Samstag, 2. Mai 2009

Kuba, ein terroristisches Land?

Reflexionen des Genossen Fidel: Kuba, ein terroristisches Land?

Donnerstag, der 30. April war unglückselig für die Vereinigten Staaten. Es fiel ihnen an jenem Tag ein, Kuba ein weiteres Mal in die Liste der Länder aufzunehmen, die den Terrorismus unterstützen. So verwickelt wie sie in ihren eigenen Verbrechen und Lügen sind, konnte sich vielleicht nicht einmal Obama selbst jener Intrige entledigen. Ein Mann, dessen Talent niemand bezweifelt, muss sich über diesen Lügenkult des Imperiums beschämt fühlen. Fünfzig Jahre Terrorismus gegen unser Vaterland kommen in einem einzigen Augenblick ans Tageslicht.

Was soll man denjenigen erläutern, denen die grauenhafte Tat der Sprengung während des Fluges von einem Flugzeug mit dessen Passagieren und der Besatzung bekannt ist, und die Teilnahme der Vereinigten Staaten an den Geschehnissen, die Rekrutierung von Orlando Bosch und Posada Carriles, und die Versorgung mit Sprengstoffen, Fonds und die Beihilfe der Geheimdienste und Behörden jenes Landes? Wie kann man die Terrorkampagne erklären, die der Söldnerinvasion auf die Schweinebucht voranging und im Anschluss darauf folgte, die Angriffe auf unsere Küsten, Ortschaften, Handels- und Fischereischiffe, die terroristischen Aktionen innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten? Wie kann man die gescheiterten Attentatspläne in dreistelliger Größenordnung auf das Leben von kubanischen führenden Persönlichkeiten erklären? Und was soll man bezüglich der Einführung solcher Virus wie dem des hämorrhagischen Dengue-Fiebers und des Schweinefiebers sagen, die es genetisch gesehen in unserer Hemisphäre nicht einmal gab? Ich mache weiter nichts, als nur einige der Terrorakte zu nennen, welche die Vereinigten Staaten begangen haben, welche in ihren eigenen verlautbarten Dokumenten festgehalten sind. Beschämen diese Tatsachen die jetzige Regierung nicht?

Die Liste der widerlichen Aktivitäten, die ich aufzählen könnte, wäre endlos.

Auf meine Bitte, schickte mir Bruno Rodríguez, Außenminister von Kuba, den genauen Wortlaut der Frage, die ihm ein Reporter von France-Presse am 30. April stellte, und den seiner schlagkräftigen Antwort.

Rigoberto Díaz, von AFP: „Zeitlich übereinstimmend mit dem Ende dieses Treffens und auch mit einem Thema, das bei diesem Event behandelt wurde, hat die Regierung der Vereinigten Staaten Kuba erneut in die Liste derjenigen Länder aufgenommen, die den Terrorismus fördern, zusammen mit Sudan, Iran und Syrien. Ich würde gern ihr Meinung hierzu hören.“

Antwort von Bruno:

„Wir anerkennen der Regierung der Vereinigten Staaten weder eine politische noch eine moralische Autorität, um auch nur irgendeine Liste zu irgendeinem Thema aufzustellen, noch um gutes oder schlechtes Verhalten zu ‘bescheinigen’.

Die Bush-Regierung wurde von der Weltöffentlichkeit als eine das Völkerrecht verletzende, aggressive, kriegstreiberische Regierung ‘bescheinigt’, als eine Regierung, die foltert, als eine Regierung, die verantwortlich für außergerichtliche Hinrichtungen ist.

Bush ist der einzige Präsident gewesen, der sich öffentlich gebrüstet hat - und zwar im US-amerikanischen Kongress - außergerichtliche Hinrichtungen ausgeführt zu haben, eine Regierung, die Menschen auf illegale Weise entführt und befördert hat, die geheime Gefängnisse geschaffen hat, von denen niemand weiß, ob sie weiterhin bestehen, die auf dem der Republik Kuba usurpierten Gebiet ein Konzentrationslager geschaffen hat, wo gefoltert wird.

Auf dem Gebiet des Terrorismus kann die Regierung der USA historisch betrachtet auf eine lange Akte von Aktionen des Staatsterrorismus verweisen, und nicht nur gegen Kuba.

In den Vereinigten Staaten laufen Orlando Bosch und Posada Carriles frei herum, die für zahlreiche Terrorakte verantwortlich sind, einschließlich der Sprengung eines kubanischen Zivilflugzeuges während des Fluges. Der Auslieferungsantrag von Venezuela bezüglich Posada Carriles wird nicht beantwortet. Über diesen wird wegen verschiedenen Anklagen Gericht gehalten, aber nicht als namhafter internationaler Terrorist.

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat einen geschickt gedeichselten Prozess gegen die jungen fünf kubanischen Antiterror-Kämpfer geführt, die heute weiterhin als politische Gefangene in ihren Gefängnissen sind.

Die Regierung der Vereinigten Staaten gibt Staatsterrorismus-Handlungen von Israel gegen das palästinische Volk und die arabischen Völker Schützenhilfe. Sie bewahrte Schweigen bezüglich der im Gazasteifen begangenen Verbrechen.

Sodass den Vereinigten Staaten nicht die geringste moralische Autorität zuzuerkennen wäre und ich bin, offen gesagt, der Meinung, dass niemand jene Dokumente beachtet bzw. liest, unter anderem, weil ihr Verfasser ein internationaler Verbrecher bezüglich vieler der Themen ist, die er kritisiert.

Die Haltung von Kuba gegen jede Erscheinungsart und Form des Terrorismus, wo sie auch begangen wird, egal gegen welchen Staat sie begangen wird, in welcher Form sie ausgeführt wird und welche Absicht dafür verkündet wird, ist klar und konsistent mit seiner Handlungsweise.

Kuba ist viele Jahre lang Opfer des Terrorismus gewesen und hat eine vollkommen saubere Personalakte in dieser Materie. Das kubanische Gebiet wurde niemals dazu verwendet, um Terrorakte gegen die Vereinigten Staaten von Amerika zu organisieren, zu finanzieren oder auszuführen. Das State Department, welches diese Berichte herausgibt, könnte nicht dasselbe behaupten.”


Diese Erklärung, die während des Treffens der Außenminister der Blockfreien Staaten verlautbart wurde, ist noch nicht sehr bekannt in der Bevölkerung, die in diesen Tagen umfangreiche Nachrichten aller Art erhalten hat. Wenn das State Department mit Bruno diskutieren möchte, dann sind genügend Beurteilungsmaßstäbe vorhanden, um es mit seinen eigenen Lügen zu begraben.


