Reflexionen des Genossen Fidel: Über die Blockade fiel kein einziges Wort
Die US-Regierung hat über CNN angekündigt, dass Obama diese Woche seiner Reise Mexiko einen Besuch abstatten wird, bevor er in Richtung Port of Spain in Trinidad und Tobago weiterreist, wo er in vier Tagen ankommen wird, um am Gipfel von Amerika teilzunehmen. Sie kündigte die Auflockerung einiger der verhassten Beschränkungen an, die von Bush den in den Vereinigten Staaten ansässigen Kubanern bezüglich der Besuchsmöglichkeiten ihrer Familienangehörigen in Kuba auferlegt wurden. Als nachgefragt wurde, ob solche Vergünstigungen auch anderen US-Bürgern zugute kämen, war die Antwort, dass diese keine Genehmigung hätten.
Die Blockade, welche die grausamste Maßnahme darstellt, wurde mit keinem einzigen Wort erwähnt. So wird frömmlerisch das bezeichnet, was eine völkermörderische Maßnahme darstellt. Der Schaden ist nicht nur an den wirtschaftlichen Auswirkungen zu ermessen. Sie kostet ständig Menschenleben und fügt unseren Bürgern schmerzhafte Leiden zu.
Zahlreiche Diagnosegeräte und vitale Arzneimittel sind unseren Kranken nicht zugänglich, -selbst wenn diese aus Europa bzw. Japan oder einem anderen Land kommen - wenn diese einige Bestandteile oder Programme der Vereinigten Staaten verwenden.
Kraft der Exterritorialität sind die Beschränkungen bezüglich Kuba von den US-Unternehmen, die Güter herstellen bzw. Dienstleistungen bieten, überall auf der Welt anzuwenden.
Ein einflussreicher republikanischer Senator, Richard Lugar, weitere Mitglieder seiner Partei mit demselben Rang im Kongress und eine weitere bedeutende Anzahl von Senatoren der Demokraten befürworten die Beseitigung der Blockade. Die Voraussetzungen sind geschaffen, damit Obama sein Talent für eine konstruktive Politik gebraucht, die jener ein Ende bereitet, die während knapp einem halben Jahrhundert gescheitert ist.
Andererseits, unser Land, das stand gehalten hat und bereit ist, solange standzuhalten, wie es erforderlich ist, beschuldigt Obama nicht der von anderen US-Regierungen begangenen Gräueltaten. Es stellt ebenfalls nicht seine Aufrichtigkeit in Frage und seine Absicht, die Politik und das Image der Vereinigten Staaten verändern zu wollen. Er sieht ein, dass er einen sehr schweren Kampf ausfechten musste, um trotz der jahrhundertealten Vorurteile gewählt zu werden.
Ausgehend von dieser Realität hat der Vorsitzende des Staatsrats von Kuba seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, Gespräche mit Obama zu führen und auf der Grundlage der absoluten Achtung der Souveränität die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu normalisieren.
Um 14:30 Uhr wurde Jorge Bolaños, Leiter der Interessenvertretung von Kuba in Washington, vom Unterstaatssekretär Tomas Shannon in das State Department bestellt. Nichts von dem, was dort gesagt wurde, unterschied sich von dem, was CNN berichtet hatte.
Um 15:15 Uhr begann eine lange Pressekonferenz. Das Wesentliche von dem, was dort gesagt wurde, ist in den hier zitierten Worten des Präsidenten-Beraters für Lateinamerika, Dan Restrepo, enthalten, der wie folgt erklärte:
„Heute hat Präsident Obama angeordnet, dass bestimmte Maßnahmen getroffen, bestimmte Schritte eingeleitet werden, um dem kubanischen Volk die Hand zu reichen, um seinen Wunsch zu unterstützen, auf der Grundlage der Achtung der Menschenrechte zu leben und sein eigenes Schicksal und das Schicksal seines Landes zu bestimmen.“
„Der Präsident hat den Staatssekretär, und die Handels- und Schatzminister angewiesen, die notwendigen Aktionen einzuleiten, um alle Beschränkungen für Einzelpersonen zum Besuch ihrer Familienangehörigen auf der Insel und für Geldüberweisungen zu beseitigen. Außerdem hat er Anweisungen gegeben, Schritte zu unternehmen, um den freien Informationsfluss zwischen dem kubanischen Volk und zwischen denen, die in Kuba sind und dem Rest der Welt zu gestatten und um die Übergabe von direkt an das kubanische Volk geschickten humanitären Hilfsgaben zu ermöglichen.“
„Indem er diese Maßnahmen trifft, um einen Beitrag dazu zu leisten, die Bresche zwischen getrennten kubanischen Familien zu schließen und den freien Fluss von Informationen und humanitären Hilfsartikeln für das kubanische Volk zu fördern, ist Präsident Obama bemüht, die während seiner Wahlkampagne und seit seinem Amtsantritt festgelegten Zielstellungen zu erfüllen.“
„Alle jene, die an die demokratischen Grundwerte glauben, sehnen ein Kuba herbei, das die grundlegenden Menschenrechte und politischen und wirtschaftlichen Rechte seines gesamten Volkes achtet. Präsident Obama ist der Meinung, dass diese Maßnahmen helfen werden, diese Zielstellung Realität werden zu lassen. Der Präsident ermuntert alle, die diesen Wunsch teilen, dass sie weiterhin der standhaften Unterstützung für das kubanische Volk verpflichtet bleiben.“
„Danke.”
Zu Ende der Pressekonferenz gestand der Berater unumwunden: „Alles wird um der Freiheit von Kuba willen getan.“
Kuba begrüßt nicht die ungerechterweise Gipfel von Amerika genannten Treffen, wo unsere Länder nicht zu gleichen Bedingungen diskutieren. Wenn sie zu etwas nützlich wären, dann dazu, eine kritische Analyse der Politikrichtlinien zu machen, die unsere Völker trennen, unsere Ressourcen plündern und unsere Entwicklung behindern.
Jetzt fehlt nur noch, dass Obama dort alle lateinamerikanischen Präsidenten überzeugt, dass die Blockade harmlos ist.
Kuba hat standgehalten und wird standhalten. Es wird niemals seine Hände zum Betteln ausstrecken. Es wird mit erhobenem Kopf weiter voranschreiten und mit den lateinamerikanischen und karibischen Brudervölkern zusammenarbeiten, ob es nun Gipfel von Amerika gibt oder nicht, ob nun Obama an der Spitze der Vereinigten Staaten steht oder nicht, ob nun ein Mann oder eine Frau, ein weiß- oder schwarzhäutiger Bürger Präsident ist.
Fidel Castro Ruz
13. April 2009
18:12 Uhr
Hier finden Sie chronologisch sortiert Reden und Schriften des kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro Ruz
Montag, 13. April 2009
Sonntag, 12. April 2009
Der unvermeidliche Sieg von Evo
Reflexionen des Genossen Fidel: Der unvermeidliche Sieg von Evo
Evo begann heute seinen vierten Tag eines rigorosen Hungerstreiks. Er sprach gestern Abend und gab heute Mittag Erklärungen ab. Seine Worte waren gelassen, überzeugend und schlagkräftig. Er bot ein „biometrisches Wahlverzeichnis“ an, welches noch besser ist, als das bis jetzt für die Wahlprozesse in seinem Land geltende, das von internationalen Einrichtungen als zuverlässig und von guter Qualität bezeichnet wurde.
In seinen freien Augenblicken spielt er Schach.
Bei einem Fernsehinterview antwortete er auf die Frage eines Journalisten, wie er angesichts der Tricks der Oligarchie absichern würde, dass das Wahlverzeichnis bis zu den Wahlen im Dezember fertig gestellt sei, wie folgt: „Ich habe Vertrauen in das Volk“.
Es bezweifelt schon niemand mehr, dass er dabei ist, die Auseinandersetzung zu gewinnen, und das ohne Anwendung von Gewalt oder Machtmissbrauch.
Der Gegner kann seinem Feuer auf der ganzen Linie nicht standhalten. Möglicherweise wird am Montag bei Tagesanbruch die Vereinbarung bekannt gegeben werden, und zwar ohne auf das Dekret des Präsidenten zurückzugreifen, sondern - wie es Evo wollte - kraft eines vom Kongress verabschiedeten Gesetzes. Jede weitere verstreichende Stunde ohne jene Vereinbarung würde die Kraft und die nationale und internationale Unterstützung für den indigenen Präsidenten von Bolivien vervielfachen.
Es sind schon Oppositions-Parlamentarier zurückgekehrt und es wird verhandelt. Das ist eine gute Nachricht.
Fidel Castro Ruz
12. April 2009
21:35 Uhr
Evo begann heute seinen vierten Tag eines rigorosen Hungerstreiks. Er sprach gestern Abend und gab heute Mittag Erklärungen ab. Seine Worte waren gelassen, überzeugend und schlagkräftig. Er bot ein „biometrisches Wahlverzeichnis“ an, welches noch besser ist, als das bis jetzt für die Wahlprozesse in seinem Land geltende, das von internationalen Einrichtungen als zuverlässig und von guter Qualität bezeichnet wurde.
In seinen freien Augenblicken spielt er Schach.
Bei einem Fernsehinterview antwortete er auf die Frage eines Journalisten, wie er angesichts der Tricks der Oligarchie absichern würde, dass das Wahlverzeichnis bis zu den Wahlen im Dezember fertig gestellt sei, wie folgt: „Ich habe Vertrauen in das Volk“.
Es bezweifelt schon niemand mehr, dass er dabei ist, die Auseinandersetzung zu gewinnen, und das ohne Anwendung von Gewalt oder Machtmissbrauch.
Der Gegner kann seinem Feuer auf der ganzen Linie nicht standhalten. Möglicherweise wird am Montag bei Tagesanbruch die Vereinbarung bekannt gegeben werden, und zwar ohne auf das Dekret des Präsidenten zurückzugreifen, sondern - wie es Evo wollte - kraft eines vom Kongress verabschiedeten Gesetzes. Jede weitere verstreichende Stunde ohne jene Vereinbarung würde die Kraft und die nationale und internationale Unterstützung für den indigenen Präsidenten von Bolivien vervielfachen.
Es sind schon Oppositions-Parlamentarier zurückgekehrt und es wird verhandelt. Das ist eine gute Nachricht.
Fidel Castro Ruz
12. April 2009
21:35 Uhr
Samstag, 11. April 2009
Die Revolution Boliviens und die Haltung Kubas
Reflexionen des Genossen Fidel: Die Revolution Boliviens und die Haltung Kubas
Mehrmals habe ich daran gedacht, dass ich am nächsten Tag nicht zu schreiben hätte und ich einen Teil meiner Zeit dem Lesen und Analysieren widmen könnte, wie ich oftmals getan habe. Aber die wichtigen Ereignissen, die in den letzten Wochen auf dem Gebiet der Weltwirtschaft und –politik stattgefunden haben und solche Ereignisse, wie jene, die in Bolivien stattfinden, habe es mir nicht erlaubt.
Um 10:41 Uhr habe ich mit dem Botschafter Dausá gesprochen. Ich wollte wissen, wie es Evo und den anderen Führern Boliviens gesundheitlich geht, die sich heute den dritten Tag im Hungerstreik befinden. Heute Morgen ging es ihm gut, er war nur etwas geschwächt aufgrund der fehlenden Nahrungseinnahme. Die ihn beim Hungerstreik begleiten, stehen die Situation gut durch; ihnen geht es gut und sie sind in guter Stimmung. Sie verlangen Bücher. Sie sagten dem Botschafter, dass sie Bücher über Marti, Che und die Revolution möchten. Heute hat unser Botschafter ihrer Bitte entsprochen und ihnen „Leben und Werk von Marti”, „Der Sozialismus und der Mensch in Kuba“ und weitere Bücher geschickt.
Wie bekannt, ist die Qualität des Wahlverzeichnisses von verschiedenen internationalen Organisationen bestätigt worden, darunter die OAS und die Europäische Union, die absolut keine Sympathisanten der Linken sind, und spezielle Dienstleistungen zur Verfügung gehabt haben, und ausgehend von ihrer Analyse das Wahlverzeichnis als eines der besten in Lateinamerika bestätigt haben.
Trotzdem haben die Gerichtsbehörden der Provinzen Beni, Pando, Potosí, La Paz und Tarija, von den 9 Provinzen, die Bolivien hat, das Wahlverzeichnis unter offensichtlicher Mittäterschaft der Opposition in Frage gestellt.
In Bolivien ist die MAS, “Movimiento al Socialismo” (Bewegung zum Sozialismus), die Partei von Evo Morales, die stärkste Kraft im Parlament; von den 130 Mitgliedern der Abgeordnetenkammer verfügt sie über 72 Abgeordnete. Deshalb ist sie die mächtigste Partei in Bolivien. Der Rest der Abgeordneten verteilt sich zwischen der PODEMOS-Partei, (Poder Democrático Social - Soziale Demokratische Macht), die zweite politische Macht, die aus den ehemaligen Anhängern des Generals Hugo Bánzer und Vertretern anderer traditioneller politischer Mächte gebildet wird. PODEMOS vertritt die bolivianische Oligarchie und ihr Präsident ist heute Jorge Quiroga, der die Präsidentschaft Boliviens kurz vor dem Tod von Bánzer übernahm, da er damals als Vizepräsident tätig war.
Die MNR ist die drittgrößte politische Kraft und steht unter Leitung von Frau Mirtha Quevedo. Sie verfügt über eine geringere Anzahl Parlamentsmitglieder, die in Opposition zum MAS stehen.
Unidad Nacional (Nationale Einheit) ist die andere der Oppositionskräfte im bolivianischen Parlament.
Die wichtigsten politischen Oppositionskräfte zeichnen sich bezüglich Kuba nicht durch Feindseligkeit aus.
Kürzlich, d.h. nach der Volksabstimmung über die Verfassung vom Januar, besuchte uns über die Abteilung Amerika unserer Partei eine umfangreiche bolivianische Delegation, der folgende Personen angehörten: Carlos Borth, Senator von PODEMOS; Roberto Ruiz, ein weiterer Senator der selben Partei; Cesar Navarro, einer von Evos Leuten, sehr positiv; Mario Justiniano, Abgeordneter der MNR, Kritiker von Evo; Hugo Moldiz, Direktor der Wochenzeitung La Época, ein sehr guter Freund von Kuba, ausgezeichneter Schriftsteller; Guido Rivero, Exekutivsekretär der Bolivianischen Stiftung für die Mehrparteien-Demokratie. Diese hatte diese Reise vom 11. bis 15. März organisiert. Sie wurden von den Genossen der Abteilung Internationale Beziehungen unserer Partei betreut.
Um der Einheit und Zusammenarbeit aller politischen Kräfte willen zur Entwicklung von Bolivien hat Präsident Evo Morales alles Mögliche getan, um die Zusammenarbeit zu fördern und extremistische Haltungen zu vermeiden, die den revolutionären Prozess zerstören könnten. Was für einen Extremismus könnte man sich in dem bolivianischen Führer vorstellen, wo er sogar die Wähler befragte, ob das Eigentum an Grund und Boden 10.000 oder 5.000 Hektar betragen solle? Evo hat zum ersten Mal in der Geschichte Boliviens eine bedeutende Rücklage in Devisenwährung geschaffen, die es ihm zum jetzigen Zeitpunkt erlaubt, der schweren Weltfinanzkrise zu begegnen; er hat den Analphabetismus unter Verwendung von Spanisch, Aymara und Quechua in knapp drei Jahren beseitigt; er führt die gesamte arme Bevölkerung dazu, ein sicheres Minimaleinkommen zu genießen; er gewinnt die Energiequellen zurück und erobert für Bolivien die Bewunderung der Welt.
