Samstag, 23. Januar 2010

Wir schickten Ärzte und nicht Soldaten

Reflexionen des Genossen Fidel: Wir schickten Ärzte und nicht Soldaten

In der am 14. Januar verfassten Reflexion - zwei Tage nach der Katastrophe von Haiti, die jenes benachbarte Bruderland zerstört hat - habe ich Folgendes geschrieben: „Im Gesundheitswesen und auf anderen Gebieten leistet Kuba – trotzdem es ein armes und unter Blockade stehendes Land ist - seit Jahren dem haitianischen Volk Hilfe. Circa 400 Ärzte und Fachleute im Gesundheitswesen leisten dem haitianischen Volk kostenlos Hilfe. In 127 der 137 Gemeinden des Landes arbeiten täglich unsere Ärzte. Andererseits wurden mindestens 400 junge Haitianer in unserem Vaterland zu Ärzten ausgebildet. Sie werden jetzt zusammen mit der gestern dorthin gereisten Verstärkung arbeiten, um in dieser so kritischen Situation Leben zu retten. Sodass bis zu eintausend Ärzte und Fachleute im Gesundheitswesen mobilisiert werden können, die schon fast alle dort und bereit sind, mit jeglichem anderen Staat zusammenzuarbeiten, der Leben von Haitianern retten und Verletzte rehabilitieren möchte.“

„Die Leiterin unserer Ärztebrigade hat informiert: ,Die Situation ist schwierig, aber wir haben schon begonnen, Leben zu retten.'“

Die Mitarbeiter des kubanischen Gesundheitswesens haben begonnen Stunde für Stunde, fortwährend und ununterbrochen zu arbeiten, sowohl in den wenigen nicht zerstörten Einrichtungen als in Zelten oder in Parks und auf offenen Plätzen, da die Bevölkerung Angst vor neuen Erdbeben hatte.

Die Situation war schlimmer, als anfänglich gedacht worden war. Zehntausende Verletzte flehten um Hilfe auf den Straßen von Port-au-Prince und eine unbezifferbare Anzahl von Menschen lag tot oder lebend unter den Ruinen aus Lehm bzw. Luftziegeln, aus denen die Wohnungen der größten Mehrheit der Bevölkerung gebaut waren. Sogar solidere Gebäude waren zusammengefallen. Außerdem war es notwendig, inmitten der zerstörten Wohnviertel die haitianischen Ärzte, Abgänger der Lateinamerikanischen Medizinschule (ELAM), ausfindig zu machen, von denen viele direkt oder indirekt durch die Tragödie betroffen waren.

Funktionäre der Vereinten Nationen waren in verschiedenen ihrer Unterkünfte verschüttet worden und es waren mehrere Dutzend Menschenleben zu bedauern, einschließlich die einiger Befehlshaber der MINUSTAH, einer Streitkraft der Vereinten Nationen, und das Schicksal von hunderten weiteren Mitglieder ihres Personals war unbekannt.

Der Präsidentenpalast von Haiti war zusammengefallen. Viele öffentliche Einrichtungen, einschließlich einigen des Gesundheitswesens, waren zu Ruinen geworden.

Die Katastrophe hat die Welt bewegt, die über die wichtigsten internationalen Fernsehkanäle bildlich miterleben konnte, was geschah. Von überall her kündigten die Regierungen die Entsendung von qualifizierten Rettungstrupps, Nahrungsmitteln, Arzneien, Geräten und anderen Ressourcen an.

In Übereinstimmung mit der öffentlich von Kuba formulierten Haltung haben medizinische Fachkräfte aus anderen Nationen in den von uns improvisierten Einrichtungen an der Seite unserer Ärzte hart gearbeitet, zum Beispiel Spanier, Mexikaner, Kolumbianer und aus anderen Ländern. Solche Organisationen wie die Panamerikanische Gesundheitsorganisation und befreundete Länder wie Venezuela und andere haben uns mit Medikamenten und verschiedenartigen Mitteln versorgt. Völliges Fehlen von Geltungssucht und Chauvinismus kennzeichnete das untadelige Verhalten der kubanischen Fachleute und ihrer Leiter.

Kuba hat so gehandelt, wie es das Land bei ähnlichen Situationen immer getan hat, wie zum Beispiel, als der Hurrikan Katrina große Schäden in der Stadt New Orleans angerichtet hatte und das Leben von tausenden US-Amerikanern gefährdet war, und Kuba die Entsendung einer kompletten Ärztebrigade zur Hilfe für das Volk der Vereinten Staaten anbot, einem Land, das wie bekannt über immense Mittel verfügt, aber was in jenem Augenblick benötigt wurde, waren Ärzte, die dafür ausgebildet und ausgerüstet waren, Leben zu retten. Aufgrund der geographischen Lage des Landes waren über eintausend Ärzte der Brigade „Henry Reeve“, ausgerüstet mit den entsprechenden Medikamenten und Ausrüstungen, vorbereitet und bereit, jederzeit, bei Tag oder bei Nacht, in jene US-amerikanische Stadt loszufahren. Es ist uns überhaupt nicht in den Sinn gekommen, dass der Präsident jener Nation das Angebot zurückweisen und zulassen würde, dass eine Anzahl von US-Amerikanern umkäme, die hätte gerettet werden können. Der Irrtum jener Regierung bestand vielleicht in ihrer Unfähigkeit zu begreifen, dass das kubanische Volk im US-amerikanischen Volk weder einen Feind sieht, noch diesem die Schuld an den Aggressionen gibt, die unser Vaterland erlitten hat.

Jene Regierung war ebenfalls nicht in der Lage zu begreifen, dass es unser Land auch nicht nötig hat, bei jenem Land um Hilfe zu betteln, das ein halbes Jahrhundert lang erfolglos versucht hat, uns auf die Knie zu zwingen.

Unser Land hat im Fall Haiti ebenfalls sofort den Anträgen zum Überfliegen von Kuba im Ostteil entsprochen und anderen Erleichterungen zugestimmt, um welche die US-Behörden ersuchten, um so schnell als möglich den vom Erdbeben betroffenen US-amerikanischen und haitianischen Bürgern Hilfe zu leisten.

Diese Regeln haben das ethische Verhalten unseres Volkes gekennzeichnet, was zusammen mit seiner Gelassenheit und Standhaftigkeit die ständigen Merkmale unserer Außenpolitik waren. Das wissen diejenigen sehr gut, die auf internationaler Ebene unsere Gegner gewesen sind.

Kuba wird standhaft die Meinung vertreten, dass die in Haiti, der ärmsten Nation der westlichen Hemisphäre, stattgefundene Tragödie eine Herausforderung für die reichsten und mächtigsten Länder der internationalen Gemeinschaft darstellt.

Haiti ist ein reines Ergebnis des kapitalistisch-imperialistischen Kolonialsystems, das der Welt auferlegt wurde. Sowohl die Sklaverei in Haiti als auch die darauf folgende Armut wurden vom Ausland her aufgezwungen. Das schreckliche Erdbeben geschah nach dem Gipfel von Kopenhagen, wo die elementarsten Rechte der 192 UNO-Mitgliedsstaaten mit den Füßen getreten wurden.

Nach der Tragödie hat sich in Haiti ein Wettstreit um die voreilige und illegale Adoption von Jungen und Mädchen entfesselt, was die UNICEF dazu gezwungen hat, Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Entwurzelung vieler Kinder zu treffen, welche nahe Verwandte von ihnen solcher Rechte berauben würde.

Die Zahl der Todesopfer übersteigt schon einhunderttausend. Eine sehr hohe Anzahl von Bürgern hat Arme bzw. Beine verloren, oder Brüche erlitten, die einer Rehabilitierung zur Arbeitsaufnahme oder zum Zurechtkommen im Leben bedürfen.

80% des Landes muss neu aufgebaut werden und es muss eine Wirtschaft geschaffen werden, die ausreichend entwickelt ist, um die Bedürfnisse gemäß ihrer Produktionskapazitäten zu befriedigen. Der Wiederaufbau in Europa oder Japan war ausgehend von der Produktionskapazität und der fachlichen Qualifizierung der Bevölkerung eine relativ einfache Aufgabe im Vergleich zu den in Haiti zu unternehmenden Anstrengungen. Dort ist es - wie in vielen Teilen Afrikas und in anderen Gebieten der Dritten Welt - unerlässlich, die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen. In nur 40 Jahren wird die Menschheit aus über 9 Milliarden Erdbewohnern bestehen und sie steht vor der Herausforderung eines Klimawechsels, den die Wissenschaftler als eine unvermeidbare Realität akzeptieren.

Inmitten der haitianischen Tragödie, ohne dass irgendjemandem das Wie und Warum bekannt ist, haben tausende Soldaten der Marineinfanterie-Einheiten der Vereinigten Staaten, lufttransportierte Truppen der 82. Division und andere militärische Kräfte das Gebiet von Haiti besetzt. Schlimmer noch, weder die Organisation der Vereinten Nationen noch die Regierung der Vereinigten Staaten haben der Weltöffentlichkeit eine Erklärung über diese Streitkräfteentfaltung abgegeben.

Mehrere Regierungen beschweren sich, dass ihre Luftfahrzeuge die nach Haiti geschickten menschlichen und technischen Ressourcen nicht landen und befördern konnten.

Verschiedene Länder kündigen ihrerseits die zusätzliche Entsendung von Soldaten und militärischen Ausrüstungen an. Solche Tatsachen würden, meiner Meinung nach, dazu beitragen, die internationale Hilfe chaotischer und schwieriger zu machen, welche an sich schon recht schwierig ist. Es ist notwendig, das Thema ernsthaft zu diskutieren und der Organisation der Vereinten Nationen die führende Rolle zuzuweisen, die ihr bei dieser heiklen Angelegenheit zukommt.

Unser Land erfüllt eine strikt humanitäre Aufgabe. Im Maße seiner Möglichkeiten wird es mit ihm zur Verfügung stehenden Humanressourcen und Materialien seinen Beitrag leisten. Der Wille unseres Volkes - stolz auf seine Ärzte und Entwicklungshelfer bei vitalen Tätigkeiten – ist groß und es wird den Umständen gewachsen sein.

Jegliche wichtige Zusammenarbeit, die unserem Land angeboten wird, wird nicht zurückgewiesen werden, aber ihre Billigung wird vollkommen der Wichtigkeit und Transzendenz der von den Humanressourcen unseres Landes geforderten Hilfe untergeordnet sein.

Es ist gerecht festzuhalten, dass bis zum jetzigen Augenblick unsere bescheidenen Luftfahrzeuge und die bedeutenden Humanressourcen, die Kuba dem haitianischen Volk zur Verfügung gestellt hat, auf keinerlei Schwierigkeiten gestoßen sind, ihr Ziel zu erreichen.

Wir schickten Ärzte und nicht Soldaten!



Fidel Castro Ruz

23. Januar 2010
17:30 Uhr

Samstag, 16. Januar 2010

Haiti: Kooperationsbereitschaft auf dem Prüfstand

Reflexionen des Genossen Fidel: Haiti: Kooperationsbereitschaft auf dem Prüfstand

Die Nachrichtenberichterstattung aus Haiti schildert das große Chaos, mit dem - angesichts der Ausnahmesituation - in den Nachwehen dieser Katastrophe zu rechnen gewesen war.

Zuerst war man erstaunt, überrascht, erschüttert und hatte den Wunsch, Soforthilfe anzubieten. Selbst aus den entlegendsten Orten der Welt trafen Hilfsangebote ein. Aber welche Hilfe sollte man schicken? Und wie sollte man dieses Land in der Karibik erreichen - von China, Indien, Vietnam und anderen Ländern aus, die zehntausende von Kilometern entfernt liegen? Die Stärke des Erdbebens und die Armut auf Haiti ließen zunächst gewisse Vorstellungen entstehen, was wohl benötigt würde. So kam es zu allen möglichen Versprechungen über (die Versendung) von Ressourcen; später wurde auf alle möglichen Arten versucht, diese vor Ort zu bringen.

Wir Kubaner hatten begriffen: Das Wichtigste im Moment ist die Rettung von Leben. Wir sind trainiert - nicht nur im Umgang mit Katastrophen dieser Art sondern auch mit anderen Naturkatastrophen, bei denen es um die Gesundheit der Menschen geht.

Hunderte kubanische Ärzte arbeiten auf Haiti - gemeinsam mit jungen Haitianern, die ursprünglich aus armen Verhältnissen stammen und eine gute Ausbildung in Gesundheitsberufen erhalten haben. Auf diesem Gebiet kooperieren wir seit vielen Jahren mit unserer Nachbarinsel, unser Schwesterinsel (Haiti). Einige unserer Landsleute befanden sich gerade auf Heimaturlaub, und einige Haitianer studierten oder lernten auf Kuba, als sich das Unglück ereignete.

