Rede des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, Präsident der Republik Kuba, auf der Kundgebung zum 1. Mai 2004, dem internationalen Tag der Arbeiter, auf dem Platz der Revolution. (Das dem schriftlich vorliegenden Text während der Rede Hinzugefügte und einige Zusatzpunkte sind enthalten.)
Es sieht ganz so aus, als habe diese Kundgebung sämtliche Rekorde gebrochen. (Applaus und Zurufe)
Liebe Gäste!
Liebe Mitbürger!
Seit dem Sieg der Revolution ist es das 45. Mal, dass wir des ruhmreichen Tages der Arbeiter gedenken.
In der Welt und in unserem Land geschehen überaus bedeutende Dinge.
Mit mehr politischer Kraft und Erfolgen denn je setzt die Revolution ihren siegreichen Weg fort. Dafür gibt es neue Beweise: Die Genfer Tagungen vom 15. und 22. April werden in die Geschichte der revolutionären Diplomatie eingehen. Sie markieren den Augenblick, an dem die große Heuchelei, das permanente Lügen und der Zynismus, womit die Herren der Welt ihr faules System von politischer und wirtschaftlicher Beherrschung der Menschheit zu halten trachten, einen kräftigen Schlag hinnehmen mussten.
Wieder einmal hatte man unser Land auf die Anklagebank gesetzt. Die neue Regierung der Vereinigten Staaten – wenn man hier überhaupt von einer Regierung sprechen kann (Lachen) – und die Staaten der Europäischen Union begingen den Fehler zu vergessen, dass im äußersten Osten Kubas auf einer gewaltsam besetzten Fläche von 117,6 Quadratkilometern, wo sich der Militärstützpunkt Guantánamo befindet – was an sich schon eine grobe Missachtung der souveränen Rechte eines kleinen Landes sowie des Völkerrechts ist – zum gleichen Zeitpunkt einer der gröbsten Fälle von Verletzung der Menschenrechte zu finden war, die jemals auf der Welt vorgekommen sind. In keiner Weise hatte man das vorher mit uns besprochen. Uns wurde schlicht und einfach die Entscheidung der US-Regierung zur Überführung der Gefangenen auf diesen Militärstützpunkt mitgeteilt.
Am 11. Januar 2002 veröffentlichte die Regierung Kubas eine Erklärung, in der die Position unseres Landes klar und deutlich dargelegt wurde.
Der Weltöffentlichkeit ist bekannt, dass das schreckliche Verbrechen, das Attentat an den Twin Towers in New York, von allen bewussten Menschen unseres Planeten verurteilt wurde.
Die Regierung der mächtigsten Nation der Erde hat hingegen unter Missachtung jeglicher Normen dessen, was die Welt als elementare Grundsätze der Menschenrechte kennt, jene schreckliche Haftanstalt geschaffen, in der Hunderte von Bürgern aus zahlreichen Ländern der Welt, darunter auch die Verbündeten der Vereinigten Staaten ohne Gerichtsverfahren, ohne Kommunikation, ohne Identifikation, ohne Rechtsverteidigung, ohne jegliche Gewährleistung ihrer körperlichen Unversehrtheit, ohne Prozess- noch Strafgesetz zeitlich unbegrenzt gefangen gehalten werden. Für einen so merkwürdigen Beitrag zur Zivilisation hätten sie ja ihr eigenes Staatsgebiet benutzen können; doch nein, dafür nahmen sie das Stück Erde, das sie gesetzwidrig und gewaltsam besetzt halten innerhalb eines anderes Landes, Kuba, das sie dann alljährlich in Genf der Verletzung der Menschenrechte anklagen.
Abgesehen davon geschehen wunderliche Dinge in der Kommission für Menschenrechte.
Vorherrschend in der Welt ist unter den heutigen Bedingungen die generelle Angst vor dem grausamen Imperium, seinen Drohungen, Druckmaßnahmen und Repressalien aller Art, speziell gegen die am stärksten verwundbaren Länder der Dritten Welt. In Genf gegen eine von den Vereinigten Staaten ausgearbeitete und aufgezwungene Resolution zu stimmen, kommt einem Suizidakt nahe, insbesondere wenn diese Resolution gegen Kuba gerichtet ist, das Land, das fast ein halbes Jahrhundert lang ihre Arroganz und Überheblichkeit herausgefordert hat. Sogar stärkere und unabhängigere Staaten sehen sich gezwungen, die politischen und wirtschaftlichen Folgen ihrer Entscheidung in Betracht zu ziehen.
Trotz all dieser Faktoren stimmten vor einigen Tagen in Genf neben Kuba 20 weitere Länder gegen die Resolution – gestützt auf feste Prinzipien die einen und auf besonderen Mut die anderen – und zehn enthielten sich mit Würde und Selbstachtung der Stimme. Von den 53 Mitgliedern der Kommission hatten sich nur 22 – die Vereinigten Staaten eingeschlossen – dieser Schändlichkeit gefügt.
Von den lateinamerikanischen Ländern waren es sieben, davon vier in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht sehr arme Staaten, außerordentlich abhängig und mit Regierungen, die zur totalen Niederträchtigkeit gezwungen sind. Für niemanden sind sie unabhängige Staaten. Sie sind bis jetzt eine schlichte Utopie.
Peru, die fünfte Regierung, die mit den Vereinigten Staaten gegen Kuba stimmte, ist ein Beispiel für den Grad an Niederträchtigkeit und Abhängigkeit, zu dem der Imperialismus und seine neoliberale Globalisierung viele Staaten Lateinamerikas geführt haben, die sie, sie zu diesen Dingen zwingend, die doch wie ein Kuss des Satans sind, im Handumdrehen politisch ruinieren.
Der peruanische Staatschef sah in nur einigen Monaten seine Popularität auf nur acht Prozent schwinden. Ich glaube, jene, die ihn unterstützen, finden in einem Stück dieser Kundgebung Platz. Die kolossalen ökonomischen und sozialen Probleme dieses Landes mit einer so geringen Basis meistern zu wollen, ist absolut unmöglich. Die Realität ist die, dass er gar nicht lenkt und es auch nicht vermag. Das übernehmen die Multis und die Oligarchen, bis es in der Gesellschaft zu explodieren beginnt, wie es sich bereits in mehr als einem der Länder abzeichnet.
Die Worte unseres venezolanischen Bruders im Gedächtnis, verspüre ich an diesem Punkt den Wunsch zu rufen: „Es lebe Venezuela!" (Applaus und Viva-Rufe) „Es lebe der revolutionäre bolivarianische Prozeß!" (Applaus und Viva-Rufe) „Es lebe Chávez, der brillante und mutige Führer des Volkes Bolivars!" (Applaus und Viva-Rufe).
Ich fahre fort:
Es bleiben die Regierungen Chiles und Mexikos.
Über die zuerst genannte will ich nicht befinden. Das sollen doch lieber Salvador Allende, der mit der Waffe in der Hand kämpfend fiel und dem nun in der Geschichte dieses Kontinents ein Thron der Ehre und des Ruhmes gebührt, und die Tausenden Chilenen, verschollen, gefoltert und ermordet in der bösen Absicht jener, die die Resolution zur Verurteilung Kubas unterbreitete – eines Landes, wo es nicht eine einzige dieser oder ähnlicher Handlungen gegeben hat – und im Namen von ihnen allen sollen es doch jene sein, die in Chile sich mit den edlen Ideen und dem Bestreben des Aufbaus einer wahrhaft menschlichen Gesellschaft tragen, die das Verhalten des chilenischen Präsidenten in Genf beurteilen.
In Mexiko, dem den Kubanern lieben Brudervolk, ersuchte der Nationalkongress seinen Präsidenten vergebns, von der von Präsident Bush geforderten Unterstützung der Resolution Abstand zu nehmen. Es schmerzt zutiefst, dass das hohe Prestige und der Einfluss Mexikos, gewonnen in Lateinamerika und der Welt durch seine von einer echten und tiefen Revolution ausgehende untadelige Außenpolitik, verloren gegangen ist. Die Solidarität und Unterstützung Lateinamerikas für Mexiko und umgekehrt sind lebenswichtig. Mehr als die Hälfte des mexikanischen Staatsgebietes wurde dem Land von seinem Nachbarn des Nordens entrissen, und dem verbleibenden Territorium drohen enorme Gefahren. Die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko verläuft faktisch schon nicht mehr am Río Bravo, von dem José Martí sprach. Die Vereinigten Staaten sind viel weiter in das Land eingedrungen. Jene Grenze ist heute der Todesstreifen, an dem jährlich annähernd 500 Mexikaner bei dem Versuch der Grenzüberschreitung den Tod finden. All das kraft eines brutalen und erbarmungslosen Prinzips: freier Verkehr für Kapital und Waren; Verfolgung, Exklusion und Tod für die Menschen. Dennoch sind Millionen Mexikaner dieses Risiko eingegangen. Heute fließen in das Land mehr Einnahmen aus Geldsendungen als aus den Erdölexporten, auch bei dem gegenwärtig hohen Preis dieses Produktes.
Kann eine so ungleiche und ungerechte Situation vielleicht gelöst werden, indem man in Genf Resolutionen gegen Kuba bejaht, in denen Kuba der Verletzung der Menschenrechte angeklagt wird?
Das Schlimmste und Demütigendste für Mexiko war die Tatsache, dass die Meldungen über seine am 15. und am 22. Erfolgte Stimmabgabe in Genf von Washington aus gesendet wurden.
Die Stimmabgabe der Europäischen Union als eine Washington untergebene und verbündete Mafia erfolgte wie immer im Block.
Bis zum Zusammenbruch des sozialistischen Lagers waren diese unaufhörlich gegen die Kubanische Revolution vorgebrachten schmutzigen und unmoralischen Äußerungen niemals von Erfolg gekrönt gewesen. Ein Haufen Abtrünnige, begierig nach Krediten und Waren der Konsumgesellschaften, schloss sich der Mafia der Europäischen Union an. So erreichten sie diese Schandgeburten in der Menschenrechtskommission: in Zangengeburten entstandene Resolutionen inmitten der erbitterten Schlacht, die Kuba nie aufgehört hat zu schlagen gegen die vom Imperium, seinen Verbündeten, Trabanten und Vasallen aufgezwungene infame Komödie, um eine Stimmenmehrheit von einer oder zwei Stimmen und die Stimmenthaltung von 60 Prozent der Mitglieder der Kommission zu erzielen. Seitdem verdreifachen sie ihre Bemühungen und verstärken um das Hundertfache die Druckmaßnahmen und Drohungen gegen jene Länder, die in Bezug auf Kredite, Gelder und Ressourcen voll abhängig sind von den Entscheidungen internationaler Organe, die unter Kontrolle der Vereinigten Staaten stehen.
Eines Tages wird man jenen Ländern ein Denkmal setzen müssen, die unter diesen denkbar härtesten Bedingungen alles aufs Spiel setzten und gegen die Yankeeprojekte stimmten (Applaus). Die Geschichte dieser Schlacht wird eine der Erinnerung würdige Seite sein. Seht einmal, dieses Jahr haben 60 Prozent der 53 Kommissionsmitglieder die Projekte nicht unterstützt. Diese Purrhussiege nennt das Imperium Erfolge und verurteilt Kuba, wobei sie doch mit jedem Jahr stärkere Bemühungen und einen höheren politischen Preis erfordern.
Unter uns hier gesagt, eine eingehende Analyse dessen, was auf der Welt geschieht, was in der menschlichen Gesellschaft geschieht – keine ausgenommen, Europa schon gar nicht, auch nicht die makellosesten und heiligsten Gesellschaften einiger europäischer Regionen – hat sich hinsichtlich Rücksicht und Achtung vor dem Menschen so tadellos geführt wie die glorreiche Kubanische Revolution. (Applaus)
Das bloße System, das einen Teil der Gesellschaft in ein Nichts verwandelt, während andere im extremen Überfluss leben, ist an sich vom ethischen Standpunkt her unwürdig, sich eine menschliche Gesellschaft zu nennen.
Diese Kampagnen, von der herrschenden Supermacht gelenkt und von den Verbündeten unterstützt, die gemeinsam mit dem Imperium die Welt ausbeuten, sind die reinsten Farcen und Lügen, schamlose politische Kundgebungen, die sich aus der Notwendigkeit der Rechtfertigung der riesenhaft ungleichen Bedingungen ergeben, die, solange das der Welt aufgezwungene Wirtschaftssystem nicht verschwindet, niemals überwunden werden können. Wir wissen, was reale Menschenrechte sind.
Ich kann mir nicht erklären, wie eine überreiche Gesellschaft wie jene in unserer Nachbarschaft, wo 44 Millionen Menschen kein Recht auf ärztliche Versorgung haben, wo Millionen Bürger in Gettos leben, wo zahlreiche Bettler unter Brücken leben, wo es Millionen Analphabeten und Halbanalphabeten gibt, wo viele Millionen – Männer und Frauen – arbeitslos sind und die Gefängnisse voll sind von Kindern der ärmsten und von der Gesellschaft ausgeschlossenen Schichten, wie man dort von Menschenrechten sprechen kann.
Andererseits kann sich niemand die brutalen Bombenabwürfe über einem beliebigen Land erklären oder wie ein Anführer des Imperiums, der gegen 60 Länder oder mehr das Recht eines Überraschungs- oder Präventivschlages proklamiert, ohne an die unschuldigen Menschen zu denken, die dabei den Tod finden werden, auf diesem unseren Planeten von Menschenrechten sprechen kann.
Der Hass gegen Kuba hat seine Ursache in dem unerwarteten Widerstand, den ein kleines Land jener Macht und ihren Verbündeten leistete, die die Welt ausplündern. Die Präsenz Kubas ist ein mahnender Zeigefinger und ein Beweis dafür, dass die Völker kämpfen, durchhalten und siegen können. Die bloße Präsenz Kubas ist eine Demütigung für jene, die das widerlichste System der Ausbeutung aufzwangen, das es je auf der Erde gegeben hat.
Man kann dies in vielerlei Hinsicht erklären. Unser venezolanischer Bruder hier erinnerte uns an etwas, worüber wir normalerweise nicht sprechen, nämlich von Kooperation unseres Volkes mit anderen Ländern im medizinischen Bereich. Nichts dergleichen hätte es ohne eine Revolution jemals geben können. Wie bekannt, fanden wir 30 % Analphabeten vor. Analphabeten und Halbanalphabeten zusammen genommen waren es 90 Prozent; denn hat man auf dieser Welt nicht mindestens den Abschluss der sechsten Klasse, heutzutage müssten wir als Mindestabschluss die neunte Klasse nennen, ist man Halbanalphabet.
Sie wollen verbergen, dass Kuba auf dem Gebiet des Bildungswesens weltweit an erster Stelle steht, dass seine Grundschüler in Kenntnisnachweisen die ersten Plätze besetzen, sogar noch von Kindern aus Industrieländern (Applaus); dass der mindeste Bildungsgrad – mit ganz wenigen Ausnahmen – der Abschluss der neunten Klasse ist und dass es kein anderes Land der Welt mit diesem generell erzielten Mindestniveau gibt.
Sie wissen, dass trotz der verbrecherischen Blockade und der Hindernisse, die sie unserem Erhalt von Medikamenten, medizinischen Geräten und Technologien in den Weg legen, die Säuglingssterblichkeit in unserem Land unter der der Vereinigten Staaten liegt (Applaus). Vielleicht ist ihnen nicht bekannt, dass wir die Säuglingssterblichkeit noch bis unter 6 reduzieren werden und vielleicht sogar in einer nicht fernen Zeit bis unter 5. Wir sind der Überzeugung – ich erwähne sie nie – dass in einem Zeitraum von nicht mehr als fünf bis sechs Jahren die Lebenserwartung in unserem Land nicht unter 80 Jahren liegen wird (Applaus) und das Land sich zu dem weltweit am weitesten fortgeschrittenen Zentrum für medizinische Leistungen entwickelt haben wird.
Denkt man an die Millionen Kinder, die alljährlich sterben und doch gerettet werden könnten in den Ländern der Dritten Welt, von denen viele Statistiken von mehr als 1500 pro 1000 Lebendgeburten verzeichnen und die Todesfälle in der Bevölkerung der meisten jener Länder, die in Genf gegen Kuba stimmten, dann kommt man zu dem Schluss, dass alljährlich auf der Erde ein Völkermord begangen wird; dass auf der Erde jährlich an Kindern und Erwachsenen, die gerettet werden könnten, mehr Personen sterben als es im Ersten Weltkrieg der Fall war und fast so viele wie im Zweiten Weltkrieg. Sie könnten gerettet werden, doch auf Grund des Fehlens von ärztlichen Ressourcen überleben sie nicht.
Das Arsenal von Argumenten, die wir anführen könnten um zu beweisen, dass jenes System das überaus grausamste ist, das es je gegeben hat, ist enorm. Man braucht nur einfache mathematische Berechnungen anzustellen, um den Völkermord zu beweisen, den die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten jedes Jahr an der Welt begehen.
Sie wissen, dass das stimmt; sie würden nicht wagen, es in Abrede zu stellen. Sie waren es, die die Unterentwicklung schufen. Sie waren es, die mittels Kolonisation, Ausplünderung der natürlichen Güter, ja sogar durch Versklavung von Millionen Menschen die Rückständigkeit beibehielten und zu dieser Welt des Elends führten, auf der noch sehr ernste Probleme – ich will sie hier nicht nennen – zu lösen sind; Probleme, die fast unlösbar sind und die zusammen mit noch anderen das Fortbestehen unserer Gattung gefährden.
Der Kürze willen, die bei diesen Kundgebungen erforderlich ist, und in Anbetracht der Mühe, die das Volk aufwendet, hierher zu kommen und viele Stunden hier zu verweilen, beschränken wir uns lediglich auf einige einzelne Fakten. Doch ich sage es so, ja so, mit diesen Worten: Das kapitalistische System, das eine Zeit lang eine bestimmte fortschrittliche Rolle dem Feudalismus gegenüber spielte und aus dem dann das imperialistische System und die gegenwärtigen Formen wurden, mit denen es heute die Völker ausplündert, die natürlichen Ressourcen unseres Planeten verschwendet und zerstört, ist das Unbegreiflichste und mit einer ehrbaren, ehrlichen und objektiven Auffassung von Menschenrechten zutiefst unversöhnlich.
Dort in Genf treffen sie sich in einer Clique, die Herren der Weltwirtschaft. Es lohnte sich, sie zu fragen, wieviel Ländern der Dritten Welt sie Zusammenarbeit geleistet haben, was sie gegen die Apartheid in Südafrika getan haben, wieviel Lehrer und wieviel Ärzte sie in die Dritte Welt gesandt haben. Ich sagte bereits, dass wir über diese Dinge nicht gern sprechen. Vielleicht tue ich es heute, da an diesem 1. Mai gerade darüber gesprochen wird, was sich vor einigen Tagen in Genf ereignete.
Man muss jeden einzelnen jener Herren fragen, wieviel ihrer Ärzte in einem Land der Dritten Welt im Einsatz sind. Es gibt ja einige Organisationen, Ärzte ohne Grenzen, einige Stiftungen mit Unterstützungsangebot. Doch etwas will ich als Bezugsfaktor anführen: Ich bin sicher, dass die Vereinigten Staaten und Europa zusammen dafür nicht über die Anzahl der Ärzte verfügen wie sie Kuba in Haiti im Einsatz hat, die unter sehr harten Bedingungen mehr als sieben Millionen Einwohner betreuen. (Applaus)
Man kann einen nach dem anderen befragen; denn die Gestaltung jener Gesellschaften hat nicht die Gerechtigkeit, die Solidarität zum Ziel; erzogen im Egoismus sind sie unfähig, für andere Menschen Opfer zu bringen.
Ich erwähnte ein Land, Haiti, wo sie sich ständig einmischen und eindringen, doch niemals einen Arzt nach dort entsenden. Ich weiß nicht, was sie dazu sagen, wenn ich ihnen beispielsweise sagen würde, dass Kuba im Augenblick zahlreiche medizinische Programme in Afrika und Lateinamerika umsetzt und dass die Gesamtanzahl an Ärzten, Zahnärzten und technischem Personal des kubanischen Gesundheitswesens, die bei anderen Völkern im Einsatz sind, nicht unter 17 000 liegt (Applaus). Jahr um Jahr retten sie Hunderttausende von Menschenleben und machen viele Millionen Menschen wieder gesund oder gewährleisten deren Gesundheit. Keiner soll aber denken, wir stünden nun ohne Ärzte da, denn diese Anstrengung läuft parallel zu einer echten Revolution im Bereich der ärztlichen Betreuung unseres Landes.
Vor ein paar Minuten sprach ich mit Sáez über den Verlauf der Generalreparatur in Polikliniken und die Bereitstellung neuer Betreuungseinrichtungen. Sie haben sich nun vorgenommen, vor Jahresschluss die 82 Polikliniken der Hauptstadt faktisch fertig gestellt zu haben, darunter einige neu gebaute, mit Abteilungen, wie sie vordem noch nie vorhanden waren (Applaus). Und damit erwähne ich nur ein Detail, nur ein Detail, denn wir betätigen uns noch an vielen anderen Dingen, und das nicht nur in Havanna, sondern im gesamten Staatsgebiet.
Wir stellten uns vor, wieviel Millionen oder Dutzende von Millionen Fahrten wir den Bürgern ersparen werden, die inmitten der Transportschwierigkeiten zu ihren Angehörigen in die Kliniken fahren müssen; denn viele Behandlungen, die es früher nur in den Krankenhäusern gab, werden bald in den Polikliniken durchgeführt werden können.
Zweifelsohne, ganz ohne Zweifel wird unser Land, ich wiederhole, über das weltweit beste System der ärztliche Betreuung verfügen. Sprachen wir vor einigen Jahren über Zehntausende von Fachärzten der integralen Allgemeinmedizin, so ist der Tag nicht fern, an dem unser Land über Zehntausende von Doktoren der medizinischen Wissenschaften sprechen kann; und dafür und dazu sind wir beim Umsetzen der Programme im Bildungswesen, in der Kultur, im Sport und anderen Bereichen, gestützt auf eine wirtschaftliche Basis, die viel solider ist als jene zu Beginn der Entwicklung unseres Landes, da man sich der Produktion von Zuckerrohr und ähnlichen Erzeugnissen widmete, die nur ein Bevölkerung von Alalphabeten und Hungrigen als einzige Form des Überlebens realisieren könnte.
Die Banditen, die uns der Verletzung der Menschenrechte anklagen, würden es nicht wagen, dort zu sagen, dass Kuba das einzige Land der Welt ist – wie groß ist doch die Heldentat dieses Volkes – in dem es in den 45 Jahren Revolution keinen einzigen Verschollenen, kein einziges Folteropfer gibt. (Applaus)
Wir haben eine so saubere Revolution geführt wie den Krieg in der Sierra Maestra, in dem niemals ein Gefangener erschossen oder zwecks Informationserhalt geschlagen wurde. Es ist das fast einzige Land Lateinamerikas, in dem es niemals Todesschwadronen noch außergerichtliche Exekutionen gegeben hat; und es sind 45 Jahre vergangen.
Man mache nur einen einzigen Fall ausfindig – die Lästermäuler des Imperiums und seiner Trabanten – und wir würden dafür die Republik Kuba schenken, wenn sie auch nur einen Fall finden. (Applaus)
Ich spreche von Realitäten. Es sind bei weitem keine Übertreibungen. Wir wissen, was wir im Verlauf von 45 Jahren getan haben; wir wissen um die gerade und unbeugsame Linie, mit der wir treu zu den Prinzipien gehalten haben, die den Sieg im Krieg ermöglichten und eine Revolution, die wir 45 Jahre lang zu verteidigen verstanden haben. Und wie sieht es heute aus? Welches Stand an Bewusstsein, Kultur, Ideen und Einheit ist erreicht worden? Es gibt – und das kann ich wohl behaupten – kein Volk mit einem höheren
Bildungsniveau und einem höheren politischen Bewusstsein als das unseres Volkes. Nur eines füge ich noch hinzu: wir sind erst am Anfang. (Applaus)
Ich sah es heute morgen in unserem Fernsehen, und es zeigte sich deutlich. Sie interviewten wer weiß wieviel Personen, und wie sie sich ausdrückten; man sah eine neue Welt; Studenten überall und von überall her; Studenten der Universität, Studenten der UCI, der Schule der Instrukteure für Kunst (Zurufe), der Schulen für Sozialfürsorger, der Schulen für Intensivausbildung von Dozenten, Lehrern, Krankenpflegepersonal; Schulen, die wir mit Tausenden junger Menschen teilen; ich sage nicht Ausländer, sondern junge Brüder aus Ländern Lateinamerikas und anderen Teilen. (Applaus)
Es ist unmöglich, keinen Stolz zu verspüren, wenn man sich überlegt, nicht nur Ärzte zu Tausenden in andere Länder gesandt zu haben, sondern auch junge Menschen aus Lateinamerika und anderen Teilen zu Tausenden eingeladen zu haben, in Kuba Medizin zu studieren.
Wir haben Methoden zu Vermittlung von Kenntnissen entwickelt, die immer effizienter werden. Wer weiß, wie lange die anderen Völker der Welt noch brauchen werden, um diese Effizienz und diese Methoden zu erzielen und speziell dann auch anzuwenden.
Ich hege jedoch nicht den geringsten Zweifel, dass Venezuela, das bereits ausgezeichnete Bildungsprogramme umsetzt und dies immer umfassender tun wird, in kurzer Zeit dieses kämpferische und heldenhafte Volk, in dessen Mitte der Unabhängigkeitskampf Amerikas einsetzte, auf ein ähnliches Niveau führen wird wie es heute Kuba besitzt.
Ich sagte schon, dass der politische Preis des Spielchens dort in Genf immer höher wird. Aber dieses Jahr ging – wie es in dem derben Ausdruck heißt – der Schuss nach hinten los und brachte sie fast um.
Als Kuba dieses Jahr vorschlug, einen Vertreter der Kommission zum Militärstützpunkt Guantánamo zu entsenden, um sich das dortige Geschehen anzusehen, brach in der Herde der Heuchler, speziell derer der Europäischen Union, Panik aus. Die Moral zerbarst. Einige europäische Regierungen waren echt beschämt, mussten ihre Inkonsequenz und Heuchelei zugeben oder etwas ganz Unmögliches tun: das Imperium missachten. Das war viel für so ehrwürdige Verfechter der Menschenrechte, deren Pfeile sich lediglich gegen jene richten, die über Jahrhunderte hinweg ihre Kolonien waren, in denen sie viele Millionen Indios ausrotteten und aus Afrika unzählige Menschen brachten, die sie versklavten und ihnen weniger Freiheit ließen als den Arbeitstieren. So behandeln sie Milliarden Menschen der Dritten Welt; sie sind Opfer von Ausplünderung, ungleichen Handel, Abzug ihrer natürlichen Güter und aller konvertierbaren Devisen aus den Reserven ihrer Zentralbanken. Diese werden dann vorwiegend auf Banken der Vereinigten Staaten oder Europa deponiert, die damit Investitionen, Handels- und Haushaltsdefizite und militärische Abenteuer des Imperiums und seiner Verbündeten finanzieren.
Angesichts des kubanischen Vorschlages in Genf, mussten Bush persönlich und seine wichtigsten Würdenträger erneut frenetisch rotieren und mit Präsidenten und Staatschefs persönlich sprechen. Keiner weiß, woher er so viel Zeit nahm, besonders wenn man beachtet, dass er – wie es heißt – gern und sehr viel schläft, wie er sich um Irak kümmern konnte, um die Banketts für das Sammeln von Spenden und die Veranstaltungen der Wahlkampagne. Möglicherweise ist die Bezeichnung Führer auf ihn nicht zutreffend. Vielleicht ist er gar ein Genie.
Wie kann Bush über ein Haushaltsdefizit von 512 Milliarden Dollar und ein Handelsbilanzdefizit in ähnlichem Umfang, also eine Gesamthöhe von einer Billion Dollar in nur einem Jahr reden? Weil er die Devisen der übergroßen Mehrheit der Welt manipuliert und ausgibt, um diese und andere Privilegien zu verteidigen. Sie bewaffnen sich bis an die Zähne mit modernstem Kriegsgerät und, Rohstoffen nachjagend, führen sie Eroberungskriege.
Alle Reservefonds der Zentralbanken der Länder der Dritten Welt werden auf ausländischen Banken deponiert, vorwiegend in den Vereinigten Staaten; und alles Geld, das jemand besitzen kann – sei es ehrlich erworben oder nicht – tauscht er aus Angst vor den ständigen Abwertungen der schwachen Währungen der eigenen Länder gegen Dollar um und deponiert diese auf Banken der Vereinigten Staaten oder anderer Industrieländer. Laut Verfügung des Internationalen Währungsfonds darf keine Zentralbank dieser Länder der Dritten Welt den Umtausch des Geldes gegen Dollar oder eine andere konvertierbare Währung verbieten.
Die Besitzer jenes Geldes setzen auf Sicherheit dessen, das sie gespart oder das sie gestohlen haben. Sie führen alles Geld aus dem Land ab, nicht um etwas dafür zu kaufen, nicht einmal, um es zu verschwenden; sie führen es für immer ab. Dieses auf den Banken der Vereinigten Staaten oder Europas deponierte Geld wird Unternehmern geliehen oder wer es eben braucht. Zu jenen mit stärkstem Bedarf zählen die Regierungen. Jenes Geld zur Deckung eines Haushaltsdefizits von mehr als 500 Milliarden Dollar kommt von jenen Banken.
Auf diese Weise zwingt das auferlegte Wirtschaftssystem die Völker der Dritten Welt zur Abführung ihres Geldes in die Industrieländer. Das ist etwas anderes als die gleichermaßen zu verurteilende Tatsache, dass diese ihre Produkte immer teurer verkaufen und immer weniger für die Grundstoffe bezahlen. Daneben übersteigt die Außenverschuldung Lateinamerikas 750 Milliarden, und zusammen mit den übrigen Ländern der Dritten Welt beträgt die Verschuldung 2,5 Billionen Dollar.
Das treibt die Welt in eine Katastrophe, und es ist schon abzusehen, in eine Sackgasse, in unlösbare Probleme. Also wird die Menschheit um etwas mehr als um wirtschaftliche Gerechtigkeit oder eine gerechte Verteilung der Reichtümer kämpfen müssen; sie wird um das Überleben der Gattung kämpfen müssen. Ich sage das hier an diesem 1. Mai, um diese Uhrzeit, zu der die Kundgebung bereits zu Ende sein müsste. (Lachen)
Die Vereinigten Staaten verzeichnen dieses Jahr ein Haushaltsdefizit von 512 Milliarden Dollar und dazu ein Außenhandeldefizit von mehr als 500 Milliarden. Das zahlt nun die Welt mit dem Geld, das ausgeführt wurde und niemals zurückkehrt. Mit diesem Geld bewaffnen sie sich bis an die Zähne und führen Eroberungskriege im Streben nach Rohstoffen.
