Ansprache des Präsidenten der Republik Kuba, Fidel Castro Ruz, am 11. September 2001, dem Tag der tragischen Ereignisse in den Vereinigten Staaten
Lehrkräfte, Bauarbeiter, Arbeiter, Studenten, Familienangehörige und Gäste:
Mal sehen, wie dies klappt, denn die Veranstaltungen in den Stadien und an solchen Orten, wie den Tribünen dieser Sporthalle, sind immer kompliziert, einige befinden sich hinten, andere auf der einen Seite und andere auf der anderen Seite, und wenn dann jemand kommt und sagt: „Man hört nichts", fängt die Tragödie an (Beifall und Ausrufe).
Gestern (Ausrufe: „Hier hört man nichts!")... Gut, dann gehe ich eben und spreche im Fernsehen zu euch (Ausrufe: „Nein!"). Strengt euch mal ein wenig an; ihr dort, ihr scheint die zu sein, für die es am schwierigsten ist, habt ein wenig Geduld und helft mit, damit dies heute ordentlich abläuft (Ausrufe: „Man hört es, man fühlt es, Fidel ist da").
Ich war dabei, euch zu sagen, daß gestern ein ruhiger Tag war, wir bereiteten uns auf zwei wichtige Veranstaltungen vor: Erstens die Wiedereröffnung der Schule und das enorm wichtige Schuljahr, das mit dieser Masse von Studenten begann, und außerdem warteten viele Landsleute auf Nachrichten über die Resultate des berühmten Grammy, wo eine bedeutende und zahlreiche Delegation kubanischer Künstler anwesend sein würde.
Als wir ziemlich spät im Morgengrauen nach Hause gingen, bestand unsere einzige Sorge darin, ob es in der Gegend, wo die Schule ist, regnen würde oder nicht, da es an den vorhergehenden Tagen fast immer etwa zu dieser Zeit starke Regengüsse gegeben hatte. Wir ergriffen die Vorsichtsmaßnahme, einen alternativen Ort zu besorgen, an dem man für alle Fälle das Schuljahr eröffnen und die Schule wieder eröffnen könnte.
Es wurde alles vorhergesehen, und zum Glück haben wir dies so gemacht; denn bei dem Regen von heute wäre jene Zone überschwemmt und voll von Schlamm gewesen, obwohl man einen besonderen Ort für die Veranstaltung vorbereitet hatte, an der mit Studenten, Verwandten, Gästen, Arbeitern und Nachbarn insgesamt 12 000 Personen teilnehmen sollten.
Gut, kaum daß wir eine kurze Zeit ausruhten, kommen Nachrichten an, daß in den Vereinigten Staaten schwerwiegende Dingen geschehen seien – und nebenbei war es hier auch ein bewölkter und regnerischer Tag -; jene Nachrichten waren und sind von großer Wichtigkeit. Es wurde die Sofortmaßnahme getroffen, das Kubanische Institut für Radio und Fernsehen (ICRT) darum zu bitten, in rigoros exakter Weise und sogar unter Verwendung von US-Fernsehsendungen die Nachrichten von dem zu übertragen, was dort geschah, und danach abzuwarten.
Wir hatten nicht die Absicht, die Veranstaltung abzusagen, sie konnte nicht abgesagt werden, trotz der durch die Ereignisse geschaffenen internationalen Spannung. Ich denke, daß viele die Nachrichten kennen; doch in der Essenz bestanden sie darin, daß etwa um 9.00 Uhr morgens eine Boeing – eine von den großen – direkt an einem der zwei Gebäude des berühmten Turms von New York zerschellte, eines der höchsten Gebäude der Welt, das zwei Flügel hat. Natürlicherweise brach dies in Flammen aus angesichts des ganzen Benzins von einem dieser großen Flugzeuge; es kommt zu gewaltigen Szenen, und 18 Minuten später kommt es zu einem Angriff ein weiteres Flugzeuges, ebenfalls einer US-amerikanischen Fluggesellschaft, und dieses zerschellt direkt an dem anderen Flügel des Turms.
Zur gleichen Zeit, einige Minuten später zerschellt ein anderes Flugzeug am Pentagon. Es kommen Nachrichten an, inmitten einer gewissen Verwirrung, von einer Bombe gegenüber dem State Department, und von anderen alamierenden Geschehnissen, obwohl ich die wichtigsten genannt habe.
Offensichtlich war das Land Opfer eines gewaltsamen und überraschenden Angriffs geworden, unerwartet, ungewöhnlich, etwas wirklich Eigenartiges, was zu eindrucksvollen Szenen führte, besonders als die beiden Türme brannten und vor allem als beide zusammenbrachen, mit ihren 100 Stockwerken, auf andere nahegelegene Gebäude drauf, und man erfuhr, daß dort Zehntausende von Menschen in verschiedenen Büros arbeiteten, die zahlreiche Firmen unterschiedlicher Länder vertreten.
Es war logisch, daß dies zu einer großen Aufregung in den USA und auf der ganzen Welt führen würde, die Börsen begannen zusammenzubrechen, und wegen der politischen, wirtschaftlichen, technologischen Bedeutung und der Macht der Vereinigten Staaten war die Welt heute aufgerüttelt angesichts jener Ereignisse, so daß es notwendig war, sie den ganzen Tag zu verfolgen, während von unserer Seite gleichzeitig die Aufmerksamkeit im Hinblick auf die Bedingungen und die Umstände, unter denen diese Veranstaltung stattfinden sollte, aufrechterhalten wurde.
Deshalb gab es zwei Themen: die Schule und ihr äußerst wichtiges beginnendes Schuljahr, und die politische und menschliche Katastrophe, zu der es dort gekommen war, besonders in New York.
Ich werde zunächst von der Schule sprechen.
Ich muß an erster Stelle sagen, daß die Bauarbeiter eine enorme Anstrengung unternommen und diese Schule praktisch innerhalb einiger Monate wiederaufgebaut haben; eine Aufgabe dieser Größenordnung wurde niemals zuvor in solch kurzer Zeit bewältigt.
Die Direktorin erläuterte, daß jene Schule sehr heruntergekommen war, sie erlitt die gesamte Sonderperiode und wurde schließlich zu einer Unterkunft für Aberhunderte von Familien. Eines Tages besuchte ich sie und sie war nicht einmal der Schatten dessen, was wir am 5. Dezember 1974 als Schule zur Ausbildung von Grundschullehrern für die Hauptstadt eröffnet hatten; während der 14 Jahre, in denen sie als eine solche Schule funktionierte, machten dort Zehntausende von Lehrern ihren Abschluß. Danach füllte sie andere wichtige Lehraufgaben aus, sie war eine Fakultät für Hochschullehre; doch dann kam die Sonderperiode und mit ihr all die Schwierigkeiten.
Die Grundschulen erlitten zur damaligen Zeit nicht die Krise des Lehrermangels, die die Hauptstadt in diesen Jahren durchmachte, eine wirklich schwerwiegende Krise, die man mit der Tatsache definieren oder beschreiben kann, daß im vergangenen Schuljahr nur 37 Grundschullehrer ihren Abschluß machten.
In der Hauptstadt gab es die schlimmste Situation im ganzen Land, und zwar auf die Weise, daß etwa 80 % der Schüler ihren Unterricht in Klassenzimmern mit 30, 35, 40, 45 und gelegentlich bis zu 50 Mitschülern absolvierten; es gab fast 400 Klassenzimmer mit mehr als 40 Schülern. Dies spiegelte sich logischerweise in der Bildung wider; die Hauptstadt hatte einen Rückstand, einen sehr großen Rückstand gegenüber Provinzen wie Santiago de Cuba und anderen, es war eine wirklich schwerwiegende Situation. Es gab keine Berufung, die Berufung zum Beruf des Grundschullehrers war in unserer Hauptstadt verschwunden.
Der physische Zustand der Schulen war nach 10 Jahren Sonderperiode und einem großen Mangel an Ressourcen ebenfalls kritisch. Die Eltern rieten ihren Kindern, keine Grundschullehrer zu werden; jeder der Absolventen der zahlreichen pädagogischen Gymnasien wählte nach Beendigung des letzten Schuljahres, und auf die Frage, was er studieren wolle, das Fach seiner Präferenz aus: Grundschullehrer, weniger als 5 von 100; und die anderen wählten Geschichte, Mathematik, Literatur, Geographie, kurzum, etwa 12 bis 14 verschiedene Studiengänge, alle außer dem Diplom-Studiengang Grundschulbildung.
Dies war nicht mit den Bedürfnissen vereinbar, fast alle Schüler der Lehrfakultät der Hauptstadt halfen in den Mittelschulen; die Mittelschulen konnten durch die Unterstützung der Hochschuleinrichtungen aufrechterhalten werden, und durch die vor etwa zwei Jahren entstandene Idee der Zusammenarbeit mit zahlreichen Universitätsstudenten, um das eine oder andere Fach zu unterrichten.
Wir waren dem Mythos der Berufungen unterlegen gewesen und es war unmöglich, einen Lehrplan zu konzipieren, wenn gelegentlich ein, zwei oder drei Lehrer fehlten, oder ein Lehrer mußte vier Gruppen von je 40 oder 50 Schülern Unterricht erteilen – ich spreche von vier, denn es waren manchmal fünf oder sechs -, und ich kenne eine ausgezeichnete Schulleiterin, die in bestimmten Zeiträumen den 13 Klassen ihrer Schule Geschichtsunterricht erteilte.
Das ist ein wichtiges Thema, denn es ist die Aufgabe, die uns herausfordert, wenn wir diese Schlacht gewinnen, die bereits fast gewonnen ist, die wir jetzt im Hinblick auf die Grundschulen in Angriff nehmen. Die jetzige Schlacht bestand darin, Tausende von Grundschullehrern mit den entsprechenden Kenntnissen und auf eine angemessene Weise – und außerdem dringend – für die Hauptstadt der Republik auszubilden und die Anzahl der Schüler pro Klassenzimmer auf höchstens 20 zu begrenzen. Dieses Problem wurde am 1. September vor etwa einem Jahr angesprochen, und es wurde aufgeworfen, um es bis zum September des Jahres 2002 zu lösen. Es erschien als etwas Unmögliches.
Man analysierte das Problem sorgfältig, es wurden 8080 heldenhafte Grundschullehrer besucht, die während der Sonderperiode gemeinsam mit den wenigen neuen Lehrern, die ihren Anschluß gemacht hatten, die Grundschulbildung in unserer Hauptstadt aufrechterhielten.
Die Gebäude befanden sich, wie ich bereits sagte - in einer schrecklichen Situation, und in dem Maße, in dem sie sich verschlimmerte, kam die Notwendigkeit auf, mit einem Notprogramm die Reparatur der 659 Grund- und Mittelschulen der Hauptstadt in Angriff zu nehmen. Diese letztere Aufgabe würde unserer Einschätzung nach mindestens drei Jahre in Anspruch nehmen. Doch wenige Monate nach Beginn des Programms wurde die einhundertste Schule eröffnet, und sogar noch damals dachten sie, es würde noch weitere zwei Jahre dauern. Bald wird die zweihundertste Schule eröffnet, während gleichzeitig mehr als einhundert komplett restauriert werden.
Ich sollte keine Zeit darauf verwenden, über diese Details zu sprechen, da es eine andere Gelegenheit geben wird, wenn die instandgesetzte Schule Nummer 200 eröffnet wird. Das Wichtige ist, daß im September nächsten Jahres die 659 Schulen komplett instandgesetzt sein werden, so wie sie niemals zuvor waren, weder vor der Sonderperiode noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt, denn sie werden alle gemeinsam wiederhergestellt und repariert. Alle Wasserprobleme in diesen Schulen werden gelöst sein, das heißt alle Probleme mit dem Leitungswasser. Viele von ihnen hatten große Probleme, einige erreichte kein Wasser, die Situation der Toiletten war schlimm; es funktionierte praktisch kein Kühlgerät. Kurzum, ich möchte mich nicht wiederholen, das gesamte Gewicht der Sonderperiode und unserer Mängel hatte auf unseren Schulen gelastet und man benötigte eine außergewöhnliche Anstrengung.
Heute wage ich, euch hier zu versichern, daß im September nächsten Jahres die 659 Schulen fertig sein werden. Es ist ein ernsthafte Arbeit, doch all das, was mit großer Diskretion gemacht wurde, lief gemeinsam mit der Schaffung von Kapazitäten für 20 000 jungen Studenten in dieser und anderen Provinzen: Kapazitäten, um zum Beispiel über alle Grundschullehrer zu verfügen; Kapazitäten für die Ausbildung von 7 000 Sozialarbeitern – unter den wichtigen Kursen -; die Ausbildung von Dozenten, die Computerunterricht für alle Grundschüler der Hauptstadt erteilen werden, da diejenigen, die diese Fächer in der Mittelschule erteilen sollten, bis zu dem Zeitpunkt ausgebildet wurden, an dem die gut überdachte Entscheidung getroffen wurde, die Computerausbildung ab dem 5. Lebensjahr der Schüler in den Unterricht einzuführen, das heißt ab der Vorschule.
Es gab andere überaus wichtige Schulen, die ich hier nicht erwähne, eine enorme und stillschweigende Anstrengung, mit sehr wenig oder gar keiner Publicity, im Einklang mit der neuen Methode, sagen wir, von wenig Versprechungen und vielen Taten, die Eröffnung dieser Schulen. Gelegentlich wird eine Schule in Vertretung von 15 Schulen eröffnet, wie im Fall der in Santa Clara eröffneten Schule für Kunsterzieher, als alle bereits im gesamten Land mit 4 000 Schülern in Betrieb waren.
Es waren große Anstrengungen, die in diesem Zeitraum der Schlacht der Ideen unternommen wurden, zu diesem Zeitraum des Kampfes, der vor mehr als 21 Monaten mit der Entführung des Kindes Elián González begonnen wurde. Das sind die grundsätzlichen Angaben.
Der Verdienst der Arbeiter ist groß. Viele von ihnen kamen aus anderen Provinzen, aus dem Osten, aus Camagüey, aus anderen Landesteilen. Sie haben ohne Pause gearbeitet; sie haben die Dinge mit der größtmöglichen Qualität bewerkstelligt, wenn wir auch alle wissen, daß man bei Beendigung eines Baus, der unmittelbar darauf in Betrieb genommen wird – denn wir konnten keine Zeit verlieren -, immer noch einige Reparaturen ausführen muß: irgendeine Wasserleitung, die nicht dicht war, ein Dach, das undicht sein kann. Bezüglich dessen wurde das Prinzip festgelegt, daß beim Auftreten eines Details, einer undichten Stelle, eines kleinen Problems in irgendeiner Schule, dieses sofort gelöst werden muß. Alles wurde so konzipiert und organisiert.
Es kann sein, daß in der Schule – und ich weiß, daß sie einige Dinge machen und sie müssen einige Reparaturen vornehmen, als Folge der kräftigen Regengüsse und weil sie dabei sind, sie fertigzustellen, und man konnte mit dem neuen Schuljahr keine Zeit verlieren... Gut wir haben einige Tage verloren, wir haben sieben Tage verloren; aber viele Schüler sind bereits in der Schule, und die kleinen Probleme, die auftauchen können, niemand soll die Geduld verlieren, es wird eine beträchtliche Anzahl von Arbeitern dableiben, um alle Details zu bestimmen, die auftreten können, in dieser Schule und in allen anderen; denn diese wird heute eröffnet – ich sage dies, weil ich mir vorstelle, wir seien dort – und eine andere für die dringende Ausbildung von 1 000 Krankenschwestern wird eröffnet, da wir auch ein Defizit an Krankenschwestern in unserer Hauptstadt haben, das gelöst werden muß, und zwar gut.
Diejenige der Krankenschwestern ist eine schwierige Aufgabe, vor allem wenn man Nachtdienst hat.
Was bedeuten diese Schulen? Was bedeutet dieses Schuljahr? Zusammen waren die beiden Schuljahre in der Schule von Melena außergewöhnliche Beispiele an Pädagogik, denn jedes Schuljahr begannen 501 Schüler und es gab nicht eine einzige Abmeldung, weder im ersten noch im zweiten Jahr. Und während im ersten Schuljahr noch zwei Schüler nicht alle Kenntnisse und die notwendige Erfahrung zum Bestehen der Prüfungen erlangten, bestanden im zweiten Schuljahr alle; die Schule hat ein großes Ansehen gewonnen, auf eine solche Weise, daß jetzt alle Welt in diese Schule gehen will, und diesmal mußten sie einige Stockbetten mehr aufstellen und einige zusätzliche Schüler aufnehmen, denn es gab keine menschenmögliche Form, eine Gruppe von acht oder neun abzulehnen, die zusätzlich dort studieren wollten.
Die Methoden, die mit den jungen Leuten angewandt werden, sind meiner Ansicht nach die korrektesten: sich mit ihnen unterhalten, mit ihnen diskutieren, ihnen zuhören, sich um ihre Probleme kümmern und versuchen, auf ihre Bedürfnisse – und oftmals auf ihre Wünsche – einzugehen, wenn dies möglich ist. Denn jeder dieser neuen und ihres Inhalts wegen unterschiedlichen Kurse verleiht ihnen allen nun die Möglichkeit, unter Anleitung – wenn es sich um einen Lehrer handelt – eines Diplom-Grundschullehrers mit viel Erfahrung mit der Arbeit zu beginnen, und wenn es sich um eine Krankenschwester handelt, unter Anleitung einer Diplom-Krankenpflegerin.
Jeder dieser jungen Leute wird einen Hochschullehrer haben, automatische Einschreibung in der Universität, die Option zur Auswahl – gemäß der Person, um die es sich handelt – zwischen acht, neun, zehn oder fünfzehn Studiengängen. Ihnen eröffnen sich reale Möglichkeiten; doch gleichzeitig wird ihnen das Bewußtsein vermittelt, das ein junger Mensch von den Bedürfnissen des Landes haben muß, und wie innerhalb einer breiten Liste von Möglichkeiten viele von ihnen in der Lage sind, diesen selben jungen Menschen anzuziehen, in Abhängigkeit vom Kontakt und der Vertrautheit, die sie mit diese Fach haben können. Denn ich habe viele junge Leute gesehen, die an etwas Anderes dachten, von denen, die nicht daran dachten, das Grundschullehrer-Studium auszuwählen, und trotzdem ist die Zahl derer, die sich endgültig für dieses Studium entscheiden, enorm angestiegen.
Während der langen Debatten am 6. September wurde viel über das Thema diskutiert, ob die Verpflichtung auf fünf Jahre ausreichend sei, und wir haben Änderungen vorgenommen, doch wir werden nicht aufhören, Wort zu halten. Wenn eine Änderung vorgenommen werden muß, machen wir das mit den Neuen, die das Schuljahr beginnen, denn da in der Tat eine Anzahl dieser Schüler auf alle Fälle unter den Optionen auswählen wird, würden sich die fünf Jahre als wenig erweisen; doch wir bitten sie nicht und akzeptieren nicht einmal bei den Schülern der ersten beiden Lehrerkurse, daß sie sich für acht Jahre verpflichten, denn wir sagten fünf und es werden fünf sein.
Selbstverständlich muß das Studium intensiv sein, denn wenn sie irgendeinen anderen Studiengang auswählen, den sie seit diesem September auswählen können – und viele haben sich bereits eingeschrieben -, dann erfordert dies eine besondere Anstrengung, denn wenn sie zum Beispiel Soziologie studieren, müssen sie weiterhin eine Anzahl von Kenntnissen in Pädagogik, wenigstens drei Jahre, erlangen; und sie haben alle Vorteile eines speziellen Hochschullehrers und sie werden lehren, und sie müssen täglich mehr Erfahrung und Kenntnisse haben.
Der Kommunistische Jugendverband arbeitet bereits mit euch für eine Verpflichtung von drei zusätzlichen Jahren, das heißt während acht Jahren, unabhängig von dem Studiengang, für den sie sich entscheiden. Dann würden sie also acht Jahre unterrichten, sogar bereits innerhalb des gewählten Studiengangs würden sie, wenn sie dies wünschen, ihre Kenntnisse weiter vertiefen, indem sie einen Mastertitel anstreben, das was sie wollen, und drei weitere Jahre unterrichten, das heißt acht statt fünf Jahre, das ist das, was wir für unverzichtbar erachten für das, was wir vorhaben.
Ich weiß, das ein ausgezeichneter Wille besteht, doch jede Verpflichtung, die wir gegenüber einem jungen Menschen eingehen, halten wir auch ein; und jede Perspektive, die wir ihm anbieten, verleihen wir ihm; die Ernsthaftigkeit und die Einhaltung des gegebenen Wortes ist eine Frage der Ehre. Und es ist eine Methode, die wir immer anwenden müssen, denn gelegentlich bitten wir um eine Zusammenarbeit für 20 Tage und danach sagen wir: es fehlen fünf mehr, fünf mehr.