Fidel Castro Ruz

2. Mai 2009
19:12 Uhr

Freitag, 1. Mai 2009

Man muss alles von sich selbst geben

Reflexionen des Genossen Fidel: Man muss alles von sich selbst geben

Gestern habe ich mich lange mit Miguel d´Escoto unterhalten, Präsident pro tempore der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Vorher hatte ich ihn am 17. April sprechen gehört, als er zum ALBA-Treffen in Cumaná sprach.

Ich habe seine bedeutende Aussage bewundert. Ich kannte ihn seit dem Sieg der Revolution in Nicaragua und seiner Ernennung durch Daniel Ortega zum Außenminister. Das Amt, das er solange ausübte, bis die schmutzigen Machenschaften von Reagan, die tausenden jungen, in jener Zeit umgekommenen Sandinisten und der zugefügte Wirtschaftsschaden zum Sieg der Konterrevolution in Nicaragua geführt haben.

Der dadurch verursachte Rückschritt während 17 Jahren und das wirtschaftliche und soziale Desaster, welche die „Demokratie“ der Vereinigten Staaten dem edlen Volk von Nicaragua auferlegten, führten erneut die Sandinisten an die Regierung des Landes; dieses Mal mit verfassungsrechtlichen Einschränkungen und großer Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Daniel hat es am 17. April auf dem Amerika-Gipfel in Port of Spain angeprangert, wo er mit soviel Würde die Blockade gegen Kuba verurteilte. Miguel d´Escoto war seinerseits, aufgrund des als Verantwortlicher für die internationalen Beziehungen von Nicaragua erreichten Prestiges, seines Talents und seiner Ideen, im Jahr 2007 für zwei Jahre in der UNO-Vollversammlung als Präsident gewählt worden.

In dieser Eigenschaft nahm er an dem Treffen der Außenminister der Bewegung der Blockfreien Staaten teil, das am 28., 29. und 30. April, im gerade zu Ende gegangenen Monat, in Havanna stattgefunden hat. Heute war er auf der Ehrentribüne auf dem Revolutionsplatz an der Seite von Raúl, und beobachtete die beeindruckende Demonstration des Internationalen Feiertages der Werktätigen, welche unser Fernsehen übertragen hat, während in Santiago de Cuba, der Wiege der Revolution, und in den anderen Provinzen des Landes enthusiastische Märsche stattfanden, welche unwiderlegbarer Ausdruck der Stärke unserer Revolution waren.

Die Worte der Moderatoren schwangen von der Tribüne herunter, wo sich d´Escoto, viele Außenminister und Vertreter der Blockfreien Staaten und ungefähr zweitausend Besucher aus Ländern aller Kontinente befanden, welche die Freude dieses Feiertages der Werktätigen teilten.

Die Verse von Fayad Jamís, die Manuel Navarro Luna gewidmet sind, dem revolutionären Poeten und Kommunisten, der, seitdem er 6 Monate alt war, in der Provinz Granma lebte, wo er unseren letzten Befreiungskrieg begann, konnte man mehr als einmal hören.

Manuel musste von klein auf die Schule in der Stadt Manzanillo aufgeben und beginnen, verschiedene Berufe auszuüben. Er war Reinemache-Bursche, Schuhputzer, Taucher, Wächter, usw. Er lernte auf eigene Faust, um sich weiterzubilden.

Im Jahr 1915 veröffentlicht er seine ersten Verse. Im Jahr 1919, sein erstes Buch. 1930 tritt er der Kommunistischen Partei bei.

Nach dem Sturz von Machado im Jahr 1933 arbeitet er im ersten kommunistischen Rathaus von Kuba. Nach dem revolutionären Sieg von 1959 gehörte er zu den Landes-Milizen und nahm an der Säuberungsaktion des Escambray-Gebirges und dem Sieg in der Schweinebucht teil, indem er seinem Alter trotzte.


Für diese Freiheit, das Lied unter dem Regen singen zu können, wird man alles geben müssen.

Für diese Freiheit, eng mit den standhaften und süßen Eingeweiden des Volkes verbunden zu sein,
wird man alles geben müssen.

Für diese Freiheit der im Morgengrauen der beleuchteten Fabriken und Schulen geöffneten Sonnenblume und der knirschenden Erde und des aufwachenden Kindes
wird man alles geben müssen …

… Für diese Freiheit, die der Schrecken derjenigen ist,
welche sie immer verletzt haben -
im Namen vom pompösen Schicksalsschlägen;
für diese Freiheit, die die Nacht der Unterdrücker
und das endgültige Erwachen des gesamten, schon unbesiegbaren Volkes ist.
Für diese Freiheit, die die eingefallenen Pupillen erleuchtet,
die nackten Füße,
die zerlöcherten Dächer
und die Augen der Kinder,
die im Staub herumstreiften.

Für diese Freiheit , welche das Imperium
der Jugend ist,
für diese Freiheit,
wunderschön wie das Leben,
wird man alles geben müssen…
(freie Übersetzung)


Die Farben rot, blau und weiß unserer Flagge, die durch die Bewegung arbeitsamer Hände von tausenden jungen Menschen der Universität der Informatikwissenschaften wogten, welche die Demonstration abschlossen; der Kunsterzieher- und Ballettschulen; die Studenten- und Schülerverbände der Hauptstadt, die disziplinierten und aktiven jungen Studierenden, die ihre Ausbildung als Sozialarbeiter absolvieren, die Kinder der Kindertheatergruppe La Colmenita und andere, welche das Werk der Revolution widerspiegeln, wissen, dass sie Träger eines Feuers sind, das niemals von irgendjemand ausgelöscht werden kann.

Mir gab es große Genugtuung zu wissen, dass Miguel d´Escoto dort war und alledem beiwohnte. Drei Tage davor hat er bei seiner Rede an die Außenminister und Vertreter der Bewegung der Blockfreien Staaten Folgendes gesagt:

„… Die Weltordnung besteht auf der Grundlage der kapitalistischen Kultur, welche das „Mehr sein“ mit „Mehr haben“ gleichsetzt und den Egoismus, die Habgier, den Wucher und die soziale Verantwortungslosigkeit fördert. Diese Anti-Werte der kapitalistischen Kultur haben die Welt in eine verwickelte Menge von ineinander übergehenden Krisen vertieft, welche – wenn sie nicht sofort wirksam angegangen werden - die Fortsetzung der menschlichen Gattung selbst in Gefahr bringen und die Fähigkeit, das Leben auf der Erde zu erhalten.