Die in dem gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gestalteten Abkommen von Bretton Woods – ihr werdet dieses Wort schon gehört haben – festgelegte Weltordnung verlieh den Vereinigten Staaten enorme Privilegien, denn zu jenem Zeitpunkt verfügten sie über 80 Prozent des Goldbestandes der Welt. Jenes Land war nicht vom Krieg zerstört; es exportierte viel, viel, viel – Europa war zerstört, Asien war zerstört – und häufte 30 Milliarden Golddollar an. Das ist der Grund, weshalb sie zur Emission der Devisen für den Welthandel berechtigt wurden; jede ausgegebene Dollar musste jedoch durch eine
Bestimmte Menge Gold gedeckt sein.
Ab 1971 dann, als sie im Vietnam-Krieg sagenhafte Summen verbrauchten und ihre Goldreserven auf ein Drittel geschrumpft waren, setzte der gut bekannte Herr Nixon den Umtausch jener Währungen in Gold außer Kraft; und was seitdem zirkuliert, ist Papier.
Das ausführlicher und besser zu erklären, braucht Zeit, doch wir haben unsere Podiumsdiskussionen, und wir haben zwei neue Fernsehkanäle. Unser Fachpersonal, unsere Professoren könnten der Bevölkerung über diese Themen Aufschluss geben. Sie sind sehr interessant und helfen zu begreifen, was die Welt eigentlich ist.
Die internationale Lage ist eine komplexe. Die Abenteuerpolitik – jawohl Abenteuer-! – der jetzigen US-Regierung stellt die Welt vor Probleme, die immer unlösbarer werden. Die aufgezwungene Wirtschaftsordnung wird immer unhaltbarer. Es soll sich daher keiner wundern, wenn es irgendwo und irgendwann zu unhaltbaren sozialen Bewegungen kommt oder Revolutionen ausbrechen. Das hat es bereits gegeben.
Im europäischen Raum kam es in Spanien zu einem großartigen und stimulierendem Ereignis. Es war das außerordentliche und fast ausschließliche Werk des spanischen Volkes, speziell seiner jungen Menschen. Man beachte, ich sagte: „das außerordentliche und fast ausschließliche Werk des spanischen Volkes, speziell seiner jungen Menschen". Es soll jetzt keiner diesen Ruhm für sich beanspruchen. Wir wussten recht gut, welche die Situation zu diesem Zeitpunkt in Spanien war. Die heroische politische Schlacht kaum 48 Stunden nach der Tragödie und am Vorabend der Wahlen versetzte den perfiden Machenschaften der vorherigen Regierung Spaniens einen vernichtenden Schlag, die die schreckliche Tat des 11. März zu ihren Gunsten und im Sinne der kriegerischen Interessen der Vereinigten Staaten zu manipulieren beabsichtigte.
Aller Welt war die Sache der Wahlen bekannt. Umfragen und Analysen zufolge hätte wahrscheinlich die konservative Partei des Herrn Aznar in Anbetracht günstiger wirtschaftskonjunktureller Faktoren und ihrer Beherrschung der wesentlichen Medien die absolute Mehrheit im Parlament erzielt, doch es kam in Spanien zu einer großen Tragödie, dem genannten Terroristenakt, der zwischen Toten und Verletzten mehr als 1000 Opfer forderte. Wir sind Zeugen gewesen für den Gang der Ereignisse.
Herr „Anzar" – so wird Aznar von Bush genannt, der diesen Namen noch nicht richtig aussprechen kann (Lachen) – begann sofort, die Meldung zu manipulieren und die ETA zu beschuldigen, wobei diese tatsächlich absolut nichts mit der Tat zu tun hatte.
Es kann sich jeder ein Bild machen über die Handlungsweise der verschiedenen Organisationen; sie handeln auf diese oder jene Art; und es war ganz offensichtlich, dass jenes Attentat nicht dem Stil der ETA entsprach.
Sofort verkündet Aznar die Anschuldigung, es sei das Werk der ETA, und hielt an ihr um jeden Preis fest. Die Tat ereignete sich am Donnerstag den 11. März. Ich erinnere mich, dass am Freitag den 12. März um 20.00 Uhr die Auszeichnung von Gladys Marín stattfand, der der José-Martí-Orden verliehen wurde. Am gleichen Tag wurde jenes zynische und plumpe Manöver im kubanischen Fernsehprogramm Podiumsdiskussion von unseren Journalisten angeprangert. Die Podiumsdiskussionen werden über Internet oder SAT-TV vielerorts verfolgt, darunter auch in Spanien. Ausgedrückt wurde der Wunsch unserer Journalisten, den Freunden in Spanien dringlichst wichtige Informationen zukommen zu lassen, die über die Ereignisse und die Kriterien international bedeutender Analysten im Westen eingeholt werden konnten. Die großen Medien Spaniens brachten nichts darüber. Wir wissen nicht, ob den jungen spanischen Kadern, die die epische politische Schlacht auslösten die kubanische Sendung auf irgendeine Weise nützlich sein konnte. In der Tat waren es nur noch 36 Stunden bis zum Beginn der Wahlen.
Am Samstag den 13. März besteht Aznar immer noch auf seiner Beschuldigung. Er sah wütend aus beim Festhalten am Standpunkt, es seien die Leute der ETA gewesen, wobei sich die von AL Qaeda bereits als Autoren der Tat erklärten.
Aznar und den Vereinigten Staaten passte die Schuld der ETA außerordentlich in ihren Plan, denn in Europa gab es eine starke Opposition gegen den Irakkrieg. Dabei war das spanische dasjenige Volk, das am stärksten gegen den Krieg opponierte (Applaus). Hätte die ETA eine derartige Tat mitten in Europa verübt, hätte dadurch das politische Kapital des Herrn „Anzar" und die verfolgte Kriegslinie eine beträchtliche Begünstigung erfahren.
Das war der Grund für das enorme Interesse an jenem schmutzigen Manöver 48 Stunden vor den Wahlen, bei denen sie viel mehr Stimmen zu erzielen gedachten. Doch das spanische Volk entdeckte die Falle. Noch am Samstag, dem Vorabend der Wahlen, strömte es in Massen, vorwiegend junge Menschen, vor die Büros der Regierungspartei, gegen den ungeheuren Betrug protestierend. Was sich zu jener Stunde niemand vorstellen konnte – ich gebe zu, mir schien es bereits unmöglich, dass es zu einer Reaktion kommen würde – war, dass sich das Ungewöhnliche ereignete und dass all jene Personen, auf verschiedenen Wegen verständigend, die Anklage in ganz Spanien laut werden ließen, und das nicht unbedingt über die wesentlichen Printmedien. Es wird behauptet, sie benutzten die ganze Nacht hindurch sämtliche Wege der Verständigung; und am Folgetag gingen mehr Bürger denn je zu den Urnen. Dann die große Meldung: Das Volk hatte jenen Schwindler, jene spanische Zölestine, wie wir sagen, hart bestraft, der in Santo Domingo, Honduras, El Salvador rekrutiert hatte, und ‚Wer hätte es gedacht! Wer hätte es gedacht!‘ sogar eine kleine Truppe der Sandinistischen Armee wurde gemeinsam mit den jungen Soldaten der genannten Länder als Kanonenfutter nach Irak geschickt, von ihm verführt, der es übernahm, die entsprechenden Formalitäten zu erledigen. Wer hätte wohl denken können, dass eines Tages junge Lateinamerikaner als Kanonenfutter in jenen ungerechten und völkermörderischen Krieg geschickt würden!
In Spanien konnte man sehen, wie trotz der Unterstützung einer schlechten Sache durch die übergroße Mehrheit der Medien das Volk fähig ist, die Oberhand zu gewinnen und der Zölestine eine Tracht Prügel zu versetzen; auf die gleiche Weise, in der unter gleichen Umständen das venezolanische Volk der verräterischen Oligarchie seines Landes mehr als eine Tracht Prügel versetzte. (Applaus)
Man muss an die Völker glauben; und je mehr sie lernen, je mehr Kenntnisse, Allgemeinwissen und politische Kultur sie besitzen, desto schwieriger, viel schwieriger wird es sein, sie als eine Herde von Analphabeten und Ungebildeten zu behandeln.
Wenn ihr mir gestattet, fahre ich fort. Es fehlt nicht mehr viel, doch es hängt von euch an. (Applaus)
Die gegenwärtige Regierung hat ihr Versprechen des Abzugs der spanischen Truppen aus Irak gehalten. Es ist diese zweifelsohne eine lobenswerte Tat. Doch unter der vorangegangenen Regierung hatte es der spanische Staat übernommen, eine beträchtliche Anzahl junger Soldaten aus der Dominikanischen Republik, Honduras, El Salvador und Nicaragua zu rekrutieren, um sie als Kanonenfutter nach Irak zu schicken, unter dem Befehl der Spanischen Legion stehend; ein einmaliger Fall in der Geschichte dieser Erdhälfte. Spanien, das als ehemaliges Mutterland der lateinamerikanischen Völker danach strebt, dass diese ihm mit Achtung und Wertschätzung begegnen und das sogar in Lateinamerika und der Karibik eine gewisse Rolle spielen möchte, trägt die Verantwortung und die moralische Pflicht, sich für die definitive Rückkehr der jungen Lateinamerikaner in ihre Heimatländer einzusetzen, die auf Betreiben der früheren Regierung nach Irak geschickt worden waren.
Es gibt eine neue Regierung, doch der Staat muss die Verantwortung dafür übernehmen, was die frühere getan hat. Und dort sind sie nun. Es ist eine Verantwortung und moralische Pflicht Spaniens, den Abzug dieser jungen Menschen aus Irak zu fördern und zu unterstützen.
Ihr wisst schon, die Mutterländer sind nun einmal die Mutterländer. Sie neigen stets zu meinen, ihre früheren Untergebenen seien für sie wie eben zur Welt gekommene Ururenkel, die die Hilfe des weisen Mutterlandes benötigen. Gelegentlich reden sie von Unterstützung oder, wie es in Europa hieß, man gewähre uns eine humanitäre Hilfe. Doch eines Tages kam es ihnen in den Sinn, ja ja!, Repressalien gegen uns zu ergreifen.
Jene dachten dabei nicht an das monströse Gefängnis in Guantánamo, an die monströse Ungerechtigkeit, die grausame und erbarmungslose Art und Weise, wie fünf Helden dieses Landes, die ihre Heimat durch Besorgen von Information gegen den Terrorismus verteidigten; einen Terrorismus, den die Regierungen der Vereinigten Staaten erfanden und 45 Jahre lang gegen Kuba praktizierten. (Zurufe)
Warum die Geschichte wieder anführen; Tausende unserer Mitbürger haben ihr Leben verloren; warum sich an Barbados erinnern. Fakt ist, jenen der Europäischen Union war nichts in Erinnerung, und in Miami wurden rücksichtslos die Attentatspläne und Terrorismusakte gegen Kuba organisiert, von der Mafia unterstützt, einer mit der Regierung der Vereinigten Staaten verbündeten Mafia, stets absolut straflos ausgehend. Dort, in Miami, genießt seine Freiheit ein Herr Bosch, der gemeinsam mit Posada Carriles die Explosion der Maschine von Cubana de Aviación während des Fluges organisiert hatte. Nein, daran erinnern sie sich nicht und dürfen es auch nicht.
Seit 45 Jahren organisiert der Imperialismus Verschwörungen gegen unser Land, Destabilisierung, bezahlt Söldner und lässt neuerdings verlautbaren, es sei viel mehr für diese Zwecke zu investieren. Dann soll jedoch keiner schreien und sich beklagen, wenn Kuba zur Bestrafung der Söldner im Dienste einer ausländischen Macht die entsprechenden Maßnahmen trifft. (Applaus)
Wenn sich Kuba verteidigt, die Söldner verhaftet und sanktioniert, damit sich niemand straflos meint, werden die großen Kampagnen gegen unser Land gestartet. Sie wollen ihm verbieten, sich zu verteidigen. Doch dieses Land wird sich verteidigen, ohne dabei die Normen zu verletzen, die es stets in seinen Kämpfen beachtet hat. Es wird sich mit den Gesetzen verteidigen, und es wird sich, wenn nötig, mit den Waffen bis zum letzten Blutstropfen verteidigen. (Applaus und Zurufe)
Sie sollen sich also keine Illusionen machen und dann wie Klageweiber auftreten und uns als Verletzer der Menschenrechte hinstellen.
Wie sie mit Kuba verfahren, so verfahren sie auch mit Venezuela: Sie greifen zu Provokationen, provozieren Zwischenfälle, töten und beschuldigen danach die Regierung von Venezuela. Es ist ein wirklich äußerst interessanter Fall. Wie ist es möglich, dass trotz alledem, auch wenn jenes Volk heute nicht den Wissensstand hat, wie er bei unserem Volk allgemein vorzufinden ist; daran sieht man, was der Instinkt des Volkes ist, wie es standhaft bleibt und wie schwer es ist, es zu betrügen.
In Kuba kennt alle Welt die Wahrheit zur Genüge; doch das Imperium startet diese Kampagnen, um den Ruf Kubas im Ausland zu schädigen. Dasbringt uns nicht um den Schlaf. Egal ist, was sie heute denken. Nicht egal ist, was man morgen denkt. Diese Revolution wird unvergängliche Spuren in der Weltgeschichte hinterlassen (Applaus), und es gibt absolut nichts, dessen sie sich schämen müsste, denn ihre Moral reicht zu den Sternen und ihr Verhalten ist untadelig gewesen, abgesehen von einzelnen Fehlern anderer Art, die man begeht und die nichts mit den Menschenrechten zu tun haben. Es wäre illusorisch zu meinen, es werden keine Fehler begangen auf wirtschaftlichem, politischem, administrativem, rechtlichen Gebiet. Doch in den grundlegenden Dingen, die die heiligsten Grundsätze der Revolution betreffen und im Zusammenhang mit den Menschen stehen, in diesen Dingen fehlt keiner und betrügt sich keiner, noch sind Fehler und Betrug dieser Art erlaubt.
Was wir heute tun, ich sage es hier zu diesem 1. Mai, ist eigentlich so etwas wie eine neue große Revolution (Applaus), gestützt auf die Erfahrung der vielen Jahre des Kampfes und über unser bis heute bereits Erzieltes hinaus für das Wohl jedes einzelnen unserer Bürger und ohne jegliche soziale Exklusion folgen wir dieser überaus menschlichen Linie.
Wir wissen, was getan wurde, und ihr habt es bewiesen. Doch wir wissen auch, wieviel mehr man hätte tun können, das daran scheiterte, dass wir nicht genügend Wissen, nicht genügend Erfahrung hatten. Wie man eine Revolution macht und was eine Revolution ist, steht nicht in den Büchern. Auch stand nicht in den Büchern, dass dieses kleine Land 45 Jahre lang der stärksten Macht, die es je auf der Welt gegeben hat und die uns mit ihren Waffen nicht bezwingen konnte, standhalten musste. Sie kannten den Preis.
In Girón, wo sie unser Volk unterschätzt hatten, waren sie keine 70 Stunden; und in der Raketenkrise im Oktober stand die Welt kurz vor ihrer Explosion infolge der imperialistischen Aggressionspläne und der Standhaftigkeit unseres Volkes. Wir haben all diese Jahre der Blockade und der Spezialperiode getrotzt. Das ist ein Volk von bewährten und abgehärteten Menschen mit einer äußerst starken Jugend, ausgebildet, gebildet und revolutionär, die niemals und niemand wird besiegen können. (Applaus und Zurufe)
So wird also das, was wir tun, dieses Land erneut umgestalten. Die Umgestaltung ist bereits in beeindruckender Weise im Gange.
Ich sprach bereits über die ehemaligen Mutterländer, jene, die meinen, sie könnten uns über Politik und Soziales Unterricht erteilen. Sollten die Mutterländer es wünschen, so können wir sie in einigen Dingen unterweisen, doch keines soll sich fähig fühlen, uns zu unterrichten.
Die berühmte humanitäre Hilfe der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft haben wir bereits zum Teufel geschert und sie darauf hingewiesen, dass es uns absolut nicht eilt, ihre Almosen wieder zu empfangen.
Passt gut auf: Kaufen wir von ihnen jährlich 1,5 Milliarden und verkaufen ihnen nur 500 Millionen, viele davon in Form von Rohstoffen, sind wir es, die ihnen humanitäre Hilfe leisten, denn in diesen 1,5 Milliarden, die sie uns verkaufen, müssen etwa 500 Millionen Nettogewinn stecken. Dann kommen sie mit ihren großen Taschen und ihrer kleinen Hilfe, wovon sie mehr ausgeben in den Fünf-Sterne-Hotels, in denen sie sich einmieten, und für den Flug als das, was sie beisteuern. Also über diese Lappalien der Europäischen Gemeinschaft sind wir hinweg.
Es soll auch keiner denken, dass er hierher kommt, um uns kleine Ratschläge zu erteilen, wie unsere Demokratie zu gestalten ist. Denn dieses Land hat genügend Erfahrung; es hat viel gekämpft und auf Kosten von Opfern und Blut genügend Erfolge erzielt, um uns von einem europäischen Land nun kleine Lektionen über Demokratie anhören zu müssen. Denn kein Land Europas genießt – einige weniger als andere – inmitten ihrer kolossalen Ungleichheiten eine wahre, egalitäre und voll partizipative Demokratie, wie man sie heute in jeglichem Sinne vorfindet (Applaus und Zurufe) von dem Tag an, an dem das Volk die Macht ergriff und die Güter gerecht verteilt wurden. Nicht nur, dass das Volk zur Macht wurde, sondern es ist es auch, das diese Macht verteitigt, und das ohne NATO oder Militärpakte mit dem Satan.
Man müsste die einzelnen in diesem Land verwirklichten Dinge mit denen der reichen Länder vergleichen, um zu sehen, ob es einen Grad an Gleichheit, Menschlichkeit, Fürsorge für ausnahmslos alle gibt, etwas, das es nirgendwo jemals gegeben hat.
Wir sind uns recht wohl bewusst, wer wir sind, was wir geleistet haben und was wir besitzen. Doch es sieht ganz so aus als haben das einige Dummköpfe noch nicht wahrgenommen, darauf beharrend, sich in unsere inneren Angelegenheiten einzumischen und uns zu unterweisen, wie eine Demokratie zu errichten ist. Jedenfalls kann unsere Antwort auf diese edle Geste sein, ihnen zu zeigen, wie man die Gleichheit erzielt, wie Privilegien abgeschafft werden und wie eine revolutionäre Demokratie errichtet wird.
Ich sage die Dinge einfach so, denn ich hatte nicht viel Zeit zum Schreiben.
Erinnert euch, ich sprach von den jungen Lateinamerikanern in Irak und der Notwendigkeit der Rückkehr in ihre Länder; denn jetzt ist der Imperialismus auf der Suche nach Kanonenfutter, und es könnte wohl geschehen, dass man sich eines Tages zurückzieht, sogar die als Söldner dort eingesetzten Polen. Man müsste konsequent umgehen mit der Geschichte eines Landes, in das viele Male eingedrungen wurde, das viele Male besetzt wurde, aufgeteilt, damit jetzt seine jungen Männer als Söldner in einem schmutzigen Eroberungskrieg gemietet werden.
Ich zweifle nicht daran, dass nicht viel Zeit vergehen wird, bis jene, die heute die lächerliche und beschämende Rolle von Entsendern von Truppen zur Unterstützung jenes widerlichen Krieges spielen, ernsthaft anders denken werden.
Nachdem ich das alles geäußert habe, betrachte ich es als meine Pflicht, unsere Einstellung zum Volk der Vereinigten Staaten darzulegen.
Die Völker der Welt, darunter auch das Volk Kubas, empfinden keinen Hass auf das Volk der Vereinigten Staaten, noch wünschen sie den Tod der jungen US-amerikanischen Soldaten, von denen viele Neger, Mestizen und Lateinamerikaner sind, die durch Armut und Arbeitslosigkeit zum Waffendienst gelangten und heute Opfer eines unnötigen und stupiden Krieges sind. Wir unterstützen in Irak keinerlei Regierung oder bestimmte politische Systeme; das ist ausschließlich das Vorrecht der Iraker. Wir bekundeten uns solidarisch mit jenen, die bei den Attentaten in New York und Madrid ums Leben kamen, und wir verurteilten derartige Methoden. Zu der umfassenden und wachsenden weltweiten Sympathie dem irakischen Volk gegenüber kam es nach den ohne eine mögliche Rechtfertigung und auf der Basis plumper Lügen begangenen brutalen Bombenabwürfen über Bagdad und anderen Städten, die unter der unschuldigen Zivilbevölkerung Terror und Tod verursachten, ganz abgesehen von dem schrecklichen Trauma, das von nun an Millionen Minderjährige, Heranwachsende, Schwangere, Mütter und Greise ihr ganzes Leben lang begleiten wird begleiten wird. Dieser Sympathien werden es immer mehr, denn es wurde Milliarden Menschen bewusst, dass es sich um einen Eroberungskrieg handelte, um sich die Ressourcen und Rohstoffe des Landes anzueignen. Hier war nichts gerechtfertigt noch legal; die Normen des Völkerrechts wurden verletzt und die Vorrechte der Vereinten Nationen missachtet.
Das Volk von Irak kämpft heute für seine Unabhängigkeit, sein Leben, das Leben seiner Kinder und für seine legitimen Rechte und Ressourcen.
Für die Regierung der Vereinigten Staaten ergibt sich daher eine komplizierte Situation, denn sie wollte die Linie der Gewaltanwendung, des Krieges und des Terrors fortsetzen. Ich bin moralisch befugt, diesen Standpunkt zu vertreten; denn bereits lange vor dem Auslösen der kriegerischen Politik sagte ich wörtlich am 11. September 2001, genau an dem Tag des schrecklichen Attentats auf die Twin Towers bei einer Veranstaltung anlässlich des Beginns des Studienjahres vor 4500 angehenden Grundschullehrern:
„Sehr wesentlich ist es zu wissen, wie die Regierung der Vereinigten Staaten reagieren wird. Möglicherweise werden gefahrvolle Tage für die Welt kommen; ich spreche nicht von Kuba. Kuba ist das Land, in dem es am ruhigsten ist. Dafür gibt es mehrere Gründe: unsere Politik, unsere Formen des Kampfes, Unsere Lehre, unsere Ethik und außerdem, Genossinnen und Genossen, das absolute Fehlen von Angst.
...
Innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten werden die kommenden sehr gespannte Tage sein; es werden wer weiß wie viel Leute beginnen, Meinungen zu äußern.
Immer wenn sich so eine Tragödie ereignet, so schwer sie mitunter auch vermeidbar sein mögen, sehe ich keinen anderen Weg; und wenn es bei irgendeiner Gelegenheit gestattet ist, dem Feind einen Rat zu geben – einem Feind, der viele Jahre lang hart mit und verfahren ist – wenn es also korrekt wäre, dem Feind für das Wohl des US-amerikanischen Volkes und auf der Basis der von mir dargelegten Argumente unter Umständen etwas anzuraten, so würden wir jenen, die an der Spitze des mächtigen Imperiums stehen, empfehlen, die Ruhe zu bewahren und mit Gelassenheit zu handeln, sich nicht von Zornes- oder Anfällen von Hass hinreißen zu lassen und sich nicht darauf einzulassen, mit Bombenabwürfen allerorts Menschen zu jagen.
Ich wiederhole, dass keines der Probleme der Welt, auch der Terrorismus nicht, durch Gewalt gelöst werden kann und dass jede Gewalttat, jede unbesonnene Anwendung von Gewalt die Probleme der Welt ernsthaft erschweren würde.
Der Weg ist weder die Gewalt noch der Krieg. Ich sage hier in voller Autorität, stets ehrlich gesprochen zu haben, feste Überzeugungen zu besitzen sowie die Erfahrung der Jahre des Kampfes, die Kuba gelebt hat. Allein die Vernunft, eine intelligente Politik der Suche nach der Kraft des Konsens und der Weltöffentlichkeit kann das Problem an seiner Wurzel packen. Diese so ungewöhnliche Tat sollte meines Erachtens dazu dienen, den weltweiten Kampf gegen den Terrorismus auszulösen. Doch dieser weltweite Kampf gegen den Terrorismus kann keine Lösung finden, indem man hier und da einen Terroristen eliminiert, hier und da mordend unter Einsatz ähnlicher Methoden, dabei das Leben von Unschuldigen opfernd. Die Lösung besteht darin, neben anderen Dingen dem Staatsterrorismus und anderen widerlichen Formen des Tötens ein Ende zu setzen, dem Völkermord ein Ende zu setzen und treu eine Politik des Friedens und der Einhaltung der unumgänglichen moralischen und Rechtsnormen zu betreiben. Wenn die Welt nicht den Weg des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit geht, gibt es für sie keine Rettung."
Vielen bringt der Krieg in Irak den Vietnamkrieg in Erinnerung. Mich erinnert er an den algerischen Befreiungskrieg, in dem die französische Militärmacht am Widerstand eines Volkes mit einer ganz anderen Kultur, Sprache und Religion zerschellte; ein Volk, das es an so wüstenartigen Orten, wie es viele Regionen in Irak sind, schaffte, die französischen Truppen und ihre damals schon recht moderne Technik zu schlagen. Vordem hatten sie die Niederlage in Dien Bien Phu erlitten, wo Bushs Vorgänger nahe daran waren, Kernwaffen einzusetzen. In dieser Art Krieg ist das gesamte Arsenal einer hegemonischen Supermacht überflüssig. Diese kann mit ihrer immensen Macht ein Land zwar erobern, es jedoch nicht verwalten und regieren, wenn die Bevölkerung entschlossen gegen die Besatzer kämpft.
Nie hätte ich gedacht, Herr Bush würde eines Tages mit Bescheidenheit ein höfliches Schreiben an den Präsidenten Syriens richten und würde die Regierung des Iran bitten – beide Länder gelten bis heute als Terroristenstaaten –, ihm bei der Lösung des Irakkonfliktes behilflich zu sein. Noch überraschender ist, dass laut Kabelnachrichten vor zwei Tagen die US-amerikanische Marineinfanterie aus Fallujah abgezogen und an ihrer Stelle irakische Truppen unter einem Ex-General der Armee von Saddam Hussein hier eingesetzt wurden. Ich kritisiere keinerlei Friedensbemühung oder Friedensinitiative, zu der sich die gegenwärtige Regierung der Vereinigten Staaten entschließt, doch ich bezweifle stark, dass es eine andere Lösung als die des Abzugs der US-amerikanischen Truppen aus diesem Land geben kann, in das sie niemals hätten geschickt werden dürfen, und die der Rückgabe der vollen Unabhängigkeit an das irakische Volk. (Applaus) Das würde die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft finden, die zweifelsohne den Weg finden wird, wie die dort geschaffene komplexe Situation zu lösen ist.
In der Zwischenzeit werden wir Kubaner die Ereignisse weiter verfolgen und unseren Kampf noch entschlossener fortsetzen gegen jene, die sich sogar erdreisten, politische Umwälzungen vorauszusagen, darauf basierend, dass einige von uns aus dem Leben scheiden. Das Schlimmste ist, dass jene, die von einer Beschleunigung dieser politischen Umwälzungen reden, Personen sind, deren seit jeher existierende Mordideen uns wohl bekannt sind.
Jetzt schreien sie sich erneut heiser, mit weiteren Maßnahmen der Schädigung der Wirtschaft und Destabilisierung des Landes drohend. Sie sollten uns lieber unsere fünf Helden zurückgeben, die sich in Gefangenschaft des Imperiums befinden (Applaus) und mit unübertrefflicher Würde den beschämendsten und grausamsten Fall von Verletzung der Menschenrechte ertragen. Ihr Geschick in den Haftanstalten der Bundesregierung, in denen sie vollkommen isoliert sind, steht dem der auf den Militärstützpunkt Guantánamo entführten Häftlinge nicht viel nach. Trotz alledem zögern wir nicht, den Regierenden der Vereinigten Staaten zu raten – bereits einmal habe ich versucht, ihnen etwas zu raten – ruhiger, besonnener, vernünftiger und klüger zu sein.
Denen, die darauf bestehen, die Revolution zu vernichten, sage ich im Namen der hier zum 1. Mai versammelten immensen Menschenmenge schlicht und einfach wie in Girón und zu anderen entscheidenden Momenten unseres Kampfes:
Es lebe der Sozialismus!
Vaterland oder Tod!
Wir werden siegen!
(Ovation)
Hier finden Sie chronologisch sortiert Reden und Schriften des kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro Ruz
Samstag, 1. Mai 2004
Samstag, 3. Januar 2004
Rede des Präsidenten der Republik Kuba Fidel Castro Ruz anlässlich des 45. Jahrestages des Sieges der Revolution
vorgetragen im Teatro Carlos Marx am 3. Januar 2004
Liebe Mitbürger!
Verehrte Gäste!
Viele von uns, die wir das Privileg hatten, Zeugen jenes bewegenden Tages zu sein, sind heute noch am Leben; viele andere bereits nicht mehr. Die übergroße Mehrheit der heute hier Anwesenden war noch keine zehn Jahre alt, oder sie waren noch nicht geboren oder an jenem 1. Januar noch weit davon entfernt.
Nie waren unsere Ziele auf das Erlangen von Ruhm, Ehren oder persönlicher oder kollektiver Anerkennung gerichtet. Die wir heute den legitimen Anspruch haben, uns kubanische Revolutionäre zu nennen, waren jedoch dazu gezwungen, eine Seite im Buch der Geschichte zu schreiben, wie es sie vorher noch nie gegeben hatte.
Nicht einverstanden mit der politischen und sozialen Situation unseres Landes, waren wir schlicht und einfach entschlossen, diese zu verändern. Das war in Kuba nichts Neues; im Verlaufe von fast einem Jahrhundert war es mehrfach vorgekommen.
Wir glaubten an die Rechte der Völker, darunter das Recht auf Unabhängigkeit und das Recht, sich gegen die Tyrannei aufzulehnen. Aus der Wahrnehmung dieser Rechte auf dieser Erdhälfte, von den europäischen Mächten mit Feuer und Schwert erobert — einschließlich das Völkermorden an den Ureinwohnern und die Versklavung von Millionen Afrikanern — kam es zur Gründung einer Gruppe unabhängiger Nationen, darunter die Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Als am 26. Juli die Kubanische Revolution in ihr erstes Gefecht gegen ein ungesetzliches, korruptes und blutiges Regime zog, waren noch keine acht Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen, den der Faschismus 1939 auslöste und der mehr als 50 Millionen Menschen das Leben und alle damaligen Industrieländer — mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, die sich außer Reichweite der feindlichen Bomben und Kanonen befanden — die Zerrüttung ihrer Wirtschaft kostete.
Die Ideen des Faschismus, die einen so kolossalen Krieg auslösten, standen im vollen Widerspruch zu den Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung der 13 ehemaligen britischen Kolonien in Nordamerika am 4. Juli 1776. In dieser Erklärung heißt es wörtlich: „Wir verfechten als evidente Wahrheiten, dass alle Menschen gleich geboren werden, dass der Schöpfer allen bestimmte unveräußerliche Rechte zuspricht; dazu gehört das Recht auf Leben, auf Freiheit und das Erlangen von Glück .......... und stets, wenn eine Regierungsform dazu neigt, diese Ziele zu zerstören, hat das Volk das Recht, sie zu reformieren oder abzusetzen und eine neue Regierung zu ernennen, die mit den genannten Prinzipien in Einklang steht und ihre Befugnisse in einer Form einrichtet, wie sie nach ihrem Ermessen am besten die Sicherheit und das Glück gewährleisten."