Unser Volk leistet seinen Beitrag zu diesen Bemühungen mit seiner Erfahrung auf den Gebieten Bildung und Gesundheitswesen. Tausende Mitbürger leisten dort einen selbstlosen Dienst.
Unsere Ärzte haben 24.618.833 Sprechstundenpatienten betreut, 35.390 allgemeine chirurgische Eingriffe vorgenommen und laut Statistik 20.102 Menschenleben gerettet.
Die Mission „Milagro“ zählt schon 386.597 an den Augen operierte Patienten; davon 25.198 Brasilianer, 24.240 Argentinier, 17.008 Peruaner und 309 Paraguayer.
In Kuba absolvieren circa 5.000 junge Bolivianer ein Medizinstudium.
Das ist unser bescheidener Beitrag für das bolivianische Brudervolk, welches das ärmste und am meisten ausgebeutete von Lateinamerika war.
Fidel Castro Ruz
11. April 2009
13:43 Uhr
Mehrmals habe ich daran gedacht, dass ich am nächsten Tag nicht zu schreiben hätte und ich einen Teil meiner Zeit dem Lesen und Analysieren widmen könnte, wie ich oftmals getan habe. Aber die wichtigen Ereignissen, die in den letzten Wochen auf dem Gebiet der Weltwirtschaft und –politik stattgefunden haben und solche Ereignisse, wie jene, die in Bolivien stattfinden, habe es mir nicht erlaubt.
Um 10:41 Uhr habe ich mit dem Botschafter Dausá gesprochen. Ich wollte wissen, wie es Evo und den anderen Führern Boliviens gesundheitlich geht, die sich heute den dritten Tag im Hungerstreik befinden. Heute Morgen ging es ihm gut, er war nur etwas geschwächt aufgrund der fehlenden Nahrungseinnahme. Die ihn beim Hungerstreik begleiten, stehen die Situation gut durch; ihnen geht es gut und sie sind in guter Stimmung. Sie verlangen Bücher. Sie sagten dem Botschafter, dass sie Bücher über Marti, Che und die Revolution möchten. Heute hat unser Botschafter ihrer Bitte entsprochen und ihnen „Leben und Werk von Marti”, „Der Sozialismus und der Mensch in Kuba“ und weitere Bücher geschickt.
Wie bekannt, ist die Qualität des Wahlverzeichnisses von verschiedenen internationalen Organisationen bestätigt worden, darunter die OAS und die Europäische Union, die absolut keine Sympathisanten der Linken sind, und spezielle Dienstleistungen zur Verfügung gehabt haben, und ausgehend von ihrer Analyse das Wahlverzeichnis als eines der besten in Lateinamerika bestätigt haben.
Trotzdem haben die Gerichtsbehörden der Provinzen Beni, Pando, Potosí, La Paz und Tarija, von den 9 Provinzen, die Bolivien hat, das Wahlverzeichnis unter offensichtlicher Mittäterschaft der Opposition in Frage gestellt.
In Bolivien ist die MAS, “Movimiento al Socialismo” (Bewegung zum Sozialismus), die Partei von Evo Morales, die stärkste Kraft im Parlament; von den 130 Mitgliedern der Abgeordnetenkammer verfügt sie über 72 Abgeordnete. Deshalb ist sie die mächtigste Partei in Bolivien. Der Rest der Abgeordneten verteilt sich zwischen der PODEMOS-Partei, (Poder Democrático Social - Soziale Demokratische Macht), die zweite politische Macht, die aus den ehemaligen Anhängern des Generals Hugo Bánzer und Vertretern anderer traditioneller politischer Mächte gebildet wird. PODEMOS vertritt die bolivianische Oligarchie und ihr Präsident ist heute Jorge Quiroga, der die Präsidentschaft Boliviens kurz vor dem Tod von Bánzer übernahm, da er damals als Vizepräsident tätig war.
Die MNR ist die drittgrößte politische Kraft und steht unter Leitung von Frau Mirtha Quevedo. Sie verfügt über eine geringere Anzahl Parlamentsmitglieder, die in Opposition zum MAS stehen.
Unidad Nacional (Nationale Einheit) ist die andere der Oppositionskräfte im bolivianischen Parlament.
Die wichtigsten politischen Oppositionskräfte zeichnen sich bezüglich Kuba nicht durch Feindseligkeit aus.
Kürzlich, d.h. nach der Volksabstimmung über die Verfassung vom Januar, besuchte uns über die Abteilung Amerika unserer Partei eine umfangreiche bolivianische Delegation, der folgende Personen angehörten: Carlos Borth, Senator von PODEMOS; Roberto Ruiz, ein weiterer Senator der selben Partei; Cesar Navarro, einer von Evos Leuten, sehr positiv; Mario Justiniano, Abgeordneter der MNR, Kritiker von Evo; Hugo Moldiz, Direktor der Wochenzeitung La Época, ein sehr guter Freund von Kuba, ausgezeichneter Schriftsteller; Guido Rivero, Exekutivsekretär der Bolivianischen Stiftung für die Mehrparteien-Demokratie. Diese hatte diese Reise vom 11. bis 15. März organisiert. Sie wurden von den Genossen der Abteilung Internationale Beziehungen unserer Partei betreut.
Um der Einheit und Zusammenarbeit aller politischen Kräfte willen zur Entwicklung von Bolivien hat Präsident Evo Morales alles Mögliche getan, um die Zusammenarbeit zu fördern und extremistische Haltungen zu vermeiden, die den revolutionären Prozess zerstören könnten. Was für einen Extremismus könnte man sich in dem bolivianischen Führer vorstellen, wo er sogar die Wähler befragte, ob das Eigentum an Grund und Boden 10.000 oder 5.000 Hektar betragen solle? Evo hat zum ersten Mal in der Geschichte Boliviens eine bedeutende Rücklage in Devisenwährung geschaffen, die es ihm zum jetzigen Zeitpunkt erlaubt, der schweren Weltfinanzkrise zu begegnen; er hat den Analphabetismus unter Verwendung von Spanisch, Aymara und Quechua in knapp drei Jahren beseitigt; er führt die gesamte arme Bevölkerung dazu, ein sicheres Minimaleinkommen zu genießen; er gewinnt die Energiequellen zurück und erobert für Bolivien die Bewunderung der Welt.
Unser Volk leistet seinen Beitrag zu diesen Bemühungen mit seiner Erfahrung auf den Gebieten Bildung und Gesundheitswesen. Tausende Mitbürger leisten dort einen selbstlosen Dienst.
Unsere Ärzte haben 24.618.833 Sprechstundenpatienten betreut, 35.390 allgemeine chirurgische Eingriffe vorgenommen und laut Statistik 20.102 Menschenleben gerettet.
Die Mission „Milagro“ zählt schon 386.597 an den Augen operierte Patienten; davon 25.198 Brasilianer, 24.240 Argentinier, 17.008 Peruaner und 309 Paraguayer.
In Kuba absolvieren circa 5.000 junge Bolivianer ein Medizinstudium.
Das ist unser bescheidener Beitrag für das bolivianische Brudervolk, welches das ärmste und am meisten ausgebeutete von Lateinamerika war.
Fidel Castro Ruz
11. April 2009
13:43 Uhr
Freitag, 10. April 2009
Nachrichten über Chávez und Evo
Reflexionen des Genossen Fidel: Nachrichten über Chávez und Evo
Am gestrigen Donnerstag, dem 9. April, hat die gespannte Situation in Bolivien unsere Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.
Heute, am Freitag, kommt eine Tatsache von großem Interesse hinzu: die Ankunft von Hugo Chávez in Kuba, nach seiner erfolgreichen Reise nach China. Wenn es so ist, dass die Oligarchie in Bolivien auf einen ernsthaften und soliden Führer wie Evo Morales trifft, so werden in Venezuela die Gegner der Bolivarianischen Revolution - die alle ihre Hoffnungen in den Schlag gelegt hatten, den die Weltwirtschaftskrise diesem Lande zufügen würde – verstehen, dass der Kampf von Chávez für den Sozialismus in der Lage ist, jedes Hindernis zu überwinden. Er hat versprochen, die Errungenschaften und die großen sozialen Fortschritte zu erhalten und dass die Industrialisierung des Landes ihren Rhythmus beibehalten wird und Venezuela zu einem Beispiel eines industriell entwickelten Landes mit sozialer Gerechtigkeit werden wird, das der Dritten Welt als Eingebung und Beispiel dienen wird.
Seine Reise nach China und Japan inmitten der alle Nationen der Welt geißelnden Krise ist ein echtes Beispiel politischer Strategie. Vorher hatte er am Gipfeltreffen der Südamerikaner und Araber teilgenommen, die zusammen riesige natürliche Ressourcen besitzen. Er hat in Japan als eines der Länder, die industriell am höchsten entwickelt sind und über das größte Wirtschaftspotential verfügen, einen wichtigen Markt für die venezolanischen Erzeugnisse gesehen. Vor allem schlussfolgerte er ganz klar, dass China mit seiner beschleunigten Entwicklung die größte Wirtschaftsmacht der Erde sein wird, eine unvermeidliche Bastion des Welthandels und Stütze für die Länder der Dritten Welt, welche von den reichsten kapitalistischen Mächten diskriminiert und ausgebeutet wurden.
Die Agenturmeldungen vom 8. berichteten über die Abkommen, die nach den zwischen den Präsidenten von Venezuela und China, Hugo Chávez und Hu Jintao, geführten Gesprächen unterzeichnet wurden.
Die von gestern, den 9., informierten über die Aktivitäten, welche Hugo Chávez, auf Bitte des chinesischen Präsidenten, an jenem Tag vor seiner Rückreise durchführte.
Die Nachrichtenagenturen sprachen umfangreich über seine Aktivitäten in China:
„Hugo Chávez, Präsident von Venezuela, erklärte heute, mit seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao die Erweiterung der Zusammenarbeit vereinbart zu haben, um abzusichern, dass China im Jahr 2010 eine Million Barrel Erdöl täglich erhält.
'Ich habe ihm vorgeschlagen, aufgrund der Situation (Krise) die Möglichkeit zur Vorverlegung der im strategischen Abkommen für 2013 festgelegten Zielstellung zu analysieren und zu vereinbaren', sagte Chávez heute zu den etwa hundert Führungskadern auf Landes-, Provinz- und örtlicher Ebene der Parteischule der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), die ihm applaudierten.“
„Diese Lieferung, der Bau einer venezolanischen Raffinerie auf chinesischem Gebiet und die Schaffung einer binationalen Schifffahrtsgesellschaft für die Beförderung des Rohöls waren die vorrangigen Zielstellungen, die mit diesem Besuch von Chávez erreicht werden sollten.“
„Der venezolanische Präsident Hugo Chávez betrachtete heute den Aufbau einer Bündnis-Plattform zwischen China und Lateinamerika und der Karibik als 'unbedingt erforderlich'.“
„Der venezolanische Präsident Hugo Chávez beendete heute seinen China-Besuch mit einer Zusammenkunft mit dem chinesischen Vizepräsidenten Xi Jinping, der als eventueller Nachfolger von Hu Jintao an der Spitze der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) für den Zeitraum ab dem nächsten Parteitag im Jahr 2012 angesehen wird.“
„Xi ist Rektor der Schule, wo seit der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 alle leitenden Kader der KPCh ausgebildet werden, und welche Chávez heute besucht hat.“
„'China versteht es vorausschauend zu blicken. Wenige Monate nach dem Amtsantritt unserer Regierung war ich hier, und wir haben mit Jiang Zemin eine Beziehung angefangen, der wir jetzt zusammen mit Hu eine neue strategische Dynamik zu geben beschlossen haben'.“
„Gestern sagte Chávez zu Hu – bei ihrem Treffen im Großen Palast des Volkes – dass 'China der größte vorhandene Motor ist, um die Welt aus der Krise zu führen'.“
„Heute, in der Schule, behaupte er Folgendes: 'wenn Washington die Hauptstadt der imperialen Welt war, ist Beijing heute eine der großen Hauptstädte der pluripolaren Welt'.“
„'Wir sind dabei unsere Parteischule zu gründen, wo unsere Partei seit knapp einem Jahr besteht, und ihr Gründungskern muss sie absolvieren, weil wir im Begriff sind, einer großen Partei mit einer klaren Ideologie ihre Form zu geben: dem Sozialismus', bekräftigte er.”
Gegen 14 Uhr wird Präsident Chávez mir die Ehre erweisen, mich zu besuchen. Für mich wird es von großem Interesse sein, die Einzelheiten seiner Reise ins Ausland kennen zu lernen, wo er insgesamt mehr als 12 Tage weilte, womit er sein unbegrenztes Vertrauen in das Volk, sein zunehmendes sozialistisches Bewusstsein, und in die im Lande verbliebenen Kader zeigt.
Tagsüber werden sicherlich neue Nachrichten über Bolivien und die politische Schlacht von Evo und seines opferbereiten Volkes ankommen. Ich werde weiter schreiben und versuchen, mich bei so vielen Nachrichten so kurz als möglich zu fassen.
Um 13:15 Uhr rief ich Dausá an. Die Neuigkeit ist, dass Evo um 7 Uhr früh noch nicht geschlafen hatte. Um diese Uhrzeit übergab man ihm meine heutige Reflexion. Er hat sich gefreut und sie den Journalisten vorgelesen. Es hat ihn gefreut, dass ich die Situation aus der Nähe verfolge. Dann hat er zwei oder drei Stunden geschlafen.
Dausá versorgte mich mit genauerer Information über die Funktionsweise des Parlaments. Sowohl in der Kammer, zu der 130 Abgeordnete gehören und in der Evos Partei über eine große Mehrheit verfügt, als auch im Senat mit 27 Kongressmitgliedern, wo die Opposition die Mehrheit hat, werden die Gesetze durch die einfache Mehrheit verabschiedet.
Das Problem besteht darin, dass das Übergangswahlgesetz zu seiner Verabschiedung jene Mehrheit in beiden Kammern benötigt. Die Oligarchie blockiert seine Verabschiedung, da sie unter den 27 Senatsmitgliedern über die Mehrheit verfügt, und stellt dabei Bedingungen, die inakzeptabel sind, wie zum Beispiel ein neues Einwohnerverzeichnis; die Verminderung der Anzahl der Sonderwahlbezirke für die indigene Bevölkerung auf beinahe Null, welche von der neuen, durch die kürzliche Volksbefragung von der Bevölkerung bestätigte Verfassung des bolivianischen Staates geschaffen wurden, und als Letztes die Auferlegung von bedeutenden Einschränkungen der Möglichkeit zur Teilnahme an der Abstimmung der im Ausland ansässigen Bolivianer, die in ihrer Mehrheit Sympathisanten von Evo sind.
Mittels jener Forderungen beabsichtigen sie, den bolivianischen Präsidenten der von ihm genossenen zunehmenden Unterstützung der Bevölkerung zu entledigen.
Während eine Lösung auf der Grundlage der möglichen Verminderung der 14 von Evo vorgeschlagenen indigenen Abgeordneten auf knapp die Hälfte ausgehandelt wird, da die Opposition nur drei akzeptiert hatte, haben sie Ränke zu schmieden begonnen, indem sie behaupten, dass der Indio-Präsident seine eigenen Leute verrät. Auf diese Art versuchen sie, seine Kräfte zu reduzieren, wobei sie außerdem das Wählerverzeichnis anfechten, was das Recht von 700 000 bolivianischen Wählern in Frage stellen würde. Das gleiche Ziel verfolgen sie mit den Einschränkungen und Hindernissen für im Ausland ansässige Bolivianer.