Im Grunde beruhen alle die verschieden Krisen, denen wir die Stirn bieten, auf einer enormen moralischen Krise, einer Krise der Werte und ethischen Prinzipien. Wir haben alle die Werte verraten, welche aus unseren jeweiligen religiösen bzw. ethisch-philosophischen Traditionen hervorgehen. Wir haben uns selbst verraten, als wir in die kapitalistische Versuchung fielen, und als wir ihre Werte des Anti-Lebens, des Hasses und des Egoismus übernommen haben, und so zu den schlimmsten Plünderern, Feinden unserer Mutter Erde geworden sind – wir haben uns entmenschlicht …

…Kuba ist immer ein Ort zur geistigen Auffrischung gewesen. Hier können wir alle feststellen, dass die Liebe stärker ist als der Egoismus und mehr erreichen kann als dieser. Hier können wir eher als an jedem anderen Ort lernen, was die Solidarität ist, das wichtigste Gegenmittel, damit die Menschheit den schwachsinnigen Egoismus überleben kann, in dem sie zu verschwinden berufen zu sein scheint.

…In diesem 21. Jahrhundert, Jahrhundert der Aussöhnung und des Friedens mittels Gesetzeskraft, der sozialen Gerechtigkeit und der demokratischen Einbeziehung, achten wir alle Minderheiten und wir wollen sie alle anhören. Im G-192, d.h. in der Vollversammlung, ist es, wo der einzuschlagende Kurs wird festgelegt werden müssen, um aus der Falle des schwachsinnigen und selbstmörderischen Egoismus zu entrinnen, in den der Kapitalismus die Welt geführt hat. Nicht mit Revanchismen irgendeiner Art, sondern mit dem Willen, eine bessere Welt für alle ohne Ausnahmen und Ausschluss zu errichten…“


Er strebte nicht nach dem Amt des Präsidenten der Vollversammlung der Vereinten Nationen, das er innehat. Er erfuhr von der Botschaft von Nicaragua vor den Vereinten Nationen über seine Kandidatur. Das Amt stand der amerikanischen Region zu und Daniel Ortega, Kenner seiner Qualitäten, hatte ihn ohne zu zögern vorgeschlagen. Er hatte nicht einmal Zeit, seine Gesundheitsprobleme bezüglich der Übernahme einer so heiklen Verantwortung darzulegen. Die Länder Lateinamerikas, Afrikas und die anderen der Dritten Welt haben ihn sofort unterstützt. Miguel hat sich nicht durch die Schwierigkeiten erschüttern lassen und ist sein Amt angetreten.

Er hat mir ein Dokument überreicht, das er als Präsident der Vollversammlung der Vereinten Nationen unterzeichnet hat, in dem er Kuba als Paradigma der internationalen Solidarität bezeichnet. Er zeigte die von ihm entworfene Goldmedaille, welche sein Dekret begleitete.

Er hat andere Dinge von großem Interesse bei seiner Rede behauptet, die ich hier nicht aufzählen werde, um nicht endlos zu werden.

Es war eine sehr hohe Ehre, was er bezüglich unserer Revolution getan und gesagt hat.

…man müsste alles geben -
wenn es notwendig wäre,
sogar den Schatten -
und trotzdem wäre es nie ausreichend.


So stellte schließlich der Poet Fayad Jamís fest.


Fidel Castro Ruz

1. Mai 2009
19:23 Uhr

Donnerstag, 30. April 2009

Der Tag der Armen der Welt

Reflexionen des Genossen Fidel: Der Tag der Armen der Welt

Morgen ist der Internationale Feiertag der Werktätigen.

Karl Marx hat zur Einheit aufgerufen: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”, obwohl viele Arme keine Proletarier waren. Lenin, hat es noch weiter gefasst, und rief ebenfalls die Bauern und die kolonisierten Völker dazu auf, gemeinsam unter der Führung des Proletariats zu kämpfen.

Das Datum für den Feiertag wurde zu Ehren der Märtyrer von Chicago ausgewählt, die am 1. Mai 1886 einen Streik begonnen haben, und zwar in einem kapitalistischen Land, deren arbeitende Mehrheit unter der Arbeitslosigkeit und anderen Katastrophen im Zusammenhang mit den Wirtschaftskrisen litt, letztere untrennbarer Bestandteil des Systems. Ihre Rechte wurden nicht anerkannt und die Gewerkschaften wurden von der Bourgeoisie als Terrororganisationen angesehen, die dem Volk der Vereinigten Staaten Feind sind.

Die Kapitalisten haben später zu ihren besten Waffen gegriffen: die Teilung und den Ökonomismus, um den revolutionären Kampf abzubauen. Die Arbeiterbewegung teilte sich und die gewerkschaftlichen Forderungen waren für Viele inmitten der herrschenden Armut das Hauptziel, mehr als die Veränderung der Gesellschaft.

Die Vereinigten Staaten wurde zum kapitalistischen Land mit den größten Einkommensunterschieden zwischen den Reichen und den Armen. Im Schatten ihrer Hegemonie verwandelte sich Lateinamerika seinerseits in das Gebiet der Dritten Welt, wo die Ungleichheiten zwischen Reichen und Armen tief greifender waren. Die Reichen genossen einen Lebensstandard, der denen der Bourgeoisie der entwickelten Länder von Europa vergleichbar ist. Das Gefühl eines Vaterlandes war in den reichsten Schichten der Bevölkerung verschwunden.

Der Zusammenstoß der großen Macht des Nordens und der Kubanischen Revolution war unvermeidbar. Der heldenhafte Widerstand des Volkes unseres kleine Landes wurde unterschätzt.

Heute sind sie bereit, uns zu verzeihen, wenn wir uns damit abfinden würden, wieder in den Pferch zurückzukehren, wie Sklaven, die, nachdem sie die Freiheit kennen gelernt haben, erneut Peitsche und Joch akzeptieren würden.

Jetzt windet sich der Planet zwischen Wirtschaftskrisen, Pandemien, Veränderungen des Klimas, Kriegsgefahren und anderen gleichzeitig auftretenden Problemen. Die politische Aufgabe wird komplizierter, und es gibt noch diejenigen, die illusorisch glauben, dass sie mit den Völkern wie Marionetten umgehen können.