Vor einigen Wochen besuchten mehr als 5 000 Studenten, die sich in Sozialarbeiter-Universitätsbrigaden gruppierten, praktisch alle Haushalte der Hauptstadt mit einer Umfrage über soziale und im kommunalen Rahmen interessante Themen, die vom Krankenhaus, der Apotheke und der Schule bis zur Möglichkeit des Vorbringens jeglichen anderen Anliegens reichten. Davon ist noch nicht einmal gesprochen worden, doch sie haben eine ausgezeichnete und außerordentliche Arbeit verrichtet, und so werden viele andere Arbeiten verrichtet, denn wir verfügen noch nicht über genügend Sozialarbeiter. Wir haben keine Tausende, und es wäre besser zu sagen die Zehntausenden, die wir brauchen, und ich werde das jetzt nicht erklären, denn alles zu seiner Zeit und wenn die Zeit dafür da ist.
Wir haben in der Jugend eine Kraft, einen Enthusiasmus, eine Disziplin und einen Geist gesehen wie nie zuvor.
Für euch, die Schüler, die 3 500 – es gab zwei Angaben, es gab eine, die von 3 500 sprach und eine andere, bei der von 3 599 die Rede war, das sind kleine, für die Schule assimilierbare Unterschiede -, dies wir im Einklang mit dem, was wir bis jetzt geplant haben, der letzte Notkurs für die Ausbildung von Lehrern sein, wie sie gewöhnlicherweise genannt werden. Seine Qualität spiegelte sich am 6. September wider, am Tag des offiziellen Beginns des neuen Schuljahres, denn zahlreiche mit Dringlichkeit ausgebildete Lehrer sprachen als Antwort auf jene Sorge, daß sie nicht genügend Kapazität zur Erfüllung der Aufgabe hätten, oder daß es einen Zweifel geben könnte bezüglich ihrer Pflichten als Schüler und Lehrer, mit einer Redegewandtheit, von der ich glaube, daß ich sie niemals zuvor bei so jungen Menschen gesehen habe. Man muß dies den Kursen zuschreiben, die sie erteilt bekamen, dem höheren kulturellen und politischen Niveau unserer Bevölkerung, und den vielen Dingen, die sie in diesen 21 Monaten der Schlachten der Ideen erlernt haben.
Es ist eindrucksvoll und fast unmöglich, sich das vorzustellen, was diese jungen Menschen in der Zukunft sein werden, im selben Alter und in diesem selben Stadium der Ausbildung, mit den Dingen, die bereits in massenhafter Form im ganzen Land beginnen, da jedes Klassenzimmer hier in der Hauptstadt über einen Fernseher verfügen wird, und drei komplette Stadtbezirke von Havanna, bescheidene Stadtbezirke, zum großen Teil Arbeiterviertel: Diez de Octubre, Arroyo Naranjo und San Miguel del Padrón, haben dort bereits Computerkurse. Bei den anderen wird es noch dauern, denn jetzt werden in den drei erwähnten Stadtbezirken 149 Dozenten der Jugend-Computerklubs zugegen sein, die aus verschiedenen Provinzen gekommen sind; doch 1 250 junge Leute sind zur Zeit in der Ausbildung, bei der sie etwa 800 Stunden Unterricht erhalten werden, fast dreimal so viel, wie benötigt werden, doch uns interessiert die Disziplin und das Bewußtsein, das sie in der Schule erwerben, und sie werden nicht vor März bereit sein. Am 1. März werden wir über diese jungen Dozenten verfügen, die einen enormen Enthusiasmus haben und danach einen der drei verschiedenen Informatik-Studiengänge absolvieren können. Aus diesem Grund wird Havanna die letzte Stadt sein, in der 100 % der Grundschüler Computerunterricht erhalten.
Im Zusammenhang damit gibt es viele Ideen, viele Programme, viele Pläne, in Verbindung mit einem unvergleichlich höheren Bildungs- und Ausbildungsniveau, unterstützt von allen modernsten technischen Mitteln, die unser Land im Bereich der Grundschul-, Sekundär- und Mittelschulausbildung mit weitem Abstand – sagen wir um Längen – als das fortgeschrittenste Land auf der Welt auf dem Gebiet der Bildung plazieren werden, und Bildung ist alles. Bildung ist die Zukunft.
Danach, nach Beendigung dieses Kurses, haben wir sehr ehrgeizige Pläne im Hinblick auf einen anderen Sprung nach vorne, derjenige, den man bei der Sekundärschulbildung unternehmen muß, und wir werden in der Schule, die wir heute wiedereröffnen, mit ihrer Gesamtkapazität, 4 500 Schüler haben.
In diesem Prozeß haben wir das Privileg gehabt, mit einer unglaublichen Anzahl von äußerst wertvollen, talentierten, pflichterfüllenden und patriotischen Menschen in Kontakt zu treten, die jeglicher Person die Erklärung dafür erleichtern, warum dieses Land mehr als 40 Jahre Blockade aushielt und vor allem wie dieses Land mit so viel Heldentum, Ehre und Patriotismus die schrecklichen 10 Jahre der Sonderperiode aushielt, die wir nahezu bezwungen haben, die aber noch nicht vollständig besiegt ist.
Es ist wunderbar und ermutigend zu sehen, wieviel möglich ist zu tun und das, was unser Volk in der Zukunft erreichen kann, das, was es zur Zeit bereits tut, und zwar nicht nur im Bereich der Bildung, sondern auch in der Kultur, im sozialen Bereich, mit der Entwicklung von Methoden und Ausbildung von Fachleuten, um die enorme Arbeit zu verrichten, die in diesem Bereich noch geleistet werden muß.
Ich beende das Thema Kuba. Ich habe versucht, mich kurz zu fassen, denn ich sehe mich gezwungen, die mir verbleibende Zeit dazu zu nutzen, über die in den letzten Stunden entstandene internationale Situation zu sprechen.
Heute ist ein Tag der Tragödie für die Vereinigten Staaten. Ihr wißt sehr gut, daß hier niemals Haß gegen das US-amerikanische Volk gesät wurde. Vielleicht ist Kuba - eben genau wegen seiner Kultur und seinem Fehlen von Komplexen, indem es sich vollkommen frei fühlt, mit Vaterland und ohne Herr – das Land, wo die US-Bürger am respektvollsten behandelt werden. Niemals haben wir irgendeine Art von nationalem Haß oder etwas Ähnliches wie Fanatismus gepredigt, deshalb sind wir so stark, weil wir unser Verhalten auf Prinzipien und Ideen gründen, und wir behandeln – und sie bemerken dies – jeden US-Bürger, der unser Land besucht, mit großem Respekt.
Außerdem vergessen wir nicht das US-amerikanische Volk, das den Vietnam-Krieg mit seiner enormen Opposition gegen jenen völkermörderischen Feldzug beendete; wir vergessen nicht das US-amerikanische Volk, das mit einem Anteil vom mehr als 80 % die Rückkehr Eliáns in unser Vaterland unterstützte (Beifall); wir vergessen nicht, wieviel Idealismus es hat, der oftmals durch den Betrug in Mitleidenschaft gezogen wird, denn – wie wir oft gesagt haben – um einen US-Amerikaner dazu zu bringen, eine ungerechte Sache zu unterstützen, einen ungerechten Krieg, muß man ihn zunächst betrügen, und die in der internationalen Politik dieses enormen Landes benutzte klassische Methode besteht darin, zunächst zu betrügen, um danach auf die Unterstützung der Bevölkerung zu zählen. Wenn dies umgekehrt geschieht und das Volk der USA aufgrund seiner Tradition des Idealismus entdeckt, daß etwas ungerecht ist, widersetzt es sich dem, was es zuvor unterstützte. Oftmals handelte es sich um sehr ungerechte Gründe und das US-amerikanische Volk war davon überzeugt, daß das, was es unterstützte, gerecht sei.
Deshalb haben wir – wir kennen nicht die exakte Zahl, doch wir haben beeindruckende Szenen des Leids und möglicher Opfer gesehen – einen tiefen Schmerz und Traurigkeit für das Volk der USA gefühlt, treu der Linie, die wir immer verfolgt haben.
Weder schmeicheln wir Regierungen, noch bitten wir um Vergebung oder Gefallen oder hegen in unserer Brust auch nur das geringste Atom der Furcht. Die Geschichte der Revolution hat bewiesen, wie fähig sie zur Herausforderung, zum Kampf und zum Aushalten dessen ist, was sie aushalten muß, etwas, was uns zu einem unbesiegbaren Volk gemacht hat. Das sind unsere Prinzipien, eine Revolution gründet sich auf Ideen, auf der Überzeugung und nicht auf der Gewalt. Ich hoffe, daß auf der Welt kein Verrückter übrigbleibt, der fähig ist zu behaupten, daß 1,2 Millionen Bürger am vergangenen 26. Juli auf der Uferpromenade Malecón gezwungenermaßen oder durch Gewalt gedrängt demonstrierten.
Unsere Reaktion war die, die ich erwähnte, und wir wollten, daß unser Volk die Szenen sieht und die Tragödie betrachtet. Und wir haben nicht gezögert, öffentlich unser Mitleid auszudrücken. Hier habe ich eine Erklärung, die der internationalen Presse gegen 15.00 Uhr übergeben wurde, ausgearbeitet, sobald die Geschehnisse bekannt wurden. Währenddessen war unser Fernsehen mit der Verbreitung der Ereignisse beschäftigt. Die Erklärung sollte unserem Volk in den Nachrichten um 20.00 Uhr bekanntgegeben werden.
Ich nehme dies hier einige Minuten vorweg, um euch die Offizielle Erklärung der Kubanischen Regierung zu den Ereignissen in den Vereinigten Staaten zur Kenntnis zu bringen.
„ Die Regierung der Republik Kuba hat mit Schmerz und Traurigkeit die Nachrichten über die gewaltsamen und überraschenden Anschläge entgegengenommen, die am heutigen Morgen gegen zivile und staatliche Einrichtungen in den Städten New York und Washington verübt wurden und zahlreiche Opfer gefordert haben.
Die Haltung Kubas gegen jegliche terroristische Aktion ist bekannt" ‚- unsere Geschichte beweist dies, alle diejenigen, die die Geschichte unserer revolutionären Kämpfe kennen, wissen dies gut – „ Es ist nicht möglich zu vergessen, daß unser Volk über mehr als 40 Jahre hinweg Opfer solcher Aktionen war, die vom Staatsgebiet der USA selbst gefördert wurden.
Sowohl aus historischen Gründen als auch aus ethischen Prinzipien lehnt die Regierung unseres Landes mit aller Energie die gegen die erwähnten Einrichtungen begangenen Anschläge ab, verurteilt sie und drückt dem US-amerikanischen Volk ihre ehrlichste Anteilnahme aus für die schmerzhaften und nicht zu rechtfertigenden Verluste an Menschenleben, die die erwähnten Attacken hervorgerufen haben.
In dieser bitteren Stunde für das Volk der USA solidarisiert sich unser Volk mit dem Volk der Vereinigten Staaten und drückt seine vollkommene Bereitschaft aus zur Zusammenarbeit, im Rahmen seiner bescheidenen Möglichkeiten, mit den Institutionen des Gesundheitswesens oder jeglichen anderen medizinischen oder humanitären Institution dieses Landes bei der ärztlichen Betreuung, Überwachung und Rehabilitation der Opfer der Geschehnisse am heutigen Morgen" (Beifall).
Dies haben wir nicht nur veröffentlicht, sondern wir haben es in den Nachmittagstunden auf offiziellem Weg übermittelt, besonders als beeindruckende Zahlen von möglichen Opfern auftauchten und wir davon erfuhren, daß die Krankenhäuser voll mit Verletzten seien.
Auch wenn man nicht weiß, ob die Zahl der Opfer 5 000, 10 000, 15 000 oder 20 000 beträgt, weiß man, daß allein in den Flugzeugen, die gegen die Türme gelenkt wurden und zerschellten, oder gegen das Pentagon, Hunderte von Passagieren reisten, und wir boten das an, was wir konnten, falls es benötigt würde.
Jenes ist ein medizinisch und wissenschaftlich weit entwickeltes Land mit Ressourcen; doch es gibt Momente, in denen Blut einer bestimmten Blutgruppe benötigt wird, Plasma – jegliches andere Produkt, das wir spenden können, würden wir mit Vergnügen spenden – oder ärztliche Unterstützung, oder Krankenpflegerpersonal, denn wir wissen, daß viele Krankenhäuser ein Defizit an bestimmten Technikern und Fachleuten haben. Kurzum, wir hatten die Absicht, unsere Haltung und unsere Bereitschaft bezüglich dieser tragischen Geschehnisse auszudrücken.
All dies hat einige Vorgeschichten, denn ich erwähnte euch gegenüber, daß wir mehr als 40 Jahre Terrorismus ausgehalten hatten; mehr noch, wir haben bei bestimmten Gelegenheiten die US-Regierung über bedeutende Risiken für das Leben von US-Bürgern informiert. Hier habe ich ein Beispiel, es sind eineinhalb Seiten.
In den Tagen nach den terroristischen Anschlägen auf unsere Hotels durch die in Florida ansässige terroristische Mafia, die die terroristischen Anschläge gegen Kuba plante und bezahlte, genauso wie Dutzende von Attentatsplänen gegen mich, als ich die Notwendigkeit hatte, ins Ausland zu reisen, hatte die von dem Monster Posada Carriles – einige seiner Komplizen, die ausländische Söldner waren, wurden bei der Einreise auf das Staatsgebiet verhaftet, im Besitz der entsprechenden Mittel – angeführte Gruppe den Plan gefaßt, die ausgeklügelte Vorgehensweise der Bomben zu benutzen, die sie in den Hotels oder in von ausländischen Touristen besuchten Orten wie das Restaurant „La Bodeguita del Medio" legten und die bis zu 99 Stunden nach dem Legen explodieren konnten, um Anschläge auf Flugzeuge zu verüben. Sie konnten reisen, die Bombe im Flugzeug legen, drei Tage Feste feiern und in ihr Land zurückkehren, bevor die Bombe explodieren würde. Es gab den Fall jenes salvadorianischen Söldners, der den Plan gefaßt hatte, fünf Bomben in Hotels und an öffentlichen Orten der Hauptstadt zu legen, um sie fast simultan zur Explosion zu bringen, eine nach der anderen. Schaut, wie weit man bereits gegangen war.
Mehr als einmal setzten wir uns auf vertraulichen Kanälen mit der US-Regierung in Verbindung und hier ist eine der direkten Botschaften an denjenigen, der das Land zu jener Zeit regierte – Botschaften auf vertraulichen Kanälen, wir verraten nicht wie, über Personen des vollsten Vertrauens, die mit uns und mit ihm befreundet waren und denen wir genau erklärten, welche Mitteilungen sie unserem Willen nach überbringen sollten -; ein Teil dieses Materials wurde bereits einmal verwendet, doch ich werden ein Beispiel wortwörtlich zitieren:
„Eine wichtige Angelegenheit.
Nummer Eins: Es werden Pläne terroristischer Aktivitäten gegen Kuba aufrechterhalten, bezahlt von der Cuban American National Foundation und unter Verwendung von mittelamerikanischen Söldnern. Es wurden bereits zwei neue Versuche unternommen, Bomben in unseren Touristenzentren zur Explosion zu bringen, und zwar vor und nach dem Papst-Besuch.
Im ersten Fall konnten die Verantwortlichen entkommen, wobei sie auf dem Luftweg nach Mittelamerika zurückkehrten, ohne ihre Ziele zu erreichen. Sie ließen die technischen Mittel und die Sprengkörper zurück, die beschlagnahmt wurden.
Bei dem zweiten Versuch wurden drei Söldner verhaftet und man beschlagnahmte bei ihnen die Sprengkörper und weitere Mittel; es handelt sich um Staatsbürger Guatemalas. Für jede der vier Bomben, die explodieren sollten, hätten sie 1 500 Dollar erhalten" – es waren die ersten Festgenommenen, die der, der die größte Anzahl von Bomben legte.
„ In beiden Fällen wurden die Söldner von Agenten des von der Cuban American National Foundation geschaffenen Netzes engagiert und ausgestattet; jetzt hegen sie Pläne und unternehmen bereits Schritte, um Bomben in Flugzeugen der kubanischen Fluggesellschaften und in Airlines anderer Länder, die Kuba anfliegen und Touristen aus lateinamerikanischen Ländern auf die Insel bringen und zurückfliegen, zur Explosion zu bringen.
Die Methode ist ähnlich: Der kleine Sprengsatz wird in an einem versteckten Ort des Flugzeugs abgelegt, mit kräftigem Sprengstoff, einem Zünder, der durch eine Digitaluhr kontrolliert wird, die auf bis zu 99 Stunden vor der Detonation programmiert werden kann, das Flugzeug wird normal am Zielort verlassen; die Explosion würde am Boden oder später während des erneuten Fluges stattfinden. Wahrhaft teuflische Verfahren: leicht zu montierende Mechanismen, Einzelteile, die fast unmöglich zu entdecken sind, minimales Training für den Gebrauch, fast völlige Straflosigkeit, höchst gefährlich für die Fluggesellschaften, touristische oder andersartige Einrichtungen; Instrumente, die für Verbrechen und schwere Delikte verwendbar sind.
Wenn es dazu kommt, daß solche Möglichkeiten verbreitet und bekannt werden" – wir widersetzten uns einer Bekanntmachung der verwendeten Technologie -, „können sie zu einer Epidemie werden, wie es zu anderen Zeiten mit den Flugzeugentführungen geschah. Andere in den USA ansässige extremistische Gruppen kubanischer Herkunft beginnen, sich in diese Richtung zu bewegen.
Die Polizei- und Geheimdienstagenturen der Vereinigten Staaten besitzen zuverlässige und ausreichende Informationen über die Hauptverantwortlichen, wenn sie dies wirklich wünschen, können sie diese neue Form des Terrorismus rechtzeitig stoppen; es ist unmöglich, sie zu bremsen, wenn die Vereinigten Staaten nicht die elementare Pflicht erfüllen, sie zu bekämpfen. Man kann die Verantwortung, es zu tun, nicht allein Kuba überlassen, denn sehr bald könnte jegliches Land der Erde Opfer solcher Aktionen sein."
Das gaben wir bekannt, sie reagierten darauf, bis zu einem solchen Extrem, daß sie uns befragen, ob es angebracht sei, einen Text der US-Regierung an Fluggesellschaften zu verschicken.
Sie schickten den Text, in dem sie den Fluggesellschaften Folgendes mitteilten:
„Wir haben unbestätigte Informationen erhalten bezüglich eines Komplotts zum Anbringen von Sprengkörpern an Bord von zivilen Flugzeugen, die in Kuba und anderen lateinamerikanischen Ländern in Betrieb sind. Die in die Kontrolle verwickelten Personen planen, einen kleinen Sprengkörper an Bord zurückzulassen...", kurzum, sie erklären das, was wir ihnen übermittelt hatten.
„Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, daß die Bedrohung internationale Luftfrachtoperationen von den USA aus einschließen kann.
Die US-Regierung sucht weiter nach zusätzlichen Informationen zur Aufklärung, Bestätigung oder Widerlegung dieser Bedrohung."
Wir legten ihnen unseren Widerstand dagegen dar, diesen Hinweis zu veröffentlichen, denn eines der Ziele, das die Terroristen verfolgten, bestand darin, Panik zu säen, und wir erläuterten ihnen, daß es andere Verfahrensweisen gäbe, wie diejenigen, die wir jetzt verwenden: wir postierten die entsprechenden Wachleute überall dort, wo das Risiko bestand, daß eine dieser Bomben gelegt worden sei, wir ermittelten und wußten, wer die Bomben legen könnte und wer in die Pläne verwickelt war. Wir überwachten, das ist das, was man machen muß, wenn man keine Panik säen, einen Skandal veranstalten und den Autoren der terroristischen Aktionen das Erreichen ihres Ziels ermöglichen will, das sie anstrebten, um die Wirtschaft zu schädigen und Terror zu säen.
Auf jeden Fall veröffentlichten sie die Information. Gut, wir hatten bereits die Mechanismen zur Festnahme der Terroristen erheblich verstärkt und seit damals konnten sie keine Bombe mehr legen, und die Überwachung wird dort aufrechterhalten, wo es notwendig ist. Als sie dort nach Panama fuhren, um das Attentat zu verüben, wußten wir mehr als sie selbst von dem, was sie planten. Das ist völlig klar.
Dort ist die Mafia von Miami, die Anstrengungen unternimmt, um die Freilassung der in Panama in flagranti ertappten und festgenommenen Terroristen zu erreichen. Sie haben bereits Pläne, wie sie es machen, über welches Land sie sie herausbringen und auf welche Art und Weise, indem sie sich dort krankstellen und bewegen; sie erhalten in völliger Freiheit Besuche aus Miami und nahmen sogar an der vor einigen Monaten erfolgten Entsendung einer bewaffneten Gruppe zur Einschleusung in Kuba in der Gegend von Santa Clara teil.
