu erkaufen. Sein Verhalten bedeckte ihn mit Ruhm und erwarb ihm auf ewig die Bewunderung seines Volkes.

Deshalb verleihen wir ihm den Orden, der den Namen von Carlos Manuel de Céspedes trägt, der in heldenhaftem Verhalten vor der Alternative der Rettung seines Sohnes oder des Verrats an seinem Volk sich ohne zu zögern für den Tod seines Sohnes entschied und den ehrenhaften Beinamen Vater des Vaterlandes gewann. (Beifall)

In meinem revolutionären Leben hat es Augenblicke der Emotionen gegeben. Ich erinnere mich an den unvergeßlichen Tag, den 18. Dezember 1956, als ich Raúl in Cinco Palmas traf und wir sieben Waffen zusammenbrachten, um den Kampf wieder aufzunehmen; als ich am 5. Januar 1957 bereits wieder mit einem kleinen Trupp und 17 Waffen von einer Anhöhe aus zum ersten Mal in wenigen Kilometern Entfernung einen hohen und uneinnehmbaren bewaldeten Berg betrachten konnte, an dem das Herz der Sierra Maestra begann, das das Szenarium unserer Operationen werden sollte, und ich die absolute Sicherheit hatte, daß der Sieg unser sein würde; als wir im Morgengrauen des 17. Januar das erste siegreiche Gefecht hinter uns hatten; als wir mit einem zwar kleinen, doch kämpferischen Trupp die Offensive von 10 000 Soldaten der Tyrannei niederschlugen, die nach 70 ununterbrochenen Gefechtstagen am 5. August 1958 ihr Ende fand; als ich Ende September erfuhr, daß Che und Camilo nach Las Villas gelangt waren, nachdem sie 350 Kilometer in feindlichem und ungastlichem Flachland zurückgelegt hatten; als wir am 1. Januar 1959 in Santiago de Cuba einzogen, wo in der Moncada-Kaserne unsere erste bewaffnete revolutionäre Aktion gelaufen war oder als wir in der Dämmerung des 19. April 1961 in Girón anlangten. Viele andere unvergeßliche Ereignisse habe ich hier ausgelassen und habe doch bei keinem der hier erwähnten Geschehnisse eine so starke Emotion verspürt wie in dem Moment, als sich die Tür des kleinen Flugzeugs öffnete, das sie nach so vielen Monaten pausenlosen Kampfes aus den Vereinigten Staaten brachte und ich um 19.53 Uhr des 28. Juni Juan Miguel und Elián aussteigen sah. Ein kleiner Junge und ein bescheidener kubanischer Vater, die bis noch vor einigen Monaten sehr wenigen Personen bekannt waren, kamen als gigantische moralische Symbole unseres Vaterlandes zurück.

In jener Minute dachte ich: Wie groß ist doch unser Volk! Wie unbesiegbar ist eine gerechte Idee! Wie wichtig ist es, an den Menschen zu glauben! Wie schön ist es, für große Ideale zu kämpfen! Wieviel Licht und Glück kann ein kleines unschuldiges Kind ausstrahlen, um es dem Volk zu schenken, das bereit war, für einen seiner zartesten Söhne zu sterben!

Juan Miguel, das Vaterland dankt dir für die Standhaftigkeit und den Mut, mit denen du seine Ehre und seinen gerechten Sieg verteidigt hast! Du hast bewiesen, daß in entscheidenden Momenten der Geschichte eines Volkes das Verhalten eines Mannes die Schmach entschädigen kann, die ihm vor allen Verrätern zusammen zugefügt wurde, wie jenen die uns deinen Sohn entreißen wollten.

Unsere heiligste revolutionäre Pflicht ist es zu kämpfen, damit nicht dergleichen in der Zukunft passiert und für andere Rechte, die wir geschworen haben, zu verteidigen.



Wir werden weiter kämpfen! Wir werden siegen!

(Ovation)

Samstag, 1. Juli 2000

Grußbotschaft des Genossen Fidel an der offenen Tribüne in Manzanillo woran über 300.000 Orientalen Teilnahmen

Manzanillaner!

Bayamesen!

Orientalen!

Unsere geliebte Provinz Oriente bestand noch nicht aus fünf Teilprovinzen, damals, als es das Schicksal wollte, daß uns unsere winzige Granma - es tagte bereits - mit nur zwei Zoll Treibstoff in ihren Behältern an das sumpfige Ufer von Las Coloradas in der Stadtgemeinde von Niquero brachte, von dort aus haben wir uns, vom Feind entdeckt, hungrig und erschöpft von der langen Überfahrt, sofort in unserem gewagten Unternehmen in Richtung Sierra Maestra in Marsch gesetzt, deren erste Erhebungen sich aus der Ferne nicht einmal abzeichneten.

Damals konnten wir uns nicht vorstellen, daß jene Region, in der wir nach dem härtesten aller Rückschläge unsere kleine Truppe mit den wenigen verbliebenen und verstreuten Kämpfern wieder zusammenstellten, eines Tages zur Provinz werden und den Namen der kleinen Yacht tragen sollte, die uns von Mexiko an diesen Ort Kubas gebracht hatte.

