Montag, 25. Oktober 2004

Botschaft von Fidel Castro, verlesen während der Podiumsdiskussion über die neuen Wirtschaftsaggressionen der US-Regierung und die Antwort Kubas

Botschaft des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, verlesen während der informativen Podiumsdiskussion über die neuen Wirtschaftsaggressionen der US-Regierung und die Antwort Kubas; stattgefunden am 25. Oktober 2004, „Jahr des 45. Jahrestages des Sieges der Revolution"

Liebe Mitbürger,

am 10. Mai dieses Jahres informierte eine Meldung der BBC über eine Geldstrafe, mit der die Federal Reserve der Vereinigten Staaten eine Schweizer Bank belegte wegen angeblicher Verletzung der von den Vereinigten Staaten verhängten Sanktionen gegen Libyen, Iran, Jugoslawien und Kuba. Die Schweizer Bank wurde beschuldigt, US-amerikanische Dollarbanknoten angenommen bzw. an Länder gesandt zu haben, die zu den von der US-Regierung sanktionierten gehören.

Einige Tage danach berichtete die Agentur NOTIMEX über Erklärungen des Banditen Otto Reich, in denen er unter Bezugnahme auf die jüngsten Maßnahmen der US-Regierung äußerte, dass einige davon bereits umgesetzt seien und andere sich noch in der Entwicklung befänden. Konkret sagte er in bedrohlichem Ton:

„Viele der Maßnahmen erfordern die Einführung von Verfahrensregeln und gewissen bürokratischen Aspekten; daran arbeiten die Anwälte und andere Regierungsbeamte; und noch viele andere stehen vor ihrer Umsetzung."

Am gleichen Tag erschien im El Nuevo Herald von Miami ein Artikel voller Niederträchtigkeiten und plumper Lügen unter dem Titel „Kuba wusch bei einer Schweizer Bank 3,9 Milliarden USD". In diesem wurden neben einer Verzerrung der normalen Handelsgeschäfte, die Kuba mit dem Ausland abwickelt, die US-amerikanischen Behörden zu weiteren Aktionen gegen unser Land angehalten. Im Schlussteil jenes Artikels heißt es:

„Wir wissen, dass die Federal Reserve Autonomie besitzt; offenbar ist sie nicht daran interessiert, das Helms-Burton-Gesetz geltend zu machen, doch OFAC (englische Abkürzung des Amtes zur Kontrolle ausländischer Guthaben) gehört zur Exekutive und von ihm kann wohl verlangt werden, dass der kubanische Teil der UBS-Affäre (Union Schweizer Banken), vom Bankausschuss des Senats elegant unter den Teppich gekehrt, näher erklärt wird. Vielleicht könnten zur Klärung dieses kolossalen Skandals die kubanisch-amerikanischen Abgeordneten zu Anhörungen in den jeweiligen Ausschüssen des Repräsentantenhauses aufrufen."

Getreu ihrer Gewohnheit, unser Volk gebührend auf dem Laufenden zu halten, veröffentlichte die kubanische Regierung am 8. Juni in der Zeitung Granma eine Pressemeldung mit einer detaillierten Erklärung zum Ursprung unserer Geschäfte mit den ausländischen Banken, die die im Land eingenommenen Dollarbeträge in Form von Bargeld auf Bankkonten deponieren, um auf diese Weise Verbindlichkeiten aus unserem Außenhandel zu begleichen.

In dieser informativen Meldung hieß es u.a.:

„... wir konnten sehen, wie die Rechtsradikalen der Bush-Regierung in den letzten Tagen ganz unzweideutig Schritte tun, darauf gerichtet, die Einnahmen unseres Landes aus dem Tourismus und anderen Leistungen zu sperren und die Möglichkeit der Geldsendungen der in den Vereinigten Staaten ansässigen Kubaner an ihre Angehörigen in Kuba auf Null schrumpfen zu lassen. Zu diesem Zweck greifen sie zur denkbar perversesten, listigsten und heuchlerischsten Methode: Sie hindern Kuba ganz einfach daran, die aus den Verkäufen in den Devisenshops, aus Aktivitäten der Tourismusbranche und aus anderen kommerziellen Leistungen stammenden Dollarbeträge bei ausländischen Banken zu deponieren. So wird Kuba diese Dollar nicht benutzen können, um Medikamente und Nahrungsmittel zu beschaffen noch um für die Shops die erforderlichen Importe zu tätigen, die von jenen gekauft werden, die von ihren in den USA lebenden Angehörigen Geldsendungen erhalten.

„In dieser hinterlistigen Absicht setzt die Regierung der Vereinigten Staaten ausländische Banken unter Druck, von Kuba kein Geld anzunehmen, dessen Herkunft völlig legal und anständig ist. Obendrein wird in der Publikation der Presse der Terroristenmafia Miamis auf die widerliche Niederträchtigkeit angespielt, diese Gelder könnten sogar mit Aktivitäten wie Geldwäsche und Rauschgifthandel, die doch in unserem Land ganz energisch bekämpft werden, im Zusammenhang stehen."

Weiter heißt es in der in Granma erschienenen Meldung:

„Noch empörender erweisen sich diese Aktionen, wenn man bedenkt, dass der einzige Grund, weshalb Kuba-Touristen mit Bargeld umgehen müssen, die Yankee-Blockade ist, die ihnen die Benutzung von Kreditkarten oder Reiseschecks verbietet, die von jenen Markt kontrollierenden US-amerikanischen Banken oder anderen Finanzeinrichtungen ausgestellt sind. Außerdem wurde lediglich ein einziges US-amerikanisches Unternehmen befugt, Geldsendungen nach Kuba durch Banküberweisung vorzunehmen. So sind nun die im Ausland lebenden Kubaner einem wahren Kreuzweg ausgesetzt, wenn sie ihren Angehörigen eine finanzielle Hilfe zukommen lassen wollen und am Schluss sehen sie sich in den meisten Fällen gezwungen, Bargeld zu schicken. Diese Verfolgung und Bedrohung, der sich ständig jene ausgesetzt sehen, die von den Vereinigten Staaten aus ihre Angehörigen in Kuba finanziell unterstützen, trägt dazu bei, dass die Absender häufig das Mittel des Bargeldes vorziehen, um so keine dokumentarischen Spuren zu hinterlassen, durch die sie dann der Verfolgung durch die US-Behörden und den Gewaltakten der in Miami ansässigen Terroristen ausgesetzt wären.

„Schamloser und perverser geht es nicht"; heißt es weiter in der Granma-Meldung, „mit ihrer kriminellen Blockade zwingen die Vereinigten Staaten, die Geldsendungen und die Zahlungen ausländischer Besucher in Kuba in bar vorzunehmen und nun versuchen sie mit plumpen Druckmaßnahmen zu verhindern, dass Kuba dieses Geld zur Bezahlung seiner Importe benutzt."

Der Artikel schließt mit der Bekräftigung:

„Ihre sämtlichen Fallen sind zum Scheitern verurteilt. Unser heroisches Volk wird mit seiner gehabten Standhaftigkeit und Geistesgegenwart gegen den zwar mächtigen doch gemeinen und feigen Feind, wegen seiner Politik des Völkermords und seiner nazifaschistischen Methoden echt zu verachten, kämpfen und siegen."

Zu diesen Betrachtungen könnten wir hinzufügen, dass in dem siebenjährigen Zeitraum, auf den angespielt wird, Kuba Importe in Höhe von mehr als 30,854 Milliarden Dollar getätigt hat; dass also die 3,9 Milliarden, von denen es heißt, sie seien bei der genannten Schweizer Bank eingezahlt und anderen Empfängern transferiert worden, annähernd 13 Prozent der in diesem Zeitraum durch Kuba realisierten Zahlungen für Importe ausmachen, von denen ein wesentlicher Teil auf Nahrungsmittel, Brennstoffe, Medikamente oder Ausgangsstoffe für deren Herstellung, auf Zwischenprodukte für unsere Industriebranchen, Waren für die Devisenshops usw. entfällt.

Am nächsten Tag hielt ein Zusatzartikel im El Nuevo Herald am Thema fest und suggerierte in übelster Weise, das auf der genannten Schweizer Bank deponierte Geld sei unbekannten Personen oder Körperschaften auf nicht enthüllten Banken gutgeschrieben, wo doch das Geld in sämtlichen Fällen für normale Handelsgeschäfte mit international anerkannten Handels- und Industrieunternehmen benutzt wurde. Hysterisch wurde in der Zeitung gefordert:

„Es sind jene Namen, die man wissen will. Die Abgeordneten Floridas Ileana Ros-Lehtinen und Lincoln Díaz-Balart müssen Druck ausüben, damit bekannt wird, wohin dieses Geld ging und woher es kam."

In einer deutlichen Kampagne, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf dieses Thema zu richten, informierte am 10. Juni El Nuevo Herald erneut, die Mafia Miamis beantrage über ihre namhaftesten Sprecher, die Abgeordneten Ileana Ros-Lehtinen und Lincoln Díaz-Balart bei der Regierung der Vereinigten Staaten eine Untersuchung über Herkunft und Bestimmung der genannten Fonds. In diesem Artikel des El Nuevo Herald heißt es:

„Die Vereinigten Staaten haben Herkunft und Verbleib von 3,9 Milliarden USD zu untersuchen, die die Regierung Kubas im Rahmen eines Programmes der Federal Reserve ‚gewaschen‘ hat, erklärten gestern die Abgeordneten von Florida Ros-Lehtinen und Díaz-Balart in Schreiben an die Federal Reserve und den Finanzausschuss des Repräsentantenhauses."

„Wir sind zutiefst bestürzt, dass es durch die UBS (Union Schweizer Banken) zu einer so schweren Verletzung des Bundesgesetzes kommen konnte", schrieben die Abgeordneten dem Präsidenten der Federal Reserve Alan Greenspan. „Wir hoffen, die Nachforschungen werden Antwort auf viele Fragen bringen, die wir zu diesem Thema haben."

In einem Pressekommuniqué vom 22. Juni sagte die „reißende Wölfin" Ileana Ros-Lehtinen mit der an ihr gewohnte Hysterie:

„Ich bin erschüttert, wie eine Bank, der man die große Verantwortung übertragen hatte, die neue US-amerikanische Währung in Umlauf zu bringen, die Bestimmungen dieses Landes verletzt in Bezug auf einen Staat, der als terroristisch gilt."

Und mit größter Unverschämtheit forderte sie:

„Ich erwarte das Ergebnis der Untersuchungen.... Wird die UBS (Union Schweizer Banken) für schuldig befunden, die Restriktionen der Vereinigten Staaten in Bezug auf die Transaktionen verletzt zu haben, in die terroristische Regimes wie das Kubas verwickelt sind, dann ist es äußerst wichtig, dass die Verantwortlichen entsprechend bestraft werden."

In Fortführung ihrer Kampagne sandte Ileana Ros am 30. Juni ein Schreiben an den Vorsitzenden des Ausschusses für internationale Beziehungen des Repräsentantenhauses, Ermittlungen zu diesem Thema fordernd.

Den Hintergrund dieser Kampagnen und unflätigen Druckes bildete ein klares und offensichtliches Ziel: die Einschüchterung all jener Banken, die zu Kuba Finanzbeziehungen unterhalten könnten, um auf diese Weise deren Annahme von Dollarbanknoten zu vereiteln, die unser Land aus den erklärten Gründen regelmäßig ins Ausland zu senden hat.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits deutlich der Druck auf viele Banken seitens der US-amerikanischen Behörden zu erkennen in dem Versuch, diese Geldsendungen zu sperren und unser Land vor eine außerordentlich kritische Situation zu stellen.

Unter diesen Umständen setzte eine Prüfung sämtlicher möglicher Variablen ein mit dem Ziel zu vermeiden, dass eine neue kriminelle Aktion der US-Regierung, die Benutzung der in Kuba erhaltenen Bargelddollar zu kommerziellen Zwecken verhindernd, unserem Land ernsten wirtschaftlichen Schaden zufügen könnte.

Während nun Kuba gelassen und überlegt sämtliche Alternativen prüfte, regnete es an Lügen und Schändlichkeiten zu diesem Thema.

Am 3. Juni fiel El Nuevo Herald über die Amerikanische Bank für Entwicklung und die CEPAL (Wirtschaftskommission für Lateinamerika) her mit der Anschuldigung, ihre Schätzwerte mit den Geldsendungen von Angehörigen in den USA nach Kuba aufzubauschen, womit nun versucht werde, die rechtmäßige Herkunft der 3,9 Milliarden zu begründen.

Hierzu hieß es:

„All diese Machenschaften werden von der Amerikanischen Bank für Entwicklung und der CEPAL anhand der aufgebauschten Zahlen der Geldsendungen, die sie der kubanisch-amerikanischen Gemeinschaft zuschieben, verschleiert. Das muss geklärt werden. Außerdem zeigt der Geldwäscheskandal, dass Kuba ein vertraulicher Zufluchtsort ist für das Geld von Terroristen und Veruntreuern. Das muss aufgedeckt werden."

Mit ungeschliffener Sensationsgier, wie sie für das Gesindel Miamis charakteristisch ist, veröffentlichte El Nuevo Herald am 23. Juli einen Artikel unter dem Titel „Gesucht in den Vereinigten Staaten Verbindungen zu Fonds Kubas", in dem u.a. zu lesen war:

„Die Vereinigten Staaten leiteten eine Justizermittlung ein zur Feststellung möglicher Verbindungen von ‚US-amerikanischen Einrichtungen und Personen‘ zu den 3,9 Milliarden Dollar, die Kuba unter Ausnutzung eines Programmes der Federal Reserve in den internationalen Bankenapparat eingeschleust hat.

„Die Operation erfolgte über die Union Schweizer Banken."

„Gegenwärtig läuft eine Ermittlung seitens der Staatsanwaltschaft des South-Eastern District New Yorks", versicherte während seines gestrigen Besuches bei El Nuevo Herald Juan Zárate, Unterstaatssekretär für Finanzwesen der Vereinigten Staaten und verantwortlich für die Bekämpfung von Finanzierungen für terroristische Zwecke.

Der täglich über diese Angelegenheit in Miami publizierten Lügen waren es scheinbar so viele und von so ungebildeter plumper Art, dass sich ungeachtet der sprichwörtlichen Diskretion der Schweizer Banken die hier betroffene gezwungen sah, jegliche Anschuldigung von Geldwäsche öffentlich zu dementieren und eine am 25. Juli in Zürich veröffentlichte Meldung der AFP trägt folgenden Wortlaut:

„Die Union des Banques Suisses (Union Schweizer Banken, UBS), die größte Schweizer Bank, dementierte gestern, Geld für Kuba gewaschen zu haben, wie sie von drei Abgeordneten des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten beschuldigt wurde, die nun Ermittlungen fordern.

„Ein Sprecher der UBS in Zürich äußerte, keine Kenntnis von weiteren Ermittlungen über die Bank zu haben und wies jegliche Anschuldigung von Geldwäsche zurück.

....

„Einem Sprecher der UBS zufolge kam es bereits zur Prüfung des Falles durch die Federal Reserve der Vereinigten Staaten (Fed) und den Bundesausschuss der Schweizer Banken (CFB)."

Diese Erklärungen hinderten die Mafiosi Miamis und ihre Presseorgane nicht daran, an ihrer perfiden Kampagne festzuhalten; und am 16. September gab Ileana Ros-Lehtinen neue Erklärungen ab:

„Das wird noch um sich greifen", kommentierte die Abgeordnete El Nuevo Herald. ‚Es handelt sich um mindestens drei Personen, die in diese Geldmanipulation verwickelt waren, und weitere Banken werden überprüft‘ fügte sie hinzu."

Man beachte die deutliche Drohung in den Worten „weitere Banken werden überprüft".