Die Französische Erklärung der Menschenrechte nach der Revolution von 1789 ging zu diesem Thema noch weiter, indem es hier heißt: „Wenn die Regierung die Rechte des Volkes verletzt, dann wird für dieses der Aufstand zum heiligsten aller Rechte und zur dringendsten aller Pflichten."
Die faschistischen Ideen waren auch eine frontale Herausforderung an die in der UN-Charta nach dem Schlachtfeld des Zweiten Weltkrieges formulierten Prinzipien; darunter wurde als wesentliche Vorbedingung der politischen Weltordnung die Achtung des Rechtes der Völker auf Souveränität und Unabhängigkeit feierlich erklärt.
In Wahrheit sind die Rechte der Völker im Verlaufe des bekannten kurzen Zeitraumes der Menschheitsgeschichte voller Eroberungskriege, Imperien und der unterschiedlichsten Formen von Ausplünderung und Ausbeutung einiger Menschen durch andere nie geachtet worden. Zu jenem Zeitpunkt der Geschichte und trotz der realen Tatsache, dass die Siegermächte eine Weltordnung bestimmten, deren Privilegien für eine äußerst kleine Gruppe mächtigster Staaten immer anreizender wurden, hegten jedoch viele Nationen, Institutionen und Einzelpersonen die Hoffnung des Eintritts in eine neue und verheißende Etappe der Menschheit. Mehr als 100 Nationen oder Gruppen von Nationen, einschließlich Gruppen von Personen, bei denen sich noch kein Nationalbewusstsein herausgebildet hatte, wurden formell als unabhängige Staaten anerkannt. Es war jene eine äußerst günstige Zeit für Illusion und Betrug.
Die zahlenmäßig große Gruppe von Ländern, die formell den Status als unabhängige Staaten erhielten, waren zum übergroßen Teil ehemalige Kolonien, Domänen, Protektorate sowie andere Formen der Unterwerfung und Kontrolle von Ländern, die im Verlaufe von Jahrhunderten von den stärksten Mächten aufgezwungen wurden.
Ihre Abhängigkeit vom ehemaligen Mutterland war eine fast absolute; ihr Kampf für das Erzielen und Ausüben von stärkerer Souveränität ist ein schwerer und nicht selten ein heroischer Kampf gewesen. Das zeigt die schrecklich heftige Bedrängung, der sie ausgesetzt werden, um die Projekte der Vereinigten Staaten in Genf zu unterstützen oder sich im Höchstfalle einer Gegenstimme zu enthalten. Bewundernswert ist das Verhalten dieser Staaten in der Vollversammlung der Vereinten Nationen, das sich ausdrückt in einer wachsenden und fast einstimmigen Unterstützung für Kuba gegen die Blockade.
Das Schlimmste war, dass nicht wenige jener Länder, die bereits vor dem Krieg angeblich unabhängig waren, gar nicht wussten, inwieweit es ihnen an Unabhängigkeit mangelte; dazu gehörte auch Kuba. Fast die Gesamtheit der lateinamerikanischen Länder gehörten zu dieser traurigen Liste, was sich im Übermaß beweisen sollte. Nachdem unser heldenhaftes Volk eine wahre und volle Unabhängigkeit erzielt hatte, verbanden sich fast alle Regierungseliten jener Länder mit den Vereinigten Staaten, um die Revolution zu vernichten und die politischen und sozialen Errungenschaften, die wir recht bald verzeichnen konnten, zu verhindern.
Bereits im Jahr 1959 setzten die Aggressionen ein unter Einsatz aller wirtschaftlicher und politischer Mittel einschließlich Anwendung von Gewalt, Terrorismus und Androhung des Einsatzes US-amerikanischer Truppen in großem Umfang.
Die kubanischen Ereignisse hatten beigetragen zu beweisen, wieviel an Illusion und Täuschung in den eleganten von der Organisation der Vereinten Nationen proklamierten Texten über Prinzipien und Rechte enthalten war.
Die Gewalt und nicht das Recht — wie es über Jahrtausende hinweg gewesen ist — blieb weiterhin der grundsätzliche Faktor im Leben der Menschheit.
Alles bis heute Geschehene, ausgehend von den ersten historischen Fakten, die wir besitzen, ist Ergebnis einer natürlichen und spontanen, stumpfsinnigen und regellosen Evolution der menschlichen Gesellschaft. Es kann keiner der verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme beschuldigt werden, die im Verlauf von 5000 Jahren einander abgelöst haben.
Die verschiedenen Zivilisationen in weitest entfernten Regionen der Welt wie China, Indien, Mittlerer Osten, Mittelmeerraum, Zentral- und Südamerika wussten — natürlich in mehr oder weniger Umfang — voneinander nichts, waren unabhängig, hatten jedoch in vielen Dingen außerordentlich fortgeschrittene Kenntnisse. Einige lassen uns erstaunen wie beispielsweise die Zivilisation der Griechen: ihre Kunst, ihre Philosophie, ihre Literatur, ihre Kenntnisse der Geschichte, Physik, Mathematik, Astronomie und in anderen Bereichen.
Zunehmend mehr kennt man über die Mayas und andere vor den Inkas lebende Zivilisationen. Das beweist, dass der Mensch, wenngleich in Zeit und Raum durch Zehntausende von Jahren und Zehntausende von Kilometern getrennt, bereits schöpferisch und zu außerordentlichen Werken fähig war. Doch in sämtlichen Zivilisationen vor uns, auch in der heutigen, gab und gibt es in der einen oder anderen Form Imperien, Eroberungskriege, Formen von Sklaverei und Feudalismus, bevorrechtete herrschende und ausgebeutete, ausgegrenzte und ausgeschlossene Klassen der Gesellschaft. Das verkennen zu wollen, wäre extremes Ignorantentum.
Ich muss Marx Recht geben, wenn er ausführt, dass der Mensch erst dann die Prähistorie überwunden hat, wenn es auf der Erde ein wahrhaft vernünftiges, gerechtes und rechtlich ausgerichtetes System gibt.
Wenn nun die gesamte Entwicklung der menschlichen Gesellschaft unvermeidbar chaotisch, ungeregelt, unvorhersehbar und äußerst grausam und ungerecht verlaufen ist, so ist jetzt der Kampf für die Schaffung einer anderen Welt, die wahrhaft vernünftig und dem Intellekt unserer Gattung würdig ist, in diesem Augenblick der Geschichte, der in keinerlei Hinsicht einer anderen der vorangegangenen Etappen der Menschheit gleicht, etwas, das unter anderen Umständen weder möglich noch vorstellbar war: Ein Versuch, in dem der Mensch erstmalig sein eigenes Schicksal programmiert.
Das Erträumen unmöglicher Dinge nennt man Utopie. Das Kämpfen für Ziele, die nicht nur erreichbar, sondern für das Überleben der Gattung Mensch unabdingbar sind, nennt man Realismus.
Man wäre im Irrtum, schriebe man dieses Ziel einfach nur einer ideologischen Motivierung zu. Es handelt sich um etwas, das über die edlen und sehr gerechtfertigten Gefühle von Gerechtigkeit und dem innigen Wunsch eines würdigen und freien Lebens für alle Menschen hinausgeht; es handelt sich um das Überleben der Gattung Mensch.
Der große Unterschied zwischen der Epoche Griechenlands und der heutigen ist nicht in der intellektuellen Fähigkeit unserer Gattung zu suchen. Er liegt in der exponentiellen und anscheinend unendlich möglichen Entwicklung von Wissenschaft und Technik der letzten 150 Jahre, die völlig über die geringe und lächerliche politische Fähigkeit hinausgeht, die bisher zur Bekämpfung der unser Überleben bedrohenden Risiken gezeigt wurde.
Mit der vor weniger als 60 Jahren über Hiroshima abgeworfenen ersten Kernwaffe von vergleichsweise 20 000 Tonnen TNT wurde evident, dass die Technik ein Instrument geschaffen hatte, dessen Entwicklung für die menschliche Existenz auf unserem Planeten ein Ende bedeuten könnte. Von da an hat die Entwicklung neuer und hundertfach vernichtungsfähiger verschiedenartiger und zielsicherer Waffen und Waffensysteme dieser Art keinen Tag ausgesetzt. Es gibt heute Zehntausende davon. Nur sehr wenige wurden nach betrügerischen und begrenzten Vereinbarungen demontiert.
Eine kleine Gruppe der Länder mit dem Monopol über diese Waffen maßen sich das Alleinrecht von deren Produktion und Vervollkommnung an. Die Widersprüche und Interessen ihrer Mitglieder unterliegen Veränderungen, und mittlerweile bewegt sich die Menschheit unter einem Gerüst von Kernwaffen, die ihre Existenz bedrohen. So könnte jemand einen ähnlichen Ausspruch vorbringen wie jener persische Kaiser, als er sich mit einer Riesenarmee den 300 Spartanern näherte, die die Thermopylen verteidigten: „Unsere Cruise-Missiles werden die Sonne verdunkeln."
Das Leben von Milliarden Menschen, die die Erde bewohnen, hängt davon ab, was einige wenige Personen denken, meinen und entscheiden. Das Schlimmste ist, dass jene, die diese enorme Macht besitzen, keine Psychiater haben. Wir dürfen nicht redignieren. Wir haben ein Recht darauf, anzuklagen, Druck auszuüben und Veränderungen und den Stopp dieser unmöglichen und absurden Situation zu fordern, die uns alle zu Geiseln macht. Es darf niemals mehr Menschen mit solchen Befugnissen geben, oder niemand auf der Welt wird jemals wieder von Zivilisation reden können.
Dazu kommt ein weiteres letales Problem: Vor etwa 40 Jahren begannen Stimmen der Besorgnis im Hinblick auf die Umwelt laut zu werden, nämlich ausgehend von einer barbarischen Zivilisation, die die natürlichen Lebensbedingungen zerstörte. Zum ersten Mal wird dieses sehr empfindliche Thema angesprochen. Nicht wenige meinten, es handle sich um Alarm schlagende und übertreibende Personen, um einen Neomalthusianismus im Sinne der vergangenen Jahrhunderte. Es waren aber gut informierte und intelligente Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Öffentlichkeit mit dem Thema zu sensibilisieren und ihr Bewusstsein zu wecken, dabei mitunter Angst hatten, es sei zu spät für entsprechende Maßnahmen. Diejenigen jedoch, die aufgrund ihrer hohen politischen Verantwortung hätten am meisten besorgt sein müssen, zeigten nichts als Ignoranz und Geringschätzung.
Seit dem von den Vereinten Nationen einberufenen Gipfel sind nun schon mehr als zehn Jahre vergangen, und trotz der normalen Verbreitung von Reden, Verpflichtungen und Versprechungen ist nur sehr wenig getan worden. Doch das Bewusstsein zu dieser tödlichen Gefahr wird stärker. Verstärken sollte und wird sich auch der Kampf. Es gibt keine Alternative dazu.
Kürzlich fand in Havanna ein Treffen zu Wüstenbildung und klimatischen Veränderungen statt, das ebenfalls die Vereinten Nationen einberufen hatten; eine bedeutende Bemühung für Information, Bewusstseinsbildung und Aufruf zum Kampf.
In Río de Janeiro war ich Zeuge der Besorgnis und Befürchtungen seitens der Vertreter der kleinen Inseln im Pazifischen Ozean und anderer Länder, denen die Gefahr droht, infolge der Klimaveränderungen teilweise oder vollkommen vom Wasser überflutet zu werden. Es ist traurig. Wer als Erste unter den Folgen der Umweltverschmutzung zu leiden haben, sind die Armen. Sie besitzen weder Autos, noch Klimaanlagen und möglicherweise nicht einmal Möbel, wenn sie überhaupt eine Wohnung haben. Sie bekommen viel direkter die Auswirkungen des die Lufterwärmung verursachenden hohen Kohlendioxydausstoßes zu spüren, der den Ozonschichtfilter schädigt und somit die schädlichen ultravioletten Strahlen passieren lassen. Erkranken diese Menschen, dann gibt es für sie und ihre Angehörigen — das weiß man recht gut — weder Krankenhäuser, noch Ärzte und Medikamente.
Ein drittes Problem: Einer äußerst zurückhaltenden Berechnung zufolge brauchte die Weltbevölkerung für eine Einwohnerzahl von einer Milliarde nicht weniger als 50 Millionen Jahre. Das war etwa im Jahr 1800, also Anfang des 19. Jahrhunderts. 130 Jahre danach, also 1930, waren es bereits zwei Milliarden im 20. Jahrhundert. Drei Milliarden wurden 30 Jahre später, also 1960 erreicht. 14 Jahre später war diese Anzahl im Jahr 1974 auf vier Milliarden gestiegen. Nach weiteren 13 Jahren waren es 1987 fünf Milliarden, sechs Milliarden 1999, nur zwölf Jahre danach; und heute sind wir 6,374 Milliarden.
Es ist in der Tat erstaunlich, wie die Weltbevölkerung in nur 204 Jahren um das 6,4-Fache der einen Milliarde des Jahres 1800 gewachsen ist, nach nicht weniger als 50 000 Jahren, nach relativ arbiträren und vorsichtigen Schätzungen, um für spätere Betrachtungen einen Ansatzpunkt zu haben. Es können viel mehr Jahre sein, wenn wir uns nur auf die Zeit beschränken, in der die heutige Kapazität erzielt wurde.
In welchem Tempo wächst die Weltbevölkerung zur Zeit?
1999 Weltbevölkerung: 6,002 Milliarden Einwohner
Wachstum: 77 Millionen
2000 Weltbevölkerung: 6,079 Milliarden
Wachstum: 75 Millionen
2001 Weltbevölkerung: 6,154 Milliarden
Wachstum: 74 Millionen
2002 Weltbevölkerung: 6,228 Milliarden
Wachstum: 72 Millionen
2003 Weltbevölkerung: 6,3 Milliarden
Wachstum: 74 Millionen
2004 Weltbevölkerung (nach Berechnungen): 6,374 Milliarden
Wachstum: 74 Millionen
Wieviel werden es wohl 2050 sein?
Die niedrigsten Berechnungen sprechen von 7,409 Milliarden, und die höchsten versichern 10,633 Milliarden. Nach Meinung vieler Experten werden es annähernd neun Milliarden Einwohner sein. Der große Alarm, ausgelöst durch diese kolossale Explosion der Bevölkerungszahlen verbunden mit dem beschleunigten Abbau der für das Überleben der Gattung Mensch elementaren natürlichen Bedingungen, hat in vielen Ländern zu einer wahren Bestürzung geführt, da fast 100 Prozent der genannten Wachstumszahlen in den Ländern der Dritten Welt zu finden sein werden.
Denkt man an den immer größeren Verfall und die Abnahme von Böden und Wasser, an die Hungersnöte in vielen Ländern, die Gleichgültigkeit und Verschwendung in den Konsumgesellschaften sowie an die Bildungs- und Gesundheitsprobleme der Weltbevölkerung, so kann man — werden diese Probleme nicht gelöst — sich eine Gattung Mensch vorstellen, deren Mitglieder sich gegenseitig verschlingen.
Man sollte doch die Olympiasieger in Menschenrechten in der westlichen Welt einmal fragen, ob sie irgendwann einmal nur eine Minute darauf verwandt haben, an diese Realitäten zu denken, die in sehr hohem Grade die Folge des Wirtschafts- und sozialen Systems sind; was sie zu einem System meinen, das, anstelle die breiten Volksmassen zu auszubilden — als Hauptaspekt einer Weiterentwicklung mit Unterstützung durch Wissenschaft, Technik und Kultur — für die Suche nach gangbaren und dringenden Lösungen, jährlich eine Billion Dollar für entfremdende und konsumorientierte Werbung ausgibt. Mit dem Betrag, der in nur einem Jahr für das Ausstreuen dieses einzigartigen Giftes ausgegeben wird, könnten sämtliche Voll- und Halbanalphabeten der Welt in weniger als zehn Jahren alphabetisiert und bis zur neunten Klasse geführt werden, und kein Kind der Armen müsste den Unterricht entbehren. Ohne Bildung und andere soziale Leistungen werden das Verbrechen und der Drogenkonsum niemals reduziert, ja sogar fast beseitigt werden können.
Wir bestätigen dies von Kuba aus, ein 45 Jahre lang blockiertes Land, mehr als einmal in Genf von den Vereinigten Staaten und ihren bedingungslosesten Gesellen angeklagt; Kuba steht kurz vor dem Erzielen von Gesundheits- und Bildungsleistungen und eine Allgemeinbildung mit einem Niveau, wie es der industrialisierte und reiche Westen nicht einmal erträumt hat und mit Leistungen, die für ausnahmslos alle Bürger absolut kostenfrei sind.
Die der Welt aufgedrängte neoliberale Globalisierung, konzipiert zum Ziele einer verstärkten Ausplünderung der natürlichen Ressourcen der Erde, hat die meisten Länder der Dritten Welt, speziell die Lateinamerikas, hinter dem unseligen „Washingtoner Konsens" in eine verzweifelte und unhaltbare Situation geführt.
Erstes Ergebnis jener verhängnisvollen Politik war das „verlorene Jahrzehnt" von 1980, in dem das Wachstum der Region auf nur einem Prozent begrenzt blieb. In den Jahren von 1990 bis 1998 beträgt es 2,7 Prozent, liegt also noch weit unter den falschen Illusionen und dringenden Bedürfnissen, um von 1998 bis 2004 wieder auf ein Prozent zu sinken.
Die Außenverschuldung, die 1985, dem Jahr des verräterischen „Konsens", bei 300 Milliarden Dollar lag, beträgt heute mehr als 750 Milliarden.
Die Privatisierungen entfremdeten Landesgüter im Wert von dreistelligen Milliardenbeträgen, deren Schaffung viele Jahre gedauert hatte und die sich nun mit einer Schnelligkeit in Rauch auflösten, ebenso wie aus diesen Ländern die Kapitalflucht nach den Vereinigten Staaten und Europa vor sich geht.
Die Beschäftigungslosigkeit kletterte auf Rekordhöhen. Von je 100 neu geschaffenen Arbeitsplätzen gehören 82 zum sogenannten „informellen Sektor". Zu diesem gehört eine lange Liste derer, die sich ihr Brot in irgendeiner Weise verdienen, ohne dass ihnen weder sozialer noch gesetzlicher Schutz zuteil wird.
Alarmierend gestiegen ist die Armut, speziell die extreme Armut, 12,8 bis 44 Prozent der Bevölkerung. Die Entwicklung stagniert und die Sozialleistungen werden immer weiter abgebaut. Zu den zuletzt genannten gehören an erster Stelle die Bildungs- und Gesundheitsleistungen für die Bevölkerung. Hier hat die neoliberale Globalisierung, wie zu erwarten war, ein wahrhaftes Desaster ausgelöst.
Zählt man dazu die alten und neuen Formen des Ausplünderns wie die ungleichen Austauschbeziehungen, die unaufhörliche und zwangsläufige, Kapitalflucht, die Abwerbung, den Protektionismus, die Stützungen und Ukasse der WTO, dann wird sich wohl niemand über die Krisen und Ereignisse in Südamerika wundern.
Lateinamerika war die Region der Welt, in der die neoliberale Globalisierung mit der größten Härte und Anforderung umgesetzt wurde. Jetzt steht die Region vor der Herausforderung des FTAA (Freihandelsabkommen Amerikas), das die nationalen Industrien hinweg fegen und MERCOSUR und Pacto Andino zu Anhängseln der US-amerikanischen Wirtschaft machen würde: eine letzte Sturmattacke gegen die wirtschaftliche Entwicklung, die Einheit und die Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Völker.
Doch sollte es zu diesem Annexionsversuch kommen, dann bliebe eine solche Wirtschaftsordnung unhaltbar sowohl für die Völker Lateinamerikas als auch für das Volk der Vereinigten Staaten, dessen Arbeitsplätze durch die billigen Arbeitskräfte in Gefahr gebracht werden, die von Akkordunternehmen angeheuert werden unter all jenen, denen die Armut, das Desaster im Bildungswesen und die bestehende Arbeitslosigkleit eine geeignete Qualifizierung versagten. Billige und unqualifizierte Arbeitskraft ist es, was die lateinamerikanischen Oligarchien en masse anzubieten haben.
Zusammenfassend bringen meine Worte die tiefe Überzeugung zum Ausdruck, dass unsere Gattung und damit jedes einzelne unserer Völker vor einem entscheidenden Augenblick ihrer Geschichte stehen: entweder ändert sich der Lauf der Ereignisse oder es wird nicht möglich sein zu überleben. Es gibt keinen anderen Planeten, auf den wir wechseln könnten. Auf dem Mars gibt es keine Atmosphäre, noch Luft, noch Wasser.
Auch gibt es keine Transportmöglichkeit, um massenweise dorthin zu emigrieren. Entweder wir retten, was wir haben, oder es werden viele Millionen Jahre vergehen müssen, um vielleicht eine weitere intelligente Gattung hervorzubringen, die erneut das Abenteuer beginnt, das unsere Gattung durchlebt hat. Bereits der Papst Johannes Paul II. erklärte, dass die Evolutionstheorie nicht unvereinbar ist mit der Lehre der Schöpfung.
Ich will meine Ausführungen beenden. Nicht wenig Arbeit wartet auf uns im Jahr 2004.
Ich möchte unser Volk beglückwünschen für alles, was es in diesen Jahren geleistet hat, für seinen Heldenmut, seinen Patriotismus, seinen Kampfgeist, seine Treue und seine revolutionäre Hingabe.
Insbesondere beglückwünsche ich an diesem 45. Jahrestag jene, die glorreiche internationalistische Einsätze zu realisieren verstanden, versinnbildlicht heute in der beispielhaften Haltung der Fünf Helden in Haft des Imperiums, die mit beeindruckender Würde den ungerechten, rachsüchtigen und grausamen Aktionen der Feinde ihres Vaterlandes und ihres Volkes die Stirn bieten; und in den 15 000 Ärzten, die Opfer bringen und Risiken und Gefahren herausfordernd ihre internationalistische Pflicht in 64 Ländern wo auch immer erfüllen, eine menschliche Heldentat, die niemals von den Vereinigten Staaten und Europa geleistet werden könnte, und zwar aus Mangel an Humankapital, um den Beweis anzutreten, welche Menschenrechte sie eigentlich verfechten.
Niemand wird die solidarische Haltung unseres Volkes und den Mut seiner Söhne mit Drohungen und Aggressionen gegen unsere Ärzte, Lehrer, Sportinstrukteure und jegliche andere Solidaritätshelfer verhindern können, denn viele sind bereit zur ehrenvollen Aufgabe, jene zu ersetzen, die sogar Opfer von terroristischen Aktionen, stimuliert und angeregt durch extremistische Regierungsbeamte der Vereinigten Staaten, wurden und dabei ihr Leben verloren.
Ich beglückwünsche alle, die kämpfen, die nie vor den Schwierigkeiten zurückweichen; alle, die an die Fähigkeiten des Menschen glauben, schöpferisch zu sein, Werte und Ideen zu säen und zu kultivieren; alle, die auf die Menschheit setzen; alle, die die schöne Überzeugung teilen, dass eine bessere Welt möglich ist!
Kämpfen wir mit ihnen gemeinsam, und wir werden siegen!
Liebe Mitbürger!
Verehrte Gäste!
Viele von uns, die wir das Privileg hatten, Zeugen jenes bewegenden Tages zu sein, sind heute noch am Leben; viele andere bereits nicht mehr. Die übergroße Mehrheit der heute hier Anwesenden war noch keine zehn Jahre alt, oder sie waren noch nicht geboren oder an jenem 1. Januar noch weit davon entfernt.
Nie waren unsere Ziele auf das Erlangen von Ruhm, Ehren oder persönlicher oder kollektiver Anerkennung gerichtet. Die wir heute den legitimen Anspruch haben, uns kubanische Revolutionäre zu nennen, waren jedoch dazu gezwungen, eine Seite im Buch der Geschichte zu schreiben, wie es sie vorher noch nie gegeben hatte.
Nicht einverstanden mit der politischen und sozialen Situation unseres Landes, waren wir schlicht und einfach entschlossen, diese zu verändern. Das war in Kuba nichts Neues; im Verlaufe von fast einem Jahrhundert war es mehrfach vorgekommen.
Wir glaubten an die Rechte der Völker, darunter das Recht auf Unabhängigkeit und das Recht, sich gegen die Tyrannei aufzulehnen. Aus der Wahrnehmung dieser Rechte auf dieser Erdhälfte, von den europäischen Mächten mit Feuer und Schwert erobert — einschließlich das Völkermorden an den Ureinwohnern und die Versklavung von Millionen Afrikanern — kam es zur Gründung einer Gruppe unabhängiger Nationen, darunter die Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Als am 26. Juli die Kubanische Revolution in ihr erstes Gefecht gegen ein ungesetzliches, korruptes und blutiges Regime zog, waren noch keine acht Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen, den der Faschismus 1939 auslöste und der mehr als 50 Millionen Menschen das Leben und alle damaligen Industrieländer — mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, die sich außer Reichweite der feindlichen Bomben und Kanonen befanden — die Zerrüttung ihrer Wirtschaft kostete.
Die Ideen des Faschismus, die einen so kolossalen Krieg auslösten, standen im vollen Widerspruch zu den Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung der 13 ehemaligen britischen Kolonien in Nordamerika am 4. Juli 1776. In dieser Erklärung heißt es wörtlich: „Wir verfechten als evidente Wahrheiten, dass alle Menschen gleich geboren werden, dass der Schöpfer allen bestimmte unveräußerliche Rechte zuspricht; dazu gehört das Recht auf Leben, auf Freiheit und das Erlangen von Glück .......... und stets, wenn eine Regierungsform dazu neigt, diese Ziele zu zerstören, hat das Volk das Recht, sie zu reformieren oder abzusetzen und eine neue Regierung zu ernennen, die mit den genannten Prinzipien in Einklang steht und ihre Befugnisse in einer Form einrichtet, wie sie nach ihrem Ermessen am besten die Sicherheit und das Glück gewährleisten."
Die Französische Erklärung der Menschenrechte nach der Revolution von 1789 ging zu diesem Thema noch weiter, indem es hier heißt: „Wenn die Regierung die Rechte des Volkes verletzt, dann wird für dieses der Aufstand zum heiligsten aller Rechte und zur dringendsten aller Pflichten."
Die faschistischen Ideen waren auch eine frontale Herausforderung an die in der UN-Charta nach dem Schlachtfeld des Zweiten Weltkrieges formulierten Prinzipien; darunter wurde als wesentliche Vorbedingung der politischen Weltordnung die Achtung des Rechtes der Völker auf Souveränität und Unabhängigkeit feierlich erklärt.
In Wahrheit sind die Rechte der Völker im Verlaufe des bekannten kurzen Zeitraumes der Menschheitsgeschichte voller Eroberungskriege, Imperien und der unterschiedlichsten Formen von Ausplünderung und Ausbeutung einiger Menschen durch andere nie geachtet worden. Zu jenem Zeitpunkt der Geschichte und trotz der realen Tatsache, dass die Siegermächte eine Weltordnung bestimmten, deren Privilegien für eine äußerst kleine Gruppe mächtigster Staaten immer anreizender wurden, hegten jedoch viele Nationen, Institutionen und Einzelpersonen die Hoffnung des Eintritts in eine neue und verheißende Etappe der Menschheit. Mehr als 100 Nationen oder Gruppen von Nationen, einschließlich Gruppen von Personen, bei denen sich noch kein Nationalbewusstsein herausgebildet hatte, wurden formell als unabhängige Staaten anerkannt. Es war jene eine äußerst günstige Zeit für Illusion und Betrug.
Die zahlenmäßig große Gruppe von Ländern, die formell den Status als unabhängige Staaten erhielten, waren zum übergroßen Teil ehemalige Kolonien, Domänen, Protektorate sowie andere Formen der Unterwerfung und Kontrolle von Ländern, die im Verlaufe von Jahrhunderten von den stärksten Mächten aufgezwungen wurden.
Ihre Abhängigkeit vom ehemaligen Mutterland war eine fast absolute; ihr Kampf für das Erzielen und Ausüben von stärkerer Souveränität ist ein schwerer und nicht selten ein heroischer Kampf gewesen. Das zeigt die schrecklich heftige Bedrängung, der sie ausgesetzt werden, um die Projekte der Vereinigten Staaten in Genf zu unterstützen oder sich im Höchstfalle einer Gegenstimme zu enthalten. Bewundernswert ist das Verhalten dieser Staaten in der Vollversammlung der Vereinten Nationen, das sich ausdrückt in einer wachsenden und fast einstimmigen Unterstützung für Kuba gegen die Blockade.
Das Schlimmste war, dass nicht wenige jener Länder, die bereits vor dem Krieg angeblich unabhängig waren, gar nicht wussten, inwieweit es ihnen an Unabhängigkeit mangelte; dazu gehörte auch Kuba. Fast die Gesamtheit der lateinamerikanischen Länder gehörten zu dieser traurigen Liste, was sich im Übermaß beweisen sollte. Nachdem unser heldenhaftes Volk eine wahre und volle Unabhängigkeit erzielt hatte, verbanden sich fast alle Regierungseliten jener Länder mit den Vereinigten Staaten, um die Revolution zu vernichten und die politischen und sozialen Errungenschaften, die wir recht bald verzeichnen konnten, zu verhindern.
Bereits im Jahr 1959 setzten die Aggressionen ein unter Einsatz aller wirtschaftlicher und politischer Mittel einschließlich Anwendung von Gewalt, Terrorismus und Androhung des Einsatzes US-amerikanischer Truppen in großem Umfang.
Die kubanischen Ereignisse hatten beigetragen zu beweisen, wieviel an Illusion und Täuschung in den eleganten von der Organisation der Vereinten Nationen proklamierten Texten über Prinzipien und Rechte enthalten war.
Die Gewalt und nicht das Recht — wie es über Jahrtausende hinweg gewesen ist — blieb weiterhin der grundsätzliche Faktor im Leben der Menschheit.
Alles bis heute Geschehene, ausgehend von den ersten historischen Fakten, die wir besitzen, ist Ergebnis einer natürlichen und spontanen, stumpfsinnigen und regellosen Evolution der menschlichen Gesellschaft. Es kann keiner der verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme beschuldigt werden, die im Verlauf von 5000 Jahren einander abgelöst haben.
Die verschiedenen Zivilisationen in weitest entfernten Regionen der Welt wie China, Indien, Mittlerer Osten, Mittelmeerraum, Zentral- und Südamerika wussten — natürlich in mehr oder weniger Umfang — voneinander nichts, waren unabhängig, hatten jedoch in vielen Dingen außerordentlich fortgeschrittene Kenntnisse. Einige lassen uns erstaunen wie beispielsweise die Zivilisation der Griechen: ihre Kunst, ihre Philosophie, ihre Literatur, ihre Kenntnisse der Geschichte, Physik, Mathematik, Astronomie und in anderen Bereichen.
