Ansprache von Fidel Castro Ruz, Präsident des Staatsrates und des Ministerrates der Republik Kuba, bei der Eröffnung der 105. Konferenz der Interparlamentarischen Union im Kongreßzentrum Palacio de las Convenciones, am 1. April 2001, „Jahr der Siegreichen Revolution im neuen Jahrtausend".
Sehr geehrte Frau Präsidentin des Rates der Interparlamentarischen Union;
Herr Generalsekretär der Interparlamentarischen Union;
Herr Vertreter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen;
Hochverehrte Parlamentsabgeordnete und Gäste:
Vor fast 20 Jahren, am 15. September 1981, fand in diesem selben Saal die 68. Konferenz der Interparlamentarischen Union statt. Seit damals sind viele Dinge geschehen, obgleich sich nichts verändert hat und die Situation hinsichtlich lebenswichtiger Fragen für die Menschheit eher noch schlimmer geworden ist.
Möglicherweise hatte damals niemand von Ihnen ein Handy dabei. Es gab zu jener Zeit kaum Handys, und in unserem Land existierten keine Vorrichtungen für deren Verwendung. Ebenso wenig konnten Sie über das Internet kommunizieren. Diese Großtat der Wissenschaft stand den Parlamentariern damals noch nicht zur Verfügung. Das Erdöl war teuer, aber das ist nichts Neues. Es hatten sich eine Reihe von Konflikten angehäuft. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es schlicht und einfach noch mehr Konflikte. Es existierten zwei Supermächte; heute gibt eine einzige, die mächtiger ist als die beiden zur damaligen Zeit zusammengenommen. Ich sehe viele junge Gesichter, und das ist wichtig. Ich hingegen spreche zu ihnen von diesem Platz aus mit 20 Jahren mehr auf dem Rücken. Ich bin möglicherweise gelassener, doch gleichzeitig radikaler, da ich die Welt, in der wir leben, und die Welt, die uns alle erwarten kann, besser kenne.
Bei dieser Eröffnungsveranstaltung wurde mir die Ehre zugewiesen, 20 Minuten zu sprechen, vielleicht wegen meinem – nicht immer gerechtfertigten – Ruf, lange Reden zu halten, aber das sollte kein Grund zur Furcht sein. Ich habe nicht vor, Sie zu Opfern einer solchen Folter zu machen. Mindestens die Hälfte der Redezeit werde ich nicht in Anspruch nehmen.
Vielleicht erlaubt man mir, mich in den kommenden Tagen zu Wort zu melden, dann nicht mehr als Präsident des Staatsrates – der gemäß den Normen dieser Institution mit freundlicher Höflichkeit behandelt wird -, sondern in meiner Eigenschaft als Regierungschef, der, wie man mir sagte, unterbrochen und Interpellationen und Anfragen unterworfen werden kann. Ich Armer! Aber dieses Abenteuer gefällt mir mehr. Auf diese Weise kann ich zu Ihnen mit völliger Freiheit und Offenheit über diejenigen Themen sprechen, die jeder von Ihnen bevorzugt.
An der vorhergehenden Konferenz nahmen US-amerikanische Parlamentarier teil, an dieser nicht, und sie bezahlen nicht (Beifall). Es sind zwei Jahrzehnte vergangen, wie ich bereits sagte, aber genauso wie diese angesehene Institution haben wir den schrecklichen Schlag der Sehnsucht angesichts der Abwesenheit unserer geliebten und benachbarten Kollegen aus dem Norden überlebt. Im Kongreß jenes mächtigen Landes gibt es ehrliche, intelligente und realistische Abgeordnete, doch unglücklicherweise stellen sie heutzutage eine offenkundige Minderheit dar. Unter Parodierung des historischen Satzes von Lincoln könnte man sagen, daß einige von ihnen für alle Zeiten dumm und alle für einige Zeit dumm sein können, doch alle können nicht für alle Zeiten dumm sein. Meiner Ansicht nach hätte das US-amerikanische Parlament wenigstens die Gelegenheit gehabt, sich über das zu informieren, was andere denken, indem es den Parlamentariern aus mehr als 120 Ländern zuhört, von denen ein Großteil aus unserer leidenden, armen und ausgeplünderten Dritten Welt stammt.
Wir alle tragen eine enorme Verantwortung und haben gewaltige Pflichten, wenn wir die Schlacht für das Überleben unserer Spezies gewinnen wollen, die heutzutage durch unvorstellbare globale Risiken bedroht ist. Erneut lauert am Horizont die Möglichkeit eines kalten Krieges und des Beginns eines verzweifelten Rüstungswettlaufs, da sich keine große Nation oder Nationengruppe, die über die erforderlichen wissenschaftlichen und technischen Mittel verfügt, damit abfindet, gegenüber einem furchterregenden, aggressiven und unersättlichen Feind unbewaffnet zu bleiben. Wir sind zu Zeugen der Geringschätzung und Arroganz geworden, mit denen die herrschende Supermacht Vereinbarungen und Verträge bricht, die nicht nur für den Frieden und die Sicherheit aller Völker der Welt lebenswichtig sind, sondern auch für die Hoffnung auf eine nachhaltige Entwicklung und die Bewahrung des ökologischen Gleichgewichts, für die Ressourcen und natürlichen Bedingungen, ohne die – wie wir alle wissen – das Leben auf unserem Planeten unmöglich wäre.
Ich drücke Ihnen im Namen unseres Volkes die aufrichtigste und tiefste Dankbarkeit für die Ehre aus, die die Wahl zum Veranstaltungsort der 105. Konferenz der Interparlamentarischen Union für unser Land bedeutet. Diese Konferenz fällt auf solch glückliche Weise als Symbol der Hoffnung mit dem Beginn eines neuen Jahrhunderts und eines neuen Jahrtausends zusammen.
Mit unserer Gastfreundschaft und uneingeschränkten Zusammenarbeit werden wir das Mögliche und Unmögliche tun, um diesem Vertrauen gerecht zu werden.
Vielen Dank.
(Ovation)
Hier finden Sie chronologisch sortiert Reden und Schriften des kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro Ruz
Sonntag, 1. April 2001
Samstag, 31. März 2001
Fidel Castro anläßlich der Offenen Tribüne der Revolution in der Sportanlage "Eduardo Saborit" des Stadtbezirks Playa am 31. März 2001
Rede des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Vorsitzender des Staats- und Ministerrates anläßlich der Offenen Tribüne der Revolution in der Sportanlage "Eduardo Saborit" des Stadtbezirks Playa am 31. März 2001, "Jahr der siegreichen Revolution im neuen Jahrtausend"
Vaterlandsgenossen!
Vor genau 15 Monaten und 26 Tagen setzte in unserer Hauptstadt die größte Mobilmachung der Volksmassen ein, die es je in der Geschichte unseres Landes gegeben hat. Die brutale Entführung eines noch keine sechs Jahre alten kubanischen Kindes war der zündende Funke, der diesen Kampf entfachte in Anlehnung an den Schwur von Baraguá, mit dem wir die Verpflichtung eingingen, nicht nachzulassen im Gefecht, solange die verbrecherische Blockade und der Wirtschaftskrieg gegen unser Volk anhalten, solange es die widerliche Torricelli- und Helms-Burton-Gesetze geben, jene zynischen Amendments und Stützen bedeutender Gesetze, die keinen Verzug dulden; solange es Politiken unaufhörlicher Anfeindung und Aggression, das mörderische Cuban Adjustment Act - durch das seit 35 Jahren junge und alte Menschen, Mütter und Kinder, Frauen und Männer aller Altersstufen in den Tod getrieben werden - und die seit hundert Jahren anzutreffende gesetzwidrige Besetzung eines Teiles unseres Territoriums gibt. Der an jenem 5. Dezember 1999 ausgelöste Kampf ist nun zu einer kolossalen Schlacht der Ideen geworden, die nicht abgebrochen werden wird, solange es das imperialistische System gibt.
In unserer Stadt ist schon kein anderer Platz mehr zu finden, um die Hauptstadtbevölkerung zusammenzurufen. Dieses Volksmeer auf dem größten Gelände, das für eine Offene Tribüne im Stadtbezirk Playa, der nur einer der fünfzehn unserer Hauptstadt ist, gefunden werden konnte, zeugt von dem erreichten Grad an Einheit und Stärke.
Das ist also das "versklavte" Volk, für dessen Menschenrechte das "demokratische" Imperium der Vereinigten Staaten in Genf eintritt; und sie tun es wütender denn je, wobei kaum drei Monate seit dem Wahlbetrug und dem skandalösesten Raub des begehrenswerten Präsidentensessels, den es je in diesem Land gegeben hat, vergangen sind.
In keiner anderen Etappe des politischen Lebens unseres Landes war die Ideologie des Imperialismus einer derartig vernichtenden und tiefgründigen Kritik seitens unseres Volkes ausgesetzt gewesen.
Der Untergang des sozialistischen Lagers in Europa und die Auflösung der Sowjetunion bedeuteten für die fortschrittlichen Ideen und die gerechten Bestrebungen in Richtung sozialer Veränderungen auf der Welt einen schweren Schlag; bewirkten Entmutigung, Verwirrung, ja sogar Demoralisierung und gewichtige Fälle von Abtrünnigwerden in den Reihen vieler linker Kräfte. Nachdem der kalte Krieg zu Ende war und die einzige noch existierende Supermacht ihre Vorherrschaft auf unserem Planeten auszuüben begann und man der Meinung war, das Bestehen unserer Revolution sei lediglich eine Frage von Tagen, Wochen oder im Höchstfalle von einigen Monaten, bewies das heldenhafte Durchhaltevermögen Kubas allen Völkern der Welt, daß die gerechten Ideen, die eine kleine Insel in nur wenigen Meilen Entfernung von jener gigantischen Macht ehrenhaft und standhaftig verteidigt, nicht vom Tisch gefegt werden können.
Unser Volk hat mehr als 40 Jahre Blockade, Söldnerinvasion, Androhung und reale Gefahr eines Kernwaffenangriffs, schmutzigen Krieg, Wirtschaftskrieg, biologischen Krieg, politischen Krieg, sämtliche vorstellbaren Methoden der Subversion und Destabilisierung ertragen, ohne hierbei die Hunderte gescheiterter Versuche auszuschließen, unserem politischen Prozeß durch die Ermordung seiner Führungskräfte die Spitze abzubrechen.
Überall erwacht heute die Rebellion der Völker zu neuem Leben; der Millionen Menschen, die immer stärker ausgebeutet und ausgeplündert werden, die immer stärkeren Schmähungen ausgesetzt sind durch die wachsende Anzahl von Armen und Hungernden, Analphabeten, Menschen ohne ärztliche Betreuung, Beschäftigungslose, Straßen- und Bettelkinder, durch immer mehr in der Prostitution lebende Mädchen, mehr Sexhandel, mehr Drogen, mehr Delikte, mehr antibiotikaresistente Krankheiten, mehr AIDS, mehr teure Medikamente, mehr Mißbrauch, mehr politische Korruption, mehr Betrug, mehr entfremdende Werbung, mehr Lügen, mehr Umweltverschmutzung, mehr Schrumpfung der natürlichen Ressourcen, mehr Vergiftung der Flüsse, der Meere, der Atmosphäre, mehr Wüstenbildung, mehr salzhaltige Böden; weniger Wald, weniger Anbaufläche, weniger Trinkwasser, weniger Rationalität bei der Distribution der Ressourcen für eine nachhaltige Entwicklung, weniger Fähigkeit bei den internationalen Finanzorganen und selbst bei den Regierungen der reichen Länder, Schöpfer der Konsumgesellschaften, die die Technologien und das Geld der Welt fast monopolisieren, ohne auch nur den geringsten Willen zu zeigen, die wachsenden und komplexen Probleme der menschlichen Gesellschaft anzugehen.
Die gefräßigste und unverantwortlichste aller, die jenes Land regiert, das 25 % der Weltenergie verbraucht, hat gerade unilateral erklärt, sie werde die in Kyoto eingegangene Verpflichtung zur Verminderung der Schadstoffemission nicht einhalten. Damit bekräftigt sie ihre völlige Mißachtung der Weltöffentlichkeit und der Interessen der Welt, ja sogar des US-amerikanischen Volkes selbst. Diese Aktion, der bereits andere mit verheerenden Folgen vorausgingen wie die gleichsam unilaterale Entscheidung des Rücktritts von Vereinbarungen, die für den Weltfrieden von lebenswichtiger Bedeutung waren, und Bekanntgabe des Beschlusses der Konstruktion eines vermeintlichen Raketenabwehrschildes, was unvermeidbar zu einem neuen Wettrüsten führen wird, und das zu dem denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, da die Erde - auf der bereits 6,1 Milliarden Menschen leben, wovon drei Viertel zu den Armen gehören - tritt in ein Jahrhundert, das in der tausendjährigen Geschichte der Menschheit zweifelsohne das schwierigste und bedeutsamste sein wird.
Wir Kubaner können stolz darauf sein, Bewußtsein erlangt zu haben über die historische Verantwortung, die unser Volk in seinem langen Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit übernommen hat. Uns ist außerdem der internationalistische Geist eigen, gestählt in 42 Jahren steten Kampfes gegen das mächtigste Imperium aller Zeiten, was uns ein Recht gibt zu sagen, daß wir jene außerordentliche Auffassung Martís, "Vaterland ist Menschheit", in ihrem ganzen Umfang verstehen und uns zu eigen machen. (Beifall).
Niemals werden wir die Prinzipien aufgeben, die wir im Kampf für Gerechtigkeit für unsere Heimat und ein Ende der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen erworben haben, die angeregt sind durch die Geschichte der Menschheit und die vortrefflichsten Theoretiker und Befürworter eines sozialistischen Systems von Produktion und Verteilung der Güter als das einzig fähige System der Schaffung einer wahrhaft gerechten und menschlichen Gesellschaft, Marx und Engels und später dann Lenin. Nie haben wir, wie so manche Abtrünnige und Feiglinge, ihre Namen aus unserem Gedächtnis gestrichen.
Bereits an einem so frühen Zeitpunkt wie dem 16. April 1961, Vorabend des tückischen imperialistischen Angriffs bei der Schweinebucht, wodurch ein Stück unseres Territoriums besetzt und eine Regierung eingesetzt werden sollte, deren einzige Aufgabe darin bestand, einer blutigen Intervention in unserer Heimat durch ausländische Kräfte den Weg zu ebnen; damals bereits hatte ich das Privileg, unsere Revolution als eine sozialistische zu erklären. (Beifall und Ausrufe: Fidel! Fidel! Fidel!). Für diese heilige Sache vergoß unser Volk sein edles Blut so wie es auch in den Tagen der Oktoberkrise 1962 mit spartanischem Mut vor unwürdigen Konzessionen sein eigenes Überleben aufs Spiel setzte. Mit diesem gleichen Mut war es fähig, glorreiche internationalistische Missionen zu erfüllen im Kampf gegen Kolonialismus und das widerliche Apartheidregime, Erbe des Nazismus und enger Verbündeter des Westens bis zum Ende seiner düsteren Tage. Im Kampf gegen sie haben auch die Kubaner ihr Blut vergossen, ohne daß wir dort, weder in Angola noch anderswo in Afrika auch nur eine einzige Investition, einen Quadratmeter Boden oder eine Schraube in irgendeiner Fabrik besäßen. Das ist es, worin wir uns vom Imperium und seinen Verbündeten unterscheiden. Das ist es, was im Kampf der Ideen unsere Moral auf die Ebene der Sterne erhebt.
Das Volk, das heute die Schlacht der Ideen schlägt, hat keine 30 % Analphabeten mehr, wie sie die Revolution am 1. Januar vorfand. Für kein Kind fehlt es weder an Lehrern noch an Schulen noch an Möglichkeiten, in den unterschiedlichsten Disziplinen der Wissenschaft und Kultur ein Studium zu ergreifen. Eine Anzahl von 700 000 von ihnen sind Hochschulabsolventen. Dazu verfügen wir noch über Tausende hervorragender Intellektueller und Künstler. Heute kämpfen wir für eine umfassende Allgemeinbildung. In den kommnden zehn Jahren werden wir das in den vergangenen 42 Jahren erworbene Wissen vervierfacht haben.
Die Universität für Alle, die Podiumsgespräche, bedeutende erst kürzlich in allen Provinzen eingeweihte Lehrerbildungsinstitute für Kunstdisziplinen, dabei in jedem von ihnen Ausbildung in bildenden Künsten, Musik, Tanz, Theater und anderen künstlerischen Äußerungen; Tausende zu schaffende Bibliotheken zur Verfügung eines jeden Bürgers und der massive Einsatz audiovisueller Mittel werden Kuba das gebildetste Land der Welt werden lassen, dessen Söhne dann nicht nur - je nach Beruf - tiefgründige berufliche, wissenschaftliche, technische und künstlerische Kenntnisse haben und mehrere Sprachen beherrschen werden, sondern sie werden auch umfassende politische, historische, ökonomische und philosophische Kenntnisse besitzen, die ihnen ermöglichen werden, die großen Herausforderungen der Zukunft zu verstehen und in Angriff zu nehmen. Nur sehr wenige auf der Welt können immer noch bezweifeln, daß wir diese unsere Ziele erreichen werden.
Unser Schicksal kann durch nichts und niemanden aufgehalten werden; weder durch Waffen, noch durch Unkenntnis, Betrug und Demagogie. Ihre zynischen und heuchlerischen Lügen und ihre entmenschlichten und egoistischen Auffassungen werden wir zerschlagen. Wir werden - vielleicht mehrere - Jahre noch brauchen. Doch sie werden eine Niederlage nach der anderen hinnehmen müssen und nie einen Sieg - es sei denn einen Pyrrhussieg - davontragen. Nur 19 Tage vor dem 40. Jahrestag jener unvergeßlichen Schlacht, in der wir die Unabhängigkeit unseres Vaterlandes und das Recht auf eine echte Revolution zu verteidigen wußten, erdreisten wir uns, für die Schlacht der Ideen zu prophezeien, daß die Imperialisten ein einziges gigantischen Girón erwartet. (Beifall)
Ruhm dem heldenhaften Volk, das zur Vollbringung einer solchen Heldentat fähig ist und sein wird! (Ausrufe: Ruhm!)
Vaterland oder Tod!
Wir werden siegen!
(Beifall)
Vaterlandsgenossen!
Vor genau 15 Monaten und 26 Tagen setzte in unserer Hauptstadt die größte Mobilmachung der Volksmassen ein, die es je in der Geschichte unseres Landes gegeben hat. Die brutale Entführung eines noch keine sechs Jahre alten kubanischen Kindes war der zündende Funke, der diesen Kampf entfachte in Anlehnung an den Schwur von Baraguá, mit dem wir die Verpflichtung eingingen, nicht nachzulassen im Gefecht, solange die verbrecherische Blockade und der Wirtschaftskrieg gegen unser Volk anhalten, solange es die widerliche Torricelli- und Helms-Burton-Gesetze geben, jene zynischen Amendments und Stützen bedeutender Gesetze, die keinen Verzug dulden; solange es Politiken unaufhörlicher Anfeindung und Aggression, das mörderische Cuban Adjustment Act - durch das seit 35 Jahren junge und alte Menschen, Mütter und Kinder, Frauen und Männer aller Altersstufen in den Tod getrieben werden - und die seit hundert Jahren anzutreffende gesetzwidrige Besetzung eines Teiles unseres Territoriums gibt. Der an jenem 5. Dezember 1999 ausgelöste Kampf ist nun zu einer kolossalen Schlacht der Ideen geworden, die nicht abgebrochen werden wird, solange es das imperialistische System gibt.
In unserer Stadt ist schon kein anderer Platz mehr zu finden, um die Hauptstadtbevölkerung zusammenzurufen. Dieses Volksmeer auf dem größten Gelände, das für eine Offene Tribüne im Stadtbezirk Playa, der nur einer der fünfzehn unserer Hauptstadt ist, gefunden werden konnte, zeugt von dem erreichten Grad an Einheit und Stärke.
Das ist also das "versklavte" Volk, für dessen Menschenrechte das "demokratische" Imperium der Vereinigten Staaten in Genf eintritt; und sie tun es wütender denn je, wobei kaum drei Monate seit dem Wahlbetrug und dem skandalösesten Raub des begehrenswerten Präsidentensessels, den es je in diesem Land gegeben hat, vergangen sind.
In keiner anderen Etappe des politischen Lebens unseres Landes war die Ideologie des Imperialismus einer derartig vernichtenden und tiefgründigen Kritik seitens unseres Volkes ausgesetzt gewesen.
Der Untergang des sozialistischen Lagers in Europa und die Auflösung der Sowjetunion bedeuteten für die fortschrittlichen Ideen und die gerechten Bestrebungen in Richtung sozialer Veränderungen auf der Welt einen schweren Schlag; bewirkten Entmutigung, Verwirrung, ja sogar Demoralisierung und gewichtige Fälle von Abtrünnigwerden in den Reihen vieler linker Kräfte. Nachdem der kalte Krieg zu Ende war und die einzige noch existierende Supermacht ihre Vorherrschaft auf unserem Planeten auszuüben begann und man der Meinung war, das Bestehen unserer Revolution sei lediglich eine Frage von Tagen, Wochen oder im Höchstfalle von einigen Monaten, bewies das heldenhafte Durchhaltevermögen Kubas allen Völkern der Welt, daß die gerechten Ideen, die eine kleine Insel in nur wenigen Meilen Entfernung von jener gigantischen Macht ehrenhaft und standhaftig verteidigt, nicht vom Tisch gefegt werden können.
Unser Volk hat mehr als 40 Jahre Blockade, Söldnerinvasion, Androhung und reale Gefahr eines Kernwaffenangriffs, schmutzigen Krieg, Wirtschaftskrieg, biologischen Krieg, politischen Krieg, sämtliche vorstellbaren Methoden der Subversion und Destabilisierung ertragen, ohne hierbei die Hunderte gescheiterter Versuche auszuschließen, unserem politischen Prozeß durch die Ermordung seiner Führungskräfte die Spitze abzubrechen.
Überall erwacht heute die Rebellion der Völker zu neuem Leben; der Millionen Menschen, die immer stärker ausgebeutet und ausgeplündert werden, die immer stärkeren Schmähungen ausgesetzt sind durch die wachsende Anzahl von Armen und Hungernden, Analphabeten, Menschen ohne ärztliche Betreuung, Beschäftigungslose, Straßen- und Bettelkinder, durch immer mehr in der Prostitution lebende Mädchen, mehr Sexhandel, mehr Drogen, mehr Delikte, mehr antibiotikaresistente Krankheiten, mehr AIDS, mehr teure Medikamente, mehr Mißbrauch, mehr politische Korruption, mehr Betrug, mehr entfremdende Werbung, mehr Lügen, mehr Umweltverschmutzung, mehr Schrumpfung der natürlichen Ressourcen, mehr Vergiftung der Flüsse, der Meere, der Atmosphäre, mehr Wüstenbildung, mehr salzhaltige Böden; weniger Wald, weniger Anbaufläche, weniger Trinkwasser, weniger Rationalität bei der Distribution der Ressourcen für eine nachhaltige Entwicklung, weniger Fähigkeit bei den internationalen Finanzorganen und selbst bei den Regierungen der reichen Länder, Schöpfer der Konsumgesellschaften, die die Technologien und das Geld der Welt fast monopolisieren, ohne auch nur den geringsten Willen zu zeigen, die wachsenden und komplexen Probleme der menschlichen Gesellschaft anzugehen.
Die gefräßigste und unverantwortlichste aller, die jenes Land regiert, das 25 % der Weltenergie verbraucht, hat gerade unilateral erklärt, sie werde die in Kyoto eingegangene Verpflichtung zur Verminderung der Schadstoffemission nicht einhalten. Damit bekräftigt sie ihre völlige Mißachtung der Weltöffentlichkeit und der Interessen der Welt, ja sogar des US-amerikanischen Volkes selbst. Diese Aktion, der bereits andere mit verheerenden Folgen vorausgingen wie die gleichsam unilaterale Entscheidung des Rücktritts von Vereinbarungen, die für den Weltfrieden von lebenswichtiger Bedeutung waren, und Bekanntgabe des Beschlusses der Konstruktion eines vermeintlichen Raketenabwehrschildes, was unvermeidbar zu einem neuen Wettrüsten führen wird, und das zu dem denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, da die Erde - auf der bereits 6,1 Milliarden Menschen leben, wovon drei Viertel zu den Armen gehören - tritt in ein Jahrhundert, das in der tausendjährigen Geschichte der Menschheit zweifelsohne das schwierigste und bedeutsamste sein wird.
Wir Kubaner können stolz darauf sein, Bewußtsein erlangt zu haben über die historische Verantwortung, die unser Volk in seinem langen Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit übernommen hat. Uns ist außerdem der internationalistische Geist eigen, gestählt in 42 Jahren steten Kampfes gegen das mächtigste Imperium aller Zeiten, was uns ein Recht gibt zu sagen, daß wir jene außerordentliche Auffassung Martís, "Vaterland ist Menschheit", in ihrem ganzen Umfang verstehen und uns zu eigen machen. (Beifall).
Niemals werden wir die Prinzipien aufgeben, die wir im Kampf für Gerechtigkeit für unsere Heimat und ein Ende der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen erworben haben, die angeregt sind durch die Geschichte der Menschheit und die vortrefflichsten Theoretiker und Befürworter eines sozialistischen Systems von Produktion und Verteilung der Güter als das einzig fähige System der Schaffung einer wahrhaft gerechten und menschlichen Gesellschaft, Marx und Engels und später dann Lenin. Nie haben wir, wie so manche Abtrünnige und Feiglinge, ihre Namen aus unserem Gedächtnis gestrichen.
Bereits an einem so frühen Zeitpunkt wie dem 16. April 1961, Vorabend des tückischen imperialistischen Angriffs bei der Schweinebucht, wodurch ein Stück unseres Territoriums besetzt und eine Regierung eingesetzt werden sollte, deren einzige Aufgabe darin bestand, einer blutigen Intervention in unserer Heimat durch ausländische Kräfte den Weg zu ebnen; damals bereits hatte ich das Privileg, unsere Revolution als eine sozialistische zu erklären. (Beifall und Ausrufe: Fidel! Fidel! Fidel!). Für diese heilige Sache vergoß unser Volk sein edles Blut so wie es auch in den Tagen der Oktoberkrise 1962 mit spartanischem Mut vor unwürdigen Konzessionen sein eigenes Überleben aufs Spiel setzte. Mit diesem gleichen Mut war es fähig, glorreiche internationalistische Missionen zu erfüllen im Kampf gegen Kolonialismus und das widerliche Apartheidregime, Erbe des Nazismus und enger Verbündeter des Westens bis zum Ende seiner düsteren Tage. Im Kampf gegen sie haben auch die Kubaner ihr Blut vergossen, ohne daß wir dort, weder in Angola noch anderswo in Afrika auch nur eine einzige Investition, einen Quadratmeter Boden oder eine Schraube in irgendeiner Fabrik besäßen. Das ist es, worin wir uns vom Imperium und seinen Verbündeten unterscheiden. Das ist es, was im Kampf der Ideen unsere Moral auf die Ebene der Sterne erhebt.