Zu jenem Zeitpunkt bat ich den Banco Central de Cuba, die Arbeiten zu diesem Thema zu beschleunigen und wies an, die Prüfung auf die Möglichkeit des Einsatzes des konvertierbaren Peso als Ersatz des Dollar zu konzentrieren, damit neue Druckmaßnahmen der Mafia Miamis und der USRegierung das Land nicht verletzbar machen, sagte der Comandante.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass ich bei meinen Ausführungen in der zweiten Podiumsdiskussion zum Thema Elektrizität am 28. September die Öffentlichkeit auf diese Probleme aufmerksam machte, ohne dabei ins Detail zu gehen. Ich sagte wörtlich:

„Wir haben einen Feind, der mehr als 45 Jahre lang versucht hat, uns auf jede mögliche Art zu vernichten, dass sogar das von einem Touristen bezahlte Geld nicht in der Welt zirkulieren darf, denn da sie die Herren der Hauptwährung und die Herren der Welt sind, verbieten sie die Benutzung des Dollars in jeglichen Geschäften Kubas."

Hinsichtlich der Maßnahmen, mit denen wir uns beschäftigten, schickte ich in der ebenfalls der Frage Elektrizität gewidmeten Podiumsdiskussion voraus:

„Sie geben sich alle Mühe und auch wir sind am Überlegen, wie wir uns zur Wehr setzen können, denn wehrlos werden wir nicht dastehen. Wir werden ihnen nichts sagen. Sollen sie doch tun, was ihnen beliebt, sollen sie doch belästigen, sollen sie doch versuchen zu zerstören; doch auf keine dieser Maßnahmen werden wir die Antwort schuldig bleiben, mit denen blockiert werden soll und danach das Land der Geldwäsche bezichtigt wird als handle es sich um Geld aus Spielgewinn, Schmuggel oder Geldwäsche. Es handelt sich um unser im Schweiße unseres Angesichts anständig verdientes Geld. Nun treffen sie Maßnahmen, um diesen Dollar nicht zirkulieren zu lassen. Doch wir werden ja sehen; ganz sicher werden wir eine Erwiderung darauf haben, und es wird ihnen missglücken so wie es immer missglückt ist."

Erst neulich, am 9. Oktober, genau 11 Tage vor meinem unwesentlichen Sturz, erfuhr man von einer Rede des Unterstaatssekretärs für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre beim State Department der Vereinigten Staaten Daniel W. Fisk vor dem Verband kubanisch-amerikanischer Veteranen, bei der er sich mit grenzenlosem Zynismus mit dem vermeintlichen Erfolg der kriminellen Maßnahmen brüstete, die die Bush-Regierung gegen unser Volk getroffen hatte. Er sagte u.a.:

„Mehr noch, eine weitere Stütze in unserer Strategie ist die Aufdeckung des so lange Zeit nicht bekannten Flusses der Einnahmen des Castro-Regimes, um dann einzugreifen, damit dieser Geldfluss geringer wird. Da ist beispielsweise der Tourismus, der den Zuckerexport als hauptsächliche Devisenquelle abgelöst hat.

.....

„Wie vielen von euch bekannt ist, haben wir zur weiteren Schwächung des Ressourcenzuflusses, der es Castro ermöglicht, das kubanische Volk unterdrückt zu halten, unsere Politik hinsichtlich der Geldsendungen, Spendenpakete und Besuchsreisen der Angehörigen auf die Insel nachdrücklicher gestaltet. Dieses Geld und Waren hätte Kuba jährlich Einnahmen von schätzungsweise 1,5 Milliarden USD gebracht, gesandt von jenen, die außerhalb der Insel leben.

.....

„...wir haben der Castro-Regierung mehr als 100 Millionen Dollar in harter Währung entzogen. Das sind 100 Millionen weniger, die Castro zur Verfügung stehen, um das Volk zu unterdrücken und sich an der Macht zu halten.

„Überträgt man außerdem diese Zahlen auf ein ganzes Kalenderjahr, dann schätzen wir für das Regime einen jährlichen Nettoverlust von 375 Millionen USD allein durch die Reduzierung der Besuchsreisen.

„Die Abnahme aller Einnahmeströme hochrechnend, meinen wir, dem Regime mindestens 500 Millionen Dollar verweigert zu haben, die Castro zur Stützung seines Sicherheitsapparates und Nachrichtendienstes benutzt hätte."

Neben so viel Arroganz des Imperiums und so viel Aufschneiderei gab es einen ganz speziellen Abschnitt, der sorgfältig unter die Lupe zu nehmen war.

Hier sagte Herr Fisk:

„Wir haben eine Gruppe der Verfolgung Kubanischer Guthaben gegründet. Zu ihr gehören Funktionäre mehrerer Agenturen, die für die Einhaltung der Gesetze zuständig sind und nun neue Wege der Devisenbewegungen von und nach Kuba erkunden und diese Bewegungen stoppen soll."

Die Verbindung zwischen der schmutzigen Kampagne der Mafia Miamis zum Thema der angeblichen Geldwäsche und dieser neuen kriminellen Handlung der US-Regierung, eine Gruppe zu gründen, die die Devisenströme von und nach Kuba verfolgt, konnte nicht deutlicher zutage treten. So duldeten also die Aktionen zum Schutze der Interessen unseres Landes gegen diese neue Aggression keinen Aufschub. Unverzüglich wies ich die Zentralbank Kubas an, ein Durchführungsprogramm zur frühestmöglichen Einführung des konvertierbaren Peso als Ersatz für den Dollar aufzustellen.

Dieser Zeitplan wurde umgesetzt und gegenwärtig können wir nun offiziell ankündigen, dass ab dem 8. November im gesamten Staatsgebiet anstelle des US-Dollar der konvertierbare Peso zirkulieren wird.

Als Erstes muss hier klargestellt werden, dass dieses nicht bedeutet, der Besitz von Dollars oder einer anderen frei konvertierbaren Währung sei strafbar. Die Bevölkerung darf über jede beliebige Menge Dollar verfügen, ohne dass es sich dabei um eine Gesetzesverletzung handelt. Worum es sich handelt ist, dass mit genanntem Datum, dem 8. November, der Dollar in unseren Devisenläden nicht mehr angenommen wird; diese werden dann lediglich konvertierbare kubanische Peso akzeptieren.

Wer konvertierbare Währung besitzt, seien es Kubaner oder ausländische Besucher, muss für seine Einkäufe in den Deviseneinrichtungen im Staatsgebiet zuerst konvertierbare Pesos eintauschen. Das kann an den Wechselstellen (CADECAS), den Bankfilialen und auch einer bedeutenden Anzahl von Geschäften geschehen, die gegen Devisen verkaufen und diese Leistung ebenfalls erbringen werden. Zusätzlich wurde entschieden, dass, wer ab genanntem Datum, also dem 8. November, konvertierbare Pesos gegen Dollar in bar kaufen will, eine zehn Prozent betragende Abgabe zuzahlen muss. Diese dient als Ausgleichung der Risiken und Kosten, die die Manipulation von US-Dollar der kubanischen Wirtschaft verursacht als Folge der genannten Maßnahmen der US-Regierung, durch die unser Land gehindert werden soll, die Dollar als Bargeld für normale kommerzielle Zwecke zu nutzen.

Es ist wichtig zu wiederholen — damit keine Irrtümer entstehen — dass diese Abgabe ab dem 8. November einsetzt. So hat also jeder Dollarbesitzer zwei Wochen Zeit, um von seinem Umtauschrecht in konvertierbare Pesos 1 : 1 ohne jegliche Abgabe Gebrauch zu machen. Ebenfalls können je nach Wunsch vor diesem Zeitpunkt Waren gegen Dollar gekauft werden. Wer ein Dollarkonto bei der Bank hat, kann das Bargeld deponieren und danach jederzeit konvertierbare Pesos 1 : 1 oder auch Dollar abheben. Ist noch kein Dollarkonto vorhanden, so kann man dieses eröffnen, die Dollar bei der Bank deponieren und später dann zum gewünschten Zeitpunkt 1 : 1 konvertierbare Pesos oder auch Dollar ohne jegliche Abgabe abheben.

Die Empfänger von Geld aus dem Ausland haben ab heute zwei Wochen Zeit, um je nach Wunsch mit ihren Angehörigen zu vereinbaren, künftig die Sendungen nicht mehr in Form von Bargelddollar vorzunehmen sondern in anderen Währungen wie Euro, kanadischen Dollar, Pfund Sterling oder Schweizer Franken, die nicht mit der 10-prozentigen Abgabe belastet werden.

Das heißt also, man hat nach Wegen gesucht, damit durch diese Maßnahme niemand zu Schaden kommt; denn es wird genügend Zeit für eine passende Regelung des Bargeldbestandes eingeräumt, um nicht die festgelegte Abgabe zahlen zu müssen.

Ich sage noch einmal, diese ist keine Aktion zum Zwecke der Deviseneinnahme über eine Abgabe, sondern es ist die Erwiderung auf eine reale Bedrohung durch eine kriminelle Maßnahme der US-Regierung und eine schamlose Kampagne zur Einschüchterung der ausländischen Banken.

Ebenso möchte ich betonen, dass sämtliche Bankkonten in Dollar, konvertierbaren Pesos oder irgendeiner anderen Währung vollkommen abgesichert sind und, wie ich bereits sagte, die bei den Banken deponierten Fonds keinerlei Abgaben unterliegen, ganz unabhängig vom Zeitpunkt, an dem die Kunden sich Beträge ohne jegliche Einschränkungen auszahlen lassen.

Vielleicht verliest uns Randy zum besseren Verständnis des Themas die Resolution der Zentralbank, durch die diese Maßnahme in Kraft tritt und auf deren Grundlage dann einige klärende Kommentare gegeben werden können.

Wie ich bereits erklärte, legt die Resolution in erster Linie fest, dass die Bevölkerung ohne jegliche Restriktionen wie bis jetzt US-Dollar oder jede andere konvertierbare Währung in uneingeschränkter Höhe in ihrem Besitz haben darf. Ab morgen wird bis zum 7. November so verfahren wie bisher; die Geschäfte akzeptieren weiterhin Dollar. Wer seine Dollar gegen konvertierbare Pesos umzutauschen wünscht, zahlt keine 10-prozentige Abgabe und der Umtausch erfolgt 1 : 1. Ohne jegliche Restriktionen können neue Dollarkonten eröffnet oder neue Einlagen auf bestehenden Konten deponiert werden. Diese Fonds können später dann zu einem beliebigen Zeitpunkt in konvertierbaren Pesos 1 : 1 oder, je nach Wunsch des Kunden, in Dollar ohne jegliche Abgabepflicht abgehoben werden.

Ab dem 8. November tritt die zwingende Regelung in Kraft, wonach in sämtlichen Deviseneinrichtungen in konvertierbaren Pesos zu zahlen ist. Man erinnere sich, es handelt sich hierbei nicht um einen Umtauschkurs zwischen dem Dollar und dem konvertierbaren Peso, der weiterhin bei 1 : 1 liegt, sondern der Kauf von konvertierbaren Pesos mit Dollarbargeld ist schlicht und einfach mit einer Abgabe belastet. Mit einem konvertierbaren Peso können Sie einen Dollar kaufen. Wollen Sie aber mit einem Dollar einen konvertierbaren Peso kaufen, müssen Sie die 10-prozentige Abgabe zahlen, also werden Sie für Ihren Dollar nur 90 Centavos des konvertierbaren Pesos erhalten.

Noch einmal erinnere ich daran, dass für die anderen in Kuba akzeptierten Währungen — Euro, Schweizer Franken, Pfund Sterling und kanadischer Dollar — keinerlei Abgabe existiert. Die 10-prozentige Abgabe wird ausschließlich auf Dollar in Form von Bargeld erhoben aufgrund der entstandenen Situation durch die neuen Maßnahmen der US-Regierung, die das Land abwürgen sollen.

Um den Geldumtausch zu erleichtern, beginnt dieser am 28. Oktober an den Wechselstellen (CADECAS), den Bankfilialen, den Hotels und Geschäften. Genauere Informationen dazu verlas Randy aus der Resolution.

Gemäß der Resolution werden unabhängig von der Währung, einschließlich Dollar, die mit Kredit- oder Debetkarte getätigten Transaktionen nicht mit Abgaben belastet. Die Erklärung dafür ist, dass eine mit Kredit- oder Debetkarte getätigte Transaktion keine Bargeldbewegung einschließt, also auch keine Kosten und Risiken im Zusammenhang mit der Dollarmanipulation in Form von Bargeld existieren.

Zur Erleichterung des Geldwechsels wurden im Banksystem einige Maßnahmen getroffen. Beispielsweise werden die Banken am Samstag, den 6. und Sonntag, den 7. November geöffnet sein und vom 28. Oktober bis 5. November werden sie sich ab 12.00 Uhr ausschließlich dem Geldumtausch widmen, um der Bevölkerung mehr Möglichkeiten zu geben, damit keiner vom Umtausch seiner Dollar in konvertierbare Pesos vor dem 8. November ausgeschlossen wird und damit dann nicht die zehn Prozent Abgabe gezahlt werden müssen.

Im Rahmen dieser Überlegungen ist natürlich auch zu verdeutlichen, dass beim Kauf kubanischer Pesos gegen US-amerikanische Dollar an den CADECAS die 10-prozentige Abgabe erhoben wird, da wir ja in diesem Falle Dollar in Form von Bargeld erhalten.

Ebenso will ich klarstellen, dass diese Maßnahme in keiner Weise die von kubanischen Geldinstituten ausländischen Einrichtungen gewährten Sicherheiten weder ver- noch behindern wird noch die zur Einlösung ihrer Verbindlichkeiten verfügbaren Mittel in frei konvertierbarer Währung. Das Ganze ist von allein interner Tragweite und wir sind lediglich dabei, in die Geldzirkulation innerhalb des Staatsgebietes Ordnung zu bringen und uns vor einer Wirtschaftsaggression von außen zu schützen.

Freitag, 22. Oktober 2004

Brief des Genossen Fidel an seine Mitbürger

Liebe Mitbürger!

Gestern, am 20. Oktober, erlitt ich einen zufälligen Sturz nach Beendigung meiner Rede auf der Veranstaltung in Santa Clara. Einige Nachrichten-agenturen und andere Medien, welche Nachrichten übermitteln, verbreiteten mehrere Versionen zu den Ursachen des Unfalls. Als Protagonist und betroffener Zeuge kann ich euch mit der gröb ten Genauigkeit die Ursachen für das Geschehene erklären.

Ich hatte meine Rede an die als Kunstausbilder Graduierten gegen 22 Uhr beendet. Mehrere Genossen der Partei und Regierung kamen auf die Tribüne, um mich zu grüb en. Unter ihnen befand sich Elian, wie es bei bestimmten Veranstaltungen Gewohnheit ist. Wir verweilten dort mehrere Minuten und stiegen dann sofort die selbe kleine Holztreppe hinab, über die wir auf die Tribüne gestiegen waren, um uns erneut zu versammeln. Ich ging schnell über den Strab enbelag aus farbigem Granit, um mich auf den selben Stuhl zu setzen, der mir vor meiner Rede auf der Tribüne zugewiesenen worden war. Ich ging über das Granitpflaster und grüb te ab und zu die begeisterten Kunstausbilder und mehr als 25 000 zu dieser Veranstaltung eingeladene Einwohner der Provinz Villa Clara.

