Donnerstag, 10. Mai 2007

Reflexionen des Comandante en Jefe: Die Debatte weitet sich aus

Der namhafte Denker der Linken Atilio Borón, der bis vor Kurzem den Lateinamerikanischen Rat der Sozialwissenschaften (CLACSO) führte, schrieb für das kürzlich in Havanna beendete VI. Hemisphäre-Treffen zum Kampf gegen die TLC und für die Integration der Völker einen Artikel, den er mir freundlicherweise mit einem Begleitschreiben zusandte.

Ausgehend von wortgetreu übernommenen Sätzen und Abschnitten seines Artikels habe ich den Kern seiner Ausführungen folgendermaßen zusammengefasst:

Bereits die vorkapitalistischen Gesellschaften kannten das Erdöl, das in Oberflächendepots lagerte und das sie zu nicht kommerziellen Zwecken wie zum Imprägnieren des Holzes für Schiffsrümpfe oder von Textilien oder für die Beleuchtung durch Fackeln. Daher auch seine ursprüngliche Bezeichnung „Erdöl“.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts – die großen Vorkommen in Pennsylvanien waren entdeckt und die technischen Entwicklungen realisiert, angekurbelt durch die allgemeine Einführung des Verbrennungsmotors – mutierte das Petroleum zum Energiewunder des 20. Jahrhunderts.

Die Energie gilt als eine Ware. Und das, auch Marx wie darauf hin, geschieht nicht infolge der Verderbtheit oder Herzlosigkeit dieses oder jenes einzelnen Kapitalisten, sondern es ist die Folge der Logik des Akkumulationsprozesses, der zum unaufhörlichen „Merkantilismus“ sämtlicher Bestandteile, materiellen Güter und Symbole des gesellschaftlichen Lebens neigt. Dieser Merkantilsystemprozess hat auch bei den Menschen nicht Halt gemacht und simultan auch die Natur mit einbezogen. Der Boden und seine Produkte, die Flüsse, Berge und Wälder waren Gegenstand seines unaufhaltsamen Raubzuges. Natürlich entgingen auch die Nahrungsmittel dieser höllischen Dynamik nicht. Der Kapitalismus macht alles zur Ware, was er in Reichweite bekommt.

Nahrungsmittel werden zu Energieträgern, um Vernunftwidriges einer Zivilisation zu ermöglichen, die zur Wahrung von Vermögen und Vorrechten einiger Weniger die Umwelt und den ökologischen Zustand, denen das Entstehen von Leben auf der Erde zu verdanken ist, brutal attackiert.

Das Verwandeln von Nahrungsmitteln in energetisches Material ist monströs.

Der Kapitalismus schickt sich an eine massive Euthanasie der Armen zu praktizieren; speziell der Armen des Südens, denn gerade hier befinden sich die größten Bestände der Erde an der zur Herstellung von Biobrennstoff erforderlichen Biomasse. Mögen auch die offiziellen Diskurse noch so stark versichern, es handle sich nicht um eine Wahl zwischen Nahrungsmitteln und Brennstoffen, so beweist doch die Realität, dass eben diese und keine andere die Alternative ist: der Boden wird entweder zur Nahrungsmittelproduktion oder zur Herstellung von Biobrennstoff benutzt.

Zum Thema der landwirtschaftlichen Nutzfläche und dem Verbrauch an Düngemitteln sind den Veröffentlichungen der FAO folgende Lehren zu entnehmen:

·In den kapitalistischen Industrieländern beträgt die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Kopf der Bevölkerung das Doppelte der Fläche in der unterentwickelten Welt: 1,36 Hektar pro Person im industrialisierten Norden gegen 0,67 Hektar im Süden. Das erklärt sich aus der einfachen Tatsache, dass in der unterentwickelten Peripherie etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung leben.

·Brasilien übersteigt leicht die Angaben der entwickelten Welt zur landwirtschaftlichen Nutzfläche pro Kopf der Bevölkerung. Es liegt auf der Hand, dass dieses Land riesige Stücke seiner riesigen Fläche darauf verwenden soll, um den Anforderungen des neuen energetischen Paradigma zu entsprechen.

·China und Indien verfügen über jeweils 0,44 und 0,18 Hektar pro Kopf.

·Die kleinen Antillenstaaten, die seit jeher die Monokultur des Zuckerrohrs betreiben, präsentieren beredt dessen Erosionswirkung, verdeutlicht an dem zur Aufrechterhaltung der Produktion erforderlichen extremen Düngemittelverbrauch pro Hektar. In den Ländern der Peripherie liegt der durchschnittliche Verbrauch bei 109 kg/ha (in den Industrieländern sind es 84 kg/ha), in Barbados sind es 187,5 kg, in Dominica 600 kg, in Guadalupe 1016 kg, in St. Lucía 1325 und in Martinique 1609 kg. Erwähnt man Düngemittel, so nimmt man damit auch Bezug auf verstärkten Erdölverbrauch. So scheint also der viel gepriesene Vorteil der Agroenergiestoffe zur Verminderung des Verbrauchs von Kohlenwasserstoffen mehr illusorisch als real.



Die landwirtschaftliche Nutzfläche der Europäischen Union insgesamt würde kaum für die Deckung von 30 Prozent des heutigen, nicht des künftigen Bedarfs -der voraussichtlich noch höher liegen wird-, vorausausreichend sein. In den Vereinigten Staaten müssten zur Deckung des heutigen Bedarfs an fossilen Brennstoffen für die Produktion von Agro-Energieressourcen 121 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes zur Verfügung gestellt werden.

Demzufolge wird das Angebot von Agrobrennstoff aus dem Süden kommen müssen, aus der armen und neokolonialen Peripherie des Kapitalismus. Die Berechnungen lügen nicht. Weder die Vereinigten Staaten noch die Europäische Union verfügen über entsprechenden Boden, um eine Erhöhung der Produktion von Nahrungsmitteln und Agrobrennstoffen gleichzeitig zu erzielen.

Die Entwaldung unserer Erde könnte – wenn auch nur zeitweilig – eine Vergrößerung der Anbaufläche bedeuten, doch im Höchstfalle nur für einige wenige Jahrzehnte. Dieses Land würde dann verwüsten, und die Situation wäre schlimmer als zuvor und würde das Dilemma zwischen der Produktion von Nahrungsmitteln und der von Äthanol oder Biodiesel nur noch verschärfen.

Der Kampf gegen den Hunger – etwa zwei Milliarden Menschen der Welt leiden Hunger – wird starke Auswirkungen der Erweiterung der Anbaufläche für Biobrennstoffe zu spüren bekommen. Die Länder, in denen diese Geisel ein allgemeines Phänomen ist, werden die schnelle Umwandlung der Landwirtschaft bezeugen, die die unersättliche Nachfrage nach Brennstoffen stillen will, wie sie von einer Zivilisation gefordert wird, die diese Brennstoffe vernunftlos einsetzt. Das Ergebnis kann kein anderes sein als die Verteuerung der Nahrungsmittel und demzufolge die Verschlechterung der sozialen Lage in den Ländern des Südens.

Außerdem nimmt die Weltbevölkerung jedes Jahr um 76 Millionen zu, die verständlicherweise Nahrungsmittel fordern werden, die von Mal zu Mal teurer und für sie nicht erreichbar sein werden.

In The Globalist Perspective prognostizierte Lester Brown vor weniger als einem Jahr, dass im Jahr 2006 der größte Teil der Steigerung der Weltgetreideproduktion von den Autos absorbiert werde. Von den 20 Millionen Tonnen Zuwachs, die zu den im Jahr 2005 vorhandenen kamen, wurden 14 Millionen für die Produktion von Brennstoff verwandt und nur sechs Millionen Tonnen für die Deckung der Bedürfnisse der Hungernden bestimmt. Der Autor versichert, der Appetit der Welt nach Treibstoff für die Autos sei unersättlich. Abschließend sagt Brown, es sei ein Szenarium in Vorbereitung, auf dem es unweigerlich zu einem Frontalangriff zwischen 800 Millionen glücklichen Autobesitzern und den Konsumenten der Nahrungsmittel kommen werde.

Der vernichtende Schlag der Verteuerung der Nahrungsmittel, die auf jeden Fall eintreten wird und zwar in dem Maße wie die Benutzung des Bodens erfolgt, für den Anbau von Nahrungsmitteln oder für die Produktion von Brennstoff. Das Thema behandelten C. Ford Runge und Benjamin Senauer, zwei angesehene Akademiker der Universität Minnesota in einem Artikel, veröffentlicht in der englischsprachigen Ausgabe der Zeitschrift Foreign Affairs. Die Überschrift des Artikels spricht für sich: „Die Art, wie die Biobrennstoffe die Armen aushungern“. Die Autoren führen aus, dass in den Vereinigten Staaten das Wachstum der Agrobrennstoff Industrie zu Preissteigerungen bei Mais, Ölsamen und anderen Getreidearten, sondern auch bei Anbau und Produkten, die offenbar nichts damit zu tun haben. Die Benutzung des Landes für den Anbau von Mais, der den Äthanolschlund nährt, beschneidet die Fläche anderer Pflanzungen. Die Verarbeiter von Nahrungsmitteln, die Erbsen und zarten Mais benutzen, mussten, um die Lieferungen zu sichern, höhere Preise zahlen. Langfristig werden diese Kosten den Verbrauchern zufallen. Von den höheren Nahrungsmittelpreise werden auch die Industrien der Vieh- und Geflügelzucht betroffen. Die höheren Kosten hatten einen steilen Fall der Einnahmen zur Folge, speziell in den Bereichen Geflügel- und Schweinezucht. Sinken die Einnahmen weiter, wird selbiges auch in der Produktion zu verzeichnen sein, und die Preise für Hühnchen, Pute, Schweinefleisch, Milch und Eier werden steigen. Es wird vorausgesagt, dass die verheerendsten Auswirkungen der Preiserhöhung bei Nahrungsmitteln speziell in den Ländern der Dritten Welt zu spüren sein werden.

Laut einer Studie des Belgischen Amtes für Wissenschaftliche Angelegenheiten bewirkt Biodiesel mehr Schaden auf Gesundheit und Umwelt, denn er schafft eine noch stärker pulverisierte Verschmutzung und setzt mehr die Ozonschicht zerstörende Schadstoffe frei.

Zum Argument der vermeintliche Gutartigkeit der Agrobrennstoffe, bewies Victor Bronstein, Dozent der Universität Buenos Aires:

·Es stimmt nicht, dass Biobrennstoffe eine erneuerbare und ewige Energiequelle sind, denn der wesentliche Faktor für das Wachstum der Pflanzen ist nicht das Sonnenlicht, sondern die Verfügbarkeit von Wasser und die geeignete Bodenbeschaffenheit. Wäre dem nicht so, dann könnte Mais und Zuckerrohr in der Sahara angebaut werden. Die Auswirkungen einer Großproduktion von Biobrennstoffen werden verheerend sein.

· Es stimmt nicht, dass sie nicht verschmutzen. Wenn auch Äthanol weniger Kohlenstoffemissionbewirkt, so verschmutzt andererseits sein Herstellungsprozess die Oberfläche und das Wasser mit Nitraten, Herbiziden, Pestiziden und Abfall, und die Luft wird verschmutzt mit krebserregenden Aldehyden und Alkoholen. Die Annahme von einem „grünen und sauberen“ Brennstoff ist Betrug.

Der Vorschlag der Agrobrennstoffe ist nicht gangbar und außerdem ist er ethisch und politisch gesehen nicht akzeptierbar. Doch ihn zurückweisen, reicht nicht aus. Wir sind zur Umsetzung einer neuen Energierevolution berufen, die jedoch im Dienste der Völker und nicht im Dienst der Monopole und des Imperialismus stehen muss. Diese ist wahrscheinlich die bedeutendste Herausforderung der Stunde, schließt Atilio Borón.

Wie man sieht, hat die Zusammenfassung doch Raum in Anspruch genommen. Vonnöten ist Raum und Zeit. Faktisch ein Buch. Es heißt, das Meisterwerk des Schriftstellers Gabriel García Márquez, Cien Años de Soledad (Hundert Jahre Einsamkeit), das ihn berühmt machte, erforderte von ihm fünfzig Seiten für jede einzelne an den Verleger gesandte Seite. Wieviel Zeit brauchte also meine arme Feder, um die aus materiellem Interesse, aus Unwissen, aus Indifferenz oder mitunter aus diesen drei Gründen agierenden Verfechter dieser verhängnisvollen Idee zu widerlegen und die stichhaltigen und ehrenhaften Argumente derer zu verbreiten, die für das Leben der Gattung Mensch kämpfen?

