Montag, 7. April 2003

Bei der Einweihung von Bauobjekten des außerordentlichen Gesundheitsprogramms, das in Kuba zur Zeit verwirklicht wird, Theater Astral, 7. April 2003

Rede des Präsidenten der Republik Kuba, Fidel Castro, bei der Einweihung von Bauobjekten des außerordentlichen Gesundheitsprogramms, das in Kuba zur Zeit verwirklicht wird, Theater Astral, 7. April 2003

Herr Alpha Oumar Konaré, vormaliger Präsident der Republik Mali!

Herr Lassana Traoré, Minister für Auswärtige Angelegenheiten und Internationale Kooperation der Republik Mali!

Herr Peter Piot, Exekutivdirektor des UN-AIDS-Programms und Stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen!

Herr Daniel López Acuña, Geschäftsführender Direktor der Programme der Pan American Health Organization (PAHO); Frau Gina Tambini; Geschäftsleiterin für den Bereich Familie und Gemeinde der PAHO; Herr Patricio Yépez, Vetreter der PAHO in Kuba; die uns mit Ihrer Anwesenheit beehren!

Sehr geehrte Gäste!

Liebe Mitbürger!

In unserem Vaterland werden sich im Bereich der Gesundheitsleistungen tiefgreifende Umwälzungen vollziehen. Einige Schritte wurden bereits getan. Das Erste waren ganz spezielle Bemühungen auf dem Bereich der Pharmazeutik auf Grund der Engpässe, Ineffizienzen und Verfehlungen in der Versorgung mit Medikamenten. Hieran wird seit mehr als einem Jahr gearbeitet, wobei ihre Produktionsstruktur grundlegende Veränderungen prägen.

Vor knapp vier Monaten wurde am 15. Dezember die generalüberholte Poliklinik „Mario Escalona" in La Habana del Este mit mehr als zwölf neu eingegliederten Abteilungen eingeweiht.

Heute nun handelt es sich hier bei dieser ausgezeichneten Einrichtung der medizinischen Primärbetreuung im Stadtbezirk Cerro, die den Namen „Abel Santamaría" trägt —sie war durch den Zahn der Zeit, die Spezialperiode sowie subjektive Faktoren in einem baufälligen Zustand—, um die Einweihung einer nicht nur generalüberholten, sondern eher einer rekonstruierten und um die entsprechenden Abteilungen erweiterten Einrichtung, womit —neben der bereits erwähnten Poliklinik „Mario Escalona" und 9 weiteren Einrichtungen, die in den letzten 4 Monaten renoviert wurden— in der Hauptstadt der Republik die Anzahl der Primärbetreuungszentren, in denen eine Generalüberholung auf dem den neuen Konzeptionen entsprechenden Niveau vorgenommen wurde, auf elf gestiegen ist.

Es laufen bereits Reparatur- und Erweiterungsarbeiten an weiteren 16 Polikliniken in Havanna und weiteren 36 Einrichtungen im übrigen Land.

Mit heutigem Datum sind es nunmehr 271 Abteilungen für Elektrokardiographie, die in den letzten acht Monaten in einer gleichen Anzahl Polikliniken des Landes eingerichtet wurden. Noch vor Ende dieses Jahres werden es 444 sein, das heißt also, es werden alle Polikliniken Kubas diese Leistungen erbringen.

Heute werden in hauptstädtischen Polikliniken 31 Ultraschallabteilungen und 26 weitere in anderen Provinzen des Landes eingeweiht. Die Geräte besitzen eine hohe Rückbildungskapazität und ermöglichen in diesen Zentren Untersuchungen an Niere, Leber, Galle, Milz sowie gynäkologische Untersuchungen und Diagnosen zum Fetus.

Dazu erhalten in der Hauptstadt, in elf Provinzen und auf der Isla de la Juventud 29 Krankenhäuser hoch rückbildungsfähige Ultraschallspezialgeräte, mit denen neben den erwähnten Möglichkeiten je nach Fachspezifik dieser Kliniken noch spezifischere Diagnosen zu den gynäkologischen sowie zu Erkrankungen der Weichteile des menschlichen Organismus wie Mamma, Schilddrüse, Prostata u.a. gestellt werden können.

Bisher konnte es vorkommen, daß —wenn wir einmal die Hauptstadt als Beispiel nehmen— der Patient zur Inanspruchnahme dieser Leistungen gelegentlich mehr als 20 Kilometer zurücklegen mußte. Die durchschnittliche Entfernung war also sehr hoch. Heute liegt sie zwischen 300 Metern und sechs Kilometern, ist also auf 600 Meter geschrumpft und wird sich noch weiter verringern.

Doch von allen Aspekten, die wir heute, am Welt-Gesundheitstag einweihen, sind die Fortbildungskurse des medizinischen Personals ganz zweifelsohne die grundlegendsten und bedeutendsten. In diesen Lehrgängen werden 373 unterschiedliche Themenkreise behandelt. Sie begannen vor sieben Tagen, am 1. April 2003, und eingetragen haben sich 23 733 Ärzte unterschiedlicher Disziplinen und 10 718 Krankenpflegepersonal, also insgesamt 34 451 Teilnehmer. Abgehalten werden diese Kurse in den Polikliniken von Dozenten der Medizinischen Fakultät und von Fachärzten der Krankenhäuser und der Polikliniken selbst. Dabei werden von keinem der Lehrgangsteilnehmer seine beruflichen Pflichten vernachlässigt.

Besonders zu erwähnen ist hier die Gruppe der sehr erfahrenen und im In- und Ausland angesehenen Spezialisten, die die Programme dieser Lehrgänge ausgearbeitet haben. Der tägliche Besuchsanteil der Teilnehmer beträgt fast hundert Prozent.

Es ist dies wahrhaftig etwas, das es in der Geschichte der Medizin noch nie gegeben hat. Erzielt werden soll damit eine Erweiterung ihrer Kenntnisse, wodurch sogar massiv dann wissenschaftliche Titel erzielt werden können wie der Grad eines Master, ja sogar eines Doktor der Wissenschaften.

Diese wird die Hauptgrundlage der Umwälzung bilden, die wir uns im Bereich des Gesundheitswesens vorgenommen haben. Das ist einzig und allein auf der Basis des enormen von der Kubanischen Revolution während mehr als vier Jahrzehnten geschaffenen Humankapitals möglich. Die Notwendigkeit dieser Umwälzung ergibt sich nicht nur aus der angestrebten Verwirklichung von exzellenten Gesundheitsleistungen, sondern auch aus der Tatsache, daß nun nach 44 Jahren, nachdem die Säuglings- und Kindersterblichkeit im ersten Lebensjahr auf unter sieben pro tausend Lebendgeburten gesunken ist, sich die Lebenserwartung um mehr als 14 Jahr erhöht hat, es zahlreiche Krankheiten nicht mehr gibt, die allgemeine Schutzimpfung gegen 13 Krankheiten eingeführt wurde und andere präventive Maßnahmen angewandt werden, in unserem Land heute die Todesursachen ganz andere sind als sie es zum Zeitpunkt des Sieges der Revolution waren und daß dazu neue und andere Leistungen erforderlich werden. Zu diesen neuen Todesursachen gehören an erster Stelle die Herz und Hirn betreffenden vaskulären und zerebrovaskulären Erkrankungen, zu denen unterschiedliche maligne Ursachen führen; wieder andere Ursachen sind auf das höhere Lebensalter und auf Unfälle zurückzuführen.

Doch es geht nicht nur darum, den Tod zu vermeiden. Es gibt andere Krankheiten, wie die Alzheimersche sowie andere mit fortgeschrittenem Alter zusammenhängende Krankheiten, die Behandlung und Spezialversorgung erfordern. Die Erhöhung der Lebensqualität der Menschen aller Altersstufen ist ein wesentliches Ziel unseres Gesundheitsprogrammes.

Es ist eine Tatsache, daß unsere Krankenhäuser einen bedeutenden Teil ihres Personals und ihrer Kapazitäten für die Primärbetreuung bereitstellen. Diese Gewohnheit stammt von früher. Doch für eben diese Primärbetreuung schuf die Revolution die Polikliniken, die sich mit den Krankenhäusern in diese Aufgabe teilten. Aus genannten Gründen ist nun der Zeitpunkt gekommen, daß den wesentlichen Teil der Primärbetreuung die Polikliniken übernehmen und sich die Krankenhäuser im wesentlichen mit komplizierteren Gesundheitsproblemen befassen, die eine spezifische Behandlung und den Einsatz von dafür adäquaten technischen Mitteln, Ressourcen und Installationen erfordern. Der Grundgedanke dabei ist das Heranführen der Primärleistungen an die Bürger. Bei Infarktrisiko, bei Herzschlag, bei zerebrovaskulärem Unfall oder dessen Risiko ist sofortige und dringliche Versorgung vonnöten. Auch die Familienärzte, die nicht über die Ausrüstung einer Poliklinik verfügen, müssen wissen —was auch ganz sicher der Fall ist— was bei einem Herzschlag oder ähnlichen Situationen zu tun ist.

Als Beispiel will ich den Fall einer Stadt wie Havanna nennen: Von den 82 Polikliniken der Stadt werden, auf die einzelnen Stadtbezirke verteilt, nicht weniger als 30 über einen Bereitschaftsdienst für vaskuläre und ähnliche Fälle, über Ambulanzen und das für eine sofortige Versorgung adäquate Personal verfügen. Doch es werden sämtliche Polikliniken zum Bereitschaftsdienst in der Lage sein und die Möglichkeit haben, bei der nächstgelegenen Einrichtung eine Ambulanz anzufordern, um den Patienten in das entsprechende nächstgelegene Krankenhaus zu transportieren.

Sämtliche Polikliniken werden über Abteilungen für Rehabilitation verfügen. Diese sind ausgerichtet auf die Behandlung von körperlichen Schäden, Krankheiten von Knochen und Muskeln, temporären oder andauernden Dysfunktionen, Stimulanz der psychomotorischen Entwicklung bei Kindern, von neurologischen Problemen nach einem Infarkt oder aus anderen Ursachen. In ganz Havanna gab es nur eine solche Abteilung, im Stadtbezirk Plaza. Mit den heute eingeweihten sind es nun bereits zwölf. Zur Unterstützung dieser Aufgabe erhalten zur Zeit 1137 Jugendliche der Hauptstadt in der polytechnischen Schule „Salvador Allende" eine Intensivausbildung.

Sämtliche Laboratorien der Polikliniken werden in der Lage sein, schnell und sicher die große Mehrheit der Analysen anzufertigen, die im Zusammenhang mit den häufigsten Gesundheitsproblemen der kubanischen Bevölkerung gebraucht werden.

Sämtliche werden eine Röntgenabteilung haben.

Alle Polikliniken in Havanna sowie eine bestimmte Anzahl in den anderen Provinzen, ausgewählt je nach dem objektiven Bedarf, werden über eine Abteilung für Optometrie verfügen.

Je nach der von ihnen betreuten Bevölkerung wird eine bestimmte Anzahl von Polikliniken in Städten und Provinzen des Landes über Endoskopiestationen verfügen zur Frühdiagnose von Gastritis, Ulzera und Krankheiten des Verdauungstraktes, die Ursache für Unwohlsein und Krankheiten der Menschen sind.

In einer ebenfalls adäquaten Anzahl werden Laboratorien eingerichtet zur Diagnose von Allergien und der Herstellung der zur Behandlung dieser Krankheiten einzusetzenden Impfseren.

Eine Anzahl für die Behandlung orthopädischer Erkrankungen infolge leichter traumatischer Ursachen; beispielsweise das Anlegen eines Gipsverbandes, was heutzutage mit Ausnahmen nur in Krankenhäusern geschieht.

Eine Anzahl mit ambulanter Chirurgie.

Eine Anzahl mit Abteilungen für Ophthalmologie.

Eine Anzahl mit Einrichtung für Gallendränage.

Etwas sehr Bedeutsames wird die bereits eingesetzte Bildung von Infomed; ein Intranet-Service, in dem alle Gesundheitszentren, Krankenhäuser, Polikliniken, Altenheime, Apotheken usw. durch ein dichtes Netz von Computern miteinander vernetzt sind und dadurch eine Verbindung, Anfragen und wissenschaftlicher Austausch zwischen allen Ärzten, Pflegepersonal und Technikern sowie der Zugriff zu den Datenbasen und der medizinischen Information über den Einsatz Tausender Computer ermöglicht wird.

Die Reparatur der Praxen und Wohnungen der Familienärzte ist nicht in Vergessenheit geraten. Beginnen wir in Havanna, wo das Hausarzt-Programm vor 19 Jahren seinen Anfang nahm; hier sind fast 200 Praxen vollständig restauriert, und monatlich werden 45 fertiggestellt.

Neue Zahnkliniken werden gegründet, und die bereits bestehenden erhalten die zur Erhöhung von Effizienz und Qualität der stomatologischen Behandlung und zur Anfertigung von Zahnprothesen erforderlichen Mittel. Eine Reihe von Polikliniken und Zahnkliniken wird rund um die Uhr Bereitschaftsdienst leisten.

Zunehmen wird die Anzahl der Einrichtungen für Augenoptik, sowohl in der Hauptstadt als auch im restlichen Land. Dabei etwas ganz Wichtiges: in der Hauptstadt wird fast die Hälfte der bestehenden Einrichtungen einen neuen Standort erhalten, denn sie sind fast alle im nördlichen Zentrum der Stadt konzentriert, weit entfernt von den Stadtbezirken an der Pheriferie. Angestrebt wird, die Wartezeit des Brillenerhalts beträchtlich zu senken.

Das unmittelbar Nächste wird die Schaffung von 19 neuen Stationen zur Behandlung von Patienten mit Niereninsuffizienz sein, bei denen Dialysen vorzunehmen sind, sowie von 17 Wasserbehandlungsanlagen, das für das Funktionieren von künstlichen Nieren erforderlich ist und unter Berücksichtigung der vielfältigen dafür im Land existierenden Quellen.

An den existierenden Einrichtungen werden die erforderlichen Restaurierungs- und Verbesserungsarbeiten vorgenommen und Bedingungen geschaffen, durch die die bei diesen Nierenbehandlungen häufig auftretenden Infektionen auf ein Minimum begrenzen. Doch was noch viel wichtiger ist, sind nachdrückliche Präventionsbemühungen, um zu vermeiden, daß sich bei einer größeren Anzahl Personen infolge gewisser nicht ordentlich behandelter Gesundheitssituationen, die zu der Krankheit führen, diese chronische Niereninsuffizienz einstellt. Dadurch könnten alljährlich viele Menschenleben gerettet werden.

Mit den vier großen Zentren für kardiovaskuläre Chirurgie in Santiago de Cuba, Villa Clara und Havanna geht es voran, was auch von den Diagnosezentren in den 14 Provinzen und dem Sondermunizipium Isla de la Juventud gesagt werden kann, mit deren Hilfe dann rechtzeitig Störungen festgestellt werden können, die bei den betreffenden Personen unweigerlich zu einer hohen Gefährdung ihres Lebens führen. Mit diesen Mitteln könnten alljährlich Tausende Menschenleben gewahrt werden.

Die Planung dieser vielen Einrichtungen geschieht mit einer Karte in der Hand, denn zu berücksichtigen ist hierbei nicht nur der Bedarf, sondern auch, als etwas ganz Wesentliches, die auf ein Minimum zu reduzierende Entfernung, die monatlich Hunderttausende Personen zur Inanspruchnahme dieser Leistungen zurückzulegen haben.

Die Krankenhauseinrichtungen werden nach und nach verbessert und restauriert. Bei Krankenhäusern und Polikliniken wird jenen der Vorrang eingeräumt, deren Zustand am kritischsten ist.

Viel wichtiger als die Anzahl von Zentren und Leistungen ist die Qualität der hier geleisteten gewissenhaften Betreuung. Auf dieses Ziel ist das bereits begonnene kolossale Programm der Fortbildungslehrgänge für das medizinische Personal gerichtet, und uns ermutigt die Aufnahme, die dieses bei unseren Fachkräften des Gesundheitswesens gefunden hat, die zu ruhmreichen Heldentaten in der Lage gewesen sind.

Noch ist nicht alles gesagt. Unsere Forschungs- und Produktionszentren neuer Medikamente werden dem Programm eine besondere Unterstützung zuteil werden lassen. Unser fester Zusammenhalt und der Charakter unseres politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems werden das Erreichen des Zieles ermöglichen, das wir uns vorgenommen haben.

Unweigerlich werden wir weltweit den ersten Platz im Bereich des Gesundheitswesens einnehmen, dessen edler und menschlicher Nutzen all unseren Mitbürgern in hervorragenden Gesundheitseinrichtungen zugänglich sein wird, wofür ihnen kein einziger Centavo abverlangt wird.