Das letzte Wort über die zukünftige Entwicklung der jetzigen US-amerikanischen Regierung kann noch nicht gesagt werden. Es gibt neue Elemente, sowohl objektiver als auch subjektiver Natur. Wir analysieren und beobachten sorgfältig jeden ihrer Schritte. Wir sind nicht Brandstifter, wie sich einige das vorstellen, aber wir sind auch keine Dummköpfe, die sich einfach von jenen betrügen lassen, die glauben, dass das einzige Wichtige auf der Welt die Marktgesetze und das kapitalistische Produktionssystem sind. Uns obliegt allen die Pflicht, für den Frieden zu kämpfen; es gibt keine andere Alternative. Jedoch sollte der Gegner sich niemals die Illusion machen, dass Kuba kapituliert.

Wir hoffen, dass weiterhin jeden Ersten Mai tausende Männer und Frauen aus allen Ecken und Enden der Welt gemeinsam mit uns den Internationalen Feiertag der Werktätigen begehen, den wir seit 50 Jahren immer feiern. Nicht umsonst hatten wir schon lange vor dem Ersten Mai 1959 verkündet, dass unsere Revolution, die Revolution der einfachen Menschen, durch die einfachen Menschen und für die einfachen Menschen sein würde. Die Erfolge unseres Vaterlandes auf dem Gebiet des Bildungswesens, im Gesundheitswesen, in Wissenschaft, Kultur und anderen Bereichen, und besonders die Kraft und Einheit des Volkes, beweisen es, trotz der erbarmungslosen Blockade.


Fidel Castro Ruz

30. April 2009
18:18 Uhr

Freitag, 24. April 2009

Gesten, die beeindrucken

Reflexionen des Genossen Fidel: Gesten, die beeindrucken

Ich gestehe, dass ich oft über die dramatische Lebensgeschichte von John F. Kennedy nachgedacht habe. Ich habe jene Zeit kennen gelernt, als er der größte und gefährlichste Gegner der Revolution war. Es war etwas, was er nicht vorausberechnet hatte. Er sah sich selbst als den Vertreter einer neuen Generation von US-Amerikanern, die sich mit der alten und schmutzigen Politik von Männern jener Art wie Nixon konfrontiert sahen, und er hatte ihn mit verschwenderischem politischen Talent besiegt.

Für ihn bürgte sein Werdegang als Kämpfer im Pazifik und sein guter Schreibstil.

Er war von seinen Vorgängern in das Abenteuer der Schweinebucht involviert worden, weil er zu vertrauensselig war, und nicht die berufliche Erfahrung und Fähigkeit jener bezweifelte. Sein Scheitern war bitter und unerwartet, kaum drei Monate nach seinem Amtsantritt. Obwohl er nahe daran war, die Insel direkt mit den mächtigen und hoch entwickelten Waffen seines Landes anzugreifen, tat er in jenem Augenblick nicht das, was Nixon getan hätte: die Jagdbomber verwenden und die Marineinfanteristen landen. Es wären Ströme von Blut in unserem Vaterland geflossen, wo etliche hunderttausend Kämpfer zu sterben bereit waren. Er beherrschte sich und warf eine nicht leicht zu vergessende lapidare Aussage hin: „Der Sieg hat viele Väter, die Niederlage ist ein Waisenkind.“

Sein Leben war weiterhin dramatisch, wie ein Schatten, der ihn die ganze Zeit begleitete. Der verletzte Stolz war stärker und er sah sich erneut von der Idee mitgerissen, uns zu überfallen. Das führte zur Raketenkrise und zu den schwerwiegendsten Risiken eines Atomkriegsausbruchs, welche die Welt bis jetzt kennen gelernt hat. Er ging dank der Fehler seines hauptsächlichen Gegners aus jener Prüfung wie eine Autorität hervor. Er wollte ernsthaft mit Kuba Gespräche führen und beschloss es so. Er schickte Jean Daniel mit dem Auftrag, sich mit mir zu unterhalten und dann nach Washington zurückzukehren. Dieser erfüllte seine Mission in jenem Augenblick, als die Nachricht über die Ermordung von Präsident Kennedy kam. Sein Tod und die seltsame Art und Weise, wie er programmiert und durchgeführt wurde, waren wirklich traurig.

Später lernte ich nahe Verwandte von ihm kennen, die Kuba besuchten. Ich habe weder die unangenehm zugespitzten Seiten seiner Politik gegen unser Land erwähnt noch irgendeine Anspielung auf die Versuche zu meiner Ermordung gemacht. Ich lernte seinen eigenen Sohn schon als Erwachsenen kennen, dieser war noch sehr klein, als sein Vater Präsident der Vereinigten Staaten war. Wir haben einen Meinungsaustausch wie Freunde geführt. Er starb ebenfalls in einem traurigen und tragischen Unfall. Kennedys Bruder Robert wurde auch ermordet, was die Dramatik vervielfachte, die jene Familie begleitete.

Nach so vielen Jahren erreichte uns die Information über eine Geste, die beeindruckt.

In diesen Tagen, in denen in den hohen Kreisen der Länder dieses Kontinents so viel über die lange und ungerechte Blockade gegen Kuba gesprochen wurde, lese ich in La Jornada von Mexiko eine Nachricht: „Ende 1963 versuchte der damals als Generalstaatsanwalt fungierende Robert F. Kennedy, das Reiseverbot nach Kuba außer Kraft zu setzen, und heute hat seine Tochter Kathleen Kennedy Townsend gesagt, dass Präsident Obama das berücksichtigen und Gesetzesinitiativen unterstützen sollte, um allen US-Amerikanern den freien Zugang zur Insel zu erlauben.

In offiziellen Dokumenten, die vom Forschungszentrum National Security Archive verlautbart wurden, ist registriert, dass am 12. Dezember 1963, kaum einen Monat nach der Ermordung von John F. Kennedy, der Generalstaatsanwalt Robert F. Kennedy dem Staatssekretär Dean Rusk ein Kommuniqué zuschickte, in dem er dazu drängte, die Regelungen, welche die Reisen von US-Amerikanern nach Kuba verboten, zurückzunehmen...

Robert Kennedy argumentierte, dass das Verbot die Freiheiten der US-Amerikaner verletzte. Gemäß dem Dokument hat er behauptet, dass die jetzigen Einschränkungen inkonsistent mit den traditionellen Freiheiten der US-Amerikaner sind.