Das Volk, das heute die Schlacht der Ideen schlägt, hat keine 30 % Analphabeten mehr, wie sie die Revolution am 1. Januar vorfand. Für kein Kind fehlt es weder an Lehrern noch an Schulen noch an Möglichkeiten, in den unterschiedlichsten Disziplinen der Wissenschaft und Kultur ein Studium zu ergreifen. Eine Anzahl von 700 000 von ihnen sind Hochschulabsolventen. Dazu verfügen wir noch über Tausende hervorragender Intellektueller und Künstler. Heute kämpfen wir für eine umfassende Allgemeinbildung. In den kommnden zehn Jahren werden wir das in den vergangenen 42 Jahren erworbene Wissen vervierfacht haben.
Die Universität für Alle, die Podiumsgespräche, bedeutende erst kürzlich in allen Provinzen eingeweihte Lehrerbildungsinstitute für Kunstdisziplinen, dabei in jedem von ihnen Ausbildung in bildenden Künsten, Musik, Tanz, Theater und anderen künstlerischen Äußerungen; Tausende zu schaffende Bibliotheken zur Verfügung eines jeden Bürgers und der massive Einsatz audiovisueller Mittel werden Kuba das gebildetste Land der Welt werden lassen, dessen Söhne dann nicht nur - je nach Beruf - tiefgründige berufliche, wissenschaftliche, technische und künstlerische Kenntnisse haben und mehrere Sprachen beherrschen werden, sondern sie werden auch umfassende politische, historische, ökonomische und philosophische Kenntnisse besitzen, die ihnen ermöglichen werden, die großen Herausforderungen der Zukunft zu verstehen und in Angriff zu nehmen. Nur sehr wenige auf der Welt können immer noch bezweifeln, daß wir diese unsere Ziele erreichen werden.
Unser Schicksal kann durch nichts und niemanden aufgehalten werden; weder durch Waffen, noch durch Unkenntnis, Betrug und Demagogie. Ihre zynischen und heuchlerischen Lügen und ihre entmenschlichten und egoistischen Auffassungen werden wir zerschlagen. Wir werden - vielleicht mehrere - Jahre noch brauchen. Doch sie werden eine Niederlage nach der anderen hinnehmen müssen und nie einen Sieg - es sei denn einen Pyrrhussieg - davontragen. Nur 19 Tage vor dem 40. Jahrestag jener unvergeßlichen Schlacht, in der wir die Unabhängigkeit unseres Vaterlandes und das Recht auf eine echte Revolution zu verteidigen wußten, erdreisten wir uns, für die Schlacht der Ideen zu prophezeien, daß die Imperialisten ein einziges gigantischen Girón erwartet. (Beifall)
Ruhm dem heldenhaften Volk, das zur Vollbringung einer solchen Heldentat fähig ist und sein wird! (Ausrufe: Ruhm!)
Vaterland oder Tod!
Wir werden siegen!
(Beifall)
Freitag, 23. Februar 2001
Fidel Castro bei der Gedenkveranstaltung zum 40. Jahrestag der Gründung des Nationalen Instituts für Sport, Körperkultur und Erholungsaktivitäten
Ansprache des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Präsident des Staatsrates und des Ministerrates, bei der Gedenkveranstaltung zum 40. Jahrestag der Gründung des Nationalen Instituts für Sport, Körperkultur und Erholungsaktivitäten (INDER) und der Einweihung der Internationalen Hochschule für Körperkultur und Sport am 23. Februar 2001, „Jahr der Siegreichen Revolution im neuen Jahrtausend"
Macht euch keine Illusionen, ich werde keine lange Rede halten (Lachen und Ausrufe).
Sehr verehrte Gäste;
Liebe Studenten:
Ich habe ein Problem, denn wir feiern heute zwei Dinge: den 40. Jahrestag der Gründung des INDER (Beifall) und die Einweihung der Internationalen Hochschule für Körperkultur und Sport (Ausrufe). Was mache ich? Worüber spreche ich? Und alles war das Ergebnis des Zufalls, denn diese Schule wurde deswegen nicht vor zwei oder drei Monaten eingeweiht, weil damals keine Zeit war. Jetzt bestand die Möglichkeit, die Einweihung zeitgleich mit diesem Jahrestag vorzunehmen, und die zwei Dinge sind meiner Ansicht nach sehr bedeutend.
Man kann sehr viel über den INDER und sein 40jähriges Bestehen sagen. Einige Genossen haben an einen Teil dieser Geschichte erinnert. Auch Humberto erwähnte einige Fragen, die mit dem INDER in Beziehung stehen, doch es wäre das Beste gewesen, diese beiden Ereignisse zu trennen: auf der einen Seite der INDER und sein Jahrestag und auf der anderen Seite die Einweihung der Hochschule.
Ich würde es vorziehen, nicht so viel über unsere Geschichte im Bereich des Sports zu sprechen. Als ich in den Ausstellungssaal trat, wo uns vier der besten Studenten erwarteten – eine Mosambikanerin, eine Haitianerin, ein Venezolaner und eine Bolivianerin, die mir erzählte, daß sie den Schwimmsport praktiziere -, und nach dem Betrachten von unzähligen Fotos unserer exzellenten Sportler und glorreicher Augenblicke des revolutionären Sports, dachte ich nach und fragte mich: Warum so viele Fotos? Beweihräuchern wir etwa den kubanischen Sport mit chauvinistischem Geist? Erniedrigen wir nicht auf gewisse Weise die Sportler, oder die jungen Menschen, oder die Studenten aus anderen Ländern, indem wir die kubanischen Siege hervorheben? Ich erinnerte mich in diesem Augenblick wirklich nicht daran, daß man auch des 40. Jahrestages der Gründung des INDER gedachte. Jetzt wird mir klar, warum so viele Fotos über unseren Sport angebracht wurden.
Wir sind vorangeschritten und es wurden viele Erfolge erzielt. Sind wir stolz darauf? Nein, noch nicht. Sind wir zufrieden? Nein, wir können niemals vollkommen zufrieden sein.
Trotzdem konnte ich mich nicht des Eindrucks erwehren, daß dies ein großer Tag war, denn wenn unser Sport von guter Qualität war und wenn unsere Geschichte im Bereich des Sports so verdienstvoll war, dann genau deshalb, weil wir genügend Erfahrung und Ansehen angehäuft haben, um diese Internationale Hochschule für Körperkultur und Sport zu schaffen.
Ja, man kann zufrieden sein, wenn man diese Hochschule sieht. Kann man stolz darauf sein? Nein. Nennen wir es Überzeugung und Vertrauen in die vielen Dinge, die man in der Zukunft machen kann.
Wenn es etwas gibt, daß wir bedauern könnten, dann ist es die Tatsache, daß uns die Schule hinsichtlich ihrer Kapazität an Studenten klein erscheint.
Ich habe stets darauf gedrängt, eine Kapazität von 2 000 zu erreichen, denn es sind fünf Jahre und dies könnte eine etwas größere Immatrikulierung gewährleisten, 450 oder 500; doch als ich das Modell sah, das dort am Eingang zu einem kleinen Raum aufgestellt wurde, wurde mir klar, daß wir die Anzahl der Immatrikulierungen nicht steigern dürfen.
Ich hatte eine Vorstellung von der Hochschule. Ich kannte diesen Ort, den ich oftmals besucht hatte, und ging über das gesamte Gelände bis dort drüben hinter den Hügeln, denn wir waren dabei, Zentren für Viehgenetik zu errichten, deshalb gibt es hier in der Nähe so viele Molkereien.
Hier in diesem Gebiet, wo es vor Jahren – vor vielen Jahren – eine kleine Zuckerfabrik gab – ich glaube, sie hieß Portugalete -, wurde kein Zuckerrohr mehr angebaut. Ich erinnere mich, über den Feldzug von Maximo Gómez in der Provinz Havanna – während Maceo in Richtung Pinar del Río vorrückte – gelesen zu haben, daß er sich auf diesem Gebiet bewegte; in den Chroniken jenes heldenhaften Krieges taucht der Name der Zuckerfabrik auf. Seht, wie relativ nahe der Hauptstadt sich die Unabhängigkeitskämpfer befanden.
Gómez vollbrachte große Heldentaten und führte kühne Militäroperationen durch. Als Maceo aus Pinar del Río zurückkehrte, führten sie in dieser Provinz – in der Nähe dieser Zone, bevor sie den Ort Madruga erreichten – eine sehr wichtige Schlacht, an dem beide teilnahmen. Alle diese Orte sind voll von Geschichte, doch im Rahmen der großen Anstrengung zur Stärkung der Verteidigung des Landes bestand eines Tages die Notwendigkeit, hier eine Militärschule und andere militärische Einrichtungen zu errichten, Werkstätten für optische Geräte im Bereich der Artillerie und schließlich sogar eine Schule für Kommunikation und chemische Verteidigung.
Es vergingen die Jahre, es kamen schwere Zeiten und viele Verteidigungskonzepte wurden verändert. Aus diesem Grund reduzierte man das permanente Personal der Streitkräfte und viele wichtige Einrichtungen wurden nicht mehr genutzt. Diese war eine von ihnen.
Und seht, welch ein Zufall, es war genau eine der Einrichtungen der Streitkräfte – eine große Schule für Marineoffiziere, sowohl aus dem Bereich der Streitkräfte als auch der Handelsmarine und der Fischerei, und die Schule diente nicht nur Offizieren, sondern auch Technikern für in der Schiffahrt verwendete Maschinen -, die nicht mehr genutzt wurde, da jenes Personal in anderen kleineren Schulen ausgebildet wurde, und dank des hervorragenden Zustands dieser Einrichtungen war es möglich, sie als eine internationale Hochschule für Medizin zu nutzten. Dies überschnitt sich zeitlich mit zwei Wirbelstürmen. Einer davon suchte Santo Domingo heim, versetzte Haiti schwere Schläge und erreichte etwas zerstreut Kuba, da seine Kräfte wegen des hohen Gebirgszuges, der Haiti von der Dominikanischen Republik trennt, geschwächt wurden. Dann organisierte er sich neu, wenn auch mit geringerer Stärke, und überquerte fast die Hälfte unserer Insel. Er kam wie ein Auto oder ein Lastwagen, exakt auf der Route der Zentralstraße, bis er gen Norden abdrehte.
Wenige Wochen darauf – vielleicht waren es vier Wochen – bewegte sich ein sehr viel mächtigerer Wirbelsturm in einer gewissen Entfernung unserer Südküste und erreichte mit gewaltigen Windstärken den Kontinent auf der Höhe von Honduras. Es handelte sich um den Wirbelsturm Mitch, der Zehntausende von Opfern und große Schäden verursachte. Die Jugendlichen aus Honduras, die hier die Kultur und die Tänze ihres Landes vorführten, waren wohl dort und werden wissen, wie schrecklich dieser Hurrikan war und welchen Schaden er nicht nur dort anrichtete, sondern auch in Guatemala, Nicaragua und El Salvador, in größerem oder geringerem Ausmaß, die ersten drei Länder, die ich erwähnte, wurden am meisten heimgesucht. Dies führte zu der Idee, ein Kontingent von Ärzten nach Mittelamerika zu schicken. Der Plan wurde auf der Grundlage der Möglichkeit erarbeitet, jedes Jahr in diesem Gebiet so viele Menschenleben zu retten, wie bei dem Wirbelsturm verlorengingen. So entstand die Idee, 2 000 Ärzte nach Mittelamerika zu entsenden.
Wir hatten weder Haiti noch Santo Domingo vergessen und schlugen diesen Ländern eine Zusammenarbeit vor. Eine Brigade war dort in Santo Domingo und eine weitere, sehr viel größere Brigade arbeitet bis heute in Haiti.
Wir schlugen langfristig angelegte integrale Gesundheitspläne vor und nicht das, was viele andere Länder machen, die für 10 oder 15 Tage ein Rettungsteam und ein kleines Ärzteteam schicken. Unser Vorschlag bestand aus einem auf Jahre angelegten Programm, integralen Gesundheitsprogrammen, ausgehend von den Daten über die Kindersterblichkeit im ersten Lebensjahr und im Zeitraum bis zum Erreichen des fünften Lebensjahres, die sehr hoch war.
Als wir erklärten, daß jedes Jahr so viele Menschenleben gerettet werden könnten wie diejenigen, die bei jener Katastrophe verlorengingen, stellten wir unsere Überlegungen auf soliden Grundlagen an. Heute ist erwiesen, daß man im ersten Arbeitsjahr der Ärzte erreichte, die Kindersterblichkeit in einigen Gebieten, in denen sie tätig waren, von 42 auf 16 pro eintausend Lebendgeborenen zu senken.
Doch mehr als an jene Momente dachten wir an die Zukunft und daraus entstand die Idee der Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin, für lateinamerikanische Jugendliche (Beifall), lateinamerikanische nicht, in diesem Fall mittelamerikanische. Wir hatten 500 Stipendien angeboten und die Nachfrage war so groß, daß es notwendig war, den mittelamerikanischen Ländern mehr als 1 000 Stipendien für Medizinstudenten zu gewähren.
Es ist nicht so, daß in den lateinamerikanischen Ländern Ârzte fehlen, man kann eher sagen, daß es zu viele gibt; doch die Medizin hat sich auf der Welt außerordentlich kommerzialisiert, wie dies auch im Sport geschieht, und als Folge davon kommt es zu einer Anhäufung von Ärzten in den Haupt- und Großstädten. Es gibt keine Ärzte, die in die kleinen Dörfer und Weiler gehen wollen, und noch viel weniger in die ländlichen Gebiete, oder gar in die Hochebenen oder Gebirge, wo es Schlangen gibt – so etwas kennt man in unserem Land nicht, ich beziehe mich hierbei auf Giftschlangen -, gefährliche Insekten, gelegentlich gar aggressive Raubkatzen, und selbstverständlich stunden- und manchmal tagelange Fußmärsche, um zu den Orten zu gelangen, an denen es weder Strom noch sonst etwas ähnliches gibt. Wenn es eine sehr hochgelegene Gegend ist, herrscht bittere Kälte und zudem gibt es gelegentlich Schwärme von Moskitos, was die Arbeit eines Arztes wirklich zu einer Heldentat macht.
Ihr werdet euch fragen, warum ich über die Lateinamerikanische Hochschule für Medizin spreche, die mit der Idee gegründet wurde, die Ärzte im Rahmen eines neuen, wahrhaft menschlichen und solidarischen Konzeptes auszubilden. Gemeinsam mit der Bildung ist diese vielleicht eine der besten und nobelsten beruflichen Tätigkeiten. Trotzdem ist es traurig, das zu sehen, was praktisch überall auf der Welt geschieht. Und es handelt sich nicht darum, daß es schlechte Ärzte seien, es gibt sehr fähige Ärzte; ihnen fehlt auch nicht die Güte, doch das Geld, die rein ökonomischen und materiellen Interessen, verdecken jene Gefühle, die in allen Berufen unverzichtbar sind, wie wir sagen könnten, doch hauptsächlich im Beruf des Arztes und des Lehrers.
Die Ingenieure können sich in den Städten aufhalten, Wirtschaftsingenieure, Zivilingenieure, Fachleute beim Bau von Brücken oder großen Einrichtungen; in keiner Hochebene, keinem ländlichen Gebiet und keinem Weiler benötigt man einen Ingenieur oder einen Architekten. Es mag sein, daß man einen Agronom braucht, aber man benötigt dort keine Forscher oder Wissenschaftler, es sei denn, sie nehmen irgendeine Probe oder unternehmen andere Tests. Doch auf dem Land, in den Gebirgen, an den entlegendsten Orten und in den kleinsten Dörfern kann man auf keinen Arzt und keinen Lehrer verzichten.
Der Lehrerberuf ist immer noch bescheidener, es gibt eine größere Tradition, auf dem Land zu arbeiten. Der Beruf des Arztes ist in einer höheren Kategorie angesiedelt, mit Universitätsniveau, und die Lehrer hatten früher nicht diesen Status. Heutzutage hat die überwiegende Mehrheit unserer Lehrer einen Universitätsabschluß und wir verfügen über zahlreiche Lehrfakultäten, um Diplom-Grundschullehrer auszubilden, nicht nur Lehrer der Mittelstufe.
Am Vorabend des Sieges der Revolution gab es weder Ärzte, die auf das Land gehen wollten, noch Lehrer, die man in die Gebirge und zu den entlegenen Orten schicken konnte; gleichzeitig gab es in den Städten 10 000 arbeitslose Lehrer.
Nach dem Sieg der Revolution wurden den kubanischen Ärzten, die das Land verlassen wollten, in den Vereinigten Staaten die Türen sperrangelweit geöffnet, und von 6 000 blieben 3 000 in Kuba; von den Dozenten der medizinischen Fakultät lockten sie mehr als die Hälfte an. Ebenso lockten sie Lehrer und Dozenten anderer Universitätsfakultäten an, oder aus der kleinen Anzahl von Gymnasien, über die wir vor der Revolution verfügten, oder von Mittelschulen. Ich spreche nicht von technischen Schulen, denn es gab im Land nur einige wenige technische Schulen, und ich erinnere mich sehr wohl an eine Mittelschulkategorie, die sogenannten Haushaltsschulen. Heute könnten wir uns die Frage stellen, welche die Haushaltsschulen sind. Etwa Schulen für Hausfrauen? Etwa Schulen für junge Frauen, die keine andere Aufgabe ausfüllen als die Betreuung des Ehemannes und der Kinder?
Das Bildungswesen in unserem Land war sehr schlecht. Heute gibt es mehr Hochschulabsolventen als es vor dem Sieg der Revolution Absolventen der sechsten Klasse gab. Und man stelle sich vor, welches Niveau diese Abschlüsse hatten angesichts der damaligen katastrophalen Situation unserer öffentlichen Schulen.
Heutzutage verfügt unser Land über ein sehr gutes Ausbildungssystem; doch wir würden gleichsam hinzufügen, daß wir deswegen nicht zufrieden sind, obgleich unsere Grundschüler – in dem Alter der Kinder, die heute hier ihre gymnastischen Übungen vorgeführt haben – im Durchschnitt fast die doppelte Punktzahl erreichen wie diejenige, die unglücklicherweise unsere lateinamerikanischen Kinder erlangen.
Die Bildung ist von enormer Wichtigkeit, denn von ihr geht alles aus, und die Gründe, die ich hier dargelegt habe, führten zu jener Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin. Sie wurde zu einer lateinamerikanischen Hochschule, weil andere Länder um Stipendien für diese Schule baten. Jene Einrichtungen hatten genügend Kapazität, und bereits im zweiten Jahr kamen mehr als 2 000 Stipendiaten, die Hochschule wurde zu einer lateinamerikanischen Hochschule; und in diesem Jahr, in diesem Semester, muß sie etwa die Zahl von 5 000 Studenten erreichen.
Doch dort haben wir die Kapazität, und in der Nähe gibt es eine andere Schule für Naturwissenschaften, in dieser werden sie die beiden ersten Jahre des Studiums absolvieren, neben einem Anfangssemester, das für die Nivellierung der Schüler verwendet werden muß und für eine bestimmte Ausbildung, um mit angemessenen Kenntnissen in diese zwei Studienjahre einzutreten, die das schwierigste Hindernis für einen Medizinstudenten darstellen.
Nicht alle Gymnasien in unserer Region sind gleich gut, einige sind besser als andere, und deshalb ist es notwendig, diese sechs anfänglichen Monate der Nivellierung zu widmen; doch im Rahmen unserer Lehrmethoden im Bereich der Medizin treten die Studenten ab dem ersten Jahr in Kontakt mit den Krankenhauseinrichtungen. In diesem Fall im ersten und zweiten Studienjahr in Polikliniken und Sprechstunden von Familienärzten, wo sie lernen, eine Krankenakte und ein Krankenblatt zu organisieren, und eine Reihe von praktischen Kenntnissen als Teil ihrer Ausbildung erlangen. Die letzten vier Jahre besuchen sie die medizinischen Fakultäten, die sich in der Nähe der wichtigsten Krankenhäuser befinden, oder in der Nähe der Hauptstadt, der Provinzhauptstädte oder anderer wichtigster Städte des Landes.
Aus dieser Erfahrung erwuchs eines Tages die Idee, eine internationale Sporthochschule zu schaffen, als wir bemerkten, daß diese Einrichtungen zur Verfügung standen. Seit Jahren funktionierte die Anlage nicht mehr als Schule oder als Zentrum zur Ausbildung von Personal zum Zweck der Verteidigung, und sie war gut instand gehalten und gepflegt worden, auch wenn sie längere Zeit nicht genutzt wurde. Wir sahen, daß es sich um einen Ort handelte, der uns exzellent erschien, es gab genügend Raum, Gebäude, Klassenräume, Werkstätten und Lager. Es war nur eine Reparatur nötig, eine Anpassung als Schule, die Errichtung der Sportstätten und die Verfügbarkeit einer genügenden Anzahl von Wohnheimen für die ersten Kurse.
Als der Betrieb der Schule im September begann, hatten wir bereits etwa 400 Studenten, denn nicht alle Länder, denen Stipendien gewährt wurden, hatten die Möglichkeit, die Studenten zu entsenden. Man hatte den 43 afrikanischen Ländern eine Anzahl von Stipendien angeboten; doch viele von ihnen verfügen über so wenige Mittel, daß nicht alle die Studenten schicken und die Stipendien nutzen konnten. Es konnten natürlich nicht viele sein, die Entfernung ist groß und die Trennung von den Familien dauert länger an; es ist nicht das selbe wie in unserer Region, wo es Länder gibt wie, sagen wir, Haiti oder Santo Domingo, die sehr nahe sind, oder Mexiko, Mittelamerika und der nördliche Teil von Südamerika. Mit den Sportinstitutionen der lateinamerikanischen Länder unterhielten wir viel mehr Beziehungen; diese Länder verfügten über mehr Sporteinrichtungen und eine größere sportliche Entwicklung; sie benötigten sogar mehr Lehrer für Sport und Körperkultur.
So wurden die Stipendien aufgeteilt. Doch wir sahen, daß es eine zusätzliche Kapazität gab, es erschien uns nützlich, diese überschüssigen Kapazitäten zu nutzen. Bei dieser Gelegenheit – und in Anbetracht der bestehenden Beziehungen und der sich entwickelnden Zusammenarbeit zwischen Kuba und Venezuela im Bereich des Sports – sagten wir: Diese Kapazitäten, die dieses Jahr nicht ausgeschöpft werden, müssen wir nutzen, denn wenn sich 200 Studenten mehr immatrikulieren würden, bliebe immer noch ein Überschuß von 400, der für den anderen Kurs verfügbar wäre, und wir boten den venezolanischen Jugendlichen 200 Stipendien an; das ist der Grund, warum fast ein Drittel der Studenten Venezolaner sind. Die Venezolaner sollen mal die Hände heben (Ausrufe). Seht, es ist wie ein Wald von Händen (Beifall).
Klar, die verfügbaren Stipendien müssen prinzipiell ausgehend von den Proportionen und Normen verwendet werden. Das war die außergewöhnliche Situation in diesem Jahr, wo es eine nicht voll ausgeschöpfte Kapazität gab. Wir müssen sehr gut die Verteilung des nächsten Kurses planen.
Man muß berücksichtigen, daß für ein kleines Land wie Honduras oder El Salvador 10 Sportstudenten eine größere Bedeutung für die dortige zukünftige sportliche Entwicklung haben als 150 Brasilianer; bei einer Bevölkerungszahl von 160 Millionen wären 100 Stipendien weit davon entfernt, irgendein Problem zu lösen.
Wenn es sich um ein großes Land handelt, braucht die Hochschule eher eine Anzahl von brasilianischen Studenten als daß Brasilien die Stipendien für eine Hochschule wie diese benötigte, wegen des Prinzips, daß alle Länder der Hemisphäre hier repräsentiert sein sollen.
Mexiko hat 100 Millionen; 10 oder 15 Studienplätze sind für Mexiko gar nichts; doch erst einmal müssen 15 Stipendiaten vorhanden sein, also eine Anzahl mexikanischer Stipendiaten, damit das Land hier präsent ist, denn der Endzweck dieser Schulen besteht nicht nur in der Ausbildung von Lehrern für Körperkultur und Sport. Ihr Ziel besteht – und das ist mit aller Wahrscheinlichkeit ihr Hauptanliegen – in der Verbrüderung der lateinamerikanischen und karibischen Länder, in der Entwicklung einer flächendeckenden Gruppe von optimal ausgebildeten Berufskadern des Sports, die künftig miteinander in Verbindung treten und an der Entwicklung einer starken Sportbewegung der Völker mitarbeiten können, die dazu berufen, eigentlich mehr gezwungen als berufen sind, sich zu vereinen, wenn sie ihre Identität, ihre Kultur, ihre Unabhängigkeit und ihre Erwartungen bewahren wollen, eines Tages eine einzige große Nation zu sein, so wie sie die großen Vorkämpfer Anfang des 19. Jahrhunderts erträumt hatten. Eine große Nation, eine große Vereinigung von Nationen, die die gleiche Sprache sprechen, deren Sitten und Gebräuche, deren Glaubensrichtungen ähnlich sind; die viel stärkere kulturelle Gemeinsamkeiten besitzen als das sehr mannigfaltige Europa, das nach jahrhundertelangen gegeneinander geführten Kriegen nun die Grenzen faktisch niederreißt, nach einer gemeinsamen Währung strebt und sich vereint; denn in dieser Welt und unter den Bedingungen der heutigen Weltordnung hätte ein kleines und einsames Land keinerlei Überlebens- und Entwicklungschancen.
Wir reden hier nicht über Wissenschaft, wir reden über Sport und richten dabei den Blick auf die Horizontlinie, auf die Zukunft, und die Ausbildung in einer echt humanistischen Ansicht über den Sport – so wie es auch in der Ausbildung der Medizinstudenten der Fall ist. Wir werden uns wehren müssen gegen die schändliche und niedrige Vermarktung des Sports.
So traurig es ist, die Gesundheit in eine Ware zu verwandeln, so traurig ist es auch, etwas so Edles wie den Sport und die Körperkultur, die doch so eng mit dem Wohlbefinden und der Gesundheit des Menschen verbunden sind, zu einer Ware werden zu lassen. Heute steht Kuba faktisch einsam und allein in seinem Kampf gegen diesen widerlichen Krämergeist, der sich im Sport breitgemacht hat, der bereits nichts Amateurhaftes mehr an sich hat, nicht einmal bei den Olympiaden.
Wir wissen recht gut, was sich bei den Olympiaden abspielt. Viele Länder, die sich nicht darum kümmern, dem Sport Pflege angedeihen zu lassen, kaufen die Sportler; Sportler aus Ländern, die weder über Sporteinrichtungen noch Trainer verfügen und denen keine andere Alternative bleibt, als diesen Weg des Profisports und der Sportvermarktung zu gehen.
Mehr als die im ehrlichen Kampf gewonnenen Medaillen, mitunter gegen Schiedsrichter der bei verschiedenen Sportarten bestehenden Mafias, - jene Gold-, Silber- und Bronzemedaillen oder den Platz in der Länderwertung, der Kuba zum Land mit der höchsten Goldmedaillenanzahl pro Kopf werden läßt – und ich wiederhole, mehr als die im ehrlichen Kampf gewonnen Medaillen, sage ich, ehrt uns die Tatsache, daß wir nicht eine einzige davon, von welcher Farbe auch immer, mit Sportlern gewonnen haben, die anderen Ländern entrissen wurden; daß in den 42 Jahren revolutionären Kampfes und den 40 Jahren seit der Gründung dieser Institution – damit meine ich unsere Sportinstitution – sämtliche Medaillen von Sportlern erkämpft wurden, die im Verlauf dieser Jahre in unserem Land geboren und ausgebildet wurden; nach in all diesen Jahren unermüdlicher Anstrengungen zur Schaffung einer Sportkultur, der Schaffung einer Sportbewegung wie wir sie heute besitzen. Es wurden Mittel eingesetzt zur Ausbildung von Sportlehrern und dem Bau von Einrichtungen. Das ist es, was unserem Land in der Welt des Sports einen Ehrenplatz verschafft hat, den heute schon keiner mehr bestreitet und der weltweit anerkannt wird.