Es gibt sehr bedeutende Meinungen und Standpunkte, die auf dem Treffen in Havanna dargelegt wurden. Man wird über jene sprechen müssen, die in einem Dokumentarfilm ein reales Bild vom Handschneiden des Zuckerrohrs mitbrachten. Der Film scheint ein Abbild von Dantes „Hölle“. Täglich wächst die Anzahl von Meinungen, die in die Medien überall auf der Welt einfließen, von Institutionen wie den Vereinten Nationen bis hin zu nationalen Gesellschaften von Wissenschaftlern. Ich sehe schlicht und einfach, dass die Debatte um sich greift. Die Tatsache, dass über das Thema diskutiert wird, ist an sich bereits ein bedeutsamer Fortschritt.



Fidel Castro Ruz 9. Mai 2007

(17:47 Uhr)

Dienstag, 8. Mai 2007

Reflexionen des Comandante en Jefe: Die Tragödie, die unsere Gattung bedroht

Ich kann nicht wie ein Volkswirt bzw. Wissenschaftler sprechen. Ich tue es einfach als ein Politiker, der die Argumente der Volkswirte oder Wissenschaftler in dem einen oder anderen Sinn ergründen will. Ich versuche ebenfalls die Motivation von jedem derjenigen zu erkennen, der sich über diese Themen äußert. Vor nur zweiundzwanzig Jahren führten wir in Havanna eine große Anzahl von Treffen mit führenden Persönlichkeiten aus der Politik und Führern der Gewerkschaften und der Bauern- und Studentenorganisationen durch, die als Vertreter der genannten Sektoren in unser Land eingeladen waren. Alle stimmten darin überein, dass die riesige 1985 angehäufte Auslandsschuld der Länder Lateinamerikas das größte Problem zu jenem Zeitpunkt war. Jene Schuld betrug 350 Milliarden Dollar. Damals besaßen die Dollar eine viel höhere Kaufkraft als der heutige Dollar.



Wir schickten allen Regierungen der Welt Abschriften der Ergebnisse jener Treffen –mit einigen Ausnahmen, logischerweise, denn es hätte beleidigend erscheinen können. Zu jener Zeit hatten die Petro-Dollar den Markt überflutet und die großen transnationalen Banken forderten praktisch von den Ländern die Aufnahme sehr hoher Darlehen. Es ist überflüssig zu sagen, dass die Wirtschaftsbeauftragten solche Verpflichtungen akzeptierten ohne jemand um Rat zu fragen. Jene Zeitperiode fiel mit der Herrschaft der repressivsten und blutigsten Regierungen zusammen, die unser Kontinent je erlitten hat und die vom Imperialismus aufgezwungen worden waren. Sehr hohe Summen wurden für Waffen, Luxus und Konsumgüter ausgegeben. Die anschließende Verschuldung stieg auf 800 Milliarden Dollar, während die jetzigen katastrophalen Gefahren erzeugt wurden, die auf einer Bevölkerung lasten, die sich in kaum zweieinhalb Jahrzehnten verdoppelt hat und hiermit die Zahl derjenigen, die verurteilt sind, in äußerster Armut zu leben. Lateinamerika ist heute das Gebiet der Welt, wo der Unterschied zwischen den meist begünstigten Bevölkerungsschichten und denen der geringsten Einkommen am größten ist.



Schon lange vor dem, was jetzt zur Debatte steht, konzentrierte sich der Kampf der Dritten Welt auf solche ebenfalls beängstigende Probleme wie den ungleichen Handel. Jahr für Jahr wurde entdeckt, dass die Preise der Exportartikel der Industrieländer, die im Allgemeinen aus unseren Rohstoffen hergestellt werden, einseitig stiegen, während die unserer Grundexportartikel gleich blieben. Der Kaffee und der Kakao – um zwei Beispiele zu nennen – erreichten ungefähr 2 000 Dollar pro Tonne. Man konnte in Städten wie New York eine Tasse Kaffee, ein Schoko-Mixgetränk für wenige Cent trinken; heutzutage verlangt man hierfür mehrere Dollar, vielleicht 30 bzw. 40 Mal den Preis von damals. Um einen Traktor, einen LKW, ein medizinisches Gerät zu erwerben, benötigt man heute für den Import als Äquivalenz das mehrfache Volumen an Erzeugnissen wie damals; ein ähnliches Schicksal erlitten die Jute und Agavefasern und andere in der Dritten Welt erzeugte Fasern, die durch synthetische ersetzt wurden. Während das gegerbte Leder, der Kautschuk und die für viele Stoffe verwendeten Naturfasern durch synthetisches Material der hoch entwickelten petrochemischen Industriezweige ersetzt wurden. Durch die hohen Subventionen der Industrieländer für ihre Landwirtschaft befanden sich die Zuckerpreise auf einem Tiefstand.



Die ehemaligen Kolonien bzw. Neokolonien, denen man nach dem Zweiten Weltkrieg eine wunderbare Zukunft versprochen hatte, waren noch nicht von den Illusionen von Bretton Woods erwacht. Das System war von Kopf bis Fuß für die Ausbeutung und Ausplünderung entworfen worden.



Zu Beginn dieser Bewusstwerdung waren solche weitere, äußerst widrige Faktoren noch nicht aufgetaucht, wie z. B. die, dass die Industrieländer so einer unerwarteten Energievergeudung erliegen würden. Jene zahlten weniger als zwei Dollar pro Barrel. Die Quelle des Kraftstoffs lag - mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, wo er sehr reichlich vorhanden war – hauptsächlich in Ländern der Dritten Welt, vor allem im Mittleren Osten, außerdem in Mexiko, Venezuela und später in Afrika. Aber nicht alle Länder, die kraft einer weiteren frommen Lüge als „Entwicklungsländer“ bezeichnet wurden, waren Erdöl-Länder, 82 von ihnen sind die ärmsten und sind in der Regel gezwungen, Erdöl zu importieren. Sodass eine schreckliche Situation auf sie zukommt, wenn die Nahrungsmittel in Biokraftstoffe verwandelt werden, bzw. in Agro-Kraftstoffe, wie die Bewegungen der Bauern und indigenen Bevölkerung unserer Region sie zu bezeichnen vorziehen.



Die Idee der Erderwärmung als Damoklesschwert, das über dem Weiterbestehen unserer Gattung hängt, war vor kaum 30 Jahren für die riesige Mehrheit der Erdbevölkerung nicht einmal bekannt; selbst heute ist noch sehr große Ignoranz und Verwirrung über diese Themen vorhanden. Wenn man die Sprecher der Transnationalen und ihren Medien hört, dann leben wir in der besten der Welten: eine vom Markt beherrschte Wirtschaft, mehr transnationales Kapital, mehr hoch entwickelte Technologie bedeuten ein stetiges Wachstum der Produktivität, des BIP, des Lebensniveaus und aller Träume der Welt für die menschliche Gattung. Der Staat soll bei nichts eingreifen, er sollte sogar besser nicht vorhanden sein, ausgenommen als Instrument des großen Finanzkapitals.



Aber die Realitäten sind hartnäckig. Deutschland, eines der höchst entwickelten Industrieländer der Welt, wird durch die Tatsache um den Schlaf gebracht, dass 10 Prozent seiner Bevölkerung arbeitslos ist. Die härtesten und am wenigsten verlockenden Arbeiten werden von den Immigranten ausgeführt, die aus Verzweiflung in ihrer wachsenden Armut durch jedes mögliche Schlupfloch in das industrialisierte Europa eindringen. Scheinbar berechnet niemand die Zahl der Erdeinwohner, die eben genau in den nicht entwickelten Ländern zunimmt.



Mehr als 700 Vertreter von sozialen Organisationen waren gerade zu einem Treffen in Havanna zusammengekommen, um mehrere der Themen zu diskutieren, die bei diesen Überlegungen angesprochen werden. Viele von ihnen haben ihre Standpunkte dargelegt und uns unlöschbare Eindrücke hinterlassen. Es ist ein reichhaltiges Material zum Nachdenken vorhanden, und zwar außer den jeden Tag sich ereignenden neuen Geschehnissen.



Gerade jetzt wollten, als Folge der Freilassung eines Terror-Monsters, zwei junge Menschen, die eine Rechtspflicht beim aktiven Wehrdienst erfüllten, das Konsumverhalten in den Vereinigten Staaten genießen. Sie haben einen Omnibus angegriffen, schlugen mit Gewalt eine der Eingangstüren zum Terminal für Inlandsflüge des Flughafens ein, gelangten bis zu einem Zivilflugzeug, drangen mit den Geiseln dort ein und forderten die Beförderung in US-amerikanisches Gebiet. Einige Tage vorher hatten sie einen auf Posten stehenden Soldaten ermordet, um zwei Selbstladegewehre zu rauben, und im Flugzeug selbst nahmen sie mit vier Schüssen einem mutigen Offizier das Leben, der unbewaffnet war und den sie im Omnibus als Geisel gefangen genommen hatten und der die Flugzeugentführung zu verhindern suchte. Die Straflosigkeit und die materiellen Vorteile, mit denen seit fast einem halben Jahrhundert jede gewalttätige Aktion gegen Kuba belohnt werden, stimuliert solche Taten. Seit vielen Monaten geschah nichts dergleichen. Die außergewöhnliche Freilassung des bekannten Terroristen war ausreichend, dass der Tod erneut unsere Familien aufsucht. Die Täter wurden noch nicht vor Gericht gestellt, weil sie bei den Ereignissen beide verletzt wurden, und zwar einer von ihnen durch Schüsse, die beim Kampf gegen den heldenhaften Offizier der Streitkräfte von dem anderen im Flugzeug abgegebenen wurden. Viele Menschen im Ausland warten auf die Reaktion der Gerichte und des Staatsrats angesichts eines über die Ereignisse tief entrüsteten Volkes. Es ist eine ganze Menge Gelassenheit und Kaltblütigkeit notwendig, um solchen Problemen zu begegnen.



Der apokalyptische Chef des Imperiums erklärte vor mehr als fünf Jahren, dass die Streitkräfte der Vereinigten Staaten bereit sein sollten, um vorbeugend und überraschend 60 oder mehr Länder der Welt anzugreifen. Es handelt sich hierbei um nicht weniger als ein Drittel der internationalen Gemeinschaft. Scheinbar reichen ihm der Tot, das Foltern und das Exil von Millionen Menschen nicht aus, um sich der Naturreichtümer und der Früchte der Arbeit anderer Völker zu bemächtigen.



Während dessen hat das beeindruckende internationale Treffen, das gerade in Havanna stattfand, in mir eine persönliche Überzeugung bestätigt: jede unheilvolle Idee muss vernichtenden Kritiken unterworfen werden, und zwar ohne jegliche Konzession.



Fidel Castro Ruz

7. Mai 2007

17.42 Uhr

Dienstag, 1. Mai 2007

Reflexionen des Comandante en Jefe: Eine sofortige Energierevolution ist unbedingt notwendig

Ich habe nichts gegen Brasilien. Für nicht wenige Brasilianer - denen man unaufhörlich solche Argumente in dem einen oder anderen Sinn einhämmert, die vielleicht Menschen verwirren können, die traditionell Freunde Kubas sind – würden wir als Miesmacher dastehen, denen es nichts ausmacht, das Nettoeinkommen in ausländischer Währung dieses Landes zu beeinträchtigen. Ein Schweigen meinerseits wäre für mich so, als ob ich zwischen der Idee einer Welttragödie und einem angeblichen Nutzen für das Volk dieser großen Nation wählen würde.

Ich werde nicht Lula und den Brasilianern die Schuld an den objektiven Gesetzen geben, die die Geschichte unserer Gattung beherrscht haben. Es sind kaum siebentausend Jahre vergangen, seitdem der Mensch klare Spuren davon hinterließ, was zu einer an Bildung und technischen Kenntnissen unermesslich reichen Kultur wurde. Ihre Fortschritte wurden weder gleichzeitig noch am gleichen geographischen Ort erreicht. Man kann behaupten, dass aufgrund der anscheinend unermesslichen Größe unseres Planeten in vielen Fällen das Vorhandensein der einen oder anderen Kultur unbekannt war. Nie zuvor während einigen tausend Jahren lebte der Mensch in Städten mit zwanzig Millionen Einwohnern wie z.B. Sao Paulo oder Mexico-City, oder in solchen Großstädten wie Paris, Madrid, Berlin und anderen, in denen man Züge auf Schienen und Luftkissen bei Geschwindigkeiten über 400 Stundenkilometern verkehren sieht.