Es ist logisch, dass Evo sich weder damit abfindet, die Wahlen ausfallen zu lassen noch damit, einer großen Anzahl von Bolivianern die Möglichkeit zur Wahlteilnahme zu nehmen, und das kraft der Anfechtung eines Wahlverzeichnisses, dessen Qualität von internationalen Organisationen als eine der besten in Lateinamerika bestätigt worden ist. Um 14:05 Uhr hörte ich Evo im Fernsehen sprechen, ruhig, beredt, überzeugend.
Das kann man einfach nur anerkennen und ihn unterstützen. Der Hungerstreik beeinträchtigt seine intellektuellen Fähigkeiten nicht im Geringsten. „Ich suche nicht die Macht für mich, ich suche die Macht für die sozialen Organisationen”, erklärt und wiederholt er. Seine Antworten an die Presse sind wirklich viel sagend.
Dausá informiert, dass viele der Oppositions-Parlamentarier, vor allem die von Santa Cruz, in ihre Departements abgereist sind, um den Karfreitag und den Rest der Woche zu verbringen, als ob sie fromme Gläubige wären.
Evo ändert seinerseits seine Haltung nicht und behält sie zusammen mit einer Gruppe der ihn im Regierungspalast begleitenden Führern bei. Aber gleichzeitig hat er Verbindung zu allen Anhängern aufgenommen, die sich im Rest des Landes im Hungerstreik befinden, damit sie diesen bis zum Montag unterbrechen und so das Wochenende mit ihren Familien verbringen können.
Eine weitere angenehme Nachricht habe ich heute Mittag in der Landesnachrichtensendung im Fernsehen gehört. Unser Freund Bouteflika hat gestern mit Unterstützung von 90% der Wähler eine dritte verfassungsmäßige Amtszeit erreicht. Das ist eine gute Nachricht für Kuba, die uns an die Wichtigkeit der Solidarität mit anderen Völkern erinnert, die unsere Geschichte seit den ersten Tagen der Revolution so bereichert.
Um 15:55 Uhr kam Chávez. Ihn begleitete Luis Reyes Reyes, Minister des Präsidentenamts; der ihn zusammen mit Rafael Ramírez, Minister für Energie und Erdöl; Nicolás Maduro, Außenminister und anderen Kadern auf seiner Auslandsreise begleitete. Er hatte sich noch gar nicht richtig hingesetzt, als er begann, mir seine Eindrücke zu vermitteln.
Er kam sehr zufrieden von seinem Treffen mit Hu Jintao, Präsident von China, zurück. Er erzählte mir über den bei seinem Arbeitsbesuch mit ihm geführten breit gefächerten Dialog, das anschließende Abendessen, das er ihm im Volkspalast bot, und über den Besuch der historischen Kaderschule der Kommunistischen Partei Chinas, der ihm vom Präsidenten empfohlen worden war. Er führte einen Meinungsaustausch mit dem Vizepräsidenten von China und Rektor jener Schule, Xi Jinping, der tiefe Spuren bei ihm hinterlassen hat. Er hatte ihn schon in Venezuela kennen gelernt, als er das Land als Vizepräsident der großen Nation besuchte.
Er hatte ebenfalls ein Treffen mit seinem Freund Chen Yuan, Präsident der Chinesischen Bank für Entwicklung, Sohn desjenigen, der in der ersten Zeit der Revolution Präsident jenes Landes war. Er sprach ebenfalls mit dem Außenminister. Er lobte das Talent und die Arbeitsmethoden der obersten Führung von China sehr, besonders von Hu Jintao.
Die Zusammenkünfte und Besuche waren im Beisein der Presse oder ohne diese. Er gab Interviews. Anhand der veröffentlichten Agenturmeldungen gab er an, welche Worte er wirklich gesagt hatte und welche Ergebnis der Übersetzung bzw. Interpretierung des von ihm Gesagten waren; sie berichteten ausführlich über seine Tätigkeiten.
Er kehrte über Vancouver zurück, in der entgegen gesetzten Richtung. Der Flug mit einem Zwischenaufenthalt dauerte 16 Flugstunden, die Hälfte der Zeit über Gebiet der Vereinigten Staaten, die dem IL-96 von Cubana de Aviación keinerlei Hindernisse in den Weg legten. Er erzählte ebenfalls Einzelheiten seiner Besuche und Treffen in Katar, Iran und Japan. Er hat sich mit unzähligen führenden Persönlichkeiten unterhalten. Er widmete mehrere Minuten, um die Grüße auszurichten, die viele seiner Gesprächspartner übermittelt hatten. Damit nimmt er es sehr genau. Er wollte keinen vergessen, besonders von denjenigen, die von den chinesischen führenden Persönlichkeiten ausgerichtet worden waren.
Bei den Themen unserer Zusammenkunft, die 2 Stunden und 50 Minuten gedauert hat, haben wir viele Angelegenheiten angesprochen. Ich sagte ihm, dass China sich den Weg zur Verwendung des Yuan als Devisenwährung bahnt, der nicht künstlich entwertet ist, um wettbewerbsfähig zu sein, wie von seinen Gegnern behauptet wird, sondern weil seine Wettbewerbsfähigkeit progressiv zunimmt.
Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, behauptet, dass möglicherweise bei der nächsten Sitzung, die alle paar Jahre bestimmten Währungen den Charakter einer konvertierbaren Währung verleiht, der Yuan zusammen mit dem Dollar, dem Euro, dem Pfund Sterling und anderen Währungen vom Internationalen Währungsfond als solche aufgenommen wird. Diejenigen, welche die Weltwirtschaft leiten, können ihn nicht weiterhin ignorieren.
Bei unserem Meinungsaustausch durfte Evo nicht fehlen. Ich erläuterte ihm detailliert die mir zur Verfügung stehende Information, seinen ausgezeichneten Gemütszustand und seine Bereitschaft, den Streik bis zu den letzten Konsequenzen durchzuhalten. Er rief ihn an und brachte ihm seine vollständige Solidarität zum Ausdruck. Zuletzt sprach er von seinem baldigen Besuch in Argentinien. Er bat um Angaben über den Gipfel von Trinidad und Tobago und die Haltung von Daniel, der, genau wie Cristina, zur Eröffnung desselben sprechen wird. Ich erzählte ihm alles, was ich wusste.
Um 21:54 Uhr rief ich Dausá an und bat um Nachrichten.
Der für 19:00 Uhr einberufene Kongress konnte wegen fehlendem Quorum nicht zusammenkommen. Er wird erneut für 20:30 Uhr einberufen, es gab ebenfalls kein Quorum. Die Fernsehkanäle zeigten zu jenen Stunden die Parlamentarier der Opposition in ihren Departements. García Lineras bedauerte diese Abwesenheit und sagte, dass diese Haltung an ein Delikt grenzt und dass er sie erneut Morgen, am 11. April um 12:30 Uhr einberufen wird. Dass es keine andere Tätigkeit im Kongress geben wird, bis das Gesetz nicht verabschiedet ist.
Evo geht es gut. Er wurde von dem Arzt untersucht, der ihn begleitet. Der Hungerstreik der führenden Persönlichkeiten in den verschiedenen Departements des Landes wurde trotz des Aufrufs von Evo, ihn bis zum Montag zu unterbrechen, in Solidarität mit dem Präsidenten fortgesetzt. Gemäß dem Generalsekretär des Bolivianischen Gewerkschaftsverbandes sind es heute eintausendsiebenundzwanzig in 96 Streikposten.
Auf einer Pressekonferenz der führenden Persönlichkeiten der Coordinadora Nacional por el Cambio (Landeskoordinationskomitee für die Veränderung) und des Bolivianischen Gewerkschaftsverbandes wurde gesagt, dass sie in dem Fall, wenn die Abwesenheit der Parlamentarier aus dem Kongress fortgesetzt wird, gesetzlich gegen diese vorgehen werden. Er informierte mich, dass er den Präsidenten heute Abend besuchen wird. Er braucht 40 Minuten von der Botschaft bis zum Regierungspalast. Ich versprach, ihn anzurufen, um Evo zu grüßen.
Um 22:20 Uhr rief ich ihn an. Er übergab das Handy sofort an Evo. Ich hatte das Vergnügen, seine gelassene, aber standhafte, auf die Gerechtigkeit seiner Sache vertrauende Stimme zu hören. Ich brachte ihm unsere Freude über seinen guten Gesundheitszustand zum Ausdruck. Ich beglückwünschte ihn für seine Standhaftigkeit und seine ruhigen, viel sagenden Worte, die niemanden beleidigen oder verletzen. Ich erzählte ihm über Chávez Besuch und seine solidarische Haltung ihm und Bolivien gegenüber. Ich übermittelte ihm eine Solidaritätsbotschaft und unser Vertrauen in seinen Sieg.
Fidel Castro Ruz
10. April 2009
23:02 Uhr
Am gestrigen Donnerstag, dem 9. April, hat die gespannte Situation in Bolivien unsere Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.
Heute, am Freitag, kommt eine Tatsache von großem Interesse hinzu: die Ankunft von Hugo Chávez in Kuba, nach seiner erfolgreichen Reise nach China. Wenn es so ist, dass die Oligarchie in Bolivien auf einen ernsthaften und soliden Führer wie Evo Morales trifft, so werden in Venezuela die Gegner der Bolivarianischen Revolution - die alle ihre Hoffnungen in den Schlag gelegt hatten, den die Weltwirtschaftskrise diesem Lande zufügen würde – verstehen, dass der Kampf von Chávez für den Sozialismus in der Lage ist, jedes Hindernis zu überwinden. Er hat versprochen, die Errungenschaften und die großen sozialen Fortschritte zu erhalten und dass die Industrialisierung des Landes ihren Rhythmus beibehalten wird und Venezuela zu einem Beispiel eines industriell entwickelten Landes mit sozialer Gerechtigkeit werden wird, das der Dritten Welt als Eingebung und Beispiel dienen wird.
Seine Reise nach China und Japan inmitten der alle Nationen der Welt geißelnden Krise ist ein echtes Beispiel politischer Strategie. Vorher hatte er am Gipfeltreffen der Südamerikaner und Araber teilgenommen, die zusammen riesige natürliche Ressourcen besitzen. Er hat in Japan als eines der Länder, die industriell am höchsten entwickelt sind und über das größte Wirtschaftspotential verfügen, einen wichtigen Markt für die venezolanischen Erzeugnisse gesehen. Vor allem schlussfolgerte er ganz klar, dass China mit seiner beschleunigten Entwicklung die größte Wirtschaftsmacht der Erde sein wird, eine unvermeidliche Bastion des Welthandels und Stütze für die Länder der Dritten Welt, welche von den reichsten kapitalistischen Mächten diskriminiert und ausgebeutet wurden.
Die Agenturmeldungen vom 8. berichteten über die Abkommen, die nach den zwischen den Präsidenten von Venezuela und China, Hugo Chávez und Hu Jintao, geführten Gesprächen unterzeichnet wurden.
Die von gestern, den 9., informierten über die Aktivitäten, welche Hugo Chávez, auf Bitte des chinesischen Präsidenten, an jenem Tag vor seiner Rückreise durchführte.
Die Nachrichtenagenturen sprachen umfangreich über seine Aktivitäten in China:
„Hugo Chávez, Präsident von Venezuela, erklärte heute, mit seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao die Erweiterung der Zusammenarbeit vereinbart zu haben, um abzusichern, dass China im Jahr 2010 eine Million Barrel Erdöl täglich erhält.
'Ich habe ihm vorgeschlagen, aufgrund der Situation (Krise) die Möglichkeit zur Vorverlegung der im strategischen Abkommen für 2013 festgelegten Zielstellung zu analysieren und zu vereinbaren', sagte Chávez heute zu den etwa hundert Führungskadern auf Landes-, Provinz- und örtlicher Ebene der Parteischule der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), die ihm applaudierten.“
„Diese Lieferung, der Bau einer venezolanischen Raffinerie auf chinesischem Gebiet und die Schaffung einer binationalen Schifffahrtsgesellschaft für die Beförderung des Rohöls waren die vorrangigen Zielstellungen, die mit diesem Besuch von Chávez erreicht werden sollten.“
„Der venezolanische Präsident Hugo Chávez betrachtete heute den Aufbau einer Bündnis-Plattform zwischen China und Lateinamerika und der Karibik als 'unbedingt erforderlich'.“
„Der venezolanische Präsident Hugo Chávez beendete heute seinen China-Besuch mit einer Zusammenkunft mit dem chinesischen Vizepräsidenten Xi Jinping, der als eventueller Nachfolger von Hu Jintao an der Spitze der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) für den Zeitraum ab dem nächsten Parteitag im Jahr 2012 angesehen wird.“
„Xi ist Rektor der Schule, wo seit der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 alle leitenden Kader der KPCh ausgebildet werden, und welche Chávez heute besucht hat.“
„'China versteht es vorausschauend zu blicken. Wenige Monate nach dem Amtsantritt unserer Regierung war ich hier, und wir haben mit Jiang Zemin eine Beziehung angefangen, der wir jetzt zusammen mit Hu eine neue strategische Dynamik zu geben beschlossen haben'.“
„Gestern sagte Chávez zu Hu – bei ihrem Treffen im Großen Palast des Volkes – dass 'China der größte vorhandene Motor ist, um die Welt aus der Krise zu führen'.“
„Heute, in der Schule, behaupte er Folgendes: 'wenn Washington die Hauptstadt der imperialen Welt war, ist Beijing heute eine der großen Hauptstädte der pluripolaren Welt'.“
„'Wir sind dabei unsere Parteischule zu gründen, wo unsere Partei seit knapp einem Jahr besteht, und ihr Gründungskern muss sie absolvieren, weil wir im Begriff sind, einer großen Partei mit einer klaren Ideologie ihre Form zu geben: dem Sozialismus', bekräftigte er.”
Gegen 14 Uhr wird Präsident Chávez mir die Ehre erweisen, mich zu besuchen. Für mich wird es von großem Interesse sein, die Einzelheiten seiner Reise ins Ausland kennen zu lernen, wo er insgesamt mehr als 12 Tage weilte, womit er sein unbegrenztes Vertrauen in das Volk, sein zunehmendes sozialistisches Bewusstsein, und in die im Lande verbliebenen Kader zeigt.
Tagsüber werden sicherlich neue Nachrichten über Bolivien und die politische Schlacht von Evo und seines opferbereiten Volkes ankommen. Ich werde weiter schreiben und versuchen, mich bei so vielen Nachrichten so kurz als möglich zu fassen.
Um 13:15 Uhr rief ich Dausá an. Die Neuigkeit ist, dass Evo um 7 Uhr früh noch nicht geschlafen hatte. Um diese Uhrzeit übergab man ihm meine heutige Reflexion. Er hat sich gefreut und sie den Journalisten vorgelesen. Es hat ihn gefreut, dass ich die Situation aus der Nähe verfolge. Dann hat er zwei oder drei Stunden geschlafen.
Dausá versorgte mich mit genauerer Information über die Funktionsweise des Parlaments. Sowohl in der Kammer, zu der 130 Abgeordnete gehören und in der Evos Partei über eine große Mehrheit verfügt, als auch im Senat mit 27 Kongressmitgliedern, wo die Opposition die Mehrheit hat, werden die Gesetze durch die einfache Mehrheit verabschiedet.
Das Problem besteht darin, dass das Übergangswahlgesetz zu seiner Verabschiedung jene Mehrheit in beiden Kammern benötigt. Die Oligarchie blockiert seine Verabschiedung, da sie unter den 27 Senatsmitgliedern über die Mehrheit verfügt, und stellt dabei Bedingungen, die inakzeptabel sind, wie zum Beispiel ein neues Einwohnerverzeichnis; die Verminderung der Anzahl der Sonderwahlbezirke für die indigene Bevölkerung auf beinahe Null, welche von der neuen, durch die kürzliche Volksbefragung von der Bevölkerung bestätigte Verfassung des bolivianischen Staates geschaffen wurden, und als Letztes die Auferlegung von bedeutenden Einschränkungen der Möglichkeit zur Teilnahme an der Abstimmung der im Ausland ansässigen Bolivianer, die in ihrer Mehrheit Sympathisanten von Evo sind.