Drei Dinge sind es, die unserem Land von jedem zugestanden werden: die Entwicklung im Bildungswesen; ich benutze diese Reihenfolge, denn an erster Stelle stand die Allgemeinbildung, beginnend mit der Alphabetisierung eines hohen Anteils unserer Bevölkerung, der nicht einmal lesen und schreiben konnte; danach der Abschluß der sechsten Klasse, dann der Abschluß der neunten Klasse und der Mittelschule sowie die Gewährleistung der Ausbildung in Grund- und Realschule für alle Kinder und Jugendlichen, von denen viele dann an den ebenfalls von der Revolution geschaffenen Einrichtungen des Hochschulwesens ihr Studium aufnehmen.
Das ist der Grund, weshalb im Bereich der Volksbildung unserem Land ein hervorragender Platz im Weltmaßstab zuerkannt wird; ebenso wie im Gesundheitswesen und dem Sport Kuba Ehrenplätze eingeräumt werden.
Drei Bereiche habe ich genannt, und schwerlich lassen sich drei humanere Bereiche als die Bildung, die Gesundheit und der Sport finden (Beifall), deren Leistungen allen Kindern und allen Bürgern zugänglich sind, ohne daß auch nur ein Centavo dafür bezahlt werden muß. (Beifall)
Es ist dies nicht die einzige Aktivität, die unser Volk in all diesen Jahren entwickelt hat. Da sind beispielsweise die Kunst und die Literatur, in denen es augenblicklich schneller denn je aufwärts geht. Auch die Wissenschaften wurden nicht vergessen. Die Wissenschaftler sind unerläßlich und leisten Zuarbeit für das Bildungswesen. Keine Bildung oder eine hochentwickelte Medizin, ja nicht einmal ein umfassend entwickelter Sport kann ohne den Sockel der Wissenschaft existieren.
Die Anstrengungen unseres Volkes waren nicht nur auf die Überwindung der sozialen Ungerechtigkeit, nicht nur auf die Abschaffung des Elends gerichtet; und um dieses zu erreichen, hatten wir 42 Jahre Blockade zu ertragen, denn das Imperium bestraft nicht die Veruntreuung von Abermilliarden Dollars, derer sich die Politiker vielerorts schuldig machten – ich möchte keine Namen nennen, u.a. weil unter den Großen der Politik schwerlich Ausnahmen zu finden sind; es verurteilt nicht die Ungerechtigkeit, das Verbrechen, die Existenz von Straßenkindern und unter Brücken und in Portalen nächtigenden Bettlern; es verurteilt nicht den Hunger; es verurteilt nicht die Todesschwadronen; es verurteilt nicht die Korruption; es verurteilt nicht all jene Systeme und Regierungen, deren Indikatoren des Analphabetentums und der Armut in Schrecken versetzen.
Es verurteilte nicht die Apartheid, es investierte und unterhielt Handelsbeziehungen zu jenem System; es wußte vom Erwerb von Kernwaffen durch die südafrikanischen Rassisten und Faschisten und duldete dies in der Hoffnung, sie könnten gegen die internationalistischen kubanischen Kämpfer eingesetzt werden, die die Aggressionen der südafrikanischen Rassisten und Faschisten im Süden Angolas abwehrten.
Sie verurteilen Kuba – ich weiß, daß hier Diplomaten anwesend sind, denn ich hörte, wie sie erwähnt wurden – man muß sich einmal den in dieser Welt verbreiteten Zynismus vor Augen halten und die traurige Rolle, die einige seiner Vertreter spielen. Es sind Mitglieder der Völkergemeinschaft und der Regierungen, die vor der Menschenrechtskommission Kuba schamlos zu verurteilen beabsichtigen. Ein Land, das von niemandem und niemals eines Verschwundenen, eines politischen Mordes oder eines Folteropfers beschuldigt werden kann. Die Lügner und Verleumder, die so vieltausendmal behauptet haben, hier würde gefoltert, sind für uns nicht von Bedeutung. Wir könnten uns vor hunderttausend, vor eine halbe Million Bürger stellen und sie befragen, ob irgendeinem ein Folteropfer in unserer Heimat bekannt ist.
Ich frage mich, ob es weltweit irgendein anderes Land gibt, das sich in einer derartigen Weise dem Menschen geweiht hat, das allen Bürgen eine Bildung hat zukommen lassen und das heute in einer bereits höheren Phase die Menschen zu einer integralen Allgemeinbildung führt, wo es unter noch anderen Aspekten etwas gibt, an dem es vielen Industrieländern mangelt, denn reich sein bedeutet nicht gebildet sein, entwickelt sein bedeutet nicht gebildet sein.
In der Weltpolitik ist viel Zynismus angesiedelt. Meinen sie etwa, sie könnten uns mit ihren niederträchtigen Machenschaften dort in Genf verängstigen? Sie können sich nicht vorstellen, für wie gering wir ihre Lächerlichkeiten halten, denn hier zeigt sich der Mangel an Ethik, an Moral, an Würde einiger Regierungen, die dort als Mafia fungieren unter der Ägide, dem Druck und dem Mandat des mächtigen Nachbarn des Nordens, der einzigen Supermacht, die heute die Welt regiert.
Zur Beschämung jener, die kriechen, steht Kuba hier als Vorbild! (Beifall) Das nur wenige Meilen von jenem Imperium entfernte Land, das den Mut, die Ehre, die Würde und die Beharrlichkeit aufgebracht hat, 42 Jahre Blockade und 10 Jahre Spezialperiode durchzustehen, um in dieses Jahrtausend mit mehr Zusammenhalt, größerer Stärke, mehr Solidaritätsgefühl und mehr Willen denn je, das Unsrige mit anderen zu teilen, mit mehr Humankapital als irgendein anderes Land. (Beifall)
Unser nördlicher Nachbar könnte keine 2000 Ärzte nach Mittelamerika entsenden, an jene Orte, wohin unsere Ärzte gehen. Ich sagte 2000 und habe stark übertrieben. Es bliebe noch zu prüfen, ob sie 1000 aufbringen können, und zwar nicht für eine Woche oder zwei, sondern für ein, zwei oder drei Jahre, die andere Völker der Dritten Welt betreuen, die Kolonien waren und jahrhundertelang von jenen ausgeplündert wurden, die heute zivilisiert und gebildet zu sein vorgeben; von jenen, die Vorkämpfer der Gerechtigkeit zu sein vorgeben. Das Eigentliche, woran es heute fehlt, ist politische Bildung; jene Bildung, die unser Volk Tag für Tag in größerem Umfang erwirbt, damit es nicht betrogen noch verleitet und noch weniger demoralisiert werden kann.
Nun hört man hier und da über angebliche gemeinsame lateinamerikanische Positionen reden. Ja, es müßte eine gemeinsame würdige, ehrenhafte, mutige, unabhängige Position geben, und diese dürfte nicht in beschämenden Handlangerdiensten für das Imperium bestehen, sondern darin, sich seinen infamen Machenschaften gegen ein Volk zu widersetzen, das im Buch der Geschichte eine Seite gefüllt hat, die schwerlich ignoriert oder gelöscht werden kann. (Beifall) Je mehr sich das Imperium und seine getreuen Schatten auf diese Niederträchtigkeit einlassen, desto stärker werden der Kampfesentschluß und der Kampfeswille Kubas sein.
Das Unglaubliche ist nun, daß in der gleichen Menschenrechtskommission – in der abgestimmt werden wird am Tag der Diskussion der Resolution der USA oder ihrer erbärmlichen Lakaien, die sie in ihrem Namen einreichen, oder die sich zu ihrer Unterstützung verbünden, denn das Imperium verzeiht absolut kein Nein bei den Themen zu Kuba – daß sie in übergroßer Mehrheit für die zahlreichen von Kuba eingereichten Resolutionen stimmen.
Kuba hat bislang die meisten Resolutionen zugunsten der Menschenrechte vorgetragen, die die Stimmen der übergroßen Mehrheit der Länder erhielten, denn sich dagegenzustellen, wäre nun doch die Spitze; und die Vereinigten Staaten bleiben allein mit drei oder vier oder einer größeren Anzahl von getreuen Gesellen in der Ausbeutung der Welt. Mitunter sind es nicht mehr als 10 oder 15, und bei der Abstimmung über die Resolutionen Kubas werden immer 30, 35, 40 und mehr Ja-Stimmen erzielt. So funktioniert diese Welt.
Doch diese heutige Welt, ausgeplündert und unterdrückt vom Imperium und seinen reichsten Verbündeten mit ihrer erbarmungslosen Wirtschaftsordnung, ihren Finanzinstituten, die in die Billionen gehenden Schulden, die den unterentwickelten Ländern auferlegt wurden, die nun gezwungen sind, jährlich mehr abzuzahlen als sie geliehen bekommen und deren Schulden exponentiell in die Höhe gehen und Hunderttausende, ja Milliarden Menschen an einen hoffnungslosen Abgrund führen, diese Wirtschaftsordnung wird sich nicht aufrechterhalten können, diese Wirtschaftsordnung wird zusammenbrechen, denn die Völker dürfen nicht länger unterschätzt werden, die Völker dürfen nicht länger ausgeplündert und verachtet werden, die Völker, denen ihr Recht auf Wohlstand und auf Leben immer stärker bewußt wird.
Unser Land hat bewiesen, was das Volk einer kleinen Nation fähig ist auszuhalten und zu tun; und wir machen unsere Feinde darauf aufmerksam, daß wir jeden Tag, der vergeht, weniger allein sind, daß wir mit jedem Tag mehr Freunde haben, daß trotz der Lügen, die ihre einzige Ideologie darstellen, ihre einzige Waffe, die jene erheben können, die geistige Kleinrentner sind und jeglicher Vernunft entbehren; jene Lügen, mit denen sie schon nicht mehr lange die Wahrheit über die kubanische Revolution und über unser Vaterland weder besiegen noch verschleiern können; es nicht wenige Menschen überall auf der Erde sind, die auf die eine oder die andere Weise ihre Anerkennung, ihre Bewunderung und oftmals ihren Dank dem kubanischen Volk zum Ausdruck bringen, das, als die Großmächte fielen und es allein blieb, allen Prognosen zum Trotz in der Lage war zu tun, was wir eben vollbrachten; es war fähig durchzuhalten.
Deshalb hatte ich gesagt, daß dieses hier über ein Studienzentrum hinaus mehr ein Entwicklungsstützpunkt für den Sport in der Dritten Welt ist (Beifall), hauptsächlich für die Länder Lateinamerikas und der Karibik, die unsere nächsten Brüdern sind. Ein kleines blockiertes noch in der Spezialperiode lebendes Land kann diese Dinge dank seines Humankapitals vollbringen, denn wofür sie 100 aufbringen müssen, das kostet uns einen. Das Humankapital ist nicht für Geld zu bekommen; und mit keinem Geld der Welt kann man das vollbringen, was mit Humankapital vollbracht wird.
Bei unserem Volk kann beim Anblick einer Einrichtung, einiger Gebäude, die keinen Vorteil bringen oder nicht nützlich sind, der Gedanke aufkommen, Einrichtungen wie diese hier oder wie die Lateinamerikanische Fakultät für Medizin zu schaffen, so wie wir ebenfalls in die betroffenen Länder mehr Ärzte schicken können als die Vereinigten Staaten und Europa zusammen. Beachtet einmal, ich behaupte: ...mehr als die Vereinigten Staaten und Europa zusammen. Auch an Sportinstrukteuren könnten wir mehr entsenden als die Vereinigten Staaten und Europa zusammengenommen. (Beifall) Wir könnten mehr Lehrer entsenden als beide zusammen. An Solidarität und internationalistischem Geist - dazu sage ich nichts weiter - können wir mehr Beispiele liefern als Europa und die Vereinigten Staaten zusammen. Ein Vergleich ist hier nicht möglich, denn die edle und außerordentliche Idee der Solidarität und des Internationalismus gibt es in der industrialisierten und reichen kapitalistischen Welt nicht. Diese Ideen können nur im Herzen einer Gesellschaft geboren werden, die für Brüderlichkeit zwischen den Menschen und den Völkern einsteht, die für Gerechtigkeit auf der Welt einsteht.
Diese ist unsere Vorgehensweise bis heute gewesen und wird sie auch in Zukunft bleiben. Jene, die meinen, eine Revolution höre auf zu bestehen, wenn die Führungspersönlichkeit nicht mehr existiert, waren unfähig zu begreifen – und ob sie es irgendwann einmal begreifen werden, weiß ich nicht -, was ich vor Jahren sagte: „Die Menschen sterben, doch die Partei ist unsterblich." In diesem Fall wäre es richtiger noch zu sagen: Es sterben die Menschen, die Völker aber sind unsterblich. (Beifall) Die Ideen eines Menschen können mit ihm verschwinden, doch was niemals geschehen darf ist das Verschwinden der Ideen, die in der Seele und dem Herzen eines Volkes verwachsen sind. (Beifall) Die Ideen, die ein jeder von uns hier äußern kann, sind nicht schlicht und einfach seine eigenen, sondern es sind die Ideen von vielen Millionen Menschen, von der übergroßen Mehrheit, fast der Gesamtheit des Volkes.
Dieser Drang nach Selbstbetrug, dieses Streben nach dem Glauben an eine reale Existenz von vermeintlich authentischen Oppositionskräften zeugt von der Verzweiflung, von dem Bedürfnis der Imperialisten, über die Schlappen und Niederlagen hinwegzukommen, die sie vier Jahrzehnte lang hinnehmen mußten und die bewirken, daß sie einer Illusion des Trostes nachhängen in dem Glauben, daß ein paar mit dem Geld des Imperiums und seiner Verbündeten genährte Söldner eine Macht darstellen. Unser Volk mit seiner politischen Bildung begreift dieses vollkommen; und jene Phantasiebegabten haben überhaupt keine Vorstellung davon, inwieweit der Führung unserer Revolution die Gedanken und Gefühle unseres Volkes bekannt sind.
Wir wandeln nicht über den Wolken. Wir stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Wir sind uns der unbesiegbaren Kraft unserer Revolution bewußt, sehr bewußt. (Beifall)
Laßt mich noch hinzufügen: Als ich das Modell der Schule betrachtete – ich bat sogar um ein Replikat -, erkundigte ich mich nach jeder einzelnen ihrer Einrichtungen, der bereits fertiggestellten und einiger noch fehlender wie die Hallen für Turnen und Gymnastik und andere Sportarten. Bei Betrachtung des Modells prüfte ich in Gedanken, ob man die Schülerzahl erhöhen sollte, ob man noch ein weiteres Gebäude errichten sollte – doch ich konnte mir nicht vorstellen, wo das sein sollte, denn es würde dem Gesamtbild und der Schönheit der Anlage abträglich sein -, schlug ich mir die Idee einer Erhöhung der Immatrikulationsquote aus dem Sinn.
Beim Anblick all dessen, wozu noch einige in nächster Zukunft fertigzustellende Plätze und Einrichtungen kommen, kam ich zu der Schlußfolgerung, daß die Schule um nicht einen einzigen Studienplatz erweitert werden darf. Wir könnten auf eine Schülerzahl kommen, die etwas über dem Optimum liegt. Ich sage optimale Anzahl, denn ich bin zur Überzeugung voller Genugtuung, voller Ermutigung gelangt, die ich von dieser Schule mit mir nehme, nämlich daß diese Internationale Sportschule nun glücklich hier mit diesen Gebäuden errichtet werden konnte, wobei sie alle entweder bereits fertig sind oder im Programm für baldige Fertigstellung stehen. Wir müssen bedenken, daß unser Land über mehr als 30 000 Lehrer und Dozenten für Körperkultur und Sport verfügt, daß zur Zeit ein Prozeß der Zusammenlegung der bestehenden Fakultäten für Körperkultur und Sport läuft, dazu die Wiedergewinnung bestimmter Kapazitäten zur Ausbildung von mittleren Fachkräften, die danach ihr Studium fortsetzen. Ohne diese heute hier eingeweihte internationale Sportschule betragen unsere Kapazitäten an den Sporthochschulen zirka 10 000 Studenten, die eine Sportlehrerausbildung erhalten.
Deshalb meinte ich, daß wir bei Bedarf einer höheren Stipendiatenquote für andere Länder doch über diese 10 000 Kapazitäten verfügen für jene Jugendlichen, die diese ehrenvolle Laufbahn einschlagen möchten. Weshalb sollten wir also hier die Anzahl um noch einen erhöhen? Es würde – sagen wir einmal so - das Gleichgewicht zwischen der Anzahl der Schüler und der verfügbaren Einrichtungen dieser Schule stören. Es besteht keine Notwendigkeit, jenes Gleichgewicht zu stören, da wir die genannten verfügbaren Kapazitäten besitzen, in die eine zusätzliche Anzahl ausländischer Schüler eingegliedert werden kann.
Natürlich sind unsere Schulen nicht so gut und so modern wie diese hier, doch in ihnen wurden Zehntausende Lehrer und Dozenten ausgebildet, die ihrerseits kubanische Weltmeister und Medaillengewinner der Olympischen und Panamerikanischen Spiele vorbereitet haben. Hier wurden unsere ausgezeichneten Sportinstrukteure und –dozenten ausgebildet, die in vielen Dutzenden von Ländern ihren Dienst taten; die unsere kleinen und großen Kinder, unsere Jugendlichen und Erwachsenen unterrichten, auch unsere Rentner, die sich in steigender Anzahl in den Parks zu Gymnastikübungen treffen; denn wenn sportliche Betätigung für Kinder wichtig ist, so ist sie es für Senioren ebenso wichtig – ich sehe, wie Fernández lacht, denn er und ich wir sind mehr oder weniger gleichen Alters. Die Leistungen unserer Lehrer für Körperkultur und Sport kommen also unserem gesamten Volk zugute.
Auch Physiotherapeuten werden ausgebildet, die dann bei Unfällen, einschließlich solcher natürlichen Charakters als Folge bestimmter Krankheiten oder eben Unfällen aller Art die betroffenen Patienten über Monate in den Rehabilitationskliniken betreuen. Wir haben solche aus unseren Sportschulen hervorgegangene Physiotherapeuten gesehen, wie sie täglich acht Stunden ununterbrochen arbeiteten, um vielen Personen Gesundheit oder die Möglichkeit, sich zu bewegen, normal zu leben verschafften.
Spricht man hier von Sport und Körpererziehung, so spricht man von Gesundheit, von Disziplin, von der Formung des Charakters der Jugendlichen, von gesunden Gewohnheiten, von der Bekämpfung der Drogenabhängigkeit. Der Sport ist die Antithese zum Rauschgift. Er ist die Antithese zum Alkoholismus. Der Sport und die Leibesübungen sind Vorbeugung gegen zahlreiche Krankheiten die tödliche sein können, wie Übergewicht und reduzierte Leistungsfähigkeit des Menschen.
Ist von Körpererziehung und Sport die Rede, so sind damit nicht die Olympiasieger und Weltmeister gemeint. Es ist das tägliche und stete Wohlbefinden, ein volles Maß an Gesundheit, die Befähigung zu Studium und Arbeit gemeint. Von Körperkultur und Sport sprechen heißt von einer Wissenschaft, einer universalen Aktivität sprechen.
Zwar könnt ihr Wettkämpfer werden, doch das ist nicht das Ziel eurer Anwesenheit an dieser Schule. Ihr sollt keine Wettkämpfer werden, sondern Wettkämpfer heranbilden, um den Sport in euren Ländern anzukurbeln. Werdet nicht mutlos, wenn ihr nur drei, fünf oder zehn seid. Im Neuen Testament heißt es, Christus habe nach zwölf Fischern gefragt. Auch einer unserer großen Patrioten sagte: „Mit zwölf Männern erhebt sich ein Volk." Und so ist es unwichtig, wieviele ihr in euren Ländern seid. Werdet zu Aposteln der Körperkultur und des Sports! Kämpft dafür! (Beifall)
Ihr werdet Erzieher sein. Ihr werdet den ehrenvollen Titel eines Lehrers und eines Trägers von Wohlbefinden und Gesundheit für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren tragen. Glaubt es mir und begreift es. Werdet euch der überaus edlen, nutzbringenden und schönen Aufgabe bewußt, die vor euch stehen wird und die ihr unter dem Opfer der Trennung von eurer Heimat und euren Angehörigen verwirklichen werdet.
Laßt diese hier zur besten Sportschule werden und seid überzeugt, daß mit dem Lehrkörper und den Einrichtungen dieser Schule es eines Tages von euch allen nicht nur heißen wird, daß ihr Lehrer und Spezialisten dieser oder jener Disziplin seid, sondern es wird heißen: „Sie sind Absolventen der Escuela Internacional de Deportes". Kuba steht nicht da (zeigt auf den Namen der Schule); doch wenn von der Schule für Körperkultur und Sport die Rede sein wird, dieser einzigartigen nicht zu übertreffenden Schule, dann wird jeder wissen, daß damit die Internationale Schule für Körperkultur und Sport Kubas gemeint ist. (Beifall und Zurufe).
So wie Wirtschaftswissenschaftler der Harvard University, der Universität Oxford – die an erster Stelle Experten der Ökonomie des Kapitalismus und des Imperialismus sind, wenn auch gerechterweise zugestanden werden muß, daß einige kreativ und wieder andere sehr gut sind und nicht gänzlich mit jenem Wahnsinn und jenem Chaos übereinstimmen, die das System als solches identifizieren – Berühmtheiten geworden sind, beneide ich euch um euren künftigen guten Ruf. (Beifall)
Stets war ich ein Liebhaber des Sports; ich beneide euch, nicht einer von euch zu sein. (Beifall)
Ich komme zum Schluß, denn es sind Läufe angesagt; Kurzstreckenläufe über 50 Meter und 50 Meter Hürden, 100, 200, 400 und 800 Meter; auch 1500, 3000 und 5000 Meter und auch Marathonläufe. Wenn ihr mir einen Blick auf die Stoppuhr gestattet? Also ich müßte ungefähr im 3000-Meter-Bereich liegen. (Lachen).
Mein Schlußsatz wird nicht lauten: Vaterland oder Tod! , sondern er wird lauten: Es lebe der Internationalismus! (Beifall und Viva-Rufe)
Es lebe die Menschheit! (Beifall und Viva-Rufe), denn sie ist, wie José Martí sagte, das Vaterland eines jeden Menschen.
Es lebe die Jugend! (Beifall und Viva-Rufe)
Es lebe ein gesunder und starker Sport! (Beifall und Viva-Rufe)
Macht euch keine Illusionen, ich werde keine lange Rede halten (Lachen und Ausrufe).
Sehr verehrte Gäste;
Liebe Studenten:
Ich habe ein Problem, denn wir feiern heute zwei Dinge: den 40. Jahrestag der Gründung des INDER (Beifall) und die Einweihung der Internationalen Hochschule für Körperkultur und Sport (Ausrufe). Was mache ich? Worüber spreche ich? Und alles war das Ergebnis des Zufalls, denn diese Schule wurde deswegen nicht vor zwei oder drei Monaten eingeweiht, weil damals keine Zeit war. Jetzt bestand die Möglichkeit, die Einweihung zeitgleich mit diesem Jahrestag vorzunehmen, und die zwei Dinge sind meiner Ansicht nach sehr bedeutend.
Man kann sehr viel über den INDER und sein 40jähriges Bestehen sagen. Einige Genossen haben an einen Teil dieser Geschichte erinnert. Auch Humberto erwähnte einige Fragen, die mit dem INDER in Beziehung stehen, doch es wäre das Beste gewesen, diese beiden Ereignisse zu trennen: auf der einen Seite der INDER und sein Jahrestag und auf der anderen Seite die Einweihung der Hochschule.
Ich würde es vorziehen, nicht so viel über unsere Geschichte im Bereich des Sports zu sprechen. Als ich in den Ausstellungssaal trat, wo uns vier der besten Studenten erwarteten – eine Mosambikanerin, eine Haitianerin, ein Venezolaner und eine Bolivianerin, die mir erzählte, daß sie den Schwimmsport praktiziere -, und nach dem Betrachten von unzähligen Fotos unserer exzellenten Sportler und glorreicher Augenblicke des revolutionären Sports, dachte ich nach und fragte mich: Warum so viele Fotos? Beweihräuchern wir etwa den kubanischen Sport mit chauvinistischem Geist? Erniedrigen wir nicht auf gewisse Weise die Sportler, oder die jungen Menschen, oder die Studenten aus anderen Ländern, indem wir die kubanischen Siege hervorheben? Ich erinnerte mich in diesem Augenblick wirklich nicht daran, daß man auch des 40. Jahrestages der Gründung des INDER gedachte. Jetzt wird mir klar, warum so viele Fotos über unseren Sport angebracht wurden.
Wir sind vorangeschritten und es wurden viele Erfolge erzielt. Sind wir stolz darauf? Nein, noch nicht. Sind wir zufrieden? Nein, wir können niemals vollkommen zufrieden sein.
Trotzdem konnte ich mich nicht des Eindrucks erwehren, daß dies ein großer Tag war, denn wenn unser Sport von guter Qualität war und wenn unsere Geschichte im Bereich des Sports so verdienstvoll war, dann genau deshalb, weil wir genügend Erfahrung und Ansehen angehäuft haben, um diese Internationale Hochschule für Körperkultur und Sport zu schaffen.
Ja, man kann zufrieden sein, wenn man diese Hochschule sieht. Kann man stolz darauf sein? Nein. Nennen wir es Überzeugung und Vertrauen in die vielen Dinge, die man in der Zukunft machen kann.
Wenn es etwas gibt, daß wir bedauern könnten, dann ist es die Tatsache, daß uns die Schule hinsichtlich ihrer Kapazität an Studenten klein erscheint.
Ich habe stets darauf gedrängt, eine Kapazität von 2 000 zu erreichen, denn es sind fünf Jahre und dies könnte eine etwas größere Immatrikulierung gewährleisten, 450 oder 500; doch als ich das Modell sah, das dort am Eingang zu einem kleinen Raum aufgestellt wurde, wurde mir klar, daß wir die Anzahl der Immatrikulierungen nicht steigern dürfen.
Ich hatte eine Vorstellung von der Hochschule. Ich kannte diesen Ort, den ich oftmals besucht hatte, und ging über das gesamte Gelände bis dort drüben hinter den Hügeln, denn wir waren dabei, Zentren für Viehgenetik zu errichten, deshalb gibt es hier in der Nähe so viele Molkereien.
Hier in diesem Gebiet, wo es vor Jahren – vor vielen Jahren – eine kleine Zuckerfabrik gab – ich glaube, sie hieß Portugalete -, wurde kein Zuckerrohr mehr angebaut. Ich erinnere mich, über den Feldzug von Maximo Gómez in der Provinz Havanna – während Maceo in Richtung Pinar del Río vorrückte – gelesen zu haben, daß er sich auf diesem Gebiet bewegte; in den Chroniken jenes heldenhaften Krieges taucht der Name der Zuckerfabrik auf. Seht, wie relativ nahe der Hauptstadt sich die Unabhängigkeitskämpfer befanden.