Dank vieler Freunde, die wir an vielen Orten der Welt haben, und dank Männern wie denen, die hier zu sehen sind (er bezieht sich auf die kubanischen Patrioten, die in Miami im Gefängnis sitzen, weil sie Informationen über terroristische Pläne gegen Kuba suchten), hat sich das Land gegenüber diesem Terrorismus verteidigt (Beifall).
Ich weise darauf hin, weil es eine Realität gibt, hier sind noch mehr Schreiben und diplomatische Noten und wir haben manchmal mündliche Botschaften abgesendet, und manchmal haben wir dies schriftlich festgehalten. Eines der von uns benutzten Argumente ist unwiderlegbar: Die Vereinigten Staaten sind das Land mit der größten Anzahl von organisierten extremistischen Gruppen und 400 von ihnen sind bewaffnet.
Die Flugzeugentführungen, eine im Kampf gegen Kuba erfundene Methode, wurden zu einer universellen Plage, und es war Kuba, das diese Problem letztendlich löste, nachdem es zuvor wiederholt davor gewarnt hatte. Wir lieferten zwei Entführer an die USA aus, es ist schmerzhaft, es waren kubanische Staatsbürger, doch wir hatten gewarnt, sie kamen und wir schickten sie zurück, wir hielten das öffentlich gegebene Wort; doch niemals, nicht einmal danach, übersandten sie uns Nachrichten für die Verwandten der Entführer. Sie haben ihre Art zu handeln. Niemand weiß etwas. Ich weiß, daß sie sie zu 40 Jahren verurteilten, und das beendete die Entführung von Flugzeugen.
Doch hört, dort haben sie 800 extremistische Gruppen. Gelegentlich haben sie sich an einem Ort aus irgendeinem Grund eingeschlossen, sich angezündet und alle dabei umgekommen; Gruppen, die aus einem Grund agierten, viele von ihnen aus politischen Gründen, gelegentlich aus religiösen Motiven, aber es sind gewaltsame Gruppen, mit Neigung zum Gebrauch von Gewalt oder zur Vorbereitung von Giften, Produkte, um gegen die US-Behörden zu agieren. Ich spreche nicht von den Leuten der Mafia, ich spreche von Hunderten von organisierten extremistischen Gruppen, die innerhalb der USA agieren. Vor nicht langer Zeit sprengten sie jenes Gebäude in Oklahoma in die Luft.
Die Vereinigten Staaten sind das am meisten gegenüber dem Terrorismus verletzlichste Land, das Land mit den meisten Flugzeugen, der größten Abhängigkeit von technischen Ressourcen, Stromleitungen, Erdgasleitungen etc.. Und viele Mitglieder dieser Gruppen sind Faschisten, es kümmert sie nicht zu töten; in mentaler Hinsicht dürften sie sehr viel näher am Wahnsinn sein als an einer ausgeglichene Intelligenz. Wir haben den US-Behörden gesagt: man muß verhindern, daß solche Methoden sich verbreiten – dieses Argument benutzten wir -, sie sind leicht zu gebrauchen, es ist eine Gefahr für Sie.
In diesem selben Moment, als ich hierher kam, gab es keinen Anhaltspunkt dafür, wer diese Bomben gelegt haben könnte, denn es konnte eine von irgendeiner dieser Gruppen ausgedachte und durchgeführte Aktion sein. Sie haben es bereits gemacht, wie in Oklahoma, und es können Gruppen aus dem Ausland sein; doch es ist offensichtlich, wegen der Details, die bekanntgeworden sind, daß dies mit ziemlich viel Effizienz organisiert wurde, sagen wir mit ziemlich viel Organisation und Synchronisierung, Leuten eigen, die Kenntnisse haben, die ausgebildet sind, die über Piloten verfügten, die fähig waren, die großen Boeings zu steuern, die die exakten Uhrzeiten für ihre Handlungen koordinierten. Sie entführten ohne Zweifel das Flugzeug der Linie, mit der sie unterwegs waren, und sie hatten die Piloten, die diese Flugzeuge direkt auf einen Turm und andere Ziele zusteuern konnten, und das eine Flugzeug einige Minuten auf das andere folgend, und fast zur gleichen Zeit ein weiteres gegen das Pentagon.
Das bedeutet, es handelt sich um Leute mit einem Niveau an technischer Ausbildung und Organisation, und es müssen nicht notwendigerweise große Gruppen sein; niemand kennt den Schaden, den kleine Gruppen anrichten können, Gruppen von 20, 25 oder 30 fanatisierten oder bestimmten Ideen anhängenden Personen, und die USA sind der Ort, an dem sie am meisten Schaden anrichten können. Man erkennt das Bestimmen der Uhrzeit, zu der die meisten Leute in den Büros sein konnten, gegen 9.00 Uhr, den Schaden, den sie verursachen könnten, die Tausenden von Opfer, die dies fordern könnte.
In der Tat müssen sie in diesem Moment Spuren suchen, irgendeine Spur, denn dieses Ereignis hat besondere Charakteristiken. Aus diesem Grund besteht die wichtigste Pflicht der Führungspersönlichkeiten der Vereinigten Staaten meiner Ansicht darin, gegen den Terrorismus zu kämpfen, und zum Teil sind diese Tragödien die Folge davon, terroristische Methoden angewandt zu haben, im Fall Kubas während vieler Jahre, und im Fall anderer Länder. Denn die Idee des Terrorismus wurde verbreitet, und es gibt heutzutage auf der Welt keine Macht, so groß sie auch sei, die Geschehnisse dieser Art verhindern könnte, denn sie werden von fanatischen Personen durchgeführt, Personen, die dem Tod absolut gleichgültig gegenüberstehen. Deshalb ist der Kampf gegen solche Methoden schwierig.
Daraus kann man eine Idee gewinnen: keines der aktuellen Probleme der Welt kann mit Gewalt gelöst werden, es gibt weder eine globale, noch eine technologische oder militärische Macht, die eine totale Immunität gegen solche Geschehnisse gewährleisten könnte, denn es können Aktionen von kleinen Gruppen sein, schwer zu entdecken, und das Komplizierteste ist, daß diese Methoden von selbstmörderischen Menschen angewandt werden. Die allgemeine Anstrengung der Völkergemeinschaft besteht also jetzt darin, eine Reihe von Konflikten zu beenden, die es auf der Welt gibt, wenigstens in diesem Bereich; den weltweiten Terrorismus zu beenden (Beifall), ein weltweites Bewußtsein gegen den Terrorismus zu schaffen. Und ich sage euch dies im Namen eines Landes, das mehr als 40 Jahre Revolution durchlebt und viel Erfahrung erworben hat, das vereint ist und ein hohes Kulturniveau besitzt; es ist weder ein Volk von Fanatikern noch hat es Fanatismus gesät, sondern Ideen, Überzeugungen, Prinzipien.
Wir befänden uns in einer besseren Lage, um uns zu verteidigen, und wir haben es bewiesen. Wie viele Menschenleben sind gerettet worden gegenüber so viel Geld und so vielen Mitteln, um den Terrorismus in unserem Vaterland zu säen! Wir haben 40 Jahre lang Erfahrung gesammelt und sind zur Vermeidung solcher Aktionen zehnmal besser vorbereitet als sogar die USA.
Es ist sehr wichtig zu wissen, welche die Reaktion der US-Regierung sein wird. Möglicherweise kommen gefährliche Tage auf die Welt zu, ich spreche dabei nicht von Kuba. Kuba ist das Land, das von allen Ländern der Welt am ruhigsten ist, und zwar aus verschiedenen Gründen: wegen unserer Politik, unserer Kampfformen, unserer Doktrin, unserer Ethik und außerdem, Genossinnen und Genossen, wegen des Nichtvorhandenseins von Furcht.
Nichts beunruhigt uns, nichts schüchtert uns ein. Es wäre sehr schwierig, eine Verleumdung gegen Kuba zu fabrizieren, das würde nicht einmal der glauben, der sie erfindet und patentiert, es ist sehr schwierig; und Kuba ist heutzutage nicht irgend etwas auf der Welt (Beifall), es hat eine sehr starke moralische Position und eine sehr feste politische Position. Es kommt mir nicht einmal in den Sinn, wenn auch einer dieser Idioten der Mafia aufgetaucht ist, um zu sehen, wie er Intrigen spinnen kann, und ich glaube, er erwähnte sogar Venezuela und Kuba, einer der vielen der Mafia, das sind verachtungswürdige Scharlatane. Niemand wird ihm auch nur die geringste Aufmerksamkeit schenken; doch es wird Spannungen und Risiken geben, in Abhängigkeit davon, wie die US-Regierung agiert.
Die nächsten Tage werden inner- und außerhalb der Vereinigten Staaten angespannt sein, unzählige Leute beginnen, ihre Meinungen abzugeben.
Immer wenn eine von diesen Tragödien geschieht, so schwierig sie gelegentlich zu verhindern sein können, sehe ich keinen anderen Weg, und wenn es bei irgendeiner Gelegenheit erlaubt ist, dem Gegner – ein Gegner, der über viele Jahre hinweg hart gegenüber uns war, doch er weiß, daß wir hart sind und aushalten, er weiß, daß wir nicht dumm sind, und es könnte sogar ein winziger Respekt gegenüber unserem Land bestehen - einen Rat zu erteilen, es gibt viele Probleme an vielen Orten, doch wenn es unter irgendeinem Umstand korrekt wäre, dem Gegner etwas zu raten, zugunsten des Wohlergehens des US-amerikanischen Volkes und auf der Grundlage der von mir dargelegten Argumente, dann würden wir denjenigen, die das mächtige Imperium leiten, den Rat erteilen, gelassen zu sein, mit Gleichmut zu handeln, sich nicht von Wut- oder Haßanfällen mitreißen zu lassen und nicht Leute zu jagen, indem sie überall Bomben abwerfen.
Ich wiederhole, daß keines der Probleme der Welt, und auch nicht das des Terrorismus, durch Gewalt gelöst werden kann, und jede Gewaltaktion, jede unüberlegte Aktion mit Gewaltanwendung an irgendeinem Ort, würde die Probleme der Welt ernsthaft verschärfen.
Der Weg liegt weder in der Gewalt noch im Krieg. Ich sage das hier mit aller Autorität, immer mit Aufrichtigkeit gesprochen zu haben, feste Überzeugungen und die Erfahrung zu besitzen, die Jahre des Kampfes durchlebt zu haben, die Kuba erlebt hat. Nur die Vernunft, die intelligente Politik der Suche nach der Kraft des Konsenses und die Weltöffentlichkeit können das Problem an der Wurzel lösen. Ich glaube, daß dieses so ungewöhnliche Ereignis dazu dienen sollte, den internationalen Kampf gegen den Terrorismus aufzunehmen; doch der internationale Kampf gegen den Terrorismus wird nicht gelöst, indem man einen Terroristen hier und einen anderen dort eliminiert, hier und dort tötet, ähnliche Methoden anwendet wie die Terroristen und unschuldige Menschenleben opfert. Das Problem wird unter anderem dadurch gelöst, daß man den Staatsterrorismus und andere abscheuliche Formen des Tötens beendet (Beifall), indem man die Völkermorde beendet und treu eine Politik des Friedens und des Respekts vor unumgänglichen moralischen und legalen Normen verfolgt. Die Welt kann nicht gerettet werden, wenn sie nicht eine Linie des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit verfolgt.
Niemand soll sich vorstellen, daß wir bestrebt sind, auch nur eine Tonne irgendeines Gutes auf dem Markt der Vereinigten Staaten zu kaufen. Wir haben bewiesen, daß wir überleben, leben und voranschreiten können, und all das, was heute hier gezeigt wird, ist der Ausdruck eines Fortschritts ohne Parallelen in der Geschichte (Beifall). Man schreitet nicht nur voran, indem man Autos produziert, man schreitet voran, indem man Intelligenzen entwickelt, Kenntnisse vermittelt, Kultur schafft und die Menschen behandelt, wie sie behandelt werden müssen. Das ist das Geheimnis der enormen Kraft der Revolution.
Die Welt kann nicht auf anderen Wegen gerettet werden, und ich beziehe mich in diesem Fall auf die gewaltsamen Situationen. Man strebe nach dem Frieden an allen Orten, um alle Völker gegen diese Plage des Terrorismus zu schützen, die eine der Plagen ist (Beifall), denn heutzutage gibt es eine andere schreckliche Plage, die zum Beispiel AIDS heißt; es gibt eine weitere schreckliche Plage, die Dutzende Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf der Welt durch Hunger, Krankheiten und fehlende ärztliche Betreuung und Medikamente tötet.
Es gibt auf dem Gebiet der Politik absolutistische Ideen, ein Einheitsdenken, daß man der Welt aufzudrängen versucht. Dies führt überall zu Rebellionen und Irritationen.
Diese Welt wird nicht gerettet – und das hat schon nicht mehr mit dem Terrorismus zu tun -, wenn diese ungerechte wirtschaftliche und soziale Ordnung sich weiterhin ausbreitet oder angewandt wird. Sie führt die Welt in die Katastrophe, auf einen Weg, von dem es weder eine Möglichkeit einer Ausflucht gäbe für die 6,2 Milliarden heutigen Bewohner der Erde noch für deren zukünftige Kinder. Der Planet wird immer mehr zerstört und in die Armut, die Arbeitslosigkeit, den Hunger und die Verzweiflung getrieben. Dies beweisen die Massen an verschiedenen bereits historischen Orten wie Seattle, Quebec, Washington und Genua.
Die mächtigsten Führer der Weltwirtschaft und –politik können sich fast schon nicht mehr treffen; die Leute haben immer weniger Angst, sie lehnen sich auf, das kann man an allen Orten spüren. Ich war gerade in Durban und sah dort Tausende von Personen, die zu Nichtregierungsorganisationen gehörten; man sieht die Unzufriedenheit auf der Welt wie Schaum wachsen.
Da ich von einer der Plagen gesprochen habe, ist es gerecht, daß ich auch andere nenne, und die Führungspersönlichkeiten der Nationen, diejenigen, die am meisten Einfluß haben, sind gezwungen, Lösungen für eine Situation zu suchen, die sich zu diesem Zeitpunkt immer mehr verschärft. Es gibt eine schwerwiegende Wirtschaftskrise, die bereits den ganzen Planeten betrifft; die USA sind ernsthaft betroffen, Europa, Japan, die südostasiatischen Industrieländer, praktisch mit der einzigen Ausnahme Chinas, das innerhalb seiner Wirtschaftsreformen Verteilungsformen aufrechterhalten hat, die den Hunger in dem Land mit den meisten Einwohnern auf der Erde und nur 5 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche verhindern, womit bewiesen wird, daß die Welt noch zu retten ist.
Die Krise ist tiefgreifend. Wir lesen täglich die Nachrichten von dem, was in den Börsen passiert, was mit den Fluktuationen des Wertes der Währungen geschieht, über den Zuwachs der Arbeitslosigkeit, den Rückgang des Wachstums, dem praktisch niemand entgeht, mit der erwähnten Ausnahme, und es kann unter sehr speziellen Umständen irgendeine andere geben.
Sie ist tiefgreifend und kann schlimmer werden als diejenige von 1929, denn mehr als im Jahr 1929 wurde Mißbrauch mit der Spekulation getrieben, es wurden fast unendliche, aber künstliche Reichtümer geschaffen, der Wert der Aktien in den Börsen wurde aufgebläht, auf die Weise, daß es jemanden gab, der 1 000 Dollar in eine oder mehrere Aktien investierte und in acht oder neun Jahren hatten diese selben Aktien einen Wert von 800 000 Dollar, es ist imaginäres Geld; und die Industrieunternehmen, deren Aktien schneller an Wert gewannen, haben bereits die Hälfte ihres Wertes verloren.
Wir beobachten, wie die Theoretiker und die Analytiker Dinge erfinden; alte und neue Heilmittel, um die Krise zu stoppen, und sie haben keine Wirkung, es kommt zu immer wieder neuen Überraschungen. Niemand kann voraussagen, doch ich versichere euch, daß die Situation sehr komplex ist für die Weltwirtschaft, für den Neoliberalismus, für die neoliberale Globalisierung.
Die Macht der großen multinationalen Konzerne nimmt immer mehr zu, sie sind unabhängiger und machen, was sie machen, und die Macht der Regierungen wird sogar immer schwächer, um mit ihnen zu kämpfen und ihnen Widerstand entgegenzusetzen.
Ihr stellt euch nicht vor, wie sich das Panorama in nur vier Monaten verändert hat, seit dem letzten Quartal des vergangenen Jahres bis zu diesem Monat. Und während dieses Jahres gab es Zeiträume des Rückenwindes für Europa; der Wind verschwand, der Wind bläst nicht mehr für Europa, es herrscht Windstille und es gibt vielmehr Rückschläge durch irgendeine Meeresströmung.
Die Dinge, die in einem Land geschehen, das so entwicklungsfähig war, bei dem all das, was es über Jahrzehnte hinweg unternahm, als Wunder bezeichnet wurde, dieses Land ist Japan, das Tag für Tag größere Probleme hat.
Niemand kann mit vollkommener Präzision vorhersagen, was geschehen wird und wie es geschehen wird, denn obwohl es zu den Dingen in fast mathematischer Weise kommt, ist die Ökonomie keine Naturwissenschaft; die Tendenzen sind jedoch klar und unanfechtbar. Die Preise für die Grundprodukte sind im Keller und die entstehenden Situationen werden immer komplexer. Sie wissen es, und die Europäer und ihre Wirtschaftsstrategen wissen es auch.
In den letzten Wochen haben die Vereinigten Staaten sechs Mal die Leitzinsrate gesenkt; das ist einer der Mechanismen, den sie verwenden, um zu sehen, ob die Leute durch die Erhöhung der Geldmenge mehr kaufen, damit die Industrien mehr produzieren können, wenn dabei auch die Ressourcen verschwendet werden.
Es ist eine Wirtschaft, die zum Überleben benötigt, daß die Leute die Produkte wegschmeißen und immer mehr Geld herauswerfen; es ist keine Ökonomie für den Menschen, sondern eine Ökonomie für sich selbst und die Besitzer der gigantischen Unternehmen, nicht für die Völker.
Für uns, die wir täglich gegen all diese Probleme kämpfen müssen, ob der Ölpreis stieg, ob er fiel, ob der Zuckerpreis noch mehr fiel, wenn wir eine tägliche und detaillierte Information benötigen über das, was auf der Welt geschieht, dann sehen und überprüfen wir Tag für Tag die Situation.
Bald, im November, wird es hier ein Treffen von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaftsvertretern geben, um über die Amerikanische Freihandelszone ALCA zu diskutieren. Im Dezember haben wir das sogenannte Forum von Sao Paulo, bei dem sich Hunderte von politischen Führungspersönlichkeiten aus Lateinamerika treffen, Vertreter von Organisationen, die immer radikaler werden. Im Januar wird in Río Grande del Sur ein internationales Forum gegen die neoliberale Globalisierung veranstaltet, an dem Zehntausende von Personen teilnehmen werden. Im Februar haben wir, nach der Veranstaltung in Rió Grande del Sur, wie jedes Jahr unseren Kongreß der Wirtschaftswissenschaftler aus verschiedenen Teilen der Welt.
Wir unterhalten Kontakte zu Personen, die über viel Wissen verfügen, die das Unbehagen, die Unzufriedenheit und die Verzweiflung widerspiegeln, von der ich sprach.
Wir haben viel Arbeit vor uns, und wir werden in der privilegierten Situation arbeiten, die wir heute haben, in der unsere Bevölkerung innerhalb von 24 Monaten eine Million Farbfernseher erhalten wird, man hat bereits mit der Verteilung begonnen, mit dem Vorrang für diejenigen, die noch keinen haben; in einer Zeit, in der das Fernsehprogramm „Universität für alle" perfektioniert wird; in der die Computerkurse – wie ich bereits sagte – auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet werden. Ihr werdet sehen, daß im nächsten Jahr ein Kind aus der ersten Klasse bereits etwas über Computertechnik weiß, und niemand bedient dieses Mäuslein besser als ein fünfjähriges Kind, es malt, führt Rechenaufgaben aus, nimmt an instruktiven Spielen teil und entwickelt seine Kenntnisse weiter.
Jedes Klassenzimmer – ich erzählte euch von Havanna – wird im ganzen Land über einen Fernseher verfügen, und etwa 1 000 Ansiedlungen, die keinen Strom haben, werden ein Klassenzimmer mit einem 29 Zoll-Fernseher und ein Solarpanel haben für 10 Stunden täglicher Stromzufuhr. Damit können die Schüler Nutzen ziehen aus den Programmen „Universität für alle", Sportsendungen, Nachrichten, Podiumsgesprächen und Offenen Tribünen, zu relativ unbedeutenden Kosten, vor allem wenn man dies mit den enormen Mitteln vergleicht, die das Land heutzutage in den Energieverbrauch investieren muß, in den Erwerb von Energie. Aus diesem Grund arbeiten wir mit Hochdruck an unseren eigenen Erdölvorkommen, indem wir mehr Erdöl und mehr Erdgas suchen.