Das ist der Sozialismus, den wir bereit sind, bis zum letzten Blutstropfen vor Bedrohungen einer weltweiten faschistischen Tyranei zu verteidigen!



Es lebe die Revolution!

Vaterland oder Tod!

Wir werden siegen!

Donnerstag, 6. März 2003

Rede des Präsidenten der Republik Kuba, Fidel Castro, zur aktuellen Weltkrise bei der Übernahme seines Amtes in Havanna am 6. März 2003

Werte Abgeordnete!

Sehr geehrte Gäste!

Liebe Mitbürger!

Wir kommen gerade von einer Reise um die Welt zurück, während der es weder eine Ruhe- noch eine Erholungspause gab. Es war notwendig, es so zu tun. Am 24. und 25. war in Kuala Lumpur, Malaysia, ein wichtiges Gipfeltreffen inmitten der Risiken des beinahe sicheren Krieges in Irak, der Verschlechterung der internationalen Wirtschaftskrise einberufen, die Notwendigkeit, Besuche bei innigen Freunden wie Vietnam und China durchzuführen, die für die Tage vor und nach dem Gipfel vereinbart waren, die Notwendigkeit, eine unvermeidbare Zwischenlandung in Japan zu machen, von wo ich Einladungen wichtiger und hochgeschätzter Freunde erhalten hatte.

Das wichtigste: Für den 5. März war ein Akt von großer Bedeutung einberufen worden, die Bildung der neuen Nationalversammlung, die Wahl ihrer Präsidentschaft und die des Staatsrates, seines Präsidenten und der Vizepräsidenten.

Wegen Klimaauswirkungen konnten wir nicht am 3. März von Hiroshima abfliegen. Da eine Verspätung vorauszusehen war, mußte die Delegation die Genossen in Kuba bitten, daß sie die Versammlung auf den 6. März verschoben.

Während des Rückfluges mußte ich diese Zeilen aufsetzen.

In diesen Zeiten ist es nicht leicht durch die Welt zu reisen. Noch schwieriger ist es, das mit Diskretion zu tun, und bis zum letzten Moment zu warten, um zu informieren und Flugerlaubnisse zu erbeten usw. In einem IL-62 zu reisen, bei seinem alten Baujahr, seinen Fluggeräten, seinem Treibstoffverbrauch und seinem Lärm, erschweren alles noch mit oder ohne Grund. Es macht viel Lärm, während es auf der Startbahn rollt, die es sehr lang benötigt, und auch beim Starten, aber es startet immer, und immer wenn es startet, kommt es auch an.

Vor 32 Jahren flog ich zum ersten Mal in einem von ihnen, um den Präsidenten Salvador Allende in Chile zu besuchen, und seitdem habe ich es immer getan. Das Flugzeug ist stark wie die sowjetischen landwirtschaftlichen Traktoren seinerzeit, wie für kubanische Traktoristen jeder Art gebaut. Seine Piloten sind Olympiasieger. Die Fachkräfte und Mechaniker, die es reparieren sind die besten der Welt. Es ist das zweite Mal, daß wir in ihm die Welt umkreisen. Das hoffe ich, obwohl uns noch einige Flugstunden fehlen. Mit allem Ernst gesprochen, ich schätze diese sehr guten Flugzeuge der alten UdSSR, ich habe ihnen viel zu danken und ich empfehle sie den Mitbürgern und Touristen. Es ist das sicherste, was es auf der Welt gibt. Ich bin ein Beweis dafür.

Nicht alles bei den Angelegenheiten dieser Welt darf man zu ernst nehmen. Man würde das Risiko eines Infarkts oder des Verrücktwerdens eingehen.

Notwendiger Reisebericht

Unsere Delegation fuhr am 19. Februar ein paar Minuten vor Mitternacht ab. Ein kurzer Zwischenaufenthalt in Paris, es gab keinen anderen Ort. Es war vorgesehen, einige Stunden in einem Hotel der Stadt auszuruhen. Unfruchtbarer Versuch. Ich war nicht müde. Ich beschäftigte mich damit, von einem hohen Stockwerk aus einen Teil der schönen und berühmten Stadt zu beobachten. Ich betrachtete die Dächer der Gebäude von drei bis sechs Stockwerken, die Kunstwerke schienen. Ich wollte wissen, woraus man sie vor 150 Jahren gebaut hatte.

Ich erinnerte mich an Havanna und seine Probleme. Sie waren von einem silbernen Aschgrau. Niemand wußte die Antwort.

Wenige Kilometer weiter zerstörte eine riesige Masse die Harmonie. Weiter rechts hohe Büro- oder Wohngebäude, die auch das Panorama häßlicher gestalteten. Ich erinnerte mich an den Hubschrauberlandeplatz, den sie in Habana Vieja hinter dem damaligen kolonialen Regierungspalast eingerichtet hatten, wenige Monate vor der Revolution. Es ist das erste Mal, daß mir der Eiffelturm und der Triumphbogen, so bewundert von allen, als zwei Objekte erschienen, die gedemütigt und herabgesetzt worden waren. Ich hatte mich plötzlich in einen gescheiterten Stadtplaner verwandelt. Weder störte ich jemanden in Paris, noch sprach ich mit jemandem. Ich verließ es, indem ich die Erinnerungen an alles das aufbewahrte, was ich in meinen jungen Jahren über seine ruhmreiche Revolution und die heroische und große Geschichte von Frankreich gelesen und geträumt hatte. Ich bewundere die mutige Haltung, die es heute gegenüber dem erniedrigenden, einseitigen Hegemonismus der Regierung der Vereinigten Staaten einnimmt.

Wir machten Zwischenaufenthalt in Ürümqui, im westlichsten Teil von China. Ein architektonisch schöner Flughafen. Freundschaftliche und gastfreundliche Haltung. Eine ausgewogene Kultur. Zehn Stunden später, schon nachts, landeten wir in Hanoi, Hauptstadt unseres lieben und heroischen Vietnams, aber eines sehr anderen, als das, welches ich das letzte Mal 1995, vor acht Jahren, besucht hatte. Seine Straßen mit Tätigkeit und Licht gefüllt. Man sah kein einfaches Fahrrad, alle hatten Motor. Die Autos überfluteten die Straßen. Das einzige, was mir eine gewisse Unruhe verursachte, war, als ich an die Zukunft dachte, den Brennstoff, die Umweltverschmutzung und andere Tragödien.

Überall sind luxuriöse Hotels errichtet. Die Fabriken haben sich vervielfacht. Ihre Eigentümer sind in der Regel Ausländer und haben strenge kapitalistische Verwaltungsnormen, aber in einem kommunistischen Land, das Steuern einnimmt, Einnahmen verteilt, Arbeitsplätze schafft, das Bildungs- und Gesundheitswesen entwickelt, den Ruhm und die Traditionen unversehrt erhält. Das Erdöl, die Wärmekraftwerke, Wasserkraftwerke, die Grundstoffindustrie in den Händen des Staates. Eine mit Auszeichnung humane Revolution. Alle diejenigen, die Schmiede der Revolution waren und sind erhalten eine sorgfältige Behandlung und Respekt. Ho Chi Min war, ist und bleibt ewiges Beispiel.

Ich unterhielt mich lange Zeit mit Nguyen Giap, dem genialen Strategen. Ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Ich erinnerte mich vieler mit Traurigkeit und gleichzeitig mit herzlicher Zärtlichkeit, wie Pham van Dong und anderer, die schon verstorben sind. Sie sind Menschen, die ewige Zärtlichkeit säen. Die alten und neuen Leiter drückten Gewogenheit und Freundschaft ohne Grenzen aus. Die Bande in allen Richtungen vervielfachten sich. Die Unterschiede der Situationen in Bezug auf Kuba sind groß. Wir sind von einem Gefüge von Nachbarn umringt, die nichts zum investieren haben, und der reichste der Welt blockiert uns mit allen Mitteln. Dazu kommt unser besonderer Eifer, die Mehrzahl von Reichtümer und Gewinne für die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen im höchsten Grade zu bewahren, was unsere ruhmreiche und ewige Freundschaft absolut nicht beeinträchtigt.

Von Vietnam nach Malaysia. Das ist ein wunderbares Land. Seine grandiosen Naturreichtümer und ein außerordentlicher Führer, von besonderer Klarheit, der nicht die Entwicklung eines wilden Kapitalismus förderte, erklären seinen Fortschritt. Er vereinte die drei wichtigsten Ethnien: die malaiische, die indische und die chinesische. Er zog Investitionen an, die aus dem industrialisierten Japan und anderen Gebieten der Welt regneten. Er stellte strikte Normen und Regeln auf. Verteilte Reichtümer mit der größtmöglichen Gleichheit. Das Land wuchs 30 Jahre mit gutem Tempo. Das Bildungs- und Gesundheitswesen wurden betreut. Es genoß einen langen Frieden, im Gegensatz zu Vietnam, Laos und Kambodien, die erst vom Kolonialismus und dann vom Imperialismus angegriffen wurden, und als die große Krise kam, die den asiatischen Südosten heimsuchte, achtete er die Normen des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und anderer ähnlicher Organe nicht, führte zum Eingreifen des Staates, legte die Wechselkontrolle fest, verhinderte die Kapitalflucht und rettete das Land und seine Reichtümer. Tausend Meilen entfernt von dem, was in unserer leidenden Hemisphäre geschieht, entwickelte sich dort ein wirklich nationaler Kapitalismus, der trotz großer Einnahmensunterschiede den Massen Wohlstand brachte. Er erfreut sich großer Anerkennung und des Respekts. Für die Westlichen und die neue Wirtschaftsordnung ist er eine harte Nuß und ein schlechtes Beispiel.

China. Dort kamen wir mittags an. Genau wie in Vietnam hatte nie eine kubanische Delegation so viel Aufmerksamkeiten und Ehrenbezeigungen erhalten. Offizielles Abendessen zur Begrüßung am 26. die Versammlungen mit den vorangegangenen und neuen leitenden Partei- und Staatsfunktionären, einige von ihnen noch aktiv —Jiang Zemin, Hu Jintao, Li Peng, Zhu Rongji, Wen Jiabao, jeder von ihnen mit seinem entsprechenden Stab— folgten einer auf den anderen, vom ersten Nachmittag bis zum 27. Am 28. morgens besuchte ich den Technologiepark von Beijing und ein Ausflug mit dem Staatspräsidenten Jiang Zemin nach Nanjing, um die Fernsehfabrik Panda zu besuchen. Das erste Mal in meinem Leben, daß ich in ein Jumbo einstieg. Abendessen und treffen mit dem ersten Sekretär der Provinz Jiangsu. Abfahrt nach Shanghai. Verabschiedung.

Die Aufmerksamkeiten, welche die kubanische Delegation in Vietnam und China erhielt, haben keinen Präzedenzfall in der gesamten Geschichte der Revolution. Es war die Möglichkeit, sich weitreichend und tiefgreifend mit wirklich außergewöhnlichen Menschen zu unterhalten, wirklichen Freunden, welche die Freundschaft zwischen unseren Völkern für immer besiegelt haben. Sie, China und Vietnam, waren die besten Freunde in den unwahrscheinlich schweren Tagen der Spezialperiode, als niemand daran glaubte, daß die kubanische Revolution überleben könnte. Heutzutage respektieren und bewundern ihre Völker und Regierungen ein kleines Land, das es verstand, in der Nachbarschaft der einzigen Supermacht zu widerstehen, die mit ihrer riesigen Gewalt die Welt hegemonisch unterjocht hat.

Dieses Verdienst entspricht keinem von uns, die wir jene Ehrenbezeigungen empfingen, sondern dem heroischen und ruhmreichen Volk, das mit Würde seine Pflicht zu erfüllen wußte.

Unsere Gespräche begrenzten sich nicht auf bilaterale Themen und die nachfolgende Entwicklung unserer wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Mit großem Interesse, Vertrauen und gegenseitigem Verständnis wurden die wichtigsten internationalen Themen behandelt.

Von China flogen wir nach Japan. Dort wurden wir mit Gastfreundschaft und Respekt empfangen. Obwohl es sich nur um einen Transitflug handelte, empfingen uns treue langjährige Freunde. Wir hatten lange Unterredungen mit Tomoyoshi Kondo, Präsident der Wirtschaftskonferenz Kuba-Japan; mit Watanuki, Präsident des japanischen Unterhauses, Mitsuzuka, Präsident der Parlamentarischen Freundschaftsliga; ein Höflichkeitstreffen mit dem Ex –Ministerpräsidenten R. Hashimoto; ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten Junishiro Koizumi.

Auf japanische Initiative behandelten wir Themen in Bezug auf die gespannte Situation auf der koreanischen Halbinsel, die alle interessiert, worüber wir die Regierung der Demokratischen Republik Korea ausführlich informieren werden, mit der wir seit dem Sieg der Revolution freundschaftliche diplomatische Beziehungen unterhalten.

Am 2. März reisten wir nach Hiroshima. Dort besuchten wir das Friedensmuseum mit Friedenspark jener Stadt, wo wir eine Kranzniederlegung durchführten. Wir nahmen en einem privaten Mittagessen mit dem Gouverneur dieser Stadt teil.

Die Worte und die Zeit würden nicht ausreichen, um den tiefen Eindruck zu schildern, den der an der Zivilbevölkerung von Hiroshima begangene Genozid in uns hervorrief. Die Vorstellungskraft kann das dort Geschehene nicht fassen.

Jener Angriff war absolut nicht notwendig, und wird niemals moralisch zu rechtfertigen sein. Japan war militärisch besiegt. Das gesamte besetzte Gebiet in Ozeanien, im asiatischen Südosten und sogar souveräne japanische Besitzungen waren wiedergewonnen. In der Mandschurei schritt unaufhaltsam die Rote Armee voran. Der Krieg konnte in wenigen Tagen zu Ende gehen ohne den zusätzliche Verluste eines einzigen amerikanischen Lebens. Ein Ultimatum war ausreichend und an letzter Stelle den Einsatz jener Waffe auf einem Schlachtfeld oder in einem oder zwei japanischen Militärstützpunkten, und der Krieg wäre unmittelbar beendet gewesen, egal welches der Druck und die Unnachgiebigkeit der extremsten Führer gewesen wäre.

Von meinem Standpunkt aus, und trotzdem daß Japan den Krieg mit einem nicht zu rechtfertigenden Überraschungsangriff auf Pearl Harbor begonnen hatte, bestand keinerlei Rechtfertigung für jenes schreckliche Ermordung von Kindern, Frauen, Greisen und unschuldigen Bürgern jeglichen Alters.

Das japanische Volk, edel und großmütig, sprach kein einziges Wort des Hasses gegen die Urheber aus. Im Gegenteil, sie haben dort ein Friedensmonument errichtet, damit sich so ein Akt niemals wiederholt.

Millionen von Menschen sollten jenen Ort besuchen, um zu versuchen, daß die Menschheit wirklich kennenlernt, was dort geschah.

An jenem Ort war ich sehr gerührt, ein Foto von Che zu sehen, als er einen Kranz vor dem bescheidenen, aber unsterblichen Denkmal eines der größten gegen die Menschlichkeit begangenen Verbrechens niederlegte.

Jener Generation unserer Gattung stand es zu, vollkommen unbekannte, weder ideale noch wünschenswerte Situationen zu erleben. Wir hoffen, daß die Menschheit siegen kann. Wenn früher innerhalb unserer eigenen Epoche die Menschen Beherrscher der Ereignisse zu sein schienen, scheinen heutzutage die Ereignisse Beherrscher der Menschen zu sein.

Unsere Reise stand in Beziehung zu einer Gruppe von Vorfällen, die überall Ungewißheit und Unsicherheit hervorbringen. Die Grundsäulen und Werte einer ganzen Zivilisation befinden sich in einer Krise. die Ideen der Souveränität und Unabhängigkeit sind schon kaum noch eine Fiktion. Die Wahrheit, die Ethik, die das erste Recht oder Attribut des menschlichen Wesens sein sollten, haben jedes Mal weniger Platz. Die Pressemitteilungen, die Presse, das Radio und Fernsehen, die Handys und die Web-Sites steuern einen Nachrichtenfluß bei, der von allen Orten jede Minute ankommt. Dem Gang der Ereignisse zu folgen ist nicht einfach.

In dem Wirrwarr der Nachrichten kann sich die menschliche Intelligenz kaum orientieren. Oftmals führt ihr Überlebensinstinkt dazu, daß sie reagiert.