Die Zerstörungen, die das Erdbeben mit sich brachte, übersteigen jedes kalkulierbare Maß:

Die bescheidenen Lehmhäuser aus ungebrannten Lehmziegeln konnten nicht standhalten - in einer Stadt, in der zwei Millionen Menschen leben. Selbst die soliden Regierungsgebäude stürzten ein. Ganze Häuserblocks stürzten über ihren Bewohnern zusammen, die sich zu dieser Tageszeit (kurz vor der Abenddämmerung) fast alle in ihren Häusern befanden. Sie wurden - tot oder lebendig - unter den Trümmern begraben. Die Straßen füllten sich mit Menschen, die um Hilfe riefen. Das UNO-Kontingent (MINUSTAH), die Regierung und die Polizei waren führerlos. Ihre Hauptquartiere existierten nicht mehr. Unmittelbar nach dem Erdbeben wäre es die Hauptaufgabe dieser Institutionen, die tausende von Mitarbeitern haben, gewesen, festzustellen, wer noch lebte und wo sich die Menschen befanden.

Die unmittelbare Aufgabe für die engagierten kubanischen Ärzte, die auf Haiti arbeiten und die jungen, professionellen haitianischen Gesundheitsmitarbeiter, die in Kuba ihren Abschluss gemacht haben, bestand darin, miteinander in Kontakt zu treten und herauszufinden, wie es den anderen ging. Außerdem mussten sie feststellen, welche Ressourcen ihnen zur Verfügung standen, um dem haitianischen Volk, angesichts dieser Tragödie, zu helfen.

Kubanische Ärzte, die auf Heimaturlaub waren und haitianische Ärzte, die auf Weiterbildung in Kuba waren, machten sich sofort bereit, nach Haiti aufzubrechen. Kubanische Spezialisten - Chirurgen - die sich bereits in schwierigen Missionen bewährt hatten, begleiteten sie.

Es genügt, darauf hinzuweisen, dass unsere Ärzte in weniger als 24 Stunden vor Ort bereits Hunderten von Patienten helfen konnten. Heute ist der 16. Januar. Seit der Katastrophe, am Dienstag, sind dreieinhalb Tage vergangen. Tausende Verletzte sind von ihnen versorgt worden. Heute, am Samstag, gegen Mittag, berichtete uns der Leiter der medizinischen Brigade unter anderem Folgendes:

"... die Arbeit, die unsere Genossen leisten, ist wirklich bemerkenswert. Allgemein herrscht die Auffassung, dass dieses Erdbeben das Beben (damals) in Pakistan noch in den Schatten stellt. Es war ein immenses Erdbeben - einige der Ärzte waren in Pakistan gewesen, um zu helfen. In Pakistan hatten die Ärzte häufig helfen müssen, wenn gebrochene Beine nicht richtig gekittet worden waren oder wenn sie zerquetscht waren. Aber hier (auf Haiti) übersteigt die Wirklichkeit das Maß des Vorstellbaren: Amputationen im Freien, chirurgische Eingriffe praktisch in der Öffentlichkeit. Sie fanden ein Bild vor, wie man es in einem Krieg erwarten würde".

"Das 'Deimas 33 Hospital' ist bereits betriebsbereit. Es verfügt über 3 Operationssäle und eigene Generatoren. Es gibt Räumlichkeiten, in denen Arztvisiten durchgeführt werden können usw.. Aber das Krankenhaus ist absolut voll".

"Die 12 chilenischen Ärzte sind angekommen. Einer ist Anästhesist. Auch 8 venezolanische Ärzte und 9 spanische Nonnen sind angekommen. Jeden Moment wird mit der Ankunft von 18 Spaniern gerechnet, denen die UNO und das Gesundheitsministerium von Haiti die Leitung des Hospitals übertragen haben. Da ihnen noch einige Notfallutensilien fehlen, die noch nicht eingetroffen sind, haben sie beschlossen, sich uns anzuschließen und sofort mit der Arbeit zu beginnen".

"32 haitianische Ärzte, die hier leben, wurden (uns) geschickt; 6 sind umgehend nach Carrefour aufgebrochen. Der Ort Carrefour ist völlig zerstört. Sie reisen in Begleitung von 3 kubanischen Chirurgenteams, die gestern hier eingetroffen sind".

".... wir operieren in folgenden medizinischen Einrichtungen in Port-au-Prince:

* 'La Renaissance' (Hospital)
* 'The Social Insurance Hospital'
* 'The Peace Hospital'."
* "Vier Zentren für umfassende Diagnostik sind bereits in Betrieb".

Diese Informationen vermitteln eine kleine Vorstellung von der Arbeit, die von den medizinischen Teams aus Kuba und den Teams aus anderen Ländern, die mit ihnen zusammenarbeiten, geleistet wird. Sie waren unter den Ersten, die auf Haiti eingetroffen sind. Unser medizinisches Personal ist bereit, mit allen anderen medizinischen Spezialisten zusammenzuarbeiten, die in unsere Schwester-Nation geschickt werden, um Leben zu retten. Haiti könnte zu einem Beispiel werden, wie die Menschheit sich selbst hilft. Die Möglichkeiten und Mittel sind vorhanden - was fehlt, ist die Bereitschaft.

Je länger es dauert, die Toten zu begraben oder zu verbrennen, je länger es dauert, Lebensmittel und andere lebenswichtige Güter zu verteilen, desto größer ist das Risiko, dass Epidemien und soziale Unruhen ausbrechen.

Haiti wird zum Testfall werden. Hier wird sich zeigen, ob der Geist der Kooperation zäher ist als Egoismus, Chauvinismus, Eigennützigkeit und Verachtung für andere Nationen, (es wird sich zeigen), ob der Geist der Kooperation sich durchsetzen kann.

Ein Klimawandel bedroht die gesamte Menschheit. Das Erdbeben von Port-au-Prince ereignete sich keine drei Wochen nach der Konferenz von Kopenhagen und erinnert uns erneut daran, wie selbstsüchtig und arrogant wir uns in Kopenhagen verhalten haben.

Alle Staaten sehen sehr genau auf das, was auf Haiti geschieht. Die öffentliche Meinung der Welt und die Kritik der Völker werden noch härter und gnadenloser ausfallen (als in Kopenhagen).


Fidel Castro Ruz

16. Januar 2010
19:46 Uhr

Donnerstag, 14. Januar 2010

Die Lehre von Haiti

Reflexionen des Genossen Fidel: Die Lehre von Haiti


Vor zwei Tagen, es war spät am Nachmittag nach kubanischer Zeit und aufgrund der geografischen Lage in Haiti dort schon abends, strahlten die Fernsehsender erste Nachrichten über ein gewaltiges Erdbeben mit einer Stärke von 7,3 auf der Richter-Skala aus, das Port-au-Prince schwer getroffen hat. Das seismische Phänomen rührte aus einer tektonischen Verwerfung unter dem Meer her, nur 15 Kilometern von der haitianischen Kapitale entfernt, einer Stadt in der 80 Prozent der Bevölkerung labile Behausungen aus Lehmziegeln und Stampflehm bewohnen.

Die Meldungen setzten sich fast ohne Unterbrechung über Stunden hinweg fort. Es gab keine Bilder, aber es wurde berichtet, dass viele öffentliche Gebäude – Krankenhäuser, Schulen und weitere solide gebaute Einrichtungen – eingestürzt seien. Ich habe gelesen, dass ein Erdbeben einer Größenordnung von 7,3 der Energie entspricht, die bei der Explosion von 400 Tausend Tonnen TNT freigesetzt wird.

Es wurden tragische Berichte publik. Die Verletzten in den Straßen riefen inmitten von Ruinen, unter denen ganze Familien begraben waren, nach medizinischer Hilfe. Unterdessen hatte es viele Stunden lang niemand vermocht, auch nur ein Bild zu übertragen.

Die Nachricht hat uns alle überrascht. Wir hatten häufig Informationen über Hurrikans und große Überschwemmungen in Haiti erhalten, wussten aber nicht, dass dem Nachbarland die Gefahr eines großen Erdbebens drohte. Nun wurde bekannt, dass sich bereits vor 200 Jahren ein großes Beben in dieser Stadt ereignet hatte, die damals sicherlich nur ein paar Tausend Einwohner beherbergte.

Um Mitternacht wurden immer noch keine ungefähren Opferzahlen genannt. Hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen und verschiedene Regierungschefs sprachen von bewegenden Geschehnissen und kündigten die Entsendung von Rettungsbrigaden an. Weil vor Ort Truppen der MINUSTAH (Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen für Haiti), also UNO-Kräfte aus verschiedenen Ländern, stationiert sind, sprachen einige Verteidigungsminister von möglichen Verlusten unter ihrem Personal.

Es war tatsächlich erst am gestrigen Mittwochmorgen, als erste traurige Meldungen über enorme Opferzahlen eintrafen und sogar Institutionen wie die Vereinten Nationen mitteilten, dass einige ihrer Gebäude im Land eingestürzt waren. Ein Wort, das für sich genommen nichts aussagt, zugleich aber so viel bedeuten kann.

Viele Stunden lang trafen stetig immer traumatischere Meldungen über die Situation in diesem Bruderland ein. Es wurden Zahlen von Todesopfern erörtert, die, je nach Version, zwischen 30.000 und 100.000 schwanken. Die Bilder sind erschütternd. Offenkundig hat das verheerende Ereignis weltweit große Verbreitung gefunden und viele Regierungen unternehmen, aufrichtig berührt, Bemühungen, um gemäß der ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ihren Beitrag zu leisten.

Die Tragödie bewegt auf ehrliche Weise eine große Zahl von Menschen. Aber vielleicht nur sehr wenige halten sich mit dem Gedanken darüber auf, warum Haiti ein so armes Land ist. Warum ist seine Bevölkerung zu fast 50 Prozent von den Überweisungen Verwandter abhängig, die im Ausland leben? Warum analysiert man nicht auch die realen Umstände, die zur aktuellen Lage Haitis und zu seinen enormen Leiden geführt haben?

Das merkwürdigste an dieser Geschichte ist, dass niemand auch nur in einem Wort daran erinnert, dass Haiti das erste Land gewesen ist, in dem sich 400.000 von den Europäern versklavte und verschacherte Afrikaner gegen 30.000 weiße Eigentümer von Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen erhoben und damit die erste große soziale Revolution unserer Hemisphäre durchgeführt haben. Dort wurden Kapitel von unübertrefflichem Ruhm geschrieben. Der namhafteste General Napoleons wurde vernichtend geschlagen. Haiti ist ein reines Produkt des Kolonialismus und des Imperialismus, ein Produkt des Jahrhunderte währenden Missbrauchs seiner Menschen für die härtesten Arbeiten, ein Produkt von Militärinterventionen und der Ausbeutung seiner Reichtümer.

Dieses historische Vergessen wäre nicht so schwerwiegend wie die reale Tatsache, dass Haiti eine Schande für unsere Epoche darstellt – in einer Welt, in der die Ausbeutung und Ausplünderung über die immense Mehrheit der Bewohner des Planeten herrscht.

Milliarden von Menschen in Lateinamerika, Afrika und Asien leiden unter ähnlichem Mangel, auch wenn dies vielleicht nicht alle in einem solchen Maß betrifft wie in Haiti.

Situationen wie in diesem Land dürften an keinem Ort der Erde existieren, wo es aufgrund einer aufgezwungenen, ungerechten internationalen wirtschaftlichen und politischen Ordnung zehntausende von Städten und Ortschaften mit ähnlichen und manchmal noch schlimmeren Bedingungen gibt. Die Weltbevölkerung ist nicht nur von Naturkatastrophen wie in Haiti bedroht, die nur ein bleicher Schatten sind von dem, was auf dem Planeten im Zuge des Klimawandels geschehen kann, der in Kopenhagen Ziel von Hohn, Spott und Täuschung geworden ist.

Es ist nur gerecht gegenüber allen Ländern und Institutionen, die aus Anlass der Naturkatastrophe in Haiti Staatsbürger oder Mitglieder verloren haben, folgendes erklären: Wir hegen keinen Zweifel daran, dass sie in diesem Augenblick die größten Anstrengungen unternehmen werden, um Menschenleben zu retten und um den Schmerz dieses leidgeprüften Volkes zu lindern. Wir können sie nicht für das Naturphänomen verantwortlich machen, doch wir sind auch nicht mit der Politik einverstanden, die gegenüber Haiti verfolgt wurde.

Dabei ist es höchste Zeit, reale und wahrhaftige Lösungen für dieses Brudervolk zu suchen.