Mehr als eintausend Siedlungen! Und es wird mit der Nutzung der Sonnenenergie kein einziger Bürger ohne Zugang zum Fernsehen verbleiben. Ebenso wenig wird auch nur eine einzige der insgesamt 1944 Schulen, die keinen Stromanschluß haben, ohne ein weiteres Solarpanel verbleiben, in diesem Fall für den Computer. Dann sollen sie doch kommen und uns etwas von Gerechtigkeit erzählen, einem Land, das trotz der Blockade und der gegen es verübten Verbrechen fähig ist, in jeder Schule - mit 20 Schülern, 5 Schülern oder auch nur einem, denn es gibt 21 Schulen mit nur einem Schüler -, über einen Lehrer, zwei Solarpanel und Unterricht per Fernsehen und Computer zu verfügen, was für viele Dinge nützlich ist, unter anderem zum Erlernen und Behalten von Kenntnissen mit der maximalen Effizienz.
Es gibt ein Thema, bei dem wir zum Beispiel sehr schlecht dastehen, bei der Rechtschreibung, das wissen sie alle, die Schüler der Mittelstufe, wenn sie eine Prüfung haben, merken sie es, und unsere pädagogischen Forscher haben bereits Programme entwickelt, um das Rechtschreibproblem zu lösen, mit einer CD, die über alle Details darüber verfügt, wie man die Rechtschreibfehler ausmerzt und wie man lernt, ohne solche Fehler zu schreiben.
Von welcher Gerechtigkeit kann man auf der Welt sprechen, von welcher Freiheit, von welcher Demokratie, wo sie den Bürger niemals etwas fragen, wo ein Land verkauft werden kann, ohne dabei etwa den Kongreß zu konsultieren, oder wo ein Minister das Land auf 100 Jahre mit einer Hypothek belasten kann, ohne daß auch nur ein einziger Bürger dazu befragt wird?
Wie kann es Demokratie geben, wenn es keine Kultur und keine Bildung gibt? Und glaubt nicht, daß die reichen Länder über einen hohen Bildungsstand verfügen; die reichen Länder verfügen über viel Geld, ein wenig mehr Wissen als die Länder der Dritten Welt, die eine reale Analphabetenrate von 20 %, 25 % oder 30 % haben können, gegenüber den anderen, wo viele ähnliche Prozentzahlen an funktionalem Analphabetentum aufweisen, wie dies ein Bürger hier innerhalb von 10 Jahren wäre, sei er auch ein Universitätsabsolvent, wenn er nicht über die allgemeine integrale Kultur verfügen würde, von der wir sprachen und für deren Erreichen wir arbeiten. Die Ergebnisse sind sichtbar und eindrucksvoll. Wir messen sie in Zentimetern, wie mit einem Lineal, denn täglich erhalten wir Tausende von spontanen Meinungen über jedes Thema, und wir vergleichen das, was ein Bürger 21 Monate nach Beginn – wie ich erklärte – der Entführung des Jungen Elián sagt, der großen Schlacht der Ideen. Wen wollen sie betrügen, an welchem Ort der Welt, wo sie von den Sozialprogrammen erfahren können, die wir mit mehr Elan als je zuvor durchführen und die einen enormen Sprung nach vorne in der Revolution bedeuten werden?
Das Schicksal und unsere Nachbarn im Norden mit ihrer Blockade und ihren Verbrechen gegen Kuba wollten es, daß unser Volk zu dem geworden ist, was es ursprünglich nicht beabsichtigte, ich beziehe mich auf seine Rolle als Vorbild. Ja, als Vorbild. Sie sollen Philosophen schicken, welche sie auch wollen, um zu sehen, ob sie diskutieren und die Meinung aufrechterhalten können, daß alle diese Karikaturen, die geschaffen wurden, um den Menschen auszubeuten, zu erniedrigen und zum Feind seiner Mitmenschen zu machen, wirklich gerechtere, freiere und demokratischere Gesellschaften sind als die Gesellschaft, die unser Volk mit so großem Opfer und nach 132 Jahren Kampf , seit dem Beginn seines Kampfes gegen die Kolonial- und Sklavenhaltergesellschaft , aufgebaut hat. Sie können in keinem Bereich mit uns in einen Wettbewerb treten, sie sind unfähig, auch nur 20 % der Dinge zu vollbringen, die wir machen können und bereits machen; daran zweifele keiner.
Ich rufe euch auf, zu beobachten und zu überlegen. Ich rufe hauptsächlich die jungen Menschen auf, so viel wie möglich zu studieren, Vorbild zu sein, diejenigen, die in den neuen, in dieser Etappe geschaffenen Schulen den Unterricht aufnehmen. Das sind Schulen mit besonderen Eigenschaften und sie stellen einen Grundpfeiler für das da, was wir machen können.
Wir werden den Verlauf der Studien der 3 500 Studenten, die heute den Unterricht beginnen, aus der Nähe verfolgen.
Dort sind sogar die Nachbarn sehr glücklich, denn die Poliklinik - die zur Schule gehörte und jetzt 26 000 Bürger betreut, von denen viele nicht dort wohnten, als die Schule in Betrieb genommen wurde -, die sich in einem schlechten Zustand befand, ist wie neu und widmet sich hauptsächlich den Nachbarn, denn die Schule, ihre Lehrer und anderen Beschäftigten werden das haben, was wir eine Krankenpflege von höchster Qualität genannt haben, wo es sogar Röntgenapparate und all die Dinge gibt, die benötigt werden können (Beifall). Wir haben ihr diesen Namen gegeben, ich weiß nicht, ob ihr irgendwann mal in die Poliklinik gehen müßt; und sie hat ausgesuchte Ärzte, um den jungen Leuten zu helfen, die manchmal viele Probleme haben und niemand weiß davon.
Der Lehrkörper ist ausgezeichnet; eine Direktorin und eine Vizedirektorin, die im Leben erprobt sind (Beifall), mit großem Ansehen und großer Erfahrung.
Ich wünschte, daß María Teresa, die Direktorin der schon berühmten Schule in Melena war und jetzt die Verantwortung bezüglich der Ausbildung der 3 500 Studenten hat, die mit dem Unterricht beginnen, sich eines Tages hinsetzt, um die Methode zu Papier zu bringen, mittels derer sie es geschafft hat, daß sich kein einziger der beiden ersten Gruppen mit 501 Studenten von der Schule abhaute, und das in diesem Alter.
Wenn noch etwas zu sagen ist, dann ist es die Aufforderung an die Eltern, immer stärker mit diesen Schulen zusammenzuarbeiten, in denen ihre Kinder sind, die eine brillante Zukunft erwartet, mit einer würdigen Arbeit und Kenntnissen, welche die anderen Fachschulabsolventen auf der Welt nicht haben werden.
Eines der Geheimnisse des Erfolgs lag in der Zusammenarbeit der Eltern, und man hat absolut nichts in irgendeinem Sinne ohne die Zusammenarbeit der Eltern unternommen, und wir kennen den entscheidenden Einfluß, den dies hat.
Das Objektivste, was ich euch sagen könnte, ist daß wir, die wir andere Epochen kennengelernt haben, Neid auf euch empfinden können. Ich gäbe zehn Leben, um einer derer zu sein, die dort sitzen (Beifall).
Vaterland oder Tod!
Wir werden siegen!
(Ovation)
Hier finden Sie chronologisch sortiert Reden und Schriften des kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro Ruz
Dienstag, 11. September 2001
Samstag, 1. September 2001
Fidel Castro bei Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit verbundene Formen von Intoleranz
Rede von Fidel Castro Ruz, Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Vorsitzender des Staatsrates und des Ministerrates der Republik Kuba, auf der Plenarsitzung der Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit verbundene Formen von Intoleranz, in Durban, Südafrika, am 1. September 2001
Exzellenzen,
Delegierte und Gäste:
Der Rassismus, die Rassendiskriminierung und die Fremdenfeindlichkeit sind ein soziales, kulturelles und politisches Phänomen und kein natürlicher Instinkt des Menschen. Sie sind in der Geschichte der menschlichen Gesellschaften unmittelbare Kinder von Kriegen, militärischen Eroberungen, individueller und kollektiver Versklavung und Ausbeutung der Schwächeren durch die Stärkeren.
Niemand hat das Recht auf ein Sabotieren dieses Forums, das das schreckliche Leid und das enorme Unrecht zu lindern versucht, das diese Tatsachen für die immense Mehrheit der Menschheit brachten und noch bringen. Viel weniger noch hat jemand ein Recht, Bedingungen zu stellen und zu fordern, daß über historische Verantwortung und gerechte Entschädigung nicht einmal geredet wird oder darüber, wie wir den entsetzlichen Völkermord zu beurteilen uns entscheiden, der derzeitig gegen das palästinensische Brudervolk (Beifall) durch die führenden Kräfte der Ultrarechten begangen wird, die im Bündnis mit der hegemonischen Supermacht heute im Namen eines anderen Volkes handeln, das fast 2000 Jahre lang Opfer der stärksten Verfolgungen, Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten gewesen ist, die es in der Geschichte je gegeben hat.
Wenn Kuba von Entschädigung redet und diese Idee als unausweichliche moralische Pflicht gegenüber den Opfern des Rassismus unterstützt und dabei einen Präzedenzfall besitzt in den Entschädigungen für die Nachkommen des hebräischen Volkes, das mitten in Europa einen verabscheuungswürdigen und brutalen Rassenholocaust erleiden mußte, dann beabsichtigen wir nicht die unmögliche Suche nach den unmittelbaren Angehörigen oder den konkreten Herkunftsländern der Opfer von Ereignissen, die jahrhundertelang stattfanden. Tatsache und unwiderlegbar ist, daß Abermillionen Afrikaner eingefangen, wie eine Ware verkauft und auf die andere Seite des Atlantiks transportiert wurden, um dort als Sklaven zu arbeiten und daß als Folgeerscheinung der europäischen Conquista und Kolonisation auf der westlichen Hemisphäre 70 Millionen Ureinwohner zugrundegingen. (Beifall)
Die unmenschliche Ausbeutung, der die Völker dreier Kontinente - einschließlich Asiens - ausgesetzt waren, hatte Auswirkungen auf das Schicksal und das gegenwärtige Leben von mehr als 4,5 Milliarden Menschen der Völker der Dritten Welt, deren Indikatoren bezüglich Armut, Arbeitslosigkeit, Analphabetentum, Krankheiten, Kindersterblichkeit, Lebenserwartung und andere Mißstánde, deren Aufzählung im Rahmen dieser wenigen Worte nicht möglich ist, in Erstaunen und Schrecken versetzen. Diese sind die gegenwärtigen Opfer jener Jahrhunderte währenden Barbarei und die unverwechselbaren Anspruchsberechtigten auf Entschädigung für die an Vorfahren Vätern und Völkern begangenen horrenden Verbrechen. (Beifall)
Als viele der Länder unabhängig wurden, ja nicht einmal nach der formalen Abschaffung der Sklaverei war Schluß mit der brutalen Ausbeutung. Die Haupttheoretiker der nordamerikanischen Union - gegründet von den 13 Kolonien, die sich Ende des 18. Jahrhunderts von der englischen Herrschaft befreiten - verkündeten von den ersten Jahren der Unabhängigkeit an unfragwürdig expansionistische Auffassungen und Strategien. Auf Grund jener Ideen entrissen die ehemaligen weißen Siedler europäischer Herkunft bei ihrem Vordringen nach Westen den Indianern ihr Land, das diese seit Tausenden von Jahren besetzten, und rotteten Millionen der Ureinwohner aus. Sie machten auch an den Grenzen ehemaligen spanischen Besitzes nicht Halt. Mexiko, ein lateinamerikanisches Land, das 1821 seine Unabhängigkeit errang, wurde ebenfalls eines Gebietes von Millionen Quadratkilometern sowie natürlicher Ressourcen von unschätzbarem Wert beraubt. In der in Nordamerika entstandenen erstarkenden und expandierenden Nation wurde das unmenschliche System der Sklaverei noch fast ein Jahrhundert nach der berühmten Unabhängigkeitserklärung von 1776 beibehalten, in der es hieß, daß alle Menschen frei und gleich geboren werden.
Nach der rein formalen Abschaffung der Sklaverei waren die Afroamerikaner weitere hundert Jahre grausamster Rassendiskriminierung ausgesetzt. Viele ihrer Züge und Folgeerscheinungen haben zusätzliche vier Jahrzehnte überdauert und sind heute noch präsent, nach ihren heldenhaften Kämpfen und den in den sechziger Jahren erzielten Fortschritten, die Martin Luther King, Malcolm X und anderen hervorragenden Kämpfern das Leben kosteten. (Beifall) Die Afroamerikaner erhalten aus rein rassistischen Gründen die schlimmsten und längsten Strafen, und innerhalb der begüterten US-amerikanischen Gesellschaft sind sie es, deren Lebensbedingungen die ärmsten und elendsten sind. (Beifall) Gleichermaßen schrecklich, ja schlimmer noch, sind die Verachtung und Diskriminierung gegenüber der noch existierenden Eingeborenenbevölkerung, die einst einen großen Teil des heutigen Territoriums der Vereinigten Staaten besetzten.
Sozialökonomische Angaben zu Afrika erübrigen sich. Ganze Länder, ja sogar komplette Regionen Schwarzafrikas laufen Gefahr zu verschwinden aufgrund des Zusammenwirkens komplexer Faktoren wie wirtschaftliche Zurückgebliebenheit, extreme Armut und schwere - alte und neue - Krankheiten, die sie geißeln. Nicht weniger tragisch ist die Situation in zahlreichen asiatischen Ländern. Dazu kommen unglaubliche und unbezahlbare Schuldenbeträge, der unausgewogene Handel, die spottbilligen Kaufpreise für ihre Grunderzeugnisse, die Bevölkerungsexplosion, die neoliberale Globalisierung und die Klimaveränderungen mit anhaltenden Dürren im Wechsel mit Niederschlägen und von Mal zu Mal stärkeren Überschwemmungen als Folgeerscheinungen. Das Unhaltbare dieser Situation kann mathematisch genau nachgewiesen werden. (Beifall)
Die Industrieländer und ihre Konsumgesellschaften, die gegenwärtig die beschleunigte und fast unaufhaltsame Zerstörung der Umwelt zu vertreten haben, sind die größten Nutznießer der Conquista und Kolonisation gewesen; der Versklavung, der erbarmungslosen Ausbeutung und der Ausrottung Hunderter Millionen Söhne der Völker der heutigen Dritten Welt; der Wirtschaftsordnung, die der Menschheit nach zwei monströsen um die Aufteilung der Welt und ihrer Märkte geführten Vernichtungskriege aufgezwungen wurde; der den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten in Bretton Woods zugestandenen Privilegien; des IWF und der internationalen Finanzinstitute, die ausschließlich von ihnen und für sie geschaffen wurden. (Beifall)
Jene reiche und verschwenderische Welt besitzt die technischen und finanziellen Mittel zur Begleichung ihrer Schulden der Menschheit gegenüber. Die hegemonische Supermacht hat außerdem die ganz spezielle Schuld abzutragen, die sie den Afroamerikanern, den in Reservaten eingeschlossenen Indios und den Abermillionen lateinamerikanischer, karibischer und Immigranten anderer Länder gegenüber hat - ob Indios, Gelbe, Schwarze oder Mestizen -, die Opfer von Diskriminierung und Verachtung sind.
Es ist ebenfalls an der Zeit, mit der dramatischen Situation der indigenen Gemeinden im übrigen Gebiet unserer Hemisphäre Schluß zu machen. Ihr Erwachen, ihr eigener Kampf und die allgemeine Anerkennung des gegen sie begangenen monströsen Verbrechens lassen dies unaufschiebbar werden.
Die zur Rettung der Welt vor der Tragödie erforderlichen Mittel sind vorhanden.
Man mache in der Tat Schluß mit dem Wettrüsten und dem Waffenhandel, die nur Elend und Tod hervorbringen. (Beifall)
Man verwende auf die Entwicklung einen guten Teil der Billion Dollar, die jährlich für Werbung ausgegeben werden, die neben dem die nationalen Identitäten und Kulturen zerstörenden Gift doch nur Illusionen und Konsumgewohnheiten aufkommen läßt, die unmöglich umsetzbar sind.
Man erfülle die versprochene Bereitstellung der bescheidenen 0,7 % des Bruttosozialprodukts als Entwicklungshilfe.
Man erhebe in vernünftiger und effektiver Form die von Nobelpreisträger James Tobin empfohlene Steuer auf Spekulationsgeschäfte (Beifall), die gegenwärtig alle 24 Stunden Billionen Dollar erreichen. So könnten die Vereinten Nationen, die nicht weiterhin auf erbärmliche, ungenügende und verspätete Spenden und Almosen angewiesen sein dürfen, jährlich über eine Billion Dollar zur Rettung und Entwicklung der Welt verfügen.
Man höre gut hin! Eine Billion Dollar pro Jahr. Wir sind weltweit nicht wenige, die wir bereits des Addierens, des Subtrahierens, des Multiplizierens und des Dividierens mächtig sind. Ich übertreibe nicht. Aufgrund der Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit der gegenwärtigen Probleme, die sogar den Fortbestand unserer Gattung auf unserem Planeten bedrohen, ist es eben gerade das, was nötig wäre, bevor es zu spät ist.
Man setze dem Völkermord am palästinensischen Volk ein Ende (Beifall), der vor den verblüfften Augen der Welt begangen wird. Man schütze das elementare Recht auf Leben der Bürger dieses Volkes, seiner Jugendlichen und seiner Kinder. Man achte sein Recht auf Unabhängigkeit und Frieden, dann wird von den Dokumenten der Vereinten Nationen nichts zu befürchten sein.
Ich weiß recht gut, daß viele afrikanische und Freunde anderer Nationen auf der Suche nach einer Linderung der schrecklichen Situation ihrer Länder eine entsprechend kluge Vorsicht anraten, um auf dieser Konferenz etwas zu erzielen. Ich kann sie verstehen, doch kann ich keinen Verzicht leisten auf meine Überzeugung, wonach mehr Möglichkeiten gegeben sind, daß man uns anhört und uns respektiert, je offener die Wahrheiten angesprochen werden. (Beifall) Jahrhunderte von Betrug sind mehr als genug.
Mir bleiben nur noch drei kurze Fragen, ausgehend von einer Wahrheit, die niemandem unbekannt sein darf.
Die industrialisierten und reichen kapitalistischen Länder sind heute Bestandteil des imperialistischen Systems und der Wirtschaftsordnung, die der Welt aufgezwungen wurde. Beide basieren auf der Philosophie des Egoismus, der brutalen Konkurrenz zwischen den Menschen, den Nationen und den Blöcken. Dieser Philosophie ist jegliches Gefühl der Solidarität und ehrlicher internationaler Zusammenarbeit völlig fremd. Man lebt in einem Klima der Täuschung, Verantwortungslosigkeit und
Verblendung der Konsumgesellschaften. So ehrlich auch der blinde Glaube an ein solches System und die Überzeugungen seiner seriösesten Staatsoberhäupter sein mögen, werden sie wohl in der Lage sein, das Ausmaß der Probleme der heutigen Welt einzuschätzen, die in ihrer inkohärenten und ungleichen Entwicklung beherrscht wird durch blinde Gesetze, die ungeheure Macht und Interessen der Multis, die immer größer, immer weniger beeinflußbar und immer unabhängiger werden? (Beifall). Werden sie das Chaos und die universale Rebellion verstehen können, die im Anzug sind? Werden sie, wenngleich sie wollten, dem Rassismus, der Rassendiskriminierung, der Fremdenfeindlichkeit und anderen damit verbundenen Formen, die nun eben alle anderen sind, ein Ende setzen können?
Nach meinem Dafürhalten stecken wir in einer schweren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Krise globalen Charakters. Wir müssen uns dieser Realitäten bewußt werden. Es wird Alternativen geben. Die Geschichte hat bewiesen, daß die großen Lösungen nur aus schweren Krisen hervorgegangen sind. Das Recht der Völker auf Leben und Gerechtigkeit wird sich unweigerlich auf unterschiedlichste Weise durchsetzen.
Ich glaube an die Mobilisierung und den Kampf der Völker! (Beifall) Ich glaube an die gerechten Ideen! Ich glaube an die Wahrheit! Ich glaube an den Menschen!
Vielen Dank
(Ovationen)
Exzellenzen,
Delegierte und Gäste:
Der Rassismus, die Rassendiskriminierung und die Fremdenfeindlichkeit sind ein soziales, kulturelles und politisches Phänomen und kein natürlicher Instinkt des Menschen. Sie sind in der Geschichte der menschlichen Gesellschaften unmittelbare Kinder von Kriegen, militärischen Eroberungen, individueller und kollektiver Versklavung und Ausbeutung der Schwächeren durch die Stärkeren.