Dort lieferten wir die ersten siegreichen Gefechte und entscheidenden Schlachten. Dort lernten wir zu siegen und uns niemals geschlagen zu geben. Von dort aus zogen sämtliche Kolonnen in das ganze Land. Von dort ausgehend zwangen wir in weniger als zwei Jahren am 1. Januar 1959 die feindliche Armee zur vernichtenden Niederlage, wobei in allen Gefechten stets mindestens zwanzig Gegnersoldaten auf jeden unserer Kämpfer kamen.

Genau an jenem Tag hat der glorreiche Kampf, dessen Anfang 130 Jahre zuvor auf der nur wenige Kilometer von Manzanillo entfernten Zuckerrohrplantage „La Demajagua" lag, nun in dem vollen Sieg seinen Höhepunkt gefunden und wir waren zum ersten Mal vollkommen frei. Seitdem gibt es nichts und niemanden, was ein Volk wie das unsere bezwingen könnte.

Ohne die Unterstützung von Manzanillo, von Bayamo, von all die Landsleute der heutigen Provinz Granma wäre nichts dergleichen möglich gewesen.

Kein anderer Ort auf der Insel könnte ein besseres Sinnbild und Vorzeichen für die Fortsetzung der Schlacht der Ideen und der breiten Massen sein, die wir seit sieben Monaten gegen das mächtigste Imperium schlagen, das die Menschheit je gekannt hat.

Kaum ein paar Stunden sind vergangen seit der ergreifenden Rückkehr Juan Miguels und Eliáns in unsere Heimat, zu moralischen Riesen geworden, und unser Kampf wird ohne Waffenruhe oder Rast energisch wieder aufgenommen, um in eine neue und ausgedehnte Phase einzutreten. Wir sind kein Volk, das in Ruhe den Genuß des Sieges auskostet oder mit seinen Erfolgen prahlt. Mit den gesammelten Erfahrungen und der aufgespeicherten ungeheuren Kraft werden wir den Kampf nicht einstellen, bis alle und jedes der gerechten Ziele, auf die wir in Baraguá geschworen haben, erreicht sind.

Keinem Land haben wir irgendein Recht mit Gewalt entrissen, keines beabsichtigen wir der Früchte seiner friedlichen Arbeit noch seiner Unabhängigkeit zu berauben. Keine Nation wird von uns bedroht. Keinem Volk haben wir Kriegshandlungen, Blockade und Wirtschaftskrieg proklamiert. Keines haben wir zu unserem Feind erklärt, erst recht nicht das US-amerikanische Volk, das trotz massenhafter Vorurteile und Lügen, mit denen man es stets zu betrügen versucht, wenn ein Vorwand für große Verbrechen gebraucht wird, die gerechte Sache des entführten Kindes und seines Vaters unterstützt hat, so wie es auch fähig war, mit dem grausamen und ungerechten Krieg Schluß zu machen, der vier Millionen Vietnamesen das Leben kostete und ein kleines und armes Land der Dritten Welt völlig zerstörte.

Für uns spielt es keine Rolle, wer der nächste Regierungschef der Supermacht sein wird, die der Welt ihr System der Vormachtstellung und Oberherrschaft aufgezwungen hat. Keiner von jenen, die sich darum bemühen, erweckt unser Vertrauen. Es ist unnütz, daß sie unnötig Zeit verschwenden auf Erklärungen und gegen Kuba gerichtete Versprechen, um die Stimme einiger Heimatloser zu erhalten, die sich sogar wagten, das US-amerikanische Banner in den Schmutz zu ziehen und anzuzünden. Wer auch immer der Präsident der Vereinigten Staaten sein wird, soll wissen, daß Kuba hier ist und bleiben wird mit seinen Ideen, seinem Beispiel und der unbeugsamen Aufsässigkeit seines Volkes, daß jegliche Aggression und jegliche Versuche, uns abzuwürgen und in die Knie zu zwingen, niedergeschlagen werden. Vier Jahrzehnte von Präpotenz, einfältiger Unterschätzung und beschämenden Schlappen müßten genügen.

Seit dem 1. Januar 1959 ist und bleibt Kuba für immer ein freies Land. Seine Kampffähigkeit und sein Durchhaltevermögen, seine ausgeprägte politische Kultur, das Bewußtsein und der Mut seines Volkes beweisen, daß die kubanische Revolution mit ihrem Werk der Gerechtigkeit und ihren edlen Zielen, einen derartigen Geist der Solidarität und des Heldenmutes begründet und sich so tief im Herzen des Vaterlandes verwurzelt hat, daß sie unbesiegbar geworden ist.

Es ist dieses Gefühl des Vertrauens, der Sicherheit und des gesundes patriotischen und revolutionären Stolzes, das ich euch heute vermitteln möchte, am 1. Juli 2000, einem weiteren unvergeßlichen Tag in der Geschichte der Provinz Granma und Kubas.


Fidel Castro Ruz