Zunehmend mehr kennt man über die Mayas und andere vor den Inkas lebende Zivilisationen. Das beweist, dass der Mensch, wenngleich in Zeit und Raum durch Zehntausende von Jahren und Zehntausende von Kilometern getrennt, bereits schöpferisch und zu außerordentlichen Werken fähig war. Doch in sämtlichen Zivilisationen vor uns, auch in der heutigen, gab und gibt es in der einen oder anderen Form Imperien, Eroberungskriege, Formen von Sklaverei und Feudalismus, bevorrechtete herrschende und ausgebeutete, ausgegrenzte und ausgeschlossene Klassen der Gesellschaft. Das verkennen zu wollen, wäre extremes Ignorantentum.
Ich muss Marx Recht geben, wenn er ausführt, dass der Mensch erst dann die Prähistorie überwunden hat, wenn es auf der Erde ein wahrhaft vernünftiges, gerechtes und rechtlich ausgerichtetes System gibt.
Wenn nun die gesamte Entwicklung der menschlichen Gesellschaft unvermeidbar chaotisch, ungeregelt, unvorhersehbar und äußerst grausam und ungerecht verlaufen ist, so ist jetzt der Kampf für die Schaffung einer anderen Welt, die wahrhaft vernünftig und dem Intellekt unserer Gattung würdig ist, in diesem Augenblick der Geschichte, der in keinerlei Hinsicht einer anderen der vorangegangenen Etappen der Menschheit gleicht, etwas, das unter anderen Umständen weder möglich noch vorstellbar war: Ein Versuch, in dem der Mensch erstmalig sein eigenes Schicksal programmiert.
Das Erträumen unmöglicher Dinge nennt man Utopie. Das Kämpfen für Ziele, die nicht nur erreichbar, sondern für das Überleben der Gattung Mensch unabdingbar sind, nennt man Realismus.
Man wäre im Irrtum, schriebe man dieses Ziel einfach nur einer ideologischen Motivierung zu. Es handelt sich um etwas, das über die edlen und sehr gerechtfertigten Gefühle von Gerechtigkeit und dem innigen Wunsch eines würdigen und freien Lebens für alle Menschen hinausgeht; es handelt sich um das Überleben der Gattung Mensch.
Der große Unterschied zwischen der Epoche Griechenlands und der heutigen ist nicht in der intellektuellen Fähigkeit unserer Gattung zu suchen. Er liegt in der exponentiellen und anscheinend unendlich möglichen Entwicklung von Wissenschaft und Technik der letzten 150 Jahre, die völlig über die geringe und lächerliche politische Fähigkeit hinausgeht, die bisher zur Bekämpfung der unser Überleben bedrohenden Risiken gezeigt wurde.
Mit der vor weniger als 60 Jahren über Hiroshima abgeworfenen ersten Kernwaffe von vergleichsweise 20 000 Tonnen TNT wurde evident, dass die Technik ein Instrument geschaffen hatte, dessen Entwicklung für die menschliche Existenz auf unserem Planeten ein Ende bedeuten könnte. Von da an hat die Entwicklung neuer und hundertfach vernichtungsfähiger verschiedenartiger und zielsicherer Waffen und Waffensysteme dieser Art keinen Tag ausgesetzt. Es gibt heute Zehntausende davon. Nur sehr wenige wurden nach betrügerischen und begrenzten Vereinbarungen demontiert.
Eine kleine Gruppe der Länder mit dem Monopol über diese Waffen maßen sich das Alleinrecht von deren Produktion und Vervollkommnung an. Die Widersprüche und Interessen ihrer Mitglieder unterliegen Veränderungen, und mittlerweile bewegt sich die Menschheit unter einem Gerüst von Kernwaffen, die ihre Existenz bedrohen. So könnte jemand einen ähnlichen Ausspruch vorbringen wie jener persische Kaiser, als er sich mit einer Riesenarmee den 300 Spartanern näherte, die die Thermopylen verteidigten: „Unsere Cruise-Missiles werden die Sonne verdunkeln."
Das Leben von Milliarden Menschen, die die Erde bewohnen, hängt davon ab, was einige wenige Personen denken, meinen und entscheiden. Das Schlimmste ist, dass jene, die diese enorme Macht besitzen, keine Psychiater haben. Wir dürfen nicht redignieren. Wir haben ein Recht darauf, anzuklagen, Druck auszuüben und Veränderungen und den Stopp dieser unmöglichen und absurden Situation zu fordern, die uns alle zu Geiseln macht. Es darf niemals mehr Menschen mit solchen Befugnissen geben, oder niemand auf der Welt wird jemals wieder von Zivilisation reden können.
Dazu kommt ein weiteres letales Problem: Vor etwa 40 Jahren begannen Stimmen der Besorgnis im Hinblick auf die Umwelt laut zu werden, nämlich ausgehend von einer barbarischen Zivilisation, die die natürlichen Lebensbedingungen zerstörte. Zum ersten Mal wird dieses sehr empfindliche Thema angesprochen. Nicht wenige meinten, es handle sich um Alarm schlagende und übertreibende Personen, um einen Neomalthusianismus im Sinne der vergangenen Jahrhunderte. Es waren aber gut informierte und intelligente Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Öffentlichkeit mit dem Thema zu sensibilisieren und ihr Bewusstsein zu wecken, dabei mitunter Angst hatten, es sei zu spät für entsprechende Maßnahmen. Diejenigen jedoch, die aufgrund ihrer hohen politischen Verantwortung hätten am meisten besorgt sein müssen, zeigten nichts als Ignoranz und Geringschätzung.
Seit dem von den Vereinten Nationen einberufenen Gipfel sind nun schon mehr als zehn Jahre vergangen, und trotz der normalen Verbreitung von Reden, Verpflichtungen und Versprechungen ist nur sehr wenig getan worden. Doch das Bewusstsein zu dieser tödlichen Gefahr wird stärker. Verstärken sollte und wird sich auch der Kampf. Es gibt keine Alternative dazu.
Kürzlich fand in Havanna ein Treffen zu Wüstenbildung und klimatischen Veränderungen statt, das ebenfalls die Vereinten Nationen einberufen hatten; eine bedeutende Bemühung für Information, Bewusstseinsbildung und Aufruf zum Kampf.
In Río de Janeiro war ich Zeuge der Besorgnis und Befürchtungen seitens der Vertreter der kleinen Inseln im Pazifischen Ozean und anderer Länder, denen die Gefahr droht, infolge der Klimaveränderungen teilweise oder vollkommen vom Wasser überflutet zu werden. Es ist traurig. Wer als Erste unter den Folgen der Umweltverschmutzung zu leiden haben, sind die Armen. Sie besitzen weder Autos, noch Klimaanlagen und möglicherweise nicht einmal Möbel, wenn sie überhaupt eine Wohnung haben. Sie bekommen viel direkter die Auswirkungen des die Lufterwärmung verursachenden hohen Kohlendioxydausstoßes zu spüren, der den Ozonschichtfilter schädigt und somit die schädlichen ultravioletten Strahlen passieren lassen. Erkranken diese Menschen, dann gibt es für sie und ihre Angehörigen — das weiß man recht gut — weder Krankenhäuser, noch Ärzte und Medikamente.
Ein drittes Problem: Einer äußerst zurückhaltenden Berechnung zufolge brauchte die Weltbevölkerung für eine Einwohnerzahl von einer Milliarde nicht weniger als 50 Millionen Jahre. Das war etwa im Jahr 1800, also Anfang des 19. Jahrhunderts. 130 Jahre danach, also 1930, waren es bereits zwei Milliarden im 20. Jahrhundert. Drei Milliarden wurden 30 Jahre später, also 1960 erreicht. 14 Jahre später war diese Anzahl im Jahr 1974 auf vier Milliarden gestiegen. Nach weiteren 13 Jahren waren es 1987 fünf Milliarden, sechs Milliarden 1999, nur zwölf Jahre danach; und heute sind wir 6,374 Milliarden.
Es ist in der Tat erstaunlich, wie die Weltbevölkerung in nur 204 Jahren um das 6,4-Fache der einen Milliarde des Jahres 1800 gewachsen ist, nach nicht weniger als 50 000 Jahren, nach relativ arbiträren und vorsichtigen Schätzungen, um für spätere Betrachtungen einen Ansatzpunkt zu haben. Es können viel mehr Jahre sein, wenn wir uns nur auf die Zeit beschränken, in der die heutige Kapazität erzielt wurde.
In welchem Tempo wächst die Weltbevölkerung zur Zeit?
1999 Weltbevölkerung: 6,002 Milliarden Einwohner
Wachstum: 77 Millionen
2000 Weltbevölkerung: 6,079 Milliarden
Wachstum: 75 Millionen
2001 Weltbevölkerung: 6,154 Milliarden
Wachstum: 74 Millionen
2002 Weltbevölkerung: 6,228 Milliarden
Wachstum: 72 Millionen
2003 Weltbevölkerung: 6,3 Milliarden
Wachstum: 74 Millionen
2004 Weltbevölkerung (nach Berechnungen): 6,374 Milliarden
Wachstum: 74 Millionen
Wieviel werden es wohl 2050 sein?
Die niedrigsten Berechnungen sprechen von 7,409 Milliarden, und die höchsten versichern 10,633 Milliarden. Nach Meinung vieler Experten werden es annähernd neun Milliarden Einwohner sein. Der große Alarm, ausgelöst durch diese kolossale Explosion der Bevölkerungszahlen verbunden mit dem beschleunigten Abbau der für das Überleben der Gattung Mensch elementaren natürlichen Bedingungen, hat in vielen Ländern zu einer wahren Bestürzung geführt, da fast 100 Prozent der genannten Wachstumszahlen in den Ländern der Dritten Welt zu finden sein werden.
Denkt man an den immer größeren Verfall und die Abnahme von Böden und Wasser, an die Hungersnöte in vielen Ländern, die Gleichgültigkeit und Verschwendung in den Konsumgesellschaften sowie an die Bildungs- und Gesundheitsprobleme der Weltbevölkerung, so kann man — werden diese Probleme nicht gelöst — sich eine Gattung Mensch vorstellen, deren Mitglieder sich gegenseitig verschlingen.
Man sollte doch die Olympiasieger in Menschenrechten in der westlichen Welt einmal fragen, ob sie irgendwann einmal nur eine Minute darauf verwandt haben, an diese Realitäten zu denken, die in sehr hohem Grade die Folge des Wirtschafts- und sozialen Systems sind; was sie zu einem System meinen, das, anstelle die breiten Volksmassen zu auszubilden — als Hauptaspekt einer Weiterentwicklung mit Unterstützung durch Wissenschaft, Technik und Kultur — für die Suche nach gangbaren und dringenden Lösungen, jährlich eine Billion Dollar für entfremdende und konsumorientierte Werbung ausgibt. Mit dem Betrag, der in nur einem Jahr für das Ausstreuen dieses einzigartigen Giftes ausgegeben wird, könnten sämtliche Voll- und Halbanalphabeten der Welt in weniger als zehn Jahren alphabetisiert und bis zur neunten Klasse geführt werden, und kein Kind der Armen müsste den Unterricht entbehren. Ohne Bildung und andere soziale Leistungen werden das Verbrechen und der Drogenkonsum niemals reduziert, ja sogar fast beseitigt werden können.
Wir bestätigen dies von Kuba aus, ein 45 Jahre lang blockiertes Land, mehr als einmal in Genf von den Vereinigten Staaten und ihren bedingungslosesten Gesellen angeklagt; Kuba steht kurz vor dem Erzielen von Gesundheits- und Bildungsleistungen und eine Allgemeinbildung mit einem Niveau, wie es der industrialisierte und reiche Westen nicht einmal erträumt hat und mit Leistungen, die für ausnahmslos alle Bürger absolut kostenfrei sind.
Die der Welt aufgedrängte neoliberale Globalisierung, konzipiert zum Ziele einer verstärkten Ausplünderung der natürlichen Ressourcen der Erde, hat die meisten Länder der Dritten Welt, speziell die Lateinamerikas, hinter dem unseligen „Washingtoner Konsens" in eine verzweifelte und unhaltbare Situation geführt.
Erstes Ergebnis jener verhängnisvollen Politik war das „verlorene Jahrzehnt" von 1980, in dem das Wachstum der Region auf nur einem Prozent begrenzt blieb. In den Jahren von 1990 bis 1998 beträgt es 2,7 Prozent, liegt also noch weit unter den falschen Illusionen und dringenden Bedürfnissen, um von 1998 bis 2004 wieder auf ein Prozent zu sinken.
Die Außenverschuldung, die 1985, dem Jahr des verräterischen „Konsens", bei 300 Milliarden Dollar lag, beträgt heute mehr als 750 Milliarden.
Die Privatisierungen entfremdeten Landesgüter im Wert von dreistelligen Milliardenbeträgen, deren Schaffung viele Jahre gedauert hatte und die sich nun mit einer Schnelligkeit in Rauch auflösten, ebenso wie aus diesen Ländern die Kapitalflucht nach den Vereinigten Staaten und Europa vor sich geht.
Die Beschäftigungslosigkeit kletterte auf Rekordhöhen. Von je 100 neu geschaffenen Arbeitsplätzen gehören 82 zum sogenannten „informellen Sektor". Zu diesem gehört eine lange Liste derer, die sich ihr Brot in irgendeiner Weise verdienen, ohne dass ihnen weder sozialer noch gesetzlicher Schutz zuteil wird.
Alarmierend gestiegen ist die Armut, speziell die extreme Armut, 12,8 bis 44 Prozent der Bevölkerung. Die Entwicklung stagniert und die Sozialleistungen werden immer weiter abgebaut. Zu den zuletzt genannten gehören an erster Stelle die Bildungs- und Gesundheitsleistungen für die Bevölkerung. Hier hat die neoliberale Globalisierung, wie zu erwarten war, ein wahrhaftes Desaster ausgelöst.
Zählt man dazu die alten und neuen Formen des Ausplünderns wie die ungleichen Austauschbeziehungen, die unaufhörliche und zwangsläufige, Kapitalflucht, die Abwerbung, den Protektionismus, die Stützungen und Ukasse der WTO, dann wird sich wohl niemand über die Krisen und Ereignisse in Südamerika wundern.
Lateinamerika war die Region der Welt, in der die neoliberale Globalisierung mit der größten Härte und Anforderung umgesetzt wurde. Jetzt steht die Region vor der Herausforderung des FTAA (Freihandelsabkommen Amerikas), das die nationalen Industrien hinweg fegen und MERCOSUR und Pacto Andino zu Anhängseln der US-amerikanischen Wirtschaft machen würde: eine letzte Sturmattacke gegen die wirtschaftliche Entwicklung, die Einheit und die Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Völker.
Doch sollte es zu diesem Annexionsversuch kommen, dann bliebe eine solche Wirtschaftsordnung unhaltbar sowohl für die Völker Lateinamerikas als auch für das Volk der Vereinigten Staaten, dessen Arbeitsplätze durch die billigen Arbeitskräfte in Gefahr gebracht werden, die von Akkordunternehmen angeheuert werden unter all jenen, denen die Armut, das Desaster im Bildungswesen und die bestehende Arbeitslosigkleit eine geeignete Qualifizierung versagten. Billige und unqualifizierte Arbeitskraft ist es, was die lateinamerikanischen Oligarchien en masse anzubieten haben.
Zusammenfassend bringen meine Worte die tiefe Überzeugung zum Ausdruck, dass unsere Gattung und damit jedes einzelne unserer Völker vor einem entscheidenden Augenblick ihrer Geschichte stehen: entweder ändert sich der Lauf der Ereignisse oder es wird nicht möglich sein zu überleben. Es gibt keinen anderen Planeten, auf den wir wechseln könnten. Auf dem Mars gibt es keine Atmosphäre, noch Luft, noch Wasser.
Auch gibt es keine Transportmöglichkeit, um massenweise dorthin zu emigrieren. Entweder wir retten, was wir haben, oder es werden viele Millionen Jahre vergehen müssen, um vielleicht eine weitere intelligente Gattung hervorzubringen, die erneut das Abenteuer beginnt, das unsere Gattung durchlebt hat. Bereits der Papst Johannes Paul II. erklärte, dass die Evolutionstheorie nicht unvereinbar ist mit der Lehre der Schöpfung.
Ich will meine Ausführungen beenden. Nicht wenig Arbeit wartet auf uns im Jahr 2004.
Ich möchte unser Volk beglückwünschen für alles, was es in diesen Jahren geleistet hat, für seinen Heldenmut, seinen Patriotismus, seinen Kampfgeist, seine Treue und seine revolutionäre Hingabe.
Insbesondere beglückwünsche ich an diesem 45. Jahrestag jene, die glorreiche internationalistische Einsätze zu realisieren verstanden, versinnbildlicht heute in der beispielhaften Haltung der Fünf Helden in Haft des Imperiums, die mit beeindruckender Würde den ungerechten, rachsüchtigen und grausamen Aktionen der Feinde ihres Vaterlandes und ihres Volkes die Stirn bieten; und in den 15 000 Ärzten, die Opfer bringen und Risiken und Gefahren herausfordernd ihre internationalistische Pflicht in 64 Ländern wo auch immer erfüllen, eine menschliche Heldentat, die niemals von den Vereinigten Staaten und Europa geleistet werden könnte, und zwar aus Mangel an Humankapital, um den Beweis anzutreten, welche Menschenrechte sie eigentlich verfechten.
Niemand wird die solidarische Haltung unseres Volkes und den Mut seiner Söhne mit Drohungen und Aggressionen gegen unsere Ärzte, Lehrer, Sportinstrukteure und jegliche andere Solidaritätshelfer verhindern können, denn viele sind bereit zur ehrenvollen Aufgabe, jene zu ersetzen, die sogar Opfer von terroristischen Aktionen, stimuliert und angeregt durch extremistische Regierungsbeamte der Vereinigten Staaten, wurden und dabei ihr Leben verloren.
Ich beglückwünsche alle, die kämpfen, die nie vor den Schwierigkeiten zurückweichen; alle, die an die Fähigkeiten des Menschen glauben, schöpferisch zu sein, Werte und Ideen zu säen und zu kultivieren; alle, die auf die Menschheit setzen; alle, die die schöne Überzeugung teilen, dass eine bessere Welt möglich ist!
Kämpfen wir mit ihnen gemeinsam, und wir werden siegen!
Freitag, 5. Dezember 2003
Zum Anlass des Geburtstags von Elian Gonzalez und des vierten Jahrestages der Ideenschlacht, gehalten in der Grundschule „Marcelo Salado" von Cardenas
Rede des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz, Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Vorsitzender des Staats- und Ministerrates, aus Anlass des Geburtstags von Elian Gonzalez und des vierten Jahrestages der Ideenschlacht, gehalten in der Grundschule „Marcelo Salado" von Cardenas am 5. Dezember 2003, im „Jahr der ruhmreichen Jahrestage von Martí und der Moncada"
(Stenographische Dienst des Staatsrats)
Liebe zu dieser bewegenden Veranstaltung eingeladene Schüler, Lehrer, Familienangehörigen und sehr geehrte Gäste!
Um zu sprechen, muss die Kehle gut in Ordnung sein, nicht wahr?, und ich musste in den letzten Tagen ich weiß nicht wieviel Stunden sprechen. Ihr Kinder der Grundschule bittet mich jetzt, dass ich rede. Wisst ihr denn, was ihr tut? Habt ihr es gut bedacht? Und wenn ich zwei Stunden lang zu euch spreche? (Lachen)
Sagt mir mal: Worüber soll ich zu euch sprechen? (Ausrufe von: „Über alles!") Über alles? Ich bin aber nicht Professor für Universalgeographie (Die Kinder bitten ihn zu sagen, wie er sich in der Schule gefühlt hat.) Nun gut: sie ruft viele Erinnerungen in mir wach. Vor ein paar Minuten habe ich gedacht: ich bin das erste Mal vor vier Jahren und einem Tag in diese Schule gekommen, d.h., morgen werden es genau vier Jahre sein.
Ich dachte auch, dass diejenigen, die am 6. Dezember 1999, vor vier Jahren, in der ersten Klasse waren, jetzt schon die fünfte besuchen. Mal sehen, könnten einmal diejenigen, die in der fünften Klasse sind, die Hand heben? (Sie heben die Hand.) Ihr erinnert euch an damals, nicht wahr? (Ausrufe: „Ja!") Hebt bitte mal die Hand, wer in der sechsten ist (Sie heben die Hand.) Gut, die aus der fünften und sechsten waren anwesend. Die aus der ersten, zweiten, dritten oder vierten Klasse waren 6, 7, 8 bzw. 9 Jahre alt. Hier können sich sicherlich viel an jene Tage erinnern.
Es sind fast alle Lehrer da, die schon damals in dieser Schule unterrichteten. Es sind auch 16 Jugendliche anwesend, die das noch nicht waren, sie studierten in der 12. Klasse, um ihr Abitur zu machen.
Wißt ihr, warum diese Junglehrer hier sind? Das war Ergebnis der Ereignisse, die Anlas zu jenem Besuch waren, den ich dieser Schule abstattete.
Ihr habt mich gefragt, wie ich mich fühle; ich vergleiche es mit dem, was ich an jenem Tag fühlte und wie sich die Lehrer, das Personal und alle jene, die wir uns an jenem Tag hier versammelten fühlten. Vielleicht konnten wir uns in jenem Augenblick nicht einmal die riesige historische Bedeutung vorstellen, die jene Ereignisse haben würden und die nachfolgenden Geschehnisse, über die wir tagelang sprechen könnten.
Tränen, Schmerz, Traurigkeit herrschten hier. Und warum? Es war eine große Ungerechtigkeit begangen worden: eines der Kinder dieser Schule war leider abwesend. Sein Vater, seine Großeltern, seine Familienangehörigen erlebten Tage von schrecklichen Leiden, hervorgerufen von den Geschehnissen, die zur Abwesenheit dieses Jungen geführt hatten.
Die Schule sah nicht so wie heute aus, schön gestrichen, mit einigen Verbesserungen, die es damals nicht gab. Von der Bausubstanz her war es eine gute Schule, aber wie bei vielen anderen Schulen war es nötig, sie zu streichen und einige andere Arbeiten durchzuführen.
Ich werde euch jetzt nicht erläutern, warum die Schule nicht so schön war, wie sie es heute ist, und warum viele Schulen nicht so waren, wie sie es heute sind. Ich werde es euch nicht erläutern, weil ihr es eines Tages erfahren werdet, ihr werdet entdecken, welches die Ursachen waren, weshalb unsere Kinder, die Kinder von Kuba, seit Jahren eine Betreuung erhalten, wie sie niemals in dieser Hemisphäre oder an jeglicher Stelle der Welt geboten worden war.
Ihr habt von der Revolution sprechen gehört; ich werde euch nicht erläutern, was eine Revolution ist, sondern einfach nur erzählen, dass als das, was wir Revolution nennen, siegte, d.h. seinen Gegner in hartem Kampf besiegte, gab es im Land mehrere hunderttausend Kindern, die keine Schulen hatten; eine Million Erwachsene, die weder lesen noch schreiben konnten; Millionen von den anderen, die nicht einmal die sechste Klasse erreicht hatten, und die Meisten von denen, die in irgendeine Schule gehen konnten, hatten nur die zweite, dritte oder vierte Klasse beendet. Nur einer von zehn erreichte mit großen Anstrengungen die sechste Klasse, oder darüber hinaus.
Die meisten Kinder konnten nicht bis zur fünften, sechsten Klasse lernen, weil sie Kinder von Arbeitern, Bauern, von einfachen Leuten waren, und benötigt wurden, um der Familie zu helfen, zum Unterhalt beizutragen, Lebensmittel, Anziehsachen, Schuhe zu kaufen, obwohl viele von ihnen barfuß oder in Lumpen gekleidet liefen, denn ich wiederhole, sie waren sehr arm.
Schulen wie diese, und nicht von der Qualität wie dieser, habe ich, als ich so alt wie ihr war, nie gesehen; ich habe nie so einen Nachmittag wie dieser gesehen; niemals so eine Freude wie diese; niemals sah ich hunderte und aber hunderte Kinder das tun, was ihr heute nachmittag hier getan habt; niemals sah ich so eine schöne Aufführung; niemals sah ich so viele Kinder mit so unendlich viel Anmut auftreten; niemals sah ich Lehrerinnen, wie die drei Kunstlehrerinnen, die an dieser Schule unterrichteten, sogar bekannte und berühmte, welche unsere Kunsthochschulen absolvierten.
An jenem Tag, an dem die Revolution begann, von der ich euch sprach, gab es nichts, dass man so bezeichnen könnte: Kunsthochschule. Man konnte kaum davon träumen, dass Jahre später junge, so gebildete, so vorbereitete Menschen, mit so großen Fähigkeiten hier sein würden, vielleicht eine Stunde, eineinhalb, und allen so viel Freude geben würden, euch, den Lehrern, dem Personal, den Gästen, den Journalisten — ich bin sicher, sie haben auch genossen, was hier geschehen ist — und, außerdem so einer Gruppe von lieben Familienangehörigen von Personen, die große Ungerechtigkeiten erlitten, die gegen ihre geliebten Familienangehörigen begangen wurden: gegen Söhne, Väter, Brüder, um die sie in diesen Jahren ohne Waffenstillstand gekämpft haben.
Als ich erwähnte, dass einer der Schüler dieser Schule aufgrund einer großen Ungerechtigkeit abwesend war, dann wißt ihr, die ihr sehr intelligent seid, worauf ich mich beziehe, aber es ist nicht der einzige Fall: ein Geschöpf, das jetzt fünf Jahre alt ist und heute Nachmittag unschuldig unter euch gemischt ist, ist Opfer einer riesigen Ungerechtigkeit geworden, der es sich kaum bewußt ist. Tausende von Kindern sind Opfer von Ungerechtigkeiten geworden; Tausende von Kindern, von Müttern und anderen Menschen starben in diesen Meeren als Ergebnis eines Gesetzes, das wir als mörderisches Gesetz bezeichnen, das geschaffen wurde, um die Revolution zu bedrängen, geschaffen, um die Revolution zu zerstören, ohne dass das Weinen, die Trauer eine Rolle spielen, die im Schoße unseres geliebten und heroischen Volkes durch dieses brutale Gesetz gesät wurden.
Es ist auch nicht der einzige barbarische Akt, der gegen unser Volk begangen wird; es ist einer der vielen barbarischen Akte, die während fast einem halben Jahrhundert begangen wurde, und die noch weiter begangen werden.
Eben heute kamen Kabelnachrichten von dort an, sie beziehen sich auf 10 Bürger unseres Landes, die gerade ertrunken sind, einschließlich, wie behauptet wird, eine Frau und ein Kind. Ergebnis dieses mörderischen Gesetzes und der Politik der mächtigsten Gewalt, die je auf der Welt existiert hat, und die während 45 Jahren versucht hat, die Revolution zu vernichten, ohne es erreichen zu können.
Ich sage heroisch, wenn ich von unserem Volk spreche, denn niemals in der Geschichte wurde ein so ungleicher Kampf ausgefochten, und niemals konnte ein so großer Sieg im Kampf gegen die Aggressionen einer so mächtigen Gewalt durch ein so kleines Land errungen werden.
Ich sprach hier von einem Mädchen — ich erwähne es nicht — die heute auch mit Familienangehörigen von Opfern von ebenso monströsen Handlungen gekommen ist. Man sagte mir: „Schauen Sie, sehen sie jenes Mädchen? Das ist das Mädchen Soundso, sie ist schon fünf Jahre alt." Das Mädchen und die Mutter sind beide da. Und ihr würdet euch wundern, wenn ich euch sage, dass dieses Mädchen ihren Vater nicht kennenlernen konnte, dass dieser Mutter verboten wird, den Ehemann zu besuchen, der dort, im Schoß dieses mächtigen Imperiums ist, da er die heilige Pflicht erfüllte, vor Plänen zu warnen, die terroristische Mafias gegen unser Land durchführten, die, von den Vereinigten Staaten aus organisiert, angeleitet und bezahlt, Bomben in den Hotels legten; diejenigen, die hierher kamen, um Touristenzentren zu beschießen, in denen Tausende von Bürgern aus Cardenas und Matanzas arbeiten, um die Wirtschaft des Landes zu ruinieren; dieselben Banden, die eines Tages ein kubanisches Flugzeug mit 72 Menschen an Bord in der Luft zersprengten; dieselben Mörder, die von jener Macht gedingt, ausgebildet und ausgerüstet wurden, um Männer, Frauen und Kinder unseres Volkes zu ermorden. Genauso, wie Söldnerkontingente, durch Kriegsschiffe, moderne Flugzeuge und Waffen der Regierung der Vereinigten Staaten unterstützt, unser Land in Giron, bzw. die Schweinebucht, überfielen, ein Gebiet, das zu dieser Provinz, zu Matanzas gehört.
Nun gut, um Information zu bekommen, die dabei halfen, die blutigen Terrorpläne zu kennen und ihnen vorzubeugen, sind fünf echte Helden, mit einem Verhalten, das für unsere Jugendlichen ewig ein Beispiel sein wird, dort eingesperrt, in strengsten Hochsicherheitsgefängnissen, in verschiedenen Regionen, einer von dem anderen getrennt, denn sie wollen ihnen nicht einmal erlauben, zusammen zu sein, zwei zu dreißig Jahren verurteilt und zwei zu lebenslänglich, einer davon zu doppelt lebenslänglich. Wenn jeglicher von ihnen hundert weiter Jahre leben würde, dann würde er die 100 Jahre im Gefängnis verbringen; wenn er 200 Jahre leben würde, würde er die 200 Jahre im Gefängnis verbringen; wenn er 1 000 Jahre leben würde, wäre er immer noch im Gefängnis.
Ihr könnt sicherlich verstehen, wie sehr uns solch eine Ungerechtigkeit schmerzt. Und ich habe nur einen geringen teil von nicht zu rechtfertigenden und monströsen Ungerechtigkeiten genannt.
Jedoch obwohl uns das schmerzt, entmutigt uns das nicht, denn wir leisten schon seit 45 Jahren mit Würde, Ehre, Mut und Standfestigkeit Widerstand im Kampf gegen die Regierung dieser Supermacht, die nichts weiter getan hat, als Niederlagen, Niederlagen und abermals Niederlagen gegenüber Kuba einzustecken.
Zufällig heute erschien eine Kabelnachricht über eine Mafia von hohen skrupellosen und beleidigend lügnerischen Funktionären. Sie waren im Weißen Haus versammelt — so nennen sie es — das Gebäude, wo sich diejenigen versammeln, die das Imperium leiten, und zwar in einer Kommission, die eigens dazu geschaffen wurde, um nach 45 Jahren fruchtloser Versuche und Niederlagen zu überlegen, wie man die Revolution besiegen kann und dies anzuwenden.
Diejenigen, die mehr Kenntnisse über die politischen Angelegenheiten haben, können wirklich darüber lachen, wenn sie sich das Schauspiel jener dort versammelten Kamarilla vorstellen und die Nachrichtenagenturen von magischen Formeln reden hören, die sie anwenden werden, um die Revolution zu besiegen. Ich denke, sogar die Kleinsten der hier Anwesenden können verstehen, was das bedeutet.