…Jene Haltung ging innerhalb der Regierung von Lyndon B. Johnson nicht als siegreiches Argument hervor, und das State Department war der Meinung, dass die Aufhebung der Beschränkungen als ein Lockern der Politik gegenüber Kuba empfunden werden könnte und dass diese Teil einer gemeinsamen Bemühung der Vereinigten Staaten und anderer amerikanischen Republiken zur Isolierung von Kuba seien.

In einem Meinungsartikel von Kathleen Kennedy, der heute in der Washington Post veröffentlicht wird, bringt die Tochter von Robert ihren Wunsch zum Ausdruck, dass die Haltung ihres Vaters von der Regierung von Barack Obama eingenommen werde, und dass dies die Position sei, die vom Generalstaatsanwalt Eric H. Holder, Jr. gefördert werde, während die Obama-Regierung ihren nächsten Schritt in Bezug auf Kuba bedenkt, der darüber hinausgehen sollte, nur den kubanisch-amerikanischen Bürgern freies Reisen auf die Insel zu genehmigen, und die Rechte aller US-Amerikaner in Angriff nehmen sollte, von denen die Mehrheit nicht die Freiheit dorthin zu reisen besitzt.

Kathleen Kennedy schreibt, so wie Obama beim Gipfel am vergangenen Wochenende lernte, haben die führenden lateinamerikanischen Persönlichkeiten eine koordinierte Botschaft über Kuba angenommen: dies ist der richtige Augenblick, die Beziehungen zu Havanna zu normalisieren... Durch die weiter fortgesetzten Versuche zur Isolierung von Kuba, hat Washington im Grunde genommen nur erreicht, so sagte man Obama, sich selbst zu isolieren.

So schließt sich die Nichte jenes Präsidenten, der versuchte, unser Land zu überfallen, die revolutionäre kubanische Regierung zu stürzen und die Blockade aufzuzwingen, jetzt dem immer umfangreicheren Chor an, der dafür ist, jene vor einem halben Jahrhundert aufgestellten Politikrichtlinien zurückzunehmen.“

Ein würdiger Artikel von Kathleen Kennedy!


Fidel Castro Ruz

24. April 2009
13:17 Uhr

Donnerstag, 23. April 2009

Pontius Pilatus hat seine Hände in Unschuld gewaschen

Reflexionen des Genossen Fidel: Pontius Pilatus hat seine Hände in Unschuld gewaschen

So groß war der Druck gegen die von den Vereinigten Staaten gegen Kuba ausgeübte Blockade, dass an dem Tag, als Raúl kategorisch erklärte, dass unser Land nicht in die OAS eintreten würde, der Sekretär der ihres Ansehens verloren gegangenen Einrichtung das Terrain für die Teilnahme von Kuba bei einem eventuellen zukünftigen Gipfel von Amerika vorzubereiten begann. Sein Rezept besteht darin, den Beschluss außer Kraft zu setzen, der die Ausweisung der Insel festlegte, aus ideologischen Gründen. Solch ein Argument ist wirklich lächerlich, wo wichtige Länder wie China und Vietnam, ohne die die heutige Welt nicht auskommen kann, unter Führung von Kommunistischen Parteien stehen, die auf denselben ideologischen Grundlagen geschaffen wurden.

Die geschichtlichen Ereignisse beweisen die hegemonische Politik der Vereinigten Staaten in unserer Region und die abstoßende Rolle der OAS als verhasstes Instrument des mächtigen Landes.

Das Rezept von Insulza besteht darin, die kriminelle Übereinkunft verschwinden zu lassen. Raúl hat in Cumaná erklärt, dass Kuba niemals wieder in die OAS eintreten wird. Indem er eine lapidare Aussage von Marti verwendete, sagte er, dass sich eher „die Südsee und die Nordsee vereinen und eine Schlange aus einem Adler-Ei geboren würde.“

Zu jenem selben Anlass und indem er auf eine angebliche Geste von Obama antwortete, der anbot, mit Kuba Gespräche über Demokratie und Menschenrechte führen zu wollen, antwortete er, dass die Regierung von Kuba bereit sei, jegliches Thema mit ihm auf der Grundlage der vollkommenen Achtung der Gleichheit und Souveränität beider Länder zu diskutieren. Unser Volk kennt ganz genau die Bedeutung und die Würde jener Worte.

Zu den öffentlichen Forderungen von Obama gehören die Freilassung der zu Gefängnisstrafen Verurteilten aufgrund ihrer verräterischen Dienste für die Vereinigten Staaten, welche über knapp ein halbes Jahrhundert unser Vaterland angegriffen und einer Blockade ausgesetzt haben.

Raúl erklärte, dass Kuba bereit sei, Gnade ergehen zu lassen, wenn die Vereinigten Staaten sie empfangen und die fünf kubanischen antiterroristischen Patrioten freilassen würden.

Dessen ungeachtet haben sowohl die Regierung der Vereinigten Staaten, als auch die Gusanera (abwertig für Konterrevolutionäre) innerhalb und außerhalb von Kuba mit jeder Art von Arroganz reagiert.

AP und einige andere Nachrichtenagenturen haben Uneinigkeiten innerhalb der revolutionären Führung angedeutet.

Gemäß AP hat „ein prominenter Aktivist der Menschenrechte“ zum Ausdruck gebracht, dass „die Mehrheit der zweihundert kubanischen Gefangenen es vorziehen, lange Strafen auf der Insel abzusitzen, anstelle gegen fünf kommunistische Agenten ausgetauscht zu werden, die in den Vereinigten Staaten im Gefängnis sind, wie es Präsident Raúl Castro vorgeschlagen hat.

Es ist fast einmütig unter den Gefangenen, dass sie nicht gegen auf frischer Tat verhaftete Militärangehörige ausgetauscht werden wollen, die Spionage in den Vereinigten Staaten betrieben haben“, sagte die Agentur, indem sie sich auf den Chef der ungerechterweise so genannten „Kubanischen Kommission für Menschenrechte und Versöhnung“ berief. Man müsste jetzt aber sehen, wer unter diesem Begriff zu verstehen ist. Papst Johannes Paul II unterschied nicht zwischen politischen Häftlingen und Kriminellen, als er Kuba besuchte und bat um Begnadigung für eine gewisse Anzahl von ihnen. In der Tat ist es so, dass in den Vereinigten Staaten die Mehrheit der als Kriminelle bezeichneten im Allgemeinen die ärmsten und am meisten diskriminierten Menschen sind.