Auf dem Gebiet der Gesundheit und in anderen Bereichen arbeitet Kuba, obwohl es ein armes Land unter einer Blockade ist, seit Jahren mit dem haitianischen Volk zusammen. Rund 400 Ärzte und Spezialisten aus dem Gesundheitswesen offerieren dem haitianischen Volk unentgeltliche Dienste. In 227 der 337 Gemeinden des Landes arbeiten Tag für Tag unsere Ärzte. Zugleich sind nicht weniger als 400 junge Haitianer in unserer Heimat als Ärzte ausgebildet worden. Sie werden jetzt mit den Verstärkungskräften zusammenarbeiten, die gestern aufbrachen, um in dieser kritischen Situation Leben zu retten. Infolge dessen können ohne besonderen Aufwand bis zu Tausend Ärzte und Gesundheitsspezialisten mobilisiert werden, die bereits fast alle vor Ort und dazu bereit sind, mit jedem anderen Staat zusammen zu arbeiten, der haitianische Leben retten und Verletzte behandeln möchte.

Eine weitere nennenswerte Zahl von jungen Haitianern befindet sich zum Medizinstudium in Kuba.

Außerdem arbeiten wir mit dem haitianischen Volk auch in anderen Bereichen zusammen, die in unseren Möglichkeiten stehen. Trotzdem wird es, wenn man es so nennen will, darüber hinaus keine würdigere Form der Zusammenarbeit geben als mit Ideen und politischem Handeln für ein Ende der grenzenlosen Tragödie zu kämpfen, unter der eine große Zahl von Nationen ebenso wie Haiti leidet.

Die Leiterin unserer Ärztebrigade hat vermeldet: "Die Situation ist schwierig, aber wir haben bereits damit begonnen, Leben zu retten". Sie tat dies in einer knappen Botschaft, wenige Stunden nachdem sie gestern mit zusätzlichen ärztlichen Verstärkungskräften in Port-au-Prince angekommen ist.

Spät am Abend teilte sie dann mit, dass die kubanischen Ärzte und die an der ELAM (Lateinamerikanische Medizinhochschule) in Havanna ausgebildeten Haitianer in alle Teile des Landes aufbrechen. Sie hatten in Port-au-Prince bereits mehr als Tausend Patienten behandelt, nachdem sie ein Hospital, das nicht eingestürzt war, als Notkrankenhaus in Funktion gesetzt und Zelte aufgebaut hatten, wo dies nötig war. Sie waren auch dabei, rasch weitere Notfallzentren einzurichten.

So empfinden wir einen gesunden Stolz auf die Hilfe, die die kubanischen Ärzte und die jungen in Kuba ausgebildeten haitianischen Ärzte ihren Brüdern in Haiti leisten!


Fidel Castro Ruz

14.Januar 2010
20.25 Uhr

Übersetzung von amerika21.de

Sonntag, 3. Januar 2010

Die Welt fünfzig Jahre später

Reflexionen des Genossen Fidel: Die Welt fünfzig Jahre später

Vor zwei Tagen, zum 51. Jahrestag des Siegs der Revolution, kamen in mein Gedächtnis die Erinnerungen an den 1. Januar 1959. Keiner von uns hatte niemals die eigenartige Idee gehabt, dass wir uns nach einem halben Jahrhundert, das sehr schnell vergangen ist, daran erinnern würden, als wäre es gestern gewesen.

Während des Treffens am 28. Dezember 1958 in der Zuckerfabrik Oriente mit dem Oberbefehlshaber der feindlichen Truppe, deren Eliteeinheiten einkesselt und ohne Möglichkeit zu entkommen waren, erkannte dieser seine Niederlage an und berief sich auf unseren Edelmut, um eine ehrenvolle Lösung für den Rest der Truppe zu finden. Er wusste, dass wir die Gefangenen und Verletzten ohne Ausnahme menschlich behandeln.Er akzeptierte die von mir vorgeschlagene Vereinbarung, obwohl ich ihn darauf hingewiesen hatte, dass wir die begonnenen Operationen fortsetzen würden. Aber er fuhr in die Hauptstadt und von der US-Botschaft angestiftet veranlasste er einen Staatsstreich.

Wir bereiteten uns für die Schlachten an jenem 1. Januar vor, als wir in der Nacht die Nachricht von der Flucht des Tyrannen bekamen. Der Rebellenarmee wurde befohlen, den Waffenstillstand nicht zu akzeptieren und die Schlachten an allen Fronten weiterzuführen. Über Radio Rebelde wurden die Arbeiter zu einem revolutionären Generalstreik aufgerufen, der von der gesamten Nation unverzüglich unterstützt wurde. Der Staatsputschversuch wurde geschlagen und am Nachmittag des selben Tages marschierte unsere siegreiche Truppe in Santiago de Cuba ein.

Che und Camilo bekamen Anweisungen, entlang der Landstraße mit ihren abgehärteten Truppen in Kraftfahrzeugen in Richtung von La Cabaña und dem militärischen Lager Columbia schnell vorzurücken. Die Gegnerarmee, angeschlagen an allen Fronten, hätte so keine Widerstandsmöglichkeit. Das aufständische Volk besetzte selbst die Unterdrückungszentren und die Polizeistationen. Am 2. Nachmittag traf ich mich, begleitet von einer kleinen Eskorte, im Stadion von Bayamo mit mehr als zwei tausend Soldaten der Panzer und der motorisierten Artillerie und Infanterie, gegen die wir bis zum Tag vorher gekämpft hatten. Sie trugen noch ihre Waffen. Wir hatten den Respekt des Gegners mit unseren verwegenen aber menschlichen Methoden eines irregulären Krieges gewonnen. Auf diese Art und Weise fielen in nur vier Tagen – nach 25 Monate eines Krieges, den wir mit nur einigen Gewehren begannen – ungefähr hundert Tausend Luft-, Meer- und Landwaffen und die gesamte Staatsmacht in Revolutionshände. In nur wenigen Worten werde ich erzählen, was an diesen Tagen vor 51 Jahren geschah.

Es begann damals die Hauptschlacht: Die Unabhängigkeit Kubas vor dem mächtigsten Imperium, das je existiert hat, zu bewahren, und diese Schlacht wurde von unserem Volk würdevoll geliefert. Es freut mich jetzt sehr, diese Personen zu beobachten, die trotz der unglaublichen Hindernisse, Opfer und Risiken fähig waren unser Vaterland zu verteidigen und heute die Freude und Herrlichkeit jedes neuen Jahres zusammen mit ihren Kindern, Eltern und Verwandten genießen.

Aber die heutigen Tage sind ganz verschieden von den gestrigen. Wir leben in einer neuen Epoche, die keiner anderen in der Geschichte ähnelt. Damals kämpften die Völker, und sie kämpfen immer noch, ehrenvoll für eine bessere und gerechtere Welt, aber heutzutage müssen sie, außerdem, und ohne eine mögliche Alternative, für das Überleben der eigenen Spezies kämpfen. Wir wissen überhaupt nichts, falls wir das nicht wissen wollen. Kuba ist zweifellos eins der politisch gebildetsten Länder der Welt. Wir sind von einem beschämenden Analphabetismus ausgegangen und noch schlimmer, unsere Herren, die Yankees und die mit den ausländischen Eigentümern assoziierte Bourgeoisie waren die Eigentümer des Bodens, der Zuckerfabriken, der Konsumgüter-Betriebe, der Lagerhallen, des Handels, der Elektrizität, der Telefonzentrale, der Banken, der Bergwerke, der Versicherung, der Häfen, der Bars, der Hotels, der Büros, der Wohnhäusern, der Kinos, der Druckereien, der Zeitschriften, der Zeitungen, des Rundfunks, des aufkommenden Fernsehens und von allem was Wert hatte.

Die Yankees hatten sich, nachdem die leidenschaftliche Flamme unseres Freiheitskampfes erloschen war, angemaßt, an Stelle eines Volks zu denken, das so viel gekämpft hatte, um Eigentümer seiner Unabhängigkeit, seines Reichtums und seines Schicksals zu sein. Überhaupt nichts hatten wir, nicht einmal die Aufgabe politisch zu denken. Wie viele konnten lesen und schreiben? Wie viele hatten mindestens die sechste Klasse erreicht? Ich erinnere mich daran besonders an einem Tag wie heute, denn dieses war das Land, von dem man annahm, dass es den Kubanern gehörte. Ich werde nichts Anderes erwähnen, sonst müsste ich viel mehr einschließen, darunter die besten Schulen, die besten Krankenhäuser, die besten Wohnhäuser, die besten Ärzte, die besten Rechtsanwälte. Wie viele hatten Zugang dazu? Wie viele hatten mit einigen Ausnahmen, das selbstverständliche und göttliche Recht, Verwalter oder Chefs zu sein?

Alle Millionäre oder Reichen, ohne Ausnahme, waren Parteileiter, Senator, Abgeordneter oder ein wichtiger Funktionär. Diese war die parlamentarische und pure Demokratie, die in unserem Vaterland herrschte. Die einzige Ausnahme war, dass die Yankees, nach ihrem Gutdünken, schonungslose und grausame Kleintyrannen ihren Interessen entsprechend auferlegte, um ihr Eigentum vor den landlosen Bauern und den Arbeitern, mit oder ohne Arbeit, besser zu verteidigen. Da niemand mehr darüber spricht, wage ich mich, daran zu erinnern. Unser Land gehört zu den mehr als 150 Ländern der Dritten Welt. Sie werden die ersten aber nicht die einzigen sein, die unter den unglaublichen Folgen leiden werden, falls die Menschheit nicht ein klares, wahres und schnelleres Bewusstsein erreicht, als wir ahnen bezüglich der Wirklichkeit und der Folgen des von den Menschen verursachten Klimawandels und wenn wir nicht in der Lage sind, ihn rechtzeitig zu verhindern.

Unsere Massenmedien haben über die Folgen des Klimawandels geschrieben. Die immer heftigeren Hurrikans, die Dürren und andere Naturkatastrophen haben auch zur Bildung unseres Volkes in diesem Thema beigetragen. Ein eigenartiges Ereignis war beim Kopenhagener Gipfel gelieferte Schlacht um den Klimawandel, die zur Kenntnis über die imminente Gefahr beigetragen hat. Es handelt sich nicht um ein fernliegendes Risiko für das 22. Jahrhundert, sondern für das 21. Jahrhundert. Es ist auch nicht ein Risiko für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts, sondern für die nächsten Jahrzehnte, in denen wir unter den peinlichen Folgen leiden werden.

Es handelt es sich auch nicht um eine einfache Aktion gegen das Imperium und seine Anhänger, die in diesem Thema wie in allen anderen versuchen, ihre dummen und egoistischen Interessen aufzuzwingen. Es handelt sich um eine Schlacht der Weltöffentlichkeit, die man nicht der Spontaneität oder der Laune der Mehrheit der Medien überlassen darf. Millionen ehrlicher und tapferer Menschen in der Welt kennen zum Glück diese Situation. Diese Schlacht muss man mit den Massen und im Schoß der Massenorganisationen sowie in wissenschaftlichen, kulturellen, humanitären und andere internationalen Einrichtungen liefern, vor allem im Schoß der Vereinten Nationen, wo die US-Regierung, ihre Alliierten der NATO und die reichsten Länder versucht haben, in Dänemark einen betrügerischen und antidemokratischen Anschlag gegen die Schwellenländer und die armen Länder der Dritten Welt zu verüben.

In Kopenhagen hat die kubanische Delegation neben anderen Delegationen der ALBA-Gruppe und der Länder der Dritten Welt teilgenommen. Sie musste energisch gegen die unglaublichen Ereignisse, die durch die Rede des Yankee-Präsidenten Barack Obama und die reichsten Staaten der Welt verursacht wurden, kämpfen. Diese waren entschlossen, die verbindlichen Verpflichtungen von Kyoto aufzuheben, wo vor zwölf Jahre über dieses schwierige Problem diskutiert wurde. Sie wollten, dass die Schwellenländer und die unterentwickelten Länder das größte Opfer leisten. Diese sind die ärmsten Länder und gleichzeitig die Hauptzulieferer der Rohstoffe und nicht erneuerungsfähigen Ressourcen der Welt in die entwickelsten und reichsten Länder.