Niemals sahen sich alle Nationen der Welt der Gewalt und der Launen jener unterworfen, die eine Supermacht mit einer scheinbar unbegrenzten Macht anführen, von deren Philosophie und politischen Ideen und ethischen Ansichten niemand die geringste Idee hat. Deren Entscheidungen sind praktisch nicht vorhersagbar und unwiderruflich. Die Kraft und Fähigkeit zum Zerstören und Töten scheinen in jeder seiner Verkündigungen anwesend zu sein. Das bringt logischerweise Befürchtungen und Unruhe bei vielen Staatsmännern hervor, besonders wenn man berücksichtigt, daß die riesige Militärgewalt sich mit der politischen, wirtschaftlichen und technologischen Macht vereinigen, die nicht den Gehorsam verweigert haben wollen.

Der Traum einer durch Normen und eine Organisation, die den Willen und die Wünsche aller Völker ausdrückt, beherrschten Welt löst sich in Luft auf.

Auf vielen Metern Höhe las ich eine Pressemitteilung, dessen Inhalt wörtlich lautete: „Der Präsident Bush drückte in seiner wöchentlichen Ansprache seine Respektlosigkeit gegenüber der UNO aus und veröffentlichte, daß er diese Organisation mehr ,aus Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten und Freunden' befragt, als wegen dem, was ihm die Ergebnisse ihrer Beratungen bedeuten."

Eine wachsende Anzahl von Personen auf der Welt erweisen sich jedes Mal mehr gegen die Idee der Globalisierung durch eine universelle Tyrannei.

Die Vereinten Nationen, Organisation, die aus einem Krieg entstanden ist, der 50 Millionen Leben gekostet hat, darunter die von mehreren hunderttausend jungen Nordamerikanern, muß allen Völkern und Regierungen der Welt viel bedeuten. Sie leidet unter großen Mängeln, ist in vielen Aspekten anachronistisch; ihre Vollversammlung, wo alle Staaten der Welt anwesend sind, ist eine einfache beratende Versammlung ohne jegliche Macht, wo nur Meinungen ausgesprochen werden; der Sicherheitsrat, ein scheinbares Ausführungsorgan, wo nur die Stimmen der fünf privilegierten Staaten zählen, ein einziger von denen den Willen des anderen Teils der Nationen der Welt annullieren kann, und einer von ihnen, der mächtigste, ihn unzählige Male nach seinem Gelüst verwendet hat. Aber selbst so, es steht nichts anderes zur Verfügung.

Sein Nichtvorhandensein würde zur schlimmsten Epoche führen, die dem Nazismus voranging und die uns in die Katastrophe bringen würde. Einige von uns waren wir Zeugen davon, was in den letzten beiden Dritteln des 20. Jahrhunderts geschehen ist. Wir haben in seiner ganzen Kraft die Geburt einer neuen Art von Imperialismus gesehen, der alles umschließt und totalitär ist, tausendmal mächtiger als das berühmte römische Imperium und hundertmal die Macht seines aktuellen bedingungslosen Alliierten, des Schattens dessen, was das britische Imperium gewesen war. Nur die Angst, die Blindheit oder Ignoranz würden es verhindern, das mit voller Klarheit zu sehen.

Das ist die dunkle Seite des Problems. Aber die Realität kann anders sein. Niemals haben sich in so kurzer Zeit so riesige Massendemonstrationen in allen Teilen der Welt und in wirklicher Rekordzeit entwickelt, wie es in Bezug auf den angekündigten Krieg gegen Irak geschehen ist.

Die Regierungen der zwei wichtigsten Alliierten der Vereinigten Staaten, Großbritannien und Spanien, traten in eine Krise ein; ihre entsprechenden öffentlichen Meinungen, sind in schlagender Mehrheit gegen jenen Krieg. Wenn es auch wahr ist, daß Irak zwei große und nicht zu rechtfertigende Taten begangen hat, wie die Invasion von Iran und die Besetzung Kuwaits, so ist es auch Tatsache, daß jenes Land den härtesten Aktionen unterworfen wurde; hunderttausende seiner Kinder starben aus Hunger und durch Krankheiten, jahrelang wurden sie ständigen Bombenangriffen ausgesetzt, und es ist militärisch nicht in der Lage, das geringste Risiko für die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten in dem Gebiet darzustellen. Es würde sich um einen absolut unnötigen Krieg handeln, mit dunklen Absichten, gegen den die Welt sich auflehnt, einschließlich eines wichtigen Teils des Volkes der Vereinigten Staaten selbst, wenn er nicht mit Zustimmung der UNO erfolgt.

Die Weltwirtschaft, die einer tiefen Krise unterworfen ist, von der sie sich nicht hat erholen können, wird unvermeidbare Folgen erleiden und danach wird es weder Sicherheit noch Ruhe für irgendein Land des Planeten geben.

Die Weltöffentlichkeit protestiert auch und man kann sogar behaupten, aus Gründen der eigenen Sicherheit und die der anderen Völker der Welt. Die Vereinigten Staaten können nicht den Krieg führen, um die Welt mit ihrer Macht einzuschüchtern, neue Waffen auszuprobieren und ihre Truppen zu trainieren. Diese Atmosphäre spürt man überall. Besonders konnte ich das beim in Malaysia stattfindenden Gipfeltreffen der Blockfreien Länder wahrnehmen.

Es war ein ernsthaftes Treffen, auf dem die Staats- und Regierungschefs in respektvoller Ausdrucksweise mit Offenheit in ihren Darlegungen und mit hohem Verantwortungsgefühl ihre Kriterien vortrugen. Mahathir leitete die Debatten ordnungsgemäß, tiefgründig und effizient.

Und natürlich mit der angemessenen Klugheit, die durch die Abhängigkeit fast aller Länder der Dritten Welt von den Vereinigten Staaten und ihren Geldinstituten geboten ist, denn eine Missstimmung ihrerseits kann das Ende einer Regierung oder die Destabilisierung der Wirtschaft des betreffenden Landes bedeuten.

Es gab mehrere Punkte, zu denen in den Reden der Gipfelkonferenz die Kriterien fast einstimmig zum Ausdruck gebracht wurden.

Erstens: Es darf zu keinem Krieg gegen Irak kommen, schon gar nicht ohne die Zustimmung der Vereinten Nationen.

Zweitens: Die vom Sicherheitsrat getroffenen Regelungen sind von Irak strikt einzuhalten.

Drittens: Faktisch keiner der Anwesenden hegte noch Hoffnung, daß der Krieg vermieden werden könne.

Viertens: Wie anzunehmen ist, wurden Unterentwicklung, Armut, Hunger, Unwissenheit, Krankheiten, die unbezahlbare angewachsene Außenverschuldung, die verhängnisvollen Destabilisierungsmachenschaften der internationalen Geldinstitute und andere unzählige die Dritte Welt geißelnde Mißstände auf den Prüfstein gelegt und angeprangert.

Unsere Delegation war auf den Sitzungen des Gipfels zugegen und veranstaltete außerdem Dutzende von Treffen mit anderen Delegationen. Man ersuchte uns um Information, Erfahrungsaustausch und gelegentlich um Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen.

Dort wurde uns von Persönlichkeiten der verschiedensten Kulturen, Glaubensrichtungen und politischen Überzeugungen eine Behandlung von Vertrautheit und Vertrauen zuteil. Wir konnten feststellen, daß man unser Volk aufgrund seiner Solidarität und Prinzipientreue bewundert und anerkennt.

Vielen von ihnen erklärten wir den faschistischen Putsch in Venezuela und boten dokumentarische Information; wir erklärten den Schaden, der der Welt mit der Sabotage an der virtuell stillgelegten Produktion von drei Millionen Barrel Erdöl täglich entsteht, einer Produktion, die sich sich wieder aufrichtet dank des erdrückenden Sieges des bolivarianischen Volkes. Wir erklärten ihnen auch die sowohl für die reichen als auch die armen Länder bestehenden Risiken eines Krieges in der Krisenregion des Nahen Ostens. Wir vermittelten unsere Auffassung, wonach es noch nicht unmöglich ist, diesen Krieg zu vermeiden, wenn Irak beweisen kann, und zwar nicht nur dem Sicherheitsrat, sondern auch den Parlamentariern der Welt, einschließlich denen der Vereinigten Staaten —unter denen es viele Zweifler gibt—, des Vereinigten Königreiches, Spaniens und Italiens, die die bedingungslosesten Verbündeten sind und wo viele gegenteiliger Mkeinung sind; wenn den Parlamenten und Führungspersönlichkeiten der Blockfreien sowie den Führern der gesellschaftlichen Organisationen bewiesen wird, daß alle und jede einzelne der Forderungen der UNO-Resolution erfüllt worden sind und werden.

Die Schlacht für den Frieden und die Unversehrtheit Iraks ist keine militärische, sondern eine politische Schlacht. Wenn die Wahrheit abgesichert und die Lüge besiegt werden kann, dann ist es noch möglich, den Frieden in der Region zu retten, was auch für das Volk der Vereinigten Staaten selbst von Nutzen sein wird. An diesem Krieg würden lediglich die Waffenproduzenten gewinnen oder jene, deren unmöglicher Traum es ist, 6,3 Milliarden Menschen —in der übergroßen Mehrheit Hunger leidend und arm— seien mit Gewalt zu regieren.

Wir unterstützen den Entschluß der irakischen Regierung hinsichtlich des Abbaus der Al Samoud-Raketen und rufen Irak auf, jegliche B- und C-Waffe, falls es sie noch gibt oder falls sie einmal produziert wurde, bis auf den letzten Kibikzentimeter zu vernichten.

Die US-Regierung hätte dann keinerlei rechtliche oder moralische Ausrede für einen Angriff auf Irak; und das viel weniger noch, da vor aller Welt ein wahrer Völkermord am palästinensischen Volk verübt wird und der Staat Israel über ein Arsenal Hunderter von den Vereinigten Staaten gelieferter Kernwaffen und die Mittel für deren Transport verfügt.

Nur die volle Wahrheit, der Welt unwiderlegbar bewiesen, gäbe dem irakischen Volk die moralische Kraft und weltweite Unterstützung für die bis zum letzten Blutstropfen zu führende Verteidigung ihres Vaterlandes und ihrer Integrität.

Ohne eine klare Vision von unserer Epoche, in der wir leben, wäre die Bedeutung dieser großen politischen Veranstaltung, die uns heute zusammenführt, lediglich eine relative. Kuba hat die Ehre, gegenwärtig eines der wenigen Länder zu sein, die außergewöhnliche Vorrechte genießen. Natürlich tragen wir die gleichen globalen Risiken wie die übrige Menschheit; doch kein Land ist politisch besser darauf vorbereitet, die Probleme anzugehen, die heute einen großen Teil der Welt geißeln, Träume umzusetzen und Pläne zu schmieden, die die unsere zweifelsohne zu einer der menschlichsten und gerechtesten Gesellschaften der Erde machen werden, solange unsere Gattung in der Lage ist zu überleben. Kein Volk ist mehr verbunden, standhafter und stärker, um den Gefahren von außen und innen zu trotzen.

Wenn ich von inneren Gefahren spreche, meine ich dabei nicht etwa politische Risiken. Die in diesen 44 Jahren heldenhaften Kampfes angesammelte Kraft und das Bewußtsein sind so stark, daß nicht einmal die im Dienste des Imperialismus stehende Gesamtheit der Anhänger und niederträchtigen Theoretiker der Subversion und Destabilisierung die innere Ordnung und den sozialistischen Kurs unserer Revolution umstürzen könnten.

Als ein supermächtiger Jemand vom Ausland aus von uns forderte, diesen Kurs zu ändern, bestand die Antwort unseres Volkes darin, im Grundgesetz der Republik den unumkehrbaren Charakter des Sozialismus in Kuba zu verankern. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Tricks und Lügen zu erfinden, mit denen sie ihre dünnen und lächerlichen Hoffnungen nähren.

Bei inneren Gefahren denke ich im wesentlichen an Risiken gesellschaftlicher oder moralischer Art, die unsere Bevölkerung beeinträchtigen und ihrer Sicherheit, ihrer Erziehung und ihrer Gesundheit schaden. Es ist wohl bekannt, wie wir das Rauchen bekämpft haben und wie wir den Tabakkonsum herabgesetzt haben. Auf die gleiche Weise bekämpfen wir die Ausschreitungen im Alkoholgenuß und die schmerzliche Tatsache des Alkoholkonsums von Schwangeren, der zur Geburt von Kindern mit geistiger Zurückgebliebenheit oder anderen schweren körperlichen Schäden führen kann.

Angesichts des einsetzenden Konsums von Drogen, die an unsere Küsten gelangen —hauptsächlich als Strandgut aus dem internationalen Drogenhandel— haben wir nicht eine Minute mit dem Ergreifen der entsprechenden Maßnahmen gezögert, um dieser furchtbaren Geißel zuvorzukommen und sie zu besiegen, die in der übergroßen Mehrheit der Länder der Erde Schaden anrichtet. Anfangs hatten wir uns überlegt, daß jegliche Bezugnahme auf diesen Punkt eine Publicity-Lawine auslösen würde, so als seien wir nicht das positivste sondern das negativste Beispiel, wo doch keinerlei Vergleich unserer Gesellschaft aufgrund ihrer Sauberkeit in dieser Hinsicht angestellt werden kann. Doch wir sind nicht unschlüssig, und wir tun es. Wir haben stets alle Schlachten geschlagen, und mit Unterstützung des Volkes haben wir sie gewonnen. Es sind noch andere Kämpfe auszufechten. Einige erfordern ziemlich viel Zeit, denn es geht dabei um alte Gewohnheiten und Gebräuche oder sie hängen von materiellen Faktoren ab, über die wir nicht gänzlich verfügen. Jedoch besitzen wir unbesiegbare Waffen. Unsere Hauptwaffe ist die Bildung und Erziehung. Zwar können wir hier von einer der größten Anstrengungen sprechen, die je ein Volk unternommen hat, doch wie weit waren wir noch entfernt, das enorme Potential zu begreifen, vor allem den optimalen Einsatz des Humankapitals, das wir geschaffen hatten. Dieses wird alles umwälzen, und bald werden wir das gebildetste und am besten ausgebildete Volk der Welt sein. Dieses zieht schon keiner mehr in Zweifel, weder innerhalb noch außerhalb Kubas.

Mit gleichem Impetus geht es im Gesundheitswesen voran, wo wir bereits weltweit einen der ersten Plätze einnehmen. Auch in dieser Branche werden das Humankapital und die gesammelte Erfahrung ausschlaggebende Faktoren sein.

Kultur, Kunst und Wissenschaft werden eine Weiterentwicklung erfahren.

Körperkultur und Sport werden wir auf höchste Höhen führen.

Ich zitiere hier nur vereinzelte Beispiele der großen Aufgaben, die vor uns stehen und von denen keine vergessen wird.

Wie immer ist auch hier vorzuziehen, anstelle der Worte die Taten sprechen zu lassen.

Dem dekadenten kapitalistisch-imperialistischen System in seiner Etappe der Globalisierung mangelt es bereits vollkommen an Lösungen für die großen Probleme der Menschheit, deren Bevölkerungszahl sich in knapp einem Jahrhundert vervierfacht hat. Das System hat keine mögliche Zukunft. Es zerstört die Natur und vervielfacht den Hunger. Unsere in vielen Bereichen erworbene edle und menschliche Erfahrung wird vielen Völkern der Welt von Nutzen sein.

Zur Entgegnung auf den Klimawandel, auf die von anderen verursachte Umweltverschmutzung, die Wirtschaftskrisen, die Epedemien und die Hurrikane werden unsere materiellen, wissenschaftlichen und technischen Ressourcen mit jedem Mal umfassender. In der Rangfolge unserer Bemühungen wird der Schutz unserer Bürger stets an erster Stelle stehen. Darüber gibt es keine höhere Priorität.

Gegenüber politischen Gefahren und Aggressionen aus dem Ausland erfährt unsere Bereitschaft zur Verteidigung des Vaterlandes und des Sozialismus keinen Deut Schmälerung. Ganz im Gegenteil, unsere Auffassungen zum Krieg des gesamten Volkes unterziehen wir tiefgründigen Überlegungen und vervollkommnen sie von Mal zu Mal; und dabei wissen wir, daß keinerlei Technik, so hochmodern sie auch sein mag, jemals den Menschen besiegen kann. Dazu noch werden die Überzeugung und das Bewußtsein immer stärker werden.

Die Schlacht der Ideen, unsere mächtigste politische Waffe, wird zweifellos ohne Waffenstillstand fortgesetzt.