Gómez vollbrachte große Heldentaten und führte kühne Militäroperationen durch. Als Maceo aus Pinar del Río zurückkehrte, führten sie in dieser Provinz – in der Nähe dieser Zone, bevor sie den Ort Madruga erreichten – eine sehr wichtige Schlacht, an dem beide teilnahmen. Alle diese Orte sind voll von Geschichte, doch im Rahmen der großen Anstrengung zur Stärkung der Verteidigung des Landes bestand eines Tages die Notwendigkeit, hier eine Militärschule und andere militärische Einrichtungen zu errichten, Werkstätten für optische Geräte im Bereich der Artillerie und schließlich sogar eine Schule für Kommunikation und chemische Verteidigung.
Es vergingen die Jahre, es kamen schwere Zeiten und viele Verteidigungskonzepte wurden verändert. Aus diesem Grund reduzierte man das permanente Personal der Streitkräfte und viele wichtige Einrichtungen wurden nicht mehr genutzt. Diese war eine von ihnen.
Und seht, welch ein Zufall, es war genau eine der Einrichtungen der Streitkräfte – eine große Schule für Marineoffiziere, sowohl aus dem Bereich der Streitkräfte als auch der Handelsmarine und der Fischerei, und die Schule diente nicht nur Offizieren, sondern auch Technikern für in der Schiffahrt verwendete Maschinen -, die nicht mehr genutzt wurde, da jenes Personal in anderen kleineren Schulen ausgebildet wurde, und dank des hervorragenden Zustands dieser Einrichtungen war es möglich, sie als eine internationale Hochschule für Medizin zu nutzten. Dies überschnitt sich zeitlich mit zwei Wirbelstürmen. Einer davon suchte Santo Domingo heim, versetzte Haiti schwere Schläge und erreichte etwas zerstreut Kuba, da seine Kräfte wegen des hohen Gebirgszuges, der Haiti von der Dominikanischen Republik trennt, geschwächt wurden. Dann organisierte er sich neu, wenn auch mit geringerer Stärke, und überquerte fast die Hälfte unserer Insel. Er kam wie ein Auto oder ein Lastwagen, exakt auf der Route der Zentralstraße, bis er gen Norden abdrehte.
Wenige Wochen darauf – vielleicht waren es vier Wochen – bewegte sich ein sehr viel mächtigerer Wirbelsturm in einer gewissen Entfernung unserer Südküste und erreichte mit gewaltigen Windstärken den Kontinent auf der Höhe von Honduras. Es handelte sich um den Wirbelsturm Mitch, der Zehntausende von Opfern und große Schäden verursachte. Die Jugendlichen aus Honduras, die hier die Kultur und die Tänze ihres Landes vorführten, waren wohl dort und werden wissen, wie schrecklich dieser Hurrikan war und welchen Schaden er nicht nur dort anrichtete, sondern auch in Guatemala, Nicaragua und El Salvador, in größerem oder geringerem Ausmaß, die ersten drei Länder, die ich erwähnte, wurden am meisten heimgesucht. Dies führte zu der Idee, ein Kontingent von Ärzten nach Mittelamerika zu schicken. Der Plan wurde auf der Grundlage der Möglichkeit erarbeitet, jedes Jahr in diesem Gebiet so viele Menschenleben zu retten, wie bei dem Wirbelsturm verlorengingen. So entstand die Idee, 2 000 Ärzte nach Mittelamerika zu entsenden.
Wir hatten weder Haiti noch Santo Domingo vergessen und schlugen diesen Ländern eine Zusammenarbeit vor. Eine Brigade war dort in Santo Domingo und eine weitere, sehr viel größere Brigade arbeitet bis heute in Haiti.
Wir schlugen langfristig angelegte integrale Gesundheitspläne vor und nicht das, was viele andere Länder machen, die für 10 oder 15 Tage ein Rettungsteam und ein kleines Ärzteteam schicken. Unser Vorschlag bestand aus einem auf Jahre angelegten Programm, integralen Gesundheitsprogrammen, ausgehend von den Daten über die Kindersterblichkeit im ersten Lebensjahr und im Zeitraum bis zum Erreichen des fünften Lebensjahres, die sehr hoch war.
Als wir erklärten, daß jedes Jahr so viele Menschenleben gerettet werden könnten wie diejenigen, die bei jener Katastrophe verlorengingen, stellten wir unsere Überlegungen auf soliden Grundlagen an. Heute ist erwiesen, daß man im ersten Arbeitsjahr der Ärzte erreichte, die Kindersterblichkeit in einigen Gebieten, in denen sie tätig waren, von 42 auf 16 pro eintausend Lebendgeborenen zu senken.
Doch mehr als an jene Momente dachten wir an die Zukunft und daraus entstand die Idee der Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin, für lateinamerikanische Jugendliche (Beifall), lateinamerikanische nicht, in diesem Fall mittelamerikanische. Wir hatten 500 Stipendien angeboten und die Nachfrage war so groß, daß es notwendig war, den mittelamerikanischen Ländern mehr als 1 000 Stipendien für Medizinstudenten zu gewähren.
Es ist nicht so, daß in den lateinamerikanischen Ländern Ârzte fehlen, man kann eher sagen, daß es zu viele gibt; doch die Medizin hat sich auf der Welt außerordentlich kommerzialisiert, wie dies auch im Sport geschieht, und als Folge davon kommt es zu einer Anhäufung von Ärzten in den Haupt- und Großstädten. Es gibt keine Ärzte, die in die kleinen Dörfer und Weiler gehen wollen, und noch viel weniger in die ländlichen Gebiete, oder gar in die Hochebenen oder Gebirge, wo es Schlangen gibt – so etwas kennt man in unserem Land nicht, ich beziehe mich hierbei auf Giftschlangen -, gefährliche Insekten, gelegentlich gar aggressive Raubkatzen, und selbstverständlich stunden- und manchmal tagelange Fußmärsche, um zu den Orten zu gelangen, an denen es weder Strom noch sonst etwas ähnliches gibt. Wenn es eine sehr hochgelegene Gegend ist, herrscht bittere Kälte und zudem gibt es gelegentlich Schwärme von Moskitos, was die Arbeit eines Arztes wirklich zu einer Heldentat macht.
Ihr werdet euch fragen, warum ich über die Lateinamerikanische Hochschule für Medizin spreche, die mit der Idee gegründet wurde, die Ärzte im Rahmen eines neuen, wahrhaft menschlichen und solidarischen Konzeptes auszubilden. Gemeinsam mit der Bildung ist diese vielleicht eine der besten und nobelsten beruflichen Tätigkeiten. Trotzdem ist es traurig, das zu sehen, was praktisch überall auf der Welt geschieht. Und es handelt sich nicht darum, daß es schlechte Ärzte seien, es gibt sehr fähige Ärzte; ihnen fehlt auch nicht die Güte, doch das Geld, die rein ökonomischen und materiellen Interessen, verdecken jene Gefühle, die in allen Berufen unverzichtbar sind, wie wir sagen könnten, doch hauptsächlich im Beruf des Arztes und des Lehrers.
Die Ingenieure können sich in den Städten aufhalten, Wirtschaftsingenieure, Zivilingenieure, Fachleute beim Bau von Brücken oder großen Einrichtungen; in keiner Hochebene, keinem ländlichen Gebiet und keinem Weiler benötigt man einen Ingenieur oder einen Architekten. Es mag sein, daß man einen Agronom braucht, aber man benötigt dort keine Forscher oder Wissenschaftler, es sei denn, sie nehmen irgendeine Probe oder unternehmen andere Tests. Doch auf dem Land, in den Gebirgen, an den entlegendsten Orten und in den kleinsten Dörfern kann man auf keinen Arzt und keinen Lehrer verzichten.
Der Lehrerberuf ist immer noch bescheidener, es gibt eine größere Tradition, auf dem Land zu arbeiten. Der Beruf des Arztes ist in einer höheren Kategorie angesiedelt, mit Universitätsniveau, und die Lehrer hatten früher nicht diesen Status. Heutzutage hat die überwiegende Mehrheit unserer Lehrer einen Universitätsabschluß und wir verfügen über zahlreiche Lehrfakultäten, um Diplom-Grundschullehrer auszubilden, nicht nur Lehrer der Mittelstufe.
Am Vorabend des Sieges der Revolution gab es weder Ärzte, die auf das Land gehen wollten, noch Lehrer, die man in die Gebirge und zu den entlegenen Orten schicken konnte; gleichzeitig gab es in den Städten 10 000 arbeitslose Lehrer.
Nach dem Sieg der Revolution wurden den kubanischen Ärzten, die das Land verlassen wollten, in den Vereinigten Staaten die Türen sperrangelweit geöffnet, und von 6 000 blieben 3 000 in Kuba; von den Dozenten der medizinischen Fakultät lockten sie mehr als die Hälfte an. Ebenso lockten sie Lehrer und Dozenten anderer Universitätsfakultäten an, oder aus der kleinen Anzahl von Gymnasien, über die wir vor der Revolution verfügten, oder von Mittelschulen. Ich spreche nicht von technischen Schulen, denn es gab im Land nur einige wenige technische Schulen, und ich erinnere mich sehr wohl an eine Mittelschulkategorie, die sogenannten Haushaltsschulen. Heute könnten wir uns die Frage stellen, welche die Haushaltsschulen sind. Etwa Schulen für Hausfrauen? Etwa Schulen für junge Frauen, die keine andere Aufgabe ausfüllen als die Betreuung des Ehemannes und der Kinder?
Das Bildungswesen in unserem Land war sehr schlecht. Heute gibt es mehr Hochschulabsolventen als es vor dem Sieg der Revolution Absolventen der sechsten Klasse gab. Und man stelle sich vor, welches Niveau diese Abschlüsse hatten angesichts der damaligen katastrophalen Situation unserer öffentlichen Schulen.
Heutzutage verfügt unser Land über ein sehr gutes Ausbildungssystem; doch wir würden gleichsam hinzufügen, daß wir deswegen nicht zufrieden sind, obgleich unsere Grundschüler – in dem Alter der Kinder, die heute hier ihre gymnastischen Übungen vorgeführt haben – im Durchschnitt fast die doppelte Punktzahl erreichen wie diejenige, die unglücklicherweise unsere lateinamerikanischen Kinder erlangen.
Die Bildung ist von enormer Wichtigkeit, denn von ihr geht alles aus, und die Gründe, die ich hier dargelegt habe, führten zu jener Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin. Sie wurde zu einer lateinamerikanischen Hochschule, weil andere Länder um Stipendien für diese Schule baten. Jene Einrichtungen hatten genügend Kapazität, und bereits im zweiten Jahr kamen mehr als 2 000 Stipendiaten, die Hochschule wurde zu einer lateinamerikanischen Hochschule; und in diesem Jahr, in diesem Semester, muß sie etwa die Zahl von 5 000 Studenten erreichen.
Doch dort haben wir die Kapazität, und in der Nähe gibt es eine andere Schule für Naturwissenschaften, in dieser werden sie die beiden ersten Jahre des Studiums absolvieren, neben einem Anfangssemester, das für die Nivellierung der Schüler verwendet werden muß und für eine bestimmte Ausbildung, um mit angemessenen Kenntnissen in diese zwei Studienjahre einzutreten, die das schwierigste Hindernis für einen Medizinstudenten darstellen.
Nicht alle Gymnasien in unserer Region sind gleich gut, einige sind besser als andere, und deshalb ist es notwendig, diese sechs anfänglichen Monate der Nivellierung zu widmen; doch im Rahmen unserer Lehrmethoden im Bereich der Medizin treten die Studenten ab dem ersten Jahr in Kontakt mit den Krankenhauseinrichtungen. In diesem Fall im ersten und zweiten Studienjahr in Polikliniken und Sprechstunden von Familienärzten, wo sie lernen, eine Krankenakte und ein Krankenblatt zu organisieren, und eine Reihe von praktischen Kenntnissen als Teil ihrer Ausbildung erlangen. Die letzten vier Jahre besuchen sie die medizinischen Fakultäten, die sich in der Nähe der wichtigsten Krankenhäuser befinden, oder in der Nähe der Hauptstadt, der Provinzhauptstädte oder anderer wichtigster Städte des Landes.
Aus dieser Erfahrung erwuchs eines Tages die Idee, eine internationale Sporthochschule zu schaffen, als wir bemerkten, daß diese Einrichtungen zur Verfügung standen. Seit Jahren funktionierte die Anlage nicht mehr als Schule oder als Zentrum zur Ausbildung von Personal zum Zweck der Verteidigung, und sie war gut instand gehalten und gepflegt worden, auch wenn sie längere Zeit nicht genutzt wurde. Wir sahen, daß es sich um einen Ort handelte, der uns exzellent erschien, es gab genügend Raum, Gebäude, Klassenräume, Werkstätten und Lager. Es war nur eine Reparatur nötig, eine Anpassung als Schule, die Errichtung der Sportstätten und die Verfügbarkeit einer genügenden Anzahl von Wohnheimen für die ersten Kurse.
Als der Betrieb der Schule im September begann, hatten wir bereits etwa 400 Studenten, denn nicht alle Länder, denen Stipendien gewährt wurden, hatten die Möglichkeit, die Studenten zu entsenden. Man hatte den 43 afrikanischen Ländern eine Anzahl von Stipendien angeboten; doch viele von ihnen verfügen über so wenige Mittel, daß nicht alle die Studenten schicken und die Stipendien nutzen konnten. Es konnten natürlich nicht viele sein, die Entfernung ist groß und die Trennung von den Familien dauert länger an; es ist nicht das selbe wie in unserer Region, wo es Länder gibt wie, sagen wir, Haiti oder Santo Domingo, die sehr nahe sind, oder Mexiko, Mittelamerika und der nördliche Teil von Südamerika. Mit den Sportinstitutionen der lateinamerikanischen Länder unterhielten wir viel mehr Beziehungen; diese Länder verfügten über mehr Sporteinrichtungen und eine größere sportliche Entwicklung; sie benötigten sogar mehr Lehrer für Sport und Körperkultur.
So wurden die Stipendien aufgeteilt. Doch wir sahen, daß es eine zusätzliche Kapazität gab, es erschien uns nützlich, diese überschüssigen Kapazitäten zu nutzen. Bei dieser Gelegenheit – und in Anbetracht der bestehenden Beziehungen und der sich entwickelnden Zusammenarbeit zwischen Kuba und Venezuela im Bereich des Sports – sagten wir: Diese Kapazitäten, die dieses Jahr nicht ausgeschöpft werden, müssen wir nutzen, denn wenn sich 200 Studenten mehr immatrikulieren würden, bliebe immer noch ein Überschuß von 400, der für den anderen Kurs verfügbar wäre, und wir boten den venezolanischen Jugendlichen 200 Stipendien an; das ist der Grund, warum fast ein Drittel der Studenten Venezolaner sind. Die Venezolaner sollen mal die Hände heben (Ausrufe). Seht, es ist wie ein Wald von Händen (Beifall).
Klar, die verfügbaren Stipendien müssen prinzipiell ausgehend von den Proportionen und Normen verwendet werden. Das war die außergewöhnliche Situation in diesem Jahr, wo es eine nicht voll ausgeschöpfte Kapazität gab. Wir müssen sehr gut die Verteilung des nächsten Kurses planen.
Man muß berücksichtigen, daß für ein kleines Land wie Honduras oder El Salvador 10 Sportstudenten eine größere Bedeutung für die dortige zukünftige sportliche Entwicklung haben als 150 Brasilianer; bei einer Bevölkerungszahl von 160 Millionen wären 100 Stipendien weit davon entfernt, irgendein Problem zu lösen.
Wenn es sich um ein großes Land handelt, braucht die Hochschule eher eine Anzahl von brasilianischen Studenten als daß Brasilien die Stipendien für eine Hochschule wie diese benötigte, wegen des Prinzips, daß alle Länder der Hemisphäre hier repräsentiert sein sollen.
Mexiko hat 100 Millionen; 10 oder 15 Studienplätze sind für Mexiko gar nichts; doch erst einmal müssen 15 Stipendiaten vorhanden sein, also eine Anzahl mexikanischer Stipendiaten, damit das Land hier präsent ist, denn der Endzweck dieser Schulen besteht nicht nur in der Ausbildung von Lehrern für Körperkultur und Sport. Ihr Ziel besteht – und das ist mit aller Wahrscheinlichkeit ihr Hauptanliegen – in der Verbrüderung der lateinamerikanischen und karibischen Länder, in der Entwicklung einer flächendeckenden Gruppe von optimal ausgebildeten Berufskadern des Sports, die künftig miteinander in Verbindung treten und an der Entwicklung einer starken Sportbewegung der Völker mitarbeiten können, die dazu berufen, eigentlich mehr gezwungen als berufen sind, sich zu vereinen, wenn sie ihre Identität, ihre Kultur, ihre Unabhängigkeit und ihre Erwartungen bewahren wollen, eines Tages eine einzige große Nation zu sein, so wie sie die großen Vorkämpfer Anfang des 19. Jahrhunderts erträumt hatten. Eine große Nation, eine große Vereinigung von Nationen, die die gleiche Sprache sprechen, deren Sitten und Gebräuche, deren Glaubensrichtungen ähnlich sind; die viel stärkere kulturelle Gemeinsamkeiten besitzen als das sehr mannigfaltige Europa, das nach jahrhundertelangen gegeneinander geführten Kriegen nun die Grenzen faktisch niederreißt, nach einer gemeinsamen Währung strebt und sich vereint; denn in dieser Welt und unter den Bedingungen der heutigen Weltordnung hätte ein kleines und einsames Land keinerlei Überlebens- und Entwicklungschancen.
Wir reden hier nicht über Wissenschaft, wir reden über Sport und richten dabei den Blick auf die Horizontlinie, auf die Zukunft, und die Ausbildung in einer echt humanistischen Ansicht über den Sport – so wie es auch in der Ausbildung der Medizinstudenten der Fall ist. Wir werden uns wehren müssen gegen die schändliche und niedrige Vermarktung des Sports.
So traurig es ist, die Gesundheit in eine Ware zu verwandeln, so traurig ist es auch, etwas so Edles wie den Sport und die Körperkultur, die doch so eng mit dem Wohlbefinden und der Gesundheit des Menschen verbunden sind, zu einer Ware werden zu lassen. Heute steht Kuba faktisch einsam und allein in seinem Kampf gegen diesen widerlichen Krämergeist, der sich im Sport breitgemacht hat, der bereits nichts Amateurhaftes mehr an sich hat, nicht einmal bei den Olympiaden.
Wir wissen recht gut, was sich bei den Olympiaden abspielt. Viele Länder, die sich nicht darum kümmern, dem Sport Pflege angedeihen zu lassen, kaufen die Sportler; Sportler aus Ländern, die weder über Sporteinrichtungen noch Trainer verfügen und denen keine andere Alternative bleibt, als diesen Weg des Profisports und der Sportvermarktung zu gehen.
Mehr als die im ehrlichen Kampf gewonnenen Medaillen, mitunter gegen Schiedsrichter der bei verschiedenen Sportarten bestehenden Mafias, - jene Gold-, Silber- und Bronzemedaillen oder den Platz in der Länderwertung, der Kuba zum Land mit der höchsten Goldmedaillenanzahl pro Kopf werden läßt – und ich wiederhole, mehr als die im ehrlichen Kampf gewonnen Medaillen, sage ich, ehrt uns die Tatsache, daß wir nicht eine einzige davon, von welcher Farbe auch immer, mit Sportlern gewonnen haben, die anderen Ländern entrissen wurden; daß in den 42 Jahren revolutionären Kampfes und den 40 Jahren seit der Gründung dieser Institution – damit meine ich unsere Sportinstitution – sämtliche Medaillen von Sportlern erkämpft wurden, die im Verlauf dieser Jahre in unserem Land geboren und ausgebildet wurden; nach in all diesen Jahren unermüdlicher Anstrengungen zur Schaffung einer Sportkultur, der Schaffung einer Sportbewegung wie wir sie heute besitzen. Es wurden Mittel eingesetzt zur Ausbildung von Sportlehrern und dem Bau von Einrichtungen. Das ist es, was unserem Land in der Welt des Sports einen Ehrenplatz verschafft hat, den heute schon keiner mehr bestreitet und der weltweit anerkannt wird.
Drei Dinge sind es, die unserem Land von jedem zugestanden werden: die Entwicklung im Bildungswesen; ich benutze diese Reihenfolge, denn an erster Stelle stand die Allgemeinbildung, beginnend mit der Alphabetisierung eines hohen Anteils unserer Bevölkerung, der nicht einmal lesen und schreiben konnte; danach der Abschluß der sechsten Klasse, dann der Abschluß der neunten Klasse und der Mittelschule sowie die Gewährleistung der Ausbildung in Grund- und Realschule für alle Kinder und Jugendlichen, von denen viele dann an den ebenfalls von der Revolution geschaffenen Einrichtungen des Hochschulwesens ihr Studium aufnehmen.
Das ist der Grund, weshalb im Bereich der Volksbildung unserem Land ein hervorragender Platz im Weltmaßstab zuerkannt wird; ebenso wie im Gesundheitswesen und dem Sport Kuba Ehrenplätze eingeräumt werden.
Drei Bereiche habe ich genannt, und schwerlich lassen sich drei humanere Bereiche als die Bildung, die Gesundheit und der Sport finden (Beifall), deren Leistungen allen Kindern und allen Bürgern zugänglich sind, ohne daß auch nur ein Centavo dafür bezahlt werden muß. (Beifall)
Es ist dies nicht die einzige Aktivität, die unser Volk in all diesen Jahren entwickelt hat. Da sind beispielsweise die Kunst und die Literatur, in denen es augenblicklich schneller denn je aufwärts geht. Auch die Wissenschaften wurden nicht vergessen. Die Wissenschaftler sind unerläßlich und leisten Zuarbeit für das Bildungswesen. Keine Bildung oder eine hochentwickelte Medizin, ja nicht einmal ein umfassend entwickelter Sport kann ohne den Sockel der Wissenschaft existieren.
Die Anstrengungen unseres Volkes waren nicht nur auf die Überwindung der sozialen Ungerechtigkeit, nicht nur auf die Abschaffung des Elends gerichtet; und um dieses zu erreichen, hatten wir 42 Jahre Blockade zu ertragen, denn das Imperium bestraft nicht die Veruntreuung von Abermilliarden Dollars, derer sich die Politiker vielerorts schuldig machten – ich möchte keine Namen nennen, u.a. weil unter den Großen der Politik schwerlich Ausnahmen zu finden sind; es verurteilt nicht die Ungerechtigkeit, das Verbrechen, die Existenz von Straßenkindern und unter Brücken und in Portalen nächtigenden Bettlern; es verurteilt nicht den Hunger; es verurteilt nicht die Todesschwadronen; es verurteilt nicht die Korruption; es verurteilt nicht all jene Systeme und Regierungen, deren Indikatoren des Analphabetentums und der Armut in Schrecken versetzen.
Es verurteilte nicht die Apartheid, es investierte und unterhielt Handelsbeziehungen zu jenem System; es wußte vom Erwerb von Kernwaffen durch die südafrikanischen Rassisten und Faschisten und duldete dies in der Hoffnung, sie könnten gegen die internationalistischen kubanischen Kämpfer eingesetzt werden, die die Aggressionen der südafrikanischen Rassisten und Faschisten im Süden Angolas abwehrten.
Sie verurteilen Kuba – ich weiß, daß hier Diplomaten anwesend sind, denn ich hörte, wie sie erwähnt wurden – man muß sich einmal den in dieser Welt verbreiteten Zynismus vor Augen halten und die traurige Rolle, die einige seiner Vertreter spielen. Es sind Mitglieder der Völkergemeinschaft und der Regierungen, die vor der Menschenrechtskommission Kuba schamlos zu verurteilen beabsichtigen. Ein Land, das von niemandem und niemals eines Verschwundenen, eines politischen Mordes oder eines Folteropfers beschuldigt werden kann. Die Lügner und Verleumder, die so vieltausendmal behauptet haben, hier würde gefoltert, sind für uns nicht von Bedeutung. Wir könnten uns vor hunderttausend, vor eine halbe Million Bürger stellen und sie befragen, ob irgendeinem ein Folteropfer in unserer Heimat bekannt ist.
Ich frage mich, ob es weltweit irgendein anderes Land gibt, das sich in einer derartigen Weise dem Menschen geweiht hat, das allen Bürgen eine Bildung hat zukommen lassen und das heute in einer bereits höheren Phase die Menschen zu einer integralen Allgemeinbildung führt, wo es unter noch anderen Aspekten etwas gibt, an dem es vielen Industrieländern mangelt, denn reich sein bedeutet nicht gebildet sein, entwickelt sein bedeutet nicht gebildet sein.
In der Weltpolitik ist viel Zynismus angesiedelt. Meinen sie etwa, sie könnten uns mit ihren niederträchtigen Machenschaften dort in Genf verängstigen? Sie können sich nicht vorstellen, für wie gering wir ihre Lächerlichkeiten halten, denn hier zeigt sich der Mangel an Ethik, an Moral, an Würde einiger Regierungen, die dort als Mafia fungieren unter der Ägide, dem Druck und dem Mandat des mächtigen Nachbarn des Nordens, der einzigen Supermacht, die heute die Welt regiert.
Zur Beschämung jener, die kriechen, steht Kuba hier als Vorbild! (Beifall) Das nur wenige Meilen von jenem Imperium entfernte Land, das den Mut, die Ehre, die Würde und die Beharrlichkeit aufgebracht hat, 42 Jahre Blockade und 10 Jahre Spezialperiode durchzustehen, um in dieses Jahrtausend mit mehr Zusammenhalt, größerer Stärke, mehr Solidaritätsgefühl und mehr Willen denn je, das Unsrige mit anderen zu teilen, mit mehr Humankapital als irgendein anderes Land. (Beifall)
Unser nördlicher Nachbar könnte keine 2000 Ärzte nach Mittelamerika entsenden, an jene Orte, wohin unsere Ärzte gehen. Ich sagte 2000 und habe stark übertrieben. Es bliebe noch zu prüfen, ob sie 1000 aufbringen können, und zwar nicht für eine Woche oder zwei, sondern für ein, zwei oder drei Jahre, die andere Völker der Dritten Welt betreuen, die Kolonien waren und jahrhundertelang von jenen ausgeplündert wurden, die heute zivilisiert und gebildet zu sein vorgeben; von jenen, die Vorkämpfer der Gerechtigkeit zu sein vorgeben. Das Eigentliche, woran es heute fehlt, ist politische Bildung; jene Bildung, die unser Volk Tag für Tag in größerem Umfang erwirbt, damit es nicht betrogen noch verleitet und noch weniger demoralisiert werden kann.
Nun hört man hier und da über angebliche gemeinsame lateinamerikanische Positionen reden. Ja, es müßte eine gemeinsame würdige, ehrenhafte, mutige, unabhängige Position geben, und diese dürfte nicht in beschämenden Handlangerdiensten für das Imperium bestehen, sondern darin, sich seinen infamen Machenschaften gegen ein Volk zu widersetzen, das im Buch der Geschichte eine Seite gefüllt hat, die schwerlich ignoriert oder gelöscht werden kann. (Beifall) Je mehr sich das Imperium und seine getreuen Schatten auf diese Niederträchtigkeit einlassen, desto stärker werden der Kampfesentschluß und der Kampfeswille Kubas sein.