Nach Kopenhagen ist Obama am letzten Tag der am 7. Dezember begonnenen Konferenz gekommen. Das schlimmste seines Verhaltens war, dass er nach Oslo zum Empfangen des Friedensnobelpreises geflogen ist, als er schon entschieden hatte, 30 Tausend Soldaten zur Metzelei von Afghanistan zu senden, einem Land mit einer starken Unabhängigkeitstradition, das nicht einmal die Engländer in ihren besten und grausamsten Zeiten unterwerfen konnten. Er kam am 10. Dezember in der norwegischen Hauptstadt und hielt dort eine leere, demagogische und rechtfertigende Rede. Am 18., dem Tag der letzten Gipfelsitzung, erschien er in Kopenhagen, wo er anfänglich acht Stunden bleiben wollte. Am Tag vorher war die Staatssekretärin und eine ausgewählte Gruppe ihrer besten Strategen angekommen.

Das erste, was Obama machte, war, eine Teilnehmergruppe auszuwählen, die die Ehre bekam, ihn bei seiner Gipfelrede zu begleiten. Der dänische Premierminister, der den Gipfel leitete, gab dieser Gruppe von ca. 15 Personen gefällig und schmeichlerisch das Wort. Der Imperiumschef verdiente besondere Ehren. Seine Rede war eine Mischung von süßen Worten gewürzt mit Theatergestik, die Personen wie mich langweilen, die sich die Aufgabe geben, ihm zu zuhören, um zu versuchen, bei der Bewertung seiner politischen Eigenschaften und Absichten objektiv zu sein. Obama hat seinem fügsamen dänischen Gastgeber aufgedrängt, dass nur seine Gäste das Wort ergreifen konnten, obwohl er nach seiner Rede durch der Hintertür „abgegangen ist“, wie ein Kobold, der vor seiner Zuhörerschaft entflieht, die ihm interessiert zugehört hatte.

Nachdem die aufgestellte Rednerliste erschöpft war, forderte ein waschechter Aymara-Indianer, der bolivianische Präsident Evo Morales, der vor kurzem mit 65% der Stimmen wiedergewählt wurde, sein Recht, sich zu Wort zu melden. Angesichts des stürmischen Beifalls wurde ihm das Wort erteilt. In nur neun Minuten hat er tiefe und angemessene Auffassungen zum Ausdruck gebracht, die auf die Worte des abwesenden Präsidenten der Vereinigten Staaten antworteten. Gleich darauf stand Hugo Chávez auf, um zu bitten, im Namen der Bolivarischen Republik Venezuela zu sprechen; Dem Sitzungsvorsitzenden blieb keine andere Wahl als auch ihm das Wort zu erteilen, was er genutzt hat, um eine der brillantesten Reden, die ich von ihm gehört habe, zu improvisieren. Schließlich setzte ein Hammerschlag der ungewöhnlichen Sitzung ein Ende.

Der äußerst beschäftigte Obama und sein Gefolge hatten jedoch keine Minute zu verlieren. Seine Gruppe hatte einen Erklärungsentwurf voller vagem Gerede erarbeitet, der die Negation des Kyoto-Protokolls war. Nachdem er vorschnell aus der Plenarsitzung gegangen war, traf er sich mit anderen Gruppen von Gästen, die keine 30 Personen waren. Er verhandelte im privaten Kreis und in Gruppen; Er drang, sprach über ganz riesige Summen von grünen Scheinen ohne Golddeckung, die ständig abgewertet werden. Er drohte sogar damit, das Treffen zu verlassen, wenn man in seine Forderungen nicht einwilligen würde. Das Schlimmste daran war, dass es sich um ein Treffen von Superreichen handelte, zu dem mehrere der wichtigsten Schwellenländern und zwei oder drei arme Länder eingeladen wurden, denen er das Dokument so vorlegte wie jemand der vorschlägt: Du machst mit oder nicht!

Diese verworrene mehrdeutige und widersprüchliche Erklärung – an deren Diskussion die Organisation der Vereinten Nationen gar nicht teilgenommen hatte – versuchte der dänische Ministerpräsident als Abkommen des Gipfels vorzulegen. Die Sitzungsperiode des Gipfels war bereits zu Ende, fast alle Staats-, Regierungschefs und Außenminister waren in ihre entsprechenden Länder zurückgereist, und um drei Uhr nachts legte der angesehene dänische Ministerpräsident es der Plenarsitzung vor, wo hunderte geduldige Beamte, die seit drei Tagen nicht geschlafen hatten, das umständliche Dokument bekamen. Ihnen gab er nur eine Stunde, um es zu beurteilen und über dessen Gutheißung zu entscheiden.

Dort entzündete sich das Treffen. Die Delegierten hatten kaum Zeit gehabt, es zu lesen. Mehrere baten ums Wort. Der erste war der aus Tuvalu, dessen Inseln überschwemmt werden würden, wenn in das eingewilligt würde, was da vorgeschlagen war. Ihm folgten die aus Bolivien, Kuba und Nicaragua. Es ist wert, dass die dialektische Konfrontation um 3 Uhr jener Nacht vom 19. Dezember, in die Geschichte eingeht, wenn die Geschichte noch viel länger nach dem Klimawandel fortdauert.

Da ein großer Teil der Geschehnisse in Kuba bekannt ist, oder in den Webseiten im Internet steht, werde ich mich darauf beschränken, die zwei Widerreden des kubanischen Außenministers Bruno Rodríguez nur zum Teil zu zitieren, weil sie es wert sind, genannt zu werden, um die letzten Teile der Seifenoper von Kopenhagen zu kennen, sowie die Elemente des letzten Kapitels, die in unserem Land noch nicht veröffentlicht worden sind.

„Herr Vorsitzender (Ministerpräsident ¨von Dänemark)… nun ist das Dokument aufgetaucht, von dem Sie mehrmals behauptet haben, dass es nicht existiere. Wir alle haben Fassungen gesehen, die heimlich verbreitet und in kleinen geheimen Versammlungen diskutiert werden, außerhalb der Säle, in denen die Völkergemeinschaft durch ihre Vertreter transparent verhandelt.“

„Ich schließe meine Stimme der von den Vertretern aus Tuvalu, Venezuela und Bolivien an. Kuba hält den Text dieses vermeintlichen Entwurfes für äußerst unzureichend und unannehmbar…“

„Das Dokument, das Sie unglücklicherweise vorlegen, enthält keine Verpflichtung zur Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen.

„Ich kenne die vorherigen Fassungen, welche auch mittels fraglicher und geheimer Prozeduren in geschlossenen Cliquen verhandelt worden sind, die zumindest über eine Reduzierung von 50% für das Jahr 2050 sprachen…“

„Das Dokument, das Sie jetzt vorlegen, lässt gerade die bereits mageren und unzureichenden Schlüsselworte jener Fassung aus. Dieses Dokument gewährleistet auf keinen Fall das Ergreifen von Mindestmaßnahmen, die eine höchst ernste Katastrophe für den Planeten und die menschliche Gattung vermeiden können.“

„Dieses schändliche Dokument, das Sie bringen, ist auch nachlässig und mehrdeutig bezüglich der spezifischen Verpflichtung zur Reduzierung der Emissionen seitens der entwickelten Länder, die für die globale Erwärmung verantwortlich sind und zwar aufgrund der historischen und aktuellen Werte ihrer Emissionen, von denen man ab sofort substanzielle Reduzierungen fordern muss. Dieses Papier enthält kein einziges Wort zur Verpflichtung seitens der entwickelten Länder."

„… Ihr Papier, Herr Vorsitzender, ist die Sterburkunde des Protokolls von Kyoto, welche meine Delegation nicht annimmt.“

"Die kubanische Delegation möchte Nachdruck auf das Vorrecht über „gemeinsame aber unterschiedliche Verantwortlichkeiten“ legen, als zentraler Begriff des zukünftigen Verhandlungsprozesses. In Ihrem Papier steht kein Wort davon.”

„Die kubanische Delegation wiederholt ihren Protest wegen den ernsten Verfahrensverletzungen, die während der antidemokratischen Leitung des Prozesses dieser Konferenz zustande gekommen sind, besonders durch die Anwendung von willkürlichen, ausschließenden und diskriminierenden Diskussions- und Verhandlungsformen…“

„Herr Vorsitzender, ich beantrage förmlich, diese Erklärung in den Abschlussbericht über die Arbeiten dieser bedauerlichen und beschämenden 15. Konferenz der Parteien aufzunehmen.”


Was sich niemand vorstellen konnte, war die Tatsache, dass nach einer anderen langen Pause und als alle bereits dachten, dass nur die formellen Formalitäten fehlten, um den Gipfel als abgeschlossen zu erklären, der Ministerpräsident des Gastlandes, angestiftet von den Yankees, nochmals versuchen würde, das Dokument für einen Konsens des Gipfels halten zu lassen, als nicht einmal die Außenminister in der Plenarsitzung blieben. Delegierte aus Venezuela, Bolivien, Nicaragua und Kuba, die wachsam und schlaflos bis zur letzten Minute blieben, zerschlugen das letzte Manöver in Kopenhagen.

Das Problem war allerdings noch nicht zu Ende gehen. Die Mächtigen sind weder an Widerstand gewöhnt noch lassen ihn zu. Am 30. Dezember teilte die Dänische Ständige Vertretung vor den Vereinten Nationen in New York unserer Vertretung in jener Stadt höflich mit, dass sie die Kopenhagen-Vereinbarung vom 18. Dezember 2009 zur Kenntnis genommen hätte und eine Kopie dieser Entscheidung im Voraus schicke. Sie enthält wortwörtlich folgendes: „…die dänische Regierung in ihrer Eigenschaft als Vorsitzender der COP 15, lädt die Parteien der Konvention ein, dem Sekretariat der UNFCCC so früh wie möglich schriftlich, ihren Wille, sich dem Abkommen von Kopenhagen anzuschließen, mitzuteilen."

Diese unerwartete Mitteilung veranlasste die Antwort der Kubanischen Ständigen Vertretung vor den Vereinten Nationen, in der sie „das Vorhaben durchaus ablehnt, auf indirektem Weg in einen Text einzuwilligen zu lassen, der Gegenstand der Ablehnung von mehreren Delegationen gewesen ist, und zwar nicht nur aufgrund seiner Unzulänglichkeiten hinsichtlich der ernsten Folgen des Klimawandels, sondern auch weil er ausschließlich den Interessen einer kleinen Staatengruppe entspricht.“

Ebenfalls hat er einen Brief des Ersten Vizeministers vom Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Umwelt der Republik Kuba an Herrn Yvo de Boer, Exekutivsekretär der Rahmenkonvention der Vereinten Nationen zum Klimawandel ausgelöst. Einige dieser Absätze lauten wie folgt:

„Wir haben unerwartet und mit Sorge die Mitteilung erhalten, die von der dänischen Regierung an die Ständigen Vertretungen der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen in New York geschickt wurde, die Sie gewiss kennen, mittels der, die Teilnehmerstaaten der Rahmenkonvention der Vereinten Nationen zum Klimawandel eingeladen werden, dem Exekutivsekretariat schriftlich und bei baldigster Gelegenheit ihren Wunsch mitzuteilen, sich dem sogenannten Abkommen von Kopenhagen anzuschließen.“

„Wir haben mit zusätzlicher Sorge beobachtet, dass die Regierung Dänemarks mitteilt, dass das Exekutivsekretariat der Konvention in den Bericht der in Kopenhagen stattgefundenen Konferenz der Parteien eine Liste derjenigen Teilnehmerstaaten aufnehmen wird, die ihren Willen geäußert hätten, sich dem erwähnten Abkommen anzuschließen."

„Nach Erachten der Republik Kuba stellt diese Handelsart eine plumpe und verwerfliche Verletzung der Entscheidung von Kopenhagen dar, wo aufgrund des offensichtlichen Konsensmangels die Teilnehmerstaaten sich darauf beschränkt haben, das Vorhandensein eines solchen Dokuments nur zur Kenntnis zu nehmen."

Keine der Vereinbarungen in der 15. COP ermächtigt die Regierung Dänemarks diese Aktion durchzuführen und auf keinen Fall das Exekutivsekretariat in Abschlussbericht eine Liste der Teilnehmerstaaten aufzunehmen, wofür es keine Vollmacht hat"

„Ich muss Sie darauf hinweisen, dass die Regierung der Republik Kuba auf nachdrücklichste Weise diesen neuen Versuch ablehnt, auf indirektem Wege ein unechtes Dokument zu legitimieren und außerdem Ihnen immer wieder betonen, dass diese Handelsart das Ergebnis zukünftiger Verhandlungen aufs Spiel setzt, einen gefährlichen Präzedenzfall für die Arbeiten der Konvention schafft und besonders die ehrliche Absicht verletzt, mit der die Delegationen den Verhandlungsprozess im nächsten Jahr fortsetzen müssen“
, beendete der Erste Vizeminister für Wissenschaft, Technologie und Umwelt aus Kuba.