Ich kann euch versichern, dass sie solch abstoßende Pläne aus einem einzigen Grund ausarbeiten, sie wollen keine Gerechtigkeit, sie hassen die Gerechtigkeit, sie hassen die Unabhängigkeit der Völker, sie hassen die Freiheit, sie hassen die Armen, sie wollen erneut das wiederbringen, was es vorher hier gab. Und was es vorher hier gab, habe ich euch gerade gesagt.
Wenn man in jenes Land geht, dann trifft man mehrere Zehntausend Menschen an, die unter Brücken leben, und sich dort mit Zeitungen zudecken. Wenn ihr in jenes Land geht, dann seht ihr, dass es dort, trotzdem es das mächtigste und reichste der Welt ist, mehr als 40 Millionen Menschen gibt, die keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitswesen haben, Millionen Analphabeten gibt, die aus den Armenvierteln stammen, wo es nicht genügend und angemessenen Bildungsstätten gibt, wo Menschen leben, die wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Status als dem Hunger entflohener Immigrant diskriminiert werden, und die ohne Skrupel ausgebeutet werden und wo es keinen Geist der Brüderlichkeit und Solidarität gibt. Niemals werdet ihr dort eine Schule wie diese sehen, wo alle Kinder die selbe Möglichkeit zum Studieren haben, auch wenn die Eltern arm sind oder irgend eine Körper- oder Geistesbehinderung haben. Sie haben weder so eine Schule wie diese, mit einem Lehrer für je 20 oder weniger Schüler, noch werden sie sie je haben.
Die Kinder in erfolgreichen Schulen sind Kinder von Reichen, denn sie gehen in die besten, die luxuriösten, indem sie Tausende und Abertausende Dollar jedes Jahr zahlen. Sie haben keine Schulen, wo die Ausbildung für alle Kinder ohne Ausnahme kostenlos ist. Genauso wie sie keine kostenlose medizinische Betreuung bzw. Krankenhäuser oder medizinische Dienstleistungen für alle Kinder ohne Ausnahme haben. Die guten Krankenhäuser sind nur für jene sehr, sehr reichen, die jegliches Geldmenge bezahlen können, damit ihre Kinder oder Familienangehörigen medizinische Betreuung erhalten.
Ihr wißt, es gibt nichts Abscheulicheres als die Unterschiede, die Diskriminierungen. Woran sieht man das? Ich werde euch eine Angabe machen. In jenem Land, in jeglichem Armengebiet von mexikanischen oder haitianischen Immigranten, oder aus anderen Gebieten von Lateinamerika, sterben von je 1000 Lebendgeborenen 20, 25, 30 und noch mehr bevor sie das erste Lebensjahr erreichen. Die Kinder der Reichen haben drei-, vier-, oder fünfmal weniger Möglichkeiten zu sterben, als die Kinder der Armen.
In jenem so reichen Land, das mehrere Hunderttausend Millionen Dollar jedes Jahr für Waffen aufwendet, um zu zerstören und töten, sterben mehr Kinder vor Vollendung des ersten Lebensjahres als in Kuba.
In keinem Land von Lateinamerika gibt es kostenlose Schulbildung für alle Kinder. In keinem Land von Lateinamerika gibt es die gleiche medizinische Betreuung für alle Kinder. In Kuba gab es eine Revolution, die Gerechtigkeit hat walten lassen, die die Gleichheit und Würde für alle Bürger ohne Unterschied festgelegt hat. Es ist ein Land, wo man nicht ein Kind im schulfähigen Alter auf den Straßen vagabundieren bzw. betteln sieht; es ist ein Land, wo hundert Prozent der Kinder in eurem Alter, in der Primärausbildung, die Schule besucht und die sechste Klasse abschließt. Dies ist ein Land, das einzige der Hemisphäre, einschließlich der Vereinigten Staaten, wo hundert Prozent der Kinder die siebente Klasse beginnt; ein Land, wo 99,5% der Jugendlichen die neunte Klasse abschließt. Dies ist ein Land, in dem praktisch hundert Prozent der Kinder unter fünf Jahren die Vorteile eines Erziehungsplans durch das Programm „Erziehe dein Kind" genießen. Dies ist ein Land, das einzige der Hemisphäre, wo das Kind, seitdem es geboren wird, die Möglichkeit hat, gesund aufzuwachsen, einen Liter Milch und die ausreichende Ernährung täglich zu haben, und bezüglich des Studiums, von der Vorschule bis zum Doktor in Wissenschaften zu gelangen, ohne einen einzigen Centavo auszugeben.
Ich sehe die kleinsten Mädchen, die aus der ersten Klasse, und ich möchte ihnen eine kurze Frage stellen. Wieviel bezahlt ihr, um in dieser Schule zu studieren? (Sie antworten ihm, dass sie nichts bezahlen.)
Das ist das Land, welches dieses monströse Imperium zerstören will, von der Weltkarte verschwinden lassen will, denn dieses Land, dieses Volk, ihr habt euch in ein Beispiel für die anderen Länder von Lateinamerika verwandelt, die jedes Mal bei größerer Armut leben, mit mehr Problemen und weniger Mitteln für Bildung und Gesundheitswesen. Und sie, jene, die weder wollen, dass das Leben aller Bruderländer von Lateinamerika und der Karibik sich verändert, noch dass die Regierungen dieser Länder nein zu jeglicher Forderung des Imperiums sagen können, wollen nicht, dass es Kuba als Leuchtturm, als Stern, gibt.
Es ist absolut sicher, dass die anderen Länder sich verändern werden, einige haben schon begonnen tiefgreifende Veränderungen durchzuführen. Und die jetzigen Beherrscher der Welt wollen deshalb nicht, dass sich jener martianische Traum erfüllt, jener Entschluss, als er aussprach, dass er bereit war, ohne Vaterland zu sterben — das er nicht hatte, da es durch das mächtige spanische Kolonialheer besetzt war — aber ohne Beherrscher, und auf seinem Grab einen Strauß Blumen und eine Flagge haben wollte. Heute haben wir Kubaner Vaterland; wenn wir bei ihrer Verteidigung sterben müßten, würden wir mit Vaterland und ohne Beherrscher sterben (Beifall und Ausrufe).
Das Grüppchen von Idioten, die sich gestern im Weißen Haus versammelt haben, werden aus Bitterkeit sterben, aus Frust und werden selbst aus Verwunderung darüber sterben, zu sehen, wie dieses Land 45 Jahre Blockade überstanden hat, und sie bemühen sich zu versprechen, dass sie ein Bündel magischer Maßnahmen treffen werden, um die Kubanische Revolution zu besiegen. D.h. das Werk zu zerstören, das die Revolution in diesen 45 Jahren geschaffen hat, diese Freiheit zu zerstören, diese Freude zu zerstören, die wir heute gesehen haben, diese Zukunft zu zerstören, diese wachsende und wunderbare Kultur für alle Kinder von Kuba zu zerstören, die sie jetzt genießen und jedes Mal mit mehr, mit absolut gleichen Möglichkeiten genießen werden, um ihre Intelligenz ,ihre Talente und Berufungen so weit als möglich zu erreichen.
Dieser Kampf um die Unabhängigkeit und die Zukunft unseres Volkes hat lange Etappen erlebt, während fast einem Jahrhundert, seitdem 1868 der erste Unabhängigkeitskrieg begann bis zur letzten Schlacht am Ersten Januar 1959, bei der es seine volle Unabhängigkeit erreichte. Und hat die größte Freiheit erreicht, die je ein Volk auf der Welt erreichte. Denn kein Volk der Welt konnte während 45 Jahren „Nein!" sagen; kein Volk der Welt konnte dieser mächtigen Gewalt trotzen und während 45 Jahren „Nein!" sagen und heute mit mehr Kraft und Sicherheit als am ersten Tag, und ist bereit, ihr weiter 100 Jahre lang „Nein!" zu sagen, wenn das notwendig wäre, obwohl es nicht so lange notwendig sein wird, denn diejenigen, die dieses unersättliche und unhaltbare Monster handhaben, begegnen der wachsenden Opposition der Völker, einschließlich, und das ist sehr wichtig, der des US-amerikanischen Volkes selbst, dessen Vorgänger ausriefen, das „der Schöpfer" allen menschlichen Wesen heilige Rechte zugesprochen habe.
Wenn wir vom Imperialismus als Aggressor, imperialistische Supermacht, Monster sprechen, beziehen wir uns niemals auf das US-amerikanische Volk und werden das auch nie tun. Dieses Volk setzt sich aus Dutzenden von Millionen, hunderten von Millionen, schon fast 300 Millionen Menschen zusammen, die wie ihr seid: Kinder, Lehrer, Mütter, Väter, Menschen mit noblen Gefühlen, niemand könnte sie des Systems beschuldigen, in dem sie leben. Dieses System ist ein Ergebnis der Geschichte, ein Ergebnis der historischen Evolution der menschlichen Gesellschaft, die über Tausende von Jahren der Ungerechtigkeit sich in das jetzige globalisierte imperiale System verwandelt bzw. entartet hat, das jedes Mal unhaltbarer wird und das sich heute der Welt aufzwingt.
Ihr werdet sagen: und warum gibt es in anderen Ländern dieser Hemisphäre so viele Millionen Kinder ohne Schulen und so viele Millionen arme Kinder? Warum sterben jedes Jahr so viele Dutzende Kinder je alle tausend Lebendgeborene? Warum gibt es so viel Hunger? Warum gibt es so viel Armut? Warum gibt es so viel Diskriminierung? Warum gibt es so viele soziale Probleme? Warum gibt es Kinder, die barfuß sind? Warum tauchen jeden Tag in jeglicher Hauptstadt Heere von Kindern auf, die Frontscheiben säubern, Schuhe putzen, betteln, und das in einem Alter, wo sie in der Schule sein müssten, in der fünften, sechsten, siebenten oder achten Klasse lernen müssten? Ganz einfach auf Grund dieses Systems der Ausbeutung, der Plünderung der Völker, damit eine geringfügige Minderheit riesige Privilegien genießen kann.
Ihr werdet euch fragen: Aber wird das ewig so sein? Ich sage euch: Nein. Diesem Beherrschungssystem bleibt immer weniger Überlebenszeit, die Völker werden sich jener Ungerechtigkeiten bewusst, die Völker lehnen sich jedes Mal mehr gegen sie auf und stürzen Regierungen, und zwar immer öfter und oft ohne einen Schuss abzugeben.
In Bolivien, ein Bruderland — ihr habt es oft erwähnen gehört, denn dort kämpfte der Che eben gerade um Gerechtigkeit, darum, das schreckliche Leben der Völker Lateinamerikas zu verändern — fiel eine Regierung, ohne dass ein Schuss gegen sie abgegeben wurde. Die Regierungen sind schon so schwach und befinden sich in so kritischen Situationen, dass sie mit einem einzigen Hauch fallen.
Diese Bedingungen der Ungerechtigkeit haben dazu geführt, dass in Argentinien zwei aufeinanderfolgende Regierungen auf einen Hauch stürzten. Aufgrund dieser Ungerechtigkeiten hat in einem anderen großen Land ein Arbeiterführer, ein Dreher, der sich vorher dreimal um die Präsidentschaft beworben hatte, einen umfassenden Sieg erreicht, als eine bedeutende Mehrheit des Volkes ihm seine Stimmen verlieh. Wir haben das Beispiel des Brudervolkes von Venezuela, wo sich ein revolutionärer sehr tiefgreifender Prozess entwickelt.
Es gibt eine Situation der Labilität in fast allen Ländern von Lateinamerika, wo diejenigen, die dort im Weißen Haus daran arbeiten, Verbrechen gegen Kuba zu schmieden, Gangstermethoden verwenden; sie sind nervös, sie haben Befürchtungen, sie verzweifeln gegenüber der Realität von 500 Millionen Einwohnern, die sich in dieser Hemisphäre jedes Mal mehr wegen der unhaltbaren Lebensbedingungen auflehnen, denen sie unterliegen.
Ich kann euch versichern, dass dieses wachsende System der Plünderung nicht viel länger dauern kann. Und was fällt der terroristischen imperialistischen Mafia ein? Sich zu beeilen, zu erfinden, abenteuerlich zu suchen, wie sie das Beispiel Kubas, Leuchtturm der Würde, der unabänderlichen Standhaftigkeit, unlöschbares Licht des heroischen Widerstands, wegwischen können.
Heute verfügt unser Land schon über das beste Bildungssystem aller Länder. Es hat den höchsten Index von Lehrern pro Einwohner und die geringste Anzahl von Schülern pro Klassenraum. Es gibt keine einzige Grundschule mehr mit mehr als 30 Schülern pro Lehrer und Klassenraum. Der nationale Durchschnitt erreicht nicht 20 und in der Hauptstadt selbst, wo er vor zwei Jahren 37 betrug, ist er heute 18. Und alles das trotz Sonderperiode und Blockade.
Heute haben wir in der Mittelschule, wo ein außerordentlicher und neuer Erziehungsprozess vonstatten geht, 1 Lehrer für je 15 Schüler. Vorher war das System so, dass ein Lehrer eine Gruppe von 40 bzw. 50 Schülern in einem Fach unterrichtete und anschließend mehreren ähnlichen Gruppen; am Ende waren es 200 bzw. 300 Schüler insgesamt. Er kannte nicht die Namen der Schüler, denn das war unmöglich. Hatte keine engen Beziehungen zur Familie, die so viel zur Erziehung der Kinder beitragen kann und das in unserem Land jedes Mal mehr tut.
Es werden neue Methoden angewendet, bei Anwendung der modernsten Techniken, die die Kenntnisse vervielfältigen, die ein Schüler jedes Jahr erwirbt.
Jetzt beginnen die Kinder schon in der Vorschule den Umgang mit dem Computer zu lernen. Ich denke, dass unsere Kinder der Grundschule, die heute bezüglich der Kenntnisse der Sprache und der Mathematik einen hervorragenden Platz auf der Welt einnehmen, mit der Ganztagsschule im ganzen Land ihre Kenntnisse verdreifachen werden. Jetzt werden die der Mittelschule, die vorher keine Ganztagsschule hatten, ihre Kenntnisse vervierfachen.
Wenn ich euch etwas erzähle, werdet ihr mir nicht glauben. Oft, in den ersten Nachmittagsstunden und wenn die Zeit es mir erlaubt, sehe ich den Unterricht im Fernsehen, und erinnere mich, was ich gezeigt bekam, als ich in der zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten Klasse war, die Sprache, die Mathematik, die Geographie, die Geschichte usw. und wunder mich über die Dinge, die man in einer halben Stunde lernen kann.
Eben gerade gestern beobachtete ich so um 14 Uhr eine TV-Unterrichtsstunde Geographie, und ich kann euch versichern, dass ich in kaum einer halben Stunde einige Sachen über den Planeten, über die Erde, gelernt habe: Wie sie vor 350 Millionen Jahren war, wie sie vor 300 Jahren war, wie vor 250, und so weiter. Zuerst erscheint eine Masse, so als ob jemand z.B. Tinte auf ein Blatt wirft und es erscheint ein kompakter Fleck. Die Erde als Ganzes, war wie der Fleck vor 350 Millionen Jahren. Anschließend erläutert man und zeigt Bilder, wie die folgenden Etappen waren, wie diese Masse sich teilte und die jetzige Konfiguration des Planeten entstand, diese gesamte Landkarte, die ihr heute von jeden einzelnem der Kontinente beobachten könnt.
Anschließend erläutern sie, was die Erdkruste ist, welche die gesamte Erdkugel umgibt, unter der Meeresoberfläche und auf dem Festland, wie sie war, wie sie sich das Relief jedes einzelnen Kontinents herausgebildet hat, wie die Gebirge entstanden, und mit technischen Mitteln zeigt man heutzutage den Meeresgrund, seine Täler, seine Gebirge, wie die Bewegung dieser Kruste ausgehend von dem, was man Magma nennt und welches das größte Volumen des Planeten einnimmt, zustande kommt. Oder wie der Himalaya durch diese Bewegungen entstand, wodurch die Vulkane hervorgerufen werden, welche Faktoren die Erdbeben bestimmen. Und in dieser Zeit konnte ich Dutzende von Farbbildern sehen, mit allen Details, mit klaren Erläuterungen, und wie gern wäre ich jetzt in der siebten, achten und neunten Klasse.
Ich habe mich erneut gewundert, erneut glücklich gefühlt, als ich die Perspektiven der Methode, die wir bei der Ausbildung von fast einer halben Million Schülern unserer Mittelschulen anwenden, feststellte. Wir arbeiten weiter sehr aktiv daran, damit die Zulieferung eines kräftigen Imbiss zu Mittag auf alle Mittelschulen des Landes ausgeweitet wird. Wir hoffen, dass wir dieses Ziel zu Beginn des folgenden Schuljahrs im September 2004 erreichen können, d.h. in 8 oder 10 Monaten, ein Frühstück, das 41% der Proteine beinhaltet, die ein Kind dieses Alters benötigt, und außerdem kostenlos.
Was kann ein ehrenhafter Mensch, ein ernster Mensch, ein anständiger Mensch denken, wenn er ein Kabel über jene Banditen liest, die darüber diskutieren und Formeln ausdenken, wie man Kuba noch mehr erdrosseln, wie man die Blockade verschärfen kann, um zu verhindern, dass die Kinder immer mehr Bücher, immer mehr Lehrmaterial, immer mehr und bessere Lebensmittel haben?
Vielleicht ignorierten sie vollkommen, dass ich zwei Tage vor dieser grotesken und zynischen Zusammenkunft des vielbesprochenen Komitees einen konstruktives Treffen mit mehr als 600 Studenten und Dozenten aus 239 Universitäten der Vereinigten Staaten hatte. Ich kann euch versichern, dass jene jungen Leute, die an einem Programm teilnehmen, dass sich Semester auf dem Meer nennt und zweimal pro Jahr stattfindet, durch ihre menschliche Tugend und Anständigkeit beeindrucken. Es ist ohne Zweifel eine Jugend, die aus den Universitäten mit den größten Kenntnissen und politischen Kultur der Welt hervorkommen wird. In den letzten Jahren habe ich mich mit 4 000 von ihnen versammelt und ausgetauscht.
Es gab unter den Präsidenten der Vereinigten Staaten während dieser Revolutionsjahre jemand, der sich damit brüstete, in seinem ganzen Leben nur ein einziges Buch gelesen zu haben, und es kann irgend einen anderen geben, der vielleicht nur zwei oder drei gelesen hat. Vielleicht ist das seltsamste an Situationen wie diesen, dass Leute, die über eine Macht verfügen, die die Welt in wenigen Stunden zerstören kann — hört gut zu — mit einer Macht, die in der Lage ist, alle Nationen der Welt in wenigen Stunden zu zerstören, weniger politische Kultur besitzt — ich spreche nicht einmal von Gefühlen — als die Schüler dieser Grundschule „Marcelo Salado". (Beifall) Und ich übertreibe nicht, ich habe die Lehrer nicht mit einbegriffen, denn unsere Lehrer sind bei dieser Materie echte Weise gegenüber von jenen, die so eine monströse Gewalt innehaben und überhaupt keine moralischen und ethischen Prinzipien besitzen. Den Unterschied zwischen der Wahrheit und der Lüge gibt es für sie nicht.
Das ist die Realität dieser Welt: ein globalisiertes und unhaltbares System der Ausbeutung und Plünderung aller Völker der Dritten Welt, das sich nach barbarischen Normen ohne jegliche Skrupel richtet. Deshalb sage ich, wenn ich an die Treffen mit den jungen US-amerikanischen Studenten denke, dass die Henker, die ein Genozid gegen Kuba versuchen, nicht nur dem Mut dieses Volkes gegenüberstehen würden, seiner Entscheidung, zu siegen oder zu sterben, der Entscheidung, mit mehr Willenskraft, Entschlossenheit und Erfahrung als je die Verteidigung des Vaterlands und der Revolution fortzusetzen, sondern hätten es mit dem eigenen US-amerikanischen Volk zu tun, gegenüber dem wir eine wachsende Sympathie spüren.
Es lohnt sich, sich an die große, an jenem 5. Dezember begonnene Schlacht zu erinnern, denn ich kam in diese Schule am 6., am Vortage hatte der Kampf vor der US-Interessenvertretung begonnen, und zwar durch Tausend Jugendliche der wissenschaftlichen Studentenbrigaden, die nach Beendigung einer Versammlung zur US-Interessenvertretung marschierten und von einem Jeep aus die erste Anklage aussprachen.
Wir können nicht vergessen, wieviel Monate jene Schlacht gedauert hat, und wie am Ende 80% des US-amerikanischen Volkes sich dieser großen Ungerechtigkeit bewußt wurde und die Rückkehr jenes kleinen Kameraden unterstützte, dessen Abwesenheit uns allen, dem gesamten Volk von Kuba, soviel Schmerz und Kampfentschlossenheit verursachte.
Wir begannen eine schwierige Schlacht inmitten der Lügen und Verleumdungen gegen unser Land; aber wir waren entschlossen, sie zu gewinnen. Und wir hätten sie gewonnen, daran soll keiner zweifeln. Unser Volk hätte diese Schlacht ohne Gewalt, auf der Grundlage der Wahrheiten, von Argumenten, von Gründen gewonnen, und mittels der Möglichkeit, der Welt die Wahrheit zu übermitteln; und nicht nur die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten gab uns mehrheitlich recht, sondern die öffentliche Meinung der ganzen Welt.
Aber die Schlacht war begonnen worden und es war klar, dass wir nicht in jenem Moment anhalten konnten, als jene Ungerechtigkeit wiedergutgemacht worden wäre, denn das Wichtige, das Essentielle waren alle die Ursachen, die unserem Volk so viel Schaden zugefügt haben, die Verluste von so viel Menschenleben von Männern, Frauen, Jugendlichen, Kindern und Greisen: der häufige Missbrauch, die Bedrohungen, die Blockaden, die Söldnerattacken, die Sabotagen, der Krieg der reichsten und mächtigsten Gewalt der Welt gegen eine kleine Insel, 90 Meilen von ihr entfernt.
Sie konnten weder die Entwicklung der Revolution, noch ein menschliches Werk, das nicht Seinesgleichen in der Geschichte kennt verhindern. Dies ist ein Land der Ehre, des Schamgefühls, das einen Kampf mit erhabenen Prinzipien begonnen hat, denen es immer treu gewesen ist, seit wir den ersten Kampf gegen die Tyrannei begonnen haben. Ein Land, das während 25 Monaten Krieg niemals einen Kriegsgefangenen mißhandelt, der die Waffen niederlegte, diesen niemals geschlagen hat, niemals aufgehört hat, ihn respektvoll zu behandeln, oder einen Verletzten zu behandeln, und das oftmals vorzugsweise bei gravierenden Fällen. Wir gaben ihnen Arzneien trotzdem wir in der Sierra Maestra blockiert waren.
Man darf die Moral, die Prinzipien nicht vergessen. Unsere Prinzipien haben sich bis jetzt nicht verändert.
Wenn man im Fernsehen Nachrichten über Europa anschaut, sieht man jedes Mal, wenn es einen Streik oder sozialen Konflikt gibt, nichts anderes als Männer mit Schutzanzügen, die Tränengas bzw. mächtige Wasserstrahlen lancieren, riesige Pferde, die über die Leute herfallen und Schläge aller Art auf Bürger, die gegen alte und neue Missbrauchhandlungen protestieren. Unser Land kann es sich leisten, jeden einzelnen so zu bezeichnen, wie man ihn bezeichnen muß, sowohl die Banditen, die unzählige Verbrechen gegen Kuba begangen haben, als auch die scheinheiligen europäischen Regierungen, die Komplizen der Vereinigten Staaten bei ihren Aggressionen gegen Kuba sind, und uns androhten, eine „humanitäre Hilfe" zu streichen, die es nicht gab, die nichts weiter als eine schamlose Lüge war, die außerdem den Charakter eines Almosens annahm.
Sie kauften bei uns ungefähr für 500 Millionen Dollar und wir kauften bei ihnen mehr als 1,5 Milliarden. Wenn man auf konservative Art die Gewinne berechnet, die sie durch den ungleichen Austausch mit uns einnahmen, erhielten sie von Kuba nicht weniger als 400 Millionen Dollar Reingewinn. Die sogenannte „humanitäre Hilfe" wurde über Jahre diskutiert, und die Vertreter, die solche Hilfen diskutierten, logierten in den besten Hotels, reisten in den besten Fluglinien, ein Großteil der Gelder wurde hierzu aufgewendet, und außerdem beschlossen sie, was mit der Hilfe zu tun war und wie das zu tun war.
Ich gestehe euch, dass wir normalerweise die sogenannte „humanitäre Hilfe" aus Gründen der guten Erziehung, aus Höflichkeit annahmen, und dass wir keine dieser Hilfen, knauserige Ziffern, für alles das, was wir getan haben, gebraucht haben. Und mit dieser „humanitären Hilfe" versuchen sie, ihr schmutziges Gewissen der Jahrhunderte, die sie die Welt ausgebeutet haben und weiter ausbeuten, zu waschen.
Die in diesen vier Jahren der Ideenschlacht verwirklichte Heldentat haben wir ausschließlich mit unseren Ressourcen erreicht. Es ist kaum 1% der jährlichen Devisenausgaben, und es fand wirklich eine tiefgehende Revolution in vielen Lebensaspekten stattgefunden, die eine große Transzendenz haben werden.
Was ist es, was die Banditen, die Gauner, welche die Politik gegen Kuba ausarbeiten, und von denen mehrere eine beschämende Geschichte von Unsittlichkeiten, von Mittäterschaft mit der Terrormafia von Miami aufzuweisen haben, nicht wollen?
Sie wollen einfach nicht, oder sind erschrocken — anders kann man es nicht erklären — über das wachsende Ansehen von Kuba. Sie haben keinen auch noch so kleinen Punkt, um es anzugreifen. Sie müssen alles auf der Grundlage von Lügen und schamlosen Verleumdungen rechtfertigen.
Sie sind sogar so weit gegangen, uns zu beschuldigen, biologische Waffen zu produzieren. Ein Land, dessen Forschungszentren vollkommen auf die Forschung für die Arzneimittelproduktion gerichtet sind, um Menschenleben zu retten, das Impfstoffe entwickelt hat, die ich weiß nicht wie viele Menschen auf der Welt vor Krankheiten oder vor dem Tod schützen, das neue Mittel und Techniken entwickelt, um schwerwiegende Gesundheitsprobleme, die heutzutage die Menschheit erleidet, zu bekämpfen; das die geringsten AIDS-Kennziffern der Welt besitzt, das Lösungen zur Vorbeugung oder Heilung von bösartigen Tumoren sucht. Ein Land das in vielen Richtungen voranschreitet; ein Land, das trotzdem es über eine gesundheitliche Betreuung verfügt, die über der von jeglichem anderen steht, diese Dienstleistungen verändert, verwandelt und verbessert, was uns unvermeidbar nicht nur über die von den Vereinigten Staaten oder jeglichen anderen Industrielandes stellen wird, sondern dass wir bei diesem Vergleich ihnen drei Runden Vorsprung herausholen werden. Sie könne uns unmöglich erreichen. Das halten sie nicht aus; die Eitelkeit, der Stolz, die Anmaßung lassen das nicht zu. Nun, sie werden es aushalten müssen! Das verspreche ich im Namen des Volks von Kuba! (Beifall)
Ach! Sie hegen große Hoffnungen — und dort in den Kabelnachrichten steht es, unter vielen anderen zynischen Erklärungen — dass sich das bald lösen wird. Ach ja, denn sie berechnen die Lebenssekunden, die mir verbleiben, ohne dass die sehr Stupiden sich daran erinnern, dass es sich um einen revolutionären Leader handelt, der das Privileg gehabt hat, die Jahre, die er gelebt hat, trotz der unzählbaren in den Vereinigten Staaten geschmiedeten Mordpläne zu leben.
Außerdem haben sie das Pech gehabt, dass ich scheinbar Langlebigkeits-Gene besitze. (Beifall) Ich lebe unbesorgt und habe immer unbesorgt bezüglich der Fragen von Leben oder Tod gelebt. Es geht nicht um Mut; ich weiß gut worum es geht. Ich habe keine Autobiographie geschrieben, aber was ich an Erinnerungen aufbewahrt habe, könnte ich fast ein Gebäude wie dieses mit Compact Disc füllen. (Lachen)
Und warum sage ich, dass ich ruhig bin und jedes Mal ruhiger? – werden sich einige fragen. Einfach weil diese Revolution nicht von einem einzelnen Individuum abhängt, nicht von zwei, oder drei. Aber im Weißen Haus unterhalten sie sich, als ob sie den Tag kenne würden, an dem ich sterben werde. Beim Töten sind sie Experten, das weiß man. Ob ich mich ein bißchen mehr vorsehen sollte, um ihnen die Aufgabe nicht zu erleichtern? Niemand weiß, wieviel sie schon ermordet haben. Eines Tages wird man es erfahren, wenn bestimmte Dokumente freigegeben werden oder es jemand aufdeckt. Aber es ist besser, keine Zeit damit zu verlieren. Das war schon immer so.
Einer der Teilnehmer an der historischen Versammlung erklärte: „Wir sehen das Regime jedes Mal schwächer. Es hängt fast ausschließlich von der Persönlichkeit einer einzigen Person ab. Jene Person ist immer älter und um seine Gesundheit ist es nicht gut bestellt."
Das ist zum Lachen. Zu diesem Zeitpunkt festzustellen, dass eine Person mit jeder Minute die vergeht, älter wird, verdient einen Nobelpreis! Und was für eine große Ehre, was für eine Auszeichnung! Sie ist viel größer als die Freiheitsstatue, jene die am Eingang von New York steht, das riesige Monument. Ich befürchte, dass sie weiter wachsen wird, so weit, dass sie an den Mond stößt, und zwar die Ehre einem einzelnen Individuum anzurechnen, Ursache seiner Frustration, seines Scheiterns, seiner Niederlagen zu sein, der unerhörten Tatsache, dass das übermächtige Imperium an den angeblichen Fähigkeiten eines Individuums gescheitert ist, indem es ihm alles zuschreibt, was Ergebnis des unbeugsamen und außerordentlich heroischen Geistes seines Volkes ist.
Die Anmaßung macht sie blind und der Hass erlaubt ihnen weder zu sehen noch zu verstehen, was die ehemalige Halbkolonie heute ist, wo 90% der Personen Analphabeten oder Halbanalphabeten war, gegen dessen Kultur die Verrücktheit, die Impotenz und die Ignoranz derer, die das Imperium leiten, zerschellen.