Das Unglaubliche ist nun, daß in der gleichen Menschenrechtskommission – in der abgestimmt werden wird am Tag der Diskussion der Resolution der USA oder ihrer erbärmlichen Lakaien, die sie in ihrem Namen einreichen, oder die sich zu ihrer Unterstützung verbünden, denn das Imperium verzeiht absolut kein Nein bei den Themen zu Kuba – daß sie in übergroßer Mehrheit für die zahlreichen von Kuba eingereichten Resolutionen stimmen.
Kuba hat bislang die meisten Resolutionen zugunsten der Menschenrechte vorgetragen, die die Stimmen der übergroßen Mehrheit der Länder erhielten, denn sich dagegenzustellen, wäre nun doch die Spitze; und die Vereinigten Staaten bleiben allein mit drei oder vier oder einer größeren Anzahl von getreuen Gesellen in der Ausbeutung der Welt. Mitunter sind es nicht mehr als 10 oder 15, und bei der Abstimmung über die Resolutionen Kubas werden immer 30, 35, 40 und mehr Ja-Stimmen erzielt. So funktioniert diese Welt.
Doch diese heutige Welt, ausgeplündert und unterdrückt vom Imperium und seinen reichsten Verbündeten mit ihrer erbarmungslosen Wirtschaftsordnung, ihren Finanzinstituten, die in die Billionen gehenden Schulden, die den unterentwickelten Ländern auferlegt wurden, die nun gezwungen sind, jährlich mehr abzuzahlen als sie geliehen bekommen und deren Schulden exponentiell in die Höhe gehen und Hunderttausende, ja Milliarden Menschen an einen hoffnungslosen Abgrund führen, diese Wirtschaftsordnung wird sich nicht aufrechterhalten können, diese Wirtschaftsordnung wird zusammenbrechen, denn die Völker dürfen nicht länger unterschätzt werden, die Völker dürfen nicht länger ausgeplündert und verachtet werden, die Völker, denen ihr Recht auf Wohlstand und auf Leben immer stärker bewußt wird.
Unser Land hat bewiesen, was das Volk einer kleinen Nation fähig ist auszuhalten und zu tun; und wir machen unsere Feinde darauf aufmerksam, daß wir jeden Tag, der vergeht, weniger allein sind, daß wir mit jedem Tag mehr Freunde haben, daß trotz der Lügen, die ihre einzige Ideologie darstellen, ihre einzige Waffe, die jene erheben können, die geistige Kleinrentner sind und jeglicher Vernunft entbehren; jene Lügen, mit denen sie schon nicht mehr lange die Wahrheit über die kubanische Revolution und über unser Vaterland weder besiegen noch verschleiern können; es nicht wenige Menschen überall auf der Erde sind, die auf die eine oder die andere Weise ihre Anerkennung, ihre Bewunderung und oftmals ihren Dank dem kubanischen Volk zum Ausdruck bringen, das, als die Großmächte fielen und es allein blieb, allen Prognosen zum Trotz in der Lage war zu tun, was wir eben vollbrachten; es war fähig durchzuhalten.
Deshalb hatte ich gesagt, daß dieses hier über ein Studienzentrum hinaus mehr ein Entwicklungsstützpunkt für den Sport in der Dritten Welt ist (Beifall), hauptsächlich für die Länder Lateinamerikas und der Karibik, die unsere nächsten Brüdern sind. Ein kleines blockiertes noch in der Spezialperiode lebendes Land kann diese Dinge dank seines Humankapitals vollbringen, denn wofür sie 100 aufbringen müssen, das kostet uns einen. Das Humankapital ist nicht für Geld zu bekommen; und mit keinem Geld der Welt kann man das vollbringen, was mit Humankapital vollbracht wird.
Bei unserem Volk kann beim Anblick einer Einrichtung, einiger Gebäude, die keinen Vorteil bringen oder nicht nützlich sind, der Gedanke aufkommen, Einrichtungen wie diese hier oder wie die Lateinamerikanische Fakultät für Medizin zu schaffen, so wie wir ebenfalls in die betroffenen Länder mehr Ärzte schicken können als die Vereinigten Staaten und Europa zusammen. Beachtet einmal, ich behaupte: ...mehr als die Vereinigten Staaten und Europa zusammen. Auch an Sportinstrukteuren könnten wir mehr entsenden als die Vereinigten Staaten und Europa zusammengenommen. (Beifall) Wir könnten mehr Lehrer entsenden als beide zusammen. An Solidarität und internationalistischem Geist - dazu sage ich nichts weiter - können wir mehr Beispiele liefern als Europa und die Vereinigten Staaten zusammen. Ein Vergleich ist hier nicht möglich, denn die edle und außerordentliche Idee der Solidarität und des Internationalismus gibt es in der industrialisierten und reichen kapitalistischen Welt nicht. Diese Ideen können nur im Herzen einer Gesellschaft geboren werden, die für Brüderlichkeit zwischen den Menschen und den Völkern einsteht, die für Gerechtigkeit auf der Welt einsteht.
Diese ist unsere Vorgehensweise bis heute gewesen und wird sie auch in Zukunft bleiben. Jene, die meinen, eine Revolution höre auf zu bestehen, wenn die Führungspersönlichkeit nicht mehr existiert, waren unfähig zu begreifen – und ob sie es irgendwann einmal begreifen werden, weiß ich nicht -, was ich vor Jahren sagte: „Die Menschen sterben, doch die Partei ist unsterblich." In diesem Fall wäre es richtiger noch zu sagen: Es sterben die Menschen, die Völker aber sind unsterblich. (Beifall) Die Ideen eines Menschen können mit ihm verschwinden, doch was niemals geschehen darf ist das Verschwinden der Ideen, die in der Seele und dem Herzen eines Volkes verwachsen sind. (Beifall) Die Ideen, die ein jeder von uns hier äußern kann, sind nicht schlicht und einfach seine eigenen, sondern es sind die Ideen von vielen Millionen Menschen, von der übergroßen Mehrheit, fast der Gesamtheit des Volkes.
Dieser Drang nach Selbstbetrug, dieses Streben nach dem Glauben an eine reale Existenz von vermeintlich authentischen Oppositionskräften zeugt von der Verzweiflung, von dem Bedürfnis der Imperialisten, über die Schlappen und Niederlagen hinwegzukommen, die sie vier Jahrzehnte lang hinnehmen mußten und die bewirken, daß sie einer Illusion des Trostes nachhängen in dem Glauben, daß ein paar mit dem Geld des Imperiums und seiner Verbündeten genährte Söldner eine Macht darstellen. Unser Volk mit seiner politischen Bildung begreift dieses vollkommen; und jene Phantasiebegabten haben überhaupt keine Vorstellung davon, inwieweit der Führung unserer Revolution die Gedanken und Gefühle unseres Volkes bekannt sind.
Wir wandeln nicht über den Wolken. Wir stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Wir sind uns der unbesiegbaren Kraft unserer Revolution bewußt, sehr bewußt. (Beifall)
Laßt mich noch hinzufügen: Als ich das Modell der Schule betrachtete – ich bat sogar um ein Replikat -, erkundigte ich mich nach jeder einzelnen ihrer Einrichtungen, der bereits fertiggestellten und einiger noch fehlender wie die Hallen für Turnen und Gymnastik und andere Sportarten. Bei Betrachtung des Modells prüfte ich in Gedanken, ob man die Schülerzahl erhöhen sollte, ob man noch ein weiteres Gebäude errichten sollte – doch ich konnte mir nicht vorstellen, wo das sein sollte, denn es würde dem Gesamtbild und der Schönheit der Anlage abträglich sein -, schlug ich mir die Idee einer Erhöhung der Immatrikulationsquote aus dem Sinn.
Beim Anblick all dessen, wozu noch einige in nächster Zukunft fertigzustellende Plätze und Einrichtungen kommen, kam ich zu der Schlußfolgerung, daß die Schule um nicht einen einzigen Studienplatz erweitert werden darf. Wir könnten auf eine Schülerzahl kommen, die etwas über dem Optimum liegt. Ich sage optimale Anzahl, denn ich bin zur Überzeugung voller Genugtuung, voller Ermutigung gelangt, die ich von dieser Schule mit mir nehme, nämlich daß diese Internationale Sportschule nun glücklich hier mit diesen Gebäuden errichtet werden konnte, wobei sie alle entweder bereits fertig sind oder im Programm für baldige Fertigstellung stehen. Wir müssen bedenken, daß unser Land über mehr als 30 000 Lehrer und Dozenten für Körperkultur und Sport verfügt, daß zur Zeit ein Prozeß der Zusammenlegung der bestehenden Fakultäten für Körperkultur und Sport läuft, dazu die Wiedergewinnung bestimmter Kapazitäten zur Ausbildung von mittleren Fachkräften, die danach ihr Studium fortsetzen. Ohne diese heute hier eingeweihte internationale Sportschule betragen unsere Kapazitäten an den Sporthochschulen zirka 10 000 Studenten, die eine Sportlehrerausbildung erhalten.
Deshalb meinte ich, daß wir bei Bedarf einer höheren Stipendiatenquote für andere Länder doch über diese 10 000 Kapazitäten verfügen für jene Jugendlichen, die diese ehrenvolle Laufbahn einschlagen möchten. Weshalb sollten wir also hier die Anzahl um noch einen erhöhen? Es würde – sagen wir einmal so - das Gleichgewicht zwischen der Anzahl der Schüler und der verfügbaren Einrichtungen dieser Schule stören. Es besteht keine Notwendigkeit, jenes Gleichgewicht zu stören, da wir die genannten verfügbaren Kapazitäten besitzen, in die eine zusätzliche Anzahl ausländischer Schüler eingegliedert werden kann.
Natürlich sind unsere Schulen nicht so gut und so modern wie diese hier, doch in ihnen wurden Zehntausende Lehrer und Dozenten ausgebildet, die ihrerseits kubanische Weltmeister und Medaillengewinner der Olympischen und Panamerikanischen Spiele vorbereitet haben. Hier wurden unsere ausgezeichneten Sportinstrukteure und –dozenten ausgebildet, die in vielen Dutzenden von Ländern ihren Dienst taten; die unsere kleinen und großen Kinder, unsere Jugendlichen und Erwachsenen unterrichten, auch unsere Rentner, die sich in steigender Anzahl in den Parks zu Gymnastikübungen treffen; denn wenn sportliche Betätigung für Kinder wichtig ist, so ist sie es für Senioren ebenso wichtig – ich sehe, wie Fernández lacht, denn er und ich wir sind mehr oder weniger gleichen Alters. Die Leistungen unserer Lehrer für Körperkultur und Sport kommen also unserem gesamten Volk zugute.
Auch Physiotherapeuten werden ausgebildet, die dann bei Unfällen, einschließlich solcher natürlichen Charakters als Folge bestimmter Krankheiten oder eben Unfällen aller Art die betroffenen Patienten über Monate in den Rehabilitationskliniken betreuen. Wir haben solche aus unseren Sportschulen hervorgegangene Physiotherapeuten gesehen, wie sie täglich acht Stunden ununterbrochen arbeiteten, um vielen Personen Gesundheit oder die Möglichkeit, sich zu bewegen, normal zu leben verschafften.
Spricht man hier von Sport und Körpererziehung, so spricht man von Gesundheit, von Disziplin, von der Formung des Charakters der Jugendlichen, von gesunden Gewohnheiten, von der Bekämpfung der Drogenabhängigkeit. Der Sport ist die Antithese zum Rauschgift. Er ist die Antithese zum Alkoholismus. Der Sport und die Leibesübungen sind Vorbeugung gegen zahlreiche Krankheiten die tödliche sein können, wie Übergewicht und reduzierte Leistungsfähigkeit des Menschen.
Ist von Körpererziehung und Sport die Rede, so sind damit nicht die Olympiasieger und Weltmeister gemeint. Es ist das tägliche und stete Wohlbefinden, ein volles Maß an Gesundheit, die Befähigung zu Studium und Arbeit gemeint. Von Körperkultur und Sport sprechen heißt von einer Wissenschaft, einer universalen Aktivität sprechen.
Zwar könnt ihr Wettkämpfer werden, doch das ist nicht das Ziel eurer Anwesenheit an dieser Schule. Ihr sollt keine Wettkämpfer werden, sondern Wettkämpfer heranbilden, um den Sport in euren Ländern anzukurbeln. Werdet nicht mutlos, wenn ihr nur drei, fünf oder zehn seid. Im Neuen Testament heißt es, Christus habe nach zwölf Fischern gefragt. Auch einer unserer großen Patrioten sagte: „Mit zwölf Männern erhebt sich ein Volk." Und so ist es unwichtig, wieviele ihr in euren Ländern seid. Werdet zu Aposteln der Körperkultur und des Sports! Kämpft dafür! (Beifall)
Ihr werdet Erzieher sein. Ihr werdet den ehrenvollen Titel eines Lehrers und eines Trägers von Wohlbefinden und Gesundheit für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren tragen. Glaubt es mir und begreift es. Werdet euch der überaus edlen, nutzbringenden und schönen Aufgabe bewußt, die vor euch stehen wird und die ihr unter dem Opfer der Trennung von eurer Heimat und euren Angehörigen verwirklichen werdet.
Laßt diese hier zur besten Sportschule werden und seid überzeugt, daß mit dem Lehrkörper und den Einrichtungen dieser Schule es eines Tages von euch allen nicht nur heißen wird, daß ihr Lehrer und Spezialisten dieser oder jener Disziplin seid, sondern es wird heißen: „Sie sind Absolventen der Escuela Internacional de Deportes". Kuba steht nicht da (zeigt auf den Namen der Schule); doch wenn von der Schule für Körperkultur und Sport die Rede sein wird, dieser einzigartigen nicht zu übertreffenden Schule, dann wird jeder wissen, daß damit die Internationale Schule für Körperkultur und Sport Kubas gemeint ist. (Beifall und Zurufe).
So wie Wirtschaftswissenschaftler der Harvard University, der Universität Oxford – die an erster Stelle Experten der Ökonomie des Kapitalismus und des Imperialismus sind, wenn auch gerechterweise zugestanden werden muß, daß einige kreativ und wieder andere sehr gut sind und nicht gänzlich mit jenem Wahnsinn und jenem Chaos übereinstimmen, die das System als solches identifizieren – Berühmtheiten geworden sind, beneide ich euch um euren künftigen guten Ruf. (Beifall)
Stets war ich ein Liebhaber des Sports; ich beneide euch, nicht einer von euch zu sein. (Beifall)
Ich komme zum Schluß, denn es sind Läufe angesagt; Kurzstreckenläufe über 50 Meter und 50 Meter Hürden, 100, 200, 400 und 800 Meter; auch 1500, 3000 und 5000 Meter und auch Marathonläufe. Wenn ihr mir einen Blick auf die Stoppuhr gestattet? Also ich müßte ungefähr im 3000-Meter-Bereich liegen. (Lachen).
Mein Schlußsatz wird nicht lauten: Vaterland oder Tod! , sondern er wird lauten: Es lebe der Internationalismus! (Beifall und Viva-Rufe)
Es lebe die Menschheit! (Beifall und Viva-Rufe), denn sie ist, wie José Martí sagte, das Vaterland eines jeden Menschen.
Es lebe die Jugend! (Beifall und Viva-Rufe)
Es lebe ein gesunder und starker Sport! (Beifall und Viva-Rufe)
Samstag, 27. Januar 2001
Fidel Castro anläßlich der offenen Tribüne der Revolution in San José de las Lajas am 27. Januar 2001
Bürger von Havanna;
Landsleute aus ganz Kuba;
Die Menschheit ist in eine der kompliziertesten Perioden ihrer Geschichte eingetreten.
Das neue Jahrtausend beginnt für uns unter dem Klang eines intensiven und langen Kampfes.
Die folgenden Jahre werden nicht nur für Kuba entscheidend sein, sondern für alle Völker, die den Planeten bewohnen.
Während des Jahrhunderts, das gerade zu Ende gegangen ist, gingen viele Jahre verloren in Kriegen, Aufteilungen der Welt, Ausplünderung und Ausbeutung - sowohl kollektiver als auch individueller Art – der überwiegenden Mehrheit der Menschen, und dies, als wir noch über genügend Zeit verfügten, um viele der schwerwiegendsten Probleme, die die Welt heutzutage plagen, vorherzusehen und ihnen zu begegnen. Die enormen Fortschritte der Wissenschaft und der Technik waren bereits zugänglich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch genügend unbearbeitete Landflächen, weiträumige Waldgebiete, Gewässer und Lagerstätten von Mineralien zu deren Verwendung in vernünftiger und nachhaltiger Weise. Die Luft und die Meere waren weder mit verschmutzten Molekülen noch mit chemischen Abfällen in einem solchen unglaublichen Maße gesättigt, wie dies heute der Fall ist.
Auf eine solch blinde und chaotische Weise wurden die Politik und die Weltwirtschaft auf den Weg gebracht, daß man bis vor einigen Jahrzehnten nicht einmal solche Konzepte wie Umwelt, biologische Vielfalt, Bewahrung der Natur, Wüstenbildung, Löcher in der Ozonschicht und Klimaveränderungen kannte oder sie erwähnte. Im Rahmen eines anarchischen und chaotischen Produktionssystems - das heute zur imperialen, hegemonialen und unipolaren Beherrschung geworden ist -, wurden enorme Ressourcen verschwendet, die Natur beträchtlich geschädigt und absurde und unhaltbare Konsummodelle geschaffen, die wahrhafte unerreichbare Träume, für die überwiegende Mehrheit der Menschen, die unseren Planeten heute bewohnen und ihn auch noch morgen bewohnen sollen, darstellen.
In gerade einmal einem Jahrhundert wurden große Teile der Reserven an Kohlenwasserstoffen, zu deren Schaffung die Natur Hunderte Millionen von Jahren brauchte, verbrannt und als gasförmige Abfälle und Derivate in die Luft und in die Meere abgelassen. Die Einheitsnorm zum Erreichen von Gewinnen um jeden Preis – ohne Ethik, moralische Prinzipien oder irgendeine Voraussicht – haben bereits eine zerstörerische Spur für die heutigen und zukünftigen Generationen hinterlassen.
Wenn man darüber nachdenkt, was auf der Welt geschieht, ist es unmöglich, nicht daran zu denken, daß die vom Menschen erreichten Fortschritte in der politischen Entwicklung, der sozialen Gerechtigkeit und dem friedlichen Zusammenleben sehr weit hinter seinen außergewöhnlichen technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften zurückgeblieben sind.
Währenddessen hat die Weltbevölkerung sogar die Zahl von 6 Milliarden überschritten, von denen zwei Drittel in unerträglicher Rückständigkeit und Armut leben. Innerhalb von weiteren fünfzig Jahren bewohnen nicht weniger als 3 Milliarden weitere Menschen unseren bereits jetzt verschmutzten Planeten. Heutzutage gibt es 1,8 Milliarden Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren auf der Welt, wie viele derjenigen, die wir hier sehen und die frischen Blumen gleichen, die voll von Hoffnung und Freude sind. Etwa 5 Milliarden Menschen werden in den nächsten fünf Jahrzehnten auf die Welt kommen. Dann wird immer noch ein Großteil derjenigen leben, die heute weniger als 20 Jahre alt sind.
Gibt es eine dringendere und unmittelbarere Aufgabe als die Bewahrung eines Minimums an notwendigen Lebensbedingungen für alle diese Menschen, die Kinder, Heranwachsende, Jugendliche, Erwachsene und Senioren sein werden?
Eine erschöpfte und im Niedergang begriffene Weltordnung kann nicht die Menschheit retten und die unverzichtbaren natürlichen Bedingungen für ein anständiges und würdevolles Leben auf dem Planeten schaffen. Die reale Chancengleichheit und die wahre Gerechtigkeit für die Menschen aller Nationen, Ethnien, Kulturen und Religionen kann man an keinem Ort der Welt weiter aufschieben. Es handelt sich nicht um eine ideologische Frage; es ist bereits eine Frage von Leben und Tod für die menschliche Spezies.
Es ist offensichtlich, daß man nichts von denjenigen erwarten kann, die die Macht und die Privilegien der Hegemoniemacht in den Händen halten. Die von ihnen aufgezwungene neoliberale Globalisierung ist untragbar. Man beobachtet bereits die ersten Symptome einer Krise, die desto tiefer sein wird, wie die reale Ökonomie sich in eine spekulative Ökonomie verwandelt hat, die fast die gesamten Finanzoperationen umfaßt, die täglich auf der Welt vonstatten gehen.
Die Widersprüche werden sich zwischen den wichtigsten Zentren der wirtschaftlichen Macht verstärken, und der Kampf um die Märkte wird noch schärfer werden. Die historischen Ziele jeglichen Produktionssystems sind umgekehrt worden. Die Wirtschaft funktioniert und wächst nicht für die Schaffung von Gütern und Dienstleistungen; die Güter und Dienstleistungen werden verbraucht, damit die Wirtschaft funktioniert und wächst.
Es gibt trotzdem nicht das geringste Anzeichen, daß diejenigen, die die großen Machtmittel und weltweiten Ressourcen in den Händen halten, die Fähigkeit besitzen, die Wirklichkeit zu verstehen, und auch wenn sie sie verstehen würden, haben sie weder den Willen noch die reale Macht, um diese Realität umzuwandeln. Die transnationalen Unternehmen stellen heutzutage Institutionen mit mehr Fähigkeit, Reichtum und Macht dar als alle Regierungen zusammen. Je mehr sie Fusionen eingehen und – getrieben von den blinden und unkontrollierbaren Gesetzen des Systems, das sie hervorbrachte - die Finanzen, die Produktion und die Weltwirtschaft beherrschen, desto mehr beschleunigen sie die Krise.
Der wahrscheinlichste Gang der Geschehnisse sieht so aus, daß es innerhalb von relativ kurzer Zeit schließlich zu einer tiefen Krise kommt, die den Großteil der Nationen der Welt in den Ruin führt; die Armut und der Hunger werden sich vervielfachen; die Entwicklungsmöglichkeiten reduzieren sich für die armen Länder, die die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung darstellen.
Die bis heute von der Menschheit durchlebte Erfahrung zeigt, daß die Lösungen nicht aus der kalten Analyse, dem vernünftigen Denken oder der Vorausschau und dem elementarsten gesunden Menschenverstand hervorgehen. Es ist schmerzlich, doch die Geschichte hat bewiesen, daß nur aus den großen Krisen die großen Lösung hervorgehen können.
Die einzige mögliche Alternative besteht in einer verschiedenartigen, gerechteren und solidarischeren Weltordnung, die in der Lage ist, die natürliche Umwelt zu bewahren und das Leben auf dem Planeten zu retten. Dafür muß der Selbsterhaltungstrieb der menschlichen Spezies mehr als je zuvor mit aller Kraft spürbar werden.
Als Teil des Problems dieser Welt unternimmt unser kleines Land Anstrengungen, um ein Sandkorn zu der von uns erträumten Zukunft beizusteuern. Das Schicksal wollte es, daß die am 10. Oktober 1868 begonnene Revolution zur Befreiung unseres Vaterlandes aus Gründen der geographischen Lage und wegen sehr speziellen historischen Umständen heute einen ehrenvollen Platz in der politischen Schlacht einnimmt, die die Völker der Welt sich gezwungen sehen zu schlagen, und zwar für ihre Existenz und Identität als Nationen, für das Recht auf eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung und eine gerechte, vernünftige und solidarische Weltordnung.
42 Jahre nach ihrem Triumph und nach dem siegreichen Eintritt in das neue Jahrtausend ist die Kubanische Revolution heutzutage politisch stärker als je zuvor, und unser Volk hat den höchsten Grad von Einheit und revolutionärem Bewußtsein in seiner gesamten Geschichte erreicht.
In den Vereinigten Staaten ist gerade eine neue Regierung auf ziemlich irreguläre Weise ins Amt gekommen. Alles was man über die Vorgeschichten und das Denken der wichtigsten Mitglieder dieser Regierung weiß, sowie die öffentlichen Erklärungen vieler von ihnen – vor und nach dem ungewöhnlichen Wahlprozeß, bei dem die terroristische kubanisch-amerikanische Mafia eine entscheidende Rolle bei dem fragwürdigen Sieg des jetzigen Präsidenten spielte -, haben in der Weltöffentlichkeit fast ohne Ausnahme eine Atmosphäre des Zweifels, des Mißtrauens und der Furcht geschaffen.
Kuba könnte das Ziel der Frustration, des Ressentiments und des Hasses der extremistischsten und reaktionärsten Sektoren sein, die heutzutage in Euphorien schwelgen angesichts des Aufstiegs der neuen Regierungsmannschaft, mit der sie enge Beziehungen unterhalten, zur Macht. Trotzdem blicken unser Land und unser mutiges Volk, die ehrenvoll extremen Risiken begegnet sind und mit Heldenmut 42 Jahre Feindschaft, Aggressionen, Blockade und Wirtschaftskrieg ausgehalten haben, mit größerer Ruhe, Ernsthaftigkeit und größerem Vertrauen als je zuvor in die Zukunft. Nichts raubt uns den Schlaf.
Auch wenn wir von dieser US-Regierung keine Kursänderung erwarten, beeilen wir uns nicht, sie im voraus zu beurteilen. Wir werden nicht den ersten Stein werfen. Auf diese Weise erhalten wir die höchste Moral in unserem politischen Verhalten und bei unseren Methoden aufrecht, so wie wir es immer getan haben. Wir werden sorgfältig jeden Schritt, den die US-Regierung geht, und jedes ihrer Worte beobachten. Uns wird absolut nichts überraschend, unvorhergesehen oder unvorbereitet treffen, weder auf dem politischen, wirtschaftlichen oder irgendeinem anderen Gebiet.
Das Kuba, das in das neue Jahrtausend eintritt, ist nicht das unerfahrene, unbewaffnete und fast analphabetenhafte Kuba von 1959. Es gibt heute nicht einen einzigen Analphabeten, und auf jeden Absolventen der sechsten Klasse im Jahr 1959 kommen heute zwei Universitätsabsolventen; Millionen von Männern und Frauen haben den Umgang mit den Waffen erlernt; Hunderttausende haben an verschiedenen internationalistischen Einsätzen teilgenommen; Zehntausende von erfahrenen Kadern sind während des Kampfes ausgebildet worden; unser Volk besitzt ein hohes Niveau bei der Bildung und der allgemeinen und politischen Kultur; die gesamte Nation ist eine große Schule. Wir haben gelernt, durchzuhalten und unter den unvorstellbarsten Umständen zu siegen. Es gibt kein anderes Volk, das ausgebildeter ist, das weniger abhängig von den ökonomischen Beziehungen zu der Nation ist, die sich zu der reichsten und für die anderen Völker der Welt unverzichtbarsten Macht erhoben hat; das freier ist, um seine Wahrheiten vorzutragen und die Rechte der ausgebeuteten und armen Völker der Welt auf allen internationalen Foren und Tribünen zu verteidigen.