Viele, besonders die sozialen Bewegungen und die besser informierten Personen aus den humanitären, kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen, wissen, dass das von den Vereinigten Staaten angestiftete Dokument einen Rückschlag in der von denjenigen erreichten Lage darstellt, die sich bemühen, eine kolossale Katastrophe für unsere Gattung zu vermeiden. Es wäre überflüssig hier Zahlen und Tatsachen zu wiederholen, die das mathematisch beweisen. Die Angaben stehen auf den Webseiten im Internet und sind der wachsenden Anzahl von Personen zugänglich, die sich für dieses Thema interessieren.

Die Theorie, mit der man das Anschließen an das Dokument gerechtfertigt, ist haltlos und bedeutet einen Rückschlag. Angeführt wird die betrügerische Idee, nach der die reichen Länder eine knickerige Summe in Höhe von 30 Milliarden Dollar in drei Jahren für die armen Länder beitragen würden, um die Kosten zur Bekämpfung des Klimawandels zu bestreiten, das ist eine Zahl, die im Jahr 2020 um 100 Milliarden pro Jahr steigen könnte, was vor diesem äußerst ernsten Problem bedeuten würde, auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu warten. Die Fachleute wissen, dass diese Zahlen aufgrund des zu beanspruchenden Investitionsumsatzes lächerlich und unannehmbar sind. Die Herkunft solcher Summen ist vage und konfus, sodass sie niemanden verantwortlich machen.

Was ist ein Dollar wert? Was bedeuten 30 Milliarden? Wir alle wissen, dass seit Bretton Woods im Jahr 1944 bis zum Befehl von Präsidenten Nixon im Jahr 1971 – erteilt, damit die Weltwirtschaft die Kosten des völkermörderischen Krieges gegen Vietnam deckt -, der Wert eines Dollars, umgerechnet in Gold, so gesunken ist, dass er heute 32 mal weniger wert ist als damals; 30 Milliarden bedeuten weniger als 1 Milliarde, und 100 Milliarde geteilt durch 32 sind gleich 3.125, die heutzutage nicht einmal zum Bau einer Erdölraffinerie mittlerer Kapazität ausreichen.

Würden die Industrieländer gelegentlich die Versprechung erfüllen, den Entwicklungsländern 0,7 Prozent des BIP beizutragen –etwas, das sie niemals getan haben, bis auf seltene Ausnahmen – würde die Zahl die 250 Milliarden Dollar im Jahr übersteigen.

Um die Banken zu retten hat die Regierung der Vereinigten Staaten 800 Milliarden ausgegeben; wie viel wäre sie bereit auszugeben, um die 9 Milliarden Personen zu retten, die im Jahr 2050 den Planeten bewohnen werden, wenn es vorher keine großen Dürren und Überschwemmungen gibt, die vom Meer aufgrund des Abschmelzens von Gletschern und großer Mengen gefrorenen Wasser in Grönland und der Antarktis verursacht werden?

Lassen wir uns nicht täuschen. Was die Vereinigten Staaten mit ihren Manövern versucht haben, ist, die Dritte Welt zu teilen, mehr als 150 unterentwickelte Länder von China, Indien, Brasilien, Südafrika und anderen zu trennen, mit denen wir zusammen kämpfen müssen, um in Bonn, Mexiko oder auf irgendeiner anderen internationalen Konferenz neben den sozialen, wissenschaftlichen und humanitären Organisationen echte Abkommen zu verteidigen, die alle Länder begünstigen und die Menschheit vor einer Katastrophe schützen, die zum Aussterben unserer Gattung führen kann.

Die Welt verfügt über immer mehr Information, aber die Politiker über immer weniger Zeit, zu denken.

Die reichen Nationen und deren Führer, und auch der Kongress der Vereinigten Staaten scheinen zu diskutieren, wer zuletzt verschwinden wird.

Wenn Obama die 28 Partys hinter sich hat, mit denen er beabsichtigte, Weihnachten zu feiern, wenn da die Party der Heiligen Drei Königen eingeschlossen ist, werden ihm Caspar, Melchior und Balthasar vielleicht raten, was er zu tun hat.

Ich bitte darum, mich wegen der Länge zu entschuldigen. Ich wollte diese Reflexion nicht in zwei Teilen trennen. Ich bitte die geduldigen Leser um Entschuldigung.



Fidel Castro Ruz

3. Januar 2010
15:16 Uhr

Samstag, 26. Dezember 2009

Das Recht der Menschheit zu leben

Reflexionen des Genossen Fidel: Das Recht der Menschheit zu leben

Der Klimawandel verursacht schon erhebliche Schäden und Millionen Menschen erleiden die Folgen.

Die entwickeltsten Forschungszentren versichern, dass ganz wenig Zeit übrig bleibt, um eine irreversible Katastrophe zu verhindern. James Hansen vom Goddard Institut der NASA versichert, dass ein Kohlendioxid-Wert von 350 ppm immer noch tolerierbar ist; aber heutzutage übersteigt er 390 und erhöht sich jährlich um 2 ppm, er überschreitet die Werte von 600 Tausend Jahren vorher. Die letzten zwei Jahrzehnte waren, jedes Einzelne, die wärmsten nach allen bisher geführten Aufzeichnungen. Das erwähnte Gas wuchs 80 Teile ppm in den letzten 150 Jahren.

Das Eis des Nordpolarmeeres; die gewaltige, zwei Kilometer dicke Schicht, die Grönland bedeckt; die Gletscher von Südamerika, die ihre Hauptquellen mit Süßwasser versorgen; das riesige Volumen, das die Antarktis bedeckt; die übrig gebliebene Schicht vom Kilimandscharo; das Eis, das den Himalaja bedeckt und die enorme Eismasse von Sibirien schmelzen ohne Zweifel. Berühmte Wissenschaftler befürchten quantitative Sprünge dieser Naturerscheinungen, die Wandel verursachen.

Die Menschheit setzte große Hoffnung auf den Kopenhagen-Gipfel nach dem im Jahr 1997 unterschriebenen Kyoto-Protokoll, rechtskräftig seit 2005. Das geräuschvolle Scheitern des Gipfels führte zu peinlichen Ereignissen, die eine gebührende Erklärung benötigen.

Die Vereinigten Staaten, mit weniger als 5% der Weltbevölkerung, strahlt 25% des Kohlendioxids aus. Der neue Präsident der Vereinigten Staaten hatte versprochen, mit den internationalen Bemühungen zur Bekämpfung dieses Problems zu kooperieren, was dieses Land eben so wie den Rest der Welt betrifft. In den Treffen vor dem Gipfel wurde klar, dass die führenden Persönlichkeiten dieser Nation und die der reichsten Ländern manövrierten, damit die Schwellenländer und die ärmsten Ländern die meisten Opfer bringen.

Viele führende Personen und Tausende Vertreter von Sozialbewegungen und wissenschaftlichen Institutionen kamen nach Kopenhagen, eingeladen von dem Gipfelorganisatoren, entschlossen zu kämpfen, um die Menschheit vor dem größten Risiko der Geschichte zu bewahren. Ich werde keine Details über die Gewalttätigkeit der dänischen Polizei erwähnen, die gegen tausende Demonstranten und Eingeladene von Sozial- und wissenschaftlichen Bewegungen anstürmte, die sich in der Hauptstadt Dänemarks eingefunden hatten. Ich werde mich auf die politische Aspekte des Gipfels konzentrieren.

In Kopenhagen herrschte ein richtiges Chaos und es sind unglaubliche Ereignissen vorgekommen. Die Sozialbewegungen und die wissenschaftlichen Institutionen durften nicht an den Debatten teilnehmen. Einige Staats- und Regierungschefs konnten nicht einmal ihre Meinungen über lebenswichtige Probleme äußern. Obama und die führenden Personen der reichsten Länder bemächtigten sich des Gipfels mit Beihilfe der dänischen Regierung. Die Einrichtungen der Vereinten Nationen wurden kaltgestellt.

Barack Obama kam am letzten Gipfeltag und blieb nur 12 Stunden. Er traf sich mit zwei von ihm und seinen Mitarbeitern „mit dem Finger“ ausgewählten Gästegruppen. Mit einer von ihnen traf er sich im Plenarsaal mit den anderen Hauptdelegationen. Er ergriff das Wort und ging sofort durch der Hintertür weg. In dieser Plenarsitzung konnte nur eine von ihm ausgewählte Gruppe das Wort ergreifen. Den anderen Staatsvertretern wurde es verweigert. Bei diesem Treffen konnten die Präsidenten von Bolivien und der Bolivarischen Republik Venezuela sprechen, weil der Gipfel-Präsident keine andere Alternative hatte als ihnen das Wort vor dem energischen Einspruch der Anwesenden zu erteilen.

In einem angrenzenden Saal versammelte Obama die Vertreter der reichsten Länder, mehrerer Schwellenländer und zweier sehr armer Länder. Er legte ein Dokument vor, verhandelte mit zwei oder drei der wichtigsten Länder, ignorierte die Generalversammlung der Vereinten Nationen, hielt Pressekonferenzen und ging weg wie Julius Cäsar nach einem von seinen siegreichen Feldzügen in Kleinasien, wo er sagte: „Ich kam, sah, und siegte.“

Sogar Gordon Brown, Premierminister von Großbritannien, behauptete am 19. Oktober: „Falls wir keine Vereinbarung in den nächsten Monaten erreichen, müssen wir keinen Zweifel haben, dass, wenn das nicht kontrollierte Wachstum der Ausstrahlungen Schaden provoziert hat, kein retrospektives Weltabkommen in der Zukunft diese Wirkungen rückgängig machen kann. Dann ist es unumgänglich zu spät.“

Brown beendete seine Rede mit dramatischen Worten: „Wir können uns nicht leisten, zu scheitern. Wenn wir jetzt scheitern, werden wir einen sehr hohen Preis zahlen. Wenn wir jetzt etwas machen, wenn wir zusammen handeln, wenn wir mit Vision und Bestimmtheit handeln, ist der Erfolg in Kopenhagen immer noch möglich. Aber wenn wir scheitern, dann wird die Erde im Gefahr sein und für den Planeten gibt es keinen Plan B.“

Jetzt hat er arrogant erklärt, dass man die Organisation der Vereinten Nationen nicht als Geisel von einer kleinen Gruppe von Ländern wie Kuba, Venezuela, Bolivien, Nicaragua und Tuvalu nehmen soll, und gleichzeitig beschuldigt er China, Indien, Brasilien, Südafrika und andere Schwellenländer, weil sie der Verführungen der Vereinigten Staaten zur Unterzeichnung eines Dokumentes nachgekommen sind, das das Kyoto-Protokoll in den Müll wirft und keine verbindliche Verpflichtung seitens der Vereinigten Staaten und ihrer reichen Verbündeten einschließt.

Ich sehe mich gezwungen daran zu erinnern, dass die Organisation der Vereinten Nationen vor nur sechs Jahrzehnten entstand, nach dem letzten Weltkrieg. Zu dieser Zeit gab es nicht einmal 50 unabhängige Länder. Heutzutage gehören mehr als 190 unabhängige Staaten dazu, seitdem das widerliche Kolonialsystem dank dem entschlossenen Kampf der Völker nicht mehr existiert. Der Volksrepublik China wurde der Eintritt zu den Vereinten Nationen jahrelang verweigert, eine Marionettenregierung war in dieser Institution und in seinem privilegierten Sicherheitsrat vertreten.

Die ausdauernde Unterstützung von einer wachsenden Ländergruppe der Dritten Welt war unabdingbar für die internationale Anerkennung von China und ein sehr wichtiger Faktor für die Anerkennung seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten der NATO der Rechte von China in der Organisation der Vereinten Nationen.

Im heldenhaften Kampf gegen den Faschismus hatte die Sowjetunion den größten Beitrag geleistet. Mehr als 25 Millionen ihrer Einwohnern kamen um und eine ungeheure Zerstörung verwüstete das Land. Aus diesem Kampf tauchte sie als eine Supermacht auf, die teilweise die absolute Herrschaft des imperialen Systems der Vereinigten Staaten und der ehemaligen Kolonialsupermächte bei ihrer unbegrenzten Ausplünderung der Völker der Dritten Welt ausgleichen konnte. Nach der Auflösung der UdSSR haben die Vereinigten Staaten ihre politische und militärische Macht Richtung Osten erweitert, bis zum Herz von Russland und ihren Einfluss über den Rest von Europa ist gewachsen. Was in Kopenhagen geschehen ist, ist nicht außergewöhnlich.

Ich will unterstreichen, dass die Erklärungen des Premierminister von Großbritannien ungerecht und beleidigend waren, sowie den Yankee-Versuch, als Vereinbarung des Gipfels ein Dokument zu beschließen, das nie zuvor mit den Teilnehmer-Ländern diskutiert wurde.