Diesem Volk hat man während mehr als einem halben Jahrhundert gelehrt, dass die Unabhängigkeit, um die sie so sehr kämpften, nicht Werk von Cespedes, Agramonte, Martí, Gómez, Maceo und von so vielen anderen zehntausenden außerordentlichen Kämpfern wäre, nicht Ergebnis des Patriotismus eines Volkes wäre, das, als es etwas mehr als 1 Million Einwohner zählte — von denen ein Teil Spanier waren, und wo die Eigentümer der Großplantagen kubanischer Herkunft auf der spanischen bzw. der Annexionsseite standen —, und inmitten einer Sklavenhaltergesellschaft während 30 Jahren gegen feindliche Kräfte kämpfte, die bis zu 300 000 Soldaten erreichten. Ich bin aufrichtig überzeugt, dass kein Volk so eine Heldentat vollbrachte. Und als jene dekadente spanische Macht schon besiegt war, intervenierte die US-Regierung mit ihren Kräften dieses Land, und zwar mit dem größten Opportunismus der Welt und unter dem Vorwand eines humanitären Werks, und besetzte es 4 Jahre lang, bemächtigt sich aller seiner Reichtümer und verwandelt uns in eine Neokolonie unter den Klauseln der schändlichen Abänderung, die unserer Verfassung aufgezwungen wurde, und die ihnen das Recht gab, zu intervenieren und sogar ständig einen Teil unseres Territoriums zu besetzen und dieses auf Gutdünken auf unbestimmte Zeit besetzt zu halten, wie sie es noch in dem Militärstützpunkt Guantanamo tun, der heute in Weltgefängnis verwandelt ist, wo jegliche Legalität und das, was sie Menschenrechte nennen, verletzt werden. Uns schmerzt es, wenn auf der Welt von diesem schrecklichen Gefängnis gesprochen wird, das auf die Konzentrationslager der Nazis nicht neidisch zu sein braucht.
Als Konsequenz dieser Intervention halten sie immer noch mit Gewalt, diesen Militärstützpunkt besetzt. Sie besitzen in ihrem eigenen Gebiet Millionen Quadratkilometer. Sie haben dieses Gefängnis nicht dort angelegt, sondern hier, um Kuba zu demütigen.
Es gibt viele Länder die reklamieren, daß sich dort Staatsbürger von ihnen befinden, ohne Gerichtsverfahren oder jegliche Garantie, womit die elementarsten internationalen Normen verletzt werden.
Während das geschieht, wie ich schon erklärt habe, sind unsere fünf Genossen, die die terroristischen Aktivitäten gegen Kuba verfolgten und mit großem Risiko für sich selbst unser Land über diese kriminellen Verbrechen, die in den USA erzeugt und von dort aus geleitet werden, informierten und vorwarnten, harten und unmenschlichen Behandlungen in Hochsicherheitsgefängnissen unterworfen, unter erniedrigenden, widerrechtlichen, extrem willkürlichen Bedingungen, das alles dient nur dazu, die Bewunderung und den Stolz unseres Volkes, das beobachtet, wie sie unverbrüchlich ihre revolutionären Prinzipien und ihre Würde erhalten, zu vervielfachen.
Sie sollten sich sehr gut diese jungen Leuten anschauen und begreifen, daß sie hier Millionen wie sie finden werden. Gegen diese Insel könnten sie einen Regen von Nuklearbomben werfen, sie wird sich nie ergeben. Das ist ein Land mit heldenhafter Geschichte; ein Land, wo mehrere hunderttausend Einwohnern internationalistische Missionen erfüllt haben, die heute genügend militärische Kenntnisse haben, um es in eine Hölle für jeden Angreifer zu verwandeln.
Wir begannen die Kämpfe gegen das Batistaheer und seine Streitkräfte von über 85 000 Mann, mit nur einigen Gewehren, nur sieben. Die Geschichte ist gut bekannt: die Ehre, der Patriotismus, die Kapazität unseres Volkes, zu denken, zu meditieren, zu analysieren und sich an jede Art von Krieg anzupassen. Wir haben sogar schon im Jahre 1962 die Erfahrung durchlebt, unter der Bedrohung von hunderten von Nuklearraketen zu stehen. Wir haben aber nie einen einzigen Bürger gesehen, der deshalb schlaflose Nächte verbrachte oder sich beunruhigte.
Dieses Land verfügt über Millionen von Kämpfern und Millionen von Waffen, und es weiss ganz genau, wie sie im Falle einer Aggression benutzt werden müssen.
Es wäre sehr angemessen, wenn die intelligenten Strategen der Bedrohungs-, Blockade-, Erwürgungs-, und Aggressionspolitik gegenüber Kuba sich einige Minuten nehmen würden um nachzudenken, wie die Dinge in diesem Land sein würden, daß auch nicht einfach anzugreifen ist, und zwar aus verschiedenen Gründen: sie wissen, dass der Preis unbezahlbar wäre; sie wissen, daß das US-amerikanische Volk es nie rechtfertigen würde, weil, obwohl viele Lügen und Vorwände erfunden werden, um es zu täuschen, es sich immer mehr den Illegalitäten, Willkürlichkeiten, und Eroberungskriegen entgegenstellt; sie wissen, daß das US-Volk immer besser den Unsinn und die Unwahrheiten dieser Regierung begreift. Und ich warne euch, daß ich sie im Moment gut behandele. Die vorhandene Menge an Beurteilungselementen wäre genügend, um sie unauslöschlich in der Geschichte zu markieren. Der Tote kann noch mehr Sachen tun, bevor er stirbt!
Aber sie haben einen anderen unverschämten Unsinn gesagt. Die kleine Gruppe versammelte sich und ein Trottel hat öffentlich erklärt, daß sie nicht nur alles taten, um die Revolution so schnell wie möglich zu stürzen, es ginge nicht nur darum, sondern sie wollten auch auf jeden Fall verhindern, daß ein anderer revolutionärer Leader das Land regiere, dafür würden sie sorgen, eine klare Referenz auf eine militärische Aktion.
Es scheint, daß sie uns die von Miami herbringen möchten, wer weiss, welche Dämonen, welche Banditen, welche Verkommene es sein sollen, als ob man so mit der Möglichkeit rechnen könnte, dieses unbezwingbare Land zu regieren. Wissen sie es nicht, oder rauchen sie Marihuana — anders kann ich es nicht verstehen —, oder leben sie die ganze Zeit, indem Sie sich mit irgendwelchen Mischungen betrinken?
Sie sprechen, als würden sie wirklich glauben, daß diese Revolution Morgen fallen wird, daß dieses Land nicht überleben kann. Sie sehen den Grund, die Realität und die Kraft der kubanischen Revolution nicht!
In unserem Land werden auch Fehler gemacht, ich behaupte nicht das Gegenteil; und ich weise ständig daraufhin, warne und fordere zur Analyse auf, ich verlange Berichtigungen.
Wir kennen unsere Leute sehr gut. Unser Feind ignoriert, daß sie Millionen Leader antreffen werden; sie werden ein ganzes Volk in Leader umgewandelt vorfinden, sogar die Kinder; sie werden eine politische und revolutionäre Kultur vorfinden, wie sie bis jetzt kein anderes Land gehabt hat; sie werden finden, daß es nie einen politischen Prozess mit größerer Unterstützung gegeben hat, wie ihn diese Revolution genossen hat.
Sie werden endlich verstehen, daß es nicht mittels der Kraft, oder mit Feuerwehrwagen, oder mit Männern in Schutzanzügen, oder mit Tränengas, oder sieben Fuss hohen Pferden und Schlägen ist, wie wir hier in unserem Land die Ruhe erhalten, daß den unverbesserlichen Rekordinne hat, nie die Gewalt gegen das Volk benutzt zu haben.
Sie wissen, daß das die Wahrheit ist, genauso wissen sie, daß hier niemals jemand gefoltert wurde, daß hier nie jemand Opfer eines Todesschwadrons war und, dass solche Institutionen hier nicht existieren; sie wissen, daß hier nie außergerichtliche Hinrichtungen durchgeführt wurden; sie wissen, daß hier in den 45 Jahren der Revolution nie ein politischer Mord begangen wurde, was einen olympischen Rekord darstellt und sehr schwierig sein wird, in den folgenden Jahren nachzuahmen; sie wissen, daß bei den Unruhen von 1994, an jenem 5. August, kein Polizist bewegte wurde, kein Feuerwehrwagen oder etwas ähnliches. Ich war persönlich dort, auf dem Vordersitz eines Jeep´s und nachdem ich den neun Männern, die bei mir waren, ausdrücklich befohlen hatte, nicht die Waffen zu benutzen, stieg ich dort aus, wo sich eine Gruppe von wirklich verbitterten Menschen befand, von sehr am Rande der Gesellschaft lebenden Personen, denen man über den offiziellen subversiven Rundfunk von den USA aus angekündigt hatte, daß man sie in Booten abholen würde.
Sie ließen sich provozieren, waren sehr verärgert und begannen Steine zu werfen. Niemand bewegte sich, weil das Erste, was ich befohlen hatte war, daß keine zuständige Behörde auch nur einen einzigen Zug Soldaten oder Polizisten dorthin schicken sollte. Als ich dort ankam, wo sie waren, endeten die Unruhen in Sekundenbruchteilen. Es kamen viele Leute aus allen Richtungen und die Steinwerfer selbst begannen zu applaudieren. Wir gingen bis zum Hafeneingang, es war ein Meer von Menschen, niemand weiss, von wo sie kamen, wir wechselten in Richtung Malecón und gingen ihn eine ganze Weile entlang. Es war das einzige Mal, daß es in 45 Jahren eine Unruhe gab. Es gab keinen einzigen Schuss, es gab kein Tränengas, keinen einzigen Schlag, keine Verletzten. Es ist die Kraft der Moral, es ist die Kraft der Würde, es ist die Kraft der Prinzipien. Es ist das erste Mal, daß ich öffentlich über meine persönliche Beteiligung bei diesen Ereignissen spreche.
Deswegen glauben sie vielleicht, daß 15 Minuten nach meinem Tod die Revolution zusammenstürzen wird; sie wissen nicht oder wollen es nicht wissen, daß es Millionen von Menschen in diesem Land mit Kenntnisse gibt, die nicht Analphabeten sind, die mehr über Politik wissen, als jene Herren, viel mehr, unendlich mehr; die über die menschliche Psychologie wissen, die über den traditionellen Patriotismus unseres Volkes wissen, die fähig sind, das zu tun, was diese heldenhaften Genossen im Schloße des Monsters tun, die Gefangenen des Imperiums; sie wissen, dass dieses Land viele hunderttausende Männer zählt, die freiwillig an den schwierigsten Orten internationalistische Missionen durchgeführt haben, daß wir Heute 300 000 Professoren und Lehrern zur Verfügung haben, und das die Nachfrage für freiwillige Lehrer, um an jedem Ort der Welt zu lehren, eine sofortige Antwort von mehreren Zehntausenden haben würde.
Für Nicaragua stellten sich 30 000 freiwillig zur Verfügung, und als dort einer von ihnen Ermordet wurde stellten sich 100 000 zur Verfügung. Das ist dieses Volk: tötet einen Kubaner, und sofort kann man Freiwillige anfordern, um kämpfen zu gehen; tötet einen Kubaner, begeht eine große Ungerechtigkeit gegen einen Kubaner und es wird Millionen von Kubanern geben, bereit ihr Leben opfern, wenn es sein muß, um Gerechtigkeit zu fordern oder der Ungerechtigkeit entgegenzutreten.
Es gab Banditen hier, die von ihnen organisiert worden waren und auf deren Konto Tausende Menschenleben gehen; es waren Terroristen aller Art; und es waren die Arbeiter und die Bauern dort im Escambray-Gebirge, 10 000 in Batallonen organisierte Arbeiter und Bauern, die letztendlich auch den letzten Banditen fassten.
Die Banditen ermordeten Alphabetisierungsaktivisten wie Manuel Ascunce und Lehrer wie Conrado Benítez; sie drangen ins Land ein; im Überraschungsangriff warfen sie Bomben aus Flugzeugen, die kubanische Insignien trugen, auf unser Volk, und das inmitten der Alphabetisierungskampagne, der weltweit ersten dieser Art, die in nur einem Jahr das Analphabetentum beseitigte. Heute gibt es Hunderttausende, etwa 800 000 Professionelle mit Universitätsdiplom, Millionen mit Berufsausbildung und ein ganzes Volk im Lernprozess. Ein Land, das die Hochschulbildung allgemein zugänglich gemacht hat; ein Land, das sich um eine integrale Allgemeinbildung bemüht; ein Land, das die für seine volle Entwicklung und für die Unterstützung anderer Länder erforderlichen Mittel aus dem Grad seines Wissens schöpft.
Es ist bekannt, dass eine sehr große Anzahl Ärzte in den Ländern Afrikas, der Karibik und Lateinamerikas an den unwegsamsten Orten ihre Pflicht erfüllen. Sie wissen recht wohl, dass Kuba drei Viertel der haitianischen Bevölkerung medizinisch betreut. Sie haben Bataillone, Bombenflugzeuge, Panzer, Raketen. Sie und auch andere starteten mehr als eine Invasion in jenes Land, doch keiner hat jemals einen Arzt nach dort entsandt, sie können ihn gar nicht entsenden. Die Vereinigten Staaten und Europa zusammen, zahlten sie auch noch so viel, würden niemals die mehreren Hundert Ärzte aufstellen können, die heute die haitianische Bevölkerung betreuen.
Unser Land hat auf allen Gebieten ein starkes Humankapital geschaffen. Das Bildungswesen nannte ich bereits; ich könnte noch vieles andere anführen; ich nannte die Kämpfer, die solidarischen Kameraden, deren es in den Jahren der Revolution Hunderttausende waren, die gefahrvolle internationalistische Missionen übernahmen.
Sie wissen, oder sie müssten wissen, was Kuba eigentlich ist und sollten sich nicht mit so viel Dummheit und Blödsinn abgeben. Sie sollten sich doch besser damit befassen, Whisky zu trinken oder irgend welche anderen Drinks und nicht bei jenen Zusammenkünften des Weißen Hauses, die uns ohnehin nicht einschüchtern, ihre Zeit verschwenden.
Außerdem sollten sie wissen, dass wir rücksichtsvoll gewesen sind, Wortklauberei und Wortgeklingel vermieden und für sie aufgehoben haben. Wenn sie jedoch diskutieren und debattieren wollen, dann sollten sie sich mehrere Brustpanzer aus Edelstahl besorgen, denn es mangelt ihnen am Argument, an einer Idee, an Moral, am Anhaltspunkt; so sieht es aus. Dieser ganze Klamauk nun, die Drohungen, damit ja kein US-Bürger hierher kommt, damit sie nicht nach Kuba reisen, damit sie Kuba nicht besuchen. Ich weiß nicht, worauf jene Raserei basiert. War es vielleicht jenes Treffen — es war das sechste — mit den US-amerikanischen Studenten aus 239 Universitäten? Intelligente junge Menschen und keineswegs Kinder aus armen Familien; denn diese Art Aktivitäten kosten Geld, sie müssen bezahlt werden. Dieses Programm war eine ausgezeichnete Idee der Universität Pittsburg. An diesen Unternehmungen des Kennenlernens, was in der Welt passiert, nehmen Vertretungen von Hunderten der besten Universitäten der Vereinigten Staaten teil. Denn es ist wichtig, sehr gut zu unterscheiden, zu sehen. Jene Teilnehmer der Zusammenkunft im Weißen Haus würden es nicht wagen, sich mit diesen US-amerikanischen Studenten zu treffen.
Ich kann ihnen empfehlen, sich mit den mehr als 600 Studierenden und Dozenten zu treffen, mit denen ich vier Stunden lang im Kongresspalast gesprochen habe, und mit ihnen zu diskutieren, wenn sie wissen wollen, wie es in der Welt aussieht; wenn sie wissen wollen, wie es in Kuba aussieht und welche ihre Eindrücke sind und dass dieses nicht ein Volk von Fanatikern, sondern ein Volk gebildeter und zivilisierter Menschen ist; dass dieses vielleicht das einzige Land ist, in dem niemals eine US-amerikanische Flagge verbrannt wurde als eine der Handlungen, mit denen viele Menschen ihrer Leidenschaft oder ihrem erlittenen Unrecht Luft machen. Das ist hier niemals vorgekommen, denn die unsere ist eine Revolution mit Erziehungscharakter, eine Revolution mit Prinzipien, eine sich auf der Basis von Ideen gestaltende Revolution, die nicht das US-amerikanische Volk dessen beschuldigen darf, was seine Regierungen gegen unser Land unternehmen.
Sie hingegen geben allem Anschein nach die Schuld den Kindern, den Kranken, den alten Menschen, jenen, die leiden, denn was bezweckten sie sonst mit all den Maßnahmen der Blockadeverschärfung und anderen?
Ich sagte bereits, sie haben keine Vorstellung vom Umfang der Unterstützung der Revolution durch das kubanische Volk; und wir kennen ihn mit Millimetergenauigkeit. Seit vier Jahren betreiben wir tägliche Ermittlungen zur Meinungsbildung. Wir sehen, wie sich in diesen Jahren die Kenntnisse und das Bewusstsein unseres Volkes erweitert und vertieft haben. Wir sehen die Vorwärtsentwicklung sämtlicher Programme, der vielen Dutzenden sozialer, kultureller, erzieherischer und künstlerischer Programme.
Vor vier Jahren gab es noch keine Schulen für die Ausbildung von Lehrern in Kunstdisziplinen. Als ich nun heute Nachmittag diese jungen Kunstlehrerinnen sah, die aus diesen Schulen kommen — der einzige Ort, von den die Gefühle und Werte ausgehen können, die uns zu menschlichen Wesen machen, oder die Kenntnisse, die in uns produktive und kreative Fähigkeiten schaffen — dachte ich daran, wie wertvoll es doch ist, dass wir heute über 16 000 Studierende verfügen, die zum Studium an diesen Kunstlehrerschulen ausgewählt wurden und dass wir in den folgenden acht Monaten bereits mit den ersten Absolventen rechnen können.
Uns ist bekannt, was die Schüler des dritten Unterrichtsjahres dieser Schule in der UCI taten, der neuen Universität; der starke Eindruck, den sie dort hinterließen. Ihre Schüler sollen also nicht resignieren und sich nicht damit zufrieden geben, dass man ihnen andere Lehrer schickt, die nicht zu jenen zwanzig gehören, die dort waren. Bereits im nächsten Septembermonat wird es in unserem Land etwa 3500 geben. Nach deren Abschluss werden weitere 16 000 ihr Studium fortführen oder beginnen. So wird es also pro Jahr nicht weniger als 3500 Absolventen geben und eine jährliche Immatrikulation von etwas über 4000; denn wenn auch einige die Schule nicht beenden konnten, so werden wir doch nicht nur 4000 Neuaufnahmen haben. Wir kennen die verfügbaren Kapazitäten; die Schule wird stets voll ausgelastet sein.
Mit dem, was wir heute gesehen haben, kann man sich recht gut vorstellen, wie es sein wird, wenn wir über 10 000, über 20 000 Absolventen verfügen.
Doch noch etwas: Die Kunsthochschule erhält Unterstützung und Auftrieb. Es wird investiert. Sie genießt großes Prestige und wird eine der weltbesten Kunsthochschulen sein.
In unserem Land gibt es heute zum Beispiel in der Hauptstadt die Nationale Ballettschule, und 4100 Kinder aus einfachen Familien erhalten auf Beantragung ihrer Eltern an zwei Tagen pro Woche Unterricht im klassischen Tanz, erteilt durch Lehrerinnen, die zu den besten der Welt zählen. Gleichzeitig erhalten hier etwa 300 Schüler eine professionelle Ausbildung. Die Kapazität der Schule beträgt 300. Busse holen die Laientänzer und -tänzerinnen ab, fahren die von der Schule vorgeschriebene Route, also sie holen sie ab und bringen sie vollkommen sicher wieder zurück, und das trotz Blockade und allen anderen imperialistischen Lumpereien. Die Kosten liegen bei knapp 30 000 Dollar pro Jahr, auch bei dem verteuerten Brennstoff. Das heißt also, diese Möglichkeit für die Kinder, ganz gleich in welchem Stadtbezirk Havannas sie leben, bedeutet Transportkosten von nur annähernd sieben Dollar pro Kind und Jahr. Auch verbreitet und fördert die gleiche Schule der Ausbildung von Berufstänzern ein sehr wertvolles kulturelles und künstlerisches Wissen.
So etwas gibt es sonst nirgendwo. Damit sollten sich jene Personen befassen. Dafür sollten sie ihr Geld verwenden und nicht für Völkermord, Eroberungskriege auf der Suche nach Erdöl und anderen Rohstoffen, die sie unter ihre absolute Kontrolle zu bringen trachten.
Man schaue nach, ob sie etwas derartiges tun. Man überzeuge sich, was in den New Yorker Ghettos der Afroamerikaner geschieht, oder in den Städten Floridas und Kaliforniens, wo viele Millionen Menschen die Mittel für Bildung und Gesundheit entbehren müssen.
Es gibt keinen Anhaltspunkt, kein Beispiel, das sie der Welt nennen können, um mit dem Werk dieser Revolution verglichen zu werden. Es wäre dieser ein Vergleich zwischen Hölle und Himmel.
Heute empfinden wir den Mut und die Genugtuung darüber, für die Armen einen Himmel errichtet zu haben. Wir empfinden das Glück, für unsere Bürger die Tore der Hölle geschlossen zu haben. (Beifall) Wir empfinden das Glück, beim Kreieren eines Modells zu sein. Wir empfinden das Glück, Beweise dafür anzutreten, was der Mensch zu tun fähig ist; dass Gerechtigkeit möglich ist; dass der Intellekt, mit dem der Mensch zur Welt kommt, wird er gut ausgebildet, in die Nähe von Ergebnissen rücken könnte, die in der Menschheitsgeschichte bis heute reine Utopie sind. Wir empfinden die Genugtuung der Umwandlung einer Utopie in Realität.
Diese ist die Absicht, mit der wir alle jene widerwärtigen Meldungen jener widerlichen Kreaturen lesen, die zusammen kommen, um kriminelle Träume zu ersinnen. Wenn sie dann die für sie angenehme und für mich ruhige Nachricht erhalten, dass die bescheidenen Anstrengungen, denen ich mein Leben gewidmet habe, zu Ende sind, werden Millionen Kubaner, ebenso revolutionär wie wir und viel gebildeter und geschulter als wir, ein vereintes und kampferprobtes Volk, die Revolution weiter voran bringen.
Mit voller Klarheit sehe ich — es zeigt sich an allen Dingen —, dass die Kinder der ersten, der zweiten und der dritten Klasse wohl zu beneiden sind. Die Jahre vergehen. Es ist erst vier Jahre her, dass die Ideenschlacht begann; und für die Auflistung aller seitdem geleisteten Dinge, der Tausenden und Abertausenden von Aufgaben und Maßnahmen zur Umsetzung der begonnenen Programme benötigt man fast schon ein Telefonbuch.
Ich erwähnte die Schulen, an denen insgesamt 16 000 gut ausgewählte Studierende den Beruf eines Kunstlehrers erlernen. Ich könnte die Schule für Krankenpflege im Intensivkurs nennen, zu der es kam, als sich in der Hauptstadt eine Mangel an Pflegepersonal zeigte. Ich könnte die vier neuen Schulen für Sozialarbeiter nennen mit einer Kapazität von insgesamt 7200 pro Jahr plus die 14 000 Absolventen, die heute bereits arbeiten. Als die Ideenschlacht einsetzte, gab es davon noch gar nichts.
Ich könnte phänomenale Fakten nennen wie den der Reduzierung der Anzahl der Grundschüler pro Lehrer auf höchstens 20. Ich hätte die 2500 Schulen nennen können, die ihren Strom aus Solarzellen beziehen und hätte sagen können, dass es nicht eine einzige Schule gibt, der für ihre audiovisuellen Geräte, die Fernsehgeräte und die PC’s, der Strom fehlte. Man könnte die Projekte erwähnen, die wir in den zur Zeit laufenden Programmen des Gesundheitswesens zu Hunderten und, zählten wir die kleinen, zu Tausenden realisieren. Man könnte die 100 000 Studierenden der integralen Ausbildungsschulen für Jugendliche nennen. Nichts dergleichen gab es vor vier Jahren..
Wir könnten das in Beschäftigung umgewandelte Studium nennen und die Herabsetzung der Arbeitslosigkeit aus unter 4 %, was faktisch mit einer Vollbeschäftigung gleichzusetzen ist, und das in Zeiten, da die Welt eine sehr hohe und noch steigende Arbeitslosenzahl verzeichnet.
Wir könnten die Anzahl der Bücher nennen, die gedruckt wurden, die Anzahl der Schulen für Malerei und andere künstlerische Aktivitäten, die neu errichtet wurden und noch werden. Es könnte der Bildungskanal des Fernsehens genannt werden, einer der Kanäle des Landes mit dem stärksten Rating, und dass wir in drei bis vier Monaten einen zweiten Bildungskanal ebenfalls für das gesamte Land haben werden.
Wir könnten die Universität für Alle erwähnen. Wir könnten die Immatrikulation zum Hochschulstudium von mehr als 100 000 Studierenden erwähnen. Nichts dergleichen gab es vor vier Jahren.
Wir könnten erwähnen, daß gegenwärtig 29 000 Ärzte sich mit Arbeiten zur Erlangung eines wissenschaftlichen Grades befassen, dass einige Tausend von ihnen als internationalistische Gesundheitshelfer unter schweren und harten Bedingungen tätig sind und auch in jener Umgebung ihre Studienarbeit fortsetzen unter Zuhilfenahme neuer Methoden, die wir entwickelt haben, Videotechnik, Fernsehen, die erschöpfende Nutzung dieser Mittel, der Computer und interaktiven Erziehungsprogramme, wodurch die Kenntnisse vervielfältigt werden.
Bald werden wir von nicht nur 51 000 Fachärzten, darunter etwa 30 000 Fachärzte der integralen Allgemeinmedizin, unserer insgesamt fast 70 000 Ärzte sprechen. Wir werden von Hunderttausenden Ärzten mit wissenschaftlichem Grad sprechen. In unserem Land liegt die Pro-Kopf-Anzahl der Ärzte bereits viel höher als in den Vereinigten Staaten, liegt die Pro-Kopf-Anzahl der Lehrer viel höher als in den Vereinigten Staaten; und natürlich erscheint im Bruttoinlandsprodukt ihr Beitrag fast nicht, denn ihre Leistungen sind kein kommerzielles Produkt; sie sind vollkommen kostenfrei.
Auch die Freizeit-, Kultur-, Kunst- und Sportaktivitäten werden weiter entwickelt. Das Land wird voller Schulen und Museen sein.
Heute — ich habe mich etwas verspätet — werden wir in Cárdenas ein sehr schönes Museum einweihen. Cárdenas nimmt im Herzen des kubanischen Volkes, in unser aller Herzen einen ganz besonderen Platz ein; denn hier begann diese Schlacht, die so viele Früchte trägt und zur Schaffung der gerechtesten Gesellschaft der Erde in einer Rekordzeit noch so unendlich viele Früchte tragen muss. Das Werk der Revolution, errungen im Verlaufe der langen Zeit unter so vielen Opfern und mit dem Blut so vieler edler Menschen, lässt nicht den geringsten Zweifel darüber zu, dass sie die Insel und alles Leben dieser Insel vom Antlitz der Erde fegen, jedoch nicht erreichen können, dass Kuba vor ihren Erpressungen, ihren stupiden Forderungen, ihren Drohungen auch nur eine Daumenbreite weicht.
Tut es, wenn ihr es wagt! Fegt uns vom Antlitz der Erde! (Beifall). Die möglicherweise viel schneller verschwindet als sie glauben ist diese ungerechte und brutale Ordnung mit der sie heute die Welt immer stärker unterdrücken und ausbeuten ohne jegliche Hoffnung für die Zukunft einer Menschheit, die sich in 150 Jahren um das Sechsfache gewachsen ist, Berechnungen zufolge von einer Milliarde auf 6,3 Milliarden. In fünfzig Jahren werden es zehn Milliarden sein auf einem zunehmend verheerten Planeten, auf dem die nicht erneuerbaren Ressourcen verschwendet, die Atmosphäre, die Luft und die Meere verschmutzt werden. So könnte mathematisch bewiesen werden, dass die Gattung Mensch mit den entwickelten kriminellen Waffen, ja sogar ohne diese, mit der Zerstörung der natürlichen Lebensbedingungen verschwinden kann. Was jedoch niemals verschwindet, solange es ein Bewusstsein gibt und Menschen, die Fähig sind, Träger dieses Bewusstseins zu sein, ist die Idee der Pflicht zu kämpfen, damit es nicht zum Verschwinden der Gattung Mensch und mit ihr all jener Wunderwerke kommt, die die menschliche Intelligenz zu schaffen fähig ist. (Beifall)
Die Bedingungen für meine Ausdrucksweise hier waren etwas komplexer Art, denn ich spreche vor Erwachsenen, vor der Presse und vor den Kindern. Nun, etwas tröstet mich: Ich weiß, dass ein jedes dieser Kinder bereits vom ersten Schuljahr an viele der hier vorgetragenen Fakten begreifen kann.
Ich will hoffen, mir wird verziehen, dass ihr dort so lange gesessen habt, wo ihr doch so sehnlichst auf den Imbiss, das Eis und jene Dinge wartet, die nun alle Kinder von Cárdenas bekommen. Doch als angehender Anwalt, der ich einmal war, will ich mich nun verteidigen und euch daran erinnern, dass ihr es wart, die mich zum Sprechen aufforderten (Applaus und Ausrufe: „Fidel! Fidel!") Und ich hatte euch gewarnt, dass ihr damit ein großes Risiko eingeht.
Es lebe das Vaterland! (Ausrufe: „Es lebe!")
Es lebe das Leben! (Ausrufe: Es lebe!)
Es lebe die Kultur! (Ausrufe: Es lebe!)
Es lebe die Bildung und Erziehung (Ausrufe: Es lebe!)
Es lebe für immer das Werk und Vorbild unseres Volkes (Ausrufe: Es lebe!)
Hasta la victoria siempre!
(Ovationen)
(Stenographische Dienst des Staatsrats)
Liebe zu dieser bewegenden Veranstaltung eingeladene Schüler, Lehrer, Familienangehörigen und sehr geehrte Gäste!
Um zu sprechen, muss die Kehle gut in Ordnung sein, nicht wahr?, und ich musste in den letzten Tagen ich weiß nicht wieviel Stunden sprechen. Ihr Kinder der Grundschule bittet mich jetzt, dass ich rede. Wisst ihr denn, was ihr tut? Habt ihr es gut bedacht? Und wenn ich zwei Stunden lang zu euch spreche? (Lachen)
Sagt mir mal: Worüber soll ich zu euch sprechen? (Ausrufe von: „Über alles!") Über alles? Ich bin aber nicht Professor für Universalgeographie (Die Kinder bitten ihn zu sagen, wie er sich in der Schule gefühlt hat.) Nun gut: sie ruft viele Erinnerungen in mir wach. Vor ein paar Minuten habe ich gedacht: ich bin das erste Mal vor vier Jahren und einem Tag in diese Schule gekommen, d.h., morgen werden es genau vier Jahre sein.
Ich dachte auch, dass diejenigen, die am 6. Dezember 1999, vor vier Jahren, in der ersten Klasse waren, jetzt schon die fünfte besuchen. Mal sehen, könnten einmal diejenigen, die in der fünften Klasse sind, die Hand heben? (Sie heben die Hand.) Ihr erinnert euch an damals, nicht wahr? (Ausrufe: „Ja!") Hebt bitte mal die Hand, wer in der sechsten ist (Sie heben die Hand.) Gut, die aus der fünften und sechsten waren anwesend. Die aus der ersten, zweiten, dritten oder vierten Klasse waren 6, 7, 8 bzw. 9 Jahre alt. Hier können sich sicherlich viel an jene Tage erinnern.