Am vergangenen 24. Februar, dem Tag, an dem des Beginns des letzten Unabhängigkeitskriegs auf Aufruf von Martí gedacht wird, traf sich ein Herr namens James Cason, Leiter der Interessenvertretung der USA in Kuba, mit einer von der US-Regierung bezahlte Gruppe von Kontrarrevolutionären in einem Appartement in Havanna, um sogar den Ruf von Baire, ein für unser Volk patriotisches und heiliges Datum zu feiern. Es wurden weitere Diplomaten eingeladen, aber nur diese erlauchte Persönlichkeit war zugegen.

Aber die Tatsache hat sich nicht nur auf eine diskrete Teilnahme beschränkt. Auf die Frage eines Journalisten, ob seine Anwesenheit bei dem Akt nicht das Anprangern der kubanischen Regierung bestätigen würde, antwortete Cason: „Nein, weil ich glaube, daß das gesamte Diplomatische Korps eingeladen wurde und wir, als Land, unterstützen immer die Demokratie und die Leute, die darum kämpfen, ein besseres Leben zu haben. Ich bin hier als Gast".

„Ich habe keine Angst", antwortete er kurz und bündig auf eine weitere Frage der Journalisten in Bezug darauf, ob seine Anwesenheit bei diesem Oppositionstreffen nicht als eine unfreundliche Geste der kubanischen Regierung gegenüber angenommen werden könnte, die die Dissidenten als subversive Gruppen anprangert.

Danach fügte er auf eine grobe und beleidigende Art und Weise und auf sehr guten Spanisch hinzu: „Unglücklicherweise hat die kubanische Regierung doch Angst, Angst vor Gewissensfreiheit, Angst vor Meinungsfreiheit, Angst vor den Menschenrechten. Diese Gruppe beweist, daß es Kubaner gibt, die keine Angst haben. Sie wissen, daß der Übergang zur Demokratie in Gang ist. Wir möchten, daß sie wissen, sie stehen nicht allein da, die ganze Welt unterstützt sie. Wir als Land unterstützen die Demokratie und die Leute, die darum kämpfen, ein besseres Leben und Gerechtigkeit zu haben".

Die Pressemeldung lautet: „Obwohl es üblich ist, daß ausländische Diplomaten sich mit Dissidenten treffen, ist es nicht üblich, daß sie bei öffentlichen Veranstaltungen auftreten oder der Presse Meinungen über die Regierungen ausdrücken".

„Ich bin hier als Gast und werde landesweit alle Leute besuchen, die Freiheit und Gerechtigkeit wollen".

Jeder Bürger versteht, daß es sich um eine unverschämte und herausfordernde Provokation handelt. Dem Anschein nach haben er und diejenigen, die ihm diese Grobheit des scheinheiligen Mutigen mit diplomatischer Immunität befohlen haben, gerade Angst gezeigt. Im Gegenteil es ist merkwürdig, und jeder könnte sich fragen, wieviel wurde bei dieser „patriotischen" Veranstaltung getrunken.

Weil Kuba tatsächlich große Angst hat, wird es sich die notwendige Ruhe einräumen, um die Vorgehensweise mit diesem merkwürdigen Funktionär zu entscheiden. Vielleicht erklären ihm die vielen Angehörigen des US-Nachrichtendiestes die in dieser Interessenvertretung arbeiten, daß Cuba einfach diese Vertretung entbehren kann, diese Bruststätte von Konterrevolutionären und Generalstab der gröbsten subversiven Aktionen gegen unser Land. Die Schweizer Funktionäre, die sie lange Zeit vertreten haben, leisteten über Jahre hinweg eine hervorragende Arbeit, und haben weder Spionage noch Subversion betrieben. Wenn sie tatsächlich mit diesen unverschämten Erklärungen provozieren wollen, dann wäre es besser, sie hätten Schamgefühl und brächten den Mut, es einzugestehen. Eines Tages, ganz gleich wann, wird das Volk der USA einen wahren Botschafter seines Landes entsenden, der „ohne Furcht und ohne Fehler ist ", wie man von den spanischen Rittern zu sagen pflegte.

Auf dem Gebiet der Wirtschaft werden wir neue Erfahrungen umsetzen, die wir in der jüngsten Zeit gemacht haben. Verstärkt werden die Produktion und die Einsparungen von Erdöl.

Wir haben heute bessere Bedingungen denn je, um die Effektivität zu erhöhen und eine strengere Disziplin in den Betrieben durchzusetzen verlangen, die der Eigenfinanzierung in Devisen den Vorrang einräumen und es dabei mitunter zu Fehlern kommt, die letztendlich Staatsfinanzen belasten.

Wir haben viel gelernt, und wir werden noch viel mehr dazu lernen. Es entstehen neue Einnahmequellen, und die Mittel müssen noch strenger verwaltet werden. Alte und neue Laster sind auszumerzen. Die stete Wachsamkeit ist der Preis der Ehrlichkeit und der Effizienz.

Die vorangegangene Nationalversammlung hat eine wichtige historische Etappe erfüllt. Die neue Versammlung soll und darf nicht hinter ihr zurückbleiben. Die letzten allgemeinen Wahlen waren die besten unserer Geschichte. Ich sage das nicht wegen der Kennziffern, die alle besser ausfielen, doch kaum eine Vorstellung von der Qualität vermitteln, da sie an sich schon recht hoch sind. Ich sage das wegen des außerordentlichen Enthusiasmus der Wähler, den ich selbst erlebt habe und wegen der langjährigen Erfahrungen. Hier ist schwerlich ein Irrtum möglich. Nie habe ich etwas Ähnliches gesehen. An diesem Enthusiasmus war das Ergebnis der Schlacht der Ideen und das überaus schnelle Wachstum unserer politischen Kultur zu spüren.

Euch allen, werte Abgeordneten und unserem geliebten Volk danke ich im Namen des Staatsrates für das neue in uns gesetzte Vertrauen. Besonders ich danke dafür nach über 50 Jahren revolutionärem Kampf, der nicht gerade am Tag der ersten Schlacht begann. Wir wissen, die Zeit vergeht und die Energie werden weniger.

Vielleicht war es der ununterbroche Kampf, der uns auf die so lange vorbereitet hat. Ich denke, das Geheimnis kann in der Kraft einer großen Illusion, eines unerschöpflichen Enthusiasmus, einer Liebe zu unserer edlen Sache liegen, die mit jeden Tag des Leben gewachsen ist, doch dieses hat seine unerbittliche Gesetze.

Ich verspreche Euch, daß ich bei Euch sein werde, wenn das euer Wunsch ist, solange ich mir bewußt bin, daß ich nützlich sein kann und wenn es die Natur nicht vorher schon anders entscheidet; und das keine Minute weniger noch eine Sekunde länger. Jetzt verstehe ich, daß mein Schicksal nicht war, zur Welt kommen, und dann am Ende des Lebens meine Ruhe zu haben.

Es lebe der Sozialismus!

Es lebe die Unabhängigkeit!

Es lebe der Friede!

Dienstag, 25. Februar 2003

Fidel Castro Ruz auf der 13. Konferenz der Staats- oder Regierungschefs der Bewegung der Blockfreien Staaten in Kuala Lumpur, Malaysia

Ansprache des Präsidenten der Republik Kuba, Fidel Castro Ruz, auf der 13. Konferenz der Staats- oder Regierungschefs der Bewegung der Blockfreien Staaten in Kuala Lumpur, Malaysia, am 25. Februar 2003

Seine Exzellenz und geachteter Freund Mahathir bin Mohamad, Ministerpräsident von Malaysia!

Sehr geehrte Staatsoberhäupter und andere Delegationsmitglieder!

Geehrte Gäste!

Wir leben in schwierigen Zeiten. In den letzten Monaten haben wir mehr als einmal schaurige Worte und Konzepte zu hören bekommen. Der Präsident der Vereinigten Staaten erklärte bei einer Ansprache vor den Kadetten von West Point am 1. Juni 2002: „Unsere Sicherheit wird die Umgestaltung des Militärs erfordern, daß Sie anführen werden- ein Militär, daß jeder Zeit bereit sein muß, in jeder dunklen Ecke der Welt umgehend anzugreifen."

Am selben Tag rief er die Doktrin des Präventiv- und Überraschungskrieges aus, etwas, was nie jemand in der politischen Geschichte der Welt getan hat. Monate später, als er sich auf die unnötige Militärhandlung gegen Irak bezog, die sie fast sicher durchführen werden, erklärte er: „...wenn man uns zum Krieg zwingt, dann werden wir mit der vollen Macht unserer Streitkräfte kämpfen."

Diejenige, die das erklärte, war nicht die Regierung eines kleinen und schwachen Staates; es war das Staatsoberhaupt der reichsten und mächtigsten Militärmacht, die je existierte, Besitzer von Tausenden von Atomwaffen, ausreichend um die Weltbevölkerung mehrmals zu vernichten, und von anderen Furcht erregenden militärischen konventionellen oder Massenvernichtungssystemen.

Das sind wir: „Dunkle Ecken des Planeten." So sehen einige die Länder der Dritten Welt. Niemals hat uns jemand besser definiert, noch tat er es mit mehr Verachtung.

Die ehemaligen Kolonien der Mächte, die sich jahrhundertelang die Welt aufteilten und sie plünderten, sind wir heutzutage diejenigen, welche die Gesamtheit der unterentwickelten Länder darstellen. Für keines von uns gibt es vollkommene Unabhängigkeit, gerechte und gleiche Behandlung, noch nationale Sicherheit; keines ist ständiges Mitglied des Sicherheitsrates, keines hat Vetorecht oder entscheidet etwas in den internationalen Finanzorganen; weder kann irgendeines seine besten Talente zurückhalten, noch sich der Kapitalflucht erwehren, oder der Zerstörung der Natur und der Umwelt, verursacht durch das verschwenderische, egoistische und unersättliche Konsumdenken der Länder mit entwickelter Wirtschaft.

Nach dem letzten Weltgemetzel in den vierziger Jahren versprach man uns eine Welt in Frieden, die Distanz zwischen Reichen und Armen zu vermindern und daß die Entwickeltsten den weniger Entwickelten helfen würden. Alles war eine riesige Falschheit. Man zwang uns eine Weltordnung auf, die unhaltbar und unerträglich ist. Die Welt wird in eine Sackgasse geführt. In nur 150 Jahren werden das Gas und das Erdöl aufgebraucht sein, für deren Akkumulation der Planet 300 Millionen Jahre brauchte.

Die Menschheit wuchs in nur 100 Jahren von ungefähr 1,5 Milliarden auf mehr als 6 Milliarden Einwohner an. Sie wird vollständig von Energiequellen abhängen müssen, die noch zu erforschen und entwickeln sind. Die Armut wächst; alte und neue Krankheiten bedrohen ganze Nationen zu vernichten; die Erde wird erodiert und verliert Fruchtbarkeit; das Klima ändert sich, die Luft, das Trinkwasser und die Gewässer sind jedesmal mehr verseucht.

Der Organisation der Vereinten Nationen wird immer mehr Autorität genommen, sie wird behindert und zerstört; die Entwicklungshilfe wird vermindert; der Dritten Welt wird die Zahlung einer Auslandsschuld von 2,5 Billionen Dollar abgefordert, was absolut unbezahlbar ist unter den jetzigen Bedingungen; andererseits werden jährlich eine Billion Dollar für immer modernere und tödlichere Waffen ausgegeben. Warum und wozu?

Eine ähnliche Summe wird für Verkaufspublizität ausgegeben, indem man Konsumbegierden sät, die für Milliarden von Menschen unmöglich zu erfüllen sind. Warum und wozu?

Unsere Art ist das erste Mal dem realen Risiko ausgesetzt, wegen dem Irrsinn der Menschen selbst und als Opfer von so einer „Zivilisation" auszusterben. Jedoch wird niemand für uns, die wir die riesige Mehrheit sind, an unserer Stelle kämpfen. Nur wir selbst, mit Unterstützung von Millionen Werktätiger der Hand- und intellektuellen Arbeit der entwickelten Länder selbst, die auch die Katastrophe auf ihre Völker niederkommen sehen, können in der Lage sein, sie zu retten, indem wir Ideen säen, Bewußtsein herausbilden, die Weltöffentlichkeit und das nordamerikanische Volk selbst mobilisieren.

Niemand hat es nötig, daß jemand es ihm sagt. Ihr wißt es sehr gut. Unsere heiligste Pflicht ist es, zu kämpfen und wir werden kämpfen!

Vielen Dank! (anhaltender Beifall)

Bei der Abschlußveranstaltung der 13. Konferenz der Staats- und Regierungschefs der Bewegung der Blockfreien Länder in Kuala Lumpur, Malaysia

Ansprache des Präsidenten der Republik Kuba, Fidel Castro Ruz, bei der Abschlußveranstaltung der 13. Konferenz der Staats- und Regierungschefs der Bewegung der Blockfreien Länder in Kuala Lumpur, Malaysia, am 25. Februar 2003.

Sehr geehrter Herr Mahathir bin Mohamad, Präsident der Bewegung der Blockfreien Länder!

Geehrte Staats- und Regierungschefs!

Geehrte Vertreter und Gäste!



Ich danke den Teilnehmern an dieser Versammlung im Namen der Regierung und des Volkes von Kuba für das in uns gesetzte Vertrauen, um uns als Sitz der nächsten Konferenz der Bewegung der Blockfreien Länder zu bestimmen. Es ist eine sehr große Ehre, sehr weit über unserem bescheidenen Beitrag zur gemeinsamen Sache, die wir nicht enttäuschen werden.

Wir sind überzeugt, daß der notwendigen Stärkungsprozeß unserer Bewegung, für den wir uns einsetzen, es uns erlauben wird, die Dynamik und unentbehrliche Kraft zurückzugewinnen, um den Herausforderungen und Gefahren der heutigen Welt zu begegnen, und für die Blockfreien Länder die Rolle wieder aufzunehmen, die uns in der internationalen Arena zusteht, was unter der Führung eines so glänzenden und fähigen Mannes wie dem Ministerpräsidenten von Malaysia, Mahathir bin Mohamad, von allen geachtet, anerkannt und bewundert, sofort neue Impulse erhalten wird. Er gewann großen Ruhm und Anerkennung, als er gegenüber der schweren Krise, die der asiatische Südosten erlitt, neue Wege aufzeigte und mit Mut die verhaßten Methoden und gefürchteten Institutionen herausforderte. Malaysia ist heutzutage vor den Augen aller, ein bewundernswertes Land, teils dank seines Talents, seines Charakters und seiner Führungsfähigkeit.

Kuba ist bereit, gemeinsam mit Euch allen daran zu arbeiten, die entschiedene Handlung der Bewegung innerhalb und außerhalb der Vereinten Nationen zu konsolidieren, im Kampf für den Frieden, die Gerechtigkeit, die Chancengleichheit, für die Achtung der Prinzipien des Völkerrechts, welche schon immer Grundlage der Bewegung der Blockfreien Länder waren; und im Kampf für die Entwicklung und gegen eine internationale Wirtschafts- und Finanzordnung, die uns ins soziale Abseits drängt und uns immer ärmer und abhängiger macht.

Bei diesem Kampf sind die Einheit und die Solidarität unter uns unumgänglich. Kuba wird seinerseits entschlossen die Kooperation und Absprache der Bemühungen zwischen unseren Ländern fördern, und nicht von seinem erprobten Geist der uneigennützigen und selbstlosen Solidarität gegenüber den anderen Völkern, die Opfer des Kolonialismus und der erbarmungslosesten Ausbeutung waren, abweichen.

Unser nächstes Treffen in Havanna im Jahr 2006 muß dazu dienen, um zu bekunden, daß die Bewegung der Blockfreien Länder erneut eine effektive Kraft in der internationalen Arena unserer Zeit darstellt. Diese Bewegung ist jetzt notwendiger als je. Wenn wir uns früher bemühten, einen ehrenvollen Platz inmitten des Kampfs zwischen zwei Supermächten einzunehmen, kämpfen wir heutzutage zwischen dem Risiko der unilateralen Hegemonie und der einzig möglichen und annehmbaren Art und Weise zu überleben: der Existenz einer multilateralen Welt, wo der Frieden, die Freiheit, die Entwicklung und der Fortschritt für alle möglich ist.

Unsere Völker brauchen das so. Wir können sie nicht enttäuschen.

Deshalb wiederhole ich allen Teilnehmern des 13. Gipfels der Bewegung der Blockfreien Länder den Dank und die bedingungslose Verpflichtung von Kuba.

Vielen Dank!

Freitag, 14. Februar 2003

Zum Abschluß des V. Treffens zu Globalisierung und Entwicklungsproblemen im Palast der Konventionen in Havanna, am 14. Februar 2003

Rede des Präsidenten der Republik Kuba Fidel Castro Ruz zum Abschluß des V. Treffens zu Globalisierung und Entwicklungsproblemen im Palast der Konventionen in Havanna, am 14. Februar 2003

Sehr verehrte Teilnehmer des Treffens zu Globalisierung und Entwicklung!