Mittels jener Forderungen beabsichtigen sie, den bolivianischen Präsidenten der von ihm genossenen zunehmenden Unterstützung der Bevölkerung zu entledigen.
Während eine Lösung auf der Grundlage der möglichen Verminderung der 14 von Evo vorgeschlagenen indigenen Abgeordneten auf knapp die Hälfte ausgehandelt wird, da die Opposition nur drei akzeptiert hatte, haben sie Ränke zu schmieden begonnen, indem sie behaupten, dass der Indio-Präsident seine eigenen Leute verrät. Auf diese Art versuchen sie, seine Kräfte zu reduzieren, wobei sie außerdem das Wählerverzeichnis anfechten, was das Recht von 700 000 bolivianischen Wählern in Frage stellen würde. Das gleiche Ziel verfolgen sie mit den Einschränkungen und Hindernissen für im Ausland ansässige Bolivianer.
Es ist logisch, dass Evo sich weder damit abfindet, die Wahlen ausfallen zu lassen noch damit, einer großen Anzahl von Bolivianern die Möglichkeit zur Wahlteilnahme zu nehmen, und das kraft der Anfechtung eines Wahlverzeichnisses, dessen Qualität von internationalen Organisationen als eine der besten in Lateinamerika bestätigt worden ist. Um 14:05 Uhr hörte ich Evo im Fernsehen sprechen, ruhig, beredt, überzeugend.
Das kann man einfach nur anerkennen und ihn unterstützen. Der Hungerstreik beeinträchtigt seine intellektuellen Fähigkeiten nicht im Geringsten. „Ich suche nicht die Macht für mich, ich suche die Macht für die sozialen Organisationen”, erklärt und wiederholt er. Seine Antworten an die Presse sind wirklich viel sagend.
Dausá informiert, dass viele der Oppositions-Parlamentarier, vor allem die von Santa Cruz, in ihre Departements abgereist sind, um den Karfreitag und den Rest der Woche zu verbringen, als ob sie fromme Gläubige wären.
Evo ändert seinerseits seine Haltung nicht und behält sie zusammen mit einer Gruppe der ihn im Regierungspalast begleitenden Führern bei. Aber gleichzeitig hat er Verbindung zu allen Anhängern aufgenommen, die sich im Rest des Landes im Hungerstreik befinden, damit sie diesen bis zum Montag unterbrechen und so das Wochenende mit ihren Familien verbringen können.
Eine weitere angenehme Nachricht habe ich heute Mittag in der Landesnachrichtensendung im Fernsehen gehört. Unser Freund Bouteflika hat gestern mit Unterstützung von 90% der Wähler eine dritte verfassungsmäßige Amtszeit erreicht. Das ist eine gute Nachricht für Kuba, die uns an die Wichtigkeit der Solidarität mit anderen Völkern erinnert, die unsere Geschichte seit den ersten Tagen der Revolution so bereichert.
Um 15:55 Uhr kam Chávez. Ihn begleitete Luis Reyes Reyes, Minister des Präsidentenamts; der ihn zusammen mit Rafael Ramírez, Minister für Energie und Erdöl; Nicolás Maduro, Außenminister und anderen Kadern auf seiner Auslandsreise begleitete. Er hatte sich noch gar nicht richtig hingesetzt, als er begann, mir seine Eindrücke zu vermitteln.
Er kam sehr zufrieden von seinem Treffen mit Hu Jintao, Präsident von China, zurück. Er erzählte mir über den bei seinem Arbeitsbesuch mit ihm geführten breit gefächerten Dialog, das anschließende Abendessen, das er ihm im Volkspalast bot, und über den Besuch der historischen Kaderschule der Kommunistischen Partei Chinas, der ihm vom Präsidenten empfohlen worden war. Er führte einen Meinungsaustausch mit dem Vizepräsidenten von China und Rektor jener Schule, Xi Jinping, der tiefe Spuren bei ihm hinterlassen hat. Er hatte ihn schon in Venezuela kennen gelernt, als er das Land als Vizepräsident der großen Nation besuchte.
Er hatte ebenfalls ein Treffen mit seinem Freund Chen Yuan, Präsident der Chinesischen Bank für Entwicklung, Sohn desjenigen, der in der ersten Zeit der Revolution Präsident jenes Landes war. Er sprach ebenfalls mit dem Außenminister. Er lobte das Talent und die Arbeitsmethoden der obersten Führung von China sehr, besonders von Hu Jintao.
Die Zusammenkünfte und Besuche waren im Beisein der Presse oder ohne diese. Er gab Interviews. Anhand der veröffentlichten Agenturmeldungen gab er an, welche Worte er wirklich gesagt hatte und welche Ergebnis der Übersetzung bzw. Interpretierung des von ihm Gesagten waren; sie berichteten ausführlich über seine Tätigkeiten.
Er kehrte über Vancouver zurück, in der entgegen gesetzten Richtung. Der Flug mit einem Zwischenaufenthalt dauerte 16 Flugstunden, die Hälfte der Zeit über Gebiet der Vereinigten Staaten, die dem IL-96 von Cubana de Aviación keinerlei Hindernisse in den Weg legten. Er erzählte ebenfalls Einzelheiten seiner Besuche und Treffen in Katar, Iran und Japan. Er hat sich mit unzähligen führenden Persönlichkeiten unterhalten. Er widmete mehrere Minuten, um die Grüße auszurichten, die viele seiner Gesprächspartner übermittelt hatten. Damit nimmt er es sehr genau. Er wollte keinen vergessen, besonders von denjenigen, die von den chinesischen führenden Persönlichkeiten ausgerichtet worden waren.
Bei den Themen unserer Zusammenkunft, die 2 Stunden und 50 Minuten gedauert hat, haben wir viele Angelegenheiten angesprochen. Ich sagte ihm, dass China sich den Weg zur Verwendung des Yuan als Devisenwährung bahnt, der nicht künstlich entwertet ist, um wettbewerbsfähig zu sein, wie von seinen Gegnern behauptet wird, sondern weil seine Wettbewerbsfähigkeit progressiv zunimmt.
Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, behauptet, dass möglicherweise bei der nächsten Sitzung, die alle paar Jahre bestimmten Währungen den Charakter einer konvertierbaren Währung verleiht, der Yuan zusammen mit dem Dollar, dem Euro, dem Pfund Sterling und anderen Währungen vom Internationalen Währungsfond als solche aufgenommen wird. Diejenigen, welche die Weltwirtschaft leiten, können ihn nicht weiterhin ignorieren.
Bei unserem Meinungsaustausch durfte Evo nicht fehlen. Ich erläuterte ihm detailliert die mir zur Verfügung stehende Information, seinen ausgezeichneten Gemütszustand und seine Bereitschaft, den Streik bis zu den letzten Konsequenzen durchzuhalten. Er rief ihn an und brachte ihm seine vollständige Solidarität zum Ausdruck. Zuletzt sprach er von seinem baldigen Besuch in Argentinien. Er bat um Angaben über den Gipfel von Trinidad und Tobago und die Haltung von Daniel, der, genau wie Cristina, zur Eröffnung desselben sprechen wird. Ich erzählte ihm alles, was ich wusste.
Um 21:54 Uhr rief ich Dausá an und bat um Nachrichten.
Der für 19:00 Uhr einberufene Kongress konnte wegen fehlendem Quorum nicht zusammenkommen. Er wird erneut für 20:30 Uhr einberufen, es gab ebenfalls kein Quorum. Die Fernsehkanäle zeigten zu jenen Stunden die Parlamentarier der Opposition in ihren Departements. García Lineras bedauerte diese Abwesenheit und sagte, dass diese Haltung an ein Delikt grenzt und dass er sie erneut Morgen, am 11. April um 12:30 Uhr einberufen wird. Dass es keine andere Tätigkeit im Kongress geben wird, bis das Gesetz nicht verabschiedet ist.
Evo geht es gut. Er wurde von dem Arzt untersucht, der ihn begleitet. Der Hungerstreik der führenden Persönlichkeiten in den verschiedenen Departements des Landes wurde trotz des Aufrufs von Evo, ihn bis zum Montag zu unterbrechen, in Solidarität mit dem Präsidenten fortgesetzt. Gemäß dem Generalsekretär des Bolivianischen Gewerkschaftsverbandes sind es heute eintausendsiebenundzwanzig in 96 Streikposten.
Auf einer Pressekonferenz der führenden Persönlichkeiten der Coordinadora Nacional por el Cambio (Landeskoordinationskomitee für die Veränderung) und des Bolivianischen Gewerkschaftsverbandes wurde gesagt, dass sie in dem Fall, wenn die Abwesenheit der Parlamentarier aus dem Kongress fortgesetzt wird, gesetzlich gegen diese vorgehen werden. Er informierte mich, dass er den Präsidenten heute Abend besuchen wird. Er braucht 40 Minuten von der Botschaft bis zum Regierungspalast. Ich versprach, ihn anzurufen, um Evo zu grüßen.
Um 22:20 Uhr rief ich ihn an. Er übergab das Handy sofort an Evo. Ich hatte das Vergnügen, seine gelassene, aber standhafte, auf die Gerechtigkeit seiner Sache vertrauende Stimme zu hören. Ich brachte ihm unsere Freude über seinen guten Gesundheitszustand zum Ausdruck. Ich beglückwünschte ihn für seine Standhaftigkeit und seine ruhigen, viel sagenden Worte, die niemanden beleidigen oder verletzen. Ich erzählte ihm über Chávez Besuch und seine solidarische Haltung ihm und Bolivien gegenüber. Ich übermittelte ihm eine Solidaritätsbotschaft und unser Vertrauen in seinen Sieg.
Fidel Castro Ruz
10. April 2009
23:02 Uhr
Nachrichten aus Bolivien
Reflexionen des Genossen Fidel: Nachrichten aus Bolivien
Am heutigen Donnerstagmorgen, den 9. April, sind über einen bolivianischen Fernsehkanal frische Nachrichten über Bolivien eingetroffen und sie widerspiegelten Spannungen im Land.
Alles lief gut. Wichtige Veränderungen sind im Gange. In Bolivien und auf der Welt nimmt das Prestige von Evo zu. Er bekommt jedes Mal eine größere Unterstützung seitens der Bevölkerung, und das, obwohl der Oligarchie fast alle Medien unterstehen. Eine beispielhafte Alphabetisierungskampagne hat den Analphabetismus in Rekordzeit beseitigt; die medizinische Betreuung kommt jetzt der gesamten Bevölkerung zugute; wichtige historische Bedürfnisse des bolivianischen Volkes werden berücksichtigt, sowohl mit traditionellen als auch mit neuen Methoden. Die Wirtschaft und die Währungsreserven verzeichnen Wachstum. Das treibt die Oligarchie, die im Parlament die für Ende des Jahres vorgesehenen Wahlen blockiert, in den Wahnsinn.
Dieses Manöver hat Evo, die führende Partei und die Massen zur Anwendung von Kampfmaßnahmen gezwungen, die sich durch die in ihnen enthaltene moralische Kraft auszeichnen.
Präsident Evo Morales, das Coordinadora Nacional por el Cambio CONALCAM (Landeskoordinationskomitee für die Veränderung) und der Bolivianische Gewerkschaftsverband COB haben sich vom Regierungspalast aus in Massen-Hungerstreik erklärt, womit sie die Achtung der Verfassung und des Übergangswahlgesetzes fordern, letzteres schon Monate verzögert, um die Wahlen zu sabotieren.
Evo Morales erklärt Folgendes:
„Kameraden der verschiedenen sozialen Organisationen des Landes! Angesichts der Nachlässigkeit von einer Gruppe neoliberaler Parlamentarier sind wir verpflichtet, das Mandat des Volkes zu verteidigen.
Die Parlamentarier wussten, dass das Übergangswahlgesetz innerhalb von 60 Tagen zu verabschieden war.
Sie wollen jedoch nicht, dass ein Gesetz verabschiedet wird, das es ermöglicht, die Implementierung der Verfassung abzusichern.
Ein neues Einwohnerverzeichnis zu fordern, das heißt, dass es weder Landeswahlen zum Jahresende, noch Präfekten- und Gemeindewahlen im nächsten Jahr geben wird.
Deshalb - betone ich - wird diese Anstrengung seitens der Gewerkschaftsführer und der hauptsächlichen Behörden an der Spitze von COB und CONALCAM, in Verteidigung des heiligen Rechts des Volkes zur Wahlabstimmung unternommen.
Auf einer Pressekonferenz habe ich erläutert, wie der Vorschlag einiger Senatoren besagte, dass das Einwohnerverzeichnis der im Ausland lebenden Bolivianer mit einer Zweidrittelmehrheit des Kongresses bestätigt werden solle, wo ihnen bekannt ist, dass diese zwei Drittel nicht erreicht werden können.
Das ist auch nicht so in der gültigen Verfassung enthalten.
Es geht hierbei darum, die Wählerstimmen aus dem Ausland nicht zuzulassen.
Die Bolivianer mit Wohnsitz im Ausland haben ebenfalls ein Recht darauf, das Schicksal des Landes zu bestimmen und zu entscheiden, wer die Regierenden in ihrem Heimatland sein werden.
Es geht um die Verteidigung des Abstimmungsrechts.
Im vergangenen Jahr kamen sie aus Argentinien und baten, dass dieses Recht im Senat gebilligt würde, aber sie haben es nicht gebilligt.
Ebenfalls, als sie über die Bevölkerungsdichte zur Absicherung von Sonderwahlbezirken sprachen, ging es im Grunde darum, dass es sie nicht geben soll.
Also bei dieser Anstrengung geht es ebenfalls um die Verteidigung der Sonderwahlbezirke der Indigenen-Bewegung.
Wir haben einige Medien irgendwo verlauten lassen hören, dass die Regierung, dass der Präsident den Kongress geschlossen hätten.
Wir sprechen nicht über Einkesselung, sondern appellieren eher daran, dass das Gesetz verabschiedet wird.
Wir haben an diese Maßnahme appelliert, um die Demokratie zu verteidigen.
Die gestern antidemokratisch waren, halten sich jetzt für die großen Verteidiger der Demokratie.
Hier an unserer Seite sind die Kameraden, die ihr Leben und ihre Zeit für die wirkliche Demokratie gegeben haben.
Deshalb, d.h. um eine wirkliche Demokratie zu erreichen, werden Regelungen im Nationalkongress verabschiedet.
Im Kongress steht den Parlamentariern eine der besten Möglichkeiten zur Verfügung, um Demokratie abzusichern und ebenfalls tief greifende strukturelle Veränderungen.
Ich bitte die Parlamentarier der Opposition: Machen wir die Geschichte zusammen, alle zusammen!
Es muss die soziale Gleichheit berücksichtigt und an die sozialen Lösungen gedacht werden, welche das Volk möchte, es darf hier keinen Egoismus, kein Sektenwesen geben.
An erster Stelle muss das Volk stehen, an erster Stelle das Vaterland und danach Interessen von Sektoren bzw. Regionen.
Meine Grüße, von ganzem Herzen, an euch alle, dafür, dass ihr alle zusammen die Verteidigung der Demokratie, der Stimmabgabe des Volkes, der Stimmabgabe im Ausland und andere Forderungen struktureller Art mittels eures Hungerstreiks übernommen habt.“
„Vielen Dank!“
Mit diesem Aufruf beendete er seine Worte.