Es sind fast alle Lehrer da, die schon damals in dieser Schule unterrichteten. Es sind auch 16 Jugendliche anwesend, die das noch nicht waren, sie studierten in der 12. Klasse, um ihr Abitur zu machen.
Wißt ihr, warum diese Junglehrer hier sind? Das war Ergebnis der Ereignisse, die Anlas zu jenem Besuch waren, den ich dieser Schule abstattete.
Ihr habt mich gefragt, wie ich mich fühle; ich vergleiche es mit dem, was ich an jenem Tag fühlte und wie sich die Lehrer, das Personal und alle jene, die wir uns an jenem Tag hier versammelten fühlten. Vielleicht konnten wir uns in jenem Augenblick nicht einmal die riesige historische Bedeutung vorstellen, die jene Ereignisse haben würden und die nachfolgenden Geschehnisse, über die wir tagelang sprechen könnten.
Tränen, Schmerz, Traurigkeit herrschten hier. Und warum? Es war eine große Ungerechtigkeit begangen worden: eines der Kinder dieser Schule war leider abwesend. Sein Vater, seine Großeltern, seine Familienangehörigen erlebten Tage von schrecklichen Leiden, hervorgerufen von den Geschehnissen, die zur Abwesenheit dieses Jungen geführt hatten.
Die Schule sah nicht so wie heute aus, schön gestrichen, mit einigen Verbesserungen, die es damals nicht gab. Von der Bausubstanz her war es eine gute Schule, aber wie bei vielen anderen Schulen war es nötig, sie zu streichen und einige andere Arbeiten durchzuführen.
Ich werde euch jetzt nicht erläutern, warum die Schule nicht so schön war, wie sie es heute ist, und warum viele Schulen nicht so waren, wie sie es heute sind. Ich werde es euch nicht erläutern, weil ihr es eines Tages erfahren werdet, ihr werdet entdecken, welches die Ursachen waren, weshalb unsere Kinder, die Kinder von Kuba, seit Jahren eine Betreuung erhalten, wie sie niemals in dieser Hemisphäre oder an jeglicher Stelle der Welt geboten worden war.
Ihr habt von der Revolution sprechen gehört; ich werde euch nicht erläutern, was eine Revolution ist, sondern einfach nur erzählen, dass als das, was wir Revolution nennen, siegte, d.h. seinen Gegner in hartem Kampf besiegte, gab es im Land mehrere hunderttausend Kindern, die keine Schulen hatten; eine Million Erwachsene, die weder lesen noch schreiben konnten; Millionen von den anderen, die nicht einmal die sechste Klasse erreicht hatten, und die Meisten von denen, die in irgendeine Schule gehen konnten, hatten nur die zweite, dritte oder vierte Klasse beendet. Nur einer von zehn erreichte mit großen Anstrengungen die sechste Klasse, oder darüber hinaus.
Die meisten Kinder konnten nicht bis zur fünften, sechsten Klasse lernen, weil sie Kinder von Arbeitern, Bauern, von einfachen Leuten waren, und benötigt wurden, um der Familie zu helfen, zum Unterhalt beizutragen, Lebensmittel, Anziehsachen, Schuhe zu kaufen, obwohl viele von ihnen barfuß oder in Lumpen gekleidet liefen, denn ich wiederhole, sie waren sehr arm.
Schulen wie diese, und nicht von der Qualität wie dieser, habe ich, als ich so alt wie ihr war, nie gesehen; ich habe nie so einen Nachmittag wie dieser gesehen; niemals so eine Freude wie diese; niemals sah ich hunderte und aber hunderte Kinder das tun, was ihr heute nachmittag hier getan habt; niemals sah ich so eine schöne Aufführung; niemals sah ich so viele Kinder mit so unendlich viel Anmut auftreten; niemals sah ich Lehrerinnen, wie die drei Kunstlehrerinnen, die an dieser Schule unterrichteten, sogar bekannte und berühmte, welche unsere Kunsthochschulen absolvierten.
An jenem Tag, an dem die Revolution begann, von der ich euch sprach, gab es nichts, dass man so bezeichnen könnte: Kunsthochschule. Man konnte kaum davon träumen, dass Jahre später junge, so gebildete, so vorbereitete Menschen, mit so großen Fähigkeiten hier sein würden, vielleicht eine Stunde, eineinhalb, und allen so viel Freude geben würden, euch, den Lehrern, dem Personal, den Gästen, den Journalisten — ich bin sicher, sie haben auch genossen, was hier geschehen ist — und, außerdem so einer Gruppe von lieben Familienangehörigen von Personen, die große Ungerechtigkeiten erlitten, die gegen ihre geliebten Familienangehörigen begangen wurden: gegen Söhne, Väter, Brüder, um die sie in diesen Jahren ohne Waffenstillstand gekämpft haben.
Als ich erwähnte, dass einer der Schüler dieser Schule aufgrund einer großen Ungerechtigkeit abwesend war, dann wißt ihr, die ihr sehr intelligent seid, worauf ich mich beziehe, aber es ist nicht der einzige Fall: ein Geschöpf, das jetzt fünf Jahre alt ist und heute Nachmittag unschuldig unter euch gemischt ist, ist Opfer einer riesigen Ungerechtigkeit geworden, der es sich kaum bewußt ist. Tausende von Kindern sind Opfer von Ungerechtigkeiten geworden; Tausende von Kindern, von Müttern und anderen Menschen starben in diesen Meeren als Ergebnis eines Gesetzes, das wir als mörderisches Gesetz bezeichnen, das geschaffen wurde, um die Revolution zu bedrängen, geschaffen, um die Revolution zu zerstören, ohne dass das Weinen, die Trauer eine Rolle spielen, die im Schoße unseres geliebten und heroischen Volkes durch dieses brutale Gesetz gesät wurden.
Es ist auch nicht der einzige barbarische Akt, der gegen unser Volk begangen wird; es ist einer der vielen barbarischen Akte, die während fast einem halben Jahrhundert begangen wurde, und die noch weiter begangen werden.
Eben heute kamen Kabelnachrichten von dort an, sie beziehen sich auf 10 Bürger unseres Landes, die gerade ertrunken sind, einschließlich, wie behauptet wird, eine Frau und ein Kind. Ergebnis dieses mörderischen Gesetzes und der Politik der mächtigsten Gewalt, die je auf der Welt existiert hat, und die während 45 Jahren versucht hat, die Revolution zu vernichten, ohne es erreichen zu können.
Ich sage heroisch, wenn ich von unserem Volk spreche, denn niemals in der Geschichte wurde ein so ungleicher Kampf ausgefochten, und niemals konnte ein so großer Sieg im Kampf gegen die Aggressionen einer so mächtigen Gewalt durch ein so kleines Land errungen werden.
Ich sprach hier von einem Mädchen — ich erwähne es nicht — die heute auch mit Familienangehörigen von Opfern von ebenso monströsen Handlungen gekommen ist. Man sagte mir: „Schauen Sie, sehen sie jenes Mädchen? Das ist das Mädchen Soundso, sie ist schon fünf Jahre alt." Das Mädchen und die Mutter sind beide da. Und ihr würdet euch wundern, wenn ich euch sage, dass dieses Mädchen ihren Vater nicht kennenlernen konnte, dass dieser Mutter verboten wird, den Ehemann zu besuchen, der dort, im Schoß dieses mächtigen Imperiums ist, da er die heilige Pflicht erfüllte, vor Plänen zu warnen, die terroristische Mafias gegen unser Land durchführten, die, von den Vereinigten Staaten aus organisiert, angeleitet und bezahlt, Bomben in den Hotels legten; diejenigen, die hierher kamen, um Touristenzentren zu beschießen, in denen Tausende von Bürgern aus Cardenas und Matanzas arbeiten, um die Wirtschaft des Landes zu ruinieren; dieselben Banden, die eines Tages ein kubanisches Flugzeug mit 72 Menschen an Bord in der Luft zersprengten; dieselben Mörder, die von jener Macht gedingt, ausgebildet und ausgerüstet wurden, um Männer, Frauen und Kinder unseres Volkes zu ermorden. Genauso, wie Söldnerkontingente, durch Kriegsschiffe, moderne Flugzeuge und Waffen der Regierung der Vereinigten Staaten unterstützt, unser Land in Giron, bzw. die Schweinebucht, überfielen, ein Gebiet, das zu dieser Provinz, zu Matanzas gehört.
Nun gut, um Information zu bekommen, die dabei halfen, die blutigen Terrorpläne zu kennen und ihnen vorzubeugen, sind fünf echte Helden, mit einem Verhalten, das für unsere Jugendlichen ewig ein Beispiel sein wird, dort eingesperrt, in strengsten Hochsicherheitsgefängnissen, in verschiedenen Regionen, einer von dem anderen getrennt, denn sie wollen ihnen nicht einmal erlauben, zusammen zu sein, zwei zu dreißig Jahren verurteilt und zwei zu lebenslänglich, einer davon zu doppelt lebenslänglich. Wenn jeglicher von ihnen hundert weiter Jahre leben würde, dann würde er die 100 Jahre im Gefängnis verbringen; wenn er 200 Jahre leben würde, würde er die 200 Jahre im Gefängnis verbringen; wenn er 1 000 Jahre leben würde, wäre er immer noch im Gefängnis.
Ihr könnt sicherlich verstehen, wie sehr uns solch eine Ungerechtigkeit schmerzt. Und ich habe nur einen geringen teil von nicht zu rechtfertigenden und monströsen Ungerechtigkeiten genannt.
Jedoch obwohl uns das schmerzt, entmutigt uns das nicht, denn wir leisten schon seit 45 Jahren mit Würde, Ehre, Mut und Standfestigkeit Widerstand im Kampf gegen die Regierung dieser Supermacht, die nichts weiter getan hat, als Niederlagen, Niederlagen und abermals Niederlagen gegenüber Kuba einzustecken.
Zufällig heute erschien eine Kabelnachricht über eine Mafia von hohen skrupellosen und beleidigend lügnerischen Funktionären. Sie waren im Weißen Haus versammelt — so nennen sie es — das Gebäude, wo sich diejenigen versammeln, die das Imperium leiten, und zwar in einer Kommission, die eigens dazu geschaffen wurde, um nach 45 Jahren fruchtloser Versuche und Niederlagen zu überlegen, wie man die Revolution besiegen kann und dies anzuwenden.
Diejenigen, die mehr Kenntnisse über die politischen Angelegenheiten haben, können wirklich darüber lachen, wenn sie sich das Schauspiel jener dort versammelten Kamarilla vorstellen und die Nachrichtenagenturen von magischen Formeln reden hören, die sie anwenden werden, um die Revolution zu besiegen. Ich denke, sogar die Kleinsten der hier Anwesenden können verstehen, was das bedeutet.
Ich kann euch versichern, dass sie solch abstoßende Pläne aus einem einzigen Grund ausarbeiten, sie wollen keine Gerechtigkeit, sie hassen die Gerechtigkeit, sie hassen die Unabhängigkeit der Völker, sie hassen die Freiheit, sie hassen die Armen, sie wollen erneut das wiederbringen, was es vorher hier gab. Und was es vorher hier gab, habe ich euch gerade gesagt.
Wenn man in jenes Land geht, dann trifft man mehrere Zehntausend Menschen an, die unter Brücken leben, und sich dort mit Zeitungen zudecken. Wenn ihr in jenes Land geht, dann seht ihr, dass es dort, trotzdem es das mächtigste und reichste der Welt ist, mehr als 40 Millionen Menschen gibt, die keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitswesen haben, Millionen Analphabeten gibt, die aus den Armenvierteln stammen, wo es nicht genügend und angemessenen Bildungsstätten gibt, wo Menschen leben, die wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Status als dem Hunger entflohener Immigrant diskriminiert werden, und die ohne Skrupel ausgebeutet werden und wo es keinen Geist der Brüderlichkeit und Solidarität gibt. Niemals werdet ihr dort eine Schule wie diese sehen, wo alle Kinder die selbe Möglichkeit zum Studieren haben, auch wenn die Eltern arm sind oder irgend eine Körper- oder Geistesbehinderung haben. Sie haben weder so eine Schule wie diese, mit einem Lehrer für je 20 oder weniger Schüler, noch werden sie sie je haben.
Die Kinder in erfolgreichen Schulen sind Kinder von Reichen, denn sie gehen in die besten, die luxuriösten, indem sie Tausende und Abertausende Dollar jedes Jahr zahlen. Sie haben keine Schulen, wo die Ausbildung für alle Kinder ohne Ausnahme kostenlos ist. Genauso wie sie keine kostenlose medizinische Betreuung bzw. Krankenhäuser oder medizinische Dienstleistungen für alle Kinder ohne Ausnahme haben. Die guten Krankenhäuser sind nur für jene sehr, sehr reichen, die jegliches Geldmenge bezahlen können, damit ihre Kinder oder Familienangehörigen medizinische Betreuung erhalten.
Ihr wißt, es gibt nichts Abscheulicheres als die Unterschiede, die Diskriminierungen. Woran sieht man das? Ich werde euch eine Angabe machen. In jenem Land, in jeglichem Armengebiet von mexikanischen oder haitianischen Immigranten, oder aus anderen Gebieten von Lateinamerika, sterben von je 1000 Lebendgeborenen 20, 25, 30 und noch mehr bevor sie das erste Lebensjahr erreichen. Die Kinder der Reichen haben drei-, vier-, oder fünfmal weniger Möglichkeiten zu sterben, als die Kinder der Armen.
In jenem so reichen Land, das mehrere Hunderttausend Millionen Dollar jedes Jahr für Waffen aufwendet, um zu zerstören und töten, sterben mehr Kinder vor Vollendung des ersten Lebensjahres als in Kuba.
In keinem Land von Lateinamerika gibt es kostenlose Schulbildung für alle Kinder. In keinem Land von Lateinamerika gibt es die gleiche medizinische Betreuung für alle Kinder. In Kuba gab es eine Revolution, die Gerechtigkeit hat walten lassen, die die Gleichheit und Würde für alle Bürger ohne Unterschied festgelegt hat. Es ist ein Land, wo man nicht ein Kind im schulfähigen Alter auf den Straßen vagabundieren bzw. betteln sieht; es ist ein Land, wo hundert Prozent der Kinder in eurem Alter, in der Primärausbildung, die Schule besucht und die sechste Klasse abschließt. Dies ist ein Land, das einzige der Hemisphäre, einschließlich der Vereinigten Staaten, wo hundert Prozent der Kinder die siebente Klasse beginnt; ein Land, wo 99,5% der Jugendlichen die neunte Klasse abschließt. Dies ist ein Land, in dem praktisch hundert Prozent der Kinder unter fünf Jahren die Vorteile eines Erziehungsplans durch das Programm „Erziehe dein Kind" genießen. Dies ist ein Land, das einzige der Hemisphäre, wo das Kind, seitdem es geboren wird, die Möglichkeit hat, gesund aufzuwachsen, einen Liter Milch und die ausreichende Ernährung täglich zu haben, und bezüglich des Studiums, von der Vorschule bis zum Doktor in Wissenschaften zu gelangen, ohne einen einzigen Centavo auszugeben.
Ich sehe die kleinsten Mädchen, die aus der ersten Klasse, und ich möchte ihnen eine kurze Frage stellen. Wieviel bezahlt ihr, um in dieser Schule zu studieren? (Sie antworten ihm, dass sie nichts bezahlen.)
Das ist das Land, welches dieses monströse Imperium zerstören will, von der Weltkarte verschwinden lassen will, denn dieses Land, dieses Volk, ihr habt euch in ein Beispiel für die anderen Länder von Lateinamerika verwandelt, die jedes Mal bei größerer Armut leben, mit mehr Problemen und weniger Mitteln für Bildung und Gesundheitswesen. Und sie, jene, die weder wollen, dass das Leben aller Bruderländer von Lateinamerika und der Karibik sich verändert, noch dass die Regierungen dieser Länder nein zu jeglicher Forderung des Imperiums sagen können, wollen nicht, dass es Kuba als Leuchtturm, als Stern, gibt.
Es ist absolut sicher, dass die anderen Länder sich verändern werden, einige haben schon begonnen tiefgreifende Veränderungen durchzuführen. Und die jetzigen Beherrscher der Welt wollen deshalb nicht, dass sich jener martianische Traum erfüllt, jener Entschluss, als er aussprach, dass er bereit war, ohne Vaterland zu sterben — das er nicht hatte, da es durch das mächtige spanische Kolonialheer besetzt war — aber ohne Beherrscher, und auf seinem Grab einen Strauß Blumen und eine Flagge haben wollte. Heute haben wir Kubaner Vaterland; wenn wir bei ihrer Verteidigung sterben müßten, würden wir mit Vaterland und ohne Beherrscher sterben (Beifall und Ausrufe).
Das Grüppchen von Idioten, die sich gestern im Weißen Haus versammelt haben, werden aus Bitterkeit sterben, aus Frust und werden selbst aus Verwunderung darüber sterben, zu sehen, wie dieses Land 45 Jahre Blockade überstanden hat, und sie bemühen sich zu versprechen, dass sie ein Bündel magischer Maßnahmen treffen werden, um die Kubanische Revolution zu besiegen. D.h. das Werk zu zerstören, das die Revolution in diesen 45 Jahren geschaffen hat, diese Freiheit zu zerstören, diese Freude zu zerstören, die wir heute gesehen haben, diese Zukunft zu zerstören, diese wachsende und wunderbare Kultur für alle Kinder von Kuba zu zerstören, die sie jetzt genießen und jedes Mal mit mehr, mit absolut gleichen Möglichkeiten genießen werden, um ihre Intelligenz ,ihre Talente und Berufungen so weit als möglich zu erreichen.
Dieser Kampf um die Unabhängigkeit und die Zukunft unseres Volkes hat lange Etappen erlebt, während fast einem Jahrhundert, seitdem 1868 der erste Unabhängigkeitskrieg begann bis zur letzten Schlacht am Ersten Januar 1959, bei der es seine volle Unabhängigkeit erreichte. Und hat die größte Freiheit erreicht, die je ein Volk auf der Welt erreichte. Denn kein Volk der Welt konnte während 45 Jahren „Nein!" sagen; kein Volk der Welt konnte dieser mächtigen Gewalt trotzen und während 45 Jahren „Nein!" sagen und heute mit mehr Kraft und Sicherheit als am ersten Tag, und ist bereit, ihr weiter 100 Jahre lang „Nein!" zu sagen, wenn das notwendig wäre, obwohl es nicht so lange notwendig sein wird, denn diejenigen, die dieses unersättliche und unhaltbare Monster handhaben, begegnen der wachsenden Opposition der Völker, einschließlich, und das ist sehr wichtig, der des US-amerikanischen Volkes selbst, dessen Vorgänger ausriefen, das „der Schöpfer" allen menschlichen Wesen heilige Rechte zugesprochen habe.
Wenn wir vom Imperialismus als Aggressor, imperialistische Supermacht, Monster sprechen, beziehen wir uns niemals auf das US-amerikanische Volk und werden das auch nie tun. Dieses Volk setzt sich aus Dutzenden von Millionen, hunderten von Millionen, schon fast 300 Millionen Menschen zusammen, die wie ihr seid: Kinder, Lehrer, Mütter, Väter, Menschen mit noblen Gefühlen, niemand könnte sie des Systems beschuldigen, in dem sie leben. Dieses System ist ein Ergebnis der Geschichte, ein Ergebnis der historischen Evolution der menschlichen Gesellschaft, die über Tausende von Jahren der Ungerechtigkeit sich in das jetzige globalisierte imperiale System verwandelt bzw. entartet hat, das jedes Mal unhaltbarer wird und das sich heute der Welt aufzwingt.
Ihr werdet sagen: und warum gibt es in anderen Ländern dieser Hemisphäre so viele Millionen Kinder ohne Schulen und so viele Millionen arme Kinder? Warum sterben jedes Jahr so viele Dutzende Kinder je alle tausend Lebendgeborene? Warum gibt es so viel Hunger? Warum gibt es so viel Armut? Warum gibt es so viel Diskriminierung? Warum gibt es so viele soziale Probleme? Warum gibt es Kinder, die barfuß sind? Warum tauchen jeden Tag in jeglicher Hauptstadt Heere von Kindern auf, die Frontscheiben säubern, Schuhe putzen, betteln, und das in einem Alter, wo sie in der Schule sein müssten, in der fünften, sechsten, siebenten oder achten Klasse lernen müssten? Ganz einfach auf Grund dieses Systems der Ausbeutung, der Plünderung der Völker, damit eine geringfügige Minderheit riesige Privilegien genießen kann.
Ihr werdet euch fragen: Aber wird das ewig so sein? Ich sage euch: Nein. Diesem Beherrschungssystem bleibt immer weniger Überlebenszeit, die Völker werden sich jener Ungerechtigkeiten bewusst, die Völker lehnen sich jedes Mal mehr gegen sie auf und stürzen Regierungen, und zwar immer öfter und oft ohne einen Schuss abzugeben.
In Bolivien, ein Bruderland — ihr habt es oft erwähnen gehört, denn dort kämpfte der Che eben gerade um Gerechtigkeit, darum, das schreckliche Leben der Völker Lateinamerikas zu verändern — fiel eine Regierung, ohne dass ein Schuss gegen sie abgegeben wurde. Die Regierungen sind schon so schwach und befinden sich in so kritischen Situationen, dass sie mit einem einzigen Hauch fallen.
Diese Bedingungen der Ungerechtigkeit haben dazu geführt, dass in Argentinien zwei aufeinanderfolgende Regierungen auf einen Hauch stürzten. Aufgrund dieser Ungerechtigkeiten hat in einem anderen großen Land ein Arbeiterführer, ein Dreher, der sich vorher dreimal um die Präsidentschaft beworben hatte, einen umfassenden Sieg erreicht, als eine bedeutende Mehrheit des Volkes ihm seine Stimmen verlieh. Wir haben das Beispiel des Brudervolkes von Venezuela, wo sich ein revolutionärer sehr tiefgreifender Prozess entwickelt.
Es gibt eine Situation der Labilität in fast allen Ländern von Lateinamerika, wo diejenigen, die dort im Weißen Haus daran arbeiten, Verbrechen gegen Kuba zu schmieden, Gangstermethoden verwenden; sie sind nervös, sie haben Befürchtungen, sie verzweifeln gegenüber der Realität von 500 Millionen Einwohnern, die sich in dieser Hemisphäre jedes Mal mehr wegen der unhaltbaren Lebensbedingungen auflehnen, denen sie unterliegen.
Ich kann euch versichern, dass dieses wachsende System der Plünderung nicht viel länger dauern kann. Und was fällt der terroristischen imperialistischen Mafia ein? Sich zu beeilen, zu erfinden, abenteuerlich zu suchen, wie sie das Beispiel Kubas, Leuchtturm der Würde, der unabänderlichen Standhaftigkeit, unlöschbares Licht des heroischen Widerstands, wegwischen können.
Heute verfügt unser Land schon über das beste Bildungssystem aller Länder. Es hat den höchsten Index von Lehrern pro Einwohner und die geringste Anzahl von Schülern pro Klassenraum. Es gibt keine einzige Grundschule mehr mit mehr als 30 Schülern pro Lehrer und Klassenraum. Der nationale Durchschnitt erreicht nicht 20 und in der Hauptstadt selbst, wo er vor zwei Jahren 37 betrug, ist er heute 18. Und alles das trotz Sonderperiode und Blockade.
Heute haben wir in der Mittelschule, wo ein außerordentlicher und neuer Erziehungsprozess vonstatten geht, 1 Lehrer für je 15 Schüler. Vorher war das System so, dass ein Lehrer eine Gruppe von 40 bzw. 50 Schülern in einem Fach unterrichtete und anschließend mehreren ähnlichen Gruppen; am Ende waren es 200 bzw. 300 Schüler insgesamt. Er kannte nicht die Namen der Schüler, denn das war unmöglich. Hatte keine engen Beziehungen zur Familie, die so viel zur Erziehung der Kinder beitragen kann und das in unserem Land jedes Mal mehr tut.
Es werden neue Methoden angewendet, bei Anwendung der modernsten Techniken, die die Kenntnisse vervielfältigen, die ein Schüler jedes Jahr erwirbt.
Jetzt beginnen die Kinder schon in der Vorschule den Umgang mit dem Computer zu lernen. Ich denke, dass unsere Kinder der Grundschule, die heute bezüglich der Kenntnisse der Sprache und der Mathematik einen hervorragenden Platz auf der Welt einnehmen, mit der Ganztagsschule im ganzen Land ihre Kenntnisse verdreifachen werden. Jetzt werden die der Mittelschule, die vorher keine Ganztagsschule hatten, ihre Kenntnisse vervierfachen.
Wenn ich euch etwas erzähle, werdet ihr mir nicht glauben. Oft, in den ersten Nachmittagsstunden und wenn die Zeit es mir erlaubt, sehe ich den Unterricht im Fernsehen, und erinnere mich, was ich gezeigt bekam, als ich in der zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten Klasse war, die Sprache, die Mathematik, die Geographie, die Geschichte usw. und wunder mich über die Dinge, die man in einer halben Stunde lernen kann.
Eben gerade gestern beobachtete ich so um 14 Uhr eine TV-Unterrichtsstunde Geographie, und ich kann euch versichern, dass ich in kaum einer halben Stunde einige Sachen über den Planeten, über die Erde, gelernt habe: Wie sie vor 350 Millionen Jahren war, wie sie vor 300 Jahren war, wie vor 250, und so weiter. Zuerst erscheint eine Masse, so als ob jemand z.B. Tinte auf ein Blatt wirft und es erscheint ein kompakter Fleck. Die Erde als Ganzes, war wie der Fleck vor 350 Millionen Jahren. Anschließend erläutert man und zeigt Bilder, wie die folgenden Etappen waren, wie diese Masse sich teilte und die jetzige Konfiguration des Planeten entstand, diese gesamte Landkarte, die ihr heute von jeden einzelnem der Kontinente beobachten könnt.
Anschließend erläutern sie, was die Erdkruste ist, welche die gesamte Erdkugel umgibt, unter der Meeresoberfläche und auf dem Festland, wie sie war, wie sie sich das Relief jedes einzelnen Kontinents herausgebildet hat, wie die Gebirge entstanden, und mit technischen Mitteln zeigt man heutzutage den Meeresgrund, seine Täler, seine Gebirge, wie die Bewegung dieser Kruste ausgehend von dem, was man Magma nennt und welches das größte Volumen des Planeten einnimmt, zustande kommt. Oder wie der Himalaya durch diese Bewegungen entstand, wodurch die Vulkane hervorgerufen werden, welche Faktoren die Erdbeben bestimmen. Und in dieser Zeit konnte ich Dutzende von Farbbildern sehen, mit allen Details, mit klaren Erläuterungen, und wie gern wäre ich jetzt in der siebten, achten und neunten Klasse.
Ich habe mich erneut gewundert, erneut glücklich gefühlt, als ich die Perspektiven der Methode, die wir bei der Ausbildung von fast einer halben Million Schülern unserer Mittelschulen anwenden, feststellte. Wir arbeiten weiter sehr aktiv daran, damit die Zulieferung eines kräftigen Imbiss zu Mittag auf alle Mittelschulen des Landes ausgeweitet wird. Wir hoffen, dass wir dieses Ziel zu Beginn des folgenden Schuljahrs im September 2004 erreichen können, d.h. in 8 oder 10 Monaten, ein Frühstück, das 41% der Proteine beinhaltet, die ein Kind dieses Alters benötigt, und außerdem kostenlos.
Was kann ein ehrenhafter Mensch, ein ernster Mensch, ein anständiger Mensch denken, wenn er ein Kabel über jene Banditen liest, die darüber diskutieren und Formeln ausdenken, wie man Kuba noch mehr erdrosseln, wie man die Blockade verschärfen kann, um zu verhindern, dass die Kinder immer mehr Bücher, immer mehr Lehrmaterial, immer mehr und bessere Lebensmittel haben?
Vielleicht ignorierten sie vollkommen, dass ich zwei Tage vor dieser grotesken und zynischen Zusammenkunft des vielbesprochenen Komitees einen konstruktives Treffen mit mehr als 600 Studenten und Dozenten aus 239 Universitäten der Vereinigten Staaten hatte. Ich kann euch versichern, dass jene jungen Leute, die an einem Programm teilnehmen, dass sich Semester auf dem Meer nennt und zweimal pro Jahr stattfindet, durch ihre menschliche Tugend und Anständigkeit beeindrucken. Es ist ohne Zweifel eine Jugend, die aus den Universitäten mit den größten Kenntnissen und politischen Kultur der Welt hervorkommen wird. In den letzten Jahren habe ich mich mit 4 000 von ihnen versammelt und ausgetauscht.
Es gab unter den Präsidenten der Vereinigten Staaten während dieser Revolutionsjahre jemand, der sich damit brüstete, in seinem ganzen Leben nur ein einziges Buch gelesen zu haben, und es kann irgend einen anderen geben, der vielleicht nur zwei oder drei gelesen hat. Vielleicht ist das seltsamste an Situationen wie diesen, dass Leute, die über eine Macht verfügen, die die Welt in wenigen Stunden zerstören kann — hört gut zu — mit einer Macht, die in der Lage ist, alle Nationen der Welt in wenigen Stunden zu zerstören, weniger politische Kultur besitzt — ich spreche nicht einmal von Gefühlen — als die Schüler dieser Grundschule „Marcelo Salado". (Beifall) Und ich übertreibe nicht, ich habe die Lehrer nicht mit einbegriffen, denn unsere Lehrer sind bei dieser Materie echte Weise gegenüber von jenen, die so eine monströse Gewalt innehaben und überhaupt keine moralischen und ethischen Prinzipien besitzen. Den Unterschied zwischen der Wahrheit und der Lüge gibt es für sie nicht.
Das ist die Realität dieser Welt: ein globalisiertes und unhaltbares System der Ausbeutung und Plünderung aller Völker der Dritten Welt, das sich nach barbarischen Normen ohne jegliche Skrupel richtet. Deshalb sage ich, wenn ich an die Treffen mit den jungen US-amerikanischen Studenten denke, dass die Henker, die ein Genozid gegen Kuba versuchen, nicht nur dem Mut dieses Volkes gegenüberstehen würden, seiner Entscheidung, zu siegen oder zu sterben, der Entscheidung, mit mehr Willenskraft, Entschlossenheit und Erfahrung als je die Verteidigung des Vaterlands und der Revolution fortzusetzen, sondern hätten es mit dem eigenen US-amerikanischen Volk zu tun, gegenüber dem wir eine wachsende Sympathie spüren.
Es lohnt sich, sich an die große, an jenem 5. Dezember begonnene Schlacht zu erinnern, denn ich kam in diese Schule am 6., am Vortage hatte der Kampf vor der US-Interessenvertretung begonnen, und zwar durch Tausend Jugendliche der wissenschaftlichen Studentenbrigaden, die nach Beendigung einer Versammlung zur US-Interessenvertretung marschierten und von einem Jeep aus die erste Anklage aussprachen.