Als ich an dem Betonboden, ungefähr 15 bis 20 Meter von der ersten Sitzreihe entfernt, ankam, merkte ich nicht, dass zwischen dem Strab enbelag und der Menschenmenge eine relativ hohe Bordkante vorhanden war. Wegen dem Höhenunterschied bezüglich der Fläche, wo sich die Teilnehmer auf ihren entsprechenden Sitzplätzen befanden, trat mein linker Fub ins Leere. Der Impuls und das vor langer Zeit von Newton entdeckte Schwerkraft-Gesetz verursachten, dass ich durch das Umknicken des Fub es/den Fehltritt nach vorn und in Sekundenschnelle auf den Strab enbelag fiel. Rein aus Instinkt streckte ich meine Arme vor, um den Sturz aufzufangen; sonst wären mein Gesicht und mein Kopf hart auf dem Boden aufgeschlagen.

Es war niemand daran Schuld. Es war absolut meine eigene Verantwortung. Anscheinend erklärt die Ergriffenheit dieses so schöpfungsreichen und von Symbolismus vollen Tages diese Unvorsichtigkeit meinerseits.

Alles andere, was in den folgenden Minuten geschah, ist ausreichend bekannt. Was mich in jenem Moment am meisten schmerzte, war der Gedanke an das Leiden jener grob en Anzahl von jugendlichen Graduierten und Einwohnern von Villa Clara, die zu dieser schönen und ergreifenden Veranstaltung eingeladen waren.

Ich konnte mich kaum bewegen. Und nach vielen Hindernissen, inmitten jener Konsternation, konnte man mich in den hinteren Teil des Autos, in dem ich reiste, hineinsetzen und nicht in den Geländewagen, den ich angefordert hatte. Es tauchte dort kein einziger auf. Wir fuhren in das Haus, welches mir dort zugewiesen worden war, um eine erste Untersuchung der durch den Sturz verursachten Verletzungen vorzunehmen; denn im Endeffekt konnte man dort wenig tun.

Es tauchte ein Krankenwagen auf und wir beschlossen ihn für meinen Transport in die Hauptstadt zu verwenden. Die Schmerzen und Symptome wiesen offenkundig auf die Notwendigkeit hin, genauere Untersuchungen und mögliche unmittelbare chirurgische Eingriffe vornehmen zu müssen. Auf einer Tragbahre liegend wurde ich mit dem Krankenwagen in die Hauptstadt gebracht.

Ich will nicht übergehen zu erwähnen, dass es trotz einiger Schlaglöcher bequem und angenehm war, zusammen mit mehreren sehr kompetenten Ärzten und einigen Genossen, die wie Carlitos und ich in jenem Krankenwagen zusammengedrängt waren. Mir waren einige Schmerzmittel verabreicht worden und in gewisser Weise linderten sie mir als Patienten die stechenden Schmerzen.

Unterwegs begannen wir zu arbeiten. Wir riefen in meinem Büro und bei verschiedenen Genossen an, damit man uns Informationen über die internationale Reaktion liefere und um genau zu schildern, was passiert war. Es wurden Anweisungen gegeben, technische Mittel und fachärztliches medizinischens Personal mobilisiert, um die erforderlichen Bedingungen für die verschiedenen Varianten von Verletzungen zur Verfügung zu haben, die in Betracht gezogen worden waren.

Sogar der Präsident Hugo Chávez rief an, sobald er davon erfuhr. Er unterhielt sich mit Felipe und bat darum, mit mir verbunden zu werden. Das war dank der drahtlosen Funktechnik möglich und trotz der Schwierigkeiten dieser Art: sie sind schwierig und leiden oft aus technischen Gründen Unterbrechungen.

Auf die selbe Art und Weise konnte ich mich mit den in Santa Clara versammelten Compañeros Kunstausbildern unterhalten. Ich bat sie inständig, sie sollten die im Anschluss an die Veranstaltung vorbereitete Feier nicht absagen. Mittels eines vor ein Mikrofon gehaltenen Mobiltelefons an dem Ort, wo sie sich befanden, sprach ich direkt zu ihnen und übermittelte ihnen die Botschaft.

Wir fuhren gegen 23 Uhr aus Santa Clara ab. Wir kamen im Revolutionspalast an. Auf der Tragbahre und auf den Schultern mehrerer Genossen getragen wurde ich unmittelbar in die kleine Krankenhauseinrichtung geführt, die ein Mindestmaß an Gerätschaften für Notfälle zur Verfügung hat. Sofort wurden klinische Untersuchungen, Rhöntgenbilder, Blut- und andere Untersuchungen vorgenommen. Es konnte präzisiert werden, dass die wichtigsten Komplikationen am linken Knie und am oberen Teil des rechten Arms lagen, wo der Oberarmknochen eine Fissur aufwies. Die Kniescheibe war in acht Stücke zersplittert. Ich konnte jedes einzelne der Bilder und die Untersuchungen verfolgen. Im gemeinsamen Einverständnis zwischen den Spezialisten und dem Patienten beschlossen wir, sofort die Knieoperation vorzunehmen und den rechten Arm mit einer einfachen Tragschlinge ruhig zu stellen.

Der Operationsprozess und seine Vorbereitungen dauerten insgesamt drei Stunden und fünfzehn Minuten. Die Ortopäden widmeten sich der Aufgabe, jedes einzelne Bruchstück en den ihm entsprechenden Platz zu bringen und sie wie Weber solide miteinander zu vereinen, indem sie die einen und anderen mit feinen Fäden aus rostfreiem Stahl verbanden. Eine Goldschmiedearbeit.

Der Patient beantragte bei den Ärzten, dass man ihm kein Beruhigungsmittel verabreichen und Spinalanästhesie anwenden solle. Das Spinalanästhetika betäubt vollkommen den unteren Teil des Körpers und erhält den anderen Teil des Körpers unberührt. Er erläuterte ihnen, dass es auf Grund der aktuellen Situation notwendig sei, die Vollnarkose zu verhindern, um in der Lage zu sein, zahlreiche wichtige Angelegenheiten zu bearbeiten. Deshalb hielt er während der erwähnten Zeitspanne, die der Prozess andauerte, den Kontakt zu seinem Bürochef aufrecht, auch in der Nähe des Operationssaals und mit der sterilen Kleidung für den chirurgischen Eingriff bekleidet. So erhielt er die ganze Zeit weiter Informationen und gab Anweisungen dazu, wie die durch den unvorhergesehenen Unfall hervorgerufene Situation zu meistern sei.

Nach Beendigung des chirurgischen Teils wurde das linke Bein eingegipst und gleichzeitig der rechte Arm ruhig gestellt.

Es war wirklich eine unvergessliche Erfahrung, Mitbürger. Die Spezialisten und der Patient analysierten und koordinierten ausgezeichnet, was unter den konkreten Umständen zu tun war, unter denen das Land lebt, und dies ohne eine einzige Minute zu verlieren.

Vom Augenblick des Sturzes selbst an habe ich nicht aufgehört, in Koordination mit allen anderen Genossen die wichtigsten mir zustehenden Aufgaben zu erfüllen.

Ich wollte euch heute Abend diese Nachricht übermitteln. Meine Genesung verläuft gut und ich werde nicht aufhören, mit euch in Kontakt zu bleiben. Ich drücke euch meinen tiefsten Dank für die Beweise der Liebe und Solidarität aus, die ich in diesen Augenblicken von euch erhalten habe.

Jeder einzelne der Revolutionäre weiß, was er in jedem Augenblick zu tun hat! Tun wir es!

Ich bitte euch um Entschuldigung wegen der so langen Botschaft.

[Gezeichnet:] Fidel Castro Ruz

Fidel Castro

21. Oktober 2004

19:35 Uhr

Mittwoch, 20. Oktober 2004

Fidel Castro anlässlich des Ausbildungsabschlusses des ersten Lehrgangs an den Schulen für Kunstausbilder in Santa Clara

Rede des Präsidenten der Republik Kuba Fidel Castro Ruz anlässlich des Ausbildungsabschlusses des ersten Lehrgangs an den Schulen für Kunstausbilder auf dem Platz Ernesto Che Guevara in Santa Clara am 20. Oktober 2004

Dozenten und Personal der Schulen für Kunstausbilder!

Jugendliche Abiturienten und Kunstausbilder!

Liebe Gäste!

Bürger von Villa Clara!

Mitbürger in ganz Kuba!

Genau vier Jahre, fünf Monate und drei Tage ist es her, da wir am 17. Mai 2000 in einer Beratung der Arbeitsgruppe Batalla de ideas (Ideenschlacht) das Projekt der beruflichen Vorbereitung von Kunstausbildern bestätigten. Die sofortige Aufgabe war es nun, schleunigst landesweit 15 Schulen mit nicht genutzten Kapazitäten ausfindig zu machen und hier die erforderliche materielle Basis zu schaffen, um noch im September jenes Jahres mit nicht weniger als 4000 Studierenden den ersten Ausbildungsgang zu starten und dann nach zehn Jahren über etwa 30 000 Kunstausbilder zu verfügen.

Das in den ersten Jahren der Revolution in dieser Richtung aufgestellte Programm — seine Ergebnisse waren wenn auch bescheiden, so doch vielversprechend — war auf fast null zusammengeschmolzen, und es erwies sich als unbedingt erforderlich, dieses wieder in Angriff zu nehmen, und zwar auf solidem Fundament und mit aller Kraft, dem Wissen und dem revolutionären Bewusstsein, worüber unser Volk in der Zwischenzeit verfügte. Die Schüler, Absolventen der neunten Klasse, waren einer strengen Auswahl unterworfen. Die Schulen waren hinsichtlich ihrer Kapazität der Bevölkerungszahl einer jeden der 14 Provinzen und des Sonderverwaltungsbezirks Isla de la Juventud anzupassen.

In nur drei Monaten wurden die 15 Schulen einsatzbereit gemacht. Simultan dazu erfassten der Jugendverband UJC, die Pionierorganisation José Martí und die Ministerien für Bildung und für Kultur in enger Zusammenarbeit die ersten 4000 Studierenden. Lehrpläne- und programme wurden aufgestellt, der Lehrkörper organisiert, Schuluniformen entworfen und gefertigt, die für den Start unerlässliche Literatur disponiert und der Kauf von Arbeitsmaterial eingeleitet.

Am 4. September 2000 begann in den 15 Schulen für Kunstausbilder der Unterricht.

Für diesen ersten Studiengang hatten sich 12 000 Schüler beworben. In den darauf folgenden Jahren bewarben sich im Durchschnitt 17 000 pro Studiengang. Es konnte eine breite und qualitätsmäßig gute Auswahl getroffen werden.

Es gab sie, die nicht an die Umsetzbarkeit dieses Projektes glaubten, die sich fragten, woher man wohl die Dozenten und Lehrmittel nehmen werde. Wieder andere fragten sich, wie wir denn neue Schulen gründen könnten, wo doch die Bedingungen in den bereits existierenden schon keine guten waren.

Nach sechsmonatigem Funktionieren wurde am 18. Februar 2001 in der Schule „Manuel Ascunce Domenech" in Villa Clara das Programm der Schule für Kunstausbilder offiziell eingeweiht, das als wesentlicher und untrennbarer Bestandteil der Schlacht der Ideen bereits umgesetzt wurde.

Während dieser ersten vier Jahre wurden nach und nach auch die Bauprojekte abgeschlossen, wodurch nun Kapazitäten für insgesamt 16 200 Studierenden zur Verfügung stehen.

Die Ausgaben in Devisen für wesentliche Investitionen waren folgende:

Für Lehrmittel generell sowie spezifischer Art — 1 795 036 USD;

für materielle Lebensbedingungen — 1 958 796 USD;

für bauliche und technologische Investitionen — 9 891 975 USD.

Als interessanten Vergleich füge ich hinzu, dass, betrachtet man den derzeitigen Preis des Erdöls auf dem Weltmarkt, die in diesen vier Jahren entstandenen Gesamtkosten in Devisen für die Einrichtungen dieses außergewöhnlichen Bildungs- und kulturellen Programmes annähernd den Kosten eines dreitägigen Brennstoffverbrauchs in Kuba gleichkommen.

Im ersten Lehrgang immatrikulierten 4086 Schüler; zum Lehrkörper gehörten 1111 Lehrende.

Heute liegt die Immatrikulationszahl bei 16 168 Studierenden; davon 4535 in Musik, 4202 in Bildender Kunst, 3692 in Bühnenkunst und 3739 in Tanzdisziplinen.

Den Lehrkörper bilden heute 2852 Lehrende; davon unterrichten 715 die generellen Fächer und 2137 unterrichten die spezifischen künstlerischen Disziplinen. Von den Lehrern stehen 1228 fest im Schuldienst und 1624 sind kooperativ beschäftigt.

Sehr zu Recht muss hervorgehoben werden, dass sich viele Lehrer, Künstler und Intellektuelle den Anstrengungen zur Bildung des Lehrkörpers der Schulen für Kunstausbilder angeschlossen, die Lehrpläne bereichert und erzielt haben, dass das, was ein andermal verschwunden war, einen Wiederaufschwung erlebt mit einer noch stärkeren Kraft als Bestandteil der kolossalen Schlacht um eine generelle Allgemeinbildung in unserem Volk. Ebenso ist die Rolle der 2531 Kunstausbilder anzuerkennen, die im Verlauf der Revolution viele Jahre hindurch ihrer Tätigkeit treu geblieben sind und dieser Initiative entscheidende Unterstützung geleistet haben.

In diesen fünf Lehrgängen — den derzeitigen eingeschlossen — der Kunstausbilderschulen immatrikulierten insgesamt 20 235 Studierenden.

Heute erhalten ihren Abschluss 3237 der 4086 Studierenden des ersten Lehrgangs; 34 Studierenden bereiten sich auf ihre demnächst abzulegende Abschlussprüfung vor. Das ergibt insgesamt 3271 Absolventen. Sie erwerben den Titel eines Abiturienten und Kunstausbilders in Musik, Bildenden Künsten, Bühnenkunst oder Tanz. Dafür erfüllten sie einen Lehrplan von 7000 Stunden in der Fachrichtung Musik, 7320 Stunden in der Fachrichtung Bildende Künste, 6840 Stunden in der Fachrichtung Bühnenkunst und 7000 Stunden in der Fachrichtung Tanz. Außerdem erwerben alle neben ihrer Fachrichtung umfassende Kenntnisse über alle anderen Kunstbereiche.

Der Lehrplan erfuhr im Verlauf dieser Arbeitsjahre Vervollkommnung. Das Lehrprogramm enthält die Stunden für Überlegungen und Debatte, das audiovisuelle Programm, das Berufspraktikum und das selbständige Arbeiten im vierten Jahr, sämtliche im Lehrplan programmiert.

Zum Erreichen dieser Ziele verfügen die Schulen über Videosäle, Bibliotheken, Computerlabors mit einem PC pro 30 Studierenden, Musikzimmer, Podeste für Tanz und Bühnenkunst sowie über Werkstätten für bildende Kunst.

Die Absolventen dieser Schulen haben in den vier Jahren ihrer Ausbildung durchschnittlich 167 Werke im Zusammenhang mit ihrer Fachrichtung sowie der kubanischen und Weltliteratur und –geschichte zu konsultieren oder zu lesen.

Von den Absolventen sind:

o 61,04 Prozent Weiße, 13,3 Prozent Neger und 25,6 Prozent Mestizen; das entspricht annähernd und sehr zufriedenstellend de ethnischen Zusammensetzung unserer Bevölkerung.

o 62,09 Prozent sind Frauen und 37,90 Prozent sind Männer.

o Von den Absolventen gehören 1822, also 56,3 Prozent, dem kommunistischen Jugendverband UJC an.

Als Kinder hätten die heutigen Absolventen es sich nicht träumen lassen, einmal Kunstausbilder zu werden. Von heute auf morgen kam diese neue Option auf. Viele hatten vielleicht die Möglichkeit erträumt, sich beruflich einmal mit Musik, den bildenden Künsten, der Bühnenkunst oder dem Tanz zu befassen; doch diese Gelegenheit gab es nicht.