Kuba wird nicht zögern, die Schlacht der Ideen weiter zu schlagen, in die es sich seit 14 Monaten vertieft hat, um die Respektierung seiner Rechte und die Aufhebung der gegen das Land verhängten mörderischen und völkermörderischen Gesetze zu fordern und den heiligen Schwur einzuhalten, den das Volk gegenüber dem Vaterland geleistet hat.
Die eindrucksvolle Demonstration von mehr als einer Million Bürgern von Havanna am 19. Januar; die vier Podiumsdebatten, bei denen von Dienstag bis Freitag die subversiven Aktionen gegen unser Vaterland auf vernichtende Weise angeprangert und enthüllt wurden; die 200 000 Pioniere, Studenten, Jugendliche, Männer und Frauen, die heute hier versammelt sind, und die 200 000 Menschen, die sich morgen, am glorreichen Tag der Geburt Martís, auf dem „Calixto García"-Platz in Holguín versammeln werden, bezeugen mehr als genügend den Gemütszustand, den Kampfgeist und das Selbstvertrauen, mit denen unser Volk heute mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt unserer würdigen Geschichte bereit ist, um sich der Zukunft zu stellen und seine Pflichten gegenüber dem Vaterland und der Menschheit zu erfüllen.
Wir werden siegen!
(Kommentare nach der Ansprache)
Ich habe hier von 200 000 Menschen gesprochen. Das war die Zahl, die mehr oder weniger errechnet und veröffentlicht wurde, doch diese Menschenmenge, die ich hier sehe, reicht bis zum Horizont.
In Wirklichkeit könnte man sagen, daß hier drei oder vier Stadien wie das ‚Estadio Latinoamericano‘ hereinpassen würden. Hier sind mehr als 300 000 Personen (Beifall), sehr konservativ kalkuliert.
Wir sind daran gewöhnt, Berechnungen anzustellen, wir wissen, wie viele Personen es in einer Menschenmenge pro Quadratmeter gibt, und ich kann euch versichern, daß das, was ich von hier aus sehe – und ihr werdet es vielleicht am Nachmittag im Fernsehen sehen -, etwas wirklich Eindrucksvolles ist (Ausrufe: „Fidel, Fidel, Fidel!"). Sáez sagte es mir, doch das, was ich gesehen habe, übersteigt die Eindrücke, die er mir übermittelte. Es ist ein unanfechtbarer Beweis dieses Gemütszustandes und dieses Kampfgeistes, von denen ich vor einigen Minuten sprach.
Ich beglückwünsche an erster Stelle die Bürger von Havanna, und zwar die hier anwesenden Bürger sowohl aus der Provinz Havanna als auch der Stadt Havanna.
Ich beglückwünsche die Organisatoren, die Führungspersönlichkeiten der Kommunistischen Partei und ihres Jugendverbandes und auf besondere Weise den Genossen Sáez wegen dieses heutigen außergewöhnlichen Beweises an Organisation und revolutionärem Geist, den Millionen von Landsleuten an diesem Morgen auf der gesamten Insel verfolgen und den vielleicht einige ausländische Fernsehstationen anderen Völkern der Welt zeigen können.
Vielen Dank, Genossen.
Allen einen Glückwunsch!
Vaterland oder Tod!
Sozialismus oder Tod!
Wir werden siegen!
(Ovation)
Landsleute aus ganz Kuba;
Die Menschheit ist in eine der kompliziertesten Perioden ihrer Geschichte eingetreten.
Das neue Jahrtausend beginnt für uns unter dem Klang eines intensiven und langen Kampfes.
Die folgenden Jahre werden nicht nur für Kuba entscheidend sein, sondern für alle Völker, die den Planeten bewohnen.
Während des Jahrhunderts, das gerade zu Ende gegangen ist, gingen viele Jahre verloren in Kriegen, Aufteilungen der Welt, Ausplünderung und Ausbeutung - sowohl kollektiver als auch individueller Art – der überwiegenden Mehrheit der Menschen, und dies, als wir noch über genügend Zeit verfügten, um viele der schwerwiegendsten Probleme, die die Welt heutzutage plagen, vorherzusehen und ihnen zu begegnen. Die enormen Fortschritte der Wissenschaft und der Technik waren bereits zugänglich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch genügend unbearbeitete Landflächen, weiträumige Waldgebiete, Gewässer und Lagerstätten von Mineralien zu deren Verwendung in vernünftiger und nachhaltiger Weise. Die Luft und die Meere waren weder mit verschmutzten Molekülen noch mit chemischen Abfällen in einem solchen unglaublichen Maße gesättigt, wie dies heute der Fall ist.
Auf eine solch blinde und chaotische Weise wurden die Politik und die Weltwirtschaft auf den Weg gebracht, daß man bis vor einigen Jahrzehnten nicht einmal solche Konzepte wie Umwelt, biologische Vielfalt, Bewahrung der Natur, Wüstenbildung, Löcher in der Ozonschicht und Klimaveränderungen kannte oder sie erwähnte. Im Rahmen eines anarchischen und chaotischen Produktionssystems - das heute zur imperialen, hegemonialen und unipolaren Beherrschung geworden ist -, wurden enorme Ressourcen verschwendet, die Natur beträchtlich geschädigt und absurde und unhaltbare Konsummodelle geschaffen, die wahrhafte unerreichbare Träume, für die überwiegende Mehrheit der Menschen, die unseren Planeten heute bewohnen und ihn auch noch morgen bewohnen sollen, darstellen.
In gerade einmal einem Jahrhundert wurden große Teile der Reserven an Kohlenwasserstoffen, zu deren Schaffung die Natur Hunderte Millionen von Jahren brauchte, verbrannt und als gasförmige Abfälle und Derivate in die Luft und in die Meere abgelassen. Die Einheitsnorm zum Erreichen von Gewinnen um jeden Preis – ohne Ethik, moralische Prinzipien oder irgendeine Voraussicht – haben bereits eine zerstörerische Spur für die heutigen und zukünftigen Generationen hinterlassen.
Wenn man darüber nachdenkt, was auf der Welt geschieht, ist es unmöglich, nicht daran zu denken, daß die vom Menschen erreichten Fortschritte in der politischen Entwicklung, der sozialen Gerechtigkeit und dem friedlichen Zusammenleben sehr weit hinter seinen außergewöhnlichen technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften zurückgeblieben sind.
Währenddessen hat die Weltbevölkerung sogar die Zahl von 6 Milliarden überschritten, von denen zwei Drittel in unerträglicher Rückständigkeit und Armut leben. Innerhalb von weiteren fünfzig Jahren bewohnen nicht weniger als 3 Milliarden weitere Menschen unseren bereits jetzt verschmutzten Planeten. Heutzutage gibt es 1,8 Milliarden Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren auf der Welt, wie viele derjenigen, die wir hier sehen und die frischen Blumen gleichen, die voll von Hoffnung und Freude sind. Etwa 5 Milliarden Menschen werden in den nächsten fünf Jahrzehnten auf die Welt kommen. Dann wird immer noch ein Großteil derjenigen leben, die heute weniger als 20 Jahre alt sind.
Gibt es eine dringendere und unmittelbarere Aufgabe als die Bewahrung eines Minimums an notwendigen Lebensbedingungen für alle diese Menschen, die Kinder, Heranwachsende, Jugendliche, Erwachsene und Senioren sein werden?
Eine erschöpfte und im Niedergang begriffene Weltordnung kann nicht die Menschheit retten und die unverzichtbaren natürlichen Bedingungen für ein anständiges und würdevolles Leben auf dem Planeten schaffen. Die reale Chancengleichheit und die wahre Gerechtigkeit für die Menschen aller Nationen, Ethnien, Kulturen und Religionen kann man an keinem Ort der Welt weiter aufschieben. Es handelt sich nicht um eine ideologische Frage; es ist bereits eine Frage von Leben und Tod für die menschliche Spezies.
Es ist offensichtlich, daß man nichts von denjenigen erwarten kann, die die Macht und die Privilegien der Hegemoniemacht in den Händen halten. Die von ihnen aufgezwungene neoliberale Globalisierung ist untragbar. Man beobachtet bereits die ersten Symptome einer Krise, die desto tiefer sein wird, wie die reale Ökonomie sich in eine spekulative Ökonomie verwandelt hat, die fast die gesamten Finanzoperationen umfaßt, die täglich auf der Welt vonstatten gehen.
Die Widersprüche werden sich zwischen den wichtigsten Zentren der wirtschaftlichen Macht verstärken, und der Kampf um die Märkte wird noch schärfer werden. Die historischen Ziele jeglichen Produktionssystems sind umgekehrt worden. Die Wirtschaft funktioniert und wächst nicht für die Schaffung von Gütern und Dienstleistungen; die Güter und Dienstleistungen werden verbraucht, damit die Wirtschaft funktioniert und wächst.
Es gibt trotzdem nicht das geringste Anzeichen, daß diejenigen, die die großen Machtmittel und weltweiten Ressourcen in den Händen halten, die Fähigkeit besitzen, die Wirklichkeit zu verstehen, und auch wenn sie sie verstehen würden, haben sie weder den Willen noch die reale Macht, um diese Realität umzuwandeln. Die transnationalen Unternehmen stellen heutzutage Institutionen mit mehr Fähigkeit, Reichtum und Macht dar als alle Regierungen zusammen. Je mehr sie Fusionen eingehen und – getrieben von den blinden und unkontrollierbaren Gesetzen des Systems, das sie hervorbrachte - die Finanzen, die Produktion und die Weltwirtschaft beherrschen, desto mehr beschleunigen sie die Krise.
Der wahrscheinlichste Gang der Geschehnisse sieht so aus, daß es innerhalb von relativ kurzer Zeit schließlich zu einer tiefen Krise kommt, die den Großteil der Nationen der Welt in den Ruin führt; die Armut und der Hunger werden sich vervielfachen; die Entwicklungsmöglichkeiten reduzieren sich für die armen Länder, die die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung darstellen.
Die bis heute von der Menschheit durchlebte Erfahrung zeigt, daß die Lösungen nicht aus der kalten Analyse, dem vernünftigen Denken oder der Vorausschau und dem elementarsten gesunden Menschenverstand hervorgehen. Es ist schmerzlich, doch die Geschichte hat bewiesen, daß nur aus den großen Krisen die großen Lösung hervorgehen können.
Die einzige mögliche Alternative besteht in einer verschiedenartigen, gerechteren und solidarischeren Weltordnung, die in der Lage ist, die natürliche Umwelt zu bewahren und das Leben auf dem Planeten zu retten. Dafür muß der Selbsterhaltungstrieb der menschlichen Spezies mehr als je zuvor mit aller Kraft spürbar werden.
Als Teil des Problems dieser Welt unternimmt unser kleines Land Anstrengungen, um ein Sandkorn zu der von uns erträumten Zukunft beizusteuern. Das Schicksal wollte es, daß die am 10. Oktober 1868 begonnene Revolution zur Befreiung unseres Vaterlandes aus Gründen der geographischen Lage und wegen sehr speziellen historischen Umständen heute einen ehrenvollen Platz in der politischen Schlacht einnimmt, die die Völker der Welt sich gezwungen sehen zu schlagen, und zwar für ihre Existenz und Identität als Nationen, für das Recht auf eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung und eine gerechte, vernünftige und solidarische Weltordnung.
42 Jahre nach ihrem Triumph und nach dem siegreichen Eintritt in das neue Jahrtausend ist die Kubanische Revolution heutzutage politisch stärker als je zuvor, und unser Volk hat den höchsten Grad von Einheit und revolutionärem Bewußtsein in seiner gesamten Geschichte erreicht.
In den Vereinigten Staaten ist gerade eine neue Regierung auf ziemlich irreguläre Weise ins Amt gekommen. Alles was man über die Vorgeschichten und das Denken der wichtigsten Mitglieder dieser Regierung weiß, sowie die öffentlichen Erklärungen vieler von ihnen – vor und nach dem ungewöhnlichen Wahlprozeß, bei dem die terroristische kubanisch-amerikanische Mafia eine entscheidende Rolle bei dem fragwürdigen Sieg des jetzigen Präsidenten spielte -, haben in der Weltöffentlichkeit fast ohne Ausnahme eine Atmosphäre des Zweifels, des Mißtrauens und der Furcht geschaffen.
Kuba könnte das Ziel der Frustration, des Ressentiments und des Hasses der extremistischsten und reaktionärsten Sektoren sein, die heutzutage in Euphorien schwelgen angesichts des Aufstiegs der neuen Regierungsmannschaft, mit der sie enge Beziehungen unterhalten, zur Macht. Trotzdem blicken unser Land und unser mutiges Volk, die ehrenvoll extremen Risiken begegnet sind und mit Heldenmut 42 Jahre Feindschaft, Aggressionen, Blockade und Wirtschaftskrieg ausgehalten haben, mit größerer Ruhe, Ernsthaftigkeit und größerem Vertrauen als je zuvor in die Zukunft. Nichts raubt uns den Schlaf.
Auch wenn wir von dieser US-Regierung keine Kursänderung erwarten, beeilen wir uns nicht, sie im voraus zu beurteilen. Wir werden nicht den ersten Stein werfen. Auf diese Weise erhalten wir die höchste Moral in unserem politischen Verhalten und bei unseren Methoden aufrecht, so wie wir es immer getan haben. Wir werden sorgfältig jeden Schritt, den die US-Regierung geht, und jedes ihrer Worte beobachten. Uns wird absolut nichts überraschend, unvorhergesehen oder unvorbereitet treffen, weder auf dem politischen, wirtschaftlichen oder irgendeinem anderen Gebiet.
Das Kuba, das in das neue Jahrtausend eintritt, ist nicht das unerfahrene, unbewaffnete und fast analphabetenhafte Kuba von 1959. Es gibt heute nicht einen einzigen Analphabeten, und auf jeden Absolventen der sechsten Klasse im Jahr 1959 kommen heute zwei Universitätsabsolventen; Millionen von Männern und Frauen haben den Umgang mit den Waffen erlernt; Hunderttausende haben an verschiedenen internationalistischen Einsätzen teilgenommen; Zehntausende von erfahrenen Kadern sind während des Kampfes ausgebildet worden; unser Volk besitzt ein hohes Niveau bei der Bildung und der allgemeinen und politischen Kultur; die gesamte Nation ist eine große Schule. Wir haben gelernt, durchzuhalten und unter den unvorstellbarsten Umständen zu siegen. Es gibt kein anderes Volk, das ausgebildeter ist, das weniger abhängig von den ökonomischen Beziehungen zu der Nation ist, die sich zu der reichsten und für die anderen Völker der Welt unverzichtbarsten Macht erhoben hat; das freier ist, um seine Wahrheiten vorzutragen und die Rechte der ausgebeuteten und armen Völker der Welt auf allen internationalen Foren und Tribünen zu verteidigen.
Kuba wird nicht zögern, die Schlacht der Ideen weiter zu schlagen, in die es sich seit 14 Monaten vertieft hat, um die Respektierung seiner Rechte und die Aufhebung der gegen das Land verhängten mörderischen und völkermörderischen Gesetze zu fordern und den heiligen Schwur einzuhalten, den das Volk gegenüber dem Vaterland geleistet hat.
Die eindrucksvolle Demonstration von mehr als einer Million Bürgern von Havanna am 19. Januar; die vier Podiumsdebatten, bei denen von Dienstag bis Freitag die subversiven Aktionen gegen unser Vaterland auf vernichtende Weise angeprangert und enthüllt wurden; die 200 000 Pioniere, Studenten, Jugendliche, Männer und Frauen, die heute hier versammelt sind, und die 200 000 Menschen, die sich morgen, am glorreichen Tag der Geburt Martís, auf dem „Calixto García"-Platz in Holguín versammeln werden, bezeugen mehr als genügend den Gemütszustand, den Kampfgeist und das Selbstvertrauen, mit denen unser Volk heute mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt unserer würdigen Geschichte bereit ist, um sich der Zukunft zu stellen und seine Pflichten gegenüber dem Vaterland und der Menschheit zu erfüllen.
Wir werden siegen!
(Kommentare nach der Ansprache)
Ich habe hier von 200 000 Menschen gesprochen. Das war die Zahl, die mehr oder weniger errechnet und veröffentlicht wurde, doch diese Menschenmenge, die ich hier sehe, reicht bis zum Horizont.
In Wirklichkeit könnte man sagen, daß hier drei oder vier Stadien wie das ‚Estadio Latinoamericano‘ hereinpassen würden. Hier sind mehr als 300 000 Personen (Beifall), sehr konservativ kalkuliert.
Wir sind daran gewöhnt, Berechnungen anzustellen, wir wissen, wie viele Personen es in einer Menschenmenge pro Quadratmeter gibt, und ich kann euch versichern, daß das, was ich von hier aus sehe – und ihr werdet es vielleicht am Nachmittag im Fernsehen sehen -, etwas wirklich Eindrucksvolles ist (Ausrufe: „Fidel, Fidel, Fidel!"). Sáez sagte es mir, doch das, was ich gesehen habe, übersteigt die Eindrücke, die er mir übermittelte. Es ist ein unanfechtbarer Beweis dieses Gemütszustandes und dieses Kampfgeistes, von denen ich vor einigen Minuten sprach.
Ich beglückwünsche an erster Stelle die Bürger von Havanna, und zwar die hier anwesenden Bürger sowohl aus der Provinz Havanna als auch der Stadt Havanna.
Ich beglückwünsche die Organisatoren, die Führungspersönlichkeiten der Kommunistischen Partei und ihres Jugendverbandes und auf besondere Weise den Genossen Sáez wegen dieses heutigen außergewöhnlichen Beweises an Organisation und revolutionärem Geist, den Millionen von Landsleuten an diesem Morgen auf der gesamten Insel verfolgen und den vielleicht einige ausländische Fernsehstationen anderen Völkern der Welt zeigen können.
Vielen Dank, Genossen.
Allen einen Glückwunsch!
Vaterland oder Tod!
Sozialismus oder Tod!
Wir werden siegen!
(Ovation)
Samstag, 25. November 2000
Fidel Castro auf der Offenen Tribüne der Revolution auf dem Platz Plaza Batalla von Guisa
Ansprache des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Präsident des Staatsrates und des Ministerrates der Republik Kuba, auf der Offenen Tribüne der Revolution auf dem Platz Plaza Batalla von Guisa, Granma, am 25. November 2000
Mitbürger aus Guisa, aus Granma und aus ganz Kuba:
Nicht einmal wir selbst bemerkten das Ausmaß der Kühnheit, mit der wir uns in diese Schlacht verwickelt sahen, die hier zwischen dem 20. und 30. November vor bereits zweiundvierzig Jahren geschlagen wurde. Nur 13 Kilometer Asphaltstraße trennten uns von Bayamo, daß damals der Hauptstützpunkt für die Operationen der feindlichen Armee war. Einhundertachtzig neu angeworbene Kämpfer, fast alles Jugendliche, die gerade erst aus unserer Rekrutenschule kamen, forderten 5 000 Männer der feindlichen Elitetruppen heraus.
Während jener unvergeßlichen Tage griff die Luftwaffe unaufhörlich vom Morgengrauen bis in die Nacht an. Unsere Truppen, die in kleine Einheiten aufgeteilt waren, besetzten ihre Positionen in einem breiten Raum, die meisten davon in der Hauptrichtung Bayamo-Guisa. Eine nach der anderen fielen die Nachschubkräfte, die versuchten, die in der kleinen Stadt eingekreiste Kompanie zu befreien, in Hinterhalte. Die Nachschubkräfte blieben gleichzeitig isoliert und wurden von der Nachhut angegriffen, und in bestimmten Augenblicken liefen unsere Positionen Gefahr, durch eine unwiderstehliche Bewegung der feindlichen Truppen, die sich in der überwiegenden Mehrzahl befanden, umzingelt zu werden. Ein komplettes Bataillon, das bei einem zweiten Versuch zur Unterstützung der Garnison in Guisa mit 14 Lastwagen und zwei leichten Panzern zur Vorhut aufrückte, wurde vollständig eingeschlossen. Einer mächtigen Kolonne, die vom Obersten Befehlsstab mit starker Luftunterstützung und schweren Panzern geschickt worden war, gelang es, das eingeschlossene Bataillon nach mehr als dreißig Stunden pausenlosen Kampfes mit zahlreichen Verlusten zu befreien. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Anzahl unserer Kämpfer bereits etwa 250 Mann, die die erbeuteten Waffen hinzu bekommen hatten. In unserem Besitz verblieben 14 Lastwagen, einer der zwei Panzer und mehr als 30 000 Gewehrkugeln, zu einem Zeitpunkt, als unser Waffenbestand, der gewöhnlich nur in geringen Mengen genutzt wurde, schon in gefährlicher Weise auszudünnen begann.
Diese Anhöhe wurde entscheidend, um das Eindringen der feindlichen Nachschubkräfte zu verhindern. Sie wurde von nicht mehr als dreißig Männern verteidigt und unaufhörlich bombardiert. Dreimal gaben sie ihre Verteidiger auf und einige weitere Male war es nötig, sie erneut zu besetzen, und beim letzten Mal wurde sie mit zwei Frauengeschwadern verstärkt, die weder zurückwichen noch ihre Positionen aufgaben, auch dann nicht, als ein direkter Schuß aus der Kanone eines schweren Panzers ihren mutigen Chef, tötete, den Hauptmann Braulio Coroneaux, der mit dem einzigen Maschinengewehr vom Kaliber 50, über das wir in diesem harten Kampf verfügten, zuverlässig und unschlagbar war.
Am 30. November wurde während des ganzen Tages intensiv gekämpft. Der Feind, der fast alle seine Kräfte zusammengezogen hatte und in einem letzten Versuch, uns von unseren Positionen zu vertreiben, aus allen möglichen Richtungen angriff, zog sich im Abendgrauen vollständig geschlagen nach Bayamo zurück und in dieser selben Nacht wurde Guisa von unseren Truppen eingenommen.
Die Schlacht von Guisa war eines der Geschehnisse, die bewiesen, daß nichts unmöglich war für eine kleine Armee, die mit nur sieben Waffen nach dem äußerst schweren Rückschlag, mit der sie drei Tage nach der Landung der „Granma" für ihre anfängliche Unerfahrenheit bezahlte, wieder aufstand.
Jene Heldentat, der wir heute gedenken, war das Werk von Arbeiter- und Bauernsöhnen und –töchtern, die in ihrer Mehrheit nicht einmal lesen und schreiben konnten. Bei ihrer harten Ausbildung hatten sie keine einzige wirkliche Kugel abgefeuert; ihre gesamten Kenntnisse beim Gebrauch der Zielvorrichtungen ihrer Waffen waren theoretisch und geometrisch. Niemals werde ich aufhören, Stolz, Dankbarkeit und Bewunderung für sie zu fühlen, viele von ihnen befinden sich nicht mehr unter uns! Die Jugendlichen, die sich in unsere Reihen eingliederten, lernten das Kämpfen während des Kampfes und das Siegen während des Siegens.
Heutzutage ist der Kampf unterschiedlich, aber nicht weniger episch; heute besteht unsere unbesiegbare Armee aus Millionen von Männern und Frauen, die über eine hohe politische Kultur verfügen und seit langem lesen und schreiben können. Unser Waffenarsenal in der Schlacht der Ideen, in die wir verwickelt sind, ist unerschöpflich. Wir lernen Geschichte, während wir Geschichte machen; wir kräftigen unsere revolutionären und gerechten Ideen, indem wir die Ideen der Gegner vernichten, und wir festigen unsere Wahrheit, indem wir ihre Lügen zerstören.
Das Ausmaß und den Charakter unseres momentanen Kampfes konnte unser Volk anläßlich des 10. Iberoamerikanischen Gipfeltreffens wahrnehmen. Männer, die verantwortlich waren für abscheuliche Verbrechen und alle von der CIA ausgebildet und über mehr als vierzig Jahre hinweg von den US-Regierungen für die Aktionen gegen Kuba direkt oder indirekt benutzt wurden, bereiteten in Panama ein terroristisches Attentat vor, das einige Delegationsleiter das Leben hätte kosten können und das in seiner grausamsten Variante Hunderte von Universitätsstudenten von den mehr als tausend hätte umbringen können, die sich mit der kubanischen Delegation in der Aula der Universität von Panama trafen. Das scheint der Ort gewesen sein, den sie auswählten, um ihr Massaker durchzuführen.
Man weiß heute ganz genau, daß die Terroristen eine Studie des Gebäudes unternommen hatten, in dem die enthusiastischen und kämpferischen Studenten am Samstag, dem 18. November, in den Abendstunden ein brüderliches Treffen mit uns organisiert hatten. Das war etwas, das wir fast ohne Ausnahme immer machten bei unseren Reisen nach Lateinamerika aus Anlaß der Teilnahme an Treffen der Staats- und Regierungschefs. Die Anzahl und die Sprengkraft der Bomben, die die Terroristen in Panama einschleusten, hätten genügt, um das ganze Gebäude zu zerstören. Diese Sprengkörper wurden zusammen mit den weiteren notwendigen Gebrauchselementen von einigen Komplizen sofort an einem entlegenen Ort auf dem Land versteckt, als die Anführer der Terroristen in dem bequemen Aparthotel, in dem sie wohnten, verhaftet wurden. Es wird keine Möglichkeit geben zu verhindern, daß alle Einzelheiten bekannt werden.
Das Personal des panamaischen Staatssicherheitsdienstes, seine Chefs, Offiziere und weitere Mitarbeiter der ihm zugehörigen Institutionen handelten zu jedem Zeitpunkt mit Mut und Effizienz. Der Plan wurde von ihnen weniger als zwei Stunden nach der angemessenen Anklage und der von unserem Land gelieferten präzisen Information aufgedeckt. Einmal mehr wurde die Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit von Kubas Wort unter Beweis gestellt.
Das Ereignis führte beim Gipfeltreffen zu einem harten Wortwechsel, als ein lückenhafter und ausschließender Resolutionsentwurf gegen den Terrorismus vorgelegt wurde, und zwar von dem Präsidenten desjenigen Landes, das die Basis der Vereinigten Staaten für die Konterrevolution in Mittelamerika und der Zufluchtsort des schlimmsten in der Hemisphäre bekannten Terroristen war, der von El Salvador aus unter Verwendung von Söldnern unzählige Verbrechen gegen Kuba und andere Länder der Region organisierte und durchführte. Nachdem er durch die kubanische Anklage in fragranti ertappt und überrascht wurde, reagierte der salvadorianische Präsident mit ungehemmter Hysterie, wobei er behauptete, daß ich ihn als Komplizen der Verschwörung zu meiner Ermordung beschuldigt hätte.
Ich beschuldigte ihn nicht, Komplize des makabren Plans zu sein, sondern ich sagte schlicht und einfach, daß der Anführer der Terroristen in El Salvador wohnte und von dort aus konspirierte und operierte, was die salvadorianische Regierung wußte, tolerierte und verschleierte. Dessen beschuldigte ich ihn sehr wohl, und er kann das nicht leugnen, nicht nur deswegen, weil einige Mitglieder der Regierung des vorherigen Präsidenten Armando Calderón Sol und andere Komplizen und Mitarbeiter von Posada Carriles weiter in seiner Regierung geblieben waren - deren Namen dem Präsidenten Calderón Sol von Seiten Kubas mitgeteilt wurden, worüber er seinen Nachfolger informierte -, sondern auch, weil ich Herrn Flores, dem jetzigen Präsidenten, nach seiner Amtseinführung über einen Sondergesandten die entsprechenden Informationen über das Leben und das Werk, die Aktivitäten und die finsteren Pläne des Terroristen Luis Posada Carriles zukommen ließ. Die besagte Information wurde ihm am 5. Oktober 1999 um 16.00 Uhr übergeben. Er unternahm absolut nichts; vielleicht konnte er aufgrund des Mangels an Autorität und Mut nichts tun. Er log schamlos, als er sich beim Gipfeltreffen die Hände in Unschuld wusch, so als ob er das Opfer einer grausamen Verleumdung sei.