Niemand hat das Recht auf ein Sabotieren dieses Forums, das das schreckliche Leid und das enorme Unrecht zu lindern versucht, das diese Tatsachen für die immense Mehrheit der Menschheit brachten und noch bringen. Viel weniger noch hat jemand ein Recht, Bedingungen zu stellen und zu fordern, daß über historische Verantwortung und gerechte Entschädigung nicht einmal geredet wird oder darüber, wie wir den entsetzlichen Völkermord zu beurteilen uns entscheiden, der derzeitig gegen das palästinensische Brudervolk (Beifall) durch die führenden Kräfte der Ultrarechten begangen wird, die im Bündnis mit der hegemonischen Supermacht heute im Namen eines anderen Volkes handeln, das fast 2000 Jahre lang Opfer der stärksten Verfolgungen, Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten gewesen ist, die es in der Geschichte je gegeben hat.
Wenn Kuba von Entschädigung redet und diese Idee als unausweichliche moralische Pflicht gegenüber den Opfern des Rassismus unterstützt und dabei einen Präzedenzfall besitzt in den Entschädigungen für die Nachkommen des hebräischen Volkes, das mitten in Europa einen verabscheuungswürdigen und brutalen Rassenholocaust erleiden mußte, dann beabsichtigen wir nicht die unmögliche Suche nach den unmittelbaren Angehörigen oder den konkreten Herkunftsländern der Opfer von Ereignissen, die jahrhundertelang stattfanden. Tatsache und unwiderlegbar ist, daß Abermillionen Afrikaner eingefangen, wie eine Ware verkauft und auf die andere Seite des Atlantiks transportiert wurden, um dort als Sklaven zu arbeiten und daß als Folgeerscheinung der europäischen Conquista und Kolonisation auf der westlichen Hemisphäre 70 Millionen Ureinwohner zugrundegingen. (Beifall)
Die unmenschliche Ausbeutung, der die Völker dreier Kontinente - einschließlich Asiens - ausgesetzt waren, hatte Auswirkungen auf das Schicksal und das gegenwärtige Leben von mehr als 4,5 Milliarden Menschen der Völker der Dritten Welt, deren Indikatoren bezüglich Armut, Arbeitslosigkeit, Analphabetentum, Krankheiten, Kindersterblichkeit, Lebenserwartung und andere Mißstánde, deren Aufzählung im Rahmen dieser wenigen Worte nicht möglich ist, in Erstaunen und Schrecken versetzen. Diese sind die gegenwärtigen Opfer jener Jahrhunderte währenden Barbarei und die unverwechselbaren Anspruchsberechtigten auf Entschädigung für die an Vorfahren Vätern und Völkern begangenen horrenden Verbrechen. (Beifall)
Als viele der Länder unabhängig wurden, ja nicht einmal nach der formalen Abschaffung der Sklaverei war Schluß mit der brutalen Ausbeutung. Die Haupttheoretiker der nordamerikanischen Union - gegründet von den 13 Kolonien, die sich Ende des 18. Jahrhunderts von der englischen Herrschaft befreiten - verkündeten von den ersten Jahren der Unabhängigkeit an unfragwürdig expansionistische Auffassungen und Strategien. Auf Grund jener Ideen entrissen die ehemaligen weißen Siedler europäischer Herkunft bei ihrem Vordringen nach Westen den Indianern ihr Land, das diese seit Tausenden von Jahren besetzten, und rotteten Millionen der Ureinwohner aus. Sie machten auch an den Grenzen ehemaligen spanischen Besitzes nicht Halt. Mexiko, ein lateinamerikanisches Land, das 1821 seine Unabhängigkeit errang, wurde ebenfalls eines Gebietes von Millionen Quadratkilometern sowie natürlicher Ressourcen von unschätzbarem Wert beraubt. In der in Nordamerika entstandenen erstarkenden und expandierenden Nation wurde das unmenschliche System der Sklaverei noch fast ein Jahrhundert nach der berühmten Unabhängigkeitserklärung von 1776 beibehalten, in der es hieß, daß alle Menschen frei und gleich geboren werden.
Nach der rein formalen Abschaffung der Sklaverei waren die Afroamerikaner weitere hundert Jahre grausamster Rassendiskriminierung ausgesetzt. Viele ihrer Züge und Folgeerscheinungen haben zusätzliche vier Jahrzehnte überdauert und sind heute noch präsent, nach ihren heldenhaften Kämpfen und den in den sechziger Jahren erzielten Fortschritten, die Martin Luther King, Malcolm X und anderen hervorragenden Kämpfern das Leben kosteten. (Beifall) Die Afroamerikaner erhalten aus rein rassistischen Gründen die schlimmsten und längsten Strafen, und innerhalb der begüterten US-amerikanischen Gesellschaft sind sie es, deren Lebensbedingungen die ärmsten und elendsten sind. (Beifall) Gleichermaßen schrecklich, ja schlimmer noch, sind die Verachtung und Diskriminierung gegenüber der noch existierenden Eingeborenenbevölkerung, die einst einen großen Teil des heutigen Territoriums der Vereinigten Staaten besetzten.
Sozialökonomische Angaben zu Afrika erübrigen sich. Ganze Länder, ja sogar komplette Regionen Schwarzafrikas laufen Gefahr zu verschwinden aufgrund des Zusammenwirkens komplexer Faktoren wie wirtschaftliche Zurückgebliebenheit, extreme Armut und schwere - alte und neue - Krankheiten, die sie geißeln. Nicht weniger tragisch ist die Situation in zahlreichen asiatischen Ländern. Dazu kommen unglaubliche und unbezahlbare Schuldenbeträge, der unausgewogene Handel, die spottbilligen Kaufpreise für ihre Grunderzeugnisse, die Bevölkerungsexplosion, die neoliberale Globalisierung und die Klimaveränderungen mit anhaltenden Dürren im Wechsel mit Niederschlägen und von Mal zu Mal stärkeren Überschwemmungen als Folgeerscheinungen. Das Unhaltbare dieser Situation kann mathematisch genau nachgewiesen werden. (Beifall)
Die Industrieländer und ihre Konsumgesellschaften, die gegenwärtig die beschleunigte und fast unaufhaltsame Zerstörung der Umwelt zu vertreten haben, sind die größten Nutznießer der Conquista und Kolonisation gewesen; der Versklavung, der erbarmungslosen Ausbeutung und der Ausrottung Hunderter Millionen Söhne der Völker der heutigen Dritten Welt; der Wirtschaftsordnung, die der Menschheit nach zwei monströsen um die Aufteilung der Welt und ihrer Märkte geführten Vernichtungskriege aufgezwungen wurde; der den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten in Bretton Woods zugestandenen Privilegien; des IWF und der internationalen Finanzinstitute, die ausschließlich von ihnen und für sie geschaffen wurden. (Beifall)
Jene reiche und verschwenderische Welt besitzt die technischen und finanziellen Mittel zur Begleichung ihrer Schulden der Menschheit gegenüber. Die hegemonische Supermacht hat außerdem die ganz spezielle Schuld abzutragen, die sie den Afroamerikanern, den in Reservaten eingeschlossenen Indios und den Abermillionen lateinamerikanischer, karibischer und Immigranten anderer Länder gegenüber hat - ob Indios, Gelbe, Schwarze oder Mestizen -, die Opfer von Diskriminierung und Verachtung sind.
Es ist ebenfalls an der Zeit, mit der dramatischen Situation der indigenen Gemeinden im übrigen Gebiet unserer Hemisphäre Schluß zu machen. Ihr Erwachen, ihr eigener Kampf und die allgemeine Anerkennung des gegen sie begangenen monströsen Verbrechens lassen dies unaufschiebbar werden.
Die zur Rettung der Welt vor der Tragödie erforderlichen Mittel sind vorhanden.
Man mache in der Tat Schluß mit dem Wettrüsten und dem Waffenhandel, die nur Elend und Tod hervorbringen. (Beifall)
Man verwende auf die Entwicklung einen guten Teil der Billion Dollar, die jährlich für Werbung ausgegeben werden, die neben dem die nationalen Identitäten und Kulturen zerstörenden Gift doch nur Illusionen und Konsumgewohnheiten aufkommen läßt, die unmöglich umsetzbar sind.
Man erfülle die versprochene Bereitstellung der bescheidenen 0,7 % des Bruttosozialprodukts als Entwicklungshilfe.
Man erhebe in vernünftiger und effektiver Form die von Nobelpreisträger James Tobin empfohlene Steuer auf Spekulationsgeschäfte (Beifall), die gegenwärtig alle 24 Stunden Billionen Dollar erreichen. So könnten die Vereinten Nationen, die nicht weiterhin auf erbärmliche, ungenügende und verspätete Spenden und Almosen angewiesen sein dürfen, jährlich über eine Billion Dollar zur Rettung und Entwicklung der Welt verfügen.
Man höre gut hin! Eine Billion Dollar pro Jahr. Wir sind weltweit nicht wenige, die wir bereits des Addierens, des Subtrahierens, des Multiplizierens und des Dividierens mächtig sind. Ich übertreibe nicht. Aufgrund der Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit der gegenwärtigen Probleme, die sogar den Fortbestand unserer Gattung auf unserem Planeten bedrohen, ist es eben gerade das, was nötig wäre, bevor es zu spät ist.
Man setze dem Völkermord am palästinensischen Volk ein Ende (Beifall), der vor den verblüfften Augen der Welt begangen wird. Man schütze das elementare Recht auf Leben der Bürger dieses Volkes, seiner Jugendlichen und seiner Kinder. Man achte sein Recht auf Unabhängigkeit und Frieden, dann wird von den Dokumenten der Vereinten Nationen nichts zu befürchten sein.
Ich weiß recht gut, daß viele afrikanische und Freunde anderer Nationen auf der Suche nach einer Linderung der schrecklichen Situation ihrer Länder eine entsprechend kluge Vorsicht anraten, um auf dieser Konferenz etwas zu erzielen. Ich kann sie verstehen, doch kann ich keinen Verzicht leisten auf meine Überzeugung, wonach mehr Möglichkeiten gegeben sind, daß man uns anhört und uns respektiert, je offener die Wahrheiten angesprochen werden. (Beifall) Jahrhunderte von Betrug sind mehr als genug.
Mir bleiben nur noch drei kurze Fragen, ausgehend von einer Wahrheit, die niemandem unbekannt sein darf.
Die industrialisierten und reichen kapitalistischen Länder sind heute Bestandteil des imperialistischen Systems und der Wirtschaftsordnung, die der Welt aufgezwungen wurde. Beide basieren auf der Philosophie des Egoismus, der brutalen Konkurrenz zwischen den Menschen, den Nationen und den Blöcken. Dieser Philosophie ist jegliches Gefühl der Solidarität und ehrlicher internationaler Zusammenarbeit völlig fremd. Man lebt in einem Klima der Täuschung, Verantwortungslosigkeit und
Verblendung der Konsumgesellschaften. So ehrlich auch der blinde Glaube an ein solches System und die Überzeugungen seiner seriösesten Staatsoberhäupter sein mögen, werden sie wohl in der Lage sein, das Ausmaß der Probleme der heutigen Welt einzuschätzen, die in ihrer inkohärenten und ungleichen Entwicklung beherrscht wird durch blinde Gesetze, die ungeheure Macht und Interessen der Multis, die immer größer, immer weniger beeinflußbar und immer unabhängiger werden? (Beifall). Werden sie das Chaos und die universale Rebellion verstehen können, die im Anzug sind? Werden sie, wenngleich sie wollten, dem Rassismus, der Rassendiskriminierung, der Fremdenfeindlichkeit und anderen damit verbundenen Formen, die nun eben alle anderen sind, ein Ende setzen können?
Nach meinem Dafürhalten stecken wir in einer schweren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Krise globalen Charakters. Wir müssen uns dieser Realitäten bewußt werden. Es wird Alternativen geben. Die Geschichte hat bewiesen, daß die großen Lösungen nur aus schweren Krisen hervorgegangen sind. Das Recht der Völker auf Leben und Gerechtigkeit wird sich unweigerlich auf unterschiedlichste Weise durchsetzen.
Ich glaube an die Mobilisierung und den Kampf der Völker! (Beifall) Ich glaube an die gerechten Ideen! Ich glaube an die Wahrheit! Ich glaube an den Menschen!
Vielen Dank
(Ovationen)
Dienstag, 1. Mai 2001
Rede des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz zum Internationalen Tag der Arbeiter auf dem Platz der Revolution 1. Mai 2001
Werte Gäste!
Liebe Arbeiter!
Mitbürger!
Vor genau einem Jahr kamen wir hier zu einer historischen Kundgebung zusammen. An jenem Tag wurde aus der seit 41 Jahren zur Tradition gewordenen Maidemonstration die Offene Tribüne. Jener war ein unvergeßlicher Akt eines unvergeßlichen Kampfes.
Die Filmaufnahmen jenes denkwürdigen Tages sollten sorgfältig aufbewahrt werden, damit die kommenden Generationen erfahren, wie ihre Eltern den Sieg schmiedeten, und sie die Emotionen jenes Tages teilweise nachvollziehen können.
Als der Vater mit dem Sohn zurückkehrte, kam es zu keiner Waffenruhe. Der Kampf hatte damals kaum erst begonnen. Uns war bewußt geworden, daß die Ursache jener und anderer Tragödien unangefochten bleiben würde; und so wollten wir - wie wir in Baraguá geschworen hatten - nicht ruhen, bis sie nicht alle aus der Welt geschafft sein würden.
Nach dem heldenhaften Ertragen einer 42 Jahre andauernden völkermörderischen und grausamen Blockade traten wir in das neue Jahrtausend mit frischer Energie und vervielfachter Kraft.
Eine neue Ära des Kampfes hatte eingesetzt. Das nun noch viel mächtigere Imperium war zur einzigen Supermacht geworden; doch unser Volk, kaum daß es seinen Status einer Neokolonie hinter sich gelassen hatte, vollgestopft mit Lügen und McCarthyismus-Propaganda, mit niedrigem Bildungsstand und politisch fast Analphabet, hatte einen Riesensprung in der Geschichte getan: Es hatte mit dem Analphabetentum Schluß gemacht und Hunderttausende Berufskader mit Hochschulabschluß hervorgebracht, die eine weit höhere politische Bildung besaßen als der historische Feind; ein Volk, das seinen höchsten Grad an Verbundenheit erreicht hat, das über eine umfassende politische Erfahrung verfügt und eine kolossale moralische, patriotische und internationalistische Stärke sein eigen nennt; ein Volk, das die Invasion bei Girón, die Oktoberkrise, den schmutzigen Krieg, eine immer verschärftere Wirtschaftsblockade, die Auflösung der Sowjetunion und des sozialistischen Lagers, die Voraussagen der Unmöglichkeit des Überlebens und des sicheren Falles unerschütterlich ertragen hat.
Heute stehen wir einem Feind gegenüber, der auf allen Gebieten mächtig ist, nur nicht was Ethik und Ideen anbelangt; der weder Botschaften noch eine Lösung für die großen politischen und sozioökonomischen Probleme hat, die auf der Welt von heute lasten.
Nie hat es weltweit so viel Verwirrung, Unzufriedenheit und Unsicherheit gegeben. Am Rande einer tiefen politischen und Wirtschaftskrise stehend, kann der Imperialismus nicht über seinen eigenen Schatten springen. Er ist dazu verurteilt, die Welt immer mehr auszuplündern und Unzufriedenheit und Rebellion überall auf der Welt, einschließlich bei seinen Verbündeten, zu schüren.
Die autochthone Bevölkerung und die Völker Lateinamerikas und der Karibik waren fast zwei Jahrhunderte lang Opfer der Expansionspolitik der Vereinigten Staaten nach Westen und Süden des ursprünglichen Territoriums der 13 Kolonien, die 1776 ihre Unabhängigkeit von der englischen Herrschaft erklärten. Zuerst wurden bei der Ausdehnung nach Westen die Eingeborenen fast ausgerottet. Später dann kam es im Jahr 1835 zur Unabhängigkeit von Texas, wo sich zahlreiche nordamerikanische Siedler niedergelassen hatten. Im Jahr 1847 lösten sie den brutalen Krieg gegen Mexiko aus, in dessen Ergebnis sie sich 55 Prozent seines Territoriums im Februar 1848 bemächtigten. Auf diese Weise, die Indios ausrottend und sie von ihrem Grund und Boden vertreibend, wo sie X-Jahrhunderte gelebt hatten, von den früheren europäischen Mutterländern Territorien abkaufend, sie annektierend, wie es mit Texas geschah und sie erobernd wie jene, die sie Mexiko entrissen, waren die Vereinigten Staaten, gestärkt durch große Zuwanderungsströme aus Europa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bereits zu einer mächtigen und blühenden Nation geworden, während die Staaten, die nach den von Venezuela 1810 ausgelösten Kämpfen aus dem spanischen Kolonialreich von Patagonien bis an die Grenzen Kanadas hervorgegangen waren, zersplittert und isoliert blieben.
Am 20. Juni 1898 intervenieren die Vereinigten Staaten militärisch in Kuba, das nach heldenhaftem und langem Kampf seiner besten Söhne im Begriff war, seine Unabhängigkeit von dem erschöpften und ruinierten Spanien zu erzielen. Unser Land wird von den Vereinigten Staaten fast vier Jahre lang besetzt.
Im Jahr 1902 verlassen ihre Truppen die Insel, eine Neokolonie zurücklassend, deren Naturgüter, Grund und Boden sowie Leistungen in ihren Händen blieben, gewährleistet durch einen erzwungenen Verfassungszusatz, der ihnen das gesetzliche Recht der militärischen Intervention in Land verlieh. Die von Martí gegründete ruhmreiche Partei war aufgelöst worden. Das Befreiungsheer, das dreißig Jahre lang gekämpft hatte, wurde entwaffnet. Seinen Platz nahm eine Militäreinrichtung ein, von den Vereinigten Staaten nach dem Ebenbild ihrer eigenen Armee organisiert und ausgebildet. Von dem arbiträren Recht, unter jeglichem Vorwand zu intervenieren, wurde mehr als einmal Gebrauch gemacht.
Puerto Rico, die Zwillingsschwester Kubas wie "die beiden Flügel eines Vogels" im Freiheitsbestreben, wurde zur Kolonie der Vereinigten Staaten und besitzt diesen traurigen Status bis heute. In Haiti, der Dominikanischen Republik, Guatemala, Nicaragua und anderen Staaten Mittelamerikas erfolgten mehr als eine direkte oder indirekte militärische Intervention durch die Vereinigten Staaten. In Panama wurde der Isthmus besetzt mit dem Ziel der Fertigstellung und Gewährleistung des strategischen Kanals, den sie fast ein ganzes Jahrhundert lang verwalteten. Das Eindringen in die übrigen südamerikanischen Nationen fand mittels umfassender Investitionen, Staatsstreichs, Militärregierungen und einer wachsenden politischen, ideologischen und kulturellen Penetration statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen sie mit all diesen Staaten nach ihrem Gutdünken um.
Der erste große Halt wurde dem Expansionismus und der politischen und wirtschaftlichen Oberherrschaft in Lateinamerika durch die Revolution vom 1. Januar 1959 in Kuba geboten. Von da an begann eine neue Etappe in der Geschichte dieser Hemisphäre. Der Preis, den unsere Heimat bis heute dafür zahlen mußte, ist bekannt. Sie war dadurch sogar im Begriff, in einen Kernwaffenkrieg verwickelt zu werden.
Alles, was die Regierungen der Vereinigten Staaten bis zum jetzigen Zeitpunkt auf dieser Erdhälfte unternommen haben, war stark beeinflußt von der Besessenheit und Angst vor der bestürzenden Präsenz der Kubanischen Revolution, von den Tagen der Söldnerinvasion in Playa Girón und der Allianz für den Fortschritt bis hin zur Deklaration von Bush im Bunker von Quebec, bei der er José Martí zitiert und ihm eine Äußerung über die Freiheit fälschlicherweise zuschreibt. Hat sie der Sieg der Kubanischen Revolution verblüfft, so hat man mitunter den Eindruck, ihr mehr als vier Jahrzehnte andauerndes bewunderungswürdiges Durchhalten habe sie aus der Fassung gebracht.
Mit einer widerlichen Verworfenheit, die als ein Beispiel nie dagewesener Niederträchtigkeit in die Geschichte eingehen wird, schlossen sich mit Ausnahme von Mexiko die lateinamerikanischen Regierungen mehr oder weniger widerstandslos der Abschottung und Blockade Kubas an. Der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) wurde eine Wunde zugefügt, aus der sie sich nicht wieder erholen konnte. Keiner kann sich erklären, warum diese widerliche durch ihre Politik der Auslieferung und des Verrats für immer moralisch geschädigte Institution noch existiert, wo doch schon eine gigantische Annexion der lateinamerikanischen Länder an die Vereinigten Staaten ins Auge gefaßt wird.