Zu Zeiten von Christoph Kolumbus, vor kaum 500 Jahren, gab es einige dieser Städte noch nicht oder ihre Bevölkerungszahl betrug weniger als einige Zehntausend. Keine von ihnen verbrauchte auch nur ein Kilowatt, um ihre Haushalte zu beleuchten. Wahrscheinlich zählte die Weltbevölkerung damals weniger als 500 Millionen Einwohner. Es ist bekannt, dass sie 1830 die erste Milliarde erreichte, einhundertdreißig Jahre danach hatte sie sich verdreifacht und noch sechsundvierzig Jahre später betrug die Bevölkerung unseres Planeten 6,5 Milliarden. Die riesige Mehrheit hiervon sind Arme, die ihre Nahrungsmittel mit den Haustieren teilen müssen und von jetzt an mit den Biokraftstoffen.

Damals verfügte die Menschheit nicht über solche Fortschritte wie die bis zum jetzigen Zeitpunkt erreichten bei der EDV und den Medien. Obwohl schon die ersten Atombomben über zwei große Menschensiedlungen abgeworfen worden waren, was einen brutalen Terrorakt gegen die wehrlose Zivilbevölkerung darstellte, und zwar aus rein politischen Erwägungen.

Heute gibt es auf der Welt zehntausende Atombomben, die fünzigmal wirkungsvoller sind, auf Trägern, die eine mehrfache Schallgeschwindigkeit erreichen und absolute Präzision besitzen und mit denen unsere hoch entwickelte Gattung sich selbst zerstören kann. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, den die Völker gegen den Faschismus führten, entstand eine neue Macht, die sich der Welt bemächtigte und die jetzige absolutistische und grausame Weltordnung aufzwang.

Bevor Bush nach Brasilien reiste, legte der Chef des Imperiums fest, dass der Mais und andere Nahrungsmittel die angebrachten Rohstoffe zur Herstellung von Biokraftstoffen seien. Lula erklärte seinerseits, dass Brasilien vom Zuckerrohr ausgehend soviel liefern könne, wie notwendig sei. Er sah in dieser Formel eine Zukunft für die Dritte Welt und als einziges zu lösendes ausstehendes Problem dabei, die Lebensbedingungen der Zuckerrohrarbeiter zu verbessern. Es war ihm wohl bewusst, und so erklärte er es, dass die Vereinigten Staaten ihrerseits die Zollschranken und Subventionen aufheben müssten, die die Ausfuhr des Äthanols in die Vereinigten Staaten behindern.

Bush antwortete, dass die Tarife und Subventionen für die Landwirte in einem Land wie den Vereinigten Staaten, dem weltgrößten Äthanol-Hersteller aus Mais, unantastbar seien.

Die großen transnationalen US-Unternehmen, die Hersteller dieses Biokraftstoffes sind und die beschleunigt Dutzende Milliarden Dollar investieren, hatten vom Chef des Imperiums den Vertrieb von mindestens fünfunddreißig Milliarden (35 000 000 000) Gallonen dieses Kraftstoffs pro Jahr auf dem US-amerikanischen Markt gefordert. Schutzzolltarife und reale Subventionen zusammen werden pro Jahr fast einhundert Milliarden Dollar erreichen.

Unersättlich in ihrem Bedarf hatte das Imperium die Losung in die Welt lanciert, Biokraftstoffe zu erzeugen, um die Vereinigten Staaten, den größten Energieverbraucher der Welt, von jeglicher äußerlicher Abhängigkeit bezüglich der Kohlenwasserstoffe zu befreien.

Die Geschichte zeigt, dass die Zuckerrohr-Monokultur eng an die Sklaverei der Afrikaner gebunden war, die mit Gewalt ihren natürlichen Gemeinschaften entrissen und nach Kuba, Haiti und auf andere Inseln der Karibik gebracht wurden. In Brasilien geschah genau dasselbe mit dem Zuckerrohranbau.

Heutzutage wird in diesem Land fast 80% des Zuckerrohrs handgeschlagen. Von brasilianischen Forschern beigesteuerte Quellen und Untersuchungen behaupten, dass ein Zuckerrohrschläger, ein Akkordarbeiter, mindestens zwölf Tonnen erzeugen muss, um elementare Bedürfnisse zu decken. Dieser Arbeiter muss 36 630 Kniebeugen machen, 800 Mal kleine Wegstrecken laufen und dabei 15 Kilo Zuckerrohr mit seinem Armen tragen und bei seiner schweren Arbeit 8 800 Meter laufen. Sein durchschnittlicher täglicher Wasserverlust beträgt 8 Liter. Nur bei abgebrannten Zuckerrohrfeldern kann diese Produktivität pro Arbeiter erreicht werden. Das hand- oder maschinengeschnittene Zuckerrohr wird normalerweise abgebrannt, um das Personal vor schädlichen Bissen und Stichen zu schützen und vor allem, um die Produktivität zu erhöhen. Obwohl es eine festgelegte Arbeitszeit von 8 bis 17 Uhr gibt, um diese Aufgabe zu erfüllen, muss man bei Akkordarbeit um die 12 Stunden arbeiten. Die Temperatur erreicht mittags manchmal bis zu 45 Grad Celsius.

Ich persönlich habe recht oft aus moralischer Verpflichtung Zuckerrohr geschnitten, genau wie viele andere leitende Genossen des Landes. Ich kann mich an den Monat August des Jahres 1969 erinnern. Ich hatte einen Ort in der Nähe der Hauptstadt gewählt. Ich ging jeden Tag sehr früh dorthin. Das nicht abgebrannte Zuckerrohr war grün, eine zeitige Sorte mit hohem landwirtschatlichen und industriellen Ertrag. Ich schnitt vier Stunden ohne eine Minute Pause. Jemand übernahm das Schärfen der Machete. Nicht ein einziges Mal habe ich weniger als 3,4 Tonnen täglich geschnitten. Anschließend duschte ich , aß in aller Ruhe zu Mittag und erholte mich an einem Ort ganz in der Nähe. Ich gewann mehrere Kupons für die berühmte Zuckerrohrernte von 1970. Ich war damals gerade 43 Jahre alt geworden. Die andere Zeit bis zum Schlafengehen widmete ich meinen revolutionären Pflichten. Ich unterbrach jene persönlichen Anstrengungen, als ich mir eine Wunde am linken Fuß zuzog. Die gut geschliffene Machete hatte die Schutzstiefel durchbohrt. Das Ziel des gesamten Landes war es, ungefähr 10 Millionen Tonnen Zucker zu erreichen und 4 Millionen Tonnen Melasse als Nebenprodukt. Das wurde nie erreicht, obwohl wir diesem Ziel nahe kamen.

Die UdSSR war noch nicht verschwunden, das schien unmöglich zu sein. Die Sonderperiode, die uns in einen Kampf zum Überleben führte und wirtschaftliche Ungleichheiten mit den ihnen innewohnenden Korruptionsbestandteilen brachte, war noch nicht aufgekommen. Der Imperialismus glaubte, die Stunde sei gekommen, um der Revolution den Gnadenstoß zu versetzen. Es muss auch ehrlicherweise bekannt werden, dass wir in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs zu verschwenden lernten und das Maß an Idealismus und Träumen, die unseren heroischen Prozess begleiteten, war nicht gering.

Die hohen landwirtschaftlichen Erträge der Vereinigten Staaten wurden durch Fruchtfolge der Körnerfrüchte (Mais, Weizen, Hafer, Hirse und andere ähnliche Körner) mit den Hülsenfrüchten (Sojabohnen, Luzerne, Bohnen usw. usf.) erreicht. Diese bringen Stickstoff und organische Substanzen in den Boden ein. Angaben der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zufolge erreichten die Vereinigten Staaten im Jahr 2005 bei Mais Erträge von 9,3 Tonnen pro Hektar.

In Brasilien erreicht man nur 3 Tonnen dieses Korns auf der gleichen Landfläche. Die verbuchte Gesamtproduktion dieses Bruderlandes betrug dieses Jahr vierunddreißig Millionen sechshunderttausend Tonnen, die im Land als Nahrungsmittel verbraucht wurden. Es kann keinen Mais für den Weltmarkt beisteuern.

Die Preise dieses Korns, das Hauptnahrungsmittel zahlreicher Länder dieser Region ist, haben sich fast verdoppelt. Was wird geschehen, wenn hunderte Millionen Tonnen Mais zur Herstellung von Biokraftstoffen verwendet werden? Und ich werde nicht die Mengen an Weizen, Hirse, Hafer, Gerste, Moorhirse und anderen Getreidearten nennen, welche die Industrieländer als Kraftstoffquelle für ihre Motoren verwenden werden.

Hierzu kommt noch, dass es für Brasilien sehr schwierig ist, die Rotation von Mais mit Hülsenfrüchten durchzuführen. Von den brasilianischen Bundesstaaten, die ihn traditionell erzeugen, erreichen acht von ihnen neunzig Prozent der Produktion: Paraná, Minas Gerais, Sao Paulo, Goiás, Mato Grosso, Río Grande do Sul, Santa Catarina und Mato Grosso do Sul. Andererseits erfolgt 60% des Zuckerrohranbaus, einer Pflanzenart, die nicht in Fruchtfolge mit anderen Pflanzungen angebaut werden kann, im Bundesstaat Sao Paulo und außerdem wird diese in den Bundesstaaten Paraná, Pernambuco und Alagoas angebaut.

Die Motoren von Traktoren, Erntemaschinen und Schwertransportern zur Erntemechanisierung würden in wachsendem Maße Kraftstoffe verbrauchen. Die zunehmende Mechanisierung würde nicht dazu beitragen, die Erderwärmung zu verhindern. Das ist etwas, was von den Spezialisten bewiesen wurde, die seit mehr als 150 Jahren die Jahrestemperatur messen.

Aber Brasilien erzeugt ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel, das besonders reich an Proteinen ist, die Soja: fünzig Millionen einhunderfünfzehntausend (50 115 000) Tonnen und exportiert siebenundzwanzig Millionen dreihunderttausend (27 300 000). Heißt das etwa, dass ein Großteil dieser Soja in Biokraftstoff verwandelt werden wird?

Schon unmittelbar jetzt beginnen die Rinderzüchter sich zu beschweren, dass die als Weiden angebauten Flächen in Zuckerrohrfelder umgewandelt werden.

Der ehemalige Landwirtschaftsminister von Brasilien, Roberto Rodríguez, - ein wichtiger Verteidiger der jetzigen Regierungspolitik und jetzt Mitvorsitzender der Interamerikanischen Äthanol-Kommission, die 2006 auf der Grundlage eines Abkommens mit dem Bundesstaat der Florida und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) geschaffen wurde, um die Verwendung von Biokraftstoffen auf dem amerikanischen Kontinent zu fördern - erklärte, dass das Mechanisierungsprogramm der Zuckerrohrernte nicht mehr Jobs schaffen wird, sondern dass im Gegenteil ein Überschuss an unqualifiziertem Personal entstehen wird.

Es ist bekannt, dass die ärmsten Arbeiter aus den verschiedenen Staaten aus dringender Notwendigkeit zur Zuckerrohrernte kommen. Manchmal sind das Menschen, die sich viele Monate lang von ihren Familien trennen müssen. So geschah es in Kuba vor dem Sieg der Revolution, als das Zuckerrohr per Hand geschnitten und eingebracht wurde und es kaum mechanische Anbauweise und Beförderung gab. Als das brutale, unserer Gesellschaft aufgezwungene System verschwand, verließen die Zuckerrohrarbeiter, die massenweise alphabetisiert worden waren, ihr Herumwandern in wenigen Jahren und es wurde notwendig, sie durch hunderttausende freiwillige Arbeitskräfte zu ersetzen.

Zu all dem kommt noch der letzte Bericht der Vereinten Nationen über die Klimawechsel hinzu, in dem bestätigt wird, was in Südamerika in dem Maße mit dem Wasser der Gletscher und dem Grundwasserbecken des Amazonas geschehen wird, in dem die Temperatur weiter steigen wird.