Logischerweise wurde sein scheinheiliger Vortrag über den Terrorismus vorher mit der Regierung Spaniens abgesprochen, einer aufstrebenden europäischen Wirtschaftsmacht in Lateinamerika, die gelegentlich nützlich ist beim Kampf gegen die Gefräßigkeit des Nordens, deren politische Leitung aber eine offensichtliche Neigung zur Präpotenz an den Tag legt. Und diese spanische Regierung wurde sofort unterstützt vom Präsidenten eines gegenüber früher unterschiedlichen Mexikos, das heutzutage von den Interessen, Prinzipien und Verpflichtungen geleitet wird, die vom Freihandelsvertrag mit seinem Nachbarn im Norden aufgezwungen werden. Aufgrund der neoliberalen Affinität oder wegen dem trügerischen Charakter des Themas erhielt der Vorschlag die Unterstützung der anderen Nationen. Fast alle, die dort versammelt waren, hegen – wie man weiß – politische, wirtschaftliche und soziale Ideen, die sich sehr von dem revolutionären und ethischen Denken unseres heldenhaften Volkes unterscheiden. Es gab nicht das geringste Zögern bei der Beibehaltung unserer Position, auch wenn wir bereits vorher wußten, was sie tun würden.
Der auf Einheit bedachte, bolivarianische und ernsthaft revolutionäre Präsident Chávez sah sich in einem bitteren und peinlichen Dilemma gefangen. Seine Majestät, der König Spaniens, ein nobler und Kuba gegenüber immer freundlich eingestellter Mann, war eher konsterniert.
Letztendlich waren alle an diesem Mittag sicherer, weil der furchterregende Terrorist, der alle mit seinen Plänen in Gefahr gebracht hatte, in seine eigene Falle gestürzt war, und zwar dank der Anklage Kubas, das hingegen in einem diskriminierenden und opportunistischen antiterroristischen Resolutionsentwurf von Schutz und Unterstützung ausgeschlossen wurde.
Der wütende und unerfahrene Verursacher des Vorfalls schlug - Friedensfahnen hissend - vor, die Angelegenheit auf bilateraler Ebene zu diskutieren, obwohl die Frage nichts Bilaterales hat. Da - gemäß einem bekannten Refrain - Höflichkeit nichts mit Mut zu tun hat, antworteten wir ihm, daß wir bereit seien, auf dieser Ebene zu diskutieren. Wir werden sehen, auf welche Weise und wofür ein solches Treffen dient.
Wir haben jetzt genügend Arbeit, die unsere Zeit in Anspruch nimmt, unter anderem um zu verhindern, daß ihr „illustrer Gast" und terroristischer Anführer und dessen Spießgesellen mit Hilfe ihrer Freunde aus dem Norden der Justiz entgehen können.
Niemand weiß, was unser immer vereinteres, gebildeteres und stärkeres Volk fähig ist zu erreichen. Wir werden in unserem heldenhaften und würdigen Kampf nicht ruhen. Wir werden alle Ziele erfüllen, die wir in Baraguá schworen. Wir werden die epische Schlacht der Ideen gewinnen. Wie in Guisa werden wir oftmals beweisen, daß nichts unmöglich ist.
Ewiger Ruhm denjenigen, die – als sie fast noch Jugendliche waren – für die Revolution an diesem heiligen Ort des Vaterlandes fielen! (Ausrufe: „Ruhm!)
Wir werden ihrem Gedenken bis zum letzten Atemzug treu bleiben!
Vaterland oder Tod!
Wir werden siegen!
Mitbürger aus Guisa, aus Granma und aus ganz Kuba:
Nicht einmal wir selbst bemerkten das Ausmaß der Kühnheit, mit der wir uns in diese Schlacht verwickelt sahen, die hier zwischen dem 20. und 30. November vor bereits zweiundvierzig Jahren geschlagen wurde. Nur 13 Kilometer Asphaltstraße trennten uns von Bayamo, daß damals der Hauptstützpunkt für die Operationen der feindlichen Armee war. Einhundertachtzig neu angeworbene Kämpfer, fast alles Jugendliche, die gerade erst aus unserer Rekrutenschule kamen, forderten 5 000 Männer der feindlichen Elitetruppen heraus.
Während jener unvergeßlichen Tage griff die Luftwaffe unaufhörlich vom Morgengrauen bis in die Nacht an. Unsere Truppen, die in kleine Einheiten aufgeteilt waren, besetzten ihre Positionen in einem breiten Raum, die meisten davon in der Hauptrichtung Bayamo-Guisa. Eine nach der anderen fielen die Nachschubkräfte, die versuchten, die in der kleinen Stadt eingekreiste Kompanie zu befreien, in Hinterhalte. Die Nachschubkräfte blieben gleichzeitig isoliert und wurden von der Nachhut angegriffen, und in bestimmten Augenblicken liefen unsere Positionen Gefahr, durch eine unwiderstehliche Bewegung der feindlichen Truppen, die sich in der überwiegenden Mehrzahl befanden, umzingelt zu werden. Ein komplettes Bataillon, das bei einem zweiten Versuch zur Unterstützung der Garnison in Guisa mit 14 Lastwagen und zwei leichten Panzern zur Vorhut aufrückte, wurde vollständig eingeschlossen. Einer mächtigen Kolonne, die vom Obersten Befehlsstab mit starker Luftunterstützung und schweren Panzern geschickt worden war, gelang es, das eingeschlossene Bataillon nach mehr als dreißig Stunden pausenlosen Kampfes mit zahlreichen Verlusten zu befreien. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Anzahl unserer Kämpfer bereits etwa 250 Mann, die die erbeuteten Waffen hinzu bekommen hatten. In unserem Besitz verblieben 14 Lastwagen, einer der zwei Panzer und mehr als 30 000 Gewehrkugeln, zu einem Zeitpunkt, als unser Waffenbestand, der gewöhnlich nur in geringen Mengen genutzt wurde, schon in gefährlicher Weise auszudünnen begann.
Diese Anhöhe wurde entscheidend, um das Eindringen der feindlichen Nachschubkräfte zu verhindern. Sie wurde von nicht mehr als dreißig Männern verteidigt und unaufhörlich bombardiert. Dreimal gaben sie ihre Verteidiger auf und einige weitere Male war es nötig, sie erneut zu besetzen, und beim letzten Mal wurde sie mit zwei Frauengeschwadern verstärkt, die weder zurückwichen noch ihre Positionen aufgaben, auch dann nicht, als ein direkter Schuß aus der Kanone eines schweren Panzers ihren mutigen Chef, tötete, den Hauptmann Braulio Coroneaux, der mit dem einzigen Maschinengewehr vom Kaliber 50, über das wir in diesem harten Kampf verfügten, zuverlässig und unschlagbar war.
Am 30. November wurde während des ganzen Tages intensiv gekämpft. Der Feind, der fast alle seine Kräfte zusammengezogen hatte und in einem letzten Versuch, uns von unseren Positionen zu vertreiben, aus allen möglichen Richtungen angriff, zog sich im Abendgrauen vollständig geschlagen nach Bayamo zurück und in dieser selben Nacht wurde Guisa von unseren Truppen eingenommen.
Die Schlacht von Guisa war eines der Geschehnisse, die bewiesen, daß nichts unmöglich war für eine kleine Armee, die mit nur sieben Waffen nach dem äußerst schweren Rückschlag, mit der sie drei Tage nach der Landung der „Granma" für ihre anfängliche Unerfahrenheit bezahlte, wieder aufstand.
Jene Heldentat, der wir heute gedenken, war das Werk von Arbeiter- und Bauernsöhnen und –töchtern, die in ihrer Mehrheit nicht einmal lesen und schreiben konnten. Bei ihrer harten Ausbildung hatten sie keine einzige wirkliche Kugel abgefeuert; ihre gesamten Kenntnisse beim Gebrauch der Zielvorrichtungen ihrer Waffen waren theoretisch und geometrisch. Niemals werde ich aufhören, Stolz, Dankbarkeit und Bewunderung für sie zu fühlen, viele von ihnen befinden sich nicht mehr unter uns! Die Jugendlichen, die sich in unsere Reihen eingliederten, lernten das Kämpfen während des Kampfes und das Siegen während des Siegens.
Heutzutage ist der Kampf unterschiedlich, aber nicht weniger episch; heute besteht unsere unbesiegbare Armee aus Millionen von Männern und Frauen, die über eine hohe politische Kultur verfügen und seit langem lesen und schreiben können. Unser Waffenarsenal in der Schlacht der Ideen, in die wir verwickelt sind, ist unerschöpflich. Wir lernen Geschichte, während wir Geschichte machen; wir kräftigen unsere revolutionären und gerechten Ideen, indem wir die Ideen der Gegner vernichten, und wir festigen unsere Wahrheit, indem wir ihre Lügen zerstören.
Das Ausmaß und den Charakter unseres momentanen Kampfes konnte unser Volk anläßlich des 10. Iberoamerikanischen Gipfeltreffens wahrnehmen. Männer, die verantwortlich waren für abscheuliche Verbrechen und alle von der CIA ausgebildet und über mehr als vierzig Jahre hinweg von den US-Regierungen für die Aktionen gegen Kuba direkt oder indirekt benutzt wurden, bereiteten in Panama ein terroristisches Attentat vor, das einige Delegationsleiter das Leben hätte kosten können und das in seiner grausamsten Variante Hunderte von Universitätsstudenten von den mehr als tausend hätte umbringen können, die sich mit der kubanischen Delegation in der Aula der Universität von Panama trafen. Das scheint der Ort gewesen sein, den sie auswählten, um ihr Massaker durchzuführen.
Man weiß heute ganz genau, daß die Terroristen eine Studie des Gebäudes unternommen hatten, in dem die enthusiastischen und kämpferischen Studenten am Samstag, dem 18. November, in den Abendstunden ein brüderliches Treffen mit uns organisiert hatten. Das war etwas, das wir fast ohne Ausnahme immer machten bei unseren Reisen nach Lateinamerika aus Anlaß der Teilnahme an Treffen der Staats- und Regierungschefs. Die Anzahl und die Sprengkraft der Bomben, die die Terroristen in Panama einschleusten, hätten genügt, um das ganze Gebäude zu zerstören. Diese Sprengkörper wurden zusammen mit den weiteren notwendigen Gebrauchselementen von einigen Komplizen sofort an einem entlegenen Ort auf dem Land versteckt, als die Anführer der Terroristen in dem bequemen Aparthotel, in dem sie wohnten, verhaftet wurden. Es wird keine Möglichkeit geben zu verhindern, daß alle Einzelheiten bekannt werden.
Das Personal des panamaischen Staatssicherheitsdienstes, seine Chefs, Offiziere und weitere Mitarbeiter der ihm zugehörigen Institutionen handelten zu jedem Zeitpunkt mit Mut und Effizienz. Der Plan wurde von ihnen weniger als zwei Stunden nach der angemessenen Anklage und der von unserem Land gelieferten präzisen Information aufgedeckt. Einmal mehr wurde die Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit von Kubas Wort unter Beweis gestellt.
Das Ereignis führte beim Gipfeltreffen zu einem harten Wortwechsel, als ein lückenhafter und ausschließender Resolutionsentwurf gegen den Terrorismus vorgelegt wurde, und zwar von dem Präsidenten desjenigen Landes, das die Basis der Vereinigten Staaten für die Konterrevolution in Mittelamerika und der Zufluchtsort des schlimmsten in der Hemisphäre bekannten Terroristen war, der von El Salvador aus unter Verwendung von Söldnern unzählige Verbrechen gegen Kuba und andere Länder der Region organisierte und durchführte. Nachdem er durch die kubanische Anklage in fragranti ertappt und überrascht wurde, reagierte der salvadorianische Präsident mit ungehemmter Hysterie, wobei er behauptete, daß ich ihn als Komplizen der Verschwörung zu meiner Ermordung beschuldigt hätte.
Ich beschuldigte ihn nicht, Komplize des makabren Plans zu sein, sondern ich sagte schlicht und einfach, daß der Anführer der Terroristen in El Salvador wohnte und von dort aus konspirierte und operierte, was die salvadorianische Regierung wußte, tolerierte und verschleierte. Dessen beschuldigte ich ihn sehr wohl, und er kann das nicht leugnen, nicht nur deswegen, weil einige Mitglieder der Regierung des vorherigen Präsidenten Armando Calderón Sol und andere Komplizen und Mitarbeiter von Posada Carriles weiter in seiner Regierung geblieben waren - deren Namen dem Präsidenten Calderón Sol von Seiten Kubas mitgeteilt wurden, worüber er seinen Nachfolger informierte -, sondern auch, weil ich Herrn Flores, dem jetzigen Präsidenten, nach seiner Amtseinführung über einen Sondergesandten die entsprechenden Informationen über das Leben und das Werk, die Aktivitäten und die finsteren Pläne des Terroristen Luis Posada Carriles zukommen ließ. Die besagte Information wurde ihm am 5. Oktober 1999 um 16.00 Uhr übergeben. Er unternahm absolut nichts; vielleicht konnte er aufgrund des Mangels an Autorität und Mut nichts tun. Er log schamlos, als er sich beim Gipfeltreffen die Hände in Unschuld wusch, so als ob er das Opfer einer grausamen Verleumdung sei.
Logischerweise wurde sein scheinheiliger Vortrag über den Terrorismus vorher mit der Regierung Spaniens abgesprochen, einer aufstrebenden europäischen Wirtschaftsmacht in Lateinamerika, die gelegentlich nützlich ist beim Kampf gegen die Gefräßigkeit des Nordens, deren politische Leitung aber eine offensichtliche Neigung zur Präpotenz an den Tag legt. Und diese spanische Regierung wurde sofort unterstützt vom Präsidenten eines gegenüber früher unterschiedlichen Mexikos, das heutzutage von den Interessen, Prinzipien und Verpflichtungen geleitet wird, die vom Freihandelsvertrag mit seinem Nachbarn im Norden aufgezwungen werden. Aufgrund der neoliberalen Affinität oder wegen dem trügerischen Charakter des Themas erhielt der Vorschlag die Unterstützung der anderen Nationen. Fast alle, die dort versammelt waren, hegen – wie man weiß – politische, wirtschaftliche und soziale Ideen, die sich sehr von dem revolutionären und ethischen Denken unseres heldenhaften Volkes unterscheiden. Es gab nicht das geringste Zögern bei der Beibehaltung unserer Position, auch wenn wir bereits vorher wußten, was sie tun würden.
Der auf Einheit bedachte, bolivarianische und ernsthaft revolutionäre Präsident Chávez sah sich in einem bitteren und peinlichen Dilemma gefangen. Seine Majestät, der König Spaniens, ein nobler und Kuba gegenüber immer freundlich eingestellter Mann, war eher konsterniert.
Letztendlich waren alle an diesem Mittag sicherer, weil der furchterregende Terrorist, der alle mit seinen Plänen in Gefahr gebracht hatte, in seine eigene Falle gestürzt war, und zwar dank der Anklage Kubas, das hingegen in einem diskriminierenden und opportunistischen antiterroristischen Resolutionsentwurf von Schutz und Unterstützung ausgeschlossen wurde.
Der wütende und unerfahrene Verursacher des Vorfalls schlug - Friedensfahnen hissend - vor, die Angelegenheit auf bilateraler Ebene zu diskutieren, obwohl die Frage nichts Bilaterales hat. Da - gemäß einem bekannten Refrain - Höflichkeit nichts mit Mut zu tun hat, antworteten wir ihm, daß wir bereit seien, auf dieser Ebene zu diskutieren. Wir werden sehen, auf welche Weise und wofür ein solches Treffen dient.
Wir haben jetzt genügend Arbeit, die unsere Zeit in Anspruch nimmt, unter anderem um zu verhindern, daß ihr „illustrer Gast" und terroristischer Anführer und dessen Spießgesellen mit Hilfe ihrer Freunde aus dem Norden der Justiz entgehen können.
Niemand weiß, was unser immer vereinteres, gebildeteres und stärkeres Volk fähig ist zu erreichen. Wir werden in unserem heldenhaften und würdigen Kampf nicht ruhen. Wir werden alle Ziele erfüllen, die wir in Baraguá schworen. Wir werden die epische Schlacht der Ideen gewinnen. Wie in Guisa werden wir oftmals beweisen, daß nichts unmöglich ist.
Ewiger Ruhm denjenigen, die – als sie fast noch Jugendliche waren – für die Revolution an diesem heiligen Ort des Vaterlandes fielen! (Ausrufe: „Ruhm!)
Wir werden ihrem Gedenken bis zum letzten Atemzug treu bleiben!
Vaterland oder Tod!
Wir werden siegen!
Samstag, 18. November 2000
Fidel Castro während der Arbeitssitzung des 10. Iberoamerikanischen Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs in Panama-Stadt am 18. November
Redebeitrag von Dr. Fidel Castro, Präsident des Staatsrates und des Ministerrates der Republik Kuba, während der Arbeitssitzung des 10. Iberoamerikanischen Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs in Panama-Stadt am 18. November
Werte Kollegen:
Ich hatte gestern das Privileg, über die Kinder zu sprechen. Ich dachte deswegen nicht, daß ich hier über das Thema sprechen würde, doch die wichtige Debatte, die hier heute morgen stattgefunden hat, zwingt mich dazu, einige kurze Worte an Sie zu richten. Ich weise auf die Kürze hin, damit niemand erschreckt. (Lachen).
Die neoliberale Globalisierung führt die Welt in eine Katastrophe. Schluß und aus.
Ich teile keine Philosophien und Dogmen irgendeiner Art. Schluß und aus.
Wenn wir hier sprechen, vergessen wir viele Dinge. Wir vergessen, daß es lateinamerikanische und europäische Nationen gibt. Wir vergessen, daß als große Ausnahmen nur einige wenige lateinamerikanische Länder – und wir freuen uns darüber – bestimmte Niveaus der wirtschaftlichen, industriellen und sozialen Entwicklung erreichen, die weit über dem Rest der lateinamerikanischen Länder liegen.
Chile sprach zum Beispiel davon, daß die Zahl der Armen von fünf auf drei Millionen zurückgegangen sei. Und es verdient für diesen Erfolg unsere Anerkennung und unseren Glückwunsch.
Die seriösesten Studien beweisen nichtsdestotrotz, daß im gesamten Lateinamerika die Anzahl der Armen täglich und jährlich anwächst, und daß etwa 50 % Arme und Mittellose sind. Ich beziehe mich hierbei auf die Kinder.
Wir vergessen zum Beispiel, daß die öffentliche Verschuldung Lateinamerikas und der Karibik, die sich 1992 auf 478 Milliarden Dollar belief, heutzutage 750 Milliarden Dollar beträgt.
Wir vergessen, daß es zu diesem kolossalen Anstieg gekommen ist, nachdem in jenem Zeitraum 913 Milliarden Dollar gezahlt worden waren.
Wir vergessen, daß der Internationale Währungsfonds, den wir alle gut kennen, und seine Herren existieren.
Wir vergessen, daß die privaten ausländischen Investitionen, die sich zum Ende des letzten Jahrzehnts auf 115 Milliarden Dollar beliefen, heute – oder im Jahr 1999 – auf 865 Milliarden Dollar angestiegen sind. Und daß von dieser Summe 71 % in den reichen Ländern selbst und nur 29 % in den sogenannten Entwicklungsländern investiert wurden. Von diesen 29 % wurden 45 % in China, 40 % in Lateinamerika und 15 % in Afrika und Asien investiert. Von dieser investierten Gesamtsumme wurden 85 % nicht investiert, um neue Industrieanlagen und Dienstleistungen – und damit Quellen für Beschäftigung und die Schaffung von neuen Reichtümern – zu schaffen, sondern um bestehende Unternehmen und Dienstleistungen zu erwerben. Ein neues Phänomen.
Es gibt keine wirkliche Antwort auf die Bedürfnisse der überwiegenden Mehrheit der Menschen in unseren Nationen.
Sogar in Ländern wie Kuba, das die Ungleichheit bei der Verteilung auf ein Minimum reduziert hat, gibt es Unterschiede, die man spürt. Wenn diese abgrundtief sind und aus der Armut Marginalisierung entsteht, kommt es zur Tragödie. Die Marginalisierung, eine Frucht der enormen Einkommensunterschiede, führt im Bereich der Bildung zu katastrophalen Folgen; es gibt nicht die geringste Gleichheit bei den Perspektiven eines armen Kindes und eines Kindes mit dem unverzichtbaren Minimum an Einkünften, und die Armut betrifft praktisch die Hälfte der Kinder in Lateinamerika und der Karibik. Diese wirkliche Tragödie erfordert eine Antwort.
Ich kann nicht bestreiten, daß auch unter diesen Bedingungen ein Spielraum für das existiert, was man für die Kinder in Lateinamerika machen kann. Dies muß gemacht werden, und hier ist bewiesen worden, daß einige Länder eine besondere Anstrengung in diese Richtung unternehmen. In Kuba, von dessen trotz Blockade und Armut erreichten Fortschritten ich gestern sprach, sind wir nicht zufrieden, denn wir haben begriffen, daß uns noch unermeßlich viel zu tun bleibt. Man kann es machen, und wir werden es tun, unterstützt von den wunderbaren technischen und audiovisuellen Mitteln, über die man heute verfügen kann.
Nebenbei füge ich hinzu, daß wir in unserem Land eine Methode entwickelt haben, um das Lesen und Schreiben mittels Radio beizubringen, eine solche Methode wird in der Republik Haiti getestet, wo man mit 300 Personen begann, und die Ergebnisse sind spektakulär gewesen. Jetzt ist es auf 3 000 Personen ausgeweitet worden, und sie planen, es im ganzen Land durchzuführen. Wir entwickeln das Programm in Kreolisch, welches die Sprache der Haitianer ist. Die Ergebnisse erwecken wirklich Hoffnung. Wenn dies so ist, ist die Chance einer Reduzierung der Zahl der Analphabeten groß, mit einem Minimum an Ressourcen, einem Minimum. Eine zentrale Radiostation überträgt schlicht und einfach diese Kenntnisse.
Ich spreche nicht vom Fernsehen, das ist sehr einfach. Wir weiten die Bildung schrittweise per Fernsehen aus, bis zu einem solchen Extrem, daß praktisch das ganze Land zu einer Universität wird. Ich spreche nicht von Dingen, die noch gemacht werden müssen, sondern von solchen, die bereits gemacht werden, und zwar mit spektakulären Ergebnissen und ausgehend von dem immensen Wissensdurst des Menschen.
Wir führen neben anderen Dingen eine tiefgehende Untersuchung über die Verbindung zwischen Armut, Marginalisierung und Bildung durch. Wir suchen wirklich dort, wo die Quellen oder die Nährböden des Verbrechens sind. Und hier wurden einige sehr interessante Dinge hinsichtlich der Situation – einschließlich des familiären Aspekts – der Jugendlichen gesagt. Darüber haben wir, und sind weiterhin dabei, unzählige Daten zusammengetragen.
Eine Welt eröffnet sich vor unseren Augen, nicht nur in diesem Bereich, sondern auch in vielen anderen. Ohne daß wir reich sind, ermöglicht uns heute das Verfügen über ein reichhaltiges Humankapital, die Frucht des erreichten Bildungsniveaus, Träume zu verwirklichen, die vor Jahren noch als unerreichbare Utopien gegolten hätten, und diese Träume lassen uns Scham fühlen angesichts des Wenigen, was wir bis heute erreicht haben.
Gehen wir von den momentanen Realitäten aus, schreiten wir nicht auf Wolken der Illusionen und Täuschungen; lassen Sie uns in der ungerechten politischen und wirtschaftlichen Ordnung, die der Welt aufgezwungen ist, den realen und hauptsächlichen Grund dafür suchen, daß wir der ersehnten Mittel entbehren, mit denen wir das Schicksal aller unserer Kinder gerne menschlicher machen würden.
Ich danke Ihnen allen, mit Ihren verschiedenartigen, aber interessanten und bemerkenswerten Vorträgen und Kriterien, für die von mir gefühlte tiefgreifende Notwendigkeit, diese Überlegungen zu verfassen.
Ich reihe mich ein in die äußerst gerechtfertigten Glückwünsche für Ihre Majestät, König Juan Carlos, den ich sehr, sehr schätze. Ich hoffe, daß er sich nicht darüber ärgert, daß ich ihm sagte, daß wir zwei übrigblieben. Gott wollte, daß er König ist, und Gott wollte, daß ich am Leben bin.
Danke (Beifall).
Werte Kollegen:
Ich hatte gestern das Privileg, über die Kinder zu sprechen. Ich dachte deswegen nicht, daß ich hier über das Thema sprechen würde, doch die wichtige Debatte, die hier heute morgen stattgefunden hat, zwingt mich dazu, einige kurze Worte an Sie zu richten. Ich weise auf die Kürze hin, damit niemand erschreckt. (Lachen).
Die neoliberale Globalisierung führt die Welt in eine Katastrophe. Schluß und aus.
Ich teile keine Philosophien und Dogmen irgendeiner Art. Schluß und aus.
Wenn wir hier sprechen, vergessen wir viele Dinge. Wir vergessen, daß es lateinamerikanische und europäische Nationen gibt. Wir vergessen, daß als große Ausnahmen nur einige wenige lateinamerikanische Länder – und wir freuen uns darüber – bestimmte Niveaus der wirtschaftlichen, industriellen und sozialen Entwicklung erreichen, die weit über dem Rest der lateinamerikanischen Länder liegen.
Chile sprach zum Beispiel davon, daß die Zahl der Armen von fünf auf drei Millionen zurückgegangen sei. Und es verdient für diesen Erfolg unsere Anerkennung und unseren Glückwunsch.
Die seriösesten Studien beweisen nichtsdestotrotz, daß im gesamten Lateinamerika die Anzahl der Armen täglich und jährlich anwächst, und daß etwa 50 % Arme und Mittellose sind. Ich beziehe mich hierbei auf die Kinder.
Wir vergessen zum Beispiel, daß die öffentliche Verschuldung Lateinamerikas und der Karibik, die sich 1992 auf 478 Milliarden Dollar belief, heutzutage 750 Milliarden Dollar beträgt.
Wir vergessen, daß es zu diesem kolossalen Anstieg gekommen ist, nachdem in jenem Zeitraum 913 Milliarden Dollar gezahlt worden waren.
Wir vergessen, daß der Internationale Währungsfonds, den wir alle gut kennen, und seine Herren existieren.
Wir vergessen, daß die privaten ausländischen Investitionen, die sich zum Ende des letzten Jahrzehnts auf 115 Milliarden Dollar beliefen, heute – oder im Jahr 1999 – auf 865 Milliarden Dollar angestiegen sind. Und daß von dieser Summe 71 % in den reichen Ländern selbst und nur 29 % in den sogenannten Entwicklungsländern investiert wurden. Von diesen 29 % wurden 45 % in China, 40 % in Lateinamerika und 15 % in Afrika und Asien investiert. Von dieser investierten Gesamtsumme wurden 85 % nicht investiert, um neue Industrieanlagen und Dienstleistungen – und damit Quellen für Beschäftigung und die Schaffung von neuen Reichtümern – zu schaffen, sondern um bestehende Unternehmen und Dienstleistungen zu erwerben. Ein neues Phänomen.