Was die OAS damals als Instrument der Vereinigten Staaten tat, dazu will das Imperium heute die FTTA benutzen; doch nicht um Kuba zu isolieren, sondern um die Souveränität mit Füßen zu treten, die Integration zu verhindern, die Ressourcen zu verschlingen und das Geschick einer Gruppe Völker zu vereiteln, die zahlenmäßig über 500 Millionen Menschen - die englischsprachigen Völker ausgenommen - mit gemeinsamer Sprache, Kultur und Geschichte umfassen.
Wenn die OAS ihre Seele dem Teufel verschrieb, Kuba verriet und verkaufte und die lateinamerikanischen Länder als Preis dafür die mehrere Millionen Tonnen betragende kubanische Zuckerquote für den nordamerikanischen Markt und andere Gnadenbrote erhielt, was ist dann heute von einigen jeglicher politischer und ethischer Prinzipien entbehrenden bürgerlichen und oligarchischen Regierungen zu erwarten, die in Genf aus Opportunismus oder Feigheit den Vereinigten Staaten ihre Stimme gaben, um einer rechtsradikalen Regierung der Vereinigten Staaten Vorwände und Rechtfertigungen zur Aufrechterhaltung der völkermörderischen Blockade auf dem silbernen Tablett zu servieren, die sogar als Rechtfertigung einer Aggression auf das Volk Kubas dienen könnten?
Im Schlepptau dieser unheilbringenden annexionistischen Strömung ist es nicht verwunderlich, daß viele in der verzweifelten Situation eines riesigen nicht abtragbaren Schuldenberges und einer vollständigen wirtschaftlichen Abhängigkeit zu dem Selbstmord, den die FTAA bedeutet, getrieben werden.
Es gibt lateinamerikanische Politiker, bei denen ist es wie Nahrung für die Seele, wenn sie vom freien Handel sprechen hören, so als lebten sie noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts, als sie nur vom Export von Grundstoffen abhängig waren und um die Abschaffung der Zollschranken der Vereinigten Staaten bemüht waren. Sie sehen nicht, daß sich die Welt verändert hat, daß viele jener Erzeugnisse wie Faserstoffe, Kautschuk und andere Ausgangsstoffe von chemischen Produkten abgelöst wurden, oder ein Nahrungsmittel wie der Zuckerrohrzucker ersetzt wurde durch aus Mais gewonnener Fruktose, die süßer ist, weniger Kalorien hat und von vielen bevorzugt wird oder durch künstliche Geschmacksbeigaben wie Vanille, Erdbeer und viele andere, die den Geschmack tropischer und halbtropischer Früchte geben. Ihre Köpfe sind auf dem Stand der vor einem halben Jahrhundert existierenden Nachfrage stehengeblieben. Das neoliberale Gift und andere Vorspiegelungen falscher Tatsachen lassen sie unheilbar blind werden; sogar täuschen sie noch bedeutende Sektoren der Bevölkerung, die nicht das Wesen der Probleme erkennen, unter denen sie leiden und denen man nichts erklärt oder ihnen die Information vorenthält.
Es besteht kein Zweifel, daß zumindest die Regierungen zweier der bedeutendsten lateinamerikanischen Länder, die das Venezuela Bolivars und Brasilien sind, diese Realitäten verstehen und an der Spitze der Auflehnung dagegen stehen.
Für Kuba ist es vollkommen klar, daß das sogenannte Freihandelsabkommen der Amerikanischen Länder unter den von den Vereinigten Staaten aufgezwungenen Bedingungen, Fristen, der Strategie, den Zielen und Verfahrensweisen unweigerlich zur Annexion Lateinamerikas an die Vereinigten Staaten führt. Diese Art Assoziierung zwischen einer gigantischen Industrie-, Technologie- und Finanzmacht und Ländern mit einem hohen Grad an Armut, Unterentwicklung und finanzieller Abhängigkeit von Institutionen, die unter der Ägide der Vereinigten Staaten stehen, die im Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Interamerikanischen Bank für Entwicklung und anderen Einrichtungen überwachen, lenken und entscheiden, zwingt derartige Bedingungen der Ungleichheit auf, daß es nur ein vollständiges Aufsaugen der Wirtschaften der Länder Lateinamerikas und der Karibik durch die US-amerikanische Wirtschaft bedeuten kann.
Sämtliche Banken, Versicherungen, Telekommunikationen, Schiffahrts- und Fluglinien werden US-amerikanische sein. Der gesamte Handel wird in US-amerikanische Hand übergehen, von den großen Vermarktungsketten bis hin zu Pizzaverkäufen und McDonald's.
Die chemische Industrie, die Automobilindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau, die grundlegend sind, werden US-amerikanische Industrien sein.
Die großen Forschungszentren, die Biotechnologie, die Gentechnik und die großen Pharmaunternehmen werden den Multis der Vereinigten Staaten gehören. Die Patente und das Know how werden fast ausnahmslos US-amerikanische sein. Die besten lateinamerikanischen Wissenschaftler werden in US-amerikanischen Laboratorien arbeiten.
Die großen Hotelketten werden US-amerikanisch sein.
Die sogenannte Freizeitindustrie wird fast uneingeschränktes Monopol der Vereinigten Staaten sein. Als fast Alleinlieferant wird Hollywood Filme und Serien für die Filmtheater, Fernsehsender und Videokassetten Lateinamerikas produzieren. Unsere Länder, die insgesamt einen Verbrauch von etwa 80 Prozent erreicht haben, werden zusehen müssen, wie der Verbrauch dieser Produkte, die ihre nationalen Werte und Kulturen zerstören, noch mehr steigt. Und ach, wie wunderbar: Mit Sicherheit werden in Mittel- und Südamerika zwei oder drei Disneylands angelegt!
Die lateinamerikanischen Völker werden im wesentlichen Produzenten von Rohstoffen bleiben, Schöpfer von Primärgütern und Riesenprofit für das transnationale Großkapital.
Die US-amerikanische Landwirtschaft erhält Stützungen in Höhe von 80 Milliarden Dollar und wird sie auch in Zukunft auf die eine oder andere betrügerische Weise erhalten. Ihr Produktivität pro Mann und Hektar ist bei Einsatz der großen und hochmodernen Maschinen und einem hohen Grad an Düngemittelausbringung viel höher. Sie werden genmanipuliertes Getreide anbauen und viel höhere Erträge erzielen, ohne dabei in Betracht zu ziehen, daß es für den Menschen gesundheitsverträglich sein sollte.
Die Folge wird sein, daß in vielen lateinamerikanischen Ländern der Anbau von Mais, Weizen, Reis, Soja und anderen Getreidearten faktisch aufhören wird zu existieren, und es wird für sie keine Ernährungssicherheit mehr da sein.
Wenn eine lange Dürre oder anderes Unheil die landwirtschaftliche Produktion ganzer Regionen der Welt in Mitleidenschaft zieht, dann können sich große Länder wie China - mit reichlichen Devisenreserven - oder Indien - mit geringerem Devisenbestand, doch mit gewissen Geldmitteln - gezwungen sehen, Dutzende von Millionen Tonnen an Getreide zu kaufen. Wenn so etwas eintritt, können für viele lateinamerikanische Länder, wenn ihre Produktionen der FTAA geschluckt werden, die Preise auf einem für sie nicht erreichbaren Niveau liegen. Wie groß die Ernten auch sein mögen, die Vereinigten Staaten können nur einen kleinen Teil der Nahrungsgüter produzieren, die von einer wachsenden Weltbevölkerung benötigt werden, die gegenwärtig die 6,1 Milliarden übersteigt. Eine Abnahme der Nahrungsgüterproduktion in Lateinamerika würde sich nicht nur auf jene Länder, sondern auch auf die übrige Welt auswirken.
Lateinamerika wird weiterhin unter immer schlechteren und unerträglicheren Bedingungen seine traurige Rolle eines Lieferanten von Rohstoffen und immer niedriger bezahlten Arbeitskräften spielen. In den Vereinigten Staaten betragen die Löhne das 15- bis 20fache derer, die die großen Multis in den Fabriken zahlen, die sie in der Region einrichten und die außerdem aufgrund des Grades ihrer Automatisierung und der erzielten Produktivität immer weniger Personal beschäftigen. Daher ist der Gedanke, sie schafften Arbeitsplätze in großer Anzahl, illusorisch. Die Landwirtschaft, die normalerweise eine höhere Anzahl Arbeiter beschäftigt, wäre aus den genannten Gründen betroffen. Daher käme es zu einem beträchtlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. In Deutschland und anderen europäischen Ländern erreicht die Beschäftigungslosigkeit trotz ihrer enorm vielen Produktions- und Leistungszentren bis zu 10 Prozent.
Die lateinamerikanischen Nationen würden zu riesigen Freizonen, die nicht oder nur sehr gering besteuert werden.
Die Länder wurden dazu gebracht, untereinander um ausländische Investitionen zu konkurrieren, koste es was es wolle. Sie werden angeregt, Saisongemüse und tropische Früchte zu produzieren, womit sie mit weniger als einer Million Hektar gut bearbeiteten Bodens den gesamten US-amerikanischen Markt beliefern könnten.
Vielleicht werden sie eine größeres Aufkommen US-amerikanischer Touristen zu verzeichnen haben, die das riesige Gebiet Mittel- und Südamerikas bereisen, ihre Unterkunft in US-amerikanischen Hotels beziehen, mit US-amerikanischen Flug- oder Schiffahrtsgesellschaften reisen, in US-amerikanischen Restaurants essen, in US-amerikanischen Geschäften Waren einkaufen, die in US-amerikanischen Betrieben aus lateinamerikanischen Rohstoffen und mit lateinamerischem Erdöl hergestellt wurden. Exportieren werden sie Brenn- und Treibstoffe, Kupfer, Bauxit, Fleisch (sofern nicht die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist), Bananen und anderes Obst - bei Nichtvorhandensein protektionistischer Zollmaßnahmen - und eventuell einige Artikel des Kunsthandwerks.
Was steht unter dem Strich? Ihre Bedingung als Beschäftige von US-amerikanischen Unternehmen für Arbeiten, die im allgemeinen schlechter bezahlt werden und anstrengender sind oder als Dienstpersonal bei den US-amerikanischen Managern und Chefs, den hochqualifizierten Berufskadern oder in den noch verbliebenen Familien der lokalen Bourgeoisie. Nur Minderheiten privilegierter Bourgeois und Mittelschichten der Arbeiteraristokratie werden etwas verdienen können. Es wird große Massen beschäftigungsloser Arbeitskräfte geben, so wie es heute in Argentinien der Fall ist, dessen Arbeitslosenindex zwischen 15 und 20 Prozent liegt, und sie werden absolut keine Unterstützung erhalten. Hier zeigt sich das Ergebnis der neoliberalen Globalisierung, zu denen es trotz der Abermilliarden Dollar investierten ausländischen Kapitals, der Privatisierung und Veräußerung fast der Gesamtheit der Staatsbetriebe an ausländische Unternehmen und der durch die umfangreichen Anleihen entstandenen enormen Verschuldung kommt.
Die FTAA wird mehr Neoliberalismus, weniger Schutz der einheimischen Industrie und der nationalen Interessen, mehr Arbeitslosigkeit und soziale Probleme bedeuten.
Die Landeswährungen werden mit absoluter Sicherheit verschwinden. Keine der Währungen wird sich halten können. Der Dollar wird sie ablösen. Auch ohne FTAA existiert bereits eine starke Strömung in dieser Richtung, die, ausgehend von dem Entschluß Ecuadors, mehrere Länder umfaßt. Das Schatzamt der Vereinigten Staaten wird die Währungspolitik jedes dieser Länder bestimmen. Die FTAA, das nur das transnationale Großkapital begünstigt, beutet auch für die US-amerikanischen Arbeiter keinen Gewinn, von denen viele ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Das ist ein Grund für die erstarkenden Protestaktionen ihrer Vertreter in Quebec, so wie sie vordem mit Ungestüm in Seattle gegen die WTO protestiert hatten.
Wäre Kuba in seiner Währungspolitik nicht souverän gewesen, hätte es niemals im Zeitraum von 1994 bis 1999 den kubanischen Peso siebenmal aufwerten können, noch wäre es möglich gewesen, die Spezialperiode siegreich zu überstehen.
Zwei Faktoren waren dabei entscheidend: die Nichtzugehörigkeit zum Internationalen Währungsfonds und die eigene unabhängige Währungspolitik.
Zu dem Zeitpunkt, an dem eintritt, was zur FTAA gesagt wurde, wird man bereits nicht mehr von Unabhängigkeit reden können, und die Annexion wird zur Realität. Was ich bis hierher ausgeführt habe, ist um keinen Zollbreit übertrieben.
Das Schlimmste, Traurigste, Zynischste und Heuchlerischste besteht darin, daß man diesen Schritt ohne die Befragung des Volkes zu tun gedenkt. Das ist die Demokratieauffassung des Imperiums und seiner Lakaien.
Wenngleich ich der festen Überzeugung bin, daß die Länder Lteinamerikas und der Karibik vom dekadenten Imperium zwar verschlungen, doch nicht verdaut werden können - denn die Völker würden die Nationen unseres Kontinents aus ihrer eigenen Asche auferstehen lassen, um sich untereinander zu integrieren, so wie sie sich integrieren und zusammenschließen müssen im Streben nach einem besseren und ehrenvolleren Schicksals - so wäre es doch erheblich besser, wir Hunderte Millionen von Lateinamerikanern und Karibikinsulanern ersparten uns die äußerst harte Etappe eines folgenden Befreiungskampfes.
Vermeiden wir die Annexion! Fordern wir entschlossen und von jetzt an, daß keine Regierung im Rücken des Volkes eine Nation verkaufen darf! Gibt es eine Volksbefragung, wird es nicht zur Annexion kommen! Bringen wir ins Bewußtsein aller die Gefahr, die die FTAA bedeutet.
Geben wir der Würde und den Träumen Bolivars, der Würde und den Träumen von San Martín, O'Higgins, Sucre, Morazán, Hidalgo, Morelos, Juárez und Martí neues Leben.
Es gebe sich keiner Illusionen hin, die Völker werden untätig zuschauen und erlauben, wie Sklaven bei einer Versteigerung verkauft zu werden!
Heute werden wir den ersten Protest einlegen. In ein paar Minuten werden wir in lateinamerikanischem Protestmarsch mit Hunderttausenden Kubanern zur Interessenvertretung der Vereinigten Staaten aufbrechen. Unsere Losung wird sein: Annexion, nein! Volkbefragung, ja! Annexion, nein! Volksbefragung, ja! Annexion, nein! Volksbefragung, ja! Es soll recht laut erschallen und in Washington gehört werden.
Sagen wir heute in Anwesenheit von Hunderten von Führern und Vertretern der Arbeiter Lateinamerikas, der Karibikstaaten, der Vereinigten Staaten, Kanadas, Europas, Asiens und Afrikas: Unabhängigkeit der Länder Lateinamerikas und der Karibik oder Tod!
Stets bis zum Sieg!
Wir werden siegen!
Liebe Arbeiter!
Mitbürger!
Vor genau einem Jahr kamen wir hier zu einer historischen Kundgebung zusammen. An jenem Tag wurde aus der seit 41 Jahren zur Tradition gewordenen Maidemonstration die Offene Tribüne. Jener war ein unvergeßlicher Akt eines unvergeßlichen Kampfes.
Die Filmaufnahmen jenes denkwürdigen Tages sollten sorgfältig aufbewahrt werden, damit die kommenden Generationen erfahren, wie ihre Eltern den Sieg schmiedeten, und sie die Emotionen jenes Tages teilweise nachvollziehen können.
Als der Vater mit dem Sohn zurückkehrte, kam es zu keiner Waffenruhe. Der Kampf hatte damals kaum erst begonnen. Uns war bewußt geworden, daß die Ursache jener und anderer Tragödien unangefochten bleiben würde; und so wollten wir - wie wir in Baraguá geschworen hatten - nicht ruhen, bis sie nicht alle aus der Welt geschafft sein würden.
Nach dem heldenhaften Ertragen einer 42 Jahre andauernden völkermörderischen und grausamen Blockade traten wir in das neue Jahrtausend mit frischer Energie und vervielfachter Kraft.
Eine neue Ära des Kampfes hatte eingesetzt. Das nun noch viel mächtigere Imperium war zur einzigen Supermacht geworden; doch unser Volk, kaum daß es seinen Status einer Neokolonie hinter sich gelassen hatte, vollgestopft mit Lügen und McCarthyismus-Propaganda, mit niedrigem Bildungsstand und politisch fast Analphabet, hatte einen Riesensprung in der Geschichte getan: Es hatte mit dem Analphabetentum Schluß gemacht und Hunderttausende Berufskader mit Hochschulabschluß hervorgebracht, die eine weit höhere politische Bildung besaßen als der historische Feind; ein Volk, das seinen höchsten Grad an Verbundenheit erreicht hat, das über eine umfassende politische Erfahrung verfügt und eine kolossale moralische, patriotische und internationalistische Stärke sein eigen nennt; ein Volk, das die Invasion bei Girón, die Oktoberkrise, den schmutzigen Krieg, eine immer verschärftere Wirtschaftsblockade, die Auflösung der Sowjetunion und des sozialistischen Lagers, die Voraussagen der Unmöglichkeit des Überlebens und des sicheren Falles unerschütterlich ertragen hat.
Heute stehen wir einem Feind gegenüber, der auf allen Gebieten mächtig ist, nur nicht was Ethik und Ideen anbelangt; der weder Botschaften noch eine Lösung für die großen politischen und sozioökonomischen Probleme hat, die auf der Welt von heute lasten.
Nie hat es weltweit so viel Verwirrung, Unzufriedenheit und Unsicherheit gegeben. Am Rande einer tiefen politischen und Wirtschaftskrise stehend, kann der Imperialismus nicht über seinen eigenen Schatten springen. Er ist dazu verurteilt, die Welt immer mehr auszuplündern und Unzufriedenheit und Rebellion überall auf der Welt, einschließlich bei seinen Verbündeten, zu schüren.
Die autochthone Bevölkerung und die Völker Lateinamerikas und der Karibik waren fast zwei Jahrhunderte lang Opfer der Expansionspolitik der Vereinigten Staaten nach Westen und Süden des ursprünglichen Territoriums der 13 Kolonien, die 1776 ihre Unabhängigkeit von der englischen Herrschaft erklärten. Zuerst wurden bei der Ausdehnung nach Westen die Eingeborenen fast ausgerottet. Später dann kam es im Jahr 1835 zur Unabhängigkeit von Texas, wo sich zahlreiche nordamerikanische Siedler niedergelassen hatten. Im Jahr 1847 lösten sie den brutalen Krieg gegen Mexiko aus, in dessen Ergebnis sie sich 55 Prozent seines Territoriums im Februar 1848 bemächtigten. Auf diese Weise, die Indios ausrottend und sie von ihrem Grund und Boden vertreibend, wo sie X-Jahrhunderte gelebt hatten, von den früheren europäischen Mutterländern Territorien abkaufend, sie annektierend, wie es mit Texas geschah und sie erobernd wie jene, die sie Mexiko entrissen, waren die Vereinigten Staaten, gestärkt durch große Zuwanderungsströme aus Europa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bereits zu einer mächtigen und blühenden Nation geworden, während die Staaten, die nach den von Venezuela 1810 ausgelösten Kämpfen aus dem spanischen Kolonialreich von Patagonien bis an die Grenzen Kanadas hervorgegangen waren, zersplittert und isoliert blieben.
Am 20. Juni 1898 intervenieren die Vereinigten Staaten militärisch in Kuba, das nach heldenhaftem und langem Kampf seiner besten Söhne im Begriff war, seine Unabhängigkeit von dem erschöpften und ruinierten Spanien zu erzielen. Unser Land wird von den Vereinigten Staaten fast vier Jahre lang besetzt.
Im Jahr 1902 verlassen ihre Truppen die Insel, eine Neokolonie zurücklassend, deren Naturgüter, Grund und Boden sowie Leistungen in ihren Händen blieben, gewährleistet durch einen erzwungenen Verfassungszusatz, der ihnen das gesetzliche Recht der militärischen Intervention in Land verlieh. Die von Martí gegründete ruhmreiche Partei war aufgelöst worden. Das Befreiungsheer, das dreißig Jahre lang gekämpft hatte, wurde entwaffnet. Seinen Platz nahm eine Militäreinrichtung ein, von den Vereinigten Staaten nach dem Ebenbild ihrer eigenen Armee organisiert und ausgebildet. Von dem arbiträren Recht, unter jeglichem Vorwand zu intervenieren, wurde mehr als einmal Gebrauch gemacht.