Im Verlaufe des Tages wird die Entwicklung der Ereignisse bekannt.
Um 14:25 Uhr führe ich ein Gespräch mit Rafael Dausá, unserem Botschafter in La Paz, um auf diesem Wege Nachrichten zu bekommen.
Evo geht es gut, er ist tatkräftig und gelassen. Er nimmt nur Wasser zu sich. An seiner Seite im Regierungspalast befinden sich Führer des Bolivianischen Gewerkschaftsverbandes und Bauernführer des Komitees Coordinadora Nacional por el Cambio. García Linera steht als Vizepräsident von Bolivien dem Kongress vor. In einem Ausschuss wird ein Austausch mit der oligarchischen Opposition geführt. Eine sehr viel diskutierte Angelegenheit ist die Anzahl der Indigenen-Abgeordneten von Evos Vorschlag über die Vertretung dieser Gemeinschaften auf der Grundlage der verabschiedeten Verfassung, ohne Zahlen festzulegen. Evo schlägt 14 vor, die Opposition akzeptiert nur 3. Ich schickte Grüße an Evo. Bis zu jenem Zeitpunkt waren noch keine Gewaltakte zu verzeichnen gewesen.
Um 16:01 Uhr spreche ich erneut mit Dausá. Er hatte meine Grüße an Evo ausgerichtet, der für den 9. April einen Besuch in Kuba vorgesehen hatte. Er erschien ihm vollkommen ruhig. Er spielte Schach mit seinen Kameraden. Die Bevölkerung beginnt, sich dem Hungerstreik anzuschließen; dieser hat sich auf El Alto, Cochabamba, Santa Cruz, La Paz und andere Städte ausgeweitet. Ständig rufen ihn Organisationen des Volkes an, und bieten ihm ihren Beistand an. Die Abgeordnetenkammer unterstützt ihn in überwältigender Mehrheit. In diesem Teil des Kongresses übersteigt der Vorteil die erforderlichen zwei Drittel. Das Problem besteht im Senat, wo die Oligarchie die Mehrheit hat.
Für die Verabschiedung des Wahlübergangsgesetzes war die Mehrheit in jeder der beiden Kammern erforderlich, sodass es leicht für sie ist, die Verabschiedung im Kongress zu blockieren. Jedoch steht Evo ein gesetzliches Mittel zur Verfügung. Innerhalb seiner verfassungsmäßigen Befugnisse besitzt er die Möglichkeit ein Präsidialdekret zur Verabschiedung des zur Debatte stehenden Gesetzes zu verkünden. Er kann außerdem in jenem Fall den Kongress auflösen und zu Parlamentswahlen aufrufen, aber er möchte dies in seinem Streben zur Bewahrung der Einheit des Landes nicht tun. Deshalb lädt er die Opposition ständig dazu ein, die Anstrengungen zur Entwicklung desselben zum Nutzen aller Sektoren der Nation zu teilen. Auf internationaler Ebene wird ihm seine Ehrbarkeit und sein demokratischer Geist anerkannt.
Vor einigen Minuten hörte ich die Debatte im Kongress. Der Hass und die Unverschämtheit der Oligarchie-Führer ist unglaublich. Sie sind in der Beschimpfung und den persönlichen Beleidigungen geübt. Es empört sie, dass Evo der erste Indio in der modernen Geschichte unseres Amerika ist, der ein Land regiert, das außerdem ein Land von uralter indigener Herkunft und ebensolchen Traditionen ist.
In der Kammer wurde gerade das umstrittene Gesetz mit 100 Stimmen dafür und 30 dagegen verabschiedet. Die Debatte findet in La Paz statt, im entsprechenden Salon des Parlamentsgebäudes, wenige Meter vom Regierungspalast entfernt.
Um 18:40 Uhr setzte ich mich erneut kurz mit Dausá in Verbindung. Er erzählt mir, dass jetzt gerade Vertreter der Organisationen des Volkes auf der Plaza Murillo vor dem Regierungspalast ankommen. Er kommentiert ebenfalls die Unverschämtheit der Gesichtspunkte, obwohl er mir sagt, dass nicht alle Abgeordneten der Oligarchie so ordinär sind, manche verhalten sich korrekt. Die Verhandlungen gehen ebenfalls weiter und vielleicht kommt man spät in der Nacht zu einer Entscheidung.
Ich höre im Fernsehen der schon beginnenden Senatsdebatte zu.
Die Übertragung hörte um 19:20 Uhr auf, als ein Senator der Opposition die Unterbrechung der Versammlung zu Verhandlungszwecken forderte und sich den anderen Senatoren anschlossen. Nach über zweieinhalb Stunden war sie noch nicht wieder fortgesetzt worden.
Um 20:41 Uhr rief ich Dausá an. Evo geht es gut, er steht ständig über ein Handy mit seinen Leuten in Verbindung. Es kommen weiterhin Leute auf der Plaza Murillo an. Unserem Botschafter ist bekannt, dass die Verhandlungen vorankommen, aber die Opposition bittet, dass die Leute sich von der Plaza zurückziehen und dass Evo mit seinem Hungerstreik aufhört. Es ist kaum möglich, dass sie diese beiden Dinge erreichen können. Dausá ist der Meinung, dass vielleicht gegen Ende der Nacht eine Vereinbarung erreicht wird. Ich versprach, ihn erneut anzurufen.
Ich habe Dausá weitere zwei Mal angerufen, um 22:20 Uhr und 22:49 Uhr.
Der erste Anruf fiel mit den Worten von García Linera zur Erklärung des aktuellen Stands überein. Die Sackgasse bleibt im Kongress weiterhin bestehen. Er erläutert, was tagsüber am Verhandlungstisch erreicht worden ist. Er bedauert die Unnachgiebigkeit der Senats-Minderheit. Sie fordern weiterhin, dass Evo mit seinem Hungerstreik aufhört und dass die Plaza Murillo von den Menschen geräumt wird. Es besteht schon nicht mehr die Möglichkeit, dass am heutigen Donnerstag eine Vereinbarung erreicht wird. Vielleicht am frühen Freitagmorgen, aber das ist nicht sicher. Evo geht es gut und er ist gelassen. Er behält seine Haltung unverändert bei. Bei meinem zweiten Anruf, nach mehreren Kontakten, die noch ausstanden, bestätigt er mir das vorherige.
Es ist schon Mitternacht und es gibt keine Vereinbarung. Die Opposition hat das Parlament verlassen. Ich muss dieses Material Cubadebate zur rechtzeitigen Veröffentlichung in unserer Presse übergeben. Es ist kein Spiel des Baseball Classic, aber trotzdem muss man recht spät schlafen gehen. Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass Evo siegreich daraus hervorgehen wird.
Fidel Castro Ruz
10. April 2009
00:06 Uhr
Am heutigen Donnerstagmorgen, den 9. April, sind über einen bolivianischen Fernsehkanal frische Nachrichten über Bolivien eingetroffen und sie widerspiegelten Spannungen im Land.
Alles lief gut. Wichtige Veränderungen sind im Gange. In Bolivien und auf der Welt nimmt das Prestige von Evo zu. Er bekommt jedes Mal eine größere Unterstützung seitens der Bevölkerung, und das, obwohl der Oligarchie fast alle Medien unterstehen. Eine beispielhafte Alphabetisierungskampagne hat den Analphabetismus in Rekordzeit beseitigt; die medizinische Betreuung kommt jetzt der gesamten Bevölkerung zugute; wichtige historische Bedürfnisse des bolivianischen Volkes werden berücksichtigt, sowohl mit traditionellen als auch mit neuen Methoden. Die Wirtschaft und die Währungsreserven verzeichnen Wachstum. Das treibt die Oligarchie, die im Parlament die für Ende des Jahres vorgesehenen Wahlen blockiert, in den Wahnsinn.
Dieses Manöver hat Evo, die führende Partei und die Massen zur Anwendung von Kampfmaßnahmen gezwungen, die sich durch die in ihnen enthaltene moralische Kraft auszeichnen.
Präsident Evo Morales, das Coordinadora Nacional por el Cambio CONALCAM (Landeskoordinationskomitee für die Veränderung) und der Bolivianische Gewerkschaftsverband COB haben sich vom Regierungspalast aus in Massen-Hungerstreik erklärt, womit sie die Achtung der Verfassung und des Übergangswahlgesetzes fordern, letzteres schon Monate verzögert, um die Wahlen zu sabotieren.
Evo Morales erklärt Folgendes:
„Kameraden der verschiedenen sozialen Organisationen des Landes! Angesichts der Nachlässigkeit von einer Gruppe neoliberaler Parlamentarier sind wir verpflichtet, das Mandat des Volkes zu verteidigen.
Die Parlamentarier wussten, dass das Übergangswahlgesetz innerhalb von 60 Tagen zu verabschieden war.
Sie wollen jedoch nicht, dass ein Gesetz verabschiedet wird, das es ermöglicht, die Implementierung der Verfassung abzusichern.
Ein neues Einwohnerverzeichnis zu fordern, das heißt, dass es weder Landeswahlen zum Jahresende, noch Präfekten- und Gemeindewahlen im nächsten Jahr geben wird.
Deshalb - betone ich - wird diese Anstrengung seitens der Gewerkschaftsführer und der hauptsächlichen Behörden an der Spitze von COB und CONALCAM, in Verteidigung des heiligen Rechts des Volkes zur Wahlabstimmung unternommen.
Auf einer Pressekonferenz habe ich erläutert, wie der Vorschlag einiger Senatoren besagte, dass das Einwohnerverzeichnis der im Ausland lebenden Bolivianer mit einer Zweidrittelmehrheit des Kongresses bestätigt werden solle, wo ihnen bekannt ist, dass diese zwei Drittel nicht erreicht werden können.
Das ist auch nicht so in der gültigen Verfassung enthalten.
Es geht hierbei darum, die Wählerstimmen aus dem Ausland nicht zuzulassen.
Die Bolivianer mit Wohnsitz im Ausland haben ebenfalls ein Recht darauf, das Schicksal des Landes zu bestimmen und zu entscheiden, wer die Regierenden in ihrem Heimatland sein werden.
Es geht um die Verteidigung des Abstimmungsrechts.
Im vergangenen Jahr kamen sie aus Argentinien und baten, dass dieses Recht im Senat gebilligt würde, aber sie haben es nicht gebilligt.
Ebenfalls, als sie über die Bevölkerungsdichte zur Absicherung von Sonderwahlbezirken sprachen, ging es im Grunde darum, dass es sie nicht geben soll.
Also bei dieser Anstrengung geht es ebenfalls um die Verteidigung der Sonderwahlbezirke der Indigenen-Bewegung.
Wir haben einige Medien irgendwo verlauten lassen hören, dass die Regierung, dass der Präsident den Kongress geschlossen hätten.
Wir sprechen nicht über Einkesselung, sondern appellieren eher daran, dass das Gesetz verabschiedet wird.
Wir haben an diese Maßnahme appelliert, um die Demokratie zu verteidigen.
Die gestern antidemokratisch waren, halten sich jetzt für die großen Verteidiger der Demokratie.
Hier an unserer Seite sind die Kameraden, die ihr Leben und ihre Zeit für die wirkliche Demokratie gegeben haben.
Deshalb, d.h. um eine wirkliche Demokratie zu erreichen, werden Regelungen im Nationalkongress verabschiedet.
Im Kongress steht den Parlamentariern eine der besten Möglichkeiten zur Verfügung, um Demokratie abzusichern und ebenfalls tief greifende strukturelle Veränderungen.
Ich bitte die Parlamentarier der Opposition: Machen wir die Geschichte zusammen, alle zusammen!
Es muss die soziale Gleichheit berücksichtigt und an die sozialen Lösungen gedacht werden, welche das Volk möchte, es darf hier keinen Egoismus, kein Sektenwesen geben.
An erster Stelle muss das Volk stehen, an erster Stelle das Vaterland und danach Interessen von Sektoren bzw. Regionen.
Meine Grüße, von ganzem Herzen, an euch alle, dafür, dass ihr alle zusammen die Verteidigung der Demokratie, der Stimmabgabe des Volkes, der Stimmabgabe im Ausland und andere Forderungen struktureller Art mittels eures Hungerstreiks übernommen habt.“
„Vielen Dank!“
Mit diesem Aufruf beendete er seine Worte.
Im Verlaufe des Tages wird die Entwicklung der Ereignisse bekannt.
Um 14:25 Uhr führe ich ein Gespräch mit Rafael Dausá, unserem Botschafter in La Paz, um auf diesem Wege Nachrichten zu bekommen.
Evo geht es gut, er ist tatkräftig und gelassen. Er nimmt nur Wasser zu sich. An seiner Seite im Regierungspalast befinden sich Führer des Bolivianischen Gewerkschaftsverbandes und Bauernführer des Komitees Coordinadora Nacional por el Cambio. García Linera steht als Vizepräsident von Bolivien dem Kongress vor. In einem Ausschuss wird ein Austausch mit der oligarchischen Opposition geführt. Eine sehr viel diskutierte Angelegenheit ist die Anzahl der Indigenen-Abgeordneten von Evos Vorschlag über die Vertretung dieser Gemeinschaften auf der Grundlage der verabschiedeten Verfassung, ohne Zahlen festzulegen. Evo schlägt 14 vor, die Opposition akzeptiert nur 3. Ich schickte Grüße an Evo. Bis zu jenem Zeitpunkt waren noch keine Gewaltakte zu verzeichnen gewesen.
Um 16:01 Uhr spreche ich erneut mit Dausá. Er hatte meine Grüße an Evo ausgerichtet, der für den 9. April einen Besuch in Kuba vorgesehen hatte. Er erschien ihm vollkommen ruhig. Er spielte Schach mit seinen Kameraden. Die Bevölkerung beginnt, sich dem Hungerstreik anzuschließen; dieser hat sich auf El Alto, Cochabamba, Santa Cruz, La Paz und andere Städte ausgeweitet. Ständig rufen ihn Organisationen des Volkes an, und bieten ihm ihren Beistand an. Die Abgeordnetenkammer unterstützt ihn in überwältigender Mehrheit. In diesem Teil des Kongresses übersteigt der Vorteil die erforderlichen zwei Drittel. Das Problem besteht im Senat, wo die Oligarchie die Mehrheit hat.
Für die Verabschiedung des Wahlübergangsgesetzes war die Mehrheit in jeder der beiden Kammern erforderlich, sodass es leicht für sie ist, die Verabschiedung im Kongress zu blockieren. Jedoch steht Evo ein gesetzliches Mittel zur Verfügung. Innerhalb seiner verfassungsmäßigen Befugnisse besitzt er die Möglichkeit ein Präsidialdekret zur Verabschiedung des zur Debatte stehenden Gesetzes zu verkünden. Er kann außerdem in jenem Fall den Kongress auflösen und zu Parlamentswahlen aufrufen, aber er möchte dies in seinem Streben zur Bewahrung der Einheit des Landes nicht tun. Deshalb lädt er die Opposition ständig dazu ein, die Anstrengungen zur Entwicklung desselben zum Nutzen aller Sektoren der Nation zu teilen. Auf internationaler Ebene wird ihm seine Ehrbarkeit und sein demokratischer Geist anerkannt.
Vor einigen Minuten hörte ich die Debatte im Kongress. Der Hass und die Unverschämtheit der Oligarchie-Führer ist unglaublich. Sie sind in der Beschimpfung und den persönlichen Beleidigungen geübt. Es empört sie, dass Evo der erste Indio in der modernen Geschichte unseres Amerika ist, der ein Land regiert, das außerdem ein Land von uralter indigener Herkunft und ebensolchen Traditionen ist.