Verehrte Gäste!

Wir haben uns heute hier eingefunden, um mit aller Achtung die unterschiedlichen Standpunkte zu debattieren und anzuhören. Mit ihrer Anwesenheit beehrten und eminente und auserlesene Denker sowie Vertreter internationaler Organe, die so freundlich waren, unserer Einladung zu folgen, obwohl ihnen bekannt war, daß die Kriterien der meisten Teilnehmer von den politischen Praktiken der von ihnen vertretenen Institutionen abweichen. Die Gastfreundschaft und Achtung jenen gegenüber, die anderer Meinung sind, ist zur Tradition dieser Treffen geworden. Wozu dienten sonst unsere Analysen, würden unsere Ideen nicht mit anderen ganz gegensätzlichen konfrontiert, couragiert vertreten von jenen, die eine andere Weltanschauung besitzen?

Auch wir, die wir keine Akademiker sind, benötigen eine Dosis von Mut. Wenngleich wir bestrebt sind, uns so gut wie möglich über alle Geschehnisse in der Welt zu informieren, mangelt es doch mitunter ganz schrecklich an Zeit, um unseren Wissensdurst nach der steigenden Anzahl von Fakten und Kriterien im Zusammenhang mit dem besonderen historischen Prozeß, den wir durchleben, zu stillen und die unsichere Zukunft, die vor uns steht, vorherzusehen versuchen.

Wir können nicht klagen. Uns wurde das Privileg zuteil, das zu durchleben, was ich als die außergewöhnlichste und entscheidendste Epoche zu bezeichnen wage, die die Menschheit bis heute gekannt hat. Wie der US-amerikanische Professor Edmund Phelps von der Columbia University zur Antwort gab, wenn ihm jemand eine Frage vorlegte, die außerhalb des von ihm behandelten ökonomischen Themas stand: „Es ist dies nicht mein Thema", so will auch ich gleich im voraus sagen, daß Ökonomie heute nicht mein Thema ist. Das meine ist politischer Art, auch wenn es ohne Politik keine Ökonomie und ohne diese keine Politik geben kann.

Alles, was es bis heute gegeben hat oder gibt, ist der Menschheit auferlegt worden. Angefangen von den Naturgesetzen, durch die sie sich zur Kategorie denkender Wesen entwickelte, bis hin zum ethnischen Ursprung und der Hautfarbe; von den durch die Wälder ziehenden Gruppen, Früchte und Wurzeln sammelnd, jagend oder fischend bis hin zu den kapitalistischen Konsumgesellschaften; dieser Verbrauch, durch den unsere Erde heute von einer Gruppe reicher Nationen ausgelaugt wird.

Der entwickelte Kapitalismus, der moderne Imperialismus und die neoliberale Globalisierung wurden der Welt als Ausbeutungssysteme aufgezwungen, ebenso wie das jahrhundertelange grundsätzliche Fehlen von Gerechtigkeitsprinzipien, wie sie von Denkern und Philosophen gefordert werden, und zwar für alle menschlichen Wesen, an deren Existenz auf der Erde noch nicht einmal gedacht werden kann. Nicht einmal jene, die 1776 die 13 englischen Kolonien Nordamerikas befreiten und als „evidente Wahrheiten" proklamierten, alle Menschen seien bei ihrer Geburt gleich und allen habe der Schöpfer unveräußerliche Rechte gegeben wie das Recht auf Leben, auf Freiheit und das Erlangen von Glück, waren fähig, die Sklaven zu befreien, weshalb diese monströse Institution noch fast ein Jahrhundert anhielt, bis sie dann, anachronistisch und unhaltbar, durch einen grausamen Krieg von zwar subtileren und „modernen" so doch nicht weniger grausamen Formen der Ausbeutung und Rassendiskriminierung abgelöst wurde. Das gleiche ist zu sagen von jenen, die unter der von der Französischen Revolution 1789 proklamierten Losung von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nicht fähig waren, die Freiheit ihrer Sklaven auf Haiti und die Unabhängigkeit dieser reichen Kolonie in Übersee anzuerkennen. Demgegenüber entsandten sie zu ihrer Unterdrückung 30 000 Soldaten in dem nutzlosen Unterfangen, sie erneut zu unterwerfen. Über die Wünsche oder die Absichten der Männer der Aufklärung hinweg setzte ganz im Gegenteil eine Kolonialepoche ein, die über Jahrhunderte Afrika, Ozeanien und fast ganz Asien erfaßte, einschließlich so großer Länder wie Indonesien, Indien und China.

Die Tore des japanischen Marktes wurden mit Kanonenschüssen geöffnet, ebenso wie es heute Kanonenschüsse sind, die – auch nach einem im Namen der Demokratie, der Unabhängigkeit und Freiheit der geführten Krieges, der 50 Millionen Menschenleben kostete – die Tore öffnen für die WTO, das Multilaterale Investitionsabkommen, die Kontrolle der Finanzen der Welt, die Privatisierung der Unternehmen der Entwicklungsländer, das Monopol über Patente und Technologien und die beabsichtigte Forderung der Begleichung der in zwölfstellige Höhe angewachsenen Auslandsschulden, die die Gläubiger unmöglich eintreiben und die Schuldner unmöglich bezahlen können, die von Mal zu Mal ärmer, hungriger und immer weiter entfernt sind vom Lebensstandard ihrer Jahrhunderte währenden Metropolen, die ihre Kinder als Sklaven verkauften oder sie bis zum Umfallen ausbeuteten, wie sie es den Ureinwohnern dieser Hemisphäre antaten.

Man könnte nicht behaupten, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts habe es – so wie es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts der Fall war – eine Neuaufteilung der Welt gegeben. Die Welt kann heute schon nicht mehr aufgeteilt werden, denn sie gehört fast ausschließlich jener Macht, die am Schluß dieser unheilvollen Historie als einzige Supermacht und mächtigstes Imperium hervorging, das es je gegeben hat. Man braucht nur zu betrachten, wie fast alle Hauptstädte der Welt mit Zittern auf das letzte Wort oder die neueste Erklärung warten, die in Washington abgegeben wird oder man kurz davor steht. Wenn es einmal die Illusion von der Existenz der Organisation der Vereinten Nationen gegeben hat, so wurde nach jenem unheilvollen 11. September, vor knapp 17 Monaten also, dieses Organ auf Beschluß des Imperiums doch faktisch aufgelöst, und das unbändigste unilaterale Vorgehen trat an seine Stelle.

Wie ich nun in diesen Tagen unsere verehrten Referenten und Gäste, scharfe Argumente ins Feld führend, über Themen diskutieren hörte wie die Weltwirtschaftkrise und speziell in Lateinamerika das Freihandelsabkommen FTAA (ALCA); die Entwicklungshindernisse für die armen Länder in der heutigen Welt; die Rolle der Sozialpolitik und die realen Fakten, oftmals im Detail, wie diese Themen die Ursachen so vieler Tragödien hervorbrachten; wenn ich hörte, das BIP sei gewachsen oder gesunken; es sei zwar zu einem anhaltenden Wachstum gekommen, doch dann sei dieses wieder verebbt; eine Steigerung der Exporte sei der einzige Weg für eine Abnahme des Defizits, für einen Bilanzausgleich, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Abnahme der Anzahl der Armen, das Ankurbeln der Entwicklung, das Einhalten von Verpflichtungen; oder wenn ein anderes Mal behauptet wurde, Privatisierungen können sehr nützlich sein, Vertrauen schaffen, Investoren anziehen, Wettbewerbsfähigkeit anregen usw. usf., dann konnte ich nicht umhin zu bewundern, mit welchem Nachdruck man uns seit einem halben Jahrhundert die Art und Weise empfiehlt, aus Unterentwicklung und Armut herauszukommen.

Vordem sagte ich bereits, daß jede Meinung zu respektieren war. Doch ebenso kann dies mit den vielen Zweifeln und Fragen geschehen, die sich bei uns ergeben. In welcher idyllischen Welt leben wir? Wo sind die mindesten Gleichheitsbedingungen für das Umsetzen der Lösungswege, die man uns in den Volkswirtschaftsschulen für die Entwicklung der Länder der Dritten Welt lehrt? Gibt es sie vielleicht tatsächlich, die freie Konkurrenz, gleiche Verfügbarkeit der Ressourcen, freien Zutritt zu den entsprechenden Technologien, deren Monopol in den Händen jener liegt, die das Ergebnis nicht nur des eigenen, sondern auch des fremden Talents besitzen, das den weniger entwickelten Ländern abgeworben wurde, ohne dafür auch nur einen Cent jenen zu bezahlen, die mit ihren wenigen Mitteln dieses Talent ausgebildet haben? Wer hält die Zügel der internationalen Geldinstitute und der großen Fondsüberschüsse in der Hand? Wer sind die Eigentümer der großen Banken? Wo, wie und durch wen werden die enormen Summen gewaschen und deponiert, die aus Finanzspekulation, Steuerhinterziehung, Drogenhandel im großen Maßstab und aus den großen Unterschlagungen stammen? Wo sind die Gelder von Mobutu und einem weiteren Dutzend großer Veruntreuer von Staatsvermögen, die mit Einverständnis ihrer westlichen Vormunde die Ressourcen und die Souveränität ihrer Länder dem ausländischen Kapital auslieferten? Wie, auf welchem Wege und wo sind Hunderte Milliarden Dollar zu suchen, die aus der ehemaligen UdSSR und aus Rußland verschwanden, als die Berater, Techniker, Spezialisten und Ideologen Europas und der Vereinigten Staaten es zu dem brillanten und seligen Weg des Kapitalismus führten, auf dem eine Horde Aasgeier, von allen Seiten kommend, sich eines großen Teiles der natürlichen und wirtschaftlichen Ressourcen des Landes bemächtigte? Wer haftet moralisch dafür, daß heute seine Bevölkerungszahlen zurückgehen und sich die Gesundheitsindikatoren – einschließlich Säuglings- und Müttersterblichkeit – verschlechtert haben und daß viele Bürger, unter ihnen alte Menschen, die seinerzeit gegen den Faschismus kämpften, Hunger leiden und in extremer Armut leben, wovon Millionen Menschen betroffen sind? Wer zerstört durch das Medienmonopol die nationalen Kulturen anderer Völker und streut das Gift des Konsumdenkens in alle Ecken der Welt? Wie ist zu verstehen, daß jährlich eine Billion Dollar zu Zwecken der Werbung ausgegeben werden, mit denen Hauptprobleme im Bildungswesen, dem Gesundheitswesen, Mangel an Trinkwasser und Wohnraum, Arbeitslosigkeit, Hunger und Unterernährung gelöst werden könnten, die Milliarden Menschen unserer Erde geißeln? Handelt es sich hierbei schlicht um ein ökonomisches und nicht um ein politisches und ethisches Problem?

Die neoliberale Globalisierung ist eine auf schamloseste Weise verübte Neukolonisation der Dritten Welt. Das FTAA bedeutet, wie hier bereits wiederholt zum Ausdruck kam, die Annexion Lateinamerikas an die Vereinigten Staaten, eine unechte Bindung zwischen ungleichen Seiten, bei der der Stärkere die Schwächeren – einschließlich Kanada, Mexiko und Brasilien – schlucken wird. Ein unmoralisches Abkommen für den Transfer von Kapital und Waren und den Tod der „Verwegenen", die versuchen, an der Schlachtbank, der Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten, in das Imperium zu gelangen. Für sie ist kein Adjustment Act in Kraft, das automatisch zu Aufenthalt und Beschäftigung berechtigt – welche Verletzungen und Vergehen man auch begangen haben mag – und das ausgedacht wurde, um Kuba zu destabilisieren zur Strafe für die revolutionären Umwälzungen, die in unserer Heimat stattgefunden haben.

Als Revolutionär und Kämpfer, der ich wahrlich glaube, daß eine bessere Welt möglich ist, muß ich mit fester Entschlossenheit und ohne jegliches Zögern meine Meinung zum Ausdruck bringen, wonach die Privatisierung der Güter und natürlichen Ressourcen eines Landes als Gegenleistung zur ausländischen Investition ein großes Verbrechen darstellt, gleich einer billigen fast kostenfreien Auslieferung der Mittel, die die Völker der Dritten Welt zum Leben brauchen. Das führt zu einer neuen bequemeren und egoistischeren Form der Neukolonisation, in der die öffentlichen und andere wesentliche Ausgaben, die früher den Metropolen zukamen, nun die Einheimischen zu tragen hätten.

Kuba benutzt in seinen Beziehungen zum Auslandskapital Formen der Zusammenarbeit, die für beide Seiten von Vorteil und gut abgewägt sind, daß sie weder der Souveränität schaden, noch dem ausländischen Kapital oder der ausländischen Macht die Kontrolle über die Güter und das politische, kulturelle und Wirtschaftsleben des Landes preisgeben.

Die Regel ist: Wir haben absolut nichts zu verschenken und in dem Dilemma nun, einen Preis zu bezahlen, geben wir dem Cäsar, was des Cäsars und dem Volk, was des Volkes ist. Keiner täusche sich; wir sind ein sozialistisches Land, und wir werden es bleiben. Trotz aller Hindernisse sind wir dabei, eine neue und humanere Gesellschaft aufzubauen, mit mehr Erfahrung, Enthusiasmus, Energie und Träumen denn je. Im Umlauf ist der Dollar; der Euro beginnt zu zirkulieren, und zum Zwecke der Erleichterung in der Tourismusbranche könnten weitere Währungen folgen. Ebenfalls im Umlauf und gewichtig ist der normale kubanische Peso und der konvertierbare kubanische Peso. Die Währungslage ist unter Kontrolle. Der Wert unserer Landeswährung hielt sich während des ganzen Jahres 2002 stabil, etwas Ungewöhnliches in anderen Ländern, und es gibt keine Devisenflucht.

Zu den riesigen allzu gut bekannten diese Hemisphäre erdrückenden Übeln gehört die enorme Auslandschulden, deren Schuldendienst an Kapital und Zinsen mitunter 50 Prozent der Landesbudgets ausmachen und auf Kosten von Leistungen geht, die für ein jedes Land lebenswichtig sind: Gesundheitswesen, Bildungswesen und soziale Sicherheit.

Die überaus hohen Zinsen, die sich die Regierungen für die Bankeinlagen zu zahlen gezwungen sehen, um sich gegen die spekulativen Runs und die Kapitalflucht zu verteidigen, lassen jegliche Entwicklung mit den eigenen Mitteln der Länder unmöglich werden.

Der von der neuen Wirtschaftsordnung aufgezwungene freie Geldwechsel ist für die schwachen Wirtschaften der Länder, die sich zu entwickeln bestrebt sind, ein tödliches Instrument. Seit geraumer Zeit ist das Geld nicht mehr ein Wert an sich, so wie es in früheren Zeiten war, als es noch aufbewahrt und wie Gold- oder Silberstücke als Schatz vergraben werden konnte.

In Bretton Woods – wie alle Ökonomen wissen – erhielten die Vereinigten Staaten, die 80 Prozent der Goldreserven der Welt besaßen, das Recht der Geldemission des internationalen Währungsfonds. Doch für jedes ausgegebene Papiergeld waren sie zur Goldeinlösung seines Wertes verpflichtet. Man kam dieser Pflicht nach, indem der Wert des Papiergeldes durch einen stabilen Goldpreis gewährleistet wurde. Diese Preisstabilität erzielte die Regierung jenes Landes durch Kauf oder Verkauf des Edelmetalls in genügenden Mengen, wenn es auf dem Markt zu Überschüssen oder Defiziten des Goldes kam. Nach diesem Rezept wurde bis 1971 verfahren, als ein Präsident der Vereinigten Staaten, Richard Nixon, nach enormen militärischen Ausgaben und einem Krieg ohne Besteuerung den unilateralen Entschluß faßte, die Goldeinlösung des US-amerikanischen Papiergeldes abzuschaffen.

Es konnte sich damals keiner die kolossale Spekulation vorstellen, zu der es nach dem Kauf und Verkauf von Währungen kommen sollte und die sich heute in kosmischen Höhen von mehr als einer Billion Dollar täglich bewegt.

Das erlangte Vertrauen in den Dollar und seine Kreditwürdigkeit, seine gewohnheitsmäßige und von allen akzeptierte Benutzung als Umrechnungsmittel, die enorme Wirtschaftskraft des Emissionslandes und das Fehlen eines anderen Mittels dieser Art führten dazu, daß der Dollar diese seine Rolle weiter wahrnahm.