Der kubanischen Außenminister, Bruno Rodríguez, bestätigte in seiner Pressekonferenz am 21. Dezember eine Wahrheit, die niemand abstreiten kann, ich werde einige Sätze wortwörtlich erwähnen: „Ich will betonen, dass es in Kopenhagen keine Übereinkunft der Parteienkonferenz gab, es wurde keine Entscheidung bezüglich verbindlicher oder nicht verbindlicher Verpflichtungen oder Verpflichtungen vom öffentlich-internationalen Recht getroffen. In Kopenhagen gab es einfach keine Übereinkunft.“

„Der Gipfel war ein Scheitern und ein Betrug für die Weltöffentlichkeit. […] das Fehlen an politischem Willen wurde offensichtlich…“

„… das war ein Schritt zurück in der Tätigkeit der internationalen Gemeinschaft, den Auswirkungen des Klimawandels vorzubeugen oder sie zu vermeiden…“

„… Die durchschnittliche Welttemperatur könnte um 5 Grad zunehmen…“


Unser Kanzler fügt unmittelbar andere bedeutende Angaben über die möglichen Folgen nach den jüngsten wissenschaftlichen Forschungen hinzu.

„… vom Kyoto-Protokoll bis heutzutage sind die Ausstrahlungen der entwickelten Ländern um 12,8% gestiegen … und von diesem Volumen gehören 55% den Vereinigten Staaten.“

“Ein US-Staatsbürger verbraucht, durchschnittlich, 25 Barrel Erdöl pro Jahr, ein Europäer, 11, ein Chinese weniger als zwei und ein Lateinamerikaner oder Karibik-Einwohner, weniger als einen.“

„Dreißig Länder, einschließlich die Staaten der Europäischen Union, verbrauchen 80% des erzeugten Erdöls.“


Die Tatsache ist, dass die entwickelten Länder, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben, ihre Ausstrahlungen drastisch erhöhen haben. Jetzt möchten sie die vereinbarte Basis für die Ausstrahlungen ab 1990 durch die von 2005 ersetzen, damit würde der Haupausstrahler, die Vereinigten Staaten, ihre Ausstrahlungen nur zu einem 3% bezüglich 25 Jahre vorher verringern. Das ist ein schamloser Betrug der Weltöffentlichkeit.

Der kubanische Kanzler hat im Namen von einer Gruppe der ALBA-Länder gesprochen. Er hat China, Indien, Brasilien, Südafrika und andere wichtige Schwellenländer verteidigt. Er betonte das in Kyoto erreichte Konzept über die “gemeinsamen aber differenzierten Verantwortungen, d.h, die historisch akkumulierenden Länder und die entwickelten Länder, die verantwortlich für diese Katastrophe sind, haben andere Verantwortungen als die kleinen Inselstaaten oder die südlichen Länder, vor allem die am wenigsten entwickelten Länder…“

„Verantwortungen bedeutet Finanzierung; Verantwortungen bedeutet Technologietransfer unter annehmbaren Bedingungen, und dann benutzt Obama ein Wortspiel und spricht nicht von gemeinsamen aber differenzierten Verantwortungen, sondern von ‚gemeinsamen aber differenzierten Antworten’.“

„… er verlässt den Plenarsaal und lässt sich nicht dazu herab, andere Personen anzuhören, er hatte auch niemandem vor seiner Rede zugehört.“


Später, bei einer Pressekonferenz, bevor er die dänische Hauptstadt verlässt, behauptet Obama: „Wir haben hier in Kopenhagen eine gehaltvolle Übereinkunft ohne Präzedenzfall hergestellt. Zum ersten Mal in der Geschichte sind die größten Wirtschaften zusammen angekommen, um Verantwortungen zu akzeptieren.“

Bei seiner klaren und unwiderlegbaren Darlegung behauptet unser Kanzler: „Was bedeutet, dass die ‚größten Wirtschaften sind zusammen angekommen, um unsere Verantwortungen zu akzeptieren’? Das bedeutet, dass sie einen großen Teil der Finanzierung für die Milderung und Anpassung der Länder, vor allem des Südens, zum Klimawandel auf China, Brasilien, Indien und Südafrika abladen. Man muss sagen, dass in Kopenhagen ein Angriff, ein Überfall auf China, Brasilien, Indien, Südafrika und alle euphemistisch Entwicklungsländer genannten geschehen ist.“

Das waren die schlagkräftigen und unwiderlegbaren Worten, mit denen unser Kanzler die Ereignisse von Kopenhagen berichtet.

Ich muss noch dazu sagen, dass um 10 Uhr des 19. Dezember, als unser Vizepräsident Esteban Lazo und der kubanische Kanzler weggegangen waren, sich ein später Versuch ereignete den Toten von Kopenhagen als ein Übereinkunft des Gipfels zu erwecken. Zu dieser Zeit war fast kein Staatschef oder Minister anwesend. Aber noch einmal schlug die Anklage der anderen Mitglieder der Delegationen von Kuba, Venezuela, Bolivien, Nicaragua und anderen Ländern das Manöver. So endete der unrühmliche Gipfel.

Ein anderes Ereignis, dass man nicht vergessen soll, ist, dass in den schwierigsten Momenten an diesem Tag, in den frühen Morgenstunden, der kubanische Kanzler und andere Delegationen, die ihre würdige Schlacht lieferten, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, ihre Unterstützung für diesen immer schwierigeren Kampf und für die Anstrengungen anboten, die man in der Zukunft unternehmen sollte, um das Leben der Menschen zu schützen.

Die ökologische Gruppe Weltfonds für die Natur (WWF) wies darauf hin, dass der Klimawandel in den nächsten fünf bis zehn Jahren außer Kontrolle sein wird, falls man die Ausstrahlungen nicht drastisch verringert.

Aber man braucht nicht das Wesentliche, dass hier über Obamas Benehmen behauptet wird.

Der Präsident der Vereinigten Staaten erklärte am Mittwoch, den 23. Dezember, dass die Personen Recht haben, wenn sie vom Ergebnis des Gipfels über Klimawandel enttäuscht sind. In einem Interview mit der Fernsehkette CBS sagte der Präsident: „‚anstelle von einem totalen Zusammenbruch, ohne etwas zu unternehmen, was einen riesigen Rückgang bedeutet hätte, konnten wir wenigstens am gleichen Ort bleiben, wo wir waren’…“

Obama – behaupten die Nachrichten – wird am meisten von den Ländern kritisiert, die fast einstimmig glauben, dass das Ergebnis des Gipfels katastrophal war.

Die UNO ist jetzt in Verlegenheit. Für viele Staaten würde es demütigend sein, dass jemand sie bittet, die arrogante und antidemokratische Vereinbarung zu unterzeichnen.

Weiter zu kämpfen und bei allen Treffen, vor allem in Bonn und Mexiko, das Recht der Menschheit zu leben zu fordern, mit der Moral und der Kraft der Wahrheit, ist unserer Meinung nach der einzige Weg.


Fidel Castro Ruz

26. Dezember 2009
20:15 Uhr

Samstag, 19. Dezember 2009

Was wirklich auf dem Gipfel geschah

Reflexionen des Genossen Fidel: Was wirklich auf dem Gipfel geschah

Die jungen Menschen haben viel größeres Interesse an der Zukunft als alle anderen.

Bis vor kurzem wurde darüber diskutiert, in welcher Art von Gesellschaft wir leben würden. Jetzt wird diskutiert, ob die menschliche Gesellschaft überhaupt überleben wird.

Es handelt sich nicht um dramatisches Gerede. Man muss sich an die Fakten gewöhnen. Die Hoffnung ist das Letzte, was die Menschen verlieren dürfen. Mit der Wahrheit in der Hand haben Männer und Frauen jeden Alters, besonders die jungen Menschen, auf dem Gipfel einen beispielhaften Kampf ausgetragen und hiermit der Welt eine große Lehre erteilt.

Das Wichtigste besteht jetzt darin, dass die Begebenheiten auf dem Gipfel in Kuba und auf der Welt so weit als möglich bekannt werden. Die Wahrheit besitzt eine Kraft, die die mediatisierte und oftmals falsch informierte Intelligenz derjenigen übertrifft, welche die Geschicke der Welt in ihrer Hand haben.

Wenn in der dänischen Hauptstadt etwas Wichtiges erreicht wurde, dann die Tatsache, dass die Weltöffentlichkeit über die Massenmedien das hervorgerufene politische Chaos und die demütigende Behandlung gegenüber Staats- und Regierungschefs, Ministern und tausenden Vertretern der sozialen Bewegungen und Einrichtungen beobachten konnte, die voller Illusionen und Hoffnungen zum Austragungsort des Gipfels nach Kopenhagen gefahren waren. Die brutale Repression gegen friedliche Demonstranten seitens der Polizei erinnerte an das Verhalten der Sturmtrupps der Nazis, die das benachbarte Dänemark im April 1940 besetzten. Was niemand ahnen konnte, war, dass der Gipfel an seinem letzten Tag, dem 18. Dezember 2009, von der dänischen Regierung – NATO-Verbündete und Teilnehmerin an dem Gemetzel von Afghanistan - unterbrochen werden würde, um den Hauptkonferenzsaal Präsident Obama zu übergeben, wo ausschließlich dieser und eine Gruppe von ausgewählten Gästen, insgesamt 16, das Recht zu reden haben würden. Obama hat eine irreführende und demagogische Rede gehalten, die voller Zweideutigkeiten war und keinerlei bindende Verpflichtung bedeutet und die Rahmenvereinbarung von Kyoto ignorierte. Er verließ den Saal kurz darauf, nachdem er nur einigen wenigen weiteren Rednern zugehört hatte. Zu den zum Reden Eingeladenen gehörten die industriell am weitesten entwickelten Länder, mehrere Schwellenländer und einige der ärmsten Länder der Welt. Die führenden Persönlichkeiten und Vertreter von über 170 Staaten hatten nur das Recht zuzuhören.

Nachdem die 16 Auserwählten ihre Rede beendet hatten, erbat Evo Morales - mit all seiner Autorität aufgrund seiner Indio-Aymara-Abstammung und als Präsident, der kürzlich mit 65% der Stimmen und der Unterstützung von Zweidritteln des Repräsentantenhauses und des Senats von Bolivien gewählt worden ist – das Wort. Dem dänischen Präsidenten blieb aufgrund der Forderung der anderen Delegationen keine andere Wahl, als ihm das Wort zu erteilen. Als Evo seine weisen und tiefgründigen Aussagen beendet hatte, musste der Däne Hugo Chávez das Wort geben. Beide Wortmeldungen werden als Beispiele von kurzen und sachdienlichen Reden in die Geschichte eingehen. Nachdem beide die Aufgabe vollständig erfüllt hatten, reiste jeder von ihnen in sein Land ab. Aber als Obama abgegangen ist, hatte er seine Aufgabe am Gipfel-Austragungsort noch nicht erfüllt.

Vom Abend des 17. Dezembers bis zum Morgengrauen des 18. waren der Premierminister von Dänemark und hohe Regierungsvertreter der Vereinigten Staaten mit dem Vorsitzenden der Europäischen Kommission und den Oberhäuptern von 27 Ländern versammelt, um ihnen im Namen von Obama den Entwurf eines Übereinkommens vorzulegen, an dessen Ausarbeitung keine der anderen führenden Persönlichkeiten der Welt beteiligt gewesen ist. Das war eine antidemokratische Initiative, eine implizite Untergrundinitiative, die tausende Vertreter der sozialen Bewegungen, der wissenschaftlichen und religiösen Einrichtungen und die weiteren Gäste des Gipfels ignorierte.

Die ganze Nacht des 18. und bis um drei Uhr früh des 19., als viele Staatschefs schon abgereist waren, haben die Beauftragten der Länder auf die Wiedereröffnung der Sitzung und die Schließung des Events gewartet. Am 18. hat Obama den gesamten Tag Versammlungen abgehalten und Pressekonferenzen gegeben. Dasselbe haben die Regierungsoberhäupter von Europa getan. Dann sind sie abgereist.

Schließlich geschah etwas Unerhörtes: im Morgengrauen des 19. Dezember, um drei Uhr, berief der dänische Premierminister zu einer Schlusssitzung des Gipfels ein. Als Vertreter der Länder waren nur noch Minister, Beamte, Botschafter und Fachleute anwesend.

Es war jedoch erstaunlich, welche Schlacht in jenem Morgengrauen eine Gruppe von Vertretern der Dritten Welt geliefert hat, welche den Versuch von Obama und der Reichsten des Planeten angefochten hat, das von den Vereinigten Staaten aufgezwungene Dokument als ein im Konsens erreichtes Übereinkommen des Gipfels darzustellen.