Das Dilemma, ob sie nun Künstler sind oder nicht, hat uns begleitet. Heute hört man immer häufiger, sie seien Künstler des schönen Berufes, die Kunst dem Volk beizubringen. Bei der Arbeit mit den Kindern haben sie einen Bereich der Pädagogik entdeckt, der sie bereichert, und es braucht ja zwischen der einen und der anderen Funktion keinen Widerspruch zu geben. Ebenso wenig ist die Möglichkeit der Entwicklung ihres künstlerischen Werkes zu verstümmrln, wenn sie in der Lage sind, ihren Pflichten als Ausbilder einer Schule nachzukommen.

Die persönliche Verantwortlichkeit im Rahmen ihrer Verpflichtung gegenüber der Revolution und die Arbeit wird sie dahin führen, ihre Funktion als Ausbilder zu erfüllen.

93 Prozent der heutigen Absolventen hatten vor vier Jahren noch keinerlei Unterricht in den Fachrichtungen gehabt, die ihnen heute bekannt sind. Und wenn sie auch noch viel lernen müssen über ihren Beruf, die Kunst, das Arbeitsleben und die Hingabe an die Revolution, so ist es doch ebenfalls sehr wahr, dass sie nicht mehr die gleichen sind wie damals, als sie sich diesen Weg zu bahnen kamen. Sie sind körperlich, politisch und gesellschaftlich reifer geworden.

Ab dem 6. September dieses Jahres nahmen sie ihre Tätigkeit in Grund-, Mittel- und Sonderschulen in sämtlichen Kreise des Landes auf. Eingesetzt wurden sie folgendermaßen:

684 in Grundschulen mit Vormittags- und Nachmittagsunterricht;

704 in Ganztagsschulen der Grundstufe;

56 in Internatsschulen der Grundstufe;

117 in Internatsschulen der Mittelstufe auf dem Lande;

50 in Ganztagsschulen der Mittelstufe in der Stadt;

50 in Schulen für verhaltensgestörte Kinder.

Die von den Ausbildern in den Lehreinrichtungen ausgeübte Tätigkeit ist auf das Erreichen der folgenden fünf Hauptziele gerichtet:

o Durchführung von Workshops für Kreation und Auswertung mit allen Studierenden der Lehranstalt;

o Betreuung von Laiengruppen und künstlerischen Einheiten;

o Methodologisch-fachliche Ausbildung des Lehrpersonals;

o Promotion der künstlerischen Äußerungen in der Schule;

o Verschönerung des Umfeldes der Schule.

Mit der Ankunft der Kunstausbilder festigt sich die Schule als die bedeutendste kulturelle Einrichtung der Gemeinschaft. Die Ergebnisse ihrer Tätigkeit werden in der Familie ihre Widerspiegelung finden. Die Arbeit dieser ausgebildeten Kräfte geht über die Schule hinaus und wird von ihrem Verhältnis zu den übrigen kulturellen und sozialen Einrichtungen der Gemeinschaft abhängen.

Durch ihre Anwesenheit erfährt das System der Arbeit mit den Kindern, den Heranwachsenden und Jugendlichen, das sich in diesen Jahren der Schlacht der Ideen herausgebildet hat, eine Bereicherung. Unerlässlich sind die Beziehungen zwischen dem Gesamtlehrer der Grundfächer, dem Lehrer für SW-Schulung, dem Sozialarbeiter und dem Kunstausbilder.

Über die zu erwartenden Ergebnisse hatten wir bereits Kenntnis. Sie zeigten sich in jeder Etappe des Berufspraktikums, während derer die Studierenden vom zweiten Jahr an zu Lehreinrichtungen und den Gemeinschaften in Verbindung stehen. Zwei Beispiele sollen ausreichen. Das erste:

Das Berufspraktikum im Kreis La Sierpe in der Provinz Sancti Spíritus der Studierenden des vierten Jahres beinhaltet eine Woche Tätigkeit in Gemeinschaften oder Schulen, in denen die Arbeitsbedingungen schwieriger als gewöhnlich sind.

Im Falle der genannten Provinz wurde beschlossen, die 183 Studierenden des vierten Jahres, die heute ihre Ausbildung abschließen, im Kreis La Sierpe einzusetzen, da dieses ein neues Munizium ist ohne eine solide kulturelle Tradition, in dem es Jahrzehnte lang keine Fachkraft auf dem Gebiet der Kultur gegeben hat. Das heißt, ein Kreis, das keine graduierten Ausbilder aus früheren Etappen aufzuweisen hat und wo es sogar sehr schwer ist, Studierenden für die Kunstausbilderschulen zu gewinnen; ja es geht sogar so weit, dass sich zum ersten Lehrgang nur eine einzige Schülerin meldete, die heute ihren Titel erhält. Die Studierenden wurden nun in allen Schulen eingesetzt; und es war — dem Gedächtnis von Schülern und Lehrern zufolge — das erste Mal seit vielen Jahren, dass es im Territorium zu einer so starken kulturellen Bewegung kam. Untergebracht waren sie in den Schulen; sie arbeiteten in diesen und in den Gemeinschaften. In einigen Fällen mussten sie mehrere Kilometer zu Fuß zurücklegen.

Von allem, was dort geschah, reden heute noch Kinder und Eltern. Drei Studierenden aus anderen Kreise baten, auf dieser Erfahrung fußend, im Kreis La Sierpe eingesetzt zu werden. Es konnten 25 Schüler für die Schule der Kunstausbilder für den eben begonnenen Lehrgang geworben werden. Das Bemerkenswerteste daran ist folgendes: Bei einem vor ein paar Tagen stattgefundenen Treffen mit Vertretern der heutigen Absolventen erwähnte ein jeder die Wirkung jener Woche als etwas ganz Entscheidendes in seiner Ausbildung. Das Bild ihrer Erfahrung in La Sierpe lebt in ihnen wie eine internationalistische Mission, die Präsenz in einer Schlacht oder einer großen Produktionsleistung; das heißt, in ihnen lebt der Sinn einer über das Normalmaß hinausgehenden Tat, einer Tat der völligen Hingabe weiter.

Während ihres Aufenthalts im Kreis realisierten sie eine Art Synthese dessen, was ein Ausbilder einer Casa de Cultura (Kulturhaus) tut und wie seine Tätigkeit in einer Schule auszusehen hat. So arbeiteten sie beispielsweise vormittags in der Schule, gaben ein Animationsprogramm am Nachmittag für die Gemeinschaft oder traten abends im Kreis selbst bei kulturellen Aktivitäten auf. All das in nur einer Woche. Die Regierung des Kreises und die Partei sind der Meinung, es handle sich hier um den Beginn einer kulturellen Umwälzung. Dies ist bedeutsam, wenn wir bedenken, dass seine kulturellen Einrichtungen generell in gutem baulichen Zustand sind, jedoch keine Fachkräfte vorhanden sind.

Das zweite Beispiel:

Seit dem Schuljahr 2002-2003 erhält die Schule für Kunstausbilder „Eduardo García Delgado" in Havanna Anweisungen, eine Gruppe Studierenden zum Berufspraktikum an der Universität für Informatik zu bestimmen.

Während des Studienjahres 2002-2003 arbeiteten sie 15 Tage dort. Schon im Studienjahr 2003-2004 wurde die Anwesenheit einer Gruppe von Kunstausbildern an dieser Hochschule zweimal pro Woche über das gesamte Studienjahr festgelegt. Die geleistete Arbeit wurde von den Kollegen dieser Universität als sehr notwendig eingeschätzt und sie forderten, dass die Anwesenheit dieser Studierenden beibehalten wird, um die in dieser Einrichtung vorhandene Amateur-Bewegung zu unterstützen.

Die Ergebnisse sprechen für sich selbst. In nur zwei Jahren Arbeit zählt die Amateurbewegung der Universität für Informatikwissenschaften 799 Studierende zu ihren Mitgliedern, das bedeutet einen von je fünf Studierenden. Im ersten Studienjahr erreichten sie im Provinzausscheid des Universitätsstudentenbunds (FEU) fünf Preise und drei Ehrenpreise, und im zweiten Jahr, 11 Preise. Von diesen werden drei der Preisträger am Nationalausscheid des FEU teilnehmen.

Die an den Schulen für Kunstausbilder Graduierten können über das Programm zur Universalisierung der Hochschulausbildung jegliche Fachrichtung bzw. jeglichen Studiengang der Geisteswissenschaften belegen, welche das Hochschulministerium erteilt, und die Fachrichtungen bzw. Studiengänge, welche die Pädagogischen Hochschulen erteilen.

Unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Arbeit der Kunstausbilder, der Notwendigkeit, sie ständig als Fachleute weiterzubilden, die sich mit ihrer Arbeit als Kunstausbilder identifizieren, und des Interesses eines Großteils von ihnen, sich in einem mit ihrer Ausbildung verwandten Studiengang weiter auszubilden, wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kultur- und dem Hochschulministerium der Beschluss gefasst, einen Diplompädagogik-Studiengang in der Fachrichtung Kunstausbilder einzurichten.

In diesem Studiengang matrikulierten 1 476 der Kunstausbilder, die jetzt ihre Ausbildung abschließen, das sind 45,5 Prozent.

Der neue Studiengang wird an den Pädagogischen Hochschulen unter den Bedingungen der Universalisierung der Hochschulausbildung erteilt und seine vorläufige Dauer beträgt vier Jahre. Er stützt sich vor allem auf das audiovisuelle Programm und andere audiovisuelle Mittel, und betont gleichzeitig die Bedeutung des Selbststudiums und der Studien-Betreuung.

Der Studiengang sichert sowohl die Vertiefung der humanistischen, als auch der pädagogischen Ausbildung ab, und vervollkommnet die künstlerischen Fähigkeiten auf dem Fachgebiet, mit dem sie die Kunstausbilderschule abschließen.

Die Schulen, die Kunstausbilder zugeteilt bekamen, werden in den nächsten Tagen die Arbeitsmodule entsprechend der Fachrichtung des bzw. der Kunstausbilder erhalten, die ihnen zur Verfügung stehen.

Um Kontinuität bei der integralen Betreuung zu erreichen, welches dieses Programm genossen hat, wurde beschlossen, dass die schon graduierten Kunstausbilder weiter betreut werden, und zwar werden sie durch die Arbeitsgruppe der Ideenschlacht des Kommunistischen Jugendverbands (UJC) angeleitet werden.

Um dies zu erreichen, wurden auf Provinz- und Kreisebene Strukturen geschaffen, wo Berufskader des UJC die Verantwortung übernehmen, die Zusammenarbeit zwischen Kultur-, Bildungs- und Hochschulbildungswesen und allen jenen Einrichtungen und Organisationen zu koordinieren, die mit der Tätigkeit der Kunstausbilder zu tun haben.

Auf nationaler Ebene wird es eine Zentralstelle in Habana Vieja geben, welche zum Nationalen Weiterbildungszentrum für Kunstausbilder werden wird. Es wird im Herzen eines der wichtigsten soziokulturellen Projekte des Landes eingefügt sein, und in seinen Einrichtungen werden Veranstaltungen zum Genuss der Bevölkerung durchgeführt werden, welche zu Bezugsbeispielen für alle werden müssen.

Diese jugendliche Kraft wird als Kunstausbilder-Brigade "José Martí" organisiert werden. Sie wird gewissermaßen als eine Jugendbewegung funktionieren und als eine Kulturarmee, deren grundlegender, obwohl nicht einziger Kampfschauplatz die Schule ist.

Durch die Integration in diese Brigade wird sich die Identifizierung dieser Jugendlichen mit ihrer Verantwortung als Kunstausbilder konsolidieren und es wird die notwendige Verbindung geschaffen werden, welche sie zur künstlerischen Bewegung im Land und in jedem Gebiet im Besonderen haben sollen.

Die Kunstausbilder-Brigade „José Martí" erleichert eine bessere Betreuung in jedem Sinn. Etwas Ähnliches haben wir mit den Sozialarbeitern gemacht, jener mächtigen und wachsenden Kraft, welche die Revolution heutzutage zur Verfügung hat.

Wir können es uns nicht leisten zu erlauben, dass diese kolossale revolutionäre Kraft wegen bürokratischer Widersprüche, Begierde, sich hervorzuheben und institutioneller Eifersucht im Niemandsland verlorengeht, weder ohne politische Anleitung, noch entschlossene Unterstützung bei ihrer vielseitigen Aufgabe.

Seinerseits wird jeder Kunstausbilder respektvoll die Autorität und die Befugnisse derjenigen anerkennen, welche jede der Einrichtungen leiten, wo sie ihre Tätigkeit ausüben, unabhängig davon, welchem Organ sie angehören.

So wurde die Organisation und die Tätigkeit der Kunstausbilder geplant. Wie immer wird das Leben das letzte Wort sagen. Die Türen zur Vervollkommnung werden immer für alles, was die Revolution schafft, offen sein.

Der UNEAC (Nationalbund der Schriftsteller und Künstler Kubas) und der Verband „Hermanos Sainz" werden über diese aufstrebende Bewegung, welche durch den massenhaften Neubeginn von tausenden von Kunstausbildern jährlich geschaffen werden wird, eine enge Verbindung zu diesen jungen Mitarbeitern der Kultur pflegen.

Nachrichten, Eindrücke und beeindruckende Anekdoten:

Der UJC, das Kultur- und das Bildungsministerium (MINED) haben gemeinsam das gesamte Land bereist, wobei sie einen Austausch mit der Parteiorganisation, der Regierung und den Einrichtungen jedes Gebiets geführt haben. Hierbei konnte man den Enthusiasmus feststellen, mit dem die neuen Kunstausbilder in den Schulen angekommen sind, und den Drang, nützlich zu sein, der sie begleitet.

Sie kamen voller Träume an und wurden mit besonderer Liebe und Enthusiasmus durch die Kinder empfangen.

Es bestehen viele Erwartungen seitens der Schule und der Gemeinde.

Jetzt sind sie in einer Lernphase. Die Direktoren, Lehrer und Dozenten sind nicht daran gewöhnt, einen Kunstausbilder zu haben und in vielen Fällen sind sie nicht mit den Aufgaben vertraut, die jenen obliegen.

In diesen Wochen haben sie an einer Diagnose über die Kinder, das Lehrpersonal und die schulische Umgebung gearbeitet; sie haben begonnen, einige Workshops durchzuführen, am Unterricht an der Universität und im Weiterbildungssystem teilzunehmen, welches des Kultur- und Bildungswesen für jeden von ihnen ausgearbeitet hat.

Die Integration zwischen UJC, Kultur- und Bildungswesen hat den Empfang in der Schule, die Organisation ihres Stundenplans und die Einfügung in das Arbeitskollektiv/team erleichtert.

Die Kader der Grundorganisationen des UJC und der Pionierorganisation „José Martí" wurden aufgerufen, die Schule als hauptsächlichen Pionierpalast anzusehen, da es eine Schule neuen Typs ist. Vorher musste man den Computer, das Videogerät, den Fernseher und viele Kunst-Workshops in den Pionierpalästen und –lagern suchen. Heutzutage hat man diese Voraussetzungen in der Schule selbst.

Die Fernseh- und Videogeräte, welche die Schulen zur Verfügung haben, sind zusammen mit den Computern ebenfalls Arbeitsinstrumente des Kunstausbilders. Sie werden Kinder und Erwachsene bei den Besuchen, die sie mittels CD bzw. Video unternehmen können, in die Museen der Welt führen.

Die Kunstausbilder wurden aufgerufen, das Privileg anzuerkennen, eine Galerie, ein Theater und einen Kunst-Workshop zur Verfügung zu haben, deren Programation ihnen unterliegt, und dies sind nichts anderes als die Schulen selbst, an denen sie heute unterrichten.