Von diesem Vorrecht konnten die lateinamerikanischen noch andere Länder der Dritten Welt keinen Gebrauch machen noch können sie es heute. Auf dem Weltmarkt sind unsere Währungen einfach nur Papiernoten. Ihr Wert wird bestimmt von der Höhe der Rücklagen in ausländischer Währung, hauptsächlich in Dollar, über die das Land verfügt. Keine der Landeswährungen Lateinamerikas und der Karibik ist stabil noch können sie es sein. Ihr Realwert kann heute 100 Prozent betragen; und in ein paar Monaten, Wochen oder Tagen kann er infolge externer oder interner Faktoren auf 50, 40 oder zehn Prozent des früheren Wertes gefallen sein. So geschah es mit dem idyllischen, utopischen und folkloristischen Versuch in Argentinien, die Parität des Peso zum Dollar zu wahren, der logischerweise in einer Katastrophe enden mußte. Ähnliches kann vom Verhältnis zwischen Real und Dollar gesagt werden. In Ländern wie Ecuador kam es so weit, daß sie ihre Währung auf den Müllhaufen warfen und den Dollar als einzige Binnenwährung direkt einführten.

In Mexiko führte der Regierungswechsel, der alle sechs Jahre stattfindet, wie üblich zu einer starken Abwertung, wodurch der Wert seiner Währung beträchtlich sank. Brasilien erlitt nach dem letzten spekulativen Run und der Krise von 1998 in kaum acht Wochen die Einbuße der fast 40 Milliarden Dollar, die es durch Privatisierung vieler seiner besten Unternehmen der Produktion und Dienstleistungen erzielt hatte.

Die Kapitalflucht ist eine der schlimmsten Formen des finanziellen Aderlasses, dem die lateinamerikanischen Länder in den letzten Jahrzehnten ausgesetzt waren. Es geht nicht um Gewinnabführungen ausländischer Investoren; es geht nicht um die mit dem Schuldendienst verbundene Ausplünderung, Schulden, die häufig von tyrannischen und korrupten Regierungen gemacht wurden, die dann die erhaltenen Mittel vergeudeten und veruntreuten oder sie zur Haftung für private Schulden oder gelegentliche Entwendungen oder dunkle Geschäfte der Privatbanken benutzten; es geht auch nicht um die wachsenden Verluste des bekannten Phänomens der ungleichen Austauschbeziehungen. Es geht um Geldmittel, die im Land geschaffen wurden wie der den schlecht bezahlten Arbeitern entrissene Mehrwert, die ordentlich erworbenen Ersparnisse der Intellektuellen und Professionellen oder die Gewinne der kleinen Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe.

Das Würgeeisen, das die lateinamerikanischen Länder an die Kapitalflucht bindet, ist der ohne jegliche Restriktion noch Anforderung mögliche freie Kauf von konvertierbaren Devisen gegen Landeswährung, eine Rezeptur, aufgezwungen von den internationalen Geldinstituten als geheiligtes neoliberales Prinzip. Es wird eingeschätzt, daß sich diese Kapitalflucht in einigen Ländern wie beispielsweise Venezuela in einem Zeitraum von mehr als 40 Jahren in Größenordnungen von etwa 250 Milliarden Dollar bewegt. Dazu sind die von Argentinien, Brasilien, Mexiko und den übrigen Ländern Lateinamerikas eingebüßten Summen zu rechnen.

Ruhm dem tapferen venezolanischen Volk und seinem mutigen Führer, die eben die Devisenbewirtschaftung gesetzlich festlegten. Damit ziehen sie in ihrem Land einen Schlußstrich unter die von mir hier dargelegte Tragödie.

Ich kann mich erinnern, daß, als 1959 die kubanische Revolution siegte, die Auslandschulden von Lateinamerika insgesamt lediglich fünf Milliarden Dollar betrug, bei einer Bevölkerung von 214,4 Millionen. Die Einwohnerzahl ist auf 543,4 Millionen gestiegen, davon leben 224 Millionen unter der Armutsgrenze, 50 Millionen sind Analphabeten, und im Jahr 2003 liegt die Auslandschulden nicht unter 800 Milliarden Dollar.

Welche ist die Ursache dafür, daß diese Region der Hemisphäre in der Nachkriegszeit nicht eine ähnliche Entwicklung erreichte wie Kanada, Neuseeland oder Australien, die eine Zeit lang europäische Kolonien waren und dazu nicht so reich und so entwickelt wie wir? Liegt es zum Teil vielleicht nicht an dem zweifelhaften Privileg, der Hinterhof der Vereinigten Staaten zu sein? Oder vielleicht, weil wir ein zu verachtendes Ensemble von Weißen, Schwarzen, Indios und Mestizen und daher die Negation dessen sind, was Studien zum Genom des Menschen und wissenschaftliche Forschungen bewiesen haben, daß es nämlich zwischen den verschiedenen Ethnien der Gattung Mensch keine Unterschiede in den geistigen Fähigkeiten gibt? Worin liegt nun die Schuld?

Ich hatte anfangs gesagt, daß alles, was bis heute existierte und noch existiert, der Menschheit auferlegt worden ist. Ich stimme vollkommen mit Karl Marx überein, der behauptete, daß, fänden Produktion und Distribution nicht in einem kapitalistischen System statt und verschwände damit auch die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, dann hätte die menschliche Gesellschaft die Prähistorie hinter sich gelassen. Seine Begründungen stützte er auf die dialektische Entwicklung der Geschichte unserer Gattung.

Diese Denkweise mag vielen zu simpel und zu weit hergeholt erscheinen. Marx studierte den Kapitalismus in seiner ersten Phase, die zusammenfiel mit der Geburt einer neuen Klasse, die zur Umwälzung der Gesellschaft der erbarmungslosen Ausbeutung und zur Einleitung einer neuen Epoche und einer gerechten Welt berufen war. Als er diese Standpunkte aufstellte, gab noch nicht einmal Strom, Telefon, Verbrennungsmotoren, moderne schnelle Schiffe mit großer Tonnage, die moderne Chemie, synthetische Produkte, Flugzeuge, die mit Hunderten von Passagieren an Bord in ein paar Stunden den Atlantik überfliegen, die Rundfunkübermittlung, das Fernsehen, die Computertechnik. Er war frei von der schrecklichen Vision des unverantwortlichen Einsatzes der modernen Technik durch den Menschen, dadurch das Zerstören von Wäldern, die Erosion der Böden, die Verwandlung Hunderter Millionen Hektar fruchtbaren Bodens in Wüstengebiete, das Überfischen und die Verschmutzung der Meere, die Artenvernichtung in Flora und Fauna und die Verschmutzung von Trinkwasser und Umwelt verursachend.

Karl Marx, dessen Theorie auf den Bedingungen Englands fußte, das damals am weitesten entwickelte Land, stellte nicht die Forderung nach einem Bündnis der Arbeiter und Bauern; auch konnte er nicht das kolossale Problem voraussehen, das von der damals kolonialen Welt ausgehen sollte. Später wurde dieses von seinem genialen Schüler Lenin, der seine Ideen auf die spezifischen Umstände des russischen Reiches anwandte, entdeckt und vertieft.

Zu Zeiten von Karl Marx, der die beschleunigte Entwicklung der industriellen Revolution in England und die einsetzende Industrialisierung in Deutschland und Frankreich unter die Lupe nahm, wäre niemand – ausgenommen ein Wahrsager, der er nun absolut nicht war – in der Lage gewesen, die Rolle vorauszusagen, die nur 60 Jahre nach seinem Tode die Vereinigten Staaten von Amerika spielen würden.

Während Malthus Pessimismus säte, bestärkte Marx die Hoffnung.

Damals waren die Geographie unseres Planeten und die der Biosphäre eigenen Gesetze – für Böden, Wälder, Meere und Luft – nur wenig bekannt. Sehr wenig wußte man über den Weltraum. Es gab keine Relativitätstheorie, und kein Wort war über den Urknall, den Big Bang, geschrieben worden.

Marx konnte nicht wissen, daß das Mobiltelefon eine Verbindung von einem Ende der Welt zum anderen in Lichtgeschwindigkeit ermöglichte; daß Tag für Tag Billionen Dollar in Aktien, Währungen, Interimsgeschäften, unbeweglichen Grundmitteln und anderen Wertpapieren ihre Besitzer wechseln sollten und daß der Wert der aus Spekulationen erzielten Gewinne über den Umfang des Mehrwertes hinausgehen würde.

Marx glaubte vor allem an die Entwicklung der Produktivkräfte und die unendlichen Möglichkeiten der Wissenschaft und des Talents des Menschen. Für ihn war eine vollständig entwickelte Welt das sine qua non eines Gesellschaftssystems, das in der Lage ist, die für eine volle Befriedigung der materiellen und geistigen Bedürfnisse der Gesellschaft erforderlichen Güter zu produzieren. Für ihn war die Revolution in nur einem Land nicht denkbar. Er dachte so weit, daß er die Idee einer globalisierten Welt in Betracht zog, so wie auch ich sie stets verstanden habe, verbrüdert im Frieden und dem Zugang zur vollen Nutzung der Güter, die sie zu schaffen in der Lage ist. Der Gedanke an eine in arm und reich geteilte Welt kam ihm nicht in den Sinn. „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!", hatte er proklamiert. In der Welt von heute könnte dieser als ein Appell zur Einheit aufgefaßt werden, gerichtet an alle manuellen und intellektuellen Arbeiter, die Bauern und die Armen aller Länder in Verfolgung dessen, was als „eine bessere Welt" bezeichnet wird.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit steht unsere Gattung vor der realen Gefahr der Ausrottung. Bedroht ist sie nicht nur von der Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes, sondern auch von den großen politischen Risiken, den immer moderneren Vernichtungs- und Massenvernichtungswaffen sowie den extremistischen Lehren, die sich auf tödliche und vernichtende Kräfte stützen könnten.

Den Frieden kennzeichnen nicht gerade seine besten Tage von Glorie und Hoffnung. Der Ausbruch eines Krieges steht bevor. Dabei wäre dieser keine Konfrontation vergleichbarer Kräfte. Auf der einen Seite stünde die hegemonistische Supermacht mit ihrer erdrückenden militärischen und technischen Kraft, gestützt auf einen prinzipiellen Verbündeten, ein weiteres Kernwaffenland und Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Auf der anderen Seite ein Land, über dessen Volk mehr als zehn Jahre lang Bomben fielen alltäglich Bomben abgeworfen wurden und das Hunderttausende Menschenleben, vor allem von Kindern, durch Hunger und Krankheiten zu beklagen hat nach einem ungleichen Krieg, ausgelöst durch die ungesetzliche Besetzung Kuwaits durch den Irak – Kuwait war ein unabhängiger und von der internationalen Gemeinschaft anerkannter Staat. Die große Mehrheit der Weltöffentlichkeit ist einstimmig gegen diesen neuen Krieg. An erster Stelle verwirft sie den einseitigen Beschluß der Regierung der Vereinigten Staaten, der die internationalen Normen und die Befugnisse der Vereinten Nationen mißachtet, die an sich schon nicht umfassend sind. Es handelt sich hier um einen unnötigen Krieg unter Vorwänden, die weder glaubhaft noch erwiesen sind.

Durch den letzten Krieg 1991 gegen die Vereinigten Staaten vollkommen geschwächt, ist der Irak - in seinem Konflikt gegen den Iran war er in nicht unbedeutendem Maße durch den Westen unterstützt worden – im absoluten Nachteil gegenüber den Offensiv- und Defensivwaffen der Vereinigten Staaten – die in der Lage sind, jegliches Risiko eines irakischen Einsatzes von atomaren, chemischen oder biologischen Waffen zu neutralisieren, sollte jenes Land darüber verfügen, was sehr unwahrscheinlich ist – und außerdem wäre ein solcher Versuch politisch absurd und in militärischer Hinsicht selbstmörderisch.

Die eigentliche Gefahr besteht darin, daß sich eine derartige Kriegshandlung für das irakische Volk zu einem patriotischen Krieg ausweitet, wovon niemand im voraus seine Reaktion und seinen Widerstand versichern könnte, wie lange der Krieg anhalten wird, wieviel Tote und Zerstörung er bringen wird, welche menschlichen, politischen und wirtschaftlichen Folgen er für jede der kriegführenden Seiten haben wird. Zweifelsohne wird die Welt kolossalen ökonomischen Risiken inmitten der heutigen tiefen Krise ausgesetzt sein. Wie sich unter diesen Umständen die Erdölpreise gestalten werden, ist unberechenbar.

In meiner Rede vom vergangenen 29. Januar anläßlich des 150. Geburtstages von José Martí, führte ich mehrere Stellen aus Reden des Präsidenten der Vereinigten Staaten an und unterzog sie einer Analyse. Bei dieser Gelegenheit hier will ich nur einige zitieren, die für sich selbst sprechen:

„Wir werden jede erforderliche Kriegswaffe einsetzen, die gebraucht wird."

„Alle Nationen, wo auch immer, müssen sich nun entscheiden: Entweder sind sie für uns oder für den Terrorismus."

„ Dieser ist ein Kampf der Zivilisation."

„Die Errungenschaften unserer Zeit und die Hoffnungen aller Zeiten hängen von uns ab."

„Und wir wissen, Gott ist nicht neutral." (20. September 2001)

„Unsere Sicherheit wird die Umgestaltung des Militärs erfordern, das Sie anführen werden - ein Militär, das jederzeit bereit sein muß in jeder dunklen Ecke der Welt sofort anzugreifen,... daß wir bereit für den Präventivschlag sind..."

„Wir müssen terroristischen Zellen in 60 oder mehr Länder aufdecken.¨

„Wir stehen vor einem Konflikt zwischen Gut und Böse."

(Rede vor den Kadetten anläßlich des 200. Jahrestages von West Point am 1. Juni 2002)

„Die Vereinigten Staaten werden den UN-Sicherheitsrat beantragen, am 5. Februar zu tagen, um die Fakten zu behandeln, die zu den Herausforderungen des Irak der Welt gegenüber vorliegen."

„Wir werden uns beraten lassen, doch dieses soll nicht falsch verstanden werden. Kommt es nicht zu einer kompletten Entwaffnung durch Saddam Hussein, dann werden wir für die Sicherheit unseres Volkes und für den Frieden der Welt uns an die Spitze einer ihn entwaffnenden Koalition stellen."

„Werden wir zum Krieg gezwungen, so werden wir mit der ganzen Stärke unserer Streitkräfte kämpfen."

(Erklärung vor dem Kongreß am 28. Januar 2003)

Obwohl Präsident Bush seiner Überzeugung Ausdruck verleiht, wonach Gott nicht neutral ist, ist es doch ebenso gewiß, daß Papst Johannes Paul II. und nahezu alle kirchlichen Würdenträger der Welt gegen diesen Krieg sind. Wer interpretiert nun eigentlich die Absichten des Herrn?

Hier wurde zwei Tage lang über die Zukunft der Menschheit diskutiert. Manche fragten, was nach der Globalisierung komme, ob die heutige Weltwirtschaftsordnung langlebig oder von kurzer Dauer sei, wie lange das neue herrschende System anhalte. Ich werde versuchen, auch auf die große Gefahr der Improvisation eine Antwort auf diese Fragen zu geben, die mich mehr als einmal beschäftigten.

Dabei gehe ich von einigen ganz persönlichen Überzeugungen aus, an denen ich festhalte. Die Geschichte wird nicht von den Menschen gemacht. Die subjektiven Faktoren können – auch über lange Zeiträume hinweg – die großen Ereignisse beschleunigen oder verzögern, doch sie sind nicht der bestimmende Faktor, noch können sie das Endergebnis verhindern. Weitreichende und bedeutsame Vorkommnisse menschlichen oder natürlichen Ursprungs, ein Kernwaffenkrieg, die beschleunigte Zerstörung der Umwelt und ein relativ plötzlicher Klimawandel können alle von den vortrefflichsten Köpfen unserer Gattung angestellten Berechnungen und Prognosen umwerfen.

Die sich aus der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft ergebenden objektiven Faktoren sind es, die die Ereignisse bestimmen.

Die Ökonomie ist keine Naturwissenschaft; sie ist nicht exakt und kann es auch nicht sein. Sie ist eine Gesellschaftswissenschaft. Konzeptionen und Ideen, Tendenzen und Gesetze, hervorgegangen aus einem bestimmten Wirtschafts- und Gesellschaftssystem einer Epoche, halten stets noch eine Zeit lang an, auch wenn diese Systeme bereits erschöpft sind oder nicht mehr existieren, wodurch eine korrekte Auslegung der Ereignisse nicht selten erschwert wird. Die außerordentliche Vielfalt an Meinungen und Theorien, die auf den gesellschaftswissenschaftlichen Treffen oder Zusammenkünften zu vernehmen sind, sind ein Beweis dafür. Gleichermaßen ein Beispiel dafür sind die großen Fehlen, die jedem tiefgründigen revolutionären Prozeß anhaften.