Wir können nicht vergessen, wieviel Monate jene Schlacht gedauert hat, und wie am Ende 80% des US-amerikanischen Volkes sich dieser großen Ungerechtigkeit bewußt wurde und die Rückkehr jenes kleinen Kameraden unterstützte, dessen Abwesenheit uns allen, dem gesamten Volk von Kuba, soviel Schmerz und Kampfentschlossenheit verursachte.
Wir begannen eine schwierige Schlacht inmitten der Lügen und Verleumdungen gegen unser Land; aber wir waren entschlossen, sie zu gewinnen. Und wir hätten sie gewonnen, daran soll keiner zweifeln. Unser Volk hätte diese Schlacht ohne Gewalt, auf der Grundlage der Wahrheiten, von Argumenten, von Gründen gewonnen, und mittels der Möglichkeit, der Welt die Wahrheit zu übermitteln; und nicht nur die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten gab uns mehrheitlich recht, sondern die öffentliche Meinung der ganzen Welt.
Aber die Schlacht war begonnen worden und es war klar, dass wir nicht in jenem Moment anhalten konnten, als jene Ungerechtigkeit wiedergutgemacht worden wäre, denn das Wichtige, das Essentielle waren alle die Ursachen, die unserem Volk so viel Schaden zugefügt haben, die Verluste von so viel Menschenleben von Männern, Frauen, Jugendlichen, Kindern und Greisen: der häufige Missbrauch, die Bedrohungen, die Blockaden, die Söldnerattacken, die Sabotagen, der Krieg der reichsten und mächtigsten Gewalt der Welt gegen eine kleine Insel, 90 Meilen von ihr entfernt.
Sie konnten weder die Entwicklung der Revolution, noch ein menschliches Werk, das nicht Seinesgleichen in der Geschichte kennt verhindern. Dies ist ein Land der Ehre, des Schamgefühls, das einen Kampf mit erhabenen Prinzipien begonnen hat, denen es immer treu gewesen ist, seit wir den ersten Kampf gegen die Tyrannei begonnen haben. Ein Land, das während 25 Monaten Krieg niemals einen Kriegsgefangenen mißhandelt, der die Waffen niederlegte, diesen niemals geschlagen hat, niemals aufgehört hat, ihn respektvoll zu behandeln, oder einen Verletzten zu behandeln, und das oftmals vorzugsweise bei gravierenden Fällen. Wir gaben ihnen Arzneien trotzdem wir in der Sierra Maestra blockiert waren.
Man darf die Moral, die Prinzipien nicht vergessen. Unsere Prinzipien haben sich bis jetzt nicht verändert.
Wenn man im Fernsehen Nachrichten über Europa anschaut, sieht man jedes Mal, wenn es einen Streik oder sozialen Konflikt gibt, nichts anderes als Männer mit Schutzanzügen, die Tränengas bzw. mächtige Wasserstrahlen lancieren, riesige Pferde, die über die Leute herfallen und Schläge aller Art auf Bürger, die gegen alte und neue Missbrauchhandlungen protestieren. Unser Land kann es sich leisten, jeden einzelnen so zu bezeichnen, wie man ihn bezeichnen muß, sowohl die Banditen, die unzählige Verbrechen gegen Kuba begangen haben, als auch die scheinheiligen europäischen Regierungen, die Komplizen der Vereinigten Staaten bei ihren Aggressionen gegen Kuba sind, und uns androhten, eine „humanitäre Hilfe" zu streichen, die es nicht gab, die nichts weiter als eine schamlose Lüge war, die außerdem den Charakter eines Almosens annahm.
Sie kauften bei uns ungefähr für 500 Millionen Dollar und wir kauften bei ihnen mehr als 1,5 Milliarden. Wenn man auf konservative Art die Gewinne berechnet, die sie durch den ungleichen Austausch mit uns einnahmen, erhielten sie von Kuba nicht weniger als 400 Millionen Dollar Reingewinn. Die sogenannte „humanitäre Hilfe" wurde über Jahre diskutiert, und die Vertreter, die solche Hilfen diskutierten, logierten in den besten Hotels, reisten in den besten Fluglinien, ein Großteil der Gelder wurde hierzu aufgewendet, und außerdem beschlossen sie, was mit der Hilfe zu tun war und wie das zu tun war.
Ich gestehe euch, dass wir normalerweise die sogenannte „humanitäre Hilfe" aus Gründen der guten Erziehung, aus Höflichkeit annahmen, und dass wir keine dieser Hilfen, knauserige Ziffern, für alles das, was wir getan haben, gebraucht haben. Und mit dieser „humanitären Hilfe" versuchen sie, ihr schmutziges Gewissen der Jahrhunderte, die sie die Welt ausgebeutet haben und weiter ausbeuten, zu waschen.
Die in diesen vier Jahren der Ideenschlacht verwirklichte Heldentat haben wir ausschließlich mit unseren Ressourcen erreicht. Es ist kaum 1% der jährlichen Devisenausgaben, und es fand wirklich eine tiefgehende Revolution in vielen Lebensaspekten stattgefunden, die eine große Transzendenz haben werden.
Was ist es, was die Banditen, die Gauner, welche die Politik gegen Kuba ausarbeiten, und von denen mehrere eine beschämende Geschichte von Unsittlichkeiten, von Mittäterschaft mit der Terrormafia von Miami aufzuweisen haben, nicht wollen?
Sie wollen einfach nicht, oder sind erschrocken — anders kann man es nicht erklären — über das wachsende Ansehen von Kuba. Sie haben keinen auch noch so kleinen Punkt, um es anzugreifen. Sie müssen alles auf der Grundlage von Lügen und schamlosen Verleumdungen rechtfertigen.
Sie sind sogar so weit gegangen, uns zu beschuldigen, biologische Waffen zu produzieren. Ein Land, dessen Forschungszentren vollkommen auf die Forschung für die Arzneimittelproduktion gerichtet sind, um Menschenleben zu retten, das Impfstoffe entwickelt hat, die ich weiß nicht wie viele Menschen auf der Welt vor Krankheiten oder vor dem Tod schützen, das neue Mittel und Techniken entwickelt, um schwerwiegende Gesundheitsprobleme, die heutzutage die Menschheit erleidet, zu bekämpfen; das die geringsten AIDS-Kennziffern der Welt besitzt, das Lösungen zur Vorbeugung oder Heilung von bösartigen Tumoren sucht. Ein Land das in vielen Richtungen voranschreitet; ein Land, das trotzdem es über eine gesundheitliche Betreuung verfügt, die über der von jeglichem anderen steht, diese Dienstleistungen verändert, verwandelt und verbessert, was uns unvermeidbar nicht nur über die von den Vereinigten Staaten oder jeglichen anderen Industrielandes stellen wird, sondern dass wir bei diesem Vergleich ihnen drei Runden Vorsprung herausholen werden. Sie könne uns unmöglich erreichen. Das halten sie nicht aus; die Eitelkeit, der Stolz, die Anmaßung lassen das nicht zu. Nun, sie werden es aushalten müssen! Das verspreche ich im Namen des Volks von Kuba! (Beifall)
Ach! Sie hegen große Hoffnungen — und dort in den Kabelnachrichten steht es, unter vielen anderen zynischen Erklärungen — dass sich das bald lösen wird. Ach ja, denn sie berechnen die Lebenssekunden, die mir verbleiben, ohne dass die sehr Stupiden sich daran erinnern, dass es sich um einen revolutionären Leader handelt, der das Privileg gehabt hat, die Jahre, die er gelebt hat, trotz der unzählbaren in den Vereinigten Staaten geschmiedeten Mordpläne zu leben.
Außerdem haben sie das Pech gehabt, dass ich scheinbar Langlebigkeits-Gene besitze. (Beifall) Ich lebe unbesorgt und habe immer unbesorgt bezüglich der Fragen von Leben oder Tod gelebt. Es geht nicht um Mut; ich weiß gut worum es geht. Ich habe keine Autobiographie geschrieben, aber was ich an Erinnerungen aufbewahrt habe, könnte ich fast ein Gebäude wie dieses mit Compact Disc füllen. (Lachen)
Und warum sage ich, dass ich ruhig bin und jedes Mal ruhiger? – werden sich einige fragen. Einfach weil diese Revolution nicht von einem einzelnen Individuum abhängt, nicht von zwei, oder drei. Aber im Weißen Haus unterhalten sie sich, als ob sie den Tag kenne würden, an dem ich sterben werde. Beim Töten sind sie Experten, das weiß man. Ob ich mich ein bißchen mehr vorsehen sollte, um ihnen die Aufgabe nicht zu erleichtern? Niemand weiß, wieviel sie schon ermordet haben. Eines Tages wird man es erfahren, wenn bestimmte Dokumente freigegeben werden oder es jemand aufdeckt. Aber es ist besser, keine Zeit damit zu verlieren. Das war schon immer so.
Einer der Teilnehmer an der historischen Versammlung erklärte: „Wir sehen das Regime jedes Mal schwächer. Es hängt fast ausschließlich von der Persönlichkeit einer einzigen Person ab. Jene Person ist immer älter und um seine Gesundheit ist es nicht gut bestellt."
Das ist zum Lachen. Zu diesem Zeitpunkt festzustellen, dass eine Person mit jeder Minute die vergeht, älter wird, verdient einen Nobelpreis! Und was für eine große Ehre, was für eine Auszeichnung! Sie ist viel größer als die Freiheitsstatue, jene die am Eingang von New York steht, das riesige Monument. Ich befürchte, dass sie weiter wachsen wird, so weit, dass sie an den Mond stößt, und zwar die Ehre einem einzelnen Individuum anzurechnen, Ursache seiner Frustration, seines Scheiterns, seiner Niederlagen zu sein, der unerhörten Tatsache, dass das übermächtige Imperium an den angeblichen Fähigkeiten eines Individuums gescheitert ist, indem es ihm alles zuschreibt, was Ergebnis des unbeugsamen und außerordentlich heroischen Geistes seines Volkes ist.
Die Anmaßung macht sie blind und der Hass erlaubt ihnen weder zu sehen noch zu verstehen, was die ehemalige Halbkolonie heute ist, wo 90% der Personen Analphabeten oder Halbanalphabeten war, gegen dessen Kultur die Verrücktheit, die Impotenz und die Ignoranz derer, die das Imperium leiten, zerschellen.
Diesem Volk hat man während mehr als einem halben Jahrhundert gelehrt, dass die Unabhängigkeit, um die sie so sehr kämpften, nicht Werk von Cespedes, Agramonte, Martí, Gómez, Maceo und von so vielen anderen zehntausenden außerordentlichen Kämpfern wäre, nicht Ergebnis des Patriotismus eines Volkes wäre, das, als es etwas mehr als 1 Million Einwohner zählte — von denen ein Teil Spanier waren, und wo die Eigentümer der Großplantagen kubanischer Herkunft auf der spanischen bzw. der Annexionsseite standen —, und inmitten einer Sklavenhaltergesellschaft während 30 Jahren gegen feindliche Kräfte kämpfte, die bis zu 300 000 Soldaten erreichten. Ich bin aufrichtig überzeugt, dass kein Volk so eine Heldentat vollbrachte. Und als jene dekadente spanische Macht schon besiegt war, intervenierte die US-Regierung mit ihren Kräften dieses Land, und zwar mit dem größten Opportunismus der Welt und unter dem Vorwand eines humanitären Werks, und besetzte es 4 Jahre lang, bemächtigt sich aller seiner Reichtümer und verwandelt uns in eine Neokolonie unter den Klauseln der schändlichen Abänderung, die unserer Verfassung aufgezwungen wurde, und die ihnen das Recht gab, zu intervenieren und sogar ständig einen Teil unseres Territoriums zu besetzen und dieses auf Gutdünken auf unbestimmte Zeit besetzt zu halten, wie sie es noch in dem Militärstützpunkt Guantanamo tun, der heute in Weltgefängnis verwandelt ist, wo jegliche Legalität und das, was sie Menschenrechte nennen, verletzt werden. Uns schmerzt es, wenn auf der Welt von diesem schrecklichen Gefängnis gesprochen wird, das auf die Konzentrationslager der Nazis nicht neidisch zu sein braucht.
Als Konsequenz dieser Intervention halten sie immer noch mit Gewalt, diesen Militärstützpunkt besetzt. Sie besitzen in ihrem eigenen Gebiet Millionen Quadratkilometer. Sie haben dieses Gefängnis nicht dort angelegt, sondern hier, um Kuba zu demütigen.
Es gibt viele Länder die reklamieren, daß sich dort Staatsbürger von ihnen befinden, ohne Gerichtsverfahren oder jegliche Garantie, womit die elementarsten internationalen Normen verletzt werden.
Während das geschieht, wie ich schon erklärt habe, sind unsere fünf Genossen, die die terroristischen Aktivitäten gegen Kuba verfolgten und mit großem Risiko für sich selbst unser Land über diese kriminellen Verbrechen, die in den USA erzeugt und von dort aus geleitet werden, informierten und vorwarnten, harten und unmenschlichen Behandlungen in Hochsicherheitsgefängnissen unterworfen, unter erniedrigenden, widerrechtlichen, extrem willkürlichen Bedingungen, das alles dient nur dazu, die Bewunderung und den Stolz unseres Volkes, das beobachtet, wie sie unverbrüchlich ihre revolutionären Prinzipien und ihre Würde erhalten, zu vervielfachen.
Sie sollten sich sehr gut diese jungen Leuten anschauen und begreifen, daß sie hier Millionen wie sie finden werden. Gegen diese Insel könnten sie einen Regen von Nuklearbomben werfen, sie wird sich nie ergeben. Das ist ein Land mit heldenhafter Geschichte; ein Land, wo mehrere hunderttausend Einwohnern internationalistische Missionen erfüllt haben, die heute genügend militärische Kenntnisse haben, um es in eine Hölle für jeden Angreifer zu verwandeln.
Wir begannen die Kämpfe gegen das Batistaheer und seine Streitkräfte von über 85 000 Mann, mit nur einigen Gewehren, nur sieben. Die Geschichte ist gut bekannt: die Ehre, der Patriotismus, die Kapazität unseres Volkes, zu denken, zu meditieren, zu analysieren und sich an jede Art von Krieg anzupassen. Wir haben sogar schon im Jahre 1962 die Erfahrung durchlebt, unter der Bedrohung von hunderten von Nuklearraketen zu stehen. Wir haben aber nie einen einzigen Bürger gesehen, der deshalb schlaflose Nächte verbrachte oder sich beunruhigte.
Dieses Land verfügt über Millionen von Kämpfern und Millionen von Waffen, und es weiss ganz genau, wie sie im Falle einer Aggression benutzt werden müssen.
Es wäre sehr angemessen, wenn die intelligenten Strategen der Bedrohungs-, Blockade-, Erwürgungs-, und Aggressionspolitik gegenüber Kuba sich einige Minuten nehmen würden um nachzudenken, wie die Dinge in diesem Land sein würden, daß auch nicht einfach anzugreifen ist, und zwar aus verschiedenen Gründen: sie wissen, dass der Preis unbezahlbar wäre; sie wissen, daß das US-amerikanische Volk es nie rechtfertigen würde, weil, obwohl viele Lügen und Vorwände erfunden werden, um es zu täuschen, es sich immer mehr den Illegalitäten, Willkürlichkeiten, und Eroberungskriegen entgegenstellt; sie wissen, daß das US-Volk immer besser den Unsinn und die Unwahrheiten dieser Regierung begreift. Und ich warne euch, daß ich sie im Moment gut behandele. Die vorhandene Menge an Beurteilungselementen wäre genügend, um sie unauslöschlich in der Geschichte zu markieren. Der Tote kann noch mehr Sachen tun, bevor er stirbt!
Aber sie haben einen anderen unverschämten Unsinn gesagt. Die kleine Gruppe versammelte sich und ein Trottel hat öffentlich erklärt, daß sie nicht nur alles taten, um die Revolution so schnell wie möglich zu stürzen, es ginge nicht nur darum, sondern sie wollten auch auf jeden Fall verhindern, daß ein anderer revolutionärer Leader das Land regiere, dafür würden sie sorgen, eine klare Referenz auf eine militärische Aktion.
Es scheint, daß sie uns die von Miami herbringen möchten, wer weiss, welche Dämonen, welche Banditen, welche Verkommene es sein sollen, als ob man so mit der Möglichkeit rechnen könnte, dieses unbezwingbare Land zu regieren. Wissen sie es nicht, oder rauchen sie Marihuana — anders kann ich es nicht verstehen —, oder leben sie die ganze Zeit, indem Sie sich mit irgendwelchen Mischungen betrinken?
Sie sprechen, als würden sie wirklich glauben, daß diese Revolution Morgen fallen wird, daß dieses Land nicht überleben kann. Sie sehen den Grund, die Realität und die Kraft der kubanischen Revolution nicht!
In unserem Land werden auch Fehler gemacht, ich behaupte nicht das Gegenteil; und ich weise ständig daraufhin, warne und fordere zur Analyse auf, ich verlange Berichtigungen.
Wir kennen unsere Leute sehr gut. Unser Feind ignoriert, daß sie Millionen Leader antreffen werden; sie werden ein ganzes Volk in Leader umgewandelt vorfinden, sogar die Kinder; sie werden eine politische und revolutionäre Kultur vorfinden, wie sie bis jetzt kein anderes Land gehabt hat; sie werden finden, daß es nie einen politischen Prozess mit größerer Unterstützung gegeben hat, wie ihn diese Revolution genossen hat.
Sie werden endlich verstehen, daß es nicht mittels der Kraft, oder mit Feuerwehrwagen, oder mit Männern in Schutzanzügen, oder mit Tränengas, oder sieben Fuss hohen Pferden und Schlägen ist, wie wir hier in unserem Land die Ruhe erhalten, daß den unverbesserlichen Rekordinne hat, nie die Gewalt gegen das Volk benutzt zu haben.
Sie wissen, daß das die Wahrheit ist, genauso wissen sie, daß hier niemals jemand gefoltert wurde, daß hier nie jemand Opfer eines Todesschwadrons war und, dass solche Institutionen hier nicht existieren; sie wissen, daß hier nie außergerichtliche Hinrichtungen durchgeführt wurden; sie wissen, daß hier in den 45 Jahren der Revolution nie ein politischer Mord begangen wurde, was einen olympischen Rekord darstellt und sehr schwierig sein wird, in den folgenden Jahren nachzuahmen; sie wissen, daß bei den Unruhen von 1994, an jenem 5. August, kein Polizist bewegte wurde, kein Feuerwehrwagen oder etwas ähnliches. Ich war persönlich dort, auf dem Vordersitz eines Jeep´s und nachdem ich den neun Männern, die bei mir waren, ausdrücklich befohlen hatte, nicht die Waffen zu benutzen, stieg ich dort aus, wo sich eine Gruppe von wirklich verbitterten Menschen befand, von sehr am Rande der Gesellschaft lebenden Personen, denen man über den offiziellen subversiven Rundfunk von den USA aus angekündigt hatte, daß man sie in Booten abholen würde.
Sie ließen sich provozieren, waren sehr verärgert und begannen Steine zu werfen. Niemand bewegte sich, weil das Erste, was ich befohlen hatte war, daß keine zuständige Behörde auch nur einen einzigen Zug Soldaten oder Polizisten dorthin schicken sollte. Als ich dort ankam, wo sie waren, endeten die Unruhen in Sekundenbruchteilen. Es kamen viele Leute aus allen Richtungen und die Steinwerfer selbst begannen zu applaudieren. Wir gingen bis zum Hafeneingang, es war ein Meer von Menschen, niemand weiss, von wo sie kamen, wir wechselten in Richtung Malecón und gingen ihn eine ganze Weile entlang. Es war das einzige Mal, daß es in 45 Jahren eine Unruhe gab. Es gab keinen einzigen Schuss, es gab kein Tränengas, keinen einzigen Schlag, keine Verletzten. Es ist die Kraft der Moral, es ist die Kraft der Würde, es ist die Kraft der Prinzipien. Es ist das erste Mal, daß ich öffentlich über meine persönliche Beteiligung bei diesen Ereignissen spreche.
Deswegen glauben sie vielleicht, daß 15 Minuten nach meinem Tod die Revolution zusammenstürzen wird; sie wissen nicht oder wollen es nicht wissen, daß es Millionen von Menschen in diesem Land mit Kenntnisse gibt, die nicht Analphabeten sind, die mehr über Politik wissen, als jene Herren, viel mehr, unendlich mehr; die über die menschliche Psychologie wissen, die über den traditionellen Patriotismus unseres Volkes wissen, die fähig sind, das zu tun, was diese heldenhaften Genossen im Schloße des Monsters tun, die Gefangenen des Imperiums; sie wissen, dass dieses Land viele hunderttausende Männer zählt, die freiwillig an den schwierigsten Orten internationalistische Missionen durchgeführt haben, daß wir Heute 300 000 Professoren und Lehrern zur Verfügung haben, und das die Nachfrage für freiwillige Lehrer, um an jedem Ort der Welt zu lehren, eine sofortige Antwort von mehreren Zehntausenden haben würde.
Für Nicaragua stellten sich 30 000 freiwillig zur Verfügung, und als dort einer von ihnen Ermordet wurde stellten sich 100 000 zur Verfügung. Das ist dieses Volk: tötet einen Kubaner, und sofort kann man Freiwillige anfordern, um kämpfen zu gehen; tötet einen Kubaner, begeht eine große Ungerechtigkeit gegen einen Kubaner und es wird Millionen von Kubanern geben, bereit ihr Leben opfern, wenn es sein muß, um Gerechtigkeit zu fordern oder der Ungerechtigkeit entgegenzutreten.
Es gab Banditen hier, die von ihnen organisiert worden waren und auf deren Konto Tausende Menschenleben gehen; es waren Terroristen aller Art; und es waren die Arbeiter und die Bauern dort im Escambray-Gebirge, 10 000 in Batallonen organisierte Arbeiter und Bauern, die letztendlich auch den letzten Banditen fassten.
Die Banditen ermordeten Alphabetisierungsaktivisten wie Manuel Ascunce und Lehrer wie Conrado Benítez; sie drangen ins Land ein; im Überraschungsangriff warfen sie Bomben aus Flugzeugen, die kubanische Insignien trugen, auf unser Volk, und das inmitten der Alphabetisierungskampagne, der weltweit ersten dieser Art, die in nur einem Jahr das Analphabetentum beseitigte. Heute gibt es Hunderttausende, etwa 800 000 Professionelle mit Universitätsdiplom, Millionen mit Berufsausbildung und ein ganzes Volk im Lernprozess. Ein Land, das die Hochschulbildung allgemein zugänglich gemacht hat; ein Land, das sich um eine integrale Allgemeinbildung bemüht; ein Land, das die für seine volle Entwicklung und für die Unterstützung anderer Länder erforderlichen Mittel aus dem Grad seines Wissens schöpft.
Es ist bekannt, dass eine sehr große Anzahl Ärzte in den Ländern Afrikas, der Karibik und Lateinamerikas an den unwegsamsten Orten ihre Pflicht erfüllen. Sie wissen recht wohl, dass Kuba drei Viertel der haitianischen Bevölkerung medizinisch betreut. Sie haben Bataillone, Bombenflugzeuge, Panzer, Raketen. Sie und auch andere starteten mehr als eine Invasion in jenes Land, doch keiner hat jemals einen Arzt nach dort entsandt, sie können ihn gar nicht entsenden. Die Vereinigten Staaten und Europa zusammen, zahlten sie auch noch so viel, würden niemals die mehreren Hundert Ärzte aufstellen können, die heute die haitianische Bevölkerung betreuen.
Unser Land hat auf allen Gebieten ein starkes Humankapital geschaffen. Das Bildungswesen nannte ich bereits; ich könnte noch vieles andere anführen; ich nannte die Kämpfer, die solidarischen Kameraden, deren es in den Jahren der Revolution Hunderttausende waren, die gefahrvolle internationalistische Missionen übernahmen.
Sie wissen, oder sie müssten wissen, was Kuba eigentlich ist und sollten sich nicht mit so viel Dummheit und Blödsinn abgeben. Sie sollten sich doch besser damit befassen, Whisky zu trinken oder irgend welche anderen Drinks und nicht bei jenen Zusammenkünften des Weißen Hauses, die uns ohnehin nicht einschüchtern, ihre Zeit verschwenden.
Außerdem sollten sie wissen, dass wir rücksichtsvoll gewesen sind, Wortklauberei und Wortgeklingel vermieden und für sie aufgehoben haben. Wenn sie jedoch diskutieren und debattieren wollen, dann sollten sie sich mehrere Brustpanzer aus Edelstahl besorgen, denn es mangelt ihnen am Argument, an einer Idee, an Moral, am Anhaltspunkt; so sieht es aus. Dieser ganze Klamauk nun, die Drohungen, damit ja kein US-Bürger hierher kommt, damit sie nicht nach Kuba reisen, damit sie Kuba nicht besuchen. Ich weiß nicht, worauf jene Raserei basiert. War es vielleicht jenes Treffen — es war das sechste — mit den US-amerikanischen Studenten aus 239 Universitäten? Intelligente junge Menschen und keineswegs Kinder aus armen Familien; denn diese Art Aktivitäten kosten Geld, sie müssen bezahlt werden. Dieses Programm war eine ausgezeichnete Idee der Universität Pittsburg. An diesen Unternehmungen des Kennenlernens, was in der Welt passiert, nehmen Vertretungen von Hunderten der besten Universitäten der Vereinigten Staaten teil. Denn es ist wichtig, sehr gut zu unterscheiden, zu sehen. Jene Teilnehmer der Zusammenkunft im Weißen Haus würden es nicht wagen, sich mit diesen US-amerikanischen Studenten zu treffen.
Ich kann ihnen empfehlen, sich mit den mehr als 600 Studierenden und Dozenten zu treffen, mit denen ich vier Stunden lang im Kongresspalast gesprochen habe, und mit ihnen zu diskutieren, wenn sie wissen wollen, wie es in der Welt aussieht; wenn sie wissen wollen, wie es in Kuba aussieht und welche ihre Eindrücke sind und dass dieses nicht ein Volk von Fanatikern, sondern ein Volk gebildeter und zivilisierter Menschen ist; dass dieses vielleicht das einzige Land ist, in dem niemals eine US-amerikanische Flagge verbrannt wurde als eine der Handlungen, mit denen viele Menschen ihrer Leidenschaft oder ihrem erlittenen Unrecht Luft machen. Das ist hier niemals vorgekommen, denn die unsere ist eine Revolution mit Erziehungscharakter, eine Revolution mit Prinzipien, eine sich auf der Basis von Ideen gestaltende Revolution, die nicht das US-amerikanische Volk dessen beschuldigen darf, was seine Regierungen gegen unser Land unternehmen.
Sie hingegen geben allem Anschein nach die Schuld den Kindern, den Kranken, den alten Menschen, jenen, die leiden, denn was bezweckten sie sonst mit all den Maßnahmen der Blockadeverschärfung und anderen?
Ich sagte bereits, sie haben keine Vorstellung vom Umfang der Unterstützung der Revolution durch das kubanische Volk; und wir kennen ihn mit Millimetergenauigkeit. Seit vier Jahren betreiben wir tägliche Ermittlungen zur Meinungsbildung. Wir sehen, wie sich in diesen Jahren die Kenntnisse und das Bewusstsein unseres Volkes erweitert und vertieft haben. Wir sehen die Vorwärtsentwicklung sämtlicher Programme, der vielen Dutzenden sozialer, kultureller, erzieherischer und künstlerischer Programme.
Vor vier Jahren gab es noch keine Schulen für die Ausbildung von Lehrern in Kunstdisziplinen. Als ich nun heute Nachmittag diese jungen Kunstlehrerinnen sah, die aus diesen Schulen kommen — der einzige Ort, von den die Gefühle und Werte ausgehen können, die uns zu menschlichen Wesen machen, oder die Kenntnisse, die in uns produktive und kreative Fähigkeiten schaffen — dachte ich daran, wie wertvoll es doch ist, dass wir heute über 16 000 Studierende verfügen, die zum Studium an diesen Kunstlehrerschulen ausgewählt wurden und dass wir in den folgenden acht Monaten bereits mit den ersten Absolventen rechnen können.
Uns ist bekannt, was die Schüler des dritten Unterrichtsjahres dieser Schule in der UCI taten, der neuen Universität; der starke Eindruck, den sie dort hinterließen. Ihre Schüler sollen also nicht resignieren und sich nicht damit zufrieden geben, dass man ihnen andere Lehrer schickt, die nicht zu jenen zwanzig gehören, die dort waren. Bereits im nächsten Septembermonat wird es in unserem Land etwa 3500 geben. Nach deren Abschluss werden weitere 16 000 ihr Studium fortführen oder beginnen. So wird es also pro Jahr nicht weniger als 3500 Absolventen geben und eine jährliche Immatrikulation von etwas über 4000; denn wenn auch einige die Schule nicht beenden konnten, so werden wir doch nicht nur 4000 Neuaufnahmen haben. Wir kennen die verfügbaren Kapazitäten; die Schule wird stets voll ausgelastet sein.
Mit dem, was wir heute gesehen haben, kann man sich recht gut vorstellen, wie es sein wird, wenn wir über 10 000, über 20 000 Absolventen verfügen.
Doch noch etwas: Die Kunsthochschule erhält Unterstützung und Auftrieb. Es wird investiert. Sie genießt großes Prestige und wird eine der weltbesten Kunsthochschulen sein.
In unserem Land gibt es heute zum Beispiel in der Hauptstadt die Nationale Ballettschule, und 4100 Kinder aus einfachen Familien erhalten auf Beantragung ihrer Eltern an zwei Tagen pro Woche Unterricht im klassischen Tanz, erteilt durch Lehrerinnen, die zu den besten der Welt zählen. Gleichzeitig erhalten hier etwa 300 Schüler eine professionelle Ausbildung. Die Kapazität der Schule beträgt 300. Busse holen die Laientänzer und -tänzerinnen ab, fahren die von der Schule vorgeschriebene Route, also sie holen sie ab und bringen sie vollkommen sicher wieder zurück, und das trotz Blockade und allen anderen imperialistischen Lumpereien. Die Kosten liegen bei knapp 30 000 Dollar pro Jahr, auch bei dem verteuerten Brennstoff. Das heißt also, diese Möglichkeit für die Kinder, ganz gleich in welchem Stadtbezirk Havannas sie leben, bedeutet Transportkosten von nur annähernd sieben Dollar pro Kind und Jahr. Auch verbreitet und fördert die gleiche Schule der Ausbildung von Berufstänzern ein sehr wertvolles kulturelles und künstlerisches Wissen.
So etwas gibt es sonst nirgendwo. Damit sollten sich jene Personen befassen. Dafür sollten sie ihr Geld verwenden und nicht für Völkermord, Eroberungskriege auf der Suche nach Erdöl und anderen Rohstoffen, die sie unter ihre absolute Kontrolle zu bringen trachten.
Man schaue nach, ob sie etwas derartiges tun. Man überzeuge sich, was in den New Yorker Ghettos der Afroamerikaner geschieht, oder in den