„Obama, könnte jedoch – so lässt AP im Weiteren verlauten – schwerwiegende politische Folgen erleiden, wenn er zustimmen würde, die fünf im Jahr 2001 wegen Spionage verurteilten kommunistischen Agenten einzulösen. Der Chef der Gruppe wurde als Komplize beim Tod von vier politischen Flüchtlingen angesehen, als deren Flugzeuge im Jahr 2001 von kubanischen Jagdfliegern abgeschossen wurden.” Ist diese Agenturmeldung etwa nicht eine Drohung gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten?

Der angebliche Söldnerführer war ein Mikro-Fraktioneller, er kam von der Jugendorganisation der ehemaligen Kommunistischen Partei, die sich anschließend in der neuen, von der Revolution geschaffenen Partei integrierte. Als wir uns aufgrund der falschen Entscheidung, ein Übereinkommen bezüglich der Raketenkrise mit den Vereinigten Staaten auszuhandeln, ohne vorher unser Land zu Rate zu ziehen, gezwungen sahen, anderer Meinung als die UdSSR zu sein, wurde diese Person zum Feind der Revolution. Er hat der Supermacht während der gesamten Amtszeit von Bush gedient. Jetzt leistet er sich den Luxus, ein Instrument zu sein, um Obama zu bedrohen.

Die AP sagt kein einziges Wort über die lebenslänglichen Gefängnisstrafen, die den fünf Patrioten in geschickt gedeichselten Gerichtsverfahren auferlegt wurden, über die in Mittäterschaft mit der Staatsgewalt ausgearbeiteten Lügen, die grausame Behandlung, die sie erfahren haben und viele Dinge mehr, die zu dem Fall in Verbindung stehen. Jene sind die Verleumdungen, die in vielen Medien der Welt veröffentlicht wurden.

Wenn die Gesundheit von irgendeinem der Söldner es erforderlich machte, hat die Regierung von Kuba immer Gnade ergehen lassen und ohne dass die Vereinigten Staaten es forderten.

Andererseits hat die Regierung von Kuba niemals die Folter angewendet, das ist etwas, was auf der Welt anerkannt ist. Der Präsident von Kuba kann nicht die Ermordung eines Gegners anordnen. Hat der neue Präsident der Vereinigten Staaten jene verhasste Praxis verurteilt? Wenn er es tut, dann werde ich nicht zögern, den Eindruck der Aufrichtigkeit anzuerkennen, den er uns allen zu Beginn vermittelt hatte, das könnt ihr mir glauben.

Morgen werden wir erneut mit Daniel zusammentreffen. In einer kürzeren Zeitspanne, als der, die er im Flugzeug von LACSA in Port of Spain bei intensiver tropischer Hitze warten musste, wird das kubanische Flugzeug ihn in sein geliebtes Vaterland bringen.


Fidel Castro Ruz

23. April 2009
14:54 Uhr

Von der Vergangenheit festgehalten

Reflexionen des Genossen Fidel: Von der Vergangenheit festgehalten

Der Beitrag von Daniel zum Podiumsgespräch des Landesfernsehens war so, wie erwartet. Er hat beredt gesprochen, war überzeugend, gelassen und unwiderlegbar.

Er hat kein anderes Land von Lateinamerika beleidigt und wollte dies auch nicht, hat sich aber jede Minute seines Erscheinens vor den Kameras fest an die Wahrheit gehalten: Venezuela, Bolivien und Nicaragua, haben als Sprecher der ALBA ausdrücklich die Idee zurückgewiesen, dass die Schlusserklärung als Konsensvereinbarung vorgelegt würde.

Von Daniel erfuhren wir, dass Obama selbst anerkannte, dass er jenes Dokument nicht einmal gelesen hatte, dass geschmuggelt als Offizielle Erklärung des Gipfels durchging. Telesur hat ebenfalls gleichzeitig sein Erscheinen übertragen. Es wurde umfangreich verbreitet.

Daniel äußerte lapidare Auffassungen. „Es war die Versammlung des Misstrauens. ‚Die Blockade gegen Kuba soll aufhören!’, war eine einmütige Forderung, die verschiedene Nuancen aufwies, aber einmütig war.” Er bestätigte Folgendes: „Es gab einen sehr guten Beitrag von Präsident Rafael Correa, als dieser erläuterte: ‚Wahlen bedeuten nicht Demokratie’, denn das Mehrparteiensystem ist nichts weiter als eine Art und Weise, die Nation zu spalten.” Daniel fügte hinzu: „Kuba hat ein Modell, wo das kubanische Volk nicht zwischen grün, rot, gelb und orange geteilt wird. Es ist einfach das kubanische Volk, seine Bürger, ohne jene Kampagnen, wo die Interessen der verschiedenen Teile des großen Kapitals eine Rolle spielen. Das kubanische Volk wählt seine Regierenden ohne das schrille Geschrei der Wahlen in den vom Westen auferlegten bürgerlichen Demokratien.

Das Höfliche löscht nicht die ideologischen und politischen Unterschiede, löscht nicht die Realität. Das möchte ich unterstreichen, weil ich bei einigen Staats- und Regierungschefs viel Entzücken bemerkt habe, weil sie Präsident Obama die Hand schütteln durften.”
In Anspielung auf den Flötist von Hameln drückte er sich wie folgt aus: „Er mit seiner süßen Flöte und alle Mäuse hinter ihm her, so werden wir in den Abgrund fallen. Aber Obama erreichte nicht den Effekt, den er wollte.”

„Die Vereinigten Staaten haben sich nicht verändert, Raúl erinnerte daran in Cumaná. Es war eine republikanische Regierung, welche die Invasion auf die Schweinebucht vorbereitet hat und es war eine Regierung der Demokraten, welche sie ausgeführt hat.

So haben wir einen Präsidenten der Vereinigten Staaten, der sagt, dass man die Vergangenheit vergessen muss, der aber selbst in der Vergangenheit gefangen ist! – in der Vergangenheit der 50 Jahre Blockade gegen Kuba; der im Jahr 2004, als er Senator-Anwärter war, sagt, dass die Blockade gegen Kuba eine Grausamkeit ist, dass das aufgehoben werden muss. Die Frage wurde ihm bei der Pressekonferenz gestellt und jetzt antwortet er, dass das vor tausenden Jahren war. Damit sagt er uns, dass er lügt, das ist eine Antwort einer Person, die lügt.