Im Hinblick auf die Politik scheint es mir besser zu sagen, sie ist eine Mischung von Wissenschaft und Kunst, doch mehr Kunst als Wissenschaft.

Es darf nicht vergessen werden, daß sowohl in dem einen als auch dem anderen Fall die Verantwortung bei den Menschen liegt; und diese sind so unterschiedlich und vielfältig wie die Kombinationen in ihrem Genom.

Aus der Geschichte kann man eine Lehre ziehen, auf der ich zu beharren pflege. Nur im Ergebnis der großen Krisen ist man zu großen Lösungen gelangt. Meines Erachtens ist diese Regel nur von sehr wenigen Ausnahmen begleitet.

Wir durchleben heute eine große allgemeine Krise, sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Art. Sie ist vielleicht die erste Krise vollkommen globalen Charakters.

Die herrschende Wirtschaftsordnung ist weder eine nachhaltige noch tragbare. Ohne große und tiefgreifende Umwälzungen gibt es keinen möglichen Ausweg. Es braucht keiner Statistiken, die hier und überall zum Verständnis der Realität wiederholt werden. Den Beweis treten die lokalen, regionalen und Krisen der Hemisphäre an, zu denen es immer häufiger kommt. Sie geht an weder armen noch reichen Ländern vorbei. Viele Parteien haben ihr Ansehen völlig verloren. Die Völker werden von Mal zu Mal unregierbarer. Die internationalen Geld- und ähnlichen Institute wie die WTO und Gruppen der Steinreichen wie die der Sieben wissen schon nicht mehr, wo sie tagen sollen. Der Organisationen und der von der Tragödie, die die Welt durchlebt, betroffenen oder dadurch sensibilisierten gesellschaftlichen Bewegungen werden es allerorts mehr und mehr. Die modernen Technologien haben das Übermitteln von Botschaften ermöglicht, ohne auf traditionelle Kommunikationsmittel zurückgreifen zu müssen.

Trotz der 800 Millionen Analphabeten, die es noch gibt, haben Milliarden Menschen auf diese oder jene Weise Zugang zu bestimmten Informationen und leiden Tag für Tag unter den Kalamitäten von Beschäftigungslosigkeit, Armut, Entbehrung von Grund und Boden, ungesunden Lebensverhältnissen, Unsicherheit; Fehlen von Schulen, Wohnungen, minimalen hygienischen Voraussetzungen, Selbstvertrauen und gesellschaftlicher Anerkennung. Sogar die kommerzielle dem Konsumdenken entsprechende Werbung verstärkt noch das Bewußtsein ihrer eigenen Entbehrungen und fehlgeschlagenen Hoffnungen.

Es ist nicht möglich, diese systematische Täuschung fortzuführen; es ist nicht möglich, alle zu töten. Auf unserem Planeten leben bereits 6,22 Milliarden Menschen, deren Anzahl sich in nur einem Jahrhundert mehr als vervierfacht hat. Zum Heer der Unzufriedenen der Dritten Welt gesellen sich Millionen ausgebildeter Arbeiter, Männer und Frauen der professionellen Bereiche und der Mittelschichten der Industrieländer, die ihr eigenes und das Schicksal ihrer Kinder immer mehr bekümmert, denn sie erleben, wie Luft, Wasser, Böden und Pflanzen unter der Umweltverschmutzung leiden, und erleben wie durch Verantwortungslosigkeit bei der Nutzung des natürlichen Ressourcen die ihnen lieb gewordenen Dinge ihres Umfeldes verschwinden. Das Dasein der Bürger wird allerorts immer stärker zu einem Kampf um das Überleben.

Die Menschheit hat keine andere Alternative als die der Kursänderung. Daran besteht kein Zweifel. Wie soll nun diese Änderung aussehen? Welche neuen Formen des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens wird es geben? Es ist diese die am schwierigsten zu beantwortende Frage und führt mich zum letzten Gedanken, den ich darlegen will.

Hierbei hat der subjektive Faktor seine wichtigste Rolle zu spielen, und dazu muß er informiert und zum Denken angeregt werden. Übermittlung von Information, Anregung von Debatten, Bildung von Bewußtsein wird Aufgabe der Fortgeschrittensten sein. Ein ermutigendes Beispiel neuer Kampfesmethoden war das Weltsozialforum von Porto Alegre. Die hunderttausend Menschen, die sich dort zum Nachdenken und Debattieren einfanden, vermittelten ein Bild der sich entwickelnden und ankurbelnden Kräfte der sich objektiv in der Welt aufdrängenden Veränderungen.

Wir in Kuba bezeichnen diesen Kampf als die Schlacht der Ideen. In dieser Schlacht sind wir seit drei Jahren und zwei Monaten stark engagiert. Mehr als hundert soziale Programme sind daraus hervorgegangen, mehrheitlich für die Bereiche Volksbildung, allgemeine und künstlerische Kultur, massive Wissensvermittlung, Umgestaltung der Schulunterrichts, Verbreitung der Auffassungen zu den unterschiedlichsten politischen und wirtschaftlichen Themenkreisen, Sozialarbeit, erhöhte Möglichkeiten für Hochschulstudien, gründliches Erkunden der spürbarsten sozialen Probleme, ihre Ursachen und Lösungswege; Erreichen einer integralen Allgemeinbildung, ohne die auch ein Universitätsdiplom nicht von der Eigenschaft eines funktionellen Analphabeten befreit.

Zwar sind unsere Programme anspruchsvoll, doch sind wir durch die bisher erzielten Ergebnisse ermutigt.

Ungeachtet der tiefen Wirtschaftskrise, die die Welt durchlebt, konnte unser Land die Beschäftigungslosigkeit auf 3,3 Prozent reduzieren. Für Ende dieses Jahres erwarten wir eine weitere Senkung bis unter drei Prozent, womit wir dann als ein Land mit Vollbeschäftigung gelten würden.

Das Nützlichste unserer bescheidenen Bemühungen im Kampf um eine bessere Welt wird es vielleicht sein zu zeigen, wieviel man mit so wenig erzielen kann, wenn alle menschlichen und materiellen Ressourcen der Gesellschaft in den Dienst des Volkes gestellt werden.

Es darf weder die Natur zerstört, noch dürfen die überlebten und verschwenderischen Konsumgesellschaften fortbestehen. Es gibt einen Bereich, in dem die Produktion von Gütern ins Unendliche gehen darf: der Bereich des Wissens, der Kultur und der Kunst in all ihren Äußerungen, einschließlich einer sorgfältigen ethischen, ästhetischen und solidarischen Erziehung, des gesellschaftlich, geistig und körperlich gesunden umfassenden spirituellen Lebens, ohne das man niemals von Lebensqualität sprechen könnte.

Gibt es etwa etwas, das uns am Erlangen dieser Ziele hindert?

Wir wollen das beweisen, was wir alle proklamieren, nämlich daß eine bessere Welt möglich ist!

Die Stunde ist gekommen, da die Menschheit beginnen sollte, ihre eigene Geschichte zu schreiben!

Vielen Dank

Mittwoch, 29. Januar 2003

Rede zum Abschluß der Internationalen Konferenz Für das Gleichgewicht der Welt

Rede des Präsidenten der Republik Kuba, Fidel Castro Ruz, zum Abschluß der Internationalen Konferenz Für das Gleichgewicht der Welt, veranstaltet als Hommage auf den 150. Geburtstag unseres Nationalhelden, José Martí, am 29. Januar 2003

Sehr geehrte Teilnehmer des Internationalen Treffens Für das Gleichgewicht der Welt, veranstaltet zu Ehren des 150. Geburtstages von José Martí!

Sehr geehrte Gäste!

Mitbürger!

Was bedeutet Martí für die Kubaner?

In seinem Aufsatz „Das Politische Gefängnis in Kuba" – Martí war kaum 18 Jahre alt, als er ihn verfaßte, nachdem er mit 16 Jahren, an Fußeisen gekettet, eine grausame Haft erdulden mußte – behauptet José Martí: „Es gibt einen Gott, doch im Sinne des Guten, der über die Geburt eines jeden Wesens wacht und in der Seele, die sich ihm einverleibt, eine unverfälschte Träne hinterläßt. Das Gute ist Gott. Die Träne ist die Quelle des ewigen Leides."

Für uns Kubaner verkörpert Martí das Gute, so wie er es beschrieb.

Wir, die am 26. Juli 1953 den am 10. Oktober 1868 begonnen Unabhängigkeitskampf im hundertsten Geburtsjahr Martís wieder aufnahmen, hatten uns von ihm vor allem die ethischen Prinzipien zu eigen gemacht, ohne die an eine Revolution nicht einmal zu denken ist. Ebenso hatte er uns seinen inspirierenden Patriotismus vermittelt sowie einen derartig hohen Begriff von Ehre und Menschenwürde, wie es kein anderer auf der Welt hätte tun können.

Er war ein außergewöhnlicher Mensch; Sohn eines Militärs und geboren als Kind spanischer Eltern, wird er Verkünder und Schmied der Unabhängigkeit des Landes, in dem er das Licht der Welt erblickte. Intellektueller und Dichter, bei Beginn des ersten großen Krieges noch ein Heranwachsender, war er später dann fähig, das Herz und die Achtung, das Vertrauen und die Ehrfurcht der alten und erprobten militärischen Führer zu gewinnen, die in jenem Kriege zu Ruhm gelangten.

Den Frieden, den Zusammenhalt und die Harmonie zwischen den Menschen leidenschaftlich liebend, zögerte er nicht, den gerechten und notwendigen Krieg gegen das Kolonialsystem, die Sklaverei und die Ungerechtigkeit zu organisieren und zu beginnen. Sein Blut war das erste, das vergossen wurde und sein Leben das erste, das als unauslöschliches Symbol von Opferwilligkeit und persönlichem Einsatz hingegeben wurde. Bei einem großen Teil des Volkes, für dessen Unabhängigkeit er gekämpft hatte, war dies viele Jahre lang in Vergessenheit geraten oder unbekannt, und nun stiegen seine unsterblichen Ideen wie ein Phönix aus der Asche empor und ließen fast ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode ein ganzes Volk einen kolossalen Kampf führen, bei dem es dem mächtigsten Gegner gegenüberstand, den es je für ein Land, ob groß oder klein, gegeben hat.

Heute nun – nur einige Stunden nach seinem 150. Geburtstag – veranstalten Hunderte brillante Denker und Intellektuelle aus aller Welt eine Hommage auf ihn in tiefster Anerkennung seines Lebens und seines Werkes.

Was vermachte er der Welt über die Grenzen Kubas hinaus? Ein außergewöhnliches Vorbild als Schöpfer und Humanist, der es wert ist, daß man seiner noch Jahrhunderte lang gedenkt.

Für wen und warum tat er es? Für all jene, die heute kämpfen und die, die morgen kämpfen werden für die gleichen Träume und Hoffnungen auf die Rettung der Welt und weil es der Zufall wollte, daß sich heute die Menschheit der Risiken bewußt wird, die er vorausgesehen und vor denen er mit seiner ausgeprägten Vision und seinem hochbegabten Talent gewarnt hat.

Der Tag, an dem er fiel, am 19. Mai 1895, opferte sich Martí dem Recht auf Leben aller Menschen unserer Erde.

In dem berühmten unvollendeten Brief an seinen innigen Freund Manuel Mercado – er unterbricht ihn, um sich in ein unerwartetes Gefecht einzureihen, ohne daß es jemand hätte verhindern können – enthüllt er seine innersten Gedanken, die, obwohl bekannt und wiederholt, ich hier erneut darlegen will: „Ich bin jeden Tag in Gefahr, mein Leben für mein Land und meine Pflicht hinzugeben ..., um rechtzeitig mit der Unabhängigkeit Kubas zu verhindern, daß sich die USA über die Antillen ausdehnen und mit dieser Kraft mehr über die Länder unseres Amerikas herfallen. Was ich bis heute tat und weiter tun werde, tue ich dafür."

Wochen vorher, als er und der vorbildliche lateinamerikanische Patriot Máximo Gómez – gebürtiger Dominikaner und von Martí zum militärischen Führer der kubanischen Truppen bestimmt, der bald nach Kuba aufbrechen sollte – das Manifest von Montecristi unterzeichneten, schrieb Martí, neben den vielen anderen brillanten revolutionären Ideen, etwas so Bewundernswertes, daß ich es, auch wenn ich damit langweilig werden sollte, hier wiederholen muß: „Der Krieg für die Unabhängigkeit Kubas ... ist ein Ereignis von großer menschlicher Tragweite und ein zweckmäßiger Dienst, den der vernünftige Heldenmut der Antillen der Standhaftigkeit und gerechten Behandlung der amerikanischen Nationen und dem noch wankenden Gleichgewicht der Welt erweist."

Wie früh schon hat er doch diesen letzten Satz formuliert, der zum Hauptthema dieses Treffens geworden ist. Heute gibt es nichts, das notwendiger und lebenswichtiger wäre als jenes entfernte und augenscheinlich utopische Gleichgewicht.

106 Jahre, vier Monate und zwei Tage nach dem Brief Martís an Manuel Mercado und 106 Jahre, fünf Monate und 26 Tage nach der Unterzeichnung des Manifestes von Montecristi durch José Martí und Máximo Gómez machte der Präsident der Vereinigten Staaten in einer Rede vor dem Kongreß jener Nation am 20. September 2001 folgende Äußerungen:

„Wir werden jede notwendige Kriegswaffe einsetzen, die gebraucht wird."

„Das Land hat keine einzelne Schlacht zu erwarten, sondern einen langen Feldzug, einen Feldzug, der in unserer Geschichte nicht seinesgleichen hat."

„Alle Nationen, wo auch immer, müssen sich jetzt entscheiden: Entweder sind sie für uns oder für den Terrorismus."

„Ich habe die Streitkräfte ersucht, sich in Alarmbereitschaft zu halten; und es gibt einen Grund dafür: Es nähert sich die Stunde, da wir zur Tat schreiten müssen, und ihr werdet uns stolz machen."

„Dieser ist ein Kampf der Zivilisation."

„Die Errungenschaften unserer Zeit und die Hoffnungen aller Zeiten hängen von uns ab."

„Wir wissen nicht, wie der Ablauf dieses Konfliktes sein wird, doch wir wissen, wie er ausgehen wird. ... Und wir wissen, daß Gott nicht neutral ist."

In seiner Rede zum 200. Jahrestag der Militärakademie in West Point am 1. Juni 2002 erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten unter anderem:

„In der Welt, in der wir leben, ist der einzige Weg zur Sicherheit der Weg des Handelns. Und diese Nation wird handeln."

„Unsere Sicherheit wird die Umgestaltung des Militärs erfordern, daß Sie anführen werden –ein Militär, daß jeder Zeit bereit sein muß, in jeder dunklen Ecke der Welt einzugreifen, ... daß wir bereit sind für den Präventivschlag, wenn es notwendig ist, unsere Freiheit und unsere Leben zu verteidigen.."

„In 60 oder mehr Ländern müssen wir terroristischen Zellen aufdecken."

...

„Wir werden Diplomaten dorthin entsenden, wo sie gebraucht werden, und wir werden Sie, unsere Soldaten, dorthin entsenden, wo Sie gebraucht werden."

...

Wir befinden uns in einem Konflikt zwischen Gut und Böse... Wir schaffen kein Problem, sondern wir decken ein Problem auf. Und wir werden die Welt gegen dieses Problem anführen."

Ich frage mich, welche Gedanken wären in Lichtgeschwindigkeit durch das geniale Gehirn eines Mannes wie Martí gegangen, um ihn im tiefsten Grunde seines unendlichen Herzens zu verwunden, hätte er diese Worte vernommen in einer Welt, in der heute mehr als 6,4 Milliarden Menschen leben und in der, aus welchem Grund auch immer, sowohl die Superreichen als auch die Superarmen ihre Überlebenschancen bedroht sehen.