Es gibt kein Hindernis dafür, dass das US-amerikanische und europäische Kapital die Biokraftstofferzeugung finanziert. Sie könnten sogar Brasilien und Lateinamerika die Fonds schenken. Die Vereinigten Staaten, Europa und die anderen Industrieländer würden jedes Jahr mehr als einhundertvierzig Milliarden Dollar einsparen, ohne sich um die Folgen für das Klima und den Hunger zu sorgen, die in erster Linie den Ländern der Dritten Welt schaden würden. Sie würden immer Geld für den Biokraftstoff übrig haben und um zu jedem Preis die wenigen auf dem Weltmarkt zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel zu erwerben.

Eine sofortige Energierevolution ist unbedingt notwendig. Diese besteht nicht nur im Ersatz aller Glühlampenbeleuchtungen, sondern auch im massenhaften Recycling aller Haushaltsgeräte, der Gerätschaften und Anlagen in Handel, Industrie, Verkehrswesen und des gesellschaftlichen Gebrauchs, die mit den althergebrachten Technologien zwei- und dreimal mehr Energie verbrauchen.

Es ist schmerzhaft daran zu denken, dass jährlich 10 Milliarden Tonnen fossiler Kraftstoffe verbraucht werden. Das bedeutet, dass jedes Jahr das verschwendet wird, wozu die Natur eine Million Jahre benötigte, um es zu schaffen. Die Volkswirtschaften haben enorme Aufgaben zu erfüllen und hiermit die Beschäftigungszahlen zu erhöhen. So könnte etwas Zeit gewonnen werden.

Eine Wirtschaftsrezession in den Vereinigten Staaten ist ein weiteres Risiko für die Welt, aber von anderer Art. In den letzten Tagen haben die Dollar jeden Rekord an Wertverlust geschlagen. Aus dieser Papierwährung und den US-amerikanischen Bons setzen sich die meisten konvertierbaren Devisenwährungen aller Länder zusammen.

Morgen, am Ersten Mai, ist ein guter Tag, diese Überlegungen den Werktätigen und allen Armen der Welt nahe zu bringen, und zwar zusammen mit dem Protest gegen ein ebenso unwahrscheinliches und beleidigendes Ereignis wie das folgende: die Freilassung eines Monsters des Terrorismus, gerade jetzt, wo der 46. Jahrestag des Revolutionären Sieges von Playa Girón (Schweinebucht) begangen wird.

Gefängnishaft für den Henker!

Freiheit für die Fünf Helden!

Fidel Castro Ruz

30. April 2007

18.34 Uhr

Dienstag, 10. April 2007

Reflexionen des Comandante en Jefe: Die brutale Antwort

Der authentischste Vertreter eines Terrorsystems, das der Welt von der technologischen, wirtschaftlichen und politischen Überlegenheit der gewaltigsten Macht, die unser Planet gekannt hat, auferlegt wurde, ist zweifellos George W. Bush. Wir teilen deshalb die Tragödie des US-amerikanischen Volkes selbst und seiner ethischen Werte. Nur das Weiβe Haus konnte die Anweisungen geben für den Urteilsspruch von Kathleen Cardone, Richterin des Bundesgerichts von El Paso, Texas, die am vergangenen Freitag, der die Freilassung gegen Kaution von Luis Posada Carriles festlegte.

Es war Präsident Bush selbst, der zu jedem Moment den verbrecherischen und terroristischen Charakter des Angeklagten umging. Er wurde geschützt, indem man ihm eine einfache Verletzung der Einwanderungsformalitäten vorwarf. Die Antwort ist brutal. Die US-Regierung und ihre repräsentativsten Institutionen hatten im Voraus die Freiheit des Monsters beschlossen.

Die Vorgeschichte ist wohl bekannt und greift weit zurück. Diejenigen, die ihn ausbildeten und ihm befahlen, ein Passagierflugzeug während des Flugs zu zerstören, mit 73 Athleten, Studenten und anderen nationalen und ausländischen Passagieren an Bord, neben der selbstlose Besatzung; diejenigen, die, als der Terrorist in Venezuela in Haft war, seine Freiheit kauften, um den schmutzigen Krieg gegen das Volk von Nicaragua zu versorgen und praktisch zu lenken, der den Verlust von Tausenden Menschenleben bedeutete und den Ruin des Landes auf Jahrzehnte; diejenigen, die ihm Befugnisse gaben für den Drogen- und Waffenschmuggel, um die Gesetze des Kongresses zu hintergehen; diejenigen, die mit ihm die schreckliche Operation Condor schufen und den Terror internationalisierten; diejenigen, die Hunderttausenden Lateinamerikanern Folter und Tod brachte oder sie verschwinden lieβen, es war unmöglich, dass sie auf andere Weise handeln würden.

Auch wenn die Entscheidung von Bush zu erwarten war, ist sie nicht weniger demütigend für unser Volk, denn es war Kuba, das ausgehend von den Enthüllungen von „Por Esto!“, dem Presseorgan des mexikanischen Bundesstaates Quintana Roo, dann ergänzt durch unsere Medien, mit genauer Präzision wusste, dass Posada Carriles vom Mittelamerika über Cancún nach Isla Mujeres gekommen war, von wo aus er an Bord der Santrina, nachdem das Schiff von den Bundesbehörden Mexikos inspiziert worden war, sich zusammen mit anderen Terroristen direkt nach Miami begab.

Nachdem die Regierung jenes Landes am 11. April des Jahres 2005 mit exakten Angaben über das Thema öffentlich angezeigt und zur Stellungnahme aufgefordert wurde, zögerte sie die Festnahme des Terroristen mehr als einen Monat heraus und brauchte ein Jahr und zwei Monate, um anzuerkennen, dass Luis Posada Carriles illegal an Bord der Santrina, ein angebliches Schulschiff mit US-Kennzeichen, über die Küste Floridas ins Land gekommen war.

Von seinen unzähligen Opfern, von seinen Bomben in Touristikeinrichtungen in den jüngeren Jahren, von seinen Dutzenden, von der US-Regierung finanzierten Plänen, mich physisch zu vernichten, wird nicht ein Wort gesagt.

Es war nicht genug für Bush, den Namen Kuba beleidigt zu haben, indem er auf dem illegal besetzten Gebiet von Guantanamo ein schreckliches Folterzentrum, ähnlich dem von Abu Ghraib, eingerichtet zu haben, welches, als es bekannt wurde, in der Welt Schrecken einflöβte. Die grausame Aktion seiner Vorgänger schien ihm nicht ausreichend zu sein. Die 100 Milliarden Dollar reichten ihm nicht, die sie ein armes und unterentwickeltes Land wie Kuba zwangen auszugeben. Posada Carriles anzuklagen hieβe, sich selbst anzuklagen.

Fast ein halbes Jahrhundert lang war alles gültig gegen unsere kleine Insel, 90 Meilen vor ihren Küsten, die unabhängig sein wollte. In Florida wurde die gröβte Subversions- und Geheimdienststation des Planeten eingerichtet.

Es genügte nicht die Söldnerinvasion von Girón, die unser Volk 176 Tote und mehr als 300 Verletzte kostete, als die wenigen Fachärzte, die sie uns gelassen hatten, keine Erfahrung mit Kriegsverletzungen hatten.

Vorher war an den Kais des Hafens von Havanna das französische Schiff La Coubre explodiert, das Waffen und Granaten belgischer Fabrikation für Kuba transportierte, wobei die beiden, gut synchronisierten Explosionen den Tod von 100 Arbeitern und viele Verletzte bei den Rettungsarbeiten verursachten.

Die Oktoberkrise von 1962 reichte nicht, die die Welt an die äuβerste Grenze eines Atomkrieges brachte, als 50 Mal wirkungsvollere Bomben existierten als die, die über Hiroshima und Nagasaki explodierten.

Es genügte nicht die Einschleppung in unser Land von Viren, Bakterien und Pilzen, damit sie Pflanzungen und Herden betrafen, und auch, so unwahrscheinlich es erscheint, den Menschen. Aus US-amerikanischen Labors stammten einige der Krankheitserreger, die von gut bekannten Terroristen im Dienst der US-Regierung nach Kuba gebracht wurden.

Dazu kommt die enorme Ungerechtigkeit, fünf heldenhafte Patrioten gefangen zu halten, die, weil sie Informationen über terroristische Tätigkeiten geliefert hatten, auf betrügerische Art zu Sanktionen bis zu zwei lebenslänglichen Strafen verurteilt wurden, die stoisch, alle in verschiedenen Gefängnissen, grausame Misshandlungen ertragen.

Mehr als einmal hat das kubanische Volk ohne zu schwanken der Lebensgefahr getrotzt. Es hat gezeigt, dass mit Intelligenz, der Anwendung angebrachter Strategie und Taktik, besonders mit der Festigung der Einheit um seine politische und soziale Vorhut herum, keine Kraft der Welt fähig sein wird, es zu besiegen.

Ich denke, dass der kommende Erste Mai der ideale Tag für unser Volk sein wird, um mit dem kleinsten Kraftstoffverbrauch und Verkehrsaufwand den Arbeitern und Armen der Welt seine Empfindungen zu zeigen.

Fidel Castro Ruz

10. April 2007

Dienstag, 3. April 2007

Reflexionen des Comandante en Jefe: Die Internationalisierung des Völkermordes

Das Treffen von Camp David ist gerade zu Ende gegangen. Wir haben alle mit Interesse die Pressekonferenz der Präsidenten der Vereinigten Staaten und von Brasilien verfolgt, sowie die Nachrichten rund um dieses Treffen und die geäußerten Meinungen.

Bush sieht sich den Forderungen seines brasilianischen Gastes bezüglich der Zolltarife und Subventionen gegenüber, welche die US-amerikanische Äthanol-Erzeugung schützen und unterstützen, hat aber in Camp Davis keinerlei Zugeständnisse gemacht.

Präsident Lula schreibt das der Verteuerung des Mais zu, dessen Preis seinen Worten nach um mehr als 85% gestiegen ist.

Die Zeitung The Washington Post hatte bereits den Artikel der höchsten Autorität von Brasilien veröffentlicht, in dem die Idee, Nahrungsmittel in Kraftstoff zu verwandeln, dargelegt wird.

Es ist weder meine Absicht, Brasilien zu verletzen, noch mich in Angelegenheiten der Innenpolitik dieses großen Landes zu einzumischen. Gerade in Rio de Janeiro, dem Austragungsort des Internationalen Umweltgipfels vor genau 15 Jahren, war es, wo ich mit Nachdruck in einer 7minütigen Rede die Umweltgefahren anprangerte, welche die Existenz unserer Gattung bedrohten. Zu jenem Treffen war Bush Senior als Präsident der Vereinigten Staaten anwesend und applaudierte aus Höflichkeit jene Worte, wie alle anderen Präsidenten.

Niemand in Camp Davis hat die Grundlagenfrage beantwortet. Wo und wer wird die mehr als 500 Millionen Tonnen Mais und anderer Getreidearten liefern, welche die Vereinigten Staaten, Europa und die reichen Länder benötigen, um die Anzahl Gallonen Äthanol zu erzeugen, welche die großen US-amerikanischen Unternehmen und die anderer Länder als Gegenleistung ihrer reichlichen Investitionen fordern? Wo werden die Sojabohnen, die Sonnenblumenkerne und Rapssamen angebaut werden, deren essentielle Öle eben jene reichen Länder in Kraftstoff verwandeln werden und wer wird dies tun?

Eine gewisse Anzahl Länder erzeugen und exportieren ihre Nahrungsmittelüberschüsse. Das Gleichgewicht zwischen Exporteuren und Verbrauchern war schon gespannt und so stiegen die Preise derselben. Um mich kurz zu fassen, habe ich keine andere Möglichkeit, als mich darauf zu beschränken, Folgendes aufzuzeigen:

Die fünf hauptsächlichen Erzeuger von Mais, Gerste, Moorhirse, Roggen, Hirse und Hafer, welche Bush in Rohstoff zur Äthanolerzeugung verwandeln will, beliefern, neuesten Angaben zufolge, den Weltmarkt mit 679 Millionen Tonnen. Gleichzeitig benötigen die fünf hauptsächlichen Verbraucher, von denen einige auch die größten Erzeuger dieser Körner sind, zurzeit jährlich 604 Millionen Tonnen. Der zur Verfügung stehende Überschuss schrumpft auf weniger als 80 Millionen Tonnen.

Diese kolossale Verschwendung an Getreide zur Kraftstofferzeugung, ohne die ölhaltigen Samen mit einzubegreifen, würde nur dazu dienen, den reichen Ländern weniger als 15 Prozent des Jahresverbrauchs ihrer gefräßigen Autos einzusparen.