Er erklärt, dass die Blockade gegen Kuba nicht aufgehoben werden kann und dass Kuba wegen der kürzlich von ihnen gemachten Zugeständnisse dankbar sein sollte. Sie wollen das als einen Wandel verkaufen; das kommt den von Carter vor 30 Jahren getroffenen Maßnahmen nicht im geringsten nahe, es ist eher ein Rückschritt. Sie wollen, dass wir die Geschichte vergessen.

Die OAS ist tot. Sie ist ein unbeerdigter Leichnam.”


„Die Organisation für Afrikanische Einheit hat ihr eigenes Instrument. Dort sind weder Frankreich, noch England vertreten, das heißt, die ehemaligen Kolonialherrscher dieser Völker sind nicht dort, sondern die Völker von Afrika.

Ebenso, müssen hier wir, das heißt die lateinamerikanischen und karibischen Völker vertreten sein, und von diesen Positionen, von diesem Dialog, dieser Einheit ausgehend müssen wir die Gespräche mit den Vereinigten Staaten und Kanada führen, mit den Europäern, das heißt die Gespräche mit den Ländern des Nordens, und unsere Positionen verteidigen.

Bei diesem Gipfel ist ebenfalls klar geworden, dass die Vereinigten Staaten sich nicht verändert haben, aber Lateinamerika und die Karibik haben sich verändert; wir haben uns verändert und wir verändern uns, indem wir uns an den Wurzeln unserer Geschichte festhalten.”


Schließlich erläutert er, dass „das Dokument tot sei und die Politik von Zuckerbrot und Peitsche weiterhin gültig, weil Präsident Obama von dem festgehalten wird, was die Struktur eines Imperiums darstellt.“


Fidel Castro Ruz

23. April 2009
11:23 Uhr

Mittwoch, 22. April 2009

Der Gipfel und die Lüge

Reflexionen des Genossen Fidel: Der Gipfel und die Lüge

Einige der Dinge, die Daniel mir gesagt hat, wären kaum zu glauben, wenn nicht er der Erzähler wäre und wenn sie nicht auf einem Gipfel von Amerika geschehen wären.

Das Außergewöhnlich ist, dass es keinen solchen Konsens über die Schlusserklärung gegeben hat. Die Gruppe der ALBA hat sie nicht unterzeichnet; so hat sie es beim letzten Austausch mit Obama in Anwesenheit von Manning und den anderen führenden Persönlichkeiten am Morgen des 19. April bekundet.

Bei dieser Sitzung haben Chávez, Evo und Daniel ganz klar zu dem Thema gesprochen.

Mir schien es, dass Daniel eine bittere Klage zum Ausdruck brachte, als er am Eröffnungstag des Gipfels in seiner Rede Folgendes sagte: „…Ich bin der Meinung, dass die Zeit, die ich mir nehme, viel geringer ist, als die, die ich mir zu nehmen gezwungen sah, als ich drei Stunden im Flugzeug auf dem Flughafen warten musste.”

Ich habe ihn gefragt, und er erzählte mir, dass sechs hochrangige führende Persönlichkeiten auf der Landebahn warten mussten: Lula, von Brasilien; Harper, von Kanada; Bachelet, von Chile; Evo, von Bolivien; Calderón, von Mexiko und er selbst als sechster. Aus welchem Grund? Die Veranstalter haben es in einer kriecherischen Handlung so entschieden, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu empfangen. Daniel blieb die 3 Stunden im Flugzeug von LACSA, das dadurch, dass es auf dem Flughafen unter der strahlenden tropischen Sonne aufgehalten wurde, überhitzt war.

Er erläuterte mir das Verhalten der wichtigsten auf dem Gipfel anwesenden Führer, die hauptsächlichen und spezifischen Probleme jedes einzelnen der Länder von Lateinamerika und der Karibik. Er sah nicht verärgert aus. Er war sicher, ruhig und verständnisvoll. Ich erinnerte mich an die Zeiten der schmutzigen Machenschaften von Reagan, die tausenden von ihm gegen Nicaragua lancierten Waffen, die Toten in einer Größenordnung von mehreren zehntausend, die Verminung der Häfen, der Gebrauch der Drogen seitens der Regierung der Vereinigten Staaten, um die Verfügungen des Kongresses zu umgehen, der Fonds zur Finanzierung jenes zynischen Krieges verboten hatte.

Wir haben auch die von Bush Senior befohlene kriminelle Invasion auf Panama nicht ausgelassen, das schreckliche Gemetzel von El Chorrillo, die tausenden toten Panamaer, die Invasion der kleinen Insel Granada in Mittäterschaft von anderen Regierungen der Region, vor recht kurzer Zeit geschehene Ereignisse innerhalb der tragischen Geschichte unserer Erdhalbkugel.

Bei jedem dieser Verbrechen war die Pranke der OAS zu sehen, hauptsächlicher Komplize der brutalen Aktionen der großen Militär- und Wirtschaftsmacht gegen unsere verarmten Völker.

Er erzählte mir über den Schaden, den der Rauschgifthandel und das organisierte Verbrechen in Mittelamerika verursachen, der Handel mit US-amerikanischen Waffen, der riesige Markt, der jener für die Nationen von Lateinamerika und der Karibik so schädlichen Tätigkeit Impulse verleiht.

Er erzählte mir über die geothermischen Möglichkeiten von Mittelamerika als einer natürlichen Ressource von großem Wert. Er ist der Meinung, dass Nicaragua auf diesem Wege eine äquivalente Erzeugungsleistung von zwei Millionen kW/h erreichen könnte. Heute beträgt seine Stromerzeugungsleistung insgesamt kaum 700 000 kW/h, wenn man alle Energiequellen zusammenrechnet, und es gibt oft Stromausfall.

Er sprach über die Leistungsfähigkeit von Nicaragua zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, vom Preis der Milch, welche zu einem Drittel dessen verkauft wird, was es in den Vereinigten Staaten kostet, obwohl die Löhne und Gehälter in diesem Land dutzende Male höher sind.

Rund um dieses und andere praktische Themen drehte sich unser Gespräch. Zu keinem Zeitpunkt sah ich ihn verärgert und weniger noch extremistische Maßnahmen zum Wirtschaftsthema vorschlagen. Er ist gut informiert und analysiert mit großem Realismus, was man tun kann und muss.