Die Video- Jugendclubs und die Fernsehsäle, die in unwegsamen Gebieten des Landes gelegen sind, werden ebenfalls Schauplatz der Arbeit von Kunstausbildern sein.

Bei der Fahrt durch das gesamte Land, welche gerade stattfindet, konnten die ersten Eindrücke gehört werden. Von einem Gebiet zum anderen wiederholen sich viele von ihnen:

„Die Kinder wollen die ganze Zeit mit mir zusammen sein. Wenn ich die Straße entlang gehe, erfüllt es mich mit Stolz, dass die Kinder mich grüßen und zu ihren Eltern sagen: ‚Schau, das ist meine Musiklehrerin‘. Es würde mir gefallen, Teamarbeit mit dem Kunstausbilder der anderen Schule zu machen." Kunstausbilderin aus San Luis, Kreis in der Provinz Santiago de Cuba

„Ich hatte viel Unterstützung seitens meines Kulturhauses... ich würde mich freuen, wenn man mir erlaubt, auch mit den Kindern der Schule zu arbeiten, in der ich mein Berufspraktikum absolviert habe. Ich möchte nicht, dass man mich versetzt, denn ich mag die Kinder sehr, die ich jetzt habe, aber die anderen sehen mich auf der Straße und weinen beinahe. Ich kann ohne Probleme mit allen arbeiten." Kunstausbilderin aus San José de las Lajas, Kreis in der Provinz Havanna

„Dank des Unterrichts, den ich im vierten Jahr erhielt — denn ich musste fast alles machen —, habe ich Tanz- und Musikunterricht gegeben. Mein Fachgebiet ist die bildende Kunst... die aus dem Kulturhaus helfen mir sehr und in meiner Schule mögen mich alle." Kunstausbilderin aus Holguin

„Ich habe zwei Kinder mit sehr schweren Gesundheitsproblemen, eins hat zystische Fibrose; sie sind meine ersten beiden Schüler, wir bereiten ihnen eine besondere Betreuung vor... das hat mich sehr bewegt... ich fühle mich sehr nützlich". Kunstausbilderin aus Las Tunas

„Mein Fachgebiet ist Bühnenkunst und ich habe schon einen Chor...der Vater einer Schülerin ist Musiker...ich habe die Kinder mit den besten Voraussetzungen gewonnen, habe sie organisiert... ich habe den Vater der Schülerin um Hilfe gebeten und wir arbeiten schon. Die Arbeit stimuliert sehr und die Kinder haben viel Interesse." Kunstausbilder aus Jobabo, Kreis in der Provinz Las Tunas

„Ich bin an einer Landschule. Die Direktorin kannte die Funktionen eines Kunstausbilders nicht gut, so habe ich ein Treffen mit allen Lehrern organisiert und ihnen dargelegt, was zu meiner Arbeit gehört. Meine Direktorin ist meine beste Verbündete. Ich fühle mich sehr gut...und habe schon einen Adoptivsohn...es ist ein Schüler mit Lernschwierigkeiten, ich begann mit ihm mittels der Bühnenkunst zu arbeiten... ich erfuhr, dass sein Vater nicht bei ihm lebt und ihn seit langem nicht so betreut, wie es sein sollte. Ich zog los, den Vater aufzusuchen, der in einem anderen Kreis wohnt... ich stellte mich vor, erklärte ihm die Situation... jetzt beginnt mein Adoptivsohn schon, bessere Lernergebnisse zu haben...durch diese Dinge entdecken wir, dass wir ein Herz haben." Kunstausbilder aus dem Kreis Camagüey

„Ich habe Tanz- und Musikunterricht gegeben. Die Kinder geraten ausser sich von dem Unterricht. Manchmal wollen sie nicht zu den anderen Fächern gehen. Ich bin Ausbilderin in bildender Kunst." Kunstausbilderin aus Camagüey

„Man hat uns einen sehr schönen Empfang bereitet...in der Schule für Kinder mit Verhaltensstörungen ist die Arbeit sehr schwer, aber sie wird Ergebnisse zeitigen. In dieser Einrichtung sind wir vier Kunstausbilder... die Schule wird saniert und wir nehmen gemeinsam mit den anderen Lehrern an der Sanierung teil... wenn die Schule nicht die Voraussetzungen hat, müssen wir sie schaffen oder erfinden, dazu ist der Kunstausbilder da..." Kunstausbilder aus Granma

„Ich bin in Buenavista, einem Ort des Kreises Remedios... Dort hat es niemals einen Kunstausbilder für irgendetwas gegeben...Ich gebe an der Schule Unterricht in allen Fachrichtungen... Die Kulturhausdirektorin bat mich, an den Wochenenden die Mitglieder der Seniorengruppe zu betreuen. „Mein Fachgebiet ist Bühnenkunst und die Senioren wollten Tanz. Ich hatte die Tänze von Majagua (Bauerntänze, die an der Kunstausbilderschule gelehrt werden) gelernt... Ich habe ihnen die von Majagua gezeigt und sie lehrten mich die von Remedios und am Ende haben wir alle gemeinsam El Gavilán getanzt." Kunstausbilder aus Remedios, Provinz Villa Clara

Das bis hierher Dargelegte ist Teil der auf dem Gebiet der Kultur und Bildung in der Ideenschlacht durchgeführten Arbeit.

In diesen vier Schuljahren erreichten wir nicht nur die 15 neuen Kunstausbilderschulen; es wurde auch die neue Nationale Ballettschule gebaut, mit einer Kapazität für die Berufsausbildung von 300 Studierenden, wo ausserdem Ballett-Workshops für mehr als viertausend Kinder durchgeführt werden. Es wurden sieben neue Schulen für bildende Künste gebaut, sodass jetzt solche in 17 wichtigen Städten des Landes bestehen. Die von Trinidad wurde vollkommen saniert und es wurde eine weitgehende Sanierung in der von San Alejandro vorgenommen. Die Ballet-Theater-Schule und die für bildende Künste von Camagüey wurden wiederaufgebaut. In Bayamo wurde eine neue Kunstschule mit Kapazität für 500 Studierende erbaut; es entstand eine Schule zur Ausbildung von Musikbands, und zum jetzigen Zeitpunkt werden 21 Schulen der verschiedensten Bereiche der künstlerischen Tätigkeit saniert und ein wichtiges Vorhaben durchgeführt, und zwar die Gesamtsanierung der in Benutzung befindlichen Einrichtungen und die Weiterführung der Bauten bis zur endgültigen Fertigstellung dieser Perle der kubanischen künstlerischen Kultur, der Kunsthochschule.

Ich hatte das Privileg, an der Einweihung von fünf dieser Einrichtungen teilzunehmen. Bei anderen steht die offizielle Einweihung noch aus, sie funktionieren aber schon voll.

Da im Schuljahr 1992-1993 an unseren Kunstschulen 5 978 Studierende matrikuliert waren, können wir sagen, dass diese Zahl sich in der Zeit der Spezialperiode fast verdoppelt hat, und heute 10 722 eingeschrieben sind. Wenn man dazu die 16 168 der Kunstausbilderschulen nimmt, dann bedeutet das, dass wir 26 890 Jugendliche haben, welche die künstlerischen und pädagogischen Kräfte in der großen Schlacht zu einer integralen Allgemeinbildung und Erhöhung der Lebensqualität unseres Volkes bereichern werden.

Man hat nicht umsonst gearbeitet. Der Erfolg hat unsere Anstrengungen gekrönt. Ich fordere jegliches anderes Land der Welt auf, eine ähnliche Ernte vorzuweisen.

Am 20. Oktober wird der 136. Jahrestag der Einnahme von Bayamo durch die Mambi-Truppen unter Führung von Carlos Manuel de Cespedes begangen.

An jenem Tag wurde im Atrium der Hauptkirche von Bayamo zum ersten Mal die kubanische Nationalhymne angestimmt, mit Text und Musik von Perucho Figueredo, Generalmajor der Befreiungsarmee.

Der Gesang der Hymne am 20. Oktober fällt mit der Kriegstat zusammen, bei der die Revolution ihren ersten und bedeutendsten Sieg über die spanischen Kolonialtruppen erreicht. Die Kapitulation von Bayamo und der siegreiche Einzug von Cespedes bedeuten die Vollendung des am 10. Oktober in der Zuckerfabrik „La Demajagua" begonnenen Rebellenakts, der eine Wende in der Geschichte des Landes markierte und erreichte, dass auf den Trümmern der ersten kolonialen Zufluchtsstätten die kubanische Nation geboren wurde.

Der 20. Oktober stimmt außerdem mit dem Geburtstag von Abel Santamaría überein, heldenhafter Kämpfer und zweiter Führer der Kräfte, welche die Moncada-Kaserne angriffen.

Aus allen genannten Gründen richtete ein Dekret des Ministerrates 1979 dieses Datum als den Tag der Kubanischen Kultur ein.

Wir wollten ihn mittels der Graduierung des ersten Kontingents von Kunstausbildern und der Schaffung der Brigade „José Martí" als eines besonderen Geschenks an die Bevölkerung von Villa Clara begehen. Bevölkerung, die Beispiel für die Arbeit zum Erhalt der kulturellen Traditionen ist, welche die Identität unserer Nation erhalten, und in diesem Jahr Wettbewerbsgewinner für die Ausführung der zentralen Veranstaltungen anlässlich des 26. Juli.

Vorwärts, mutige Vorkämpfer der Kultur und des Humanismus! Ein ruhmreiches Leben erwartet euch.

Wenn in der jetzt unsicheren Zukunft der Menschheit von wirklich tiefgehenden und unauslöschlichen Revolutionen und sozialen Veränderungen gesprochen wird, wird niemand das Werk außer Acht lassen können, das uns hier zusammenkommen ließ. Unser Volk ist stolz auf euch!

Es lebe das Vaterland!

Es lebe die Revolution!

Es lebe der Sozialismus!

Und wie derjenige sagte, der mit seinem Nachschub-Sonderkommando aus Bolivien nach Kuba, hier an unsere Seite zurückgekehrt ist: Immer vorwärts bis zum Sieg!

Montag, 26. Juli 2004

Fidel Castro am 26.7.2004 Las Villas zum Fest anlässlich des 51. Jahrestages des Sturms auf die Moncada- und "Carlos Manuel de Cespedes"-Kasernen

Rede von Fidel Castro, Präsident der Republik Kuba, am 26. Juli 2004 in der Zentralen Universität Las Villas zum Festakt anlässlich des 51. Jahrestages des Sturms auf die Moncada- und "Carlos Manuel de Cespedes"-Kasernen

Liebe Mitbürger!

Sehr geehrte Gäste!

An diesem 51. Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne vom 26. Juli 1953 werde ich meine Worte einer unheilvollen Persönlichkeit widmen, die uns bedroht, beleidigt und verleumdet. Das ist keine Laune oder angenehme Option; es ist eine Notwendigkeit und eine Pflicht.

Am 21. Juni las ich auf der Antimperialistischen Tribüne das zweite Sendschreiben an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, in dem ich auf den niederträchtigen Bericht des State Department über den Menschenhandel antwortete, den die Regierung jenes Landes wie gewöhnlich erstattet und mit dem sie sich in den Rang eines angeblichen obersten moralischen Richters der Welt erheben wollen und in dem Kuba beschuldigt wird, zu den Ländern zu gehören, die den Sextourismus und die Kinderpornographie fördern.

Es sind kaum zwei Wochen vergangen und anstelle ehrbares Schweigen gegenüber den in dem Sendschreiben enthaltenen unwiderleglichen Tatsachen zu wahren, brachten die Nachrichtenkabel Information über eine Wahlrede von Bush in Tampa, in der Florida, mit neuen und noch heimtückischeren Anschuldigungen und Beleidigungen, die ganz klar das Ziel hatten, Kuba zu verleumden, die Aggressionsdrohungen und brutalen Maßnahmen zu rechtfertigen, die er gerade gegen unser Volk getroffen hat.

Die französische Nachrichtenagentur AFP teilte am 16. Juli aus Tampa folgendes mit:

„Der Präsident Bush lancierte einen harten Angriff gegen Kuba, als er es als ‚Hauptreiseziel für den Sextourismus’ bezeichnete und behauptete, dass die Vereinigten Staaten die Pflicht haben, den weltweiten Kampf gegen den Menschenhandel zwecks Zwangsarbeit und zu sexuellen Zwecken anzuführen."

„Kuba gehört zu den zehn Ländern, die vom State Department in einem in Juni veröffentlichten Bericht aufgeführt werden, in dem die Regierungen angegeben werden, die den Menschenhandel tolerieren oder im Kampf gegen dieses Delikt versagen."

‚„Fidel Castros Regime hat Kuba in das wichtigste Reiseziel für den Sextourismus verwandelt’, wobei es den asiatischen Südosten als vorzugsweises Reiseziel der Pädophilen aus den Vereinigten Staaten und Kanada verdrängt hat, behauptete Bush.

„Bei einer Konferenz in Tampa, in der Florida, brandmarkte er Kuba als einen der schlimmsten Rechtsbrecher auf diesem Gebiet.

‚„Der Sextourismus ist eine vitale Devisenquelle, um seine korrupte Regierung über Wasser zu halten’, schuldigte er an.

„Bush zeigte auf, dass ein essentieller Teil seiner Außenpolitik sein wird, den Menschenhandel zu beseitigen.

‚„Der Menschenhandel bringt unserem Land Leid und Schande und wir werden den Kampf gegen ihn anführen’ versprach er.

‚„Wir befinden uns in einem Kampf gegen das Böse, die US-Bürger danken Ihnen für ihre Hingabe und ihren Dienst’, sagte er zu den Anwesenden bei dieser Konferenz. ‚Das menschliche Leben ist eine Gabe Gottes und darf niemals verkauft werden."‘

Ein Nachrichtenkabel der spanischen Agentur EFE zeigte auf:

‚„Wir haben ein Problem kaum 150 Kilometer von unserer Küste entfernt’, sagte Bush im Staat Florida."

„Er zitierte eine Studie, gemäß der Kuba ‘den asiatischen Südosten als Reiseziel für Päderasten und Touristen auf der Suche nach Sex verdrängt hat’.

‚„Als die Beschränkungen für Reisen nach Kuba in den 90er Jahren vermindert wurden, stellte die Studie fest, dass der Strom von US-Bürgern und Kanadiern zu einem steilen Anstieg der Kinderprostitution in Kuba beigetragen hatte."‘

‚„Meine Regierung arbeitet an einer vollständigen Lösung für dieses Problem: den schnellen und friedlichen Übergang zur Demokratie in Kuba."‘

‚„Wir haben eine Strategie in Gang gesetzt, um den Tag näher zu bringen, an dem kein kubanischer Junge oder kubanisches Mädchen ausgebeutet wird, um eine gescheiterte Revolution zu finanzieren und alle Kubaner in Freiheit leben werden."‘

„Bush hat gesagt, dass ‘das menschliche Leben eine Gabe unseres Schöpfers ist und niemals zum Verkauf angeboten werden sollte‘.

‚„Jemand muss besonders verkommen sein, um die empfindlichsten Mitglieder einer Gesellschaft auszubeuten und zu verletzen."‘

‚„Die Menschenhändler rauben den Kindern ihre Unschuld, sie setzen sie dem Schlimmsten des Lebens aus, bevor sie viel vom Leben gesehen haben. Diese Händler trennen die Familien und behandeln ihre Opfer wie Güter im Verkauf an den Meistbietenden."‘

Um das Maß an seltsamen Nachrichten voll zu machen, fügte jenes selbe Kabel Sätze von John Ashcroft bei der Antrittsrede von Bush auf der Nationalkonferenz zur Untersuchung des Menschenhandels hinzu:

‚„Im 19. Jahrhundert definierte der Präsident Abraham Lincoln eine Idee der Freiheit für Alle, und gerechterweise wird er als der große Befreier bezeichnet.‘"

‚„Im 21. Jahrhundert haben wir einen großen Führer, der uns aufgerufen hat, die Freiheit nicht als ein Geschenk der Vereinigten Staaten an die Welt zu verstehen, sondern als ein Gabe des Allmächtigen an die Menschheit.‘"

Ein anderes Kabel der englischen Agentur REUTERS teilte mit:

„Der Präsident der Vereinigten Staaten schuldigte am Freitag den kubanischen Präsidenten an, seine Karibikinsel in ein Reiseziel für Sextourismus verwandelt zu haben und zum weltweiten Problem des Menschenhandels beizutragen."