Bush hat in Camp Davis seine Absicht erklärt, diese Formel im Weltmaßstab anzuwenden, was nichts anderes als die Internationalisierung des Völkermords bedeutet.

Der Präsident von Brasilien hat in seiner von The Washington Post am Vortag des Camp Davis-Treffens veröffentlichten Botschaft behauptet, dass weniger als ein Prozent der bebaubaren brasilianischen Ackerflächen dem gewidmet wird, Zuckerrohr zur Äthanolherstellung zu erzeugen. Diese Oberfläche ist fast das Dreifache derjenigen, die in Kuba verwendet wurde, als man fast 10 Millionen Tonnen Zucker erzeugte, vor der Krise der UdSSR und dem Klimawechsel.

Unser Land erzeugt und exportiert längste Zeit Zucker, erst auf der Grundlage der Arbeit der Sklaven, deren Zahl in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts bis auf mehr als 300 000 stieg und welche die spanische Kolonie in den ersten Exporteur der Welt verwandelten. Fast einhundert Jahre darauf, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der mediatisierten Republik, deren vollständige Unabhängigkeit durch die US-amerikanische Intervention vereitelt wurde, trugen nur Immigranten aus den Antillen und kubanische Analphabeten an der Last von Zuckerrohranbau und -ernte. Die Tragödie unseres Volkes war die so genannte Leerzeit aufgrund des zyklischen Anbaus. Die Zuckerrohrländereien waren Eigentum von US-amerikanischen Unternehmen oder großen Großgrundbesitzern kubanischer Herkunft. Sodass wir also mehr Erfahrung als jeder andere über die soziale Auswirkung dieses Anbaus gesammelt haben.

Am vergangenen Sonntag den 1. April informierte CNN die Meinung brasilianischer Fachleute, die behaupten, dass viele der Ländereien zur Zuckerrohranbau von reichen US-Amerikanern und Europäern erworben wurden.

Bei meinen am 29. März veröffentlichten Überlegungen habe ich die Auswirkungen des Klimawechsels in Kuba erläutert, zu denen noch andere, traditionelle Merkmale unseres Klimas hinzukommen.

Auf unserer Insel, die arm und weit entfernt vom Konsumdenken ist, wäre nicht einmal ausreichend Personal vorhanden, um die Härte des Anbaus und der Betreuung der Zuckerrohrfelder inmitten von zunehmender Hitze und immer mehr Regen und Dürre auszuhalten. Wenn die Wirbelstürme Verwüstungen anrichten, können dann nicht einmal die besten Maschinen das am Boden liegende und verhedderte Zuckerrohr ernten. Über Jahrhunderte pflegte man weder, es zu verbrennen, noch verdichteten sich die Böden durch das Gewicht der komplexen Maschinen und riesigen Lastwagen; die stickstoff- und kalihaltigen und phosphorigen Düngestoffe, die heutzutage sehr teuer sind, gab es nicht einmal und die trockenen und feuchten Monate wechselten sich in normalem Rhythmus ab. In der modernen Landwirtschaft sind ohne Fruchtfolge keine hohen Erträge möglich.

Die Französische Nachrichtenagentur übermittelte am Sonntag den 1. April beunruhigende Informationen über den Klimawechsel. Dieser wird von den durch die Vereinten Nationen versammelten Experten schon als etwas Unvermeidbares und von schwerwiegenden Folgen während der kommenden Jahrzehnte angesehen.

„Der Klimawechsel wird dem amerikanischen Kontinent bedeutenden Schaden zufügen, da er mehr gewaltige Stürme und Hitzewellen hervorbringen wird, die in Lateinamerika Dürreperioden hervorrufen werden, begleitet vom Aussterben von Tier- und Pflanzenarten und sogar von Hunger, wie die UNO in dem Bericht informiert, der nächste Woche in Brüssel angenommen werden soll.

„Am Ende des jetzigen Jahrhunderts wird jede Hemisphäre unter Problemen bezüglich des Wassers leiden, und wenn die Regierungen keine Maßnahmen treffen, dann könnte der Temperaturanstieg die Risikos von 'Sterblichkeit, Verseuchung, Naturkatastrophen und Infektionskrankheiten' erhöhen, warnt die Zwischenstaatliche Gruppe für Klimawechsel (IPCC).

„In Lateinamerika zerschmelzen aufgrund der Erwärmung schon die Gletscher der Anden und ist der Amazonas-Wald bedroht, dessen Umland zu einer Savanne werden kann“, bestätigt das Kabel weiter.

„Aufgrund der großen Bevölkerungsmenge in Küstennähe sind die Vereinigten Staaten ebenfalls den extremen Naturerscheinungen ausgesetzt, wie der Hurrikan Katrina im Jahr 2005 bewies.

„Dies ist der zweite Bericht der IPCC von einer Serie von drei, die im vergangenen Februar mit einer ersten wissenschaftlichen Diagnose begonnen wurde, bei der man die Gewissheit des Klimawechsels feststellte.“

„Bei dieser zweiten Übergabe von 1.400 Seiten, wo der Wechsel nach Bereichen und Regionen analysiert wird, und von der AFP eine Kopie erworben hat, wird es so gesehen, dass der Temperaturanstieg auf dem gesamten Planeten in den nächsten Jahrzehnten schon eine Tatsache ist, selbst wenn radikale Maßnahmen getroffen werden, um die Kohlenstoff-Emissionen in die Atmosphäre zu vermindern“, endet die Nachricht der französischen Nachrichtenagentur.

Wie zu erwarten, erklärte Dan Fisk, Berater für Nationale Sicherheit für die Region, am Tag des Treffens von Camp Davis selbst, dass „bei der Diskussion von regionalen Fragen unter anderen das Thema Kuba zur Debatte stünde und zwar nicht gerade um das Thema Äthanol zu behandeln – über das der genesende Präsident Fidel Castro am Donnerstag einen Artikel schrieb – sondern über den Hunger, den es im kubanischen Volk hervorgerufen hat".

Da ich mich gezwungen sehe, diesem Herrn eine Erwiderung zukommen zu lassen, ist es meine Pflicht, ihn daran zu erinnern, dass die Kindersterblichkeitsrate in Kuba geringer ist, als die in den Vereinigten Staaten. Es kann versichert werden, dass es keinen Bürger gibt, der ohne kostenfreie medizinische Betreuung bleibt. Alle lernen und studieren und niemandem fehlt es an einem Angebot für eine nützliche Arbeit, trotz der Wirtschaftsblockade von fast einem halben Jahrzehnt und dem Versuch der Regierungen der Vereinigten Staaten, das kubanische Volk durch Hunger und wirtschaftliche Erdrosselung zu besiegen.

China würde niemals auch nur eine einzige Tonne Getreide oder Hülsenfrüchte dazu verwenden, Äthanol zu erzeugen. Es ist eine Nation mit einer blühenden Wirtschaft, die Wachstumsrekorde schlägt, wo jeder der Bürger die notwendigen Einnahmen für essentielle Konsumgüter erhält, trotzdem 48 Prozent der Bevölkerung, die 1,3 Milliarden Einwohner übersteigt, in der Landwirtschaft arbeitet. Im Gegenteil, es hat sich vorgenommen bedeutende Energieeinsparungen vorzunehmen, indem tausende Fabriken beseitigt werden, die einen unannehmbaren Verbrauch an Strom und Kohlenwasserstoffen aufweisen. Viele der genannten Nahrungsmittel importiert es aus jeglichem Winkel der Welt und nach einem Transport über tausende Kilometer.

Dutzende Länder fördern keinen Kohlenwasserstoff und können weder Mais oder andere Körner, noch ölhaltige Samen erzeugen, da sie selbst zur Deckung ihrer elementarsten Bedürfnisse nicht ausreichend Wasser zur Verfügung haben.

Zu einem in Buenos Aires von der Kammer der Speiseölindustrie und dem Zentrum für Exporteure über die Äthanolherstellung einberufenen Treffen hat der Holländer Loek Boonekamp, Direktor für Agrarmarkt und -handel der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OCDE), vor der Presse erklärt:

„Die Regierungen waren sehr begeistert; sie sollten einen kühlen Blick darüber bewahren, ob es eine solch starke Unterstützung für das Äthanol geben sollte.

„Die Äthanolerzeugung ist nur in den Vereinigten Staaten machbar; in keinem anderen Land, es sei denn, man würde Subventionen anwenden.

„Das ist kein Geschenk des Himmels und wir brauchen uns nicht blind zu verpflichten“, lautet das Kabel weiter.

„Heutzutage veranlassen die entwickelten Länder, dass die fossilen Kraftstoffe mit ca. 5 Prozent Biokraftstoff gemischt werden und das übt schon Druck auf die Agrarpreise aus. Wenn dies auf 10 Prozent gehoben würde, würde man 30 Prozent der angebauten Landwirtschaftsfläche in den Vereinigten Staaten und 50 Prozent der von Europa benötigen. Deshalb frage ich, ob das nachhaltig ist. Der steigende Bedarf an Pflanzungen für Äthanol wird höhere und schwankendere Preise hervorrufen.“

Die Schutzzollmaßnahmen erreichen heutzutage 54 Cent pro Gallone und die realen Subventionen erreichen viel höher Ziffern.

Wenn wir die einfache Arithmetik anwenden, die wir im Gymnasium gelernt haben, dann würde man feststellen, dass ein einfacher Ersatz der Glühbirnen durch Leuchtstofflampen, wie ich es bei meinen vorangegangenen Überlegungen ausgedrückt habe, eine Einsparung an Investitionen und Energieressourcen in Billionenhöhe beitragen würde, ohne auch nur einen einzigen Hektar landwirtschaftlichen Bodens zu verwenden.

Währenddessen bestätigen öffentliche, über AP verbreitete Nachrichten aus Washington wörtlich Folgendes:

„Das mysteriöse Verschwinden von Millionen Bienen im gesamten Gebiet der Vereinigten Staaten hält die Bienenzüchter am Rande eines Nervenzusammenbruchs und macht sogar dem Repräsentantenhaus Sorgen, das am heutigen Donnerstag die kritische Situation eines Insekts debattieren wird, das eine Schlüsselposition im Agrarsektor einnimmt.

„Die ersten ernsthaften Zeichen dieses Rätsels tauchten kurz nach Weihnachten im Staat Florida auf, als die Bienezüchter feststellten, dass die Bienen verschwunden waren.

„Seitdem hat das Syndrom, das die Experten als Problem des Zusammenbruchs der Bienenstöcke (englische Abkürzung: CCD) benannt haben, die Bieneschwärme des Landes um 25 Prozent vermindert.

„Wir haben mehr als eine halbe Million Bienenstöcke mit einer Bevölkerung von je ungefähr 50.000 Bienen verloren, sagte Daniel Weaver, Präsident des US-amerikanischen Bienenzüchterverbandes, der darauf hinwies, dass die Plage 30 der 50 Bundesstaaten befallen hat. Das merkwürdige des Phänomens ist, dass in vielen Fällen keine sterblichen Überreste aufgefunden werden.

„Die fleißigen Insekten bestäuben Pflanzungen, die zwischen 12 und 14 Milliarden Dollar geschätzt werden, wie eine Studie der Universität Cornell verlauten lässt.

„Die Wissenschaftler ziehen aller Art Hypothesen in Betracht, darunter die, dass irgendein Schädlingsbekämpfungsmittel den Bienen neurologische Schäden zugefügt und ihren Orientierungssinn beeinträchtigt haben kann. Andere geben der Dürre die Schuld, und sogar den Wellen der Handys, aber die Wahrheit ist die, dass niemand genau weiß, wodurch es wirklich ausgelöst wurde.“

Das Schlimmste kann noch vor uns stehen: ein neuer Krieg zur Absicherung der Ergas- und Erdöllieferungen, der die menschliche Gattung an den Abgrund des vollkommenen Holocaust stellen kann.

Einige russische Presseorgane, die sich auf Geheimdienstquellen berufen, haben informiert, dass der Krieg gegen Iran seit mehr als drei Jahren in allen Details vorbereitet wird, das heißt seit dem Tag, an dem die Vereinigten Staaten beschlossen, Irak vollkommen zu besetzen, indem sie einen endlosen und widerlichen Zivilkrieg auslösten.