Puerto Rico, die Zwillingsschwester Kubas wie "die beiden Flügel eines Vogels" im Freiheitsbestreben, wurde zur Kolonie der Vereinigten Staaten und besitzt diesen traurigen Status bis heute. In Haiti, der Dominikanischen Republik, Guatemala, Nicaragua und anderen Staaten Mittelamerikas erfolgten mehr als eine direkte oder indirekte militärische Intervention durch die Vereinigten Staaten. In Panama wurde der Isthmus besetzt mit dem Ziel der Fertigstellung und Gewährleistung des strategischen Kanals, den sie fast ein ganzes Jahrhundert lang verwalteten. Das Eindringen in die übrigen südamerikanischen Nationen fand mittels umfassender Investitionen, Staatsstreichs, Militärregierungen und einer wachsenden politischen, ideologischen und kulturellen Penetration statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen sie mit all diesen Staaten nach ihrem Gutdünken um.
Der erste große Halt wurde dem Expansionismus und der politischen und wirtschaftlichen Oberherrschaft in Lateinamerika durch die Revolution vom 1. Januar 1959 in Kuba geboten. Von da an begann eine neue Etappe in der Geschichte dieser Hemisphäre. Der Preis, den unsere Heimat bis heute dafür zahlen mußte, ist bekannt. Sie war dadurch sogar im Begriff, in einen Kernwaffenkrieg verwickelt zu werden.
Alles, was die Regierungen der Vereinigten Staaten bis zum jetzigen Zeitpunkt auf dieser Erdhälfte unternommen haben, war stark beeinflußt von der Besessenheit und Angst vor der bestürzenden Präsenz der Kubanischen Revolution, von den Tagen der Söldnerinvasion in Playa Girón und der Allianz für den Fortschritt bis hin zur Deklaration von Bush im Bunker von Quebec, bei der er José Martí zitiert und ihm eine Äußerung über die Freiheit fälschlicherweise zuschreibt. Hat sie der Sieg der Kubanischen Revolution verblüfft, so hat man mitunter den Eindruck, ihr mehr als vier Jahrzehnte andauerndes bewunderungswürdiges Durchhalten habe sie aus der Fassung gebracht.
Mit einer widerlichen Verworfenheit, die als ein Beispiel nie dagewesener Niederträchtigkeit in die Geschichte eingehen wird, schlossen sich mit Ausnahme von Mexiko die lateinamerikanischen Regierungen mehr oder weniger widerstandslos der Abschottung und Blockade Kubas an. Der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) wurde eine Wunde zugefügt, aus der sie sich nicht wieder erholen konnte. Keiner kann sich erklären, warum diese widerliche durch ihre Politik der Auslieferung und des Verrats für immer moralisch geschädigte Institution noch existiert, wo doch schon eine gigantische Annexion der lateinamerikanischen Länder an die Vereinigten Staaten ins Auge gefaßt wird.
Was die OAS damals als Instrument der Vereinigten Staaten tat, dazu will das Imperium heute die FTTA benutzen; doch nicht um Kuba zu isolieren, sondern um die Souveränität mit Füßen zu treten, die Integration zu verhindern, die Ressourcen zu verschlingen und das Geschick einer Gruppe Völker zu vereiteln, die zahlenmäßig über 500 Millionen Menschen - die englischsprachigen Völker ausgenommen - mit gemeinsamer Sprache, Kultur und Geschichte umfassen.
Wenn die OAS ihre Seele dem Teufel verschrieb, Kuba verriet und verkaufte und die lateinamerikanischen Länder als Preis dafür die mehrere Millionen Tonnen betragende kubanische Zuckerquote für den nordamerikanischen Markt und andere Gnadenbrote erhielt, was ist dann heute von einigen jeglicher politischer und ethischer Prinzipien entbehrenden bürgerlichen und oligarchischen Regierungen zu erwarten, die in Genf aus Opportunismus oder Feigheit den Vereinigten Staaten ihre Stimme gaben, um einer rechtsradikalen Regierung der Vereinigten Staaten Vorwände und Rechtfertigungen zur Aufrechterhaltung der völkermörderischen Blockade auf dem silbernen Tablett zu servieren, die sogar als Rechtfertigung einer Aggression auf das Volk Kubas dienen könnten?
Im Schlepptau dieser unheilbringenden annexionistischen Strömung ist es nicht verwunderlich, daß viele in der verzweifelten Situation eines riesigen nicht abtragbaren Schuldenberges und einer vollständigen wirtschaftlichen Abhängigkeit zu dem Selbstmord, den die FTAA bedeutet, getrieben werden.
Es gibt lateinamerikanische Politiker, bei denen ist es wie Nahrung für die Seele, wenn sie vom freien Handel sprechen hören, so als lebten sie noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts, als sie nur vom Export von Grundstoffen abhängig waren und um die Abschaffung der Zollschranken der Vereinigten Staaten bemüht waren. Sie sehen nicht, daß sich die Welt verändert hat, daß viele jener Erzeugnisse wie Faserstoffe, Kautschuk und andere Ausgangsstoffe von chemischen Produkten abgelöst wurden, oder ein Nahrungsmittel wie der Zuckerrohrzucker ersetzt wurde durch aus Mais gewonnener Fruktose, die süßer ist, weniger Kalorien hat und von vielen bevorzugt wird oder durch künstliche Geschmacksbeigaben wie Vanille, Erdbeer und viele andere, die den Geschmack tropischer und halbtropischer Früchte geben. Ihre Köpfe sind auf dem Stand der vor einem halben Jahrhundert existierenden Nachfrage stehengeblieben. Das neoliberale Gift und andere Vorspiegelungen falscher Tatsachen lassen sie unheilbar blind werden; sogar täuschen sie noch bedeutende Sektoren der Bevölkerung, die nicht das Wesen der Probleme erkennen, unter denen sie leiden und denen man nichts erklärt oder ihnen die Information vorenthält.
Es besteht kein Zweifel, daß zumindest die Regierungen zweier der bedeutendsten lateinamerikanischen Länder, die das Venezuela Bolivars und Brasilien sind, diese Realitäten verstehen und an der Spitze der Auflehnung dagegen stehen.
Für Kuba ist es vollkommen klar, daß das sogenannte Freihandelsabkommen der Amerikanischen Länder unter den von den Vereinigten Staaten aufgezwungenen Bedingungen, Fristen, der Strategie, den Zielen und Verfahrensweisen unweigerlich zur Annexion Lateinamerikas an die Vereinigten Staaten führt. Diese Art Assoziierung zwischen einer gigantischen Industrie-, Technologie- und Finanzmacht und Ländern mit einem hohen Grad an Armut, Unterentwicklung und finanzieller Abhängigkeit von Institutionen, die unter der Ägide der Vereinigten Staaten stehen, die im Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Interamerikanischen Bank für Entwicklung und anderen Einrichtungen überwachen, lenken und entscheiden, zwingt derartige Bedingungen der Ungleichheit auf, daß es nur ein vollständiges Aufsaugen der Wirtschaften der Länder Lateinamerikas und der Karibik durch die US-amerikanische Wirtschaft bedeuten kann.
Sämtliche Banken, Versicherungen, Telekommunikationen, Schiffahrts- und Fluglinien werden US-amerikanische sein. Der gesamte Handel wird in US-amerikanische Hand übergehen, von den großen Vermarktungsketten bis hin zu Pizzaverkäufen und McDonald's.
Die chemische Industrie, die Automobilindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau, die grundlegend sind, werden US-amerikanische Industrien sein.
Die großen Forschungszentren, die Biotechnologie, die Gentechnik und die großen Pharmaunternehmen werden den Multis der Vereinigten Staaten gehören. Die Patente und das Know how werden fast ausnahmslos US-amerikanische sein. Die besten lateinamerikanischen Wissenschaftler werden in US-amerikanischen Laboratorien arbeiten.
Die großen Hotelketten werden US-amerikanisch sein.
Die sogenannte Freizeitindustrie wird fast uneingeschränktes Monopol der Vereinigten Staaten sein. Als fast Alleinlieferant wird Hollywood Filme und Serien für die Filmtheater, Fernsehsender und Videokassetten Lateinamerikas produzieren. Unsere Länder, die insgesamt einen Verbrauch von etwa 80 Prozent erreicht haben, werden zusehen müssen, wie der Verbrauch dieser Produkte, die ihre nationalen Werte und Kulturen zerstören, noch mehr steigt. Und ach, wie wunderbar: Mit Sicherheit werden in Mittel- und Südamerika zwei oder drei Disneylands angelegt!
Die lateinamerikanischen Völker werden im wesentlichen Produzenten von Rohstoffen bleiben, Schöpfer von Primärgütern und Riesenprofit für das transnationale Großkapital.
Die US-amerikanische Landwirtschaft erhält Stützungen in Höhe von 80 Milliarden Dollar und wird sie auch in Zukunft auf die eine oder andere betrügerische Weise erhalten. Ihr Produktivität pro Mann und Hektar ist bei Einsatz der großen und hochmodernen Maschinen und einem hohen Grad an Düngemittelausbringung viel höher. Sie werden genmanipuliertes Getreide anbauen und viel höhere Erträge erzielen, ohne dabei in Betracht zu ziehen, daß es für den Menschen gesundheitsverträglich sein sollte.
Die Folge wird sein, daß in vielen lateinamerikanischen Ländern der Anbau von Mais, Weizen, Reis, Soja und anderen Getreidearten faktisch aufhören wird zu existieren, und es wird für sie keine Ernährungssicherheit mehr da sein.
Wenn eine lange Dürre oder anderes Unheil die landwirtschaftliche Produktion ganzer Regionen der Welt in Mitleidenschaft zieht, dann können sich große Länder wie China - mit reichlichen Devisenreserven - oder Indien - mit geringerem Devisenbestand, doch mit gewissen Geldmitteln - gezwungen sehen, Dutzende von Millionen Tonnen an Getreide zu kaufen. Wenn so etwas eintritt, können für viele lateinamerikanische Länder, wenn ihre Produktionen der FTAA geschluckt werden, die Preise auf einem für sie nicht erreichbaren Niveau liegen. Wie groß die Ernten auch sein mögen, die Vereinigten Staaten können nur einen kleinen Teil der Nahrungsgüter produzieren, die von einer wachsenden Weltbevölkerung benötigt werden, die gegenwärtig die 6,1 Milliarden übersteigt. Eine Abnahme der Nahrungsgüterproduktion in Lateinamerika würde sich nicht nur auf jene Länder, sondern auch auf die übrige Welt auswirken.
Lateinamerika wird weiterhin unter immer schlechteren und unerträglicheren Bedingungen seine traurige Rolle eines Lieferanten von Rohstoffen und immer niedriger bezahlten Arbeitskräften spielen. In den Vereinigten Staaten betragen die Löhne das 15- bis 20fache derer, die die großen Multis in den Fabriken zahlen, die sie in der Region einrichten und die außerdem aufgrund des Grades ihrer Automatisierung und der erzielten Produktivität immer weniger Personal beschäftigen. Daher ist der Gedanke, sie schafften Arbeitsplätze in großer Anzahl, illusorisch. Die Landwirtschaft, die normalerweise eine höhere Anzahl Arbeiter beschäftigt, wäre aus den genannten Gründen betroffen. Daher käme es zu einem beträchtlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. In Deutschland und anderen europäischen Ländern erreicht die Beschäftigungslosigkeit trotz ihrer enorm vielen Produktions- und Leistungszentren bis zu 10 Prozent.
Die lateinamerikanischen Nationen würden zu riesigen Freizonen, die nicht oder nur sehr gering besteuert werden.
Die Länder wurden dazu gebracht, untereinander um ausländische Investitionen zu konkurrieren, koste es was es wolle. Sie werden angeregt, Saisongemüse und tropische Früchte zu produzieren, womit sie mit weniger als einer Million Hektar gut bearbeiteten Bodens den gesamten US-amerikanischen Markt beliefern könnten.
Vielleicht werden sie eine größeres Aufkommen US-amerikanischer Touristen zu verzeichnen haben, die das riesige Gebiet Mittel- und Südamerikas bereisen, ihre Unterkunft in US-amerikanischen Hotels beziehen, mit US-amerikanischen Flug- oder Schiffahrtsgesellschaften reisen, in US-amerikanischen Restaurants essen, in US-amerikanischen Geschäften Waren einkaufen, die in US-amerikanischen Betrieben aus lateinamerikanischen Rohstoffen und mit lateinamerischem Erdöl hergestellt wurden. Exportieren werden sie Brenn- und Treibstoffe, Kupfer, Bauxit, Fleisch (sofern nicht die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist), Bananen und anderes Obst - bei Nichtvorhandensein protektionistischer Zollmaßnahmen - und eventuell einige Artikel des Kunsthandwerks.
Was steht unter dem Strich? Ihre Bedingung als Beschäftige von US-amerikanischen Unternehmen für Arbeiten, die im allgemeinen schlechter bezahlt werden und anstrengender sind oder als Dienstpersonal bei den US-amerikanischen Managern und Chefs, den hochqualifizierten Berufskadern oder in den noch verbliebenen Familien der lokalen Bourgeoisie. Nur Minderheiten privilegierter Bourgeois und Mittelschichten der Arbeiteraristokratie werden etwas verdienen können. Es wird große Massen beschäftigungsloser Arbeitskräfte geben, so wie es heute in Argentinien der Fall ist, dessen Arbeitslosenindex zwischen 15 und 20 Prozent liegt, und sie werden absolut keine Unterstützung erhalten. Hier zeigt sich das Ergebnis der neoliberalen Globalisierung, zu denen es trotz der Abermilliarden Dollar investierten ausländischen Kapitals, der Privatisierung und Veräußerung fast der Gesamtheit der Staatsbetriebe an ausländische Unternehmen und der durch die umfangreichen Anleihen entstandenen enormen Verschuldung kommt.
Die FTAA wird mehr Neoliberalismus, weniger Schutz der einheimischen Industrie und der nationalen Interessen, mehr Arbeitslosigkeit und soziale Probleme bedeuten.
Die Landeswährungen werden mit absoluter Sicherheit verschwinden. Keine der Währungen wird sich halten können. Der Dollar wird sie ablösen. Auch ohne FTAA existiert bereits eine starke Strömung in dieser Richtung, die, ausgehend von dem Entschluß Ecuadors, mehrere Länder umfaßt. Das Schatzamt der Vereinigten Staaten wird die Währungspolitik jedes dieser Länder bestimmen. Die FTAA, das nur das transnationale Großkapital begünstigt, beutet auch für die US-amerikanischen Arbeiter keinen Gewinn, von denen viele ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Das ist ein Grund für die erstarkenden Protestaktionen ihrer Vertreter in Quebec, so wie sie vordem mit Ungestüm in Seattle gegen die WTO protestiert hatten.
Wäre Kuba in seiner Währungspolitik nicht souverän gewesen, hätte es niemals im Zeitraum von 1994 bis 1999 den kubanischen Peso siebenmal aufwerten können, noch wäre es möglich gewesen, die Spezialperiode siegreich zu überstehen.
Zwei Faktoren waren dabei entscheidend: die Nichtzugehörigkeit zum Internationalen Währungsfonds und die eigene unabhängige Währungspolitik.
Zu dem Zeitpunkt, an dem eintritt, was zur FTAA gesagt wurde, wird man bereits nicht mehr von Unabhängigkeit reden können, und die Annexion wird zur Realität. Was ich bis hierher ausgeführt habe, ist um keinen Zollbreit übertrieben.
Das Schlimmste, Traurigste, Zynischste und Heuchlerischste besteht darin, daß man diesen Schritt ohne die Befragung des Volkes zu tun gedenkt. Das ist die Demokratieauffassung des Imperiums und seiner Lakaien.
Wenngleich ich der festen Überzeugung bin, daß die Länder Lteinamerikas und der Karibik vom dekadenten Imperium zwar verschlungen, doch nicht verdaut werden können - denn die Völker würden die Nationen unseres Kontinents aus ihrer eigenen Asche auferstehen lassen, um sich untereinander zu integrieren, so wie sie sich integrieren und zusammenschließen müssen im Streben nach einem besseren und ehrenvolleren Schicksals - so wäre es doch erheblich besser, wir Hunderte Millionen von Lateinamerikanern und Karibikinsulanern ersparten uns die äußerst harte Etappe eines folgenden Befreiungskampfes.
Vermeiden wir die Annexion! Fordern wir entschlossen und von jetzt an, daß keine Regierung im Rücken des Volkes eine Nation verkaufen darf! Gibt es eine Volksbefragung, wird es nicht zur Annexion kommen! Bringen wir ins Bewußtsein aller die Gefahr, die die FTAA bedeutet.
Geben wir der Würde und den Träumen Bolivars, der Würde und den Träumen von San Martín, O'Higgins, Sucre, Morazán, Hidalgo, Morelos, Juárez und Martí neues Leben.
Es gebe sich keiner Illusionen hin, die Völker werden untätig zuschauen und erlauben, wie Sklaven bei einer Versteigerung verkauft zu werden!
Heute werden wir den ersten Protest einlegen. In ein paar Minuten werden wir in lateinamerikanischem Protestmarsch mit Hunderttausenden Kubanern zur Interessenvertretung der Vereinigten Staaten aufbrechen. Unsere Losung wird sein: Annexion, nein! Volkbefragung, ja! Annexion, nein! Volksbefragung, ja! Annexion, nein! Volksbefragung, ja! Es soll recht laut erschallen und in Washington gehört werden.
Sagen wir heute in Anwesenheit von Hunderten von Führern und Vertretern der Arbeiter Lateinamerikas, der Karibikstaaten, der Vereinigten Staaten, Kanadas, Europas, Asiens und Afrikas: Unabhängigkeit der Länder Lateinamerikas und der Karibik oder Tod!
Stets bis zum Sieg!
Wir werden siegen!
Samstag, 28. April 2001
Deklaration des Comandante en Jefe: Ich glaube an die Extraterritorialität der Ehre und der Würde des Menschen
Die Nachrichtenagentur NOTIMEX meldet, Richter Garzón habe auf die Frage einer Journalistin des Listín Diario, ob er es wagen würde, Fidel Castro zu einer Haftstrafe zu verurteilen, geantwortet: Es darf nicht gegen im Amt stehende Staatsoberhäupter wegen eines Delikts, ganz gleich welcher Art, vorgegangen werden und es finden die gleichen Normen der Vereinbarungen von 1969 sowie der Nichthaftbarkeit der Staatschefs Anwendung. Nur ein internationaler Gerichtshof darf dies tun. Der genannten Meldung zufolge äußerte Garzón, es sei ihm unbekannt, ob Castro die Verhaftung Pinochets erschrocken habe, erinnerte jedoch daran, daß das kubanische Regierungsoberhaupt in Spanien ein Gespräch geführt hatte, bei dem er nicht die dafür vorgesehene Zeit blieb und es nach ein paar Stunden verließ.
Der Richter bejahte, einige gegen das kubanische Oberhaupt sprechende Dossiers erhalten, sie jedoch nicht eingehend geprüft zu haben, da es aufgrund der durch die internationalen Normen festgelegten Grenzen kein ausübbares Klagerecht gäbe. Andere Agenturen verbreiten mehr oder weniger die gleiche Meldung.
Garzón hat seine Antwort bereits gegeben und seine Meinung zum Ausdruck gebracht. Nun steht es mir zu, die meine zu äußern.
Hinsichtlich der dem Richter Garzón übersandten Unterlagen weiß ich recht wohl, daß die kubanisch-amerikanische Terroristenmafia hinter jenen Umtrieben stand und große Hoffnungen auf ihn gesetzt hatte.
Nie empfand ich auch nur die geringste Befürchtung im Hinblick auf den Herrn Garzón und empfinde sie auch jetzt nicht. Schlicht und einfach befinde ich mich nicht in seinem noch in dem Zuständigkeitsbereich der spanischen Gesetze.
Es gibt keine internationale Norm, die ihm Befugnisse der Rechtsprechung über einen Bürger eines anderen Landes zuerkennt, der in Spanien weder lebt noch irgendeine Übertretung begangen hat. Die spanischen Landesgesetze tragen keinen extraterritorialen Charakter, wie ihn auch das Helms-Burton-Gesetz und die Landesgesetze der Vereinigten Staaten nicht haben dürfen. Das diente lediglich als gefährliche Waffe in der Hand der mächtigsten Staaten gegen die kleinen Länder, die sich gegen deren Interessen auflehnen. Die Führer einer jeden revolutionären Bewegung - so ethisch ihr Verhalten und so gerecht ihre Sache auch sein mag -, dürften sonst, sollten sie dem Imperialismus nicht genehm sein, von diesem nach seinem Gutdünken nach seinen nationalen Gesetzen und der Willkür seiner oftmals bestechlichen und korrupten Richter gerichtet werden.
Das durch Pinochet und die widerwärtigen Verberchen der argentinischen Militärregierung mit ihren Zehntausenden Gefolterten und Vermißten hervorgebrachte allgemeine Gefühl des Hasses darf keine Rechtfertigung sein, um den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten die Extraterritorialität ihrer Gesetze und Richter zu gewähren.