Es gibt keine wirkliche Antwort auf die Bedürfnisse der überwiegenden Mehrheit der Menschen in unseren Nationen.
Sogar in Ländern wie Kuba, das die Ungleichheit bei der Verteilung auf ein Minimum reduziert hat, gibt es Unterschiede, die man spürt. Wenn diese abgrundtief sind und aus der Armut Marginalisierung entsteht, kommt es zur Tragödie. Die Marginalisierung, eine Frucht der enormen Einkommensunterschiede, führt im Bereich der Bildung zu katastrophalen Folgen; es gibt nicht die geringste Gleichheit bei den Perspektiven eines armen Kindes und eines Kindes mit dem unverzichtbaren Minimum an Einkünften, und die Armut betrifft praktisch die Hälfte der Kinder in Lateinamerika und der Karibik. Diese wirkliche Tragödie erfordert eine Antwort.
Ich kann nicht bestreiten, daß auch unter diesen Bedingungen ein Spielraum für das existiert, was man für die Kinder in Lateinamerika machen kann. Dies muß gemacht werden, und hier ist bewiesen worden, daß einige Länder eine besondere Anstrengung in diese Richtung unternehmen. In Kuba, von dessen trotz Blockade und Armut erreichten Fortschritten ich gestern sprach, sind wir nicht zufrieden, denn wir haben begriffen, daß uns noch unermeßlich viel zu tun bleibt. Man kann es machen, und wir werden es tun, unterstützt von den wunderbaren technischen und audiovisuellen Mitteln, über die man heute verfügen kann.
Nebenbei füge ich hinzu, daß wir in unserem Land eine Methode entwickelt haben, um das Lesen und Schreiben mittels Radio beizubringen, eine solche Methode wird in der Republik Haiti getestet, wo man mit 300 Personen begann, und die Ergebnisse sind spektakulär gewesen. Jetzt ist es auf 3 000 Personen ausgeweitet worden, und sie planen, es im ganzen Land durchzuführen. Wir entwickeln das Programm in Kreolisch, welches die Sprache der Haitianer ist. Die Ergebnisse erwecken wirklich Hoffnung. Wenn dies so ist, ist die Chance einer Reduzierung der Zahl der Analphabeten groß, mit einem Minimum an Ressourcen, einem Minimum. Eine zentrale Radiostation überträgt schlicht und einfach diese Kenntnisse.
Ich spreche nicht vom Fernsehen, das ist sehr einfach. Wir weiten die Bildung schrittweise per Fernsehen aus, bis zu einem solchen Extrem, daß praktisch das ganze Land zu einer Universität wird. Ich spreche nicht von Dingen, die noch gemacht werden müssen, sondern von solchen, die bereits gemacht werden, und zwar mit spektakulären Ergebnissen und ausgehend von dem immensen Wissensdurst des Menschen.
Wir führen neben anderen Dingen eine tiefgehende Untersuchung über die Verbindung zwischen Armut, Marginalisierung und Bildung durch. Wir suchen wirklich dort, wo die Quellen oder die Nährböden des Verbrechens sind. Und hier wurden einige sehr interessante Dinge hinsichtlich der Situation – einschließlich des familiären Aspekts – der Jugendlichen gesagt. Darüber haben wir, und sind weiterhin dabei, unzählige Daten zusammengetragen.
Eine Welt eröffnet sich vor unseren Augen, nicht nur in diesem Bereich, sondern auch in vielen anderen. Ohne daß wir reich sind, ermöglicht uns heute das Verfügen über ein reichhaltiges Humankapital, die Frucht des erreichten Bildungsniveaus, Träume zu verwirklichen, die vor Jahren noch als unerreichbare Utopien gegolten hätten, und diese Träume lassen uns Scham fühlen angesichts des Wenigen, was wir bis heute erreicht haben.
Gehen wir von den momentanen Realitäten aus, schreiten wir nicht auf Wolken der Illusionen und Täuschungen; lassen Sie uns in der ungerechten politischen und wirtschaftlichen Ordnung, die der Welt aufgezwungen ist, den realen und hauptsächlichen Grund dafür suchen, daß wir der ersehnten Mittel entbehren, mit denen wir das Schicksal aller unserer Kinder gerne menschlicher machen würden.
Ich danke Ihnen allen, mit Ihren verschiedenartigen, aber interessanten und bemerkenswerten Vorträgen und Kriterien, für die von mir gefühlte tiefgreifende Notwendigkeit, diese Überlegungen zu verfassen.
Ich reihe mich ein in die äußerst gerechtfertigten Glückwünsche für Ihre Majestät, König Juan Carlos, den ich sehr, sehr schätze. Ich hoffe, daß er sich nicht darüber ärgert, daß ich ihm sagte, daß wir zwei übrigblieben. Gott wollte, daß er König ist, und Gott wollte, daß ich am Leben bin.
Danke (Beifall).
Freitag, 17. November 2000
Fidel Castro bei der Eröffnung des 10. Iberoamerikanischen Gipfeltreffens im Kongresszentrum Atlapa von Panamastadt
Ansprache des Präsidenten des Staatsrates und des Ministerrates der Republik Kuba, Fidel Castro Ruz, bei der Eröffnung des 10. Iberoamerikanischen Gipfeltreffens im Kongresszentrum Atlapa von Panamastadt, am 17. November 2000
Exzellenz Frau Mireya Moscoso;
Majestät;
Exzellenzen;
Sehr verehrte Gäste:
Die Initiative, den Satz „Vereint für die Kinder und die Jugendlichen, Grundlage der Gerechtigkeit und Gleichheit im Neuen Jahrtausend" als zentrales Motto dieses Gipfeltreffens anzunehmen, war glücklich. Bereits die Idee für sich allein genommen rechtfertigt dieses wichtige Treffen. Ich beglückwünsche dafür die Präsidentin des Gastgeberlandes, Frau Mireya Moscoso.
Die Situation der Kinder ist nicht in jedem unserer Länder gleich. Trotz der erreichten Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten – zum Teil dank der zum Thema geförderten Initiativen und der hartnäckigen Anstrengungen von UNICEF, WHO und anderen Institutionen der Vereinten Nationen, mit größerer oder geringerer Annahme und Unterstützung durch die jeweiligen nationalen Regierungen und ohne dabei die ungleiche Entwicklung und die Ressourcen jeder Nation zu vergessen – ist die Realität, die die Kinder in Lateinamerika insgesamt durchleben, offensichtlich dramatisch.
Die Zahl der Armen in Lateinamerika und der Karibik erreicht bereits 45 % der Gesamtbevölkerung, das sind 224 Millionen Personen, und von diesen sind 90 Millionen mittellos. Mehr als die Hälfte dieser Armen und Mittellosen sind Kinder und Jugendliche.
Es ist so, wie es der UN-Kinderfonds beschreibt: „Die Kinder sind am meisten von der Armut betroffen. Keine andere Altersgruppe ist so verletzlich. Die Armut verursacht in ihnen physische und psychologische Schäden, die das ganze Leben andauern."
Laut Daten der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation sind schwere Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen und Ernährungsdefizite weiterhin drei der hauptsächlichen Todesgründe bei Kindern unter 5 Jahren.
Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate bei Kindern unter 5 Jahren in Lateinamerika und der Karibik im Jahr 1998 betrug 39 von 1 000 Lebendgeborenen, was einer Zahl von annähernd einer halben Million verstorbenen Kindern entspricht.
Die schweren Atemwegsinfektionen wie Influenza und Lungenentzündung führen zu einem Drittel der Todesfälle bei Jungen und Mädchen unter 5 Jahren in der Region; etwa 60 % der Kinderarzt-Sprechstunden haben mit diesen Krankheiten zu tun, und ein Großteil der Todesfälle als Ergebnis dieser Infektionen sind mittels einer rechtzeitigen Diagnose und einer angemessenen Behandlung vermeidbar.
Zwischen 20 % und 50 % der Stadtbevölkerung in der Region lebt unter katastrophalen Bedingungen von massiver Überbelegung der Wohnungen, extremer Armut, Gewalt und Marginalisierung; sie haben keinen Zugang zu Basisdiensten wie ärztlicher Grundbetreuung oder sanitären Einrichtungen; in den ländlichen Gebieten verfügen mehr als 60 % der Menschen über keine sanitären Einrichtungen und 50 % haben keine Trinkwasserversorgung. Die Abwesenheit von angemessenen sanitären Einrichtungen, Trinkwasser und ärztlicher Betreuung erhöht die Todesrisiken durch Durchfall, Cholera, Typhus und andere auf verschiedenen Wegen übertragbare Krankheiten um mehr als 40 %.
Die Nahrungs- und Ernährungsdefizite drücken die Abwehrmechanismen der Jungen und Mädchen nieder und machen sie anfälliger gegenüber nicht übertragbaren chronischen Krankheiten. Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) schätzt, daß sich im Jahr 2000 etwa 36 % aller Kinder unter 2 Jahren in einer Situation hohen Ernährungsrisikos befinden. In den ländlichen Gebieten betrifft diese Bedrohung einen noch höheren Anteil, und zwar etwa 46 %, aufgrund der im allgemeinen prekären sanitären Bedingungen und der größeren Schwierigkeiten für die Bevölkerung, Zugang zu den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen zu bekommen.
In den armen Sektoren der Bevölkerung sind Mangelkrankheiten präsent; einige wie das Defizit an Vitamin A, das einen der Hauptgründe für die Blindheit darstellt, betreffen Millionen Jungen und Mädchen bis zu 5 Jahren in der Region.
Der direkte Preis für die Impfung zur Immunisierung eines Kindes, das jünger als ein Jahr ist, gegen sechs vermeidbare Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Masern, Keuchhusten, spinale Kinderlähmung, Tuberkulose und Wundstarrkrampf übersteigt keine 80 US-Cent. Trotzdem versichert die Weltgesundheitsorganisation, daß die Abdeckung mit Impfungen gegen diese Krankheiten bei Kindern bis zum ersten Lebensjahr auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, einschließlich der Vereinigten Staaten und Kanada, zwischen 85 % und 90 % schwankt, weswegen man errechnet, daß in der gesamten Hemisphäre mehr als 15 Millionen Kinder bis zum fünften Lebensjahr nicht gegen diese sechs Krankheiten geimpft sind.
Die durchschnittliche Müttersterblichkeit in Lateinamerika und der Karibik beträgt etwa 200 pro 100 000 Geburten. In den entwickelten Ländern schwanken die Zahlen etwa um 15. Als Ergebnis dessen werden in unserer Region nicht weniger als 50 000 Jungen und Mädchen aus diesem einen Grund zu mutterlosen Waisen. Zusätzlich kommen auf jede verstorbene Mutter Hunderte überlebende Frauen, die aber unter chronischen Problemen als Folge der Unterernährung und der unangemessenen Betreuung während der Schwangerschaft und der Geburt leiden. Millionen von Müttern leiden unter irgendeinem chronischen Gesundheitsproblem als Ergebnis des Fehlens einer angemessenen Betreuung während der Schwangerschaft und der Geburt.
Im Hinblick auf zwei Hauptziffern, die Kindersterblichkeit und die Müttersterblichkeit, sterben pro 1 000 Lebendgeborenen in Lateinamerika und der Karibik jährlich 6,5mal mehr Kinder und 12,6mal mehr Mütter als in den entwickelten Ländern.
Zusätzlich werden 2 Millionen von den jedes Jahr geborenen 12 Millionen Kindern von jugendlichen Müttern in die Welt gesetzt.
Der Aids-Virus HIV verbreitet sich in der Region in gefährlichem Rhythmus und es haben sich laut Angaben der UN-Aidskommission bereits 1,7 Millionen Personen infiziert. Laut UNICEF infizieren sich jedes Jahr 65 000 Kinder, wobei 90 % von ihnen durch ihre eigenen Mütter angesteckt wurden. Bereits 195 000 Kinder sind aus diesem einen Grund zu Waisen geworden. Im Jahr 1999 gab es in Lateinamerika und der Karibik mehr als 78 000 Todesfälle durch AIDS.
Im Bereich der Bildung wird geschätzt, daß 20 % der Jungen und Mädchen zu spät mit der Schule beginnen, 42 % die erste Klasse und 30 % die zweite Klasse wiederholen. Nur 80 % der Jungen und Mädchen in der Region erreichen das vierte und nur 73 % das fünfte Schuljahr. Acht von zehn Schülern besuchen sieben Jahre die Schule, doch der durchschnittliche Schulbesuch beträgt etwa vier Schuljahre.
Die Abdeckung mit Einrichtungen der Vorschulbildung beträgt in der Region im Durchschnitt nur 17 %.
Die Kinderarbeit vermehrt sich wie eine wahrhafte Plage. Etwa 20 Millionen Kinder unter 15 Jahren arbeiten. Mehr als die Hälfte dieser Kinderarbeiter sind Mädchen, und die große Mehrheit verrichtet Arbeiten, die nicht einmal anerkannt sind oder in den offiziellen Statistiken berücksichtigt werden.
Laut der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation ist die Gewalt einer der Hauptgründe für den Tod von Kindern zwischen 5 und 14 Jahren. Obwohl keine exakten Ziffern über Mißhandlungen existieren, weisen verschiedene Studien darauf hin, daß nicht weniger als 6 Millionen heranwachsende Jungen und Mädchen das Ziel von schwerwiegenden Aggressionen sind und daß von diesen jährlich etwa 80 000 als Opfer der Gewalt in ihren eigenen Familien sterben.
Eine 1996 von der Weltkonferenz gegen Sexuelle Ausbeutung durchgeführte Studie deckte auf, daß im Jahr zuvor 47 % der in sieben Ländern der Region sexuell ausgebeuteten Mädchen Opfer von Mißhandlungen und Vergewaltigungen in den eigenen vier Wänden wurden; fast die Hälfte begann zwischen dem 9. und 13. Lebensjahr, sich zu prostituieren, und 50 bis 80 % von ihnen nahmen Drogen.
Hunderttausende von Jungen und Mädchen arbeiten und leben auf der Straße, und in einigen Hauptstädten sind 46 % der Prostituierten Mädchen unter 16 Jahren.
Ich möchte in dieser Ansprache nicht die Ihnen gut bekannten politischen und wirtschaftlichen Gründe einbeziehen, die zu dieser Tragödie führen.
Zum Abschluß möchte ich nur hinzufügen – und ich habe die Pflicht, dies zu tun -, daß 400 000 Kinder jährlich überlebt hätten, wenn die Kindersterblichkeitsrate in Lateinamerika und der Karibik ähnlich niedrig gewesen wäre wie die Rate von 6,4 pro 1 000 Lebendgeborenen bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres und 8,3 bei Kindern bis zum fünften Lebensjahr, die Kuba erreichte, das isoliert, angefeindet und seit über mehr als 40 Jahren einem unerbittlichen Wirtschaftskrieg unterworfen ist. 99,2 % der Kinder in Lateinamerika und der Karibik wären in die Vorschulbildung einbezogen, 99,9 % begännen ab dem sechsten Lebensjahr mit der Schule, 99,7 % der Schüler wären von der ersten bis zur sechsten Klasse in der Schule geblieben, 98,9 % derjenigen, die in der ersten Klasse begannen, würden die sechste Klasse abschließen, von diesen würden 99,9 % die Mittelschule beginnen, 99,5 % der Mittelschulabsolventen würden mit der Gymnasialstufe beginnen; die Schüler dieser Region würden erste Preise bei Wissensolympiaden gewinnen, es gäbe keine Schüler, die einer spezialisierten Ausbildung bedürften und keine Schule dafür fänden, es gäbe keine Analphabeten, das durchschnittliche Bildungsniveau der erwachsenen Bevölkerung läge über neun Schuljahren und man würde kein einziges Kind unter 16 Jahren sehen, das arbeiten muß, um zu überleben.
Unsere harte Erfahrung hat bewiesen, daß man mit wenig Mitteln viel erreichen kann.
Zum Abschluß möchte ich allen hier anwesenden Staats- und Regierungschefs meinen Dank dafür ausdrücken, daß sie am vergangenen 9. November in der UNO-Vollversammlung mit Ausnahme von Zweien zugunsten der Resolution gegen die gegen Kuba verhängte Blockade stimmten.
Danke.
Exzellenz Frau Mireya Moscoso;
Majestät;
Exzellenzen;
Sehr verehrte Gäste:
Die Initiative, den Satz „Vereint für die Kinder und die Jugendlichen, Grundlage der Gerechtigkeit und Gleichheit im Neuen Jahrtausend" als zentrales Motto dieses Gipfeltreffens anzunehmen, war glücklich. Bereits die Idee für sich allein genommen rechtfertigt dieses wichtige Treffen. Ich beglückwünsche dafür die Präsidentin des Gastgeberlandes, Frau Mireya Moscoso.
Die Situation der Kinder ist nicht in jedem unserer Länder gleich. Trotz der erreichten Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten – zum Teil dank der zum Thema geförderten Initiativen und der hartnäckigen Anstrengungen von UNICEF, WHO und anderen Institutionen der Vereinten Nationen, mit größerer oder geringerer Annahme und Unterstützung durch die jeweiligen nationalen Regierungen und ohne dabei die ungleiche Entwicklung und die Ressourcen jeder Nation zu vergessen – ist die Realität, die die Kinder in Lateinamerika insgesamt durchleben, offensichtlich dramatisch.
Die Zahl der Armen in Lateinamerika und der Karibik erreicht bereits 45 % der Gesamtbevölkerung, das sind 224 Millionen Personen, und von diesen sind 90 Millionen mittellos. Mehr als die Hälfte dieser Armen und Mittellosen sind Kinder und Jugendliche.
Es ist so, wie es der UN-Kinderfonds beschreibt: „Die Kinder sind am meisten von der Armut betroffen. Keine andere Altersgruppe ist so verletzlich. Die Armut verursacht in ihnen physische und psychologische Schäden, die das ganze Leben andauern."
Laut Daten der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation sind schwere Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen und Ernährungsdefizite weiterhin drei der hauptsächlichen Todesgründe bei Kindern unter 5 Jahren.
Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate bei Kindern unter 5 Jahren in Lateinamerika und der Karibik im Jahr 1998 betrug 39 von 1 000 Lebendgeborenen, was einer Zahl von annähernd einer halben Million verstorbenen Kindern entspricht.
Die schweren Atemwegsinfektionen wie Influenza und Lungenentzündung führen zu einem Drittel der Todesfälle bei Jungen und Mädchen unter 5 Jahren in der Region; etwa 60 % der Kinderarzt-Sprechstunden haben mit diesen Krankheiten zu tun, und ein Großteil der Todesfälle als Ergebnis dieser Infektionen sind mittels einer rechtzeitigen Diagnose und einer angemessenen Behandlung vermeidbar.
Zwischen 20 % und 50 % der Stadtbevölkerung in der Region lebt unter katastrophalen Bedingungen von massiver Überbelegung der Wohnungen, extremer Armut, Gewalt und Marginalisierung; sie haben keinen Zugang zu Basisdiensten wie ärztlicher Grundbetreuung oder sanitären Einrichtungen; in den ländlichen Gebieten verfügen mehr als 60 % der Menschen über keine sanitären Einrichtungen und 50 % haben keine Trinkwasserversorgung. Die Abwesenheit von angemessenen sanitären Einrichtungen, Trinkwasser und ärztlicher Betreuung erhöht die Todesrisiken durch Durchfall, Cholera, Typhus und andere auf verschiedenen Wegen übertragbare Krankheiten um mehr als 40 %.
Die Nahrungs- und Ernährungsdefizite drücken die Abwehrmechanismen der Jungen und Mädchen nieder und machen sie anfälliger gegenüber nicht übertragbaren chronischen Krankheiten. Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) schätzt, daß sich im Jahr 2000 etwa 36 % aller Kinder unter 2 Jahren in einer Situation hohen Ernährungsrisikos befinden. In den ländlichen Gebieten betrifft diese Bedrohung einen noch höheren Anteil, und zwar etwa 46 %, aufgrund der im allgemeinen prekären sanitären Bedingungen und der größeren Schwierigkeiten für die Bevölkerung, Zugang zu den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen zu bekommen.
In den armen Sektoren der Bevölkerung sind Mangelkrankheiten präsent; einige wie das Defizit an Vitamin A, das einen der Hauptgründe für die Blindheit darstellt, betreffen Millionen Jungen und Mädchen bis zu 5 Jahren in der Region.
Der direkte Preis für die Impfung zur Immunisierung eines Kindes, das jünger als ein Jahr ist, gegen sechs vermeidbare Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Masern, Keuchhusten, spinale Kinderlähmung, Tuberkulose und Wundstarrkrampf übersteigt keine 80 US-Cent. Trotzdem versichert die Weltgesundheitsorganisation, daß die Abdeckung mit Impfungen gegen diese Krankheiten bei Kindern bis zum ersten Lebensjahr auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, einschließlich der Vereinigten Staaten und Kanada, zwischen 85 % und 90 % schwankt, weswegen man errechnet, daß in der gesamten Hemisphäre mehr als 15 Millionen Kinder bis zum fünften Lebensjahr nicht gegen diese sechs Krankheiten geimpft sind.
Die durchschnittliche Müttersterblichkeit in Lateinamerika und der Karibik beträgt etwa 200 pro 100 000 Geburten. In den entwickelten Ländern schwanken die Zahlen etwa um 15. Als Ergebnis dessen werden in unserer Region nicht weniger als 50 000 Jungen und Mädchen aus diesem einen Grund zu mutterlosen Waisen. Zusätzlich kommen auf jede verstorbene Mutter Hunderte überlebende Frauen, die aber unter chronischen Problemen als Folge der Unterernährung und der unangemessenen Betreuung während der Schwangerschaft und der Geburt leiden. Millionen von Müttern leiden unter irgendeinem chronischen Gesundheitsproblem als Ergebnis des Fehlens einer angemessenen Betreuung während der Schwangerschaft und der Geburt.
Im Hinblick auf zwei Hauptziffern, die Kindersterblichkeit und die Müttersterblichkeit, sterben pro 1 000 Lebendgeborenen in Lateinamerika und der Karibik jährlich 6,5mal mehr Kinder und 12,6mal mehr Mütter als in den entwickelten Ländern.
Zusätzlich werden 2 Millionen von den jedes Jahr geborenen 12 Millionen Kindern von jugendlichen Müttern in die Welt gesetzt.
Der Aids-Virus HIV verbreitet sich in der Region in gefährlichem Rhythmus und es haben sich laut Angaben der UN-Aidskommission bereits 1,7 Millionen Personen infiziert. Laut UNICEF infizieren sich jedes Jahr 65 000 Kinder, wobei 90 % von ihnen durch ihre eigenen Mütter angesteckt wurden. Bereits 195 000 Kinder sind aus diesem einen Grund zu Waisen geworden. Im Jahr 1999 gab es in Lateinamerika und der Karibik mehr als 78 000 Todesfälle durch AIDS.
Im Bereich der Bildung wird geschätzt, daß 20 % der Jungen und Mädchen zu spät mit der Schule beginnen, 42 % die erste Klasse und 30 % die zweite Klasse wiederholen. Nur 80 % der Jungen und Mädchen in der Region erreichen das vierte und nur 73 % das fünfte Schuljahr. Acht von zehn Schülern besuchen sieben Jahre die Schule, doch der durchschnittliche Schulbesuch beträgt etwa vier Schuljahre.
Die Abdeckung mit Einrichtungen der Vorschulbildung beträgt in der Region im Durchschnitt nur 17 %.
Die Kinderarbeit vermehrt sich wie eine wahrhafte Plage. Etwa 20 Millionen Kinder unter 15 Jahren arbeiten. Mehr als die Hälfte dieser Kinderarbeiter sind Mädchen, und die große Mehrheit verrichtet Arbeiten, die nicht einmal anerkannt sind oder in den offiziellen Statistiken berücksichtigt werden.
Laut der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation ist die Gewalt einer der Hauptgründe für den Tod von Kindern zwischen 5 und 14 Jahren. Obwohl keine exakten Ziffern über Mißhandlungen existieren, weisen verschiedene Studien darauf hin, daß nicht weniger als 6 Millionen heranwachsende Jungen und Mädchen das Ziel von schwerwiegenden Aggressionen sind und daß von diesen jährlich etwa 80 000 als Opfer der Gewalt in ihren eigenen Familien sterben.
Eine 1996 von der Weltkonferenz gegen Sexuelle Ausbeutung durchgeführte Studie deckte auf, daß im Jahr zuvor 47 % der in sieben Ländern der Region sexuell ausgebeuteten Mädchen Opfer von Mißhandlungen und Vergewaltigungen in den eigenen vier Wänden wurden; fast die Hälfte begann zwischen dem 9. und 13. Lebensjahr, sich zu prostituieren, und 50 bis 80 % von ihnen nahmen Drogen.
Hunderttausende von Jungen und Mädchen arbeiten und leben auf der Straße, und in einigen Hauptstädten sind 46 % der Prostituierten Mädchen unter 16 Jahren.
Ich möchte in dieser Ansprache nicht die Ihnen gut bekannten politischen und wirtschaftlichen Gründe einbeziehen, die zu dieser Tragödie führen.
Zum Abschluß möchte ich nur hinzufügen – und ich habe die Pflicht, dies zu tun -, daß 400 000 Kinder jährlich überlebt hätten, wenn die Kindersterblichkeitsrate in Lateinamerika und der Karibik ähnlich niedrig gewesen wäre wie die Rate von 6,4 pro 1 000 Lebendgeborenen bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres und 8,3 bei Kindern bis zum fünften Lebensjahr, die Kuba erreichte, das isoliert, angefeindet und seit über mehr als 40 Jahren einem unerbittlichen Wirtschaftskrieg unterworfen ist. 99,2 % der Kinder in Lateinamerika und der Karibik wären in die Vorschulbildung einbezogen, 99,9 % begännen ab dem sechsten Lebensjahr mit der Schule, 99,7 % der Schüler wären von der ersten bis zur sechsten Klasse in der Schule geblieben, 98,9 % derjenigen, die in der ersten Klasse begannen, würden die sechste Klasse abschließen, von diesen würden 99,9 % die Mittelschule beginnen, 99,5 % der Mittelschulabsolventen würden mit der Gymnasialstufe beginnen; die Schüler dieser Region würden erste Preise bei Wissensolympiaden gewinnen, es gäbe keine Schüler, die einer spezialisierten Ausbildung bedürften und keine Schule dafür fänden, es gäbe keine Analphabeten, das durchschnittliche Bildungsniveau der erwachsenen Bevölkerung läge über neun Schuljahren und man würde kein einziges Kind unter 16 Jahren sehen, das arbeiten muß, um zu überleben.
Unsere harte Erfahrung hat bewiesen, daß man mit wenig Mitteln viel erreichen kann.
Zum Abschluß möchte ich allen hier anwesenden Staats- und Regierungschefs meinen Dank dafür ausdrücken, daß sie am vergangenen 9. November in der UNO-Vollversammlung mit Ausnahme von Zweien zugunsten der Resolution gegen die gegen Kuba verhängte Blockade stimmten.
Danke.
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