Die italienische Agentur ANSA informierte:

‚„Das Regimen von Havanna fügt weitere Verbrechen hinzu: es heißt den Sextourismus willkommen‘, sagte Bush, der sogar ein angebliches Zitat von Castro wiederholte: ‚Kuba hat die saubersten und gebildetsten Prostituierten der Welt.‘"

Spätere Kabel stellten fest, dass das vom US-Präsidenten angegebene Zitat eines angeblich von mir stammenden Satzes zu diesem Thema, welches er in seiner oben erwähnten Rede in Tampa verwendet, um seine schwerwiegenden Anschuldigungen zu untermauern, aus einem von Charles Trumbull über Kuba geschriebenen Dokument stammt. Dieser ist Jurastudent der US-amerikanischen Universität Vanderbilt und erklärte nachdrücklich, dass Bush in seiner Rede den wirklichen Sinn eines in seiner Arbeit beinhalteten Ausdrucks verdreht und fügte unter anderem folgende Erläuterungen hinzu:

„Die Prostitution hatte nach dem Zerfall der Sowjetunion einen plötzlichen Höhepunkt in der karibischen Nation."

„Castro, der die Prostitution bei seinem Machtantritt 1959 für illegal erklärte, hatte am Anfang wenige Mittel, um sie zu bekämpfen. Aber ungefähr zu Beginn des Jahres 1996 begannen die kubanischen Behörden strenge Maßnahmen gegen deren Ausübung zu ergreifen."

„Obwohl es sie noch gibt, ist sie viel weniger sichtbar und es wäre ungenau zu sagen, dass die Regierung sie fördert."

Am Montag, den 19. Juli erkannten die Funktionäre der Bush-Regierung an, dass sie keine andere Quelle als den Beleg des erwähnten Studenten zur Verfügung hatten, um sich auf dieses Thema zu beziehen.

Trotzdem bewiesen worden war, dass der Präsident der Vereinigten Staaten eine schwerwiegende Anschuldigung ausgehend von einem in einem Beleg eines US-Studenten enthaltenen Satz ausgesprochen hatte, dessen absichtliche Entstellung vom Autor selbst dementiert wurde, konnte die Antwort des Sprechers des Weißen Hauses, der diesem Dementi begegnen musste, nicht ungewöhnlicher ausfallen.

Nach Aussage des Kabels hat er einfach „...die Einbeziehung [des Satzes] damit verteidigt, indem er argumentierte, dass sie eine grundlegende Wahrheit zu Kuba ausdrückte", d.h. für das Weiße Haus ist jegliches Ding, dass der Präsident sich in seinem Geist vorstellt, eine „grundlegende Wahrheit zu Kuba", egal ob es der Wirklichkeit entspricht oder nicht.

Genau das ist die Art der fundamentalistischen Betrachtungsweise, auf die der Präsident Bush ständig zurückgreift, bei der die Fakten, die Argumente, die Wahrheiten, die Überlegungen, die wirklichen Tatsachen überflüssig sind, und das Einzige was zählt, die Idee ist, welche er zu einem bestimmten Thema hat oder die ihm zusagt: etwas wird zu einer absoluten und unumstößlichen Wahrheit einfach dann, wenn der Herr Bush es sich so vorstellt.

Viele auf der Welt wissen sehr wenig über die kubanische Revolution und können Opfer der Lügen und des Betrugs werden, welche die Regierung der Vereinigten Staaten über die ihr zur Verfügung stehenden riesigen Massenmedien verbreitet.

Aber auch viele, besonders in den armen Ländern, wissen, was die Kubanische Revolution ist, kennen die Gewissenhaftigkeit, mit der sie sich vom ersten Augenblick an der Bildung und dem Gesundheitswesen für die Kinder und die gesamte Bevölkerung gewidmet hat. Sie kennen ihren solidarischen Geist, der sie dazu geführt hat, uneigennützig mit Dutzenden von Ländern der Dritten Welt zusammenzuarbeiten, kennen ihre Treue gegenüber den höchsten moralischen Werten, ihre ethischen Prinzipien, ihr unübertreffliches Konzept der Würde und Ehre ihres Vaterlandes und ihres Volkes, für welche die kubanischen Revolutionäre immer bereit waren, ihr Leben zu opfern. Ohne Zweifel werden diese vielen Freunde in jeglichem Winkel der Welt sich fragen, wie es möglich ist, dass gegen Kuba solch schmähliche und beleidigende Verleumdungen lanciert werden können.

Das zwingt mich dazu, mit allem Ernst und aller Offenheit die Ursachen zu erläutern, die von meinem Gesichtspunkt aus zu solchen unfasslichen und unverantwortlichen Behauptungen seitens des Präsidenten der mächtigsten Macht des Planeten geführt haben, der uns außerdem damit bedroht, die Kubanische Revolution vom Angesicht der Erde verschwinden zu lassen.

Ich werde dies mit der größtmöglichen Objektivität tun, ohne weder willkürliche Behauptungen noch beschämende Verfälschungen von Worten, Sätzen, Konzepten von anderen zu verwenden, bzw. mich durch kleinliche Gefühle der Vergeltung oder des persönlichen Hasses leiten zu lassen.

Ein weitgehend von herausragenden Autoren, Wissenschaftlern und anderen US-amerikanischen Persönlichkeiten in mehreren Büchern mit Dokumenten belegtes Thema ist die Alkoholsucht über zwei Jahrzehnte des jetzigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, und zwar vom 20. bis 40. Lebensjahr. Dieser Punkt wurde rigoros auf beeindruckende Weise, mit wissenschaftlichem Kriterium und vom psychiatrischen Gesichtspunkt aus vom Doktor Justin A. Frank in einem schon berühmten Buch unter dem Titel „Bush on the couch" („Bush auf der Couch eines Psychoanalytikers") behandelt.

Doktor Frank beginnt damit, klarzustellen, dass es sehr wertvoll ist, wissenschaftlich zu definieren, ob Bush ein Alkoholiker war oder ob er es weiterhin ist, indem er wörtlich wie folgt ausdrückt:

„...die dringendste Frage ist, ob der Einfluss jener Jahre des unverbesserlichen Trinkers und seine anschließende Abstinenz noch Einfluss auf ihn und auf die anderen seines Umfelds ausüben."

Er fährt mit seinen Erläuterungen fort und ich zitiere ihn wörtlich:

„Der Alkoholismus ist eine potentiell fatale Krankheit, ein Leiden für das ganze Leben, dass außerordentlich schwer für ständig zu beenden ist."

Im Folgenden legt er dar, indem er sich schon direkt auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten bezieht:

„Bush hat öffentlich erklärt, dass er sowohl ohne die Hilfe von Anonyme Alkoholiker (einer Organisation, die sich der Behandlung von Alkoholsüchtigen widmet), als auch jeglichen anderen Programms gegen den Mißbrauch von verbotenen Substanzen aufgehört hat, Alkohol zu sich zu nehmen. Und er hat behauptet, dass er diese Sucht für immer durch geistige Mittel, wie das Studium der Bibel und Gespräche mit dem Evangelisten Billy Graham, überwunden hat."

Das Buch erzählt auf Seite 40, dass nach Aussage des ehemaligen Verfassers von Reden, David Frum, Bush bei seiner Ankunft im Oval Office (Ovalen Büro) eine Gruppe von religiösen Führern bestellte, ihre Gebete erbat und zu ihnen sagte:

„Es gibt nur einen Grund, weshalb ich im Oval Office und nicht in einer Bar bin." „Ich habe den Glauben gefunden, ich habe Gott gefunden. Ich bin hier durch die Kraft des Gebets."

Hierzu analysiert Dr. Frank, dass diese Behauptung wahr sein kann, und zeigt mit seinen eigenen Worten Folgendes auf:

„Sicherlich würden alle US-Bürger gern glauben, dass der Präsident nicht mehr trinkt, auch wenn wir nicht die Möglichkeit haben, in Erfahrung zu bringen, ob das stimmt. Wenn das so ist, dann gehört er zu denjenigen ehemaligen Trinkern, dessen Alkoholismus gestoppt aber nicht behandelt wurde".

Und er fügt hinzu:

„Diejenigen ehemaligen Trinker, die Abstinenz üben, ohne Nutznießer des Programms der Anonymen Alkoholiker zu sein, sind als ‚trockene Trunkbolde‘ bekannt, Etikett, das bezüglich Bush im Internet und anderswo im Umlauf war. ‚Trockener Trunkenbold‘ ist kein medizinischer Begriff, und es ist kein Begriff, den ich in einem klinischen Umfeld benutze. Aber selbst ohne Bush als solchen zu bezeichnen, ist es schwierig, die vielen problematischen Elemente seiner Charakterzüge zu übergehen, welche die Literatur über Genesung mit dem Alkoholismus in Verbindung bringt, einschließlich die Großartigkeit, die sentenziöse Natur, die Intoleranz, das Desinteresse, das Ablehnen von Verantwortung, eine Tendenz zum übersteigerten Reagieren und eine Ablehnung der Selbstbeobachtung."

Dr. Frank besteht darauf, dass er persönlich Alkoholiker behandelt hat, die ihre Sucht ohne die angebrachte Behandlung eingestellt hatten, und dass jene normalerweise sehr wenig Erfolg dabei haben, zu erlernen, ihre innere Unruhe zu kontrollieren, welche sie einstmals mit dem Alkoholverbrauch zu unterdrücken versuchten, und er erklärt das so:

„Ihre steifen Anstrengungen, um die innere Unruhe zu kontrollieren, erschweren jegliche psychologische Analyse. Einige können nicht einmal die Seelenangst meistern, ihren Alkoholismus einzugestehen."

Und weiter fährt Dr. Frank fort:

„Ich habe beobachtet, dass ohne dieses Eingeständnis sogar die ehemaligen Trinker weder wirklich sich ändern noch aus ihrer eigenen Erfahrung lernen können."

Und dann stellt er folgende Überlegung schon direkt auf Bush bezogen an:

„Das Schuld- und Verneinungsschema, welches die auf dem Wege der Genesung befindlichen Alkoholiker so mühselig zu durchbrechen suchen, scheint in der Alkoholiker-Persönlichkeit verwurzelt zu sein. Selten beschränkt es sich auf ihren Alkoholismus. Die Gewohnheit, andere zu beschuldigen und Verantwortung zu verweigern, ist in der persönlichen Entwicklung von Georg W. Bush so beherrschend, dass sie augenscheinlich bei der geringsten Bedrohung hervorschießt."

„Die Steifheit im Verhalten von Bush ist vielleicht am augenscheinlichsten bei seinem gut belegten Vertrauen in seine tägliche Routine — die berühmt kurzen Versammlungen, das heilige Übungsprogramm, die täglichen Bibellektüren und die beschränkten Bürostunden. Eine gesunde Person ist in der Lage, ihre Routine zu verändern, eine steife Person kann das nicht tun."

„Natürlich" — bestätigt der hervorragende US-amerikanische Spezialist weiter — „benötigen wir alle Erholung und Entspannung, Zeit uns zu sammeln, aber scheinbar benötigt das Bush mehr als die Mehrheit. Und das stellt keine Überraschung dar, unter anderem, weil die Seelenangst, Präsident zu sein, ein reales Risiko für die Rückkehr zur Trinksucht darstellt".

„Mit den steifen Routinen verbunden treten die steifen Denkprozesse auf — ein weiterer Charakterzug der Präsidentschaft von Bush", bestätigt weiter mit beinahe mathematischer Genauigkeit Dr. Frank: „Wir erkennen das an der starrköpfigen, beinahe besessenen Art und Weise, mit der er an den Ideen und Plänen festhält, nachdem sie in Verruf geraten sind. Ausgehend von seinem Autoimage als Person, die ‚vereinigt, und nicht teilt‘, bis hin zu seiner Überzeugung, dass Irak Massenvernichtungswaffen besaß (oder beim Nichtvorhandensein jener Waffen, dass ‚die Vereinigten Staaten‘ irgendwie jedenfalls ‚das in Irak getan haben, was das Richtige war‘). Solch eine Steifheit der Denkweise ist nicht von einer einfachen Starrköpfigkeit motiviert. Der Alkoholiker ohne Behandlung, voll damit beschäftigt, die Seelenängste zu kontrollieren, die ihn erneut zu den alkoholischen Getränken führen könnten, kann einfach keinerlei Bedrohung seines Status quo tolerieren."

Und Dr. Frank fügt hinzu, dass solch eine Intoleranz normalerweise disproportionierte Antworten bezüglich der von ihm empfundenen Größe der wirklichen Bedrohung zur Folge hat.

„Das könnte helfen, den dramatischen Kontrast zwischen der Reaktion von Georg W. auf Saddam Hussein und der seines Vaters zu erklären, der mit aller Sorgfalt eine Koalition schuf, erst Maßnahmen traf, nachdem Kuwait überfallen worden war und anschließend mit Klugheit und Vorsicht vorging, als der Kampf im Gang war — das Verhalten eines erfahrenen Führers, der wußte, dass er die Verantwortung für eine Unzahl von Leben trug, nicht die eines Alkoholikers, der daran gewöhnt ist, dramatische Maßnahmen zu treffen, um sich selbst zu verteidigen."

Indem er mit seiner Analyse fortfährt, präzisierte Dr. Frank:

„Es gibt zwei Fragen, welche die Presse scheinbar besonders zu übergehen entschlossen ist, und die schon seit der Zeit, bevor Bush die Präsidentschaft übernahm, stillschweigend in der Luft schweben: Trinkt er weiterhin Alkohol? Und wenn das nicht der Fall wäre, ist er nach all jenen Jahren des Alkoholkonsums behindert? Beide Fragen müssen bei jeglicher ernsthafter Einschätzung seines psychologischen Zustands behandelt werden."

Bezüglich der ersten Frage zeigt er die Möglichkeit auf, dass Bush seine Seelenangst durch Arzneimitteln beruhigt, um sich vom Alkohol fern zu halten, und er bezieht sich besonders auf sein seltsames Verhalten bei Pressekonferenzen. Hierzu führt er aus:

„Als er über die unschlüssige Erscheinung von Bush bei einer Pressekonferenz schrieb, welche gerade vor Beginn des Krieges gegen Irak gegeben wurde, spekulierte der Kritiker der Washington Post Tom Shales, dass ‚der Präsident möglicherweise etwas unter Einfluss von Medikamenten stand‘."

„Jedoch beunruhigender sind die Auftritte, die Argwohn über das aufkommen lassen, was er sagt, und nicht über die Art es zu sagen. Wiederholt hat er sich in eine Verschwörung verzettelt, indem er die leeren Stellen in seinem Gedächtnis mit dem anfüllt, von dem er glaubt, dass es Tatsachen sind — die Bedeutendste war die am 14. Juli 2003, als er sich neben Kofi Annan stellte und die Idee erfand, dass die Vereinigten Staaten Saddam ‚eine Möglichkeit gegeben hatten, den Zugang der Inspekteure zuzulassen und er sie nicht eingelassen habe‘. (Wie die Washington Post bemerkte, ‚hatte in Wirklichkeit Hussein die Inspekteure zugelassen und Bush hatte sich geweigert, deren Arbeit zu verlängern, weil er glaubte, dass sie nicht effizient wären‘. Die Verschwörung ist ein allgemein auftretendes Phänomen bei Alkoholverbrauchern, wie es die Beharrlichkeit ist, die in der Tendenz von Bush sichtbar wird, Schlüsselworte und –sätze zu wiederholen, als ob die Wiederholung ihm helfen würde, ruhig zu bleiben und die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten."