Ich erklärte ihm, dass viele Menschen in unserem Land seine Rede aufgrund der Uhrzeit und der passenden Information bezüglich des Gipfels nicht hatten hören können, und bat ihn deshalb, dass er zustimmen solle, die bedeutendsten Themen im Zusammenhang mit dem Gipfel von Amerika in einem Fernsehprogramm zu erläutern, und zwar in einer Diskussionsrunde mit drei jungen Journalisten, was sicherlich viele Lateinamerikaner, Einwohner der Karibik, US-Amerikaner und Kanadier interessieren würde.

Daniel kennt viele konkrete Möglichkeiten zur Verbesserung des Lebens der Bevölkerung von Nicaragua, einem der fünf ärmsten Länder der Hemisphäre infolge der Interventionen und der Ausplünderung seitens der Vereinigten Staaten. Ihm behagte der Sieg von Obama und er beobachtete ihn während dem Gipfel genau. Sein Verhalten auf dem Gipfel hat ihm nicht gefallen. „Er bewegte sich überall hin – sagte er zu mir – und suchte die Leute, um auf sie Einfluss auszuüben, und mit seiner Macht und seinem Lob etwas einzusuggerieren.”

Natürlich, für einen weit entfernten Beobachter wie mich war eine vereinbarte Strategie zu erkennen, und zwar zur Verherrlichung jener Positionen, die den Interessen der Vereinigten Staaten am ähnlichsten und im höchsten Grade jener Politik der sozialen Veränderungen, der Einheit und Souveränität unserer Völker entgegengesetzt sind. Das Schlimmste war meiner Meinung nach das Manöver, eine angeblich von allen unterstützte Erklärung vorzulegen.

Die Blockade gegen Kuba wurde in der Schlusserklärung nicht einmal erwähnt und der Präsident der Vereinigten Staaten hat sie dazu verwendet, um seine Handlungen zu rechtfertigen und um angebliche Zugeständnisse seiner Regierung an Kuba zu verheimlichen. Wir würden die realen, für den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten bestehenden Einschränkungen zur Einführung von Veränderungen in der Politik seines Landes gegenüber unserem Vaterland besser verstehen, als die Anwendung der Lüge zur Rechtfertigung seiner Handlungen.

Sollten wir etwa der Aggression auf unseren Fernseh- und Rundfunksenderaum Applaus zollen, der Verwendung hoch entwickelter Technik zum Eindringen in diesen Raum aus großer Höhe und der Anwendung der selben Politik wie Bush gegen Kuba? Sollten wir etwa das Recht der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung der Blockade in einem geologischen Zeitraum, bis dass Kuba die kapitalistische Demokratie gebracht worden ist, akzeptieren?

Obama gesteht, dass die führenden Persönlichkeiten der lateinamerikanischen und karibischen Länder ihm überall von den Diensten der kubanischen Mediziner sprechen, sagt jedoch Folgendes: „…Und das ist für uns in den Vereinigten Staaten eine Mahnung dafür, dass es möglich ist, wenn unsere einzige Wechselwirkung mit vielen dieser Länder die Rauschgiftbekämpfung ist, wenn unsere einzige Wechselwirkung militärischer Art ist, dass wir dann nicht solche Verbindungen entwickeln, die mit der Zeit unseren Einfluss erhöhen und einen vorteilhaften Effekt haben können, wenn es erforderlich ist, eine Politik in unserem Interesse in der Region voranzubringen.“

Im Unterbewusstsein versteht Obama, dass Kuba wegen den Dienstleistungen seiner Ärzte in der Region Prestige genießt und verleiht dem sogar mehr Bedeutung, als wir selbst. Vielleicht hat man ihn nicht einmal darüber informiert, dass Kuba seine Ärzte nicht nur nach Lateinamerika und in die Karibik geschickt hat, sondern auch in zahlreiche Länder Afrikas, in asiatische Länder, als Katastrophenhilfe, auf kleine Inseln von Ozeanien wie zum Beispiel Osttimor und Kiribati, welche davon bedroht sind, vom Wasser bedeckt zu werden, wenn das Klima sich verändert; und dass es sogar angeboten hat, innerhalb weniger Stunden eine komplette Ärztebrigade zur Hilfeleistung für die Opfer des Katrina zu entsenden, als ein Großteil von New Orleans hilflos unter Wasser stand und sie dort viele Menschenleben hätten retten können. Tausende junge, in anderen Ländern ausgewählte Menschen sind in Kuba als Ärzte ausgebildet worden, mehrere zehntausend weitere befinden sich in der Ausbildung.

Aber unsere Zusammenarbeit hat sich nicht auf das Gesundheitswesen beschränkt, sondern umfasst ebenfalls das Bildungswesen, den Sport, die Wissenschaft, die Kultur, das Energiesparen, die Wiederaufforstung, den Umweltschutz und andere Bereiche. Die Organisationen der Vereinten Nationen könnten das bezeugen.

Noch mehr: Blut von kubanischen Patrioten wurde im Kampf gegen die letzten Bollwerke des Kolonialismus in Afrika und zur Besiegung des Apartheid, Verbündeter der Vereinigten Staaten, vergossen.

Das Wichtigste von allem, das hat Daniel schon auf dem Gipfel gesagt, besteht darin, dass für den Beitrag von Kuba, der kleinen von den Vereinigten Staaten blockierten Insel, keinerlei Bedingungen gestellt werden.

Wir haben es nicht getan, um Einfluss und Unterstützung zu suchen. Es waren die Prinzipien, die unseren Kampf und unseren Widerstand stützen. Die Säuglingssterblichkeit ist in Kuba geringer als in den Vereinigten Staaten; seit langem gibt es keine Analphabeten mehr; die weißen, schwarzen und Mestizen- Kinder gehen täglich zur Schule, haben gleiche Studienmöglichkeiten, einschließlich derjenigen, die eine Sonderschulausbildung benötigen. Wir haben nicht die gesamte Gerechtigkeit erreicht, aber die größtmögliche Gerechtigkeit. Alle Abgeordneten der Nationalversammlung werden vom Volk aufgestellt und gewählt und 90% der wahlberechtigten Bevölkerung gibt seine Stimme in den Wahlen ab.

Wir haben die kapitalistische Demokratie nicht beantragt, in der Sie ausgebildet wurden und an die Sie mit allem Recht ehrlich glauben.

Wir beabsichtigen nicht, unser politisches System in die Vereinigten Staaten zu exportieren.



Fidel Castro Ruz

22. April 2009
12:53 Uhr