Die Beauftragte von Venezuela, Claudia Salerno, hat mit beeindruckender Energie ihre rechte Hand hochgehalten, aus der Blut tropfte, da sie so hart auf den Tisch klopfen musste, um ihr Recht zur Redefreiheit ausüben zu können. Der Ton ihrer Stimme und die Würde ihrer Argumente werden nicht vergessen werden können.

Der Außenminister von Kuba hat eine energische Rede von circa eintausend Worten gehalten, aus der ich einige Abschnitte ausgewählt habe, die ich in dieser Reflexion aufführen möchte:

„Das Dokument, von dem Sie, Herr Präsident mehrfach behauptet haben, das es nicht existent sei, taucht jetzt auf. […] wir haben Versionen gesehen, die heimlich in Umlauf sind und die in geheimen Versammlungen in kleinem Rahmen diskutiert werden…“

„…Ich bedauere zutiefst die Art und Weise, in der Sie diese Konferenz geführt haben.“

„…Kuba sieht den Text jenes vermeintlichen Entwurfs als äußerst unzureichend und unzumutbar an. 2 Grad Celsius ist als Zielstellung vollkommen inakzeptabel und würde unberechenbar katastrophale Folgen nach sich ziehen…“

„Das Dokument, welches Sie bedauerlicherweise vorlegen, beinhaltet keinerlei Verpflichtung zur Verminderung der Treibhausgase.“

„Ich kenne die vorangegangenen Versionen, die ebenfalls mittels zweifelhafter und heimlicher Verfahrensweisen in geschlossenen Plaudergruppen verhandelt wurden…“

„Das Dokument, das Sie jetzt vorlegen, lässt genau jene an sich schon mageren und ungenügenden Schlüsselworte aus, die jene Version beinhaltete…“

„…für Kuba ist dies unvereinbar mit dem weltweit anerkannten wissenschaftlichen Kriterium, gemäß dem bis zum Jahr 2020 dringend und unvermeidbar Niveaus der Verminderung von mindestens 45% der Emissionen abgesichert werden müssen, und nicht unter 80 bzw. 90% Emissionsverringerung bis zum Jahr 2050.“

„Jeder Vorschlag zur Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Ziel, in der Zukunft Übereinkommen zur Reduktion der Emissionen zu erreichen, muss unweigerlich das Konzept der Gültigkeit des Kyoto-Protokolls mit einschließen […] Ihr Schriftstück, Herr Präsident, ist die Sterbeurkunde für das Kyoto-Protokoll, die meine Delegation nicht akzeptiert.“

„Die kubanische Delegation möchte mit Nachdruck auf den Vorrang des Prinzips der ‘gemeinsamen aber differenzierten Verantwortlichkeiten’ als zentrales Konzept des zukünftigen Verhandlungsprozesses verweisen. Ihr Schriftstück lässt kein Wort davon verlauten.“

„Dieser Erklärungsentwurf lässt konkrete Verpflichtungen bezüglich Finanzierung und Technologietransfer an die Entwicklungsländer aus, welche Bestandteil der zur Erfüllung von den entwickelten Ländern durch das Rahmenabkommen der Vereinten Nationen über den Klimawandel übernommenen Verpflichtungen sind […] Die entwickelten Länder, die ihre Interessen mittels ihres Dokuments mit Gewalt durchsetzen, Herr Präsident, umgehen jegliche konkrete Verpflichtung.“

„…Das, was Sie, Herr Präsident, als ‚eine Gruppe von repräsentativen führenden Persönlichkeiten’ bezeichnen, ist für mich eine plumpe Verletzung des Prinzip der souveränen Gleichheit, das in der UN-Charta verankert ist…“

„Herr Präsident, ich beantrage förmlich, dass diese Erklärung in den Abschlussbericht über die auf dieser jämmerlichen und beschämenden 15. Konferenz der Teilnehmerseiten geleistete Arbeit aufgenommen wird.“


Den Vertretern der Staaten war nur eine Stunde zugestanden worden, um Meinungen zum Ausdruck zu bringen, was zu im höchsten Grade komplizierten, beschämenden und unangenehmen Situationen geführt hat.

Schließlich fand eine lange Debatte statt, bei welcher die Delegationen der entwickelten Länder starken Druck ausgeübt haben, um zu erreichen, dass die Konferenz jenes Dokument als Endergebnis ihrer Beratungen annähme.

Eine kleine Anzahl von Ländern verwies standhaft auf die ernsthaften Auslassungen und Zweideutigkeiten des von den Vereinigten Staaten vorangetriebenen Dokuments, besonders auf die fehlende Verpflichtung der entwickelten Länder zur Reduktion der Kohlenstoff-Emissionen und zur Finanzierung von Maßnahmen für die Umweltschonung und für die Anpassung der Länder des Südens an die Klimaauswirkungen.

Nach einer langen, äußerst gespannten Diskussion überwog die Haltung der ALBA-Länder und von Sudan, als Vorsitzender der Gruppe der 77, dass das betreffende Dokument inakzeptabel sei, um von der Konferenz abgenommen zu werden.

Angesichts des offensichtlich fehlenden Konsenses beschränkte sich die Konferenz darauf, die Existenz jenes Dokuments als die Position einer Gruppe von circa 25 Ländern „zur Kenntnis zu nehmen“.

Nach dieser morgens um 10:30 Uhr dänischer Ortszeit getroffenen Entscheidung kehrte Bruno – nachdem er zusammen mit anderen Vertretern des Bündnisses ALBA freundlich mit dem Generalsekretär der UNO diskutiert hatte und ihm die Bereitschaft zum Ausdruck gebracht hatte, weiter an der Seite der Vereinten Nationen zu kämpfen, um die schrecklichen Folgen des Klimawandels zu verhindern - zusammen mit dem kubanischen Vizepräsidenten Esteban Lazo in unser Land zurück, um an der Sitzung der Nationalversammlung teilzunehmen, womit er seine Aufgabe als beendet zu verstehen gab. In Kopenhagen verblieben einige Delegationsmitglieder und der Botschafter, um an den abschließenden Formalitäten teilzunehmen.

Heute Nachmittag wurde Folgendes berichtet:

„…sowohl diejenigen, die an der Ausarbeitung des Dokuments teilgenommen haben, als diejenigen, die – wie der Präsident der USA – vorweggenommen ihre Annahme durch die Konferenz angekündigt haben… haben versucht, - da sie die Entscheidung, sich darauf zu beschränken, die angebliche ‘Übereinkunft von Kopenhagen’ ‘zur Kenntnis zu nehmen’ nicht zurückweisen konnten - eine Verfahrensweise vorzuschlagen, damit andere Teilnehmerländer, die nicht Teil dieser Machenschaft gewesen sind, sich dieser durch Erklärung ihrer Zustimmung anschließen, womit sie jenem Übereinkommen einen legalen Charakter zu verleihen suchten, was in der Tat den Ergebnissen der Verhandlungen vorgreifen könnte, die fortgesetzt werden sollen.“

„Diesem verspäteten Versuch wurde erneut ein standhafter Widerstand seitens Kuba, Venezuela und Bolivien zuteil, welche darauf hingewiesen haben, dass dieses Dokument, das die Konferenz sich nicht zu eigen gemacht hatte, keinerlei legalen Charakter besäße, nicht als Dokument der Konferenzseiten existiere und dass keinerlei Regelung zu seiner angeblichen Annahme getroffen werden könne…“

„Mit diesem Stand der Dinge endeten die Sitzungen von Kopenhagen, ohne dass das Dokument angenommen worden wäre, das in den letzten Tagen unter klarer ideologischer Führung der amerikanischen Regierung heimlich vorbereitet worden war…“


Morgen wird sich die Aufmerksamkeit auf die Nationalversammlung richten.

Lazo, Bruno und die anderen Delegationsmitglieder werden heute um Mitternacht ankommen. Der Außenminister von Kuba wird am Montag mit den notwendigen Details und der erforderlichen Genauigkeit die Wahrheit über die Ereignisse auf dem Gipfel erläutern können.



Fidel Castro Ruz

19. Dezember 2009
20:17 Uhr

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Es wird ernst

Reflexionen des Genossen Fidel: Es wird ernst

Die Nachrichten, die uns aus der dänischen Hauptstadt erreichen, widerspiegeln Chaos. Nachdem die Gastgeber einen Event geplant haben, an dem circa 40.000 Personen teilnehmen würden, können sie ihr Wort auf keine Art und Weise halten. Evo, der erste dort Angekommene der Präsidenten des Bündnisses ALBA, hat tiefgründige Wahrheiten zum Ausdruck gebracht, die aus der tausendjährigen Kultur seines Volks hervorgehen.

Gemäß den Nachrichtenagenturen versicherte er, dass er einen Auftrag des bolivianischen Volkes besäße, jegliche Vereinbarung zu blockieren, wenn der Endtext die Alternativen nicht befriedige. Er erläuterte, dass der Klimawechsel nicht die Ursache sondern die Folge dafür sei, dass wir verpflichtet sind, die Rechte der Mutter Erde gegenüber einem Modell der kapitalistischen Entwicklung, und die Kultur des Lebens gegenüber der Kultur des Todes zu verteidigen. Er sprach von der Klima-Schuld, welche die reichen Länder den armen Ländern zu zahlen haben, und von der Rückgabe an diese der gewaltsam weggenommenen Atmosphäre.

Er bezeichnete die angebotenen jährlichen 10 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2012 als eine lächerliche Summe, wo in Wirklichkeit hunderte Milliarden jedes Jahr benötigt werden, und bezichtigte die Vereinigten Staaten, Trillionen dafür aufzuwenden, den Terrorismus in den Irak und nach Afghanistan zu exportieren und Militärstützpunkte in Lateinamerika zu schaffen.

Der Präsident der Bolivarischen Republik Venezuela sprach am 16. auf dem Gipfel, um 8:40 kubanische Ortszeit. Er hat eine glänzende Rede gehalten, die viel applaudiert wurde. Seine Absätze waren kurz und bündig.

In Anfechtung eines dem Gipfel von der den Vorstand der Konferenz führenden dänischen Ministerin vorgelegten Dokuments drückte er sich wie folgt aus:

„…das ist ein Text, der aus dem Nichts auftaucht. Wir werden nur einen Text akzeptieren, der aus den Arbeitsgruppen hervorgeht, denn das sind die legitimen Texte, die in diesen letzten zwei Jahren verhandelt worden sind.“

„Es gibt eine Gruppe von Ländern, die glauben, etwas Besseres als wir, die Länder des Südens, der Dritten Welt, zu sein…“

„…wir brauchen uns nicht zu wundern, es gibt keine Demokratie, wir stehen vor einer Diktatur.“

„…ich habe unterwegs einige Losungen gelesen, die auf den Straßen von den jungen Menschen angebracht worden sind… Eine lautete: ‘Nicht das Klima, das System müsst ihr ändern!’… eine andere: ‘Wenn das Klima eine Bank wäre, dann hätten sie es schon gerettet.’“

„Obama […] hat den Friedensnobelpreis am gleichen Tag überreicht bekommen, an dem er 30 000.Soldaten zum Töten von Unschuldigen nach Afghanistan schickte.”

„Ich unterstütze die Kriterien der Vertreter der Delegationen von Brasilien, Bolivien, China – ich wollte nur meine Unterstützung ausdrücken […] aber man erteilte mir nicht das Wort…“

„Die Reichen sind dabei, den Planeten zu zerstören. Werden sie denn auf einen anderen gehen, sobald sie diesen zerstört haben?“

„…der Klimawandel ist ohne Zweifel das im höchsten Grade zerstörerische Umweltproblem dieses Jahrhunderts.“

„…die Vereinigten Staaten haben höchstens 300 Millionen Einwohner, China hat knapp fünfmal mehr Bevölkerung als die Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten verbrauchen mehr als 20 Millionen Barrel Erdöl täglich; China kommt kaum auf fünf bzw. sechs Millionen Barrel täglich. Es kann nicht von den Vereinigten Staaten und von China dasselbe verlangt werden.“

„...die Emission von schädlichen Gasen zu vermindern und ein langfristiges Kooperationsübereinkommen zu erreichen […] , das scheint gescheitert zu sein, einstweilen. Und der Grund dafür? […] die unverantwortliche Haltung der mächtigsten Nationen des Planeten und ihr fehlender politischer Wille.“

„…der Abstand, welcher die reichen und die armen Länder trennt, hat nicht aufgehört zu wachsen, trotz aller jener Gipfel und nicht erfüllten Versprechungen, und die Welt geht weiter auf ihrem zerstörerischen Weg.“

„…Das Gesamteinkommen der 500 reichsten Individuen der Welt übersteigt das Einkommen der 416 Millionen ärmsten Menschen.“

„Die Säuglingssterblichkeit beträgt 47 Tote je 1000 Lebendgeborene, aber in den reichen Ländern sind es nur 5.“

„…bis wann werden wir es gestatten, dass weiterhin Millionen Kinder an heilbaren Krankheiten sterben?“

„2,6 Milliarden leben, ohne eine Gesundheitsfürsorge zu genießen.“

„Der Brasilianer Leonardo Boff hat geschrieben: ‘Die Stärksten überleben auf der Asche der Schwächsten.'“

„Jean-Jacques Rousseau sagte Folgendes… ‘zwischen dem Starken und dem Schwachen ist die Freiheit bedrückend.’ Deshalb spricht das Imperium von Freiheit, es handelt sich hierbei um die Freiheit zum Unterdrücken, zum Überfallen, zum Morden, zum Vernichten, zum Ausbeuten, das ist ihre Freiheit. Und Rousseau fügt den rettenden Satz hinzu: ‘Nur das Gesetz befreit.’”