Und Dr. Frank schließt seine Analyse zu diesen beiden Fragen mit den folgenden Worten ab:

„Selbst wenn wir außerdem akzeptieren, dass die Tage des Alkoholismus von Georg W. Bush vorbei sind, bleibt noch die Frage zu dem bleibenden Schaden, welchen dieser verursacht haben konnte, bevor er aufhörte, Alkohol zu konsumieren — über die bedeutende Auswirkung auf seine Persönlichkeit hinaus, die wir bis zu seiner Abstinenz ohne Behandlung verfolgen können. Jede integrale psychologische oder psychoanalytische Untersuchung des Präsidenten Bush wird untersuchen müssen, inwieweit sich das Gehirn und seine Funktionen in mehr als zwanzig Jahren Alkoholismus verändert haben. Bei einer kürzlichen Untersuchung des Arztzentrums der Universität von Kalifornien/San Francisco haben die Forscher feststellen können, dass die unverbesserlichen Trinker, die sich selbst nicht als Alkoholiker ansehen, bekennen, dass ‚die Menge ihres Alkoholverbrauchs ein Problem darstellt, dass Behandlung benötigt‘. Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die unverbesserlichen Trinker der Untersuchungsgruppe ‚bei der Messung des Arbeitsgedächtnisses, der Verarbeitungsgeschwindigkeit, der Aufmerksamkeit, der Ausführungsfunktion und des Gleichgewichts bedeutend behindert‘ waren. Eine ernsthafte Untersuchung über die Genesung auf lange Sicht vom unangebrachten Alkoholverbrauch läuft noch. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass der Alkohol an sich Gift für das Gehirn ist, sowohl für seine Anatomie (da das Gehirn schrumpft und die Fissuren zwischen den Hemisphären und um sie herum sich erweitern) als auch für seine Neurophysiologie. Aber die Genesung erfolgt bei vielen Alkoholikern mit anhaltender Nüchternheit und während einer Zeitspanne von mehr als fünf Jahren. Bush behauptet, dass er während mehr als fünfzehn Jahren nüchtern geblieben ist und könnte sehr gut bis zu dem Niveau vor dem Alkoholkonsum genesen sein. Jedoch selbst die chronischen Alkoholiker, die ihre beeinträchtigten geistigen Funktionen wiedergewinnen, erleiden im allgemeinen einen bleibenden Schaden ihrer Fähigkeit, neue Information zu verarbeiten. Wichtige neuropsychologische Funktionen werden beeinträchtigt: die neue Information wird essentiell auf einer Karteikarte abgelegt, die im Gehirn verloren geht."

„Die ehemaligen unverbesserlichen Trinker haben im allgemeinen Schwierigkeiten, zwischen der wichtigen Information und der unwesentlichen zu unterscheiden. Sie könnten auch einen Teil ihrer anhaltenden Konzentrationsfähigkeit verlieren. Das Einzige, was wir tun müssen, um die fehlende Aufmerksamkeit von Bush zu beobachten, ist, ihn anzuschauen, wenn er eine von einer anderen Person gehaltene Rede verfolgt, sein oft auftretendes Verhalten während der laufenden Wahlkampagne zu beobachten oder die sichtbar verzweifelten Anstrengungen zu berücksichtigen, die er unternimmt, um die Konzentration bei allen von ihm gehaltenen Reden aufrecht zu erhalten."

Zuletzt weist Doktor Frank darauf hin, dass Bush die Besorgnis vieler US-Bürger erleichtern würde, indem er sich psychologischen Tests unterwirft, die wissenschaftlich die Auswirkungen seiner Alkoholsucht auf die Funktionsweise seines Gehirns messen könnten und macht darauf aufmerksam:

„Anderenfalls können wir nur argwöhnen — und mit Recht — dass unser Präsident in seiner Fähigkeit, die komplexen Ideen und Informationen zu verstehen, behindert ist."

Und er endet, indem er urteilt:

„Möglicherweise würden wir alle einige Befürchtungen hegen, es zu ergründen. Immerhin hat er schon drei Jahre lang die Präsidentschaft inne und hat unsere Nation in den Krieg geführt. Aber wenn wir es nicht tun, könnten die Folgen uns alle und jeden einzelnen von uns verurteilen".

Ein anderer Aspekt, der in dem erwähnten Buch „Bush on the couch" des Doktor Justin A. Frank tiefgründig und mit Details behandelt wird, ist der bezüglich des religiösen Fundamentalismus des Präsidenten Bush.

Doktor Frank erklärt, dass Bush bei dem Versuch, Erleichterung von seinem inneren Chaos zu finden, das ihm die alkoholischen Getränke zu gewissen Zeitpunkten beruhigten, aber endlich noch verschlimmerten, in der Religion eine Quelle der Beruhigung nicht sehr verschieden von der des Alkohols gefunden haben muss, und außerdem eine Anzahl von Regeln, die ihm helfen, beide zu bewältigen, die Außenwelt und seine innere geistige Welt.

Er legt dar, dass eine Analyse dazu, welche Rolle der Fundamentalismus im Leben von Bush spielt, aufzeigen wird, dass der Ersatz der verbotenen Substanzen nur eine der Formen ist, in der Bush von der Religion als eines Verteidigungsmechanismus abhängt. Und er behauptet, dass Bush die Religion benutzt, um das Denken zu vereinfachen und sogar zu ersetzen, so dass er auf eine gewisse Weise nicht einmal denken muss. Er fügt hinzu, dass Bush, indem er sich auf die Seite des Guten stellt — auf die Seite Gottes — er sich über die weltliche Diskussion und Debatte stellt. Die Religion dient ihm als Schild, um sich vor den Herausforderungen zu schützen, einschließlich vor denen, die er selbst sich auf andere Art und Weise schaffen würde.

Er fragt sich, wie Bush an diesem Punkt angelangt ist, und unterbreitet anschließend, dass die Tradition der Familie Bush über viele Jahre auf dem Glauben beruhte, auf dem Glauben an einen eng mit der moralischen Redlichkeit verbundenen Gott, unterscheidet aber Folgendes:

„Die religiöse Orientierung des Präsidenten Bush stellt jedoch eine bedeutende Veränderung bezüglich der Familientradition dar. Wenn auch bestimmte Aspekte der Familientradition beibehalten wurden, stehen besonders die Formalität der religiösen Teilnahme, seine Bekehrung in der Reife zu einer fundamentalistischeren Betrachtungsweise in dramatischem Kontrast zum geistigen Leben seiner Vaters."

„Eine Analyse der Ereignisse, die Bush dazu geführt haben, bewusst den Fundamentalismus zu ergreifen, zeigt, dass dies wirklich zu einem Zeitpunkt geschah, als er verzweifelt nach Lösungen suchte, zu einem Zeitpunkt der drückenden Notwendigkeit."

Weiter legt Doktor Frank dar, dass die fundamentalistischen Religionen das Universum der Möglichkeiten einschränken und die Welt in Gute und Böse teilen, und zwar in absoluten Begriffen, die keinen Raum für Zweifel lassen und hierzu erläutert er:

„Ebenso wird das Ich-Konzept vereinfacht. Auf die selbe Art und Weise, wie die fundamentalistischen Lehren der Schöpfung die Geschichte verleugnen, stimuliert die fundamentalistische Idee der Bekehrung bzw. der Wiedergeburt den Gläubigen, sich selbst von der Geschichte losgelöst zu betrachten. Die ausweichende und selbstsüchtige Verteidigung, die Bush von seinem Leben vor der Wiedergeburt macht, zeigt gerade eben diese Tendenz. ‚Es ist nicht gut, einen Inventar der Fehler zu machen, die ich beging, als ich jung war‘, beharrt Bush. ‚Ich glaube, dass es die Art und Weise ist,... die Fragen über spezifische Verhaltensweisen zu beantworten, indem man die Leute daran erinnert, dass ich, als ich jung und verantwortungslos war, jung und verantwortungslos war. Ich habe mich verändert...‘ Für den Gläubigen löscht die Macht der geistigen Absolution nicht nur die vergangenen Sünden, sondern schafft ebenfalls eine Trennung zwischen dem jetzigen Ich und dem Ursünder."

Doktor Frank klärt auf, dass nichts übernatürlich Anhaftendes in der Tatsache enthalten ist, dass Bush in seinem Glauben Schutz sucht und dass, obwohl ihn das stärker macht, die Steifheit seiner Denk- und Ausdrucksschemen und seines Tagesablaufs auf eine bedeutende Zerbrechlichkeit hinweisen. Er erklärt, dass Bushs Ängste vor allem — beginnend bei Streit bis zu den Terroranschlägen — manchmal schmerzhaft offensichtlich sind, einschließlich (oder besonders) in seinen Abstinenzhaltungen, und dass er ein Mensch ist, der verzweifelt Schutz sucht. Und er fragt sich: „Aber wovor sucht Georg W. Bush so verzweifelt sich zu schützen?", und beantwortet diese Frage mit der folgenden Analyse:

„Das so standhaft von ihm beibehaltene Glaubenssystem, schützt ihn gegen die Herausforderungen an seine Ideen, vor denen, die ihn kritisieren, vor seinen Opponenten und wichtiger noch, vor sich selbst. Wenn man dieses Thema tiefgreifender betrachtet, ist es schwer, nicht zu glauben, dass er an angeborener Angst leidet, zusammenzubrechen. Eine Angst, die zu schrecklich ist, als dass er sie meistern kann."

„Für eine Person, die verzweifelt versucht, nicht vom Weg abzukommen, sich an einen Glauben zu klammern (oder sogar an einige wenige Schlüsselsätze), und sich an diese zu halten, ist das eine andere Art, sich zu schützen, um nicht zusammenzubrechen. Die Pressekonferenzen des Präsidenten Bush geben alarmierende Beispiele dieser ständigen Seelenangst — eine so unzweifelhafte Offensichtlichkeit, dass es überhaupt nicht verwundert, dass das Weiße Haus sosehr überlegt, um sie zu programmieren. Nach einer besonders desaströsen Pressekonferenz, die im Juli 2003 gegeben wurde, stellte der politische Kolumnist des Slate, Timothy Noah, fest, dass ‚Bush unharmonisch erschien‘. In einem am darauffolgenden Tag veröffentlichten kritischen Leitartikel zeigte die New York Times auf, dass die Antworten des Präsidenten ‚verschwommen und manchmal fast zusammenhanglos waren‘, und legten scharfsinnig nahe, dass Bush ‚von dem von seiner eigenen Regierung erfundenen Mythos verblendet sei‘."

Er legt ein paar Beispiele für sich wiederholende Sätze von Bush während dieser Pressekonferenz vor:

„Und folglich kommen wir voran. Es geht langsam, aber sicherlich kommen wir dabei voran, zu erreichen, dass — jene, die ihre Mitbürger in Schrecken versetzen, dafür zahlen, und wir kommen dabei voran, dass irakische Volk zu überzeugen, dass die Freiheit real ist. Und je mehr sie sich überzeugen, dass die Freiheit real ist, werden sie die Verantwortungen übernehmen, die eine freie Gesellschaft erfordert..."

„Und die Bedrohung ist eine wirkliche Bedrohung. Und es ist eine Bedrohung zu der wir offensichtlich keine genauen Fakten haben, wir wissen nicht wann, wo, was. Aber wir wissen ein paar Dinge... offensichtlich sind wir im Gespräch mit ausländischen Regierungen und ausländischen Fluglinien, um ihnen aufzuzeigen, wie real die Bedrohung ist..."

„Ich weiß nicht wie nah dran wir sind, Saddam Hussein einzufangen. Wie wir wissen sind wir jetzt näher dran, ihn einzufangen als gestern. Vermute ich. Ich weiß nur, dass wir ihn jagen. Es ist, als ob man mich gefragt hätte, bevor wir seine Söhne eingefangen hatten, wie nahe dran wir wären, seine Söhne einzufangen. Ich würde sagen, ich weiß nicht, aber wir jagen ihn."

„Nun gut, vor allem geht der Krieg gegen den Terrorismus weiter, wie ich den Menschen ständig in Erinnerung rufe... Die Bedrohung über die du fragst, Steve, erinnert uns daran, dass wir auf der Jagd sein müssen, weil der Krieg gegen den Terrorismus weiter geht..."

„Ich sagte gerade, dass eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten besteht..."

„Ich hege keinerlei Zweifel, Campbell, dass Saddam Hussein eine Bedrohung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellte und eine Bedrohung für den Frieden der Region..."

„Saddam Hussein war eine Bedrohung. Die Vereinten Nationen sahen ihn als eine Bedrohung an. Das ist der Grund, weshalb sie 12 Resolutionen verabschiedeten. Meine Vorgänger sahen ihn als eine Bedrohung an. Wir haben viel Information zusammengetragen. Diese Information war gut, eine solide Information, auf deren Grundlage ich eine Entscheidung traf..."

Und Doktor Frank fährt fort:

„Seine Ängste sind so mächtig, dass er nicht einmal in der Lage ist, ihnen die Stirn zu bieten. Sein traurig berühmter Ratschlag an die US-Bürger weniger als zwei Wochen nach den Geschehnissen des 11. September — als er den US-Amerikaner anriet, dass sie weiter einkaufen fahren und reisen sollten wie früher, stand in sichtbarem Widerspruch zu den radikalen Maßnahmen, die er als Antwort auf die vor kurzem entdeckte Verletzbarkeit der Nation traf — ist Beweis der vereinfachenden art und Weise, auf die er die Situation analysiert, indem er der Seelenangst und der Besorgnis den Rücken dreht. Man sollte seine Reaktion mit der des Bürgermeisters von New York, Rudolph Guiliani, vergleichen, der seine Ängste bewältigte, sich die Ärmel hochkrempelte und die Arbeit begann. So erreichte er, dass sich die Leute viel sicherer fühlten als durch die gezwungene Distanzierung von Bush."

„Seitdem er die Präsidentschaft übernahm hat Bush ständig die göttlichen Befehle zitiert, um seine Handlungen zu rechtfertigen. Wie im Haaretz News von Israel erschien, sagte Bush: ‚Gott sagte mir, ich solle Al-Qaeda angreifen und ich griff sie an, und dann befiel er mir, Saddam anzugreifen, was ich tat.‘"

Zum Schluss stellt Doktor Frank folgende Überlegung an:

„Der biblische Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen widerhallte in allen seinen Reden seit dem 11. September, angefangen von der wiederholten Verwendung des Begriffs ‚Kreuzzug‘, seiner Charakterisierung der Terroristen als ‚Übeltäter‘, bis dazu, Irak, Iran und Nordkorea in die ‚Achse des Bösen‘ zu gruppieren. Gleichzeitig stellt er die Vereinigten Staaten als eine Nation der vollkommen unschuldigen Opfer dar. Indem er das Böse auf dieses Art und Weise zum Ausdruck bringt und gleichzeitig die Vereinigten Staaten von jeglicher Verantwortung freispricht, hat Bush seine spalterische und kindische Idee der Welt in eine absolut kämpferische (und primitive) Außenpolitik verwandelt."

„Bushs Rethorik" — schlussfolgert Doktor Frank — „hebt hervor, wie er die Konzepte von ihm als Präsidenten mit Gott und den Vereinigten Staaten identifiziert. Für ihn scheinen diese drei Konzepte austauschbar geworden zu sein. Unfähig die Toten des 11. September ausreichend zu beweinen, um eine gründliche Untersuchung darüber zu ermöglichen, wie die Tatsachen geschahen, — und welche Verantwortung wir gehabt haben könnten — greift er blind den ‚feind‘ an, den er überall sieht, als wenn es plötzlich unter jedem Stein einen Terroristen geben würde."