In der Kammer wurde gerade das umstrittene Gesetz mit 100 Stimmen dafür und 30 dagegen verabschiedet. Die Debatte findet in La Paz statt, im entsprechenden Salon des Parlamentsgebäudes, wenige Meter vom Regierungspalast entfernt.
Um 18:40 Uhr setzte ich mich erneut kurz mit Dausá in Verbindung. Er erzählt mir, dass jetzt gerade Vertreter der Organisationen des Volkes auf der Plaza Murillo vor dem Regierungspalast ankommen. Er kommentiert ebenfalls die Unverschämtheit der Gesichtspunkte, obwohl er mir sagt, dass nicht alle Abgeordneten der Oligarchie so ordinär sind, manche verhalten sich korrekt. Die Verhandlungen gehen ebenfalls weiter und vielleicht kommt man spät in der Nacht zu einer Entscheidung.
Ich höre im Fernsehen der schon beginnenden Senatsdebatte zu.
Die Übertragung hörte um 19:20 Uhr auf, als ein Senator der Opposition die Unterbrechung der Versammlung zu Verhandlungszwecken forderte und sich den anderen Senatoren anschlossen. Nach über zweieinhalb Stunden war sie noch nicht wieder fortgesetzt worden.
Um 20:41 Uhr rief ich Dausá an. Evo geht es gut, er steht ständig über ein Handy mit seinen Leuten in Verbindung. Es kommen weiterhin Leute auf der Plaza Murillo an. Unserem Botschafter ist bekannt, dass die Verhandlungen vorankommen, aber die Opposition bittet, dass die Leute sich von der Plaza zurückziehen und dass Evo mit seinem Hungerstreik aufhört. Es ist kaum möglich, dass sie diese beiden Dinge erreichen können. Dausá ist der Meinung, dass vielleicht gegen Ende der Nacht eine Vereinbarung erreicht wird. Ich versprach, ihn erneut anzurufen.
Ich habe Dausá weitere zwei Mal angerufen, um 22:20 Uhr und 22:49 Uhr.
Der erste Anruf fiel mit den Worten von García Linera zur Erklärung des aktuellen Stands überein. Die Sackgasse bleibt im Kongress weiterhin bestehen. Er erläutert, was tagsüber am Verhandlungstisch erreicht worden ist. Er bedauert die Unnachgiebigkeit der Senats-Minderheit. Sie fordern weiterhin, dass Evo mit seinem Hungerstreik aufhört und dass die Plaza Murillo von den Menschen geräumt wird. Es besteht schon nicht mehr die Möglichkeit, dass am heutigen Donnerstag eine Vereinbarung erreicht wird. Vielleicht am frühen Freitagmorgen, aber das ist nicht sicher. Evo geht es gut und er ist gelassen. Er behält seine Haltung unverändert bei. Bei meinem zweiten Anruf, nach mehreren Kontakten, die noch ausstanden, bestätigt er mir das vorherige.
Es ist schon Mitternacht und es gibt keine Vereinbarung. Die Opposition hat das Parlament verlassen. Ich muss dieses Material Cubadebate zur rechtzeitigen Veröffentlichung in unserer Presse übergeben. Es ist kein Spiel des Baseball Classic, aber trotzdem muss man recht spät schlafen gehen. Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass Evo siegreich daraus hervorgehen wird.
Fidel Castro Ruz
10. April 2009
00:06 Uhr
Mittwoch, 8. April 2009
Die Widersprüche in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten
Reflexionen des Genossen Fidel: Die Widersprüche in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten
Nach dem Gipfel der G-20, welcher die Aufmerksamkeit der Welt erregte, kamen über die Nachrichtenagenturen weiterhin Pressemeldungen über die fieberhafte Tätigkeit desjenigen an, der der Star von London war, der neue Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama, der sich in der Phase seiner ersten 100 Amtszeit-Tage befindet, wobei er aufmerksam von allen denen beobachtet wird, welche die internationale Politik aus der Nähe verfolgen.
Mit der Genauigkeit einer Digitaluhr geht er von einem Ort zum anderen und unterhält Treffen mit führenden politischen Persönlichkeiten, begeht Jahrestage, empfängt Ehrungen, besucht Städte, gibt Pressekonferenzen, kündigt Pläne an, verkündet Botschaften und hält Reden.
Der „Überschall“-Gipfel der G-20 war gerade erst zu Ende, als er nach dem französischen Strassbourg abflog, das an der Grenze zu Deutschland liegt. Dort traf er sich am 3. April mit einem Sarkozy, der glücklich darüber war, den Verhandlungstisch der G-20 in London nicht verlassen haben zu müssen. Sie behandelten zahlreiche, Iran, Afghanistan, Russland und den Nahen Osten betreffende Themen und versprachen „Hand in Hand“ arbeiten zu wollen, um eine neue Welt aufzubauen. „Ich bin überzeugt, dass die Vereinigten Staaten, Russland und Europa daran interessiert sind zu verhindern, dass Iran Atomwaffen besitzt. In vielen Fällen haben wir gemeinsame Interessen mit Russland, aber auch Meinungsunterschiede bei grundlegenden Themen“, sagt er.
Es wird angekündigt, dass beide, Obama und Sarkozy, am NATO-Gipfel teilnehmen werden, der unter Anwesenheit von 26 Ländern an jenem Nachmittag in der deutschen Ortschaft Baden–Baden beginnen und am darauf folgenden Tage in Strassbourg abgeschlossen werden wird.
Vor seiner Abfahrt erklärt er, dass „Europa die Vereinigten Staaten jene schwere Last nicht alleine tragen lassen sollte, da das ein Problem ist, das beide Seiten angeht, und so sind gemeinsame Anstrengungen erforderlich“.
„Wir beabsichtigen nicht, die Chefs von Europa zu sein, wir wollen Partner von Europa sein“.
Von Strassbourg aus fährt er nach Baden-Baden, um sich dort mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu treffen, und zwar vor einem Abendessen mit den 26 Staats- und Regierungschefs der NATO, plus die Aufnahmebewerber Kroatien und Albanien. Der Gipfel dient zur Eröffnung der Veranstaltungen anlässlich des 60. Jahrestages der Militärorganisation. Es war vorgesehen, dort die Beziehungen zu Russland zu analysieren, welche „im vergangenen August nach dem russisch-georgischen Krieg ihren Tiefpunkt erreicht haben“.
Ein weiteres Ziel war die Diskussion zur Erneuerung des von 1999 stammenden strategischen Konzepts des Bündnisses, um es an die neuen Bedrohungen anzupassen.
Anschließend würden sie die Situation von Afghanistan und Kosovo diskutieren.
In Strassbourg trifft sich Obama am selben Tag, d.h. dem 3., mit mehr als dreitausend jungen Franzosen und Deutschen und hält eine kurze Rede, von der aufgrund der in ihr enthaltenen Kühnheit in der Zukunft recht viel gesprochen werden wird.
„Ich bin diese Woche nach Europa gekommen, um unser Bündnis zu erneuern. Die USA verändern sich, aber es kann nicht nur Amerika allein sein, das sich verändert“. Anschließend kündigt er den Inhalt der Rede an, die er in Prag über die Verbreitung von Atomwaffen halten wird und behauptet, dass seine Zielstellung folgende sei: „eine Welt ohne Atomwaffen“.
In einem anderen Augenblick fügte er hinzu: „sogar jetzt, wo der Kalte Krieg beendet ist, könnte die Verbreitung der Atomwaffen und der Raub von Atommaterial zur Zerstörung jeglicher Stadt des Planeten führen”.
Unumstritten gibt es eine zunehmende Besorgnis auf der Welt aufgrund der riesigen Zerstörungs- und Vernichtungsgewalt jener Waffen, die zur Sorge von anderen Staaten über die Gefahr einer atomaren Sabotage hinzukommt, besonders innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft selbst. Das ist es, was Obama mit seinem Ausspruch: „könnte der Raub von Atommaterial zur Zerstörung jeglicher Stadt des Planeten führen“, wörtlich meint.
Am 4. April hieß er bei einer Ansprache auf dem NATO-Gipfel Kroatien und Albanien im Schoße dieser militärischen Einrichtung willkommen, womit die Mitgliederzahl derselben sich auf 28 erhöht. Der Präsident der Vereinigten Staaten unterstrich, dass schon 140 Albaner und 296 kroatische Soldaten Dienst in Afghanistan getan haben. „Ich bin der Meinung, dass beide stabile Beiträge zum Bündnis leisten werden“.
Die widersprüchlichen Formen, mit der die Ideen des US-Präsidenten ausgedrückt werden, sind offensichtlich.
„Die Tür des Bündnisses steht weiterhin für andere Länder offen, welche die Standards der NATO erfüllen und einen bedeutenden Beitrag zur Sicherheit des Bündnisses leisten können.“
Die Nachrichtenagentur EFE erläutert Folgendes: „Russland zeigt sich sehr kritisch gegenüber der Ausweitung der NATO gen Osten, und besonders in die ehemaligen Sowjetrepubliken, die es als sein natürliches Einflussgebiet ansieht”.
„Das Bündnis hat auf seinem Gipfel vom April vergangenen Jahres in Bukarest, unterstützt von Obamas Vorgänger George W. Bush, einen eventuellen Weg zum Eintritt von der Ukraine und von Georgien versprochen“, erinnert die Meldung.
Zweifelt etwa jemand dran, dass die NATO eine kriegerische und aggressive Organisation ist, die nicht nur Russland, sondern ebenfalls andere Länder überall auf der Welt bedroht? Hätte das Folterzentrum von Guantánamo etwa ohne die Kooperation zahlreicher NATO-Länder geschaffen und aufrecht erhalten werden können?
Die Kühnheit und die Widersprüche kommen erneut auf dem ersten Gipfel des US-Präsidenten mit der Europäischen Union in Prag zum Ausdruck. Er versprach, „die Bemühungen für eine Welt ohne Atomwaffen anzuführen“.
„Wir können nicht erfolgreich sein, wenn wir diese Anstrengungen allein unternehmen, aber wir können die Führung bei denselben übernehmen.”
Konkret sagte er, dass er vorhabe, ein schnelles Ende der Atomversuche zu erreichen und bestätigte seine Absicht, die Zustimmung des Senats zum Vertrag über das umfassende Verbot aller Atomversuche zu suchen.
„Er setzte sich außerdem für einen Weltgipfel über Atomsicherheit für das nächste Jahr ein“, informieren die Agenturmeldungen.
Ebenfalls wurde berichtet, dass “Obama aufgeweckt wurde, um über den Start einer nordkoreanischen Rakete informiert zu werden, die scheinbar Japan überflog. Er bat darum, dass der UN-Sicherheitsrat auf einer für diesen Sonntag einberufenen Notstandssitzung eine unerschütterliche Antwort auf diese Provokation geben solle“.
Die Demokratische Volksrepublik Korea hat am 12. März angekündigt, dass sie als Bestandteil eines Weltraumprogramms zu friedlichen Zwecken zwischen dem 4. und 8. April einen Nachrichtensatelliten starten würde. Das war bekannt, als Obama in Strassbourg zu den jungen Franzosen und Deutschen sprach.
Als er in Prag informiert wurde, formulierte er eine Erklärung, die besagte: „Die Richtlinien müssen beachtet werden, die Verstöße müssen bestraft werden, die Worte müssen irgendeine Bedeutung haben“.
Eine Rakete zu starten, um einen Nachrichtensatelliten in Umlauf zu setzen, eine Technologie zu auszuprobieren bzw. einen Touristen auf einen Spaziergang zu führen ist kein Delikt, ausgenommen, wenn das die Demokratische Volksrepublik Korea tut, die nicht dem Klub der Stärksten, mit den Mitteln zur Anwendung solcher hoch entwickelter Technik angehört. Japan hat die Gelegenheit genutzt, um seine Satellitenabwehrraketen zu justieren und seine Verteidigung zu vervollkommnen, ohne dass irgendjemand ihm dieses Recht bestritt.
Ich bin der Meinung, dass es eine Übertreibung war, Obama in den frühen Morgenstunden aufzuwecken.
Bevor er von Prag abreiste, sagte er auf einer Kundgebung vor 30.000 Menschen Folgendes: „Zu behaupten, dass die Atomwaffen unvermeidbar sind, ist dasselbe, als wenn man sagen würde, dass die Anwendung der Atomwaffen unvermeidbar ist. Die Menschheit muss erneut Herr ihres Schicksals sein”. Diese Behauptung an sich besitzt große Wirksamkeit. Jedoch fügte er anschließend hinzu, dass das von den Vereinigten Staaten auf europäischen Gebiet vorgesehene Abwehrschild ein Programm in Antwort auf die iranischen atomaren Bedrohungen ist. Solch eine Behauptung entspricht jedoch nicht der Wahrheit und ich verstehe nicht, warum sie wiederholt wird.
Russland weist jenen Plan des Abwehrschildes zurück und ist der Meinung, dass er expansionistisch ist, weshalb es seine Annullierung fordert.
Am Sonntag, dem 5. April, kam er in den Abendstunden in der Türkei an.
Nachdem er am Montag in Ankara, Hauptstadt dieser euroasiatischen Nation, mit den türkischen Regierenden zusammengetroffen war und eine Rede im Parlament gehalten hatte, kündigte er an, dass er nach Istanbul reisen werde, um am zweiten Forum der Allianz der Zivilisationen teilzunehmen.
In Prag hatte er versprochen, den Eintritt der Türkei in die Europäische Union zu unterstützen, dem sich Frankreich, Deutschland und andere widersetzen.
Er bat in Ankara erneut um den Eintritt der Türkei in die Europäische Union. Dessen ungeachtet wies er darauf hin, dass die Türkei Anstrengungen unternehmen müsse, um den Rechtsstaat zu verstärken.
Als er in jenem Land ankam, war seine erste Handlung eine Ehrenbekundung für den Gründer der Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk.
„Seien wir respektvoll, auch in dem Fall, wenn wir nicht einverstanden sind“, sagte er vor dem Parlament. Eine weitere Aussage mit einem an sich tiefgründigen Inhalt.
„Die Vereinigten Staaten befinden sich nicht im Kriegszustand mit dem Islam und werden es auch nicht sein“, erklärte er.
Tausende Türken waren auf die Straße gegangen, um gegen die Politik der Vereinigten Staaten zu protestieren.
Der Präsident der Vereinigten Staaten beendete seinen Besuch am 7. April um 02:20 Uhr Ortszeit von Istanbul, der wichtigsten Stadt der Türkei, nach einer anstrengenden Rundreise von 8 Tagen.
Sein letztes Treffen war mit den Studenten. Er rief die Jugendlichen dazu auf, Brücken zwischen dem Islam und dem Westen zu schlagen. Wie EFE berichtet, rief er die Moslems dazu auf, die „Karikaturen“ nicht zu beachten, welche die US-Bürger als Ignoranten bzw. Gefühllose darstellen, und versicherte, dass „jenes nicht das Land ist, was er liebt“.
Die erzählten Geschehnisse widerspiegeln die Vielschichtigkeit der Aufgaben, die auf Obamas Schultern lasten.
Er hatte offen erklärt: „nach vier bzw. acht Jahren wird man sagen können, ob ich dieselben politischen Richtlinien weiterverfolgt habe, oder ob die Dinge sich verändert haben“.
Auch wenn er diese genannten Widersprüche in sich vereint, hat der schwarze Präsident, mit einer eisernen Gesundheit, wie eine Arbeitsmaschine und mit regem Geist, seinen ersten Auslandsbesuch mit unbestreitbaren politischen Ergebnissen vollendet.
Er ähnelt seinem Vorgänger absolut nicht.