Währenddessen bestimmt die Regierung der Vereinigten Staaten Hunderte Milliarden für die Entwicklung von technologisch hoch entwickelten Waffen, wie diejenigen, die auf der Grundlage von mikroelektronischen Systemen funktionieren, oder von neuen Atomwaffen, die sich eine Stunde nach Befehlserhalt über dem Ziel befinden können.

Die Vereinigten Staaten ignorieren vollkommen, dass die Weltöffentlichkeit gegen jede Art Atomwaffen ist.

Die iranischen Fabriken bis auf die letzte zu zerstören, das ist technisch gesehen eine relativ einfache Aufgabe für eine Macht wie die Vereinigten Staaten. Das Schwierige kann anschließend kommen, wenn ein neuer Krieg gegen eine weitere moslemische Glaubensrichtung entfacht wird, die all unsere Achtung verdient, genau wie die anderen Religionen der Völker des Nahen, Mittleren und Fernen Ostens, sowohl vorchristliche als auf das Christentum folgende.

Die Festnahme der englischen Soldaten in Hoheitsgewässern des Iran scheint genau so eine Provokation zu sein, wie die der so genannten „Hermanos al Rescate“, bei der man, die Befehle des Präsidenten Clinton verletzend, auf unseren Hoheitsgewässer vorrückte und bei der die vollkommen legitime Verteidigungshandlung von Kuba der Regierung der Vereinigten Staaten zum Vorwand diente, um das bekannte Helms-Burton-Gesetz zu verabschieden, das die Souveränität von anderen Ländern verletzt. Mächtige Massenmedien haben jenes Ereignis in die Vergessenheit versenkt. Nicht Wenige schreiben den am vergangenen Montag erreichten Erdölpreis von fast 70 Dollar pro Barrel den Befürchtungen bezüglich eines Angriffs auf Iran zu.

Woher werden die armen Länder der Dritten Welt die Minimalressourcen zum Überleben nehmen?

Weder übertreibe ich, noch verwende ich exzessive Worte. Ich halte mich an die Tatsachen.

Wie man beobachten kann, befinden sich viele der Seiten des Polyeders im Verborgenen.



3. April 2007

Fidel Castro Ruz

Mittwoch, 28. März 2007

Mehr als 3 Milliarden Menschen auf der Welt durch Verhungern und Verdursten vorzeitig zum Tode verurteilt

Reflexionen des Comandante en Jefe: Mehr als 3 Milliarden Menschen auf der Welt durch Verhungern und Verdursten vorzeitig zum Tode verurteilt

Das ist keine übertriebene Zahl, eher eine vorsichtige. Ich habe viel darüber nachgedacht seit dem Treffen von Präsident Bush mit den US-amerikanischen Automobilherstellern.

Die unheilvolle Idee, die Nahrungsmittel in Kraftstoff zu verwandeln, wurde am vergangenen Montag, dem 26. März, endgültig als Wirtschaftsleitlinie der Außenpolitik der Vereinigten Staaten festgelegt.

Eine Kabelnachricht der AP, einer US-amerikanischen Nachrichtenagentur, die alle Winkel der Welt erreicht, lautet wörtlich wie folgt:

„WASHINGTON, 26. März (AP). Während einer Zusammenkunft mit Automobilherstellern, bei der den Plänen für Alternativkraftstoffe Impulse verliehen werden sollten, lobte Präsident Bush am Montag die Vorteile der Autos, die mit Äthanol und Biokraftstoff betrieben werden.“

Bush sagte, dass eine Übereinkunft der führenden einheimischen Automobilhersteller darüber, ihre Produktion der mit Alternativkraftstoffen betriebenen Fahrzeuge zu verdoppeln, helfen würde, dass die Autofahrer von den Benzinmotoren abkommen und sich damit die Abhängigkeit des Landes vom importierten Erdöl vermindern würde.

„, Das ist ein großer technologischer Fortschritt für das Land´, sagte Bush, nachdem er drei mit Alternativkraftstoffen betriebene Autos angeschaut hatte. Damit der Benzinverbrauch der Nation gesenkt werden kann, muss der Verbraucher die Möglichkeit haben, eine rationelle Entscheidung zu treffen.

„Der Präsident drängte das Repräsentantenhaus, jene von der Regierung kürzlich vorgelegte Gesetzesvorlagen schnell zu verabschieden, die bis zum Jahr 2017 die Verwendung von 132 Milliarden Litern (35 Milliarden Gallonen) Alternativkraftstoffe anordnen und strengere Standards zur Kraftstoffeinsparung bei Autos auferlegen.

„Bush hatte ein Treffen mit dem Vorstandsvorsitzenden und Generaldirektor der General Motors Corp, Rich Wagoner; dem Generaldirektor der Ford Motor Co., Alan Mulally und dem Generaldirektor der Gruppe Chrysler der Daimler Chrysler AG, Tom LaSorda.

„Die Teilnehmer der Zusammenkunft diskutierten über Maßnahmen zur Unterstützung der Herstellung von Alternativkraftstoff-Autos, Versuche zur Äthanolherstellung ausgehend von solchen Quellen wie Rasen oder Sägemehl und einen Antrag zur Verminderung des Benzinverbrauchs um 20% in zehn Jahren.

„Diese Diskussionen fanden zu einem Zeitpunkt statt, wo die Benzinpreise gestiegen sind. Eine kürzliche Studie der Organisation Lundberg Survey zeigte auf, dass der einheimische Durchschnittspreis für Benzin in den letzten zwei Wochen um 6 Cent pro Gallone (3,78 Liter) gestiegen ist, und zwar auf 2,61Dollar.“

Ich meine, dass die Verminderung und außerdem das Recycling aller Strom und Kraftstoff verbrauchenden Motoren eine elementare und dringliche Notwendigkeit der Menschheit insgesamt ist. Die Tragödie besteht nicht darin, diesen Energieverbrauch zu senken, sondern in der Idee, die Nahrungsmittel in Kraftstoff zu verwandeln.

Jetzt ist schon genau bekannt, dass eine Tonne Mais im Durchschnitt nur 413 Liter Äthanol (in Abhängigkeit der Dichtewerte) erzeugen kann, das entspricht 109 Gallonen.

Der Durchschnittspreis von Mais ab US-amerikanischen Häfen beträgt 167 Dollar pro Tonne, sodass 320 Millionen Tonnen Mais benötigt werden, um 35 Milliarden Gallonen Äthanol zu erzeugen.

Angaben der FAO zufolge betrug die Maisernte von 2005 in den Vereinigten Staaten 280,2 Millionen Tonnen.

Obwohl der Präsident davon spricht, Kraftstoff ausgehend von Rasen oder Sägemehl zu erzeugen, kann jedermann begreifen, dass diese Worte absolut wirklichkeitsfremd sind. Man muss das verinnerlichen: 35 Milliarden Gallonen, das sind eine 35 und anschließend neun Nullen!

Dann werden wunderschöne Beispiele darüber angeführt, was die erfahrenen und gut organisierten Landwirte in den Vereinigten Staaten als Produktivität pro Person und pro Hektar erreichen: der Mais in Äthanol verwandelt; die Rückstände von diesem Mais in Viehfutter mit 26% Protein verwandelt, die Exkremente der Tiere als Rohstoff zur Gaserzeugung verwendet. Natürlich wird alles das nach reichlichen Investitionen erreicht, die nur den mächtigsten Unternehmen möglich sind, bei denen sich alles um den Strom- und Kraftstoffverbrauch drehen muss. Wendet man dieses Rezept in den Ländern der Dritten Welt an, sieht man wie viele Menschen unter den Hunger leidenden Massen unseres Planeten dann keinen Mais mehr essen können. Oder noch schlimmer: Wenn man den armen Ländern Finanzierung zur Äthanolherstellung aus Mais oder jeglichem anderen Nahrungsmittel verleiht, dann wird kein Baum übrig bleiben, um die Menschheit vor dem Klimawechsel zu schützen.

Andere der reichen Länder der Welt haben vorgesehen, nicht nur Mais, sondern auch Weizen, Sonnenblumenkerne, Rapssamen und andere Nahrungsmittel zur Herstellung von Kraftstoff zu verwenden. Für die Europäer wäre es zum Beispiel ein gutes Geschäft, alle Sojabohnen der Welt zu importieren, um den Kraftstoffverbrauch ihrer Autos zu verringern und ihr Vieh mit den Rückständen dieser Hülsenfrucht zu ernähren, die besonders reich an jeder Art essenzieller Aminosäuren ist.

In Kuba wurden die Alkoholarten als Nebenprodukte der Zuckerrohrindustrie hergestellt, nachdem das Zuckerrohr dreimal ausgepresst wurde. Der Klimawechsel schädigt schon unsere Zuckerproduktion. Große Dürreperioden im Wechsel mit Rekordniederschlägen ermöglichen kaum eine Zuckerproduktion mit ausreichendem Ertrag über einhundert Tage während unseres sehr milden Winters, sodass aufgrund der langen Dürreperioden in den Aussaat- und Anbaumonaten nicht genügend Zucker pro Tonne Zuckerrohr erzeugt wird, oder nicht genügend Zuckerrohr pro Hektar.

Soweit ich weiß, wird der Alkohol in Venezuela nicht zur Ausfuhr bestimmt sein, sondern um die Umwelteigenschaften ihres eigenen Kraftstoffs zu verbessern. Deshalb, und unabhängig von der vorhandenen ausgezeichneten brasilianischen Technologie zur Alkoholherstellung, stellt für Kuba die Anwendung einer Technologie zur Alkoholherstellung direkt aus dem Zuckerrohrsaft nur einen Traum dar oder einen Fieberwahn derjenigen, die sich mit dieser Idee falsche Hoffnungen machen. In unserem Land können die zur direkten Alkoholerzeugung verwendeten Ländereien viel nützlicher zur Nahrungsmittelherstellung für die Bevölkerung und für den Umweltschutz genutzt werden.

Alle Länder auf der Welt, reiche und arme ohne jegliche Ausnahme, könnten allein durch das Auswechseln aller Glühbirnen durch Leuchtstofflampen Abermillionen Dollar an Investitionen und Kraftstoff sparen, was Kuba in allen Haushalten des Landes getan hat. Das würde eine Atempause bedeuten, um dem Klimawechsel standzuhalten ohne die armen Bevölkerungsmassen der Welt an Hunger sterben zu lassen.

Wie man beobachten kann, habe ich keine Adjektive verwendet, um das System und die Beherrscher der Welt zu beurteilen. Die pflichtbewussten Informationsexperten und Vertreter der sozioökonomischen und politischen Wissenschaften verstehen es ausgezeichnet dieser Aufgabe nachzukommen. Sie sind zahlreich auf der Welt und bohren ständig in der Gegenwart und Zukunft unserer Gattung nach. Ein Computer und die steigende Anzahl von Internet-Netzen ist ausreichend hierfür.

Heutzutage kennen wir zum ersten Mal eine wirklich globalisierte Wirtschaft und eine auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet dominierende Macht, die dem Rom der Imperatoren überhaupt nicht ähnelt.

Manche fragen sich, warum ich über Hunger und Durst spreche. Darauf antworte ich: hierbei geht es nicht um die eine Kehrseite der Medaille, sondern um mehrere Kehrseiten von etwas anderem, wie es zum Beispiel bei einem Würfel mit sechs Seiten der Fall ist, oder bei einem Polieder mit vielen Seiten.

Ich greife in diesem Fall auf eine öffentliche Nachrichtenagentur zurück, die 1945 gegründet wurde und im Allgemeinen gut über die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Welt informiert ist: die TELAM. Sie lautet wörtlich wie folgt:

„Ungefähr 2 Milliarden Menschen werden in knapp 18 Jahren in Ländern und Regionen leben, wo das Wasser nur noch eine entfernte Erinnerung darstellt. Es kann sein, dass zwei Drittel der Weltbevölkerung an Orten leben werden, wo die Knappheit soziale und wirtschaftliche Spannungen solcher Größenordnung hervorruft, dass es zu Kriegen um das geschätzte `blaue Gold` zwischen den Völkern kommen könnte.

„Während der letzten 100 Jahre wies der Wasserverbrauch eine zweimal größere Wachstumsrate als das Bevölkerungswachstum auf.

„Im Jahr 2015 wird gemäß Statistiken des Weltwasserrats (WWC in der englischen Abkürzung) die von dieser schwerwiegenden Situation betroffene Einwohnerzahl 3,5 Milliarden Menschen betragen.