Jene Worte stammen nicht von einem Verrückten aus einer dunklen Ecke einer Irrenanstalt. Ihr Fundament bilden Kernwaffen in vierstelligem Umfang; Millionen Bomben und Geschosse; Abertausende ferngesteuerte und Präzisionsraketen; Tausende Bomben- und Kampfflugzeuge mit und ohne Piloten; Dutzende Geschwader und Flotteneinheiten mit Flugzeugträgern und Unterseebooten mit konventionellem oder Kernantrieb; Militärstützpunkte – mit und ohne Genehmigung – an allen Enden der Welt; Militärsatelliten, die jeden Quadratkilometer unseres Planeten ausspionieren; sichere und sofortige Kommunikationssysteme mit der Fähigkeit, die Systeme eines jeden anderen Landes zu überspielen sowie der Möglichkeit, sich in Milliarden Gespräche gleichzeitig einzuschalten; enorme Arsenale an chemischen und biologischen Waffen und Militärbudgets von etwa 400 Milliarden Dollar, womit viele der Hauptprobleme der Welt angegangen und gelöst werden könnten. Die Worte der Bedrohung sprach jemand aus, der über diese Mittel verfügt und ihren Einsatz befehlen kann. Der Vorwand? Der brutale Terroristenangriff vom 11. September, der Tausenden US-Amerikanern das Leben kostete. Die ganze Welt bekundete Solidarität mit dem US-amerikanischen Volk und verurteilte entrüstet den Angriff. Mit einmütiger Unterstützung durch die Weltöffentlichkeit konnte gegen die Geißel des Terrorismus von allen Ecken der Welt und allen politischen und religiösen Strömungen aus vorgegangen werden.

Die Schlacht hat, wie von Kuba vorgeschlagen, grundsätzlich eine politische und ethische sein, im Interesse und mit der Unterstützung aller Völker der Welt. Niemand darf absurde, verwerfliche und volksfeindliche terroristische Gedanken hegen, die unschuldige Menschen in Mitleidenschaft ziehen, umgesetzt von Einzelnen, Gruppen, Organisationen, diesem oder jenem Staat oder Regierung. Sie soll zur Bekämpfung eines brutalen universalen Staatsterrorismus dienen, der als das Recht einer Supermacht die mögliche Ausrottung ganzer Nationen durch Einsatz sogar von Kern- und anderen Massenvernichtungswaffen proklamiert.

Zu dieser Stunde, da des 150. Geburtstages von José Martí gedacht wird, des Mannes, der möglicherweise als erster in der Geschichte den Begriff des Gleichgewichts der Welt ansprach, steht die Welt vor einem Krieg als Folge des überaus kolossalen Ungleichgewichts aus militärischem Gebiet, wie es dieses auf unserer Erde noch nie gegeben hat. Gestern lief die Frist ab, derzufolge der mächtigste Staat der Welt sein einseitiges Recht bekundete, sein Arsenal hochmodernster Waffen gegen ein anderes Land zu lancieren, und zwar mit oder ohne Zustimmung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, wobei sich diese Institution sowieso schon fragwürdig gemacht hat, da das Vetorecht eine Prärogative ausschließlich der fünf ständigen Mitgliedsländer ist und damit den fast 200 in der Vollversammlung der Vereinten Nationen vertretenen Staaten das elementarste Demokratieprinzip verwehrt bleibt.

Vom Privileg des Vetorechtes wurde ausgerechnet von der Regierung Gebrauch gemacht, die heute ihr Recht proklamiert, sich über den Sicherheitsrat hinwegzusetzen. Sehr wenig von den übrigen Mitgliedern geltend gemacht, läßt es der in den letzten zwölf Jahren erfolgte radikale Wandel im militärischen Kräfteverhältnis der Mitgliedsländer faktisch unmöglich werden, von diesem Vorrecht gegen jenen Gebrauch zu machen, der nicht nur in seiner erdrückenden militärischen Stärke, sondern auch auf wirtschaftlichem, politischem und technologischem Gebiet das Sagen hat.

Die Weltöffentlichkeit ist mehrheitlich gegen diesen angekündigten Krieg. Doch das Wichtigste hierbei ist, daß kürzlichen Umfragen zufolge 65 % des US-amerikanischen Volkes ohne die Zustimmung des Sicherheitsrates diesen Angriff ablehnen. Jedoch stellt das kein unüberwindbares Hindernis dar: Sind einmal die Truppenverbände vor Ort und einsatzbereit und müssen die modernsten Waffen getestet werden, dann ist es äußerst unwahrscheinlich, daß dieser Krieg nicht ausbricht, wenn die Behörden des mit Vernichtung bedrohten Landes nicht allen Forderungen derer nachkommen, die es bedrohen.

Keiner kann wissen oder vorhersehen, was in einem Krieg oder einer ähnlichen Situation geschehen kann. Das einzige, was gesagt werden kann, ist, daß die Gefahr eines Irakkrieges die Weltwirtschaft beträchtlich belastet hat, die heute eine schwere und tiefe Krise durchlebt, was neben dem faschistischen Putsch gegen die bolivarianische Regierung Venezuelas, eines der stärksten erdölexportierenden Länder, den Preis dieses lebenswichtigen Produktes für die große Mehrheit der übrigen, insbesondere der ärmeren Länder auf unerträgliche Höhen getrieben hat, und dabei ist in Irak noch kein Schuß gefallen.

Man ist allgemein der Meinung, daß das Bestreben eines Irakkrieges auf der Besitzergreifung an den weltweit drittgrößten Erdöl- und Erdgasvorkommen fußt. Dieser Aspekt beschäftigt fast alle anderen Industrieländer, wie die Länder Europas, die 80 % ihrer Energie importieren, ganz im Gegenteil zu den Vereinigten Staaten, deren Import gegenwärtig 20 bis 25 % ihres Verbrauches ausmacht.

Am gestrigen 28. Januar erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten vor dem Kongreß:

„Die Vereinigten Staaten werden beim UN-Sicherheitsrat beantragen, am 5. Februar zu tagen, um die Aspekte zu den Herausforderungen Iraks der Welt gegenüber zu behandeln.

...

„Wir werden uns beraten lassen, doch dieses soll nicht falsch verstanden werden. Kommt es nicht zu einer kompletten Entwaffnung durch Saddam Hussein, dann werden wir für die Sicherheit unseres Volkes und für den Frieden der Welt uns an die Spitze einer ihn entwaffnenden Koalition stellen."

...

„Werden wir zum Krieg gezwungen, so werden wir mit der ganzen Stärke unserer Streitkräfte kämpfen."

Nicht ein Wort wird gesagt über die vorherige Zustimmung durch den Sicherheitsrat.

Abgesehen von den schrecklichen Folgen eines Krieges in jener Region, den die einzig existierende Supermacht nach ihrem Gutdünken aufzwingen könnte, so ist doch das wirtschaftliche Ungleichgewicht, unter dem die Welt gegenwärtig leidet, gleichermaßen eine enorme Tragödie.

Es wachsen und vertiefen sich die Unterschiede zwischen den reichen und den armen Ländern, zwischen ihnen und in den Ländern selbst; das heißt, es vergrößert sich der Abgrund bei der Verteilung des Reichtums, die härteste Geißel unserer Ära. Die Folgeerscheinungen sind Armut, Hunger, mangelnde Bildung, Krankheiten, Schmerz und Leid, die allesamt für den Menschen unerträglich sind.

Warum sagen wir nicht einfach, daß es keine Demokratie, keine freie Wahl noch wahre Freiheit geben kann inmitten jener entsetzlichen Ungleichheiten, der Unkenntnis, des totalen oder partiellen Analphabetentums, des Mangels an Kenntnissen und des erstaunlichen Mangels einer politischen, ökonomischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Bildung, zu der nur geringe Minderheiten Zutritt haben, sogar in den Industrieländern; dabei wird die Welt von einer Billion Dollar zu Zwecken der kommerziellen und Verbrauchswerbung überschwemmt, die die breiten Massen mit unerfüllbaren Träumen und Wünschen vergiftet; die zur Verschwendung, zur Entfremdung und der unerbittlichen Zerstörung der natürlichen Lebensbedingungen des Menschen führt. In knapp eineinhalb Jahrhundert werden wir die Energieressourcen sowie ihre vorhandenen und noch zu erschließenden Reserven erschöpft haben, die die Natur in 300 Millionen Jahren schuf und für die kein äquivalenter Ersatz in Sicht ist.

Was wissen die breiten Massen von den komplexen ökonomischen Probleme der heutigen Welt? Wer hat ihnen erklärt, was der Internationale Währungsfonds, die Weltbank, die WTO und andere ähnliche Institutionen sind? Wer hat ihnen die Wirtschaftskrisen, ihre Ursachen und Folgen erklärt? Wer hat ihnen gesagt, daß es den Kapitalismus, die Unternehmensfreiheit, die freie Konkurrenz kaum noch gibt und daß 500 Monopole 80 % der Weltproduktion und des Welthandels unter ihrer Kontrolle haben? Wer belehrte sie über die Wertpapierbörse, die steigende Spekulation mit den Produkten, von denen die Dritte Welt abhängig ist, und über die Währungsgeschäfte, deren Umfang sich heutzutage auf Billionen Dollar täglich beläuft? Wer hat ihnen beigebracht, daß die Währungen der Dritten Welt einer ständigen Abwertung ausgesetzte Scheine sind und daß ihre realen oder fast realen Geldreserven, unbeirrbar wie das physikalische Energiegesetz Newtons, in die reichen Länder abwandern und welche schrecklichen materiellen und sozialen Folgen sich aus dieser Realität ergeben? Oder warum wir unbezahlbare und nicht beitreibbare Billionen Dollar schulden, während Dutzende Millionen Menschen, einschließlich Kinder von Null bis zu fünf Jahren, Jahr für Jahr an Hunger und heilbaren Krankheiten sterben? Wieviel Menschen wissen, daß es die Souveränität der Staaten kaum noch gibt infolge der Abkommen, an deren Ausarbeitung wir Länder der Dritten Welt gar nicht mehr beteiligt werden, durch die wir jedoch von Mal zu Mal mehr ausgebeutet und unterworfen werden? Wie viele sind sich bewußt, daß unsere nationalen Kulturen immer mehr zerstört werden?

Man könnte noch unendlich viele Fragen stellen. Doch noch eine soll genügen für all jene, die von Heuchelei und Lüge über die heiligsten Rechte des Menschen, der Völker und der Menschheit insgesamt leben: Warum setzt man nicht der schönen und tiefgründigen Wahrheit, die der martianische Denkspruch „Gebildet sein ist die einzige Art, frei zu sein" enthält, ein lebendes Denkmal?

Ich bekräftige dieses im Namen eines Volkes, das unter den Bedingungen einer harten Blockade und eines unerbittlichen Wirtschaftskrieges, dazu mit dem Zerfall des sozialistischen Lagers und der UdSSR der Verlust des fast gesamten Absatzmarktes, des Handels und der Importe, mehr als vier Jahrzehnte standhaft durchgehalten hat und das heute eines der Völker der Welt mit der ausgeprägtesten Einigkeit, sozialer Entwicklung, Grundkenntnissen, politischer und künstlerischer Bildung ist.

Wenn es etwas gibt, worin wir den Helden zu ehren verstanden haben, dessen Geburtstages und fruchtbaren Lebens wir heute gedenken, so ist es der Beweis, daß ein kleines und armes Land mit sehr wenig sehr viel erreichen kann, auch wenn es zu vielen unvermeidlichen Fehlern in den Lehrjahren kam

gegeben hat.

Das beste Denkmal, das ihm die Kubaner setzen konnten, war die Errichtung und die Verteidigung dieses Schützengrabens, damit niemand mit einer Kraft mehr über die Völker Amerikas und der Welt herfallen kann.

Er lehrte uns den unendlichen Wert und die Kraft der Ideen.

Die von dem mächtigen Nachbarn des Nordens der Menschheit aufgezwungene Wirtschaftsordnung ist unhaltbar und untragbar. Auch die modernsten Waffen werden den Lauf der Geschichte nicht aufzuhalten vermögen.

Die Jahrhunderte lang Mehrwert und billige Arbeitskraft geliefert haben und noch liefern, sind heute Milliarden Menschen. Sie können nicht einfach wie Fliegen ausgerottet werden. Immer stärker werden sie sich der Ungerechtigkeiten bewußt, deren Opfer sie sind durch Hunger, Leiden, Demütigungen, die sie als menschliche Wesen zu erdulden haben, mehr noch als durch die ihnen verwehrten Schulen und Bildung und als die abgedroschenen Lügen, mit denen die Monopole und der Gebrauch und Mißbrauch der Medien sie in ewiger und unmöglicher Unterwürfigkeit zu halten trachten. Sie haben ziemlich neue, bedeutungsvolle Lektionen gelernt, wie die von Iran, Indonesien, Ecuador und Argentinien. Die breiten Massen können Regierungen hinwegfegen, ohne auch nur einen Schuß abzugeben, ja sogar ohne im Besitz von Waffen zu sein.

Der Soldaten sind es immer weniger, die bereit sind, auf ihre Landsleute zu schießen und sie in Blut zu ersticken. Die Welt kann nicht regiert werden, indem man einen ausländischen Soldaten mit Gewehr, Helm und Bajonett in jede Fabrik, jede Schule, jeden Park, in jede große und kleine Gemeinde stellt.

Eine steigende Anzahl Intellektueller, gebildeter Arbeiter, Fachkräfte und Angehöriger des Mittelstandes der Industrieländer schließen sich dem Kampf zur Rettung der Menschheit vor unerbittlichen Kriegen gegen die Völker und gegen die Natur an.

Die Geschichte hat bewiesen, daß die großen Krisen zu großen Lösungen führten; und in ihnen und aus ihnen sind die Führungskräfte hervorgegangen.

Keiner glaubt, daß die Geschichte von einzelnen gemacht wird. Die subjektiven Faktoren haben ihren Einfluß; mit ihren zutreffenden Entscheidungen beschleunigen sie die historischen Prozesse oder sie verlangsamen sie durch ihre Mängel und Fehler, doch das Endergebnis bestimmen sie nicht. Nicht einmal ein so überragender Mensch wie Martí – dasselbe könnte man von Bolívar, Sucre, Juárez, Lincoln und vielen anderen bewunderungswürdigen Männern sagen – wäre in die Geschichte eingegangen, wenn er beispielsweise dreißig Jahre früher oder später geboren wäre.

Nehmen wir den Fall Kuba. Wäre unser Nationalheld 1823 geboren und 1853 dreißig Jahre als gewesen inmitten einer Sklavenhalter- und Gesellschaft mit Annexionsbestrebungen mit Eigentum an großen Plantagen und zahlreichen Sklaven und ohne die Existenz eines starken patriotischen und Nationalgefühls, gestählt durch die ruhmreichen Vorkämpfer, die 1868 unseren ersten Unabhängigkeitskrieg auslösten, dann hätte er in der Geschichte unseres Vaterlandes unmöglich diese überragende Rolle spielen können.

Deshalb glaube ich ganz fest, daß die große Schlacht im Bereich der Ideen und nicht mit den Waffen geschlagen werden wird, ohne jedoch auf ihren Einsatz zu verzichten in Fällen wie dem unseres oder eines anderen Landes unter ähnlichen Umständen, sollte man uns zu einem Krieg zwingen; denn jede Kraft, jede Waffe, jede Strategie und jede Taktik hat ihre Antithese, die aus dem unerschöpflichen Intellekt und Bewußtsein derer quillt, die für eine gerechte Sache kämpfen.

Selbst im US-amerikanischen Volk, das wir nie als einen Feind betrachtet noch es der Drohungen und Aggressionen beschuldigt haben, die wir mehr als vierzig Jahre lang erlitten, spüren wir, von seinen ethischen Wurzeln ausgehend, einen Freund und potentiellen Verbündeten jeder gerechten Sache der Menschheit. Wir sahen es im Zusammenhang mit dem Krieg in Vietnam. Wir sahen es bei einem uns sehr nahe gehenden Fall, der Entführung des Kindes Elián González. Wir sahen es bei der Unterstützung des Kampfes von Martin Luther King. Wir sahen es in Seattle und Quebec neben Kanadiern, Lateinamerikanern und Europäern, gegen die neoliberale Globalisierung protestierend. Wir konnten bereits seine Opposition gegen einen unnötigen Krieg sehen, ohne daß zumindest die Zustimmung des Sicherheitsrates vorliegt. Wir werden es morgen neben allen anderen Völkern der Welt sehen, den einzig möglichen Weg zur Erhaltung der Gattung Mensch vor den wahnsinnigen Aktionen der Menschen selbst verteidigend.

Wenn ich mich den illustren Gästen hier etwas zu empfehlen erdreiste, dann das, was sie offensichtlich bereits tun. Und trotzdem, auch auf das Risiko hin, Sie zu langweilen, gestatte ich mir, zu wiederholen und erneut darauf hinzuweisen: Gegenüber den modernen und zerstörerischen Waffen, mit denen sie uns einschüchtern und eine ungerechte, unvernünftige und unhaltbare internationale Wirtschafts- und soziale Ordnung aufzwingen wollen: Ideen säen! Ideen säen! Ideen säen! Bewußtsein säen! Bewußtsein säen! Bewußtsein säen!

Vielen Dank.