Fidel Castro Ruz
8. April 2009
19:11 Uhr
Nach dem Gipfel der G-20, welcher die Aufmerksamkeit der Welt erregte, kamen über die Nachrichtenagenturen weiterhin Pressemeldungen über die fieberhafte Tätigkeit desjenigen an, der der Star von London war, der neue Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama, der sich in der Phase seiner ersten 100 Amtszeit-Tage befindet, wobei er aufmerksam von allen denen beobachtet wird, welche die internationale Politik aus der Nähe verfolgen.
Mit der Genauigkeit einer Digitaluhr geht er von einem Ort zum anderen und unterhält Treffen mit führenden politischen Persönlichkeiten, begeht Jahrestage, empfängt Ehrungen, besucht Städte, gibt Pressekonferenzen, kündigt Pläne an, verkündet Botschaften und hält Reden.
Der „Überschall“-Gipfel der G-20 war gerade erst zu Ende, als er nach dem französischen Strassbourg abflog, das an der Grenze zu Deutschland liegt. Dort traf er sich am 3. April mit einem Sarkozy, der glücklich darüber war, den Verhandlungstisch der G-20 in London nicht verlassen haben zu müssen. Sie behandelten zahlreiche, Iran, Afghanistan, Russland und den Nahen Osten betreffende Themen und versprachen „Hand in Hand“ arbeiten zu wollen, um eine neue Welt aufzubauen. „Ich bin überzeugt, dass die Vereinigten Staaten, Russland und Europa daran interessiert sind zu verhindern, dass Iran Atomwaffen besitzt. In vielen Fällen haben wir gemeinsame Interessen mit Russland, aber auch Meinungsunterschiede bei grundlegenden Themen“, sagt er.
Es wird angekündigt, dass beide, Obama und Sarkozy, am NATO-Gipfel teilnehmen werden, der unter Anwesenheit von 26 Ländern an jenem Nachmittag in der deutschen Ortschaft Baden–Baden beginnen und am darauf folgenden Tage in Strassbourg abgeschlossen werden wird.
Vor seiner Abfahrt erklärt er, dass „Europa die Vereinigten Staaten jene schwere Last nicht alleine tragen lassen sollte, da das ein Problem ist, das beide Seiten angeht, und so sind gemeinsame Anstrengungen erforderlich“.
„Wir beabsichtigen nicht, die Chefs von Europa zu sein, wir wollen Partner von Europa sein“.
Von Strassbourg aus fährt er nach Baden-Baden, um sich dort mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu treffen, und zwar vor einem Abendessen mit den 26 Staats- und Regierungschefs der NATO, plus die Aufnahmebewerber Kroatien und Albanien. Der Gipfel dient zur Eröffnung der Veranstaltungen anlässlich des 60. Jahrestages der Militärorganisation. Es war vorgesehen, dort die Beziehungen zu Russland zu analysieren, welche „im vergangenen August nach dem russisch-georgischen Krieg ihren Tiefpunkt erreicht haben“.
Ein weiteres Ziel war die Diskussion zur Erneuerung des von 1999 stammenden strategischen Konzepts des Bündnisses, um es an die neuen Bedrohungen anzupassen.
Anschließend würden sie die Situation von Afghanistan und Kosovo diskutieren.
In Strassbourg trifft sich Obama am selben Tag, d.h. dem 3., mit mehr als dreitausend jungen Franzosen und Deutschen und hält eine kurze Rede, von der aufgrund der in ihr enthaltenen Kühnheit in der Zukunft recht viel gesprochen werden wird.
„Ich bin diese Woche nach Europa gekommen, um unser Bündnis zu erneuern. Die USA verändern sich, aber es kann nicht nur Amerika allein sein, das sich verändert“. Anschließend kündigt er den Inhalt der Rede an, die er in Prag über die Verbreitung von Atomwaffen halten wird und behauptet, dass seine Zielstellung folgende sei: „eine Welt ohne Atomwaffen“.
In einem anderen Augenblick fügte er hinzu: „sogar jetzt, wo der Kalte Krieg beendet ist, könnte die Verbreitung der Atomwaffen und der Raub von Atommaterial zur Zerstörung jeglicher Stadt des Planeten führen”.
Unumstritten gibt es eine zunehmende Besorgnis auf der Welt aufgrund der riesigen Zerstörungs- und Vernichtungsgewalt jener Waffen, die zur Sorge von anderen Staaten über die Gefahr einer atomaren Sabotage hinzukommt, besonders innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft selbst. Das ist es, was Obama mit seinem Ausspruch: „könnte der Raub von Atommaterial zur Zerstörung jeglicher Stadt des Planeten führen“, wörtlich meint.
Am 4. April hieß er bei einer Ansprache auf dem NATO-Gipfel Kroatien und Albanien im Schoße dieser militärischen Einrichtung willkommen, womit die Mitgliederzahl derselben sich auf 28 erhöht. Der Präsident der Vereinigten Staaten unterstrich, dass schon 140 Albaner und 296 kroatische Soldaten Dienst in Afghanistan getan haben. „Ich bin der Meinung, dass beide stabile Beiträge zum Bündnis leisten werden“.
Die widersprüchlichen Formen, mit der die Ideen des US-Präsidenten ausgedrückt werden, sind offensichtlich.
„Die Tür des Bündnisses steht weiterhin für andere Länder offen, welche die Standards der NATO erfüllen und einen bedeutenden Beitrag zur Sicherheit des Bündnisses leisten können.“
Die Nachrichtenagentur EFE erläutert Folgendes: „Russland zeigt sich sehr kritisch gegenüber der Ausweitung der NATO gen Osten, und besonders in die ehemaligen Sowjetrepubliken, die es als sein natürliches Einflussgebiet ansieht”.
„Das Bündnis hat auf seinem Gipfel vom April vergangenen Jahres in Bukarest, unterstützt von Obamas Vorgänger George W. Bush, einen eventuellen Weg zum Eintritt von der Ukraine und von Georgien versprochen“, erinnert die Meldung.
Zweifelt etwa jemand dran, dass die NATO eine kriegerische und aggressive Organisation ist, die nicht nur Russland, sondern ebenfalls andere Länder überall auf der Welt bedroht? Hätte das Folterzentrum von Guantánamo etwa ohne die Kooperation zahlreicher NATO-Länder geschaffen und aufrecht erhalten werden können?
Die Kühnheit und die Widersprüche kommen erneut auf dem ersten Gipfel des US-Präsidenten mit der Europäischen Union in Prag zum Ausdruck. Er versprach, „die Bemühungen für eine Welt ohne Atomwaffen anzuführen“.
„Wir können nicht erfolgreich sein, wenn wir diese Anstrengungen allein unternehmen, aber wir können die Führung bei denselben übernehmen.”
Konkret sagte er, dass er vorhabe, ein schnelles Ende der Atomversuche zu erreichen und bestätigte seine Absicht, die Zustimmung des Senats zum Vertrag über das umfassende Verbot aller Atomversuche zu suchen.
„Er setzte sich außerdem für einen Weltgipfel über Atomsicherheit für das nächste Jahr ein“, informieren die Agenturmeldungen.
Ebenfalls wurde berichtet, dass “Obama aufgeweckt wurde, um über den Start einer nordkoreanischen Rakete informiert zu werden, die scheinbar Japan überflog. Er bat darum, dass der UN-Sicherheitsrat auf einer für diesen Sonntag einberufenen Notstandssitzung eine unerschütterliche Antwort auf diese Provokation geben solle“.
Die Demokratische Volksrepublik Korea hat am 12. März angekündigt, dass sie als Bestandteil eines Weltraumprogramms zu friedlichen Zwecken zwischen dem 4. und 8. April einen Nachrichtensatelliten starten würde. Das war bekannt, als Obama in Strassbourg zu den jungen Franzosen und Deutschen sprach.
Als er in Prag informiert wurde, formulierte er eine Erklärung, die besagte: „Die Richtlinien müssen beachtet werden, die Verstöße müssen bestraft werden, die Worte müssen irgendeine Bedeutung haben“.
Eine Rakete zu starten, um einen Nachrichtensatelliten in Umlauf zu setzen, eine Technologie zu auszuprobieren bzw. einen Touristen auf einen Spaziergang zu führen ist kein Delikt, ausgenommen, wenn das die Demokratische Volksrepublik Korea tut, die nicht dem Klub der Stärksten, mit den Mitteln zur Anwendung solcher hoch entwickelter Technik angehört. Japan hat die Gelegenheit genutzt, um seine Satellitenabwehrraketen zu justieren und seine Verteidigung zu vervollkommnen, ohne dass irgendjemand ihm dieses Recht bestritt.
Ich bin der Meinung, dass es eine Übertreibung war, Obama in den frühen Morgenstunden aufzuwecken.
Bevor er von Prag abreiste, sagte er auf einer Kundgebung vor 30.000 Menschen Folgendes: „Zu behaupten, dass die Atomwaffen unvermeidbar sind, ist dasselbe, als wenn man sagen würde, dass die Anwendung der Atomwaffen unvermeidbar ist. Die Menschheit muss erneut Herr ihres Schicksals sein”. Diese Behauptung an sich besitzt große Wirksamkeit. Jedoch fügte er anschließend hinzu, dass das von den Vereinigten Staaten auf europäischen Gebiet vorgesehene Abwehrschild ein Programm in Antwort auf die iranischen atomaren Bedrohungen ist. Solch eine Behauptung entspricht jedoch nicht der Wahrheit und ich verstehe nicht, warum sie wiederholt wird.
Russland weist jenen Plan des Abwehrschildes zurück und ist der Meinung, dass er expansionistisch ist, weshalb es seine Annullierung fordert.
Am Sonntag, dem 5. April, kam er in den Abendstunden in der Türkei an.
Nachdem er am Montag in Ankara, Hauptstadt dieser euroasiatischen Nation, mit den türkischen Regierenden zusammengetroffen war und eine Rede im Parlament gehalten hatte, kündigte er an, dass er nach Istanbul reisen werde, um am zweiten Forum der Allianz der Zivilisationen teilzunehmen.
In Prag hatte er versprochen, den Eintritt der Türkei in die Europäische Union zu unterstützen, dem sich Frankreich, Deutschland und andere widersetzen.
Er bat in Ankara erneut um den Eintritt der Türkei in die Europäische Union. Dessen ungeachtet wies er darauf hin, dass die Türkei Anstrengungen unternehmen müsse, um den Rechtsstaat zu verstärken.
Als er in jenem Land ankam, war seine erste Handlung eine Ehrenbekundung für den Gründer der Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk.
„Seien wir respektvoll, auch in dem Fall, wenn wir nicht einverstanden sind“, sagte er vor dem Parlament. Eine weitere Aussage mit einem an sich tiefgründigen Inhalt.
„Die Vereinigten Staaten befinden sich nicht im Kriegszustand mit dem Islam und werden es auch nicht sein“, erklärte er.
Tausende Türken waren auf die Straße gegangen, um gegen die Politik der Vereinigten Staaten zu protestieren.
Der Präsident der Vereinigten Staaten beendete seinen Besuch am 7. April um 02:20 Uhr Ortszeit von Istanbul, der wichtigsten Stadt der Türkei, nach einer anstrengenden Rundreise von 8 Tagen.
Sein letztes Treffen war mit den Studenten. Er rief die Jugendlichen dazu auf, Brücken zwischen dem Islam und dem Westen zu schlagen. Wie EFE berichtet, rief er die Moslems dazu auf, die „Karikaturen“ nicht zu beachten, welche die US-Bürger als Ignoranten bzw. Gefühllose darstellen, und versicherte, dass „jenes nicht das Land ist, was er liebt“.
Die erzählten Geschehnisse widerspiegeln die Vielschichtigkeit der Aufgaben, die auf Obamas Schultern lasten.
Er hatte offen erklärt: „nach vier bzw. acht Jahren wird man sagen können, ob ich dieselben politischen Richtlinien weiterverfolgt habe, oder ob die Dinge sich verändert haben“.
Auch wenn er diese genannten Widersprüche in sich vereint, hat der schwarze Präsident, mit einer eisernen Gesundheit, wie eine Arbeitsmaschine und mit regem Geist, seinen ersten Auslandsbesuch mit unbestreitbaren politischen Ergebnissen vollendet.
Er ähnelt seinem Vorgänger absolut nicht.
Fidel Castro Ruz
8. April 2009
19:11 Uhr
Dienstag, 7. April 2009
Treffen mit Barbara Lee und anderen Mitgliedern des Black Caucus
Reflexionen des Genossen Fidel: Treffen mit Barbara Lee und anderen Mitgliedern des Black Caucus
Der Vormittag war recht stürmisch, feucht und kühl. Es wehte eine starke Brise und der Himmel war düster. Es war weder ein frühlingshafter noch ein warmer Tag.
Barbara wünschte die Lateinamerikanische Medizinschule ELAM zu besuchen, wo 114 junge US-Amerikaner sich dem Studium der Medizin widmen.
Das offizielle Flugzeug, in dem sie nach Kuba gekommen waren, hatte die Reise 24 Stunden vorverlegt; es würde am Dienstag um 14 Uhr abfliegen, anstelle am Mittwoch.
Ich habe nicht versucht, alle bei mir zu versammeln, da ich nicht über einen genügend großen Raum für sie alle sieben, die Dolmetscherin und den sie begleitenden Minister zur Verfügung habe. Ich bat sie, sie möchte mich mit zwei weiteren, von der Gruppe ausgewählten Parlamentariern besuchen. So konnte ich mich ein weiteres Mal mit ihr treffen.
Bei der jetzigen Gelegenheit sind die Umstände ganz anders. Der Black Caucus der Legislative stellt eine gewichtige Gruppierung in den Vereinigten Staaten dar.
Der langwierige Kampf um die Gleichheit und die soziale Gerechtigkeit wurde vom Leben und Beispiel Martin Luther Kings erleuchtet, dessen Ideengut und Werk heute Millionen Menschen auf der Welt fesselt und das ist es, was nach meinem Dafürhalten die Tatsache begründet, dass in einem Augenblick tiefer Krise ein schwarzer Bürger das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten erreichte.
Deshalb erlangte ein neues Treffen mit dem Black Caucus für mich persönlich besondere Bedeutung. Ich kannte die Einzelheiten ihres Kuba-Aufenthalts von den sie bei diesem Besuch betreuenden Kameraden, ich kannte die grundlegenden Ideen der Kongressorganisation und die Meinungen ihrer Mitglieder.
Raúl übermittelte mir ebenfalls den ausgezeichneten Eindruck, den sie während seines knapp vierstündigen Treffens mit ihnen am gestrigen Montagabend bei ihm hinterließen.
Als Barbara Lee in Begleitung von Bobby Rush, Kongressabgeordneter der Demokraten von Illinois und Laura Richardson, von Kalifornien, zusammen mit dem Minister für Wissenschaften, Technik und Umwelt (CITMA), José Miyar Barrueco, der viele Jahre Staatsratssekretär war, bei mir zu Hause ankamen, war es 11:35 vormittags; die Wolken hatten sich verzogen und eine strahlende Sonne fiel auf den Hof. Ich habe mich wirklich gefreut, Barbara erneut zu sehen und die Möglichkeit zu haben, Bobby und Laura persönlich begrüßen zu können, deren Namen mir schon durch ihre Worte bei den Treffen mit Raúl, Alarcón, Bruno, Miyar und den Angehörigen der Fünf Helden vertraut waren.
Der Uhr nach waren wir 1 Stunde und 45 Minuten versammelt; aber in Wirklichkeit eine halbe Minute, wenn ich mich daran halte, wie schnell die Zeit verging und an meinen Wunsch, ihnen zuzuhören.