„Die Organisation der Vereinten Nationen hat am 23. März den Weltwassertag begangen und dabei dazu aufgerufen, ab diesem Tag selbst der weltweiten Wasserknappheit unter Koordinierung der Organisation der Vereinten Nationen für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) zu begegnen, um die wachsende Bedeutung der Wasserknappheit auf Weltebene hervorzuheben und die Notwendigkeit von mehr Integration und Zusammenarbeit zu unterstreichen, welche es ermöglichen, eine nachhaltige und effiziente Verwaltung der Wasserressourcen zu garantieren.

„Viele Gebiete des Planeten leiden an kritischer Wasserknappheit und müssen mit weniger als 500 Kubikmetern pro Person jährlich auskommen. Immer mehr Gebiete leiden an chronischem Mangel an diesem vitalen Element.

„Hauptsächliche Folgen dieser Wasserknappheit sind die ungenügende Menge dieser kostbaren Flüssigkeit zur Nahrungsmittelproduktion, die Unmöglichkeit der industriellen, städtebaulichen, touristischen Entwicklung und Gesundheitsprobleme.“

Soweit die Kabelnachricht von TELAM.

Ich habe es in diesem Fall ausgelassen, weitere wichtige Tatsachen zu nennen, wie die schmelzenden Eismassen von Grönland und der Antarktis, die Schäden der Ozonschicht und die zunehmende Menge an Quecksilber in vielen Fischarten, die gewöhnlich verzehrt werden.

Man kann noch andere Themen behandeln, aber ich beabsichtige mit diesen Zeilen nur, einen Kommentar über die Zusammenkunft von Präsidenten Bush mit den wichtigsten Führungskräften von US-amerikanischen Automobilgesellschaften zu machen.



28. März 2007

Fidel Castro

Dienstag, 27. Februar 2007

Telefongespräch des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz mit Hugo Chávez Frías während der Sendung „Aló, Presidente“ Nr. 269 am 27. Februar 2007

Hugo Chávez: Wer spricht, bitte?

Fidel Castro: Hören Sie mich?

Hugo Chávez: Ja, ich höre Dich.

Fidel Castro: Erlauchter und lieber Freund, wie geht es Ihnen?

Hugo Chávez: Mein Gott, Fidel ist am Apparat! (Beifall und Rufe: Fidel, Fidel, Fidel!)

Fidel Castro: Gerade hör ich deine Sendung Aló, Presidente und die vielen Details, die du in nur ein paar Minuten angesprochen hast. Deine Argumente zum Wachstum, zum BIP, über Verminderung der Arbeitslosigkeit und noch viel Interessantes finde ich sehr gut.

Hugo Chávez: How are you, Fidel?

Fidel Castro: Very well. (Lachen)

Hugo Chávez: Du kannst Dir nicht vorstellen, wie glücklich wir darüber sind, deine Stimme zu hören und dass es dir gut geht.

Fidel Castro: Vielen Dank.

Hugo Chávez: Unsere Umarmung für dich zur Begrüßung. Wir sind sehr überrascht, und zwar angenehm, und so wie fast immer, hatten wir gerade von dir gesprochen.

Fidel Castro: Ich wusste, dass ich eines Tages in einem Aló, Presidente landen würde.

Hugo Chávez: Ja, das gibt es jetzt täglich.

Fidel Castro: Nein, nein, verpflichte mich nicht dazu. Ich muss sehr viel arbeiten (Lachen), vor allem mir vieles aneignen. Dabei sehe ich, dass auch du die Bücher nicht aus der Hand legst. Wann schläfst du eigentlich?

Hugo Chávez: Nun ja, so gegen Morgen schlafe ich eine Weile.

Fidel Castro: Eine Weile.

Hugo Chávez: Ja, ich schlafe nur wenig, da ich viel studiere. Das ist Aufgabe eines jeden Revolutionärs, und wir folgen deinem Beispiel.

Fidel Castro: Ja, ja, du benutzt viel Zeit zum Lesen, und dabei hast du ein ganz besonders privilegiertes Gedächtnis, für alles, was du einmal gelesen hast. Was du lediglich mitunter vergisst, sind die Zahlen. (Lachen)

Hugo Chávez: Also, vergessen schon, aber nicht übermäßig.

Fidel Castro: Du hast alles dort im Auge, damit man sich nicht verliert, denn es fällt bereits schwer, dir nachzukommen.

Hugo Chávez: Weißt du, wie viel Hektar Mais für die Herstellung von einer Million Barrel Äthanol notwendig sind?

Fidel Castro: Äthanol? Ich meine, du sprachst kürzlich von 20 Millionen Hektar, in dieser Größenordnung (Lachen), aber sag´s mir noch einmal genau.

Hugo Chávez: Zwanzig Millionen. Also bist du derjenige mit dem hervorragenden Gedächtnis.

Fidel Castro: So, so, 20 Millionen.
Natürlich ist die Idee der Erzeugung von Treibstoff aus Lebensmitteln tragisch, dramatisch. Keiner weiß mit Sicherheit, wie hoch die Lebensmittelpreise noch steigen werden, wenn Soja zu Treibstoff verarbeitet wird, wo sie doch so nötig ist für die Produktion von Eiern, Milch, Fleisch; diese ist eine der vielen Tragödien unserer Zeit.
Ich freue mich sehr, dass du das Banner zur Rettung unserer Gattung schwingst, denn der Kampf für die Rettung unserer Gattung ist ein harter, da neue, sehr schwerwiegende Probleme hinzukommen. Und du bist faktisch ein Prediger, ein großer Prediger, der zum Verfechter des Lebens unserer Gattung geworden ist. Dafür meinen Glückwunsch.
Du bist zurzeit voll mit dem Programm „Moral y Luces“ (Moral und Aufklärung) beschäftigt, um die Menschen zu erziehen, damit sie begreifen. Und dazu gibt es einen Berg von Einzelheiten, die ich alltäglich lese und analysiere, ich bin ganz auf dem Laufenden: Kriegsgefahren, Klimawechsel, Nahrungsmittelverknappung, denn – wie du angeführt hast – gibt es Milliarden Menschen, die Hunger leiden. Das sind Realitäten.
Zum ersten Mal in der Geschichte befassen sich die Regierungen damit, Regierungen, die Möglichkeiten dazu haben, die moralische Autorität dafür besitzen, und du bist eins dieser seltenen Beispiele.
Kürzlich las ich, Australien habe sich als erstes Land der Welt mit einer Revolution in der Energiewirtschaft bezeichnet und dabei soll das Projekt in zwei oder drei Jahren umgesetzt werden. Das ist einfach zum Lachen, denn ihr habt in zwei Monaten bereits 34 Millionen Sparlampen eingesetzt und in vier Monaten wird das erste Teilziel mit dieser so vorteilhaften Lampe erreicht und sie in allen Heimen zu finden sein. Es gibt also noch jemanden in dieser Richtung; so machen einige Australien jetzt schon diesen ersten Platz strittig.
Kein einziges Land, weder in Europa noch andernorts, steht diesem Problem gleichgültig gegenüber.
Entschuldige, dass ich so weit ausgeholt und dir die Hälfte deiner Sendezeit gestohlen habe.

Hugo Chávez: Nein, von weit ausgeholt kann keine Rede sein. Es ist jetzt 7.49 Uhr.
Wir sprachen von dir, denn du weißt, heute ist der 27. Februar und hier wurde behauptet, eine der Ursachen des Caracazo habe darin bestanden, dass du bei deinem damaligen Besuch 200 Agitatoren hier zurückließt, welche die Prärie anzündeten, wie man so schön sagt. Heute nun analysierten wir die Ursachen des Aspektes der Außenverschuldung, die Themen des schwarzen Freitag, der Ausplünderung des Landes, der Kapitalflucht, der Privatisierungen, der von einer schrecklichen Rezession begleiteten Inflation, der Arbeitslosigkeit, der Verarmung sogar der Mittelschichten.
Vor einer Minute verlasen wir – ich weiß nicht, ob du es hörtest – was Einstein zum Warum des Sozialismus sagt; und der Wissenschaftler schlussfolgert, dass der Kapitalismus zum Chaos führt.
Im Zusammenhang mit dem Caracazo warst du, Fidel, bei uns und ich erinnerte mich, wie ich dich in jenen Tagen hier von Weitem sah, mich dir nähern und dich begrüßen wollte, obwohl es nicht ging. Denn hier hatten wir bereits Anteil an der revolutionären Bewegung. Und von hier aus, von Aló, Presidente, - wobei wir dich hören und mit dir reden können - sagen wir nun der Welt, was für eine große Ehre es war, dass sich an jenem Tag ein Volk gegen den Neoliberalismus erhob.
Der Caracazo war, du weißt es, Fidel, international gesehen die erste Reaktion von enormer Schlagkraft auf den neoliberalen Plan, als die Sowjetunion und die Berliner Mauer bereits fielen und es hieß, das Ende der Geschichte und des Einheitsdenkens habe begonnen.
Und nach dem Caracazo kam der 4. Februar. Du weißt, man muss jene Ereignisse, um sie zu begreifen, unbedingt im Zusammenhang sehen. Danach der lange Weg, unsere Revolution, in der Kuba stets präsent ist, war und sein wird, und Kuba mit dir an der Spitze. So viele Dinge, die wir euch zu verdanken haben, diese Revolution im Energiebereich wäre ohne Kuba unmöglich gewesen.
Heute findet die 7. Tagung der Gemischten Kommission auf hoher Ebene in Havanna statt, wie du weißt, und die Ergebnisse vom Voranschreiten des ALBA-Abkommens und der bilateralen Zusammenarbeit, wie sie mir bis zum Zeitpunkt mitgeteilt wurden, sind außerordentlich.
Du wirst sicher wissen, doch möchte ich wiederholen, damit es alle hören, dass ich gestern dem Minister Rafael Ramírez die Gründung eines Joint Venture Unternehmens mit Vietnam genehmigt habe und ihn bat, es heute in Havanna vorzutragen. Denn wir könnten ein Unternehmen Kuba-Vietnam-Venezuela gründen und es hier in Venezuela oder in Kuba, oder in beiden Ländern einrichten. Es handelt sich um eine Sparlampenfabrik, um die Revolution dieses Sektors weiter auszudehnen. Sparlampen und andere Elemente, die zur Vertiefung der Revolution in der Energiewirtschaft gebraucht werden, Solarzellen, das System für Windenergie. Fidel, ich möchte, dass wir alle diese Fabriken hier einrichten; wir bringen die Technik hierher.

Was meinst du dazu?

Fidel Castro: Hört sich wunderbar an.
Vor drei Tagen haben wir auf Isla de la Juventud einen Windpark eingeweiht, zwar noch bescheiden, mit Windkraftanlagen von 275 kW, die uns aber für die Tests, die wir dort durchführen werden, nützen. Und es gibt eine sehr wichtige Zone im Ostteil unseres Landes, wo wir sämtliche Messungen vornehmen, um weitere Windparks dort einzurichten, die dann mit geringeren Investitionskosten Strom produzieren würden.
Euer Vorteil ist, dass euer Land nicht von Hurrikans heimgesucht wird, wie es bei uns der Fall ist. Also müssen wir Schutzmaßnahmen diverser Art treffen. Das kann die Benutzung von Kränen sein, die Entfernung der Windradflügel, also wir müssen Lösungen finden. Auch eine Sonnenenergieanlage habt ihr in Caracas installiert, die es sich lohnt, die gut genutzt werden konnte, obwohl die Investition kostspielig ist. Erfolgt die Fertigung dann im Land, wird alles viel billiger werden.
Ihr werdet eine Fabrik von rostfreiem Stahl aufbauen. Der Strombedarf dieser Produktion wird dann durch die billige, bereits verfügbare Energie, vor allem aber durch die mittels Einsparung gewonnene gedeckt werden.
Das Territorium Venezuelas erstreckt sich über fast eine Million Quadratkilometer, wir dagegen sind eine Nussschale, vom Golfstrom vor die Nase deiner Freunde im Norden gespült.

Hugo Chávez: Our friends.

Fidel Castro: Du meinst, ich könnte Englisch. Das war einmal.

Hugo Chávez: Hast du es vergessen?

Fidel Castro: Das Trauma, das sie mir dann zufügten, hat mich vergessen lassen. Daher habe ich nicht so ein hervorragendes Gedächtnis wie du, deine Fähigkeit der Zusammenfassung, dein musikalisches Gehör, dein Gedächtnis für Lieder – denn ich kann nicht glauben, dass du so häufig gefeiert und dadurch dann alle Lieder im Gedächtnis hast, die du in Aló, Presidente anstimmst. Also, darum könnte ich dich beneiden.