In seinem Buch „Stupid White Men" („Dumme weiße Männer") hält Michael Moore fest, dass Bush klare Anzeichen von Unfähigkeit aufweist, um auf dem Niveau eines Erwachsenen zu lesen, und er legt Folgendes als Teil eines offenen Briefes an Bush dar:

„1. Georg, kannst du wie ein Erwachsener lesen und schreiben?

„Mir und vielen anderen scheint es leider so, dass du ein funktioneller Analphabet sein könntest. Das ist nicht etwas, dessen man sich schämen muss. Millionen US-Amerikaner können nicht über dem 4.-Klasse-Niveau lesen."

„Aber erlauben sie mir Folgendes zu fragen: Wenn du Probleme hast, um die Dokumente zur komplexen Situation zu verstehen, die dir als Führer der fast Freien Welt übergeben werden, wie können wir dir so etwas wie unsere Atomwaffengeheimnisse anvertrauen?"

„Alle Anzeichen dieses Analphabetentums sind vorhanden — und scheinbar hat dich niemand hierzu herausgefordert. Die erste Spur war, dass du als dein liebstes Buch der Kinderzeit „The Very Hungry Caterpillar" (Die sehr hungrige Raupe) nanntest.

„Leider wurde dieses Buch erst ein Jahr nachdem du die Universität absolviert hattest herausgegeben."

„Eines ist klar für alle — du kannst die englische Sprache nicht in solchen Sätzen sprechen, dass wir es verstehen können.

„Wenn du Oberkommandierender sein wirst, musst du in der Lage sein, deine Befehle mitzuteilen. Was wird geschehen, wenn diese kleinen Irrtümer weiter passieren? Weißt du wie einfach es sein würde, einen kleinen Fehltritt in einen Alptraum der nationalen Sicherheit zu verwandeln?"

„Deine Assistenten haben gesagt, dass du die Unterlagen mit den Anweisungen, nicht liest, die sie dir geben. Und dass du sie bittest, dass sie diese für dich lesen oder sie dir vorlesen.

„Fass bitte nichts von alle dem als einen Angriff auf deine Person auf. Vielleicht ist es eine Lernbehinderung. Ungefähr sechzig Millionen US-Amerikaner haben Lernbehinderungen."

Im Buch „Against All Enemies" („Gegen alle Feinde") erzählt Richard Clarke, dass als Bush im Weißen Haus ankam „wir alle gleich zu Beginn darauf aufmerksam gemacht wurden, dass der Präsident kein guter Leser wäre".

Das Buch „Bush at War" („Amerika im Krieg") von Bob Woodward berichtet, dass Bush bei einer Zusammenkunft des Nationalen Sicherheitsrates während des Afghanistankrieges Bush folgendes ausdrückte: „Ich lese keine Leitartikel. Das mache ich nicht. Die Hyperventilation, die um solche Kabel herum entsteht, jeder Experte und jeder ehemaliger Oberst und alles das, das ist sind eben Hintergrundgeräusche."

Bis hier eine kurze Synthese von dem von einigen wichtigen US-amerikanischen Persönlichkeiten zu einigen Themen Dargelegten, dass hilft die seltsame Verhaltensweise und Kampflust des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu verstehen.

Ich will das vorläufig nicht weiter auf noch heiklere Angelegenheiten ausdehnen, wie zum Beispiel diejenigen, deren Verbreitung J.H. Hatfield, Autor des Buches „Fortunate Son", das Leben kosteten, oder über andere Themen von großem Interesse, die von herausragenden Autoren behandelt wurden, die wirklich brillant und mutig sind.

Die Verleumdungen und Lügen des Herrn Bush und seiner engsten Berater wurden übereilt ausgearbeitet, um die furchtbaren Maßnahmen zu rechtfertigen, die gegen die in den Vereinigten Staaten ansässigen Bürger kubanischer Herkunft getroffen wurden, welche Beziehungen zu nahestehenden Verwandten in Kuba haben.

So eine Beleidigung wird, wie wir schon am 21 Juni aufmerksam machten, politische widrige/ungünstige Konsequenzen im Staat Florida mit sich bringen. Staat, der beim jetzigen Wahlkampf entscheidend sein kann. Die Idee einer Strafabstimmung (vote sanction) gewinnt immer mehr Anhänger unter tausenden von Kubaner-Amerikanern, von denen viele normalerweise für Bush gestimmt hätten.

Der Hass und die Blindheit haben die Regierung zu einer unmoralischen und dummen/stupiden Handlung verleitet. Das geschah unter dem Druck der terroristischen Mafia, welche Bush den betrügerischen Sieg mit einer Million weniger Stimmen im ganzen Land als sein Rivale und einem erbärmlichen Vorteil von 537 Stimmen in der Florida gab, wo außerdem viele Tote ihr Stimmrecht „ausübten" und viele Schwarze mit Gewalt daran gehindert wurden, es auszuüben. Fünzehn- oder zwanzigtausend Wähler könnten seine Bestrebungen zur Wiederwahl zunichte machen. Auf der Ebene des gesamten Landes wurden die brutalen Maßnahmen ebenfalls kritisiert.

In seiner größten Mehrheit besteht jene terroristische Mafia, die sogar eine Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten entschied, aus ehemaligen Batista-Anhängern und deren Nachkommen bzw. wird von ihnen angeführt. Sie besteht aus Gruppen, die während Jahrzehnten an den Terrorakten, Piratenangriffen, Mordplänen gegen kubanische Revolutionsführer und jeglichen bewaffneten Angriffen gegen unser Vaterland teilgenommen haben; aus großen Latifundisten und Familienangehörigen der Großbourgeoisie, welche durch die revolutionären Gesetze beeinträchtigt wurden, die gemeinsam mit den Vorangegangenen Privilegien jeder Art erhielten, und viele haben große Reichtümer auf wichtigen Machtgebieten innerhalb der Regierungen der Vereinigten Staaten angesammelt.

Mehr als 90 Prozent derjenigen, die seit dem Sieg der Revolution aus Kuba emigrierten taten dies auf dem normalen Weg und aus wirtschaftlichen Beweggründen. Ihre Ausreise wurde von der Revolution ohne jegliche Hindernisse genehmigt. Aber die Kubaner, die emigrierten, waren gezwungen unter dem Führergalgen jener mächtigen Mafia durchzugehen, auf deren Einfluss sie nicht einfach verzichten konnten.

Im Unterschied zu vielen Millionen Lateinamerikanern, einschließlich Haitianern und Einwohnern der Karibik, die legal oder illegal in die Vereinigten Staaten emigrierten und die als Emigranten bezeichnet werden, werden die Kubaner ohne jegliche Ausnahme als Exilkubaner bezeichnet.

Andererseits hat das absurde Cuban Adjustment Act unzählige Verluste kubanischer Menschenleben gekostet, da die illegalen Ausreisen prämiert und stimuliert werden und außergewöhnliche Privilegien erteilt werden, die den Bürgern jeglichen anderen Landes der Welt nicht zuteil werden.

Jedoch hat Kuba seit Jahren, schon vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Spezialperiode, trotz der Spionagegefahr und der terroristischen Pläne, die von den Vereinigten Staaten ausgingen, welche die Maßnahmen mit sich brachten, den Emigranten Genehmigungen erteilt, damit sie ihre Familienangehörigen in ihrem Herkunftsland besuchen konnten. Während die Bush-Regierung ihnen in ihrer fanatischen Besessenheit, Kuba durch wirtschaftliches Erdrosseln zu besiegen, abrupt die Türen zumacht. Mit dem selben Ziel, dem Land jegliche Einnahmen zu entziehen, bezeichnen sie die Fremdenverkehrsindustrie in Kuba als Sextourismus, und die aus den USA kommenden Personen, die unser Land besuchen, als „Pädophile" und „Vergnügungssüchtige".

Herr Bush zögert auch nicht, den kanadischen Touristen dieselbe Bezeichnung anzuhängen, wo jedermann weiß, dass es sich in erster Linie um Rentner und Menschen des Seniorenalters handelt, die von ihren Familienangehörigen begleitet die außergewöhnliche Ruhe und Sicherheit, die Bildung, die Kultur und die Gastfreundschaft suchen und genießen, die sie in unserem Land vorfinden.

Wie würde Herr Bush die Dutzende Millionen Touristen bezeichnen, die jedes Jahr die Vereinigten Staaten besuchen, wo die Kasinos, die Spielhäuser, die Einrichtungen für männliche und weibliche Prostitution und viele andere Arten von mit der Pornographie und dem Sex verbundene Tätigkeiten zahlreich vertreten sind, von denen es keine dieser Art auf Kuba gibt und die der revolutionären Kultur unseres Volkes fremd sind?

Wie würde er die Dutzenden Millionen Europäer bezeichnen, die jedes Jahr Spanien besuchen, wo zahlreiche Presseseiten sich dem widmen, die Namen, Adressen, körperlichen, kulturellen und intellektuellen Merkmale, Spezialitäten und individuellen Gaben für jeden Geschmack derjenigen Personen zu veröffentlichen, die das antike Gewerbe der Prostitution ausüben? Würde er die US-amerikanische und spanische Fremdenverkehrsindustrie als Sextourismus bezeichnen?

Keine der erwähnten Aktivitäten findet in Kuba statt. Jedoch in dem fiebrigen und fundamentalistischen Geist des allmächtigen Herrn des Weißen Hauses und seiner engsten Berater muss man jetzt Kuba nicht nur vor der „Tyrannei" „retten", sondern man muss „die kubanischen Kinder vor der sexuellen Ausbeutung und dem Menschenhandel retten", „man muss die Welt von diesem schrecklichen Problem befreien, dass 150 Kilometer von den Vereinigten Staaten entfernt vorhanden ist".

Hat ihm niemand gesagt, dass vor dem Sieg der Revolution von 1959 ungefähr Einhunderttausend Frauen aus Armut, wegen der Diskriminierung und fehlenden Arbeitsplätze direkt oder indirekt die Prostitution ausübten? Dass die Revolution diesen Bildung und Arbeitsplätze vermittelt hat, und dass seitdem die sogenannten „Toleranzgebiete", die in der von den Vereinigten Staaten aufgezwungenen mediatisierten Republik und Neokolonie bestanden, verboten wurden?

Hat ihm niemand gesagt, dass die kubanischen Kinder, deren physische, geistige und moralische Gesundheit das vorrangigste Ziel der Revolution darstellt, durch viel strengere Gesetze als die der Vereinigten Staaten geschützt sind? Und dass sie alle die Schule besuchen, einschließlich der mehr als fünfzigtausend, die ohne Ausnahme wegen verschiedener Arten der Behinderung eine sorgsame Betreuung in Sonderbildungseinrichtungen benötigen und erhalten?

Hat ihm niemand gesagt, dass die Kindersterblichkeit in Kuba geringer als in den Vereinigten Staaten ist und dass sie weiter sinkt?

Hat sich niemand getraut, ihm zuzuraunen, dass Kuba einen hervorragenden und auf internationaler Ebene anerkannten Platz im Bildungswesen einnimmt; dass alle Dienstleistungen des Bildungs- und Gesundheitswesens gratis sind und die gesamte bevölkerung einschließen; dass auf den Gebieten des Bildungs- und Gesundheitswesens und der Kultur heute Programme verwirklicht werden, die Kuba sehr weit über alle anderen Länder der Welt stellen wird?

Die historische Sitzung der Nationalversammlung der Poder Popular von Kuba, die am 1. und 2. Juli stattfand, hat den grotesken Bericht von mehr als 400 Seiten demaskiert und lächerlich gemacht, in dem sich breit und im Detail über die neokolonialen und Annektierungs-Programme ausgelassen wird, welche die faschistische Gruppe anzuwenden vorschlägt, die solch widerliches Projekt gegen das Volk und die Souveränität von Kuba ausgebrütet hat. Sie haben damit nichts anderes erreicht, als unser Volk mehr zu vereinen und seinen Kampfgeist zu erhöhen.

Man muss doch ein ausgemachter Narr sein, um davon zu sprechen, in Kuba Alphabetisierungs- und Impfprogramme anwenden zu wollen, wo seit langem das Analphabetentum ausgerottet wurde, die Mindestschulreife neun Schuljahre erreicht und die Kinder gegen 13 Krankheiten geimpft werden. Auf jeden Fall sollten Programme dieser Art für Dutzende Millionen ausgeschlossener US-Amerikaner angewendet werden, die nicht die Vorteile der Gesundheitsversicherung genießen, oder nicht zur Schule gegangen sind, oder vollkommene oder funktionelle Analphabeten sind.

Die US-Regierung hat sich nicht einmal getraut, ein einziges Wort zu dem großzügigen Angebot zu äußern, welches unser Land unterbreitete, um in der kurzen Zeit von fünf Jahren ein Leben für jedes der in den Zwillingstürmen verschiedenen Personen zu retten, indem dreitausend US-Bürger, die nicht die zum Erhalt des Lebens notwendigen Dienstleistungen des Gesundheitswesens genießen, gratis behandelt werden. Die Frage, ob diejenigen bestraft würden oder nicht, die sich entschließen würden, nach Kuba zu reisen und diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, wurde auch nicht beantwortet.

Die Tatsache, dass am selben Tag, an dem solch beschämende Verleumdungen und Drohungen von Herrn Bush ausgestoßen wurden, im Zentrum für Molekularimmunologie von Kuba ein Abkommen zum Transfer der in unserem Land entwickelten Technologie für die klinischen Tests und die anschließende Herstellung von drei Impfstoffen mit einer angesehenen US-amerikanischen wissenschaftlichen Einrichtung von Kalifornien unterzeichnet wurde, ist wirklich aufschlussreich. Diese Impfstoffe sind vielversprechend im Kampf gegen den Krebs, einer Krankheit die, wie bekannt ist, jedes Jahr mehr als eine halbe Million US-Bürger tötet.

Es ist gerecht anzuerkennen, dass es in diesem Fall keine Behinderung seitens der US-amerikanischen Behörden gab.

Die Tatsache zeigt, wie die Früchte von dem von mir vorher Gesagten überall zu sprießen beginnen, trotz 45 Jahre grausamer Blockade und Aggressionen seitens der Regierungen der Vereinigten Staaten.

Und es handelt sich weder um biologische Waffen, chemische Waffen noch Atomwaffen; es handelt sich um wissenschaftliche Fortschritte, die der gesamten Menschheit helfen können.

Hoffentlich wird Gott im Fall von Kuba Bush keine „Befehle erteilen" wollen, unser Land anzugreifen, und ihn eher dazu verleiten, diesen kolossalen Fehler zu vermeiden! Er sollte sich von der Authentizität von jeglichem göttlichen Kriegsbefehl überzeugen, es mit dem Papst und anderen angesehenen Würdenträgern und Theologen der christlichen Kirchen beraten, und sie befragen, was sie dazu meinen.

Sie müssen mich entschuldigen, Herr Präsident der Vereinigten Staaten, dass ich Ihnen dieses Mal kein drittes Sendschreiben schreibe. Es wäre sehr schwierig gewesen, diese Thema auf diesem Wege zu analysieren. Es hätte als persönlich Beleidigung erscheinen können. Trotzdem halte ich mich an die Höflichkeitsnormen.

Es lebe Cäsar! Aber dieses Mal füge ich hinzu: Diejenigen, die wir zu sterben bereit sind, fürchten weder deine riesige Macht, noch deine zügellose Wut oder deine gefährlichen und feigen Drohungen gegen Kuba!

Es lebe die Wahrheit!

Es lebe die menschliche Würde!

26. Juli 2004