Ich erzählte ihnen kurz über die in zwei Jahren und sieben Monaten Krankenhausaufenthalt gemachten Erfahrungen und die Tätigkeiten, denen ich mich jetzt widme. Ich erläuterte ihnen, was ich in dieser Zeit der notwendigen Zurückgezogenheit gelernt habe, vor allem das große Interesse bezüglich der Geschehnisse auf der Welt und besonders in den Vereinigten Staaten, in dem Maße, in dem ich Nachrichten sammelte und mich auf das Lernen konzentrierte. Ich erinnerte mich daran, dass ich sie eingeladen hatte, um ihnen zuzuhören und dabei war, zu vergessen, was mich am meisten interessierte: ihre Meinungen kennen zu lernen. Das Interesse und die Tiefgründigkeit, mit der sie ihre Standpunkte darlegten, und die Aufrichtigkeit und Qualität ihrer einfachen und tiefsinnigen Worte waren ermutigend. Alle drei widerspiegelten Transparenz, Stolz auf ihre Aufgaben, ihre Organisation, ihren Kampf und ihr Land. Es ist offensichtlich, dass sie Obama kennen und Vertrauen und Sicherheit in ihn und Sympathien ihm gegenüber widerspiegeln.
Barbara ist stolz darauf, den Vorsitz des Black Caucus zu führen, mit neuem Schwung und Optimismus aktiv an der Politik ihres Landes teilzunehmen, stolz auf ihren Sohn, der zur Zeit des Revolutionssieges in Kuba noch lange nicht geboren war, und auf ihre fünf Enkel. Sie hatte ganz allein gegen den völkermörderischen Krieg von Bush im Irak gestimmt. Das war ein unübertrefflicher Beweis von politischem Mut. Ihr gebührt alle Ehre.
Ich erinnere mich besonders an Dellums, der sie das erste Mal nach Kuba mitbrachte, als sie seine Assistentin war, und wie sie sich viele Stunden lang mit mir auf einer der Kleininseln unterhielten. Sie erzählt mir, dass er nicht mehr Abgeordneter, aber Bürgermeister von Oklahoma ist, wodurch er eine Bevölkerung von 400.000 Einwohnern betreut, und sie spricht zu mir ebenfalls über die ehemalige Kongressabgeordnete, die Kuba zusammen mit Dellums besuchte, welche schon 98 Jahre alt ist und herzliche Grüße ausrichten lässt.
Laura ist Kongressabgeordnete in Kalifornien, für den Verwaltungsbezirk Long Beach; sie spricht mit besonderem Stolz über den kalifornischen Hafen, von dem sie mir erklärt, dass er „der drittgrößte der Welt ist“. Ich konnte es mir nicht verkneifen zu scherzen und unter Berücksichtigung dessen, dass sie aktive Verfechterin des Umweltschutzes ist, sagte ich zu ihr: „Laura, wenn die Südpolarkappe schmilzt, wird dein dritter Hafen der Welt unter Wasser stehen.“ In der vorhandenen Atmosphäre hat sie sich absolut nicht verletzt gezeigt, sie sagte weiterhin interessante Dinge.
Dann sprach Rush, das älteste Delegationsmitglied mit der größten Erfahrung, ein radikaler Kämpfer in den ersten Jahren, dessen Leben eine unaufhörliche Zunahme von politischen und menschlichen Kenntnissen darstellt. Er ist Mitglied des Ausschusses für Energie und Handel und des Unterausschusses für Kommunikation. Ich hörte ihm 15 oder 20 Minuten zu, ohne ihn im Geringsten zu unterbrechen. Er erläuterte, dass er in den ersten Jahren die Werke und Schriften von wichtigen modernen revolutionären Denkern gelesen hat, die der Ausgangspunkt für seinen nachfolgenden politischen Reifungsprozess waren, indem er beobachtete und darüber nachdachte, was in seinem Land und auf der Welt geschah. Er nennt namentlich Mandela, den Che und weitere außerordentliche Persönlichkeiten, die sich für die anderen aufgeopfert haben. Wie es unter den Black Caucus-Führern recht üblich ist, werden die Bibelverse so zitiert, wie es Martin Luther King tat, um ihren jeweiligen Standpunkt zu unterstreichen: „Das Wort Gerechtigkeit wird in der Bibel zweitausend Mal genannt, fast genau so oft wie das Wort Liebe”, sagt er zu mir. Er sprach über seine Gesundheit, den von ihm ausgefochtenen Kampf, um sie zu bewahren und eine Krebserkrankung zu überstehen.
Er kennt Obama persönlich, da er jahrelang direkt mit ihm zu tun hatte, manchmal sogar als Gegner, und bringt eine hohe und aufrichtige Auffassung von ihm zum Ausdruck. Er bezeichnet ihn als einen ehrlichen und guten Menschen, der dem US-amerikanischen Volk helfen will.
Er drückte seine Bewunderung über die Gesundheitsdienste aus, die der Bevölkerung in Kuba geboten werden, und über die dem Kampf gegen Krankheiten gewidmeten Forschungszentren.
Ich könnte ihm stundenlang zuhören, wie einer unerschöpflichen Quelle von Kenntnissen und Reife.
Ich stellte ihm eine Frage über die Bedeutung seiner folgenden Behauptung: „Obama kann die Beziehungen zu Kuba verbessern, aber Kuba muss Obama dabei helfen.” Wir haben weder je die Vereinigten Staaten angegriffen noch bedroht. Kuba verfügte über keinerlei Alternative, die es dem Land erlaubt hätte, die Initiative zu ergreifen. Wir sind immer von der Sicherheit darüber ausgegangen, dass seine Worte aufrichtig sind und das hatten wir schon vor und nach seiner Wahl öffentlich zum Ausdruck gebracht. Wir haben aber immer gleichzeitig die Meinung verlauten lassen, dass in den Vereinigten Staaten die objektiven Realitäten mächtiger sind, als die aufrichtigen Absichten von Obama.
Schließlich habe ich ihn gefragt, welche der auf Englisch über Martin Luther King veröffentlichten Werke die besten in den Vereinigten Staaten seien und ob sie ins Spanische übersetzt seien. Alle drei nannten mir unter anderem die Trilogie von Taylor Brecht als eine der interessantesten „Briefe aus dem Gefängnis”. Sie waren nicht sicher bezüglich der Übersetzung ins Spanische und versprachen, mir die entsprechenden Materialien zuzuschicken.
Es war ein wunderbares Treffen.
Fidel Castro Ruz
7. April 2009
18:31 Uhr
Der Vormittag war recht stürmisch, feucht und kühl. Es wehte eine starke Brise und der Himmel war düster. Es war weder ein frühlingshafter noch ein warmer Tag.
Barbara wünschte die Lateinamerikanische Medizinschule ELAM zu besuchen, wo 114 junge US-Amerikaner sich dem Studium der Medizin widmen.
Das offizielle Flugzeug, in dem sie nach Kuba gekommen waren, hatte die Reise 24 Stunden vorverlegt; es würde am Dienstag um 14 Uhr abfliegen, anstelle am Mittwoch.
Ich habe nicht versucht, alle bei mir zu versammeln, da ich nicht über einen genügend großen Raum für sie alle sieben, die Dolmetscherin und den sie begleitenden Minister zur Verfügung habe. Ich bat sie, sie möchte mich mit zwei weiteren, von der Gruppe ausgewählten Parlamentariern besuchen. So konnte ich mich ein weiteres Mal mit ihr treffen.
Bei der jetzigen Gelegenheit sind die Umstände ganz anders. Der Black Caucus der Legislative stellt eine gewichtige Gruppierung in den Vereinigten Staaten dar.
Der langwierige Kampf um die Gleichheit und die soziale Gerechtigkeit wurde vom Leben und Beispiel Martin Luther Kings erleuchtet, dessen Ideengut und Werk heute Millionen Menschen auf der Welt fesselt und das ist es, was nach meinem Dafürhalten die Tatsache begründet, dass in einem Augenblick tiefer Krise ein schwarzer Bürger das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten erreichte.
Deshalb erlangte ein neues Treffen mit dem Black Caucus für mich persönlich besondere Bedeutung. Ich kannte die Einzelheiten ihres Kuba-Aufenthalts von den sie bei diesem Besuch betreuenden Kameraden, ich kannte die grundlegenden Ideen der Kongressorganisation und die Meinungen ihrer Mitglieder.
Raúl übermittelte mir ebenfalls den ausgezeichneten Eindruck, den sie während seines knapp vierstündigen Treffens mit ihnen am gestrigen Montagabend bei ihm hinterließen.
Als Barbara Lee in Begleitung von Bobby Rush, Kongressabgeordneter der Demokraten von Illinois und Laura Richardson, von Kalifornien, zusammen mit dem Minister für Wissenschaften, Technik und Umwelt (CITMA), José Miyar Barrueco, der viele Jahre Staatsratssekretär war, bei mir zu Hause ankamen, war es 11:35 vormittags; die Wolken hatten sich verzogen und eine strahlende Sonne fiel auf den Hof. Ich habe mich wirklich gefreut, Barbara erneut zu sehen und die Möglichkeit zu haben, Bobby und Laura persönlich begrüßen zu können, deren Namen mir schon durch ihre Worte bei den Treffen mit Raúl, Alarcón, Bruno, Miyar und den Angehörigen der Fünf Helden vertraut waren.
Der Uhr nach waren wir 1 Stunde und 45 Minuten versammelt; aber in Wirklichkeit eine halbe Minute, wenn ich mich daran halte, wie schnell die Zeit verging und an meinen Wunsch, ihnen zuzuhören.
Ich erzählte ihnen kurz über die in zwei Jahren und sieben Monaten Krankenhausaufenthalt gemachten Erfahrungen und die Tätigkeiten, denen ich mich jetzt widme. Ich erläuterte ihnen, was ich in dieser Zeit der notwendigen Zurückgezogenheit gelernt habe, vor allem das große Interesse bezüglich der Geschehnisse auf der Welt und besonders in den Vereinigten Staaten, in dem Maße, in dem ich Nachrichten sammelte und mich auf das Lernen konzentrierte. Ich erinnerte mich daran, dass ich sie eingeladen hatte, um ihnen zuzuhören und dabei war, zu vergessen, was mich am meisten interessierte: ihre Meinungen kennen zu lernen. Das Interesse und die Tiefgründigkeit, mit der sie ihre Standpunkte darlegten, und die Aufrichtigkeit und Qualität ihrer einfachen und tiefsinnigen Worte waren ermutigend. Alle drei widerspiegelten Transparenz, Stolz auf ihre Aufgaben, ihre Organisation, ihren Kampf und ihr Land. Es ist offensichtlich, dass sie Obama kennen und Vertrauen und Sicherheit in ihn und Sympathien ihm gegenüber widerspiegeln.
Barbara ist stolz darauf, den Vorsitz des Black Caucus zu führen, mit neuem Schwung und Optimismus aktiv an der Politik ihres Landes teilzunehmen, stolz auf ihren Sohn, der zur Zeit des Revolutionssieges in Kuba noch lange nicht geboren war, und auf ihre fünf Enkel. Sie hatte ganz allein gegen den völkermörderischen Krieg von Bush im Irak gestimmt. Das war ein unübertrefflicher Beweis von politischem Mut. Ihr gebührt alle Ehre.
Ich erinnere mich besonders an Dellums, der sie das erste Mal nach Kuba mitbrachte, als sie seine Assistentin war, und wie sie sich viele Stunden lang mit mir auf einer der Kleininseln unterhielten. Sie erzählt mir, dass er nicht mehr Abgeordneter, aber Bürgermeister von Oklahoma ist, wodurch er eine Bevölkerung von 400.000 Einwohnern betreut, und sie spricht zu mir ebenfalls über die ehemalige Kongressabgeordnete, die Kuba zusammen mit Dellums besuchte, welche schon 98 Jahre alt ist und herzliche Grüße ausrichten lässt.
Laura ist Kongressabgeordnete in Kalifornien, für den Verwaltungsbezirk Long Beach; sie spricht mit besonderem Stolz über den kalifornischen Hafen, von dem sie mir erklärt, dass er „der drittgrößte der Welt ist“. Ich konnte es mir nicht verkneifen zu scherzen und unter Berücksichtigung dessen, dass sie aktive Verfechterin des Umweltschutzes ist, sagte ich zu ihr: „Laura, wenn die Südpolarkappe schmilzt, wird dein dritter Hafen der Welt unter Wasser stehen.“ In der vorhandenen Atmosphäre hat sie sich absolut nicht verletzt gezeigt, sie sagte weiterhin interessante Dinge.
Dann sprach Rush, das älteste Delegationsmitglied mit der größten Erfahrung, ein radikaler Kämpfer in den ersten Jahren, dessen Leben eine unaufhörliche Zunahme von politischen und menschlichen Kenntnissen darstellt. Er ist Mitglied des Ausschusses für Energie und Handel und des Unterausschusses für Kommunikation. Ich hörte ihm 15 oder 20 Minuten zu, ohne ihn im Geringsten zu unterbrechen. Er erläuterte, dass er in den ersten Jahren die Werke und Schriften von wichtigen modernen revolutionären Denkern gelesen hat, die der Ausgangspunkt für seinen nachfolgenden politischen Reifungsprozess waren, indem er beobachtete und darüber nachdachte, was in seinem Land und auf der Welt geschah. Er nennt namentlich Mandela, den Che und weitere außerordentliche Persönlichkeiten, die sich für die anderen aufgeopfert haben. Wie es unter den Black Caucus-Führern recht üblich ist, werden die Bibelverse so zitiert, wie es Martin Luther King tat, um ihren jeweiligen Standpunkt zu unterstreichen: „Das Wort Gerechtigkeit wird in der Bibel zweitausend Mal genannt, fast genau so oft wie das Wort Liebe”, sagt er zu mir. Er sprach über seine Gesundheit, den von ihm ausgefochtenen Kampf, um sie zu bewahren und eine Krebserkrankung zu überstehen.
Er kennt Obama persönlich, da er jahrelang direkt mit ihm zu tun hatte, manchmal sogar als Gegner, und bringt eine hohe und aufrichtige Auffassung von ihm zum Ausdruck. Er bezeichnet ihn als einen ehrlichen und guten Menschen, der dem US-amerikanischen Volk helfen will.
Er drückte seine Bewunderung über die Gesundheitsdienste aus, die der Bevölkerung in Kuba geboten werden, und über die dem Kampf gegen Krankheiten gewidmeten Forschungszentren.
Ich könnte ihm stundenlang zuhören, wie einer unerschöpflichen Quelle von Kenntnissen und Reife.
Ich stellte ihm eine Frage über die Bedeutung seiner folgenden Behauptung: „Obama kann die Beziehungen zu Kuba verbessern, aber Kuba muss Obama dabei helfen.” Wir haben weder je die Vereinigten Staaten angegriffen noch bedroht. Kuba verfügte über keinerlei Alternative, die es dem Land erlaubt hätte, die Initiative zu ergreifen. Wir sind immer von der Sicherheit darüber ausgegangen, dass seine Worte aufrichtig sind und das hatten wir schon vor und nach seiner Wahl öffentlich zum Ausdruck gebracht. Wir haben aber immer gleichzeitig die Meinung verlauten lassen, dass in den Vereinigten Staaten die objektiven Realitäten mächtiger sind, als die aufrichtigen Absichten von Obama.
Schließlich habe ich ihn gefragt, welche der auf Englisch über Martin Luther King veröffentlichten Werke die besten in den Vereinigten Staaten seien und ob sie ins Spanische übersetzt seien. Alle drei nannten mir unter anderem die Trilogie von Taylor Brecht als eine der interessantesten „Briefe aus dem Gefängnis”. Sie waren nicht sicher bezüglich der Übersetzung ins Spanische und versprachen, mir die entsprechenden Materialien zuzuschicken.
Es war ein wunderbares Treffen.
Fidel Castro Ruz
7. April 2009
18:31 Uhr
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