Hugo Chávez: Nein, ich habe nicht so viel gefeiert wie du, niemals habe ich so häufig an Feiern teilgenommen wie du, auch nicht so viel gesungen wie du.

Fidel Castro: Nein, mein Lieber, nein! Ich kann mich in etwa an den Text erinnern, aber du kennst ja alles auswendig, denn ich beobachte dich: du suchst das Wort, wiederholst und findest das richtige Wort.
Letzten Endes wirst du zu den großen Schriftstellern dieser Erdhälfte gehören. Und beklage dich nicht, denn die Schriftsteller gewinnen immer mehr Einfluss.

Hugo Chávez: Ich wollte dich etwas fragen.
Wie findest du die neueste Meldung, wonach 67% der US-Bürger die Irak-Politik von Bush ablehnen? Wie du weißt, bereiten wir einen Willkommensgruß für Bush in Südamerika vor.

Fidel Castro: Aha, man wird ihn willkommen heißen.
Ja, ich habe davon gehört, ich glaube es wird etwas von Massenorganisationen geben, alles im Rahmen eines sehr friedlichen Geistes und sehr respektvoll.
Doch ich wette, dass du zwei neue Meldungen von heute noch nicht kennst.

Hugo Chávez: Nun sag doch, leite die Neuigkeit zu Aló, Presidente.

Fidel Castro: Zum Beispiel kam es heute an der Shanghaier Börse zu einem Kursrückgang um 9% und die New Yorker Börse, die man ja als Königin aller bezeichnen könnte, verzeichnete einen 4%-Rückgang, einen der stärksten in den letzten Jahren. Und das bestätigt unsere Vermutungen eigentlich nur noch.

Hugo Chávez: Also diese Mitteilungen sind mir nicht …

Fidel Castro: Heute büßten sie dort 800 Milliarden Dollar ein und dabei ist diese die Superbörse, die jetzt einen höheren Rückgang verzeichnete als während der Krise in Südostasien.
So weiß ich nun nicht, was die Regierenden der USA– also den, der sie motu proprio regiert - mehr aufregen wird, die Meldung der Geschehnisse dort oder seine Reise nach Südamerika. Was meinst du?

Hugo Chávez: Die Meldungen über die Rückgänge an den Börsen von Shanghai und New York hatte ich nicht.
Du weist sicher bereits, denn du weißt ja alles, dass der Währungsfonds in einer Krise steckt und gestern und heute sagte ich, dass sie vielleicht sogar eine Anleihe bei Banco del Sur aufnehmen müssen. Der Währungsfonds kann die Gehälter nicht bezahlen; sie sind dabei, die Goldbarren zu verkaufen.

Fidel Castro: Ja, sie verkaufen Gold, das zurzeit das Einzige ist, was Wert besitzt. Papier sollten sie verkaufen, die Scheine, mit denen die Vereinigten Staaten bezahlen. In der heutigen Zeit Gold zu verkaufen, ist der blanke Wahnsinn. Nun gut, Banco del Sur ist eine seriöse Bank, will eine seriöse Bank werden.

Hugo Chávez: Es wird eine seriöse Bank werden.

Fidel Castro: Der Internationale Währungsfonds war es nie und probiert nun die Krise aus. Sieh mal, das geschieht zwei oder drei Tage vor dem Rückgang an den Börsen.

Hugo Chávez: Es ist die gleiche Krise – du weißt es wohl – die Krise der Weltwirtschaft. Die Länder für sich haben jedes ihr eigenes Modell: wir haben den Sozialismus gewählt, dort in Kuba, hier in Venezuela, mit seinen jeweiligen Besonderheiten; und im internationalen Rahmen das ALBA-Abkommen, dessen Umsetzungstempo wir erhöhen; Fidel, du weißt es genau, wir erhöhen das Tempo.
Alle Welt fragt nach dir. Wir waren in Martinique, Dominica und San Vicente. Die Ministerpräsidenten lassen dich grüßen: Roosevelt Skerrit, unser Freund, und der Ministerpräsident von San Vicente und Granadinen; wir haben uns die Flugplatzerweiterung angesehen. Dort sprach ich mit kubanischen Arbeitern und den Venezolanern, dem Ingenieurkorps der venezolanischen Armee. In Dominica weihten wir das erste Treibstoffdepot ein und in San Vicente, mit Ralph Gonsalves, die Gasabfüllanlage.
Alle fragen mich nach dir und ich sage ihnen, was ich weiß: von deiner Genesung, deiner neuen Sierra Maestra, dieser großen Schlacht, die du geliefert hast und weiter lieferst, bei der wir dich Tag um Tag begleiten und Gott bitten, er möge, wie du sagtest „Chávez und seinen Freunden helfen“, so möge er dir zur vollständigen Genesung verhelfen. Wir alle, und Fidel du weißt, wir sind Millionen auf der Welt, die wir dich bald gesund unter uns haben wollen. Und ich bin sicher, dass es so sein wird.
Vor drei Tagen war Daniel Ortega hier, wir unterhielten uns mehrere Stunden. Kommende Woche gibt es eine Tagung der Gemischten Kommission in Managua.
Kirchner kam, wie du weißt, in das Gebiet des Orinoco, und er hat mich eingeladen. Ich nutze die Gelegenheit deines Anrufs, um dies bekannt zu geben. Wir hatten es noch nicht veröffentlicht. Nächste Woche werden wir uns in Buenos Aires treffen und die bilateralen Beziehungen Argentinien-Caracas weiter ausbauen. Und dann ein Treffen in Bolivien – wir besuchen Evo die folgende Woche. Von der strategischen Allianz, der Achse Caracas-Buenos Aires, über Brasilia, die Achse mit La Paz und nun auch mit Correa.
In Quito langte das erste Schiff an, du wirst es wissen. Ich nutze nur deinen Anruf, um all diese Dinge aufzufrischen, wie wir vorankommen.
Und du, Fidel, das Beispiel an Durchhaltevermögen und jetzt an Offensive. Ich will die Gelegenheit deines überraschenden Anrufs, der uns so sehr motiviert und erfreut, nicht versäumen, um unseren Völkern immer wieder den Wert des revolutionären Kuba, deinen Wert und dein Bewusstsein ins Gedächtnis zu rufen.
Wir erinnerten uns an deinen Besuch 1959, als das so genannte Demokratiemodell einsetzte, das durchschlagend scheiterte. Und jenes Scheitern führte zum Caracazo, und vom Caracazo zum 4. Februar, und vom 4. Februar zum heutigen Tag, zu all dem, was sich heute hier ereignet. Dabei sind du und Kuba mit eurem Beispiel an Würde, an Kampf, an Mut und eurer unendlichen Solidarität stets unser Vorbild gewesen und werden es auch bleiben.

Fidel Castro: Hugo, ich wollte dir noch sagen, dass ich mit dem Leiter deiner Delegation ein Gespräch geführt habe, gerade als Meldungen von dort kamen, worüber ich sehr erfreut bin. Er ist gerade bei mir und vielleicht ergeben sich später noch Gespräche mit einigen anderen Mitgliedern der Delegation.
Sie arbeiten hier sehr, sehr viel, mit großer Begeisterung und nutzen die wenige Zeit, die uns verbleibt. Der Faktor Zeit darf nicht außer Acht gelassen werden und meines Erachtens bleibt uns nicht viel, und sie sind sich dessen offensichtlich mehr als bewusst.
Ich danke dir sehr für alle übermittelten Grüße, dass du mich nicht vergisst, und vor allem will ich dir die Mikrofone überlassen, denn sonst verführen sie mich wieder, genau wie dich. Konkurrieren könnte ich nicht mit dir, doch ein bisschen wetteifern schon.
Auch bedanke ich mich für die Grüße der Venezolaner, jenes heldenhaften, geliebten Volkes, das dir deine große heutige Verantwortung übertragen hat. Die Geschichte wurde neu geschrieben; doch vor 200 Jahren war alles noch ganz anders. Die Welt hat sich äußerst verändert, vor allem in den letzten 60 Jahren, und über diese Zeit sollte man sehr viel nachdenken. Ich tue dies ausführlich und fühle mich wohl dabei, denn ich halte es für sehr wichtig. Ich freue mich auch darüber, wie deine Leute arbeiten - ich hatte dir bereits etwas dazu gesagt – mit welcher Begeisterung und Ernsthaftigkeit. Allen danke ich für ihren Beweis an Herzlichkeit und Ermutigung, jetzt, da ich mich mit dieser Aufgabe befasse.
Ich kann dir nicht versprechen, dich bald zu besuchen und auf einer deiner Reisen zu begleiten; doch ich mache Fortschritte, ich fühle mich stärker, mit mehr Kraft und mehr Zeit zum Lesen. Mit einem Wort, ich bin wieder Student.

Hugo Chávez: Moral y luces.

Fidel Castro: Moral y luces! Das geht mir nicht mehr aus dem Kopf, denn ich erlebe zum ersten Mal, dass jemand versucht, diese moralische Schlacht durch die Eroberung des Innenlebens, des Herzens und des Geistes der Menschen zu gewinnen. Ich weiß nicht, ob dir noch viel Zeit bleibt, aber du wolltest vermutlich mit Ramirez sprechen. Sag mir, was ich tun soll.

Hugo Chávez: Nein, mit Ramirez kann ich morgen sprechen. Wir hören dich und wir sind sehr glücklich darüber; sehr glücklich, dich zu hören und von deiner gesundheitlichen Besserung zu erfahren. Trage weiter zu deiner Genesung bei und vergiss den „Tsunami“ nicht.

Fidel Castro: Nein.

Hugo Chávez: Gute Genesung.

Fidel Castro: Ich vergaß noch etwas, und zwar ist dir alle Welt dankbar, von mir etwas zu erfahren, denn ich rede und hülle mich in Schweigen, totales Schweigen; ich kann doch nicht jeden Tag reden, mir das Reden sowie das Laster des täglichen Erhalts von Meldungen zur Gewohnheit werden lassen. Alle Welt bitte ich um Geduld, ich bin zufrieden, denn ich sehe, dass alle beruhigt sind. Im Land geht es voran und das ist das Wesentliche. Auch bitte ich um Ruhe für mich, um meinen neuen Aufgaben nachgehen zu können.

Hugo Chávez: Ja, Fidel, ich bin zu einer Art Boten oder Quelle geworden, besser gesagt, du hast mich dazu gemacht. Wer wissen will, wie es Fidel geht, nun der kommt hierher, ruft mich an, spricht mit mir; und ich sage stets die Wahrheit über deine Genesung, deine Beispielhaftigkeit, deine Beharrlichkeit.
Du hast gesagt, dass du mich nicht so bald bei einer Reise begleiten kannst, das ist auch nicht nötig, denn bei uns bist du stets präsent. Und ich habe vor, bald wieder nach Havanna zu reisen und unsere Gespräche fortzusetzen, gemeinsam zu arbeiten und der Zeit Zeit abzugewinnen. Du hast es so gesagt und es ist für uns alle gut, darüber nachzudenken.
Von hier grüßen dich der Vizepräsident, die Kommission des Poder Popular, des Poder Comunal – wir werden gleich nach der Sendung hier eine Besprechung durchführen – alle unsere Leute, Teresita, Elena, das Team von Venezolana de Television, von Radio Nacional de Venezuela und die Abermillionen, die uns hören.
Weißt du welche Einschaltquote die erste Stunde des Programms hat? Vierzig Prozent! Du weißt, das sind für Aló, Presidente stratosphärische Höhen ihrer Einschaltquote.
Lass uns Zeit gewinnen, Fidel, und wir gewinnen die Schlacht für das Leben.

Fidel Castro: Sehr gut.

Hugo Chávez: Ich danke dir für deinen historischen Anruf.

Fidel Castro: Tausend Dank euch allen.

Hugo Chávez: Einen Applaus für Fidel. (Applaus) Ein ordentlicher Applaus, mein Bruder; eine Umarmung Kamerad, Genosse und, ohne mich irgendwie zu genieren, nenne ich dich vor aller Welt Vater.

Hasta la victoria siempre!

Fidel Castro: Hasta la victoria siempre!

Hugo Chávez: Venceremos!

Fidel Castro: Venceremos!

Hugo Chávez: Bravo! (Applaus und ”Bravo”-Rufe )