„Bis wann werden wir bewaffnete Konflikte gestatten, die Millionen unschuldige Menschenwesen massakrieren, damit sich die Mächtigen der Ressourcen der anderen Völker bemächtigen können?“

„Vor knapp zwei Jahrhunderten hat ein Weltbefreier, Simon Bolivar, wie folgt gesagt: ‘Wenn die Natur sich uns widersetzt, dann werden wir gegen sie kämpfen und sie dazu führen, dass sie uns gehorcht.’“

„Dieser Planet hat viele Milliarden Jahre ohne uns, ohne die menschliche Gattung, gelebt. Wir Menschen sind für seine Existenz nicht notwendig, aber wir können ohne die Erde nicht leben…“


Evo hat am heutigen Donnerstag Morgen gesprochen. Seine Rede wird ebenfalls unvergesslich sein.

„Ich möchte unseren Ärger über die Desorganisation und die Verzögerungen zum Ausdruck bringen, die auf diesem internationalen Event zu verzeichnen sind…“, sagte er zu Beginn seiner Worte unumwunden.

Seine Grundideen sind folgende:

„Wenn wir fragen, was mit den Gastgebern los ist, […] dann sagt man uns, dass das die Vereinten Nationen sind; wenn wir fragen, was mit den Vereinten Nationen los ist, dann sagt man uns, dass es Dänemark ist, und wir wissen nicht, wer diesen internationalen Event desorganisiert…“

„… ich bin sehr überrascht, denn sie behandeln nur die Folgen und nicht die Ursachen des Klimawechsels.“

„Wenn wir nicht Ursachen für die Zerstörung der Umwelt aufdecken […] werden wir sicherlich niemals dieses Problem lösen…“

„…es stehen zwei Arten von Kultur zur Debatte: die Kultur des Lebens und die Kultur des Todes; die Kultur des Todes ist die, welche der Kapitalismus darstellt. Wir, die indigenen Völker, sagen, dass es das Besser-Leben ist, d.h. besser auf Kosten des anderen.“

„…indem man den anderen ausbeutet, die natürlichen Ressourcen ausplündert, die Mutter Erde vergewaltigt, die grundlegenden Versorgungsdienste privatisiert…“

„…gut leben, das bedeutet in Solidarität leben, in Gleichheit, sich gegenseitig ergänzend, in Gegenseitigkeit…“

„Diese zwei Arten zu Leben, diese zwei Arten der Lebenskultur stehen zur Debatte, wenn wir vom Klimawandel sprechen. Und wenn wir nicht entscheiden, welche die bessere Art und Weise des Lebens ist, dann werden wir dieses Thema sicherlich niemals lösen, denn wir haben Probleme der Lebensart – den Luxus, das übertriebene Konsumverhalten, das der Menschheit schadet, und so wollen wir bei internationalen Events dieser Art nicht die Wahrheit aussprechen.“

„…innerhalb unserer Art zu Leben ist das Nicht- Lügen etwas Heiliges, und das wird hier nicht praktiziert.“

„…in der Verfassung ist das „ama sua, ama llulla, ama quella“ – weder stehlen, noch lügen oder schwach sein – enthalten.“

„…die Mutter Erde bzw. die Natur existiert ohne den Menschen und wird weiter ohne ihn existieren aber der Mensch kann nicht ohne den Planeten Erde leben, und so ist es unsere Pflicht, das Recht der Mutter Erde zu verteidigen.“

„…ich grüße die Vereinten Nationen, die dieses Jahr endlich den Internationalen Tag der Mutter Erde erklärt haben.“

„…die Mutter ist etwas Heiliges, die Mutter ist unser Leben; die Mutter wird weder vermietet, noch verkauft oder vergewaltigt, man muss sie achten und respektieren.“

„Unsererseits bestehen tiefgründige Diskrepanzen bezüglich des westlichen Modells, und das ist es, was im Augenblick zur Debatte steht.“

„Wir sind in Europa und wie Sie wissen, kommen viele bolivianische Familien, lateinamerikanische Familien nach Europa. Weshalb kommen sie hierher? Um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. In Bolivien könnte eine Person 100 oder 200 Dollar pro Monat verdienen; aber jene Familie, jene Person kommt hierher, einen europäischen Opa bzw. eine europäische Oma zu betreuen, und verdient 1000 Euro pro Monat.“

„Das sind die Asymmetrien, die zwischen den Kontinenten bestehen, und wir sind verpflichtet, darüber zu diskutieren, wie ein gewisses Gleichgewicht hergestellt werden kann, […] indem diese tiefgehenden Asymmetrien zwischen verschiedenen Familien, zwischen verschiedenen Ländern und besonders zwischen den Kontinenten vermindert werden.“

„Wenn […] unsere Schwestern und Brüder hierher kommen, um zu überleben bzw. ihre Lebensbedingungen zu verbessern, dann werden sie ausgewiesen, es gibt jene so genannten, Rückverweisung bezeichneten Papiere […] aber als die europäischen Großeltern vor langer Zeit nach Lateinamerika gekommen sind, wurden sie nie ausgewiesen. Unsere Familien, meine Brüder und Schwestern kommen nicht hierher, um Bergwerke für sich zu beanspruchen, und haben auch nicht tausende Hektar Land, um Großgrundbesitzer zu sein. Früher gab es niemals Visa oder Reisepässe, damit sie nach Abya Yala, jetzt Amerika genannt, kommen konnten.“

„…wenn wir das Recht der Mutter Erde nicht anerkennen, dann werden wir umsonst von 10 Milliarden, von 100 Milliarden sprechen, was eine Beleidigung für die Menschheit ist.“

„… die reichen Länder müssen alle jene Auswanderer aufnehmen, die durch den Klimawandel geschädigt werden und diese nicht in ihre Länder zurückführen, wie sie es im Augenblick tun…“

„…es ist unsere Pflicht, die gesamte Menschheit zu retten und nicht nur die Hälfte der Menschheit.“

„…das FTAA, Freihandelsabkommen für Amerika. […] ist kein Frei-Handels-Abkommen für Amerika, es ist ein Frei-Kolonisierungs-Abkommen für Amerika…“


Zu den Fragen, die Evo für eine weltweite Volksbefragung über den Klimawechsel empfahl, gehörten folgende:

„… Sind sie damit einverstanden, die Harmonie mit der Natur wiederherzustellen, indem die Rechte der Mutter Erde anerkannt werden?...“

„…Sind sie damit einverstanden, dieses Modell des übertriebenen Konsumverhaltens und der Vergeudung, welches das kapitalistische System darstellt, zu verändern?...“

„…Sind sie damit einverstanden, dass die entwickelten Länder ihre Emissionen an Treibhausgasen vermindern und resorbieren…?“

„…Sind sie damit einverstanden, alles das, was für Kriege verbraucht wird, für die Angelegenheiten des Klimawandels zu überweisen und ein Budget, das das Verteidigungsbudget übersteigt, für den Kampf gegen den Klimawechsel zu bestimmen?...“


Wie bekannt, wurde in der japanischen Stadt Kyoto im Jahr 1997 das Übereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen unterzeichnet, das 38 Industrieländer dazu verpflichtete, ihre Treibhausgasemissionen in einem bestimmten Prozentsatz im Vergleich zum Ausstoß von 1990 zu vermindern. Die Länder der Europäischen Union haben sich zu 8% verpflichtet, und das Abkommen ist 2005 in Kraft getreten, als die Mehrheit der Unterzeichnerstaaten es schon ratifiziert hatte. George W. Bush, damals Präsident der Vereinigten Staaten – größter Treibhausgasemittent und verantwortlich für ein Viertel von deren Gesamtmenge – hatte das Abkommen seit Mitte 2001 abgelehnt.

Die anderen UNO-Mitglieder schritten voran. Die Forschungszentren setzten ihre Aufgabe fort. Es ist schon offensichtlich, dass unsere Gattung von einer Katastrophe bedroht ist. Das vielleicht Schlimmste besteht darin, dass der blinde Egoismus einer privilegierten und reichen Minderheit beabsichtigt, das Schwergewicht der notwendigen Opfer auf die riesige Mehrheit der Erdbewohner abzuwälzen.

Dieser Widerspruch widerspiegelt sich in Kopenhagen. Dort verteidigen tausende Menschen sehr standhaft ihren Standpunkt.

Die dänischen Sicherheitskräfte wenden brutale Methoden an, um den Widerstand zu zerschlagen; viele von denen, die an den Protesten teilnehmen, werden vorbeugend inhaftiert. Ich habe Kontakt zu unserem Außenminister Bruno Rodríguez aufgenommen, der sich zusammen mit Chávez, Evo, Lazo und anderen Vertretern des ALBA auf einer Solidaritätsveranstaltung in der Hauptstadt Kopenhagen befand. Ich fragte ihn, wen die dänische Polizei mit so viel Hass unterdrückte, wobei sie ihnen die Arme verdrehte und mehrfach auf ihre Rücken einschlug. Er antwortete mir, dass es dänische Bürger und Bürger anderer europäischer Nationen und Mitglieder der sozialen Bewegungen seien, die vom Gipfel eine sofortige reale Lösung fordern, um dem Klimawandel zu begegnen. Er sagte mir außerdem, dass die Debatte des Gipfels um 12 Uhr nachts weitergehen würde. Als ich mit ihm gesprochen habe, war es schon abends in Dänemark. Der Zeitunterschied beträgt sechs Stunden.

Aus der dänischen Hauptstadt haben unsere Compañeros berichtet, dass der morgige Tag, Freitag, der 18., noch schlimmer sei. Morgens wird um 10 Uhr für zwei Stunden der UNO-Gipfel unterbrochen und der Staatschef von Dänemark wird ein Treffen mit 20 von ihm eingeladenen Staatschefs haben, um mit Obama „globale Probleme“ zu diskutieren. So nennen sie die Versammlung, dessen Ziel es ist, ein Abkommen über den Klimawandel aufzuzwingen.

Obwohl an dem Treffen alle offiziellen Delegationen teilnehmen werden, werden nur die „Eingeladenen“ ihre Meinung äußern können. Weder Chávez noch Evo gehören natürlich zu denen, die ihre Meinung von sich geben dürfen. Die Idee besteht darin, dass der erlauchte Nobelpreisträger seine schon vorbereitete Rede halten kann, und dem wird die Entscheidung vorangehen, die bei jenem Treffen getroffen werden wird, dass das Abkommen auf Ende nächsten Jahres in Mexiko-Stadt verschoben wird. Die sozialen Bewegungen werden keinen Zutritt zur Veranstaltung bekommen. Nach dieser Show im Hauptsaal des Events wird der „Gipfel“ bis zu seiner ruhmlosen Schließung fortgesetzt werden.

Da das Fernsehen die Bilder übertragen hat, konnte die Welt die in Kopenhagen gegen die Personen verwendeten faschistischen Methoden verfolgen. Die unterdrückten Demonstranten, zum größten Teil junge Menschen, haben die Solidarität der Völker für sich gewonnen.

Für die Chefs des Imperiums nähert sich die Stunde der Wahrheit, d.h. es wird ernst, trotz ihrer Intrigen und zynischen Lügen. Ihre eigenen Verbündeten glauben immer weniger an sie. In Mexiko werden sie genau wie in Kopenhagen und in jeglichem anderen Land der Welt auf den wachsenden Widerstand der Völker treffen, die die Hoffnung zum Überleben nicht verloren haben.


Fidel Castro Ruz

17. Dezember 2009
18:46 Uhr