Als ich bei dem spanischen König Juan Carlos in den frühen Vormittagsstunden an einem Tag des Iberoamerikanischen Gipfeltreffens in Porto zum Gespräch war, überbrachte mir jemand die Mitteilung, daß man Pinochet in Großbritannien verhaftet hatte. Dabei fiel mir ein: Wie seltsam, wo doch Pinochet derjenige war, der den Engländern im Krieg um die Falklandinseln die meiste Unterstützung geleistet hatte!
Nach Abschluß des Gipfels fuhr ich über Land, der freundschaftlichen Einladung des Herrn Juan Carlos Rodríguez Ibarra, Vorsitzender des Rates des Autonomen Gemeindeverbandes Extremadura Folge leistend, in dessen Hauptstadt Mérida, in der wir nach Mitternacht anlangten, er uns mit großer Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit empfing. Wir übernachteten dort.
Am folgenden Tag beantwortete ich nach dem Besuch des Nationalmuseums für Römische Kunst und - neben anderen historisch bedeutsamen Stätten - der Ruinen des Amphitheaters aus jener Zeit Fragen einiger Journalisten zum Thema der in Großbritannien erfolgten Festnahme und dem möglicherweise in Spanien zu führenden Prozeß gegen den Herren Pinochet und sagte ihnen:
"Moralisch gesehen sind Festnahme und Sanktion gerecht.
Vom Gesetz her ist das Vorgehen fragwürdig.
Politisch gesehen meine ich, daß es in Chile zu einer komplizierten Situation führen wird aufgrund der Art und Weise, wie sich in jenem Land der politische Prozeß entwickelt hat."
Ferner fügte ich hinzu:
"Pinochet hat nicht allein gehandelt. Der Präsident der Vereinigten Staaten, seine Regierung und die obere Staatsführung haben entschieden, Allende zu stürzen, und zwar von dem Tag seiner Wahl an. Sie haben bedeutende Mittel bereitsgestellt; sie haben angewiesen, erstens seine Amtsübernahme auf jegliche Weise zu verhindern und zweitens zu versuchen, ihn im Verlauf der gesamten darauffolgenden Zeit zu stürzen."
Ich war ganz enschieden dafür, über Pinochet in Chile zu richten und zu bestrafen.
Ich verstehe vollkommen das Empfinden derer, die so viele absolut straffrei verübten Verbrechen an den Völkern erlebt haben. Es war in der politischen Geschichte Lateinamerikas zur Tradition geworden. Das kubanische Volk hat sie mehr als einmal zu spüren bekommen. Doch nachdem die Revolution gesiegt hatte, wurden die Kriegsverbrecher, so wie es dem Volk versprochen worden war, vor Gericht gestellt und bestraft; ausgenommen jene, die nach Foltern und Morden Zehntausender Kubaner in den Vereinigten Staaten Zuflucht fanden. Das ungesetzlich erworbene Vermögen der Veruntreuer wurde beschlagnahmt. Es war das erste Mal in der Geschichte Lateinamerikas, daß eine derartig umfassende und geregelte Gerechtigkeit durchgesetzt wurde.
Alle Welt weiß, daß es die Regierung der Vereinigten Staaten war, die nicht nur den Staatsstreich in Chile förderte, sondern auch die Militärregierungen Argentiniens und Uruguays, die Konterrevolution in Guatemala, den schmutzigen Krieg in Nicaragua und die blutigen Repressionen in El Salvador förderte und unterstützte. Sie lieferte ihnen Waffen und leistete Wirtschaftshilfe; übernahm, auf dem Boden der Vereinigten Staaten selbst, die Ausbildung von Tausenden von Folterknechten in den für den Erhalt von Information und das Verbreiten von Terror raffiniertesten Techniken. Nicht einmal Hitlers Gestapo hatte solch extreme Greueltaten verübt. Jene Regimes ließen mehr als 150 000 Personen verschwinden und ließen Hunderttausende mit dem Leben bezahlen. Das ist bewiesen und gestanden in den amtlichen aus der Geheimhaltung freigegebenen Unterlagen. So fragt man sich mit Recht, warum keiner der für diese verbrecherische Politik verantwortlichen US-Beamten in den Pinochet-Prozeß aufgenommen wurde.
Es ist eine internationale Gesetzesordnung mit strikten und präzisen Normen gegen Völkermord und Kriegsverbrechen einzurichten sowie ein vollkommen unabhängiges Justizorgan unter Federführung der UN-Vollversammlung, niemals unter der des Sicherheitsrates, solange es das Vetorecht gibt, das einer Gruppe von nur fünf Ländern, darunter die hegemonistische Supermacht, die mehr als die anderen ständigen Mitglieder des Rates zusammengenommen davon Gebrauch gemacht hat, außergewöhnliche Vorrechte einräumt.
Kuba erleidet einen Wirtschaftskrieg, der bereits mehr als 42 Jahre andauert. Gegen Kuba sind schwere Verbrechen und Akte des Völkermords begangen worden, wie es die Blockade des Handels mit Nahrungsmitteln und Medikamenten ist, die als solch ein Verbrechen - auch in Kriegszeiten - in den von Kuba und den Vereinigten Staaten unterzeichneten Konventionen von 1948 und 1949 gelten, vorgesehen sind und verurteilt werden. Und nicht nur das. Diese Konventionen berechtigen die Gerichte des Opferlandes, über die Verantwortlichen zu richten, solange kein internationaler Gerichtshof mit Befugnissen dafür ausgestattet ist.
Der Fall Pinochet muß warnendes Beispiel sein, damit die unterentwickelten und militärisch schwachen Völker, die die übergroße Mehrheit der Länder der Welt bilden, nicht das selbstmörderische Risiko eingehen, der Supermacht und ihren NATO-Verbündeten das Privileg einzuräumen, über alle anderen Länder zu richten, sondern daß von den Vereinten Nationen entsprechende Maßnahmen gefordert werden, die Gerechtigkeit und Schutz für alle Völker der Welt gegen Kriegsverbrechen und Taten des Völkermords gewährleisten. Kuba wird in der Unterstützung dieser Forderung den ersten Platz einnehmen.
Wie gesagt, ich danke Richter Garzón für seine vernünftige Antwort an die Journalistin des Listín Diario; und das nicht für seine Worte, noch weil er unterließ, die von Mafia Miamis erstellten Unterlagen im Detail zu prüfen oder weil ich das Amt eines Staatschefs bekleide, was ihm zufolge die Möglichkeit einer Rechtshandlung ausschließt. Klarstellen muß ich jedoch, daß ich meine Abreise aus Spanien um keine Minute vorverlegt habe. Von Mérida fuhr ich per Auto zum Palast Moncloa zum Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der spanischen Regierung, José María Aznar, als elementare und im voraus mit ihm vereinbarte Aktivität. Es war dieses das einzige vereinbarte Madrider Gespräch. Vom Palast Moncloa fuhr ich zum Flughafen. Es war bereits Abend. Ehrlich gesagt war ich der vielen Autobahnen überdrüssig; der vielen Autoschlangen, der vielen Staus und der großen Verschwendung von Beleuchtung und Strom, von denen die Hauptstadt Spaniens überhäuft ist, so daß ich nicht den geringsten Wunsch verspürte, durch die verstopften Straßen von Madrid zu gehen. Vom Flughafen aus grüßte ich per Telefon den damaligen Koordinator der Vereinten Linken und treuen Freund Julio Anguita und startete nach Kuba in meiner lieben und alten IL-62, mich auf die sowjetische Technik verlassend.
Ich entschuldige Herrn Garzón dafür, daß er die Kubaner nicht kennt, und sicher hat er sich nur sehr wenig mit der Geschichte ihrer Kämpfe gegen Hunderttausende mutiger spanischer Soldaten befassen können. Ungeachtet des enormen Unterschiedes an Truppenstärke und Waffen sind die kubanischen Patrioten, einer kriegstüchtigen Armee gegenüber, niemals der Gefahr ausgewichen.
Obwohl nach der opportunistischen Intervention des im Entstehen befindlichen US-amerikanischen Imperiums Kuba von der Kolonialmacht an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde und uns dieses im Kommen befindliche Imperium einen Verfassungszusatz aufzwang, der ihm das Recht zu intervenieren gab, sind wir heute ein freies Volk, das ehrenhaft seine Unabhängigkeit gegen die Aggressionen, die Anfeindung und den Haß der nun schon gigantischen Macht, die wir zum Nachbarn haben, verteidigt.
Kein Sterblicher darf sich der Illusion hingeben, gefürchteter als die Götter zu sein.
Ich bin stets unbesorgt gewesen und werde es auch für den Rest meines Lebens sein, denn ich weiß die Rechte meines Volkes und die Ehre der kleinen, armen und schwachen Nationen mit Würde zu verteidigen, und stets war ich von einem tiefen Gerechtigkeitssinn beseelt. Ich bin Revolutionär und werde es bis zu meinem Tode bleiben. Sollte ein Richter oder eine Behörde Spaniens oder eines anderen NATO-Landes unter Gebrauch willkürlicher extraterritorialer Befugnisse und unter Verletzung von Rechten, die mir heilig sind, einmal versuchen, mich festzunehmen, so sollte man im voraus wissen, daß es zum Gefecht kommen wird, ganz gleich, an welchem Ort sie diesen Versuch starten. Ich glaube an die Extraterritorialität der Ehre und der Würde des Menschen.
Fidel Castro
28. April 2001
Der Richter bejahte, einige gegen das kubanische Oberhaupt sprechende Dossiers erhalten, sie jedoch nicht eingehend geprüft zu haben, da es aufgrund der durch die internationalen Normen festgelegten Grenzen kein ausübbares Klagerecht gäbe. Andere Agenturen verbreiten mehr oder weniger die gleiche Meldung.
Garzón hat seine Antwort bereits gegeben und seine Meinung zum Ausdruck gebracht. Nun steht es mir zu, die meine zu äußern.
Hinsichtlich der dem Richter Garzón übersandten Unterlagen weiß ich recht wohl, daß die kubanisch-amerikanische Terroristenmafia hinter jenen Umtrieben stand und große Hoffnungen auf ihn gesetzt hatte.
Nie empfand ich auch nur die geringste Befürchtung im Hinblick auf den Herrn Garzón und empfinde sie auch jetzt nicht. Schlicht und einfach befinde ich mich nicht in seinem noch in dem Zuständigkeitsbereich der spanischen Gesetze.
Es gibt keine internationale Norm, die ihm Befugnisse der Rechtsprechung über einen Bürger eines anderen Landes zuerkennt, der in Spanien weder lebt noch irgendeine Übertretung begangen hat. Die spanischen Landesgesetze tragen keinen extraterritorialen Charakter, wie ihn auch das Helms-Burton-Gesetz und die Landesgesetze der Vereinigten Staaten nicht haben dürfen. Das diente lediglich als gefährliche Waffe in der Hand der mächtigsten Staaten gegen die kleinen Länder, die sich gegen deren Interessen auflehnen. Die Führer einer jeden revolutionären Bewegung - so ethisch ihr Verhalten und so gerecht ihre Sache auch sein mag -, dürften sonst, sollten sie dem Imperialismus nicht genehm sein, von diesem nach seinem Gutdünken nach seinen nationalen Gesetzen und der Willkür seiner oftmals bestechlichen und korrupten Richter gerichtet werden.
Das durch Pinochet und die widerwärtigen Verberchen der argentinischen Militärregierung mit ihren Zehntausenden Gefolterten und Vermißten hervorgebrachte allgemeine Gefühl des Hasses darf keine Rechtfertigung sein, um den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten die Extraterritorialität ihrer Gesetze und Richter zu gewähren.
Als ich bei dem spanischen König Juan Carlos in den frühen Vormittagsstunden an einem Tag des Iberoamerikanischen Gipfeltreffens in Porto zum Gespräch war, überbrachte mir jemand die Mitteilung, daß man Pinochet in Großbritannien verhaftet hatte. Dabei fiel mir ein: Wie seltsam, wo doch Pinochet derjenige war, der den Engländern im Krieg um die Falklandinseln die meiste Unterstützung geleistet hatte!
Nach Abschluß des Gipfels fuhr ich über Land, der freundschaftlichen Einladung des Herrn Juan Carlos Rodríguez Ibarra, Vorsitzender des Rates des Autonomen Gemeindeverbandes Extremadura Folge leistend, in dessen Hauptstadt Mérida, in der wir nach Mitternacht anlangten, er uns mit großer Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit empfing. Wir übernachteten dort.
Am folgenden Tag beantwortete ich nach dem Besuch des Nationalmuseums für Römische Kunst und - neben anderen historisch bedeutsamen Stätten - der Ruinen des Amphitheaters aus jener Zeit Fragen einiger Journalisten zum Thema der in Großbritannien erfolgten Festnahme und dem möglicherweise in Spanien zu führenden Prozeß gegen den Herren Pinochet und sagte ihnen:
"Moralisch gesehen sind Festnahme und Sanktion gerecht.
Vom Gesetz her ist das Vorgehen fragwürdig.
Politisch gesehen meine ich, daß es in Chile zu einer komplizierten Situation führen wird aufgrund der Art und Weise, wie sich in jenem Land der politische Prozeß entwickelt hat."
Ferner fügte ich hinzu:
"Pinochet hat nicht allein gehandelt. Der Präsident der Vereinigten Staaten, seine Regierung und die obere Staatsführung haben entschieden, Allende zu stürzen, und zwar von dem Tag seiner Wahl an. Sie haben bedeutende Mittel bereitsgestellt; sie haben angewiesen, erstens seine Amtsübernahme auf jegliche Weise zu verhindern und zweitens zu versuchen, ihn im Verlauf der gesamten darauffolgenden Zeit zu stürzen."
Ich war ganz enschieden dafür, über Pinochet in Chile zu richten und zu bestrafen.
Ich verstehe vollkommen das Empfinden derer, die so viele absolut straffrei verübten Verbrechen an den Völkern erlebt haben. Es war in der politischen Geschichte Lateinamerikas zur Tradition geworden. Das kubanische Volk hat sie mehr als einmal zu spüren bekommen. Doch nachdem die Revolution gesiegt hatte, wurden die Kriegsverbrecher, so wie es dem Volk versprochen worden war, vor Gericht gestellt und bestraft; ausgenommen jene, die nach Foltern und Morden Zehntausender Kubaner in den Vereinigten Staaten Zuflucht fanden. Das ungesetzlich erworbene Vermögen der Veruntreuer wurde beschlagnahmt. Es war das erste Mal in der Geschichte Lateinamerikas, daß eine derartig umfassende und geregelte Gerechtigkeit durchgesetzt wurde.
Alle Welt weiß, daß es die Regierung der Vereinigten Staaten war, die nicht nur den Staatsstreich in Chile förderte, sondern auch die Militärregierungen Argentiniens und Uruguays, die Konterrevolution in Guatemala, den schmutzigen Krieg in Nicaragua und die blutigen Repressionen in El Salvador förderte und unterstützte. Sie lieferte ihnen Waffen und leistete Wirtschaftshilfe; übernahm, auf dem Boden der Vereinigten Staaten selbst, die Ausbildung von Tausenden von Folterknechten in den für den Erhalt von Information und das Verbreiten von Terror raffiniertesten Techniken. Nicht einmal Hitlers Gestapo hatte solch extreme Greueltaten verübt. Jene Regimes ließen mehr als 150 000 Personen verschwinden und ließen Hunderttausende mit dem Leben bezahlen. Das ist bewiesen und gestanden in den amtlichen aus der Geheimhaltung freigegebenen Unterlagen. So fragt man sich mit Recht, warum keiner der für diese verbrecherische Politik verantwortlichen US-Beamten in den Pinochet-Prozeß aufgenommen wurde.
Es ist eine internationale Gesetzesordnung mit strikten und präzisen Normen gegen Völkermord und Kriegsverbrechen einzurichten sowie ein vollkommen unabhängiges Justizorgan unter Federführung der UN-Vollversammlung, niemals unter der des Sicherheitsrates, solange es das Vetorecht gibt, das einer Gruppe von nur fünf Ländern, darunter die hegemonistische Supermacht, die mehr als die anderen ständigen Mitglieder des Rates zusammengenommen davon Gebrauch gemacht hat, außergewöhnliche Vorrechte einräumt.
Kuba erleidet einen Wirtschaftskrieg, der bereits mehr als 42 Jahre andauert. Gegen Kuba sind schwere Verbrechen und Akte des Völkermords begangen worden, wie es die Blockade des Handels mit Nahrungsmitteln und Medikamenten ist, die als solch ein Verbrechen - auch in Kriegszeiten - in den von Kuba und den Vereinigten Staaten unterzeichneten Konventionen von 1948 und 1949 gelten, vorgesehen sind und verurteilt werden. Und nicht nur das. Diese Konventionen berechtigen die Gerichte des Opferlandes, über die Verantwortlichen zu richten, solange kein internationaler Gerichtshof mit Befugnissen dafür ausgestattet ist.
Der Fall Pinochet muß warnendes Beispiel sein, damit die unterentwickelten und militärisch schwachen Völker, die die übergroße Mehrheit der Länder der Welt bilden, nicht das selbstmörderische Risiko eingehen, der Supermacht und ihren NATO-Verbündeten das Privileg einzuräumen, über alle anderen Länder zu richten, sondern daß von den Vereinten Nationen entsprechende Maßnahmen gefordert werden, die Gerechtigkeit und Schutz für alle Völker der Welt gegen Kriegsverbrechen und Taten des Völkermords gewährleisten. Kuba wird in der Unterstützung dieser Forderung den ersten Platz einnehmen.
Wie gesagt, ich danke Richter Garzón für seine vernünftige Antwort an die Journalistin des Listín Diario; und das nicht für seine Worte, noch weil er unterließ, die von Mafia Miamis erstellten Unterlagen im Detail zu prüfen oder weil ich das Amt eines Staatschefs bekleide, was ihm zufolge die Möglichkeit einer Rechtshandlung ausschließt. Klarstellen muß ich jedoch, daß ich meine Abreise aus Spanien um keine Minute vorverlegt habe. Von Mérida fuhr ich per Auto zum Palast Moncloa zum Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der spanischen Regierung, José María Aznar, als elementare und im voraus mit ihm vereinbarte Aktivität. Es war dieses das einzige vereinbarte Madrider Gespräch. Vom Palast Moncloa fuhr ich zum Flughafen. Es war bereits Abend. Ehrlich gesagt war ich der vielen Autobahnen überdrüssig; der vielen Autoschlangen, der vielen Staus und der großen Verschwendung von Beleuchtung und Strom, von denen die Hauptstadt Spaniens überhäuft ist, so daß ich nicht den geringsten Wunsch verspürte, durch die verstopften Straßen von Madrid zu gehen. Vom Flughafen aus grüßte ich per Telefon den damaligen Koordinator der Vereinten Linken und treuen Freund Julio Anguita und startete nach Kuba in meiner lieben und alten IL-62, mich auf die sowjetische Technik verlassend.
Ich entschuldige Herrn Garzón dafür, daß er die Kubaner nicht kennt, und sicher hat er sich nur sehr wenig mit der Geschichte ihrer Kämpfe gegen Hunderttausende mutiger spanischer Soldaten befassen können. Ungeachtet des enormen Unterschiedes an Truppenstärke und Waffen sind die kubanischen Patrioten, einer kriegstüchtigen Armee gegenüber, niemals der Gefahr ausgewichen.
Obwohl nach der opportunistischen Intervention des im Entstehen befindlichen US-amerikanischen Imperiums Kuba von der Kolonialmacht an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde und uns dieses im Kommen befindliche Imperium einen Verfassungszusatz aufzwang, der ihm das Recht zu intervenieren gab, sind wir heute ein freies Volk, das ehrenhaft seine Unabhängigkeit gegen die Aggressionen, die Anfeindung und den Haß der nun schon gigantischen Macht, die wir zum Nachbarn haben, verteidigt.
Kein Sterblicher darf sich der Illusion hingeben, gefürchteter als die Götter zu sein.
Ich bin stets unbesorgt gewesen und werde es auch für den Rest meines Lebens sein, denn ich weiß die Rechte meines Volkes und die Ehre der kleinen, armen und schwachen Nationen mit Würde zu verteidigen, und stets war ich von einem tiefen Gerechtigkeitssinn beseelt. Ich bin Revolutionär und werde es bis zu meinem Tode bleiben. Sollte ein Richter oder eine Behörde Spaniens oder eines anderen NATO-Landes unter Gebrauch willkürlicher extraterritorialer Befugnisse und unter Verletzung von Rechten, die mir heilig sind, einmal versuchen, mich festzunehmen, so sollte man im voraus wissen, daß es zum Gefecht kommen wird, ganz gleich, an welchem Ort sie diesen Versuch starten. Ich glaube an die Extraterritorialität der Ehre und der Würde des Menschen.
Fidel Castro
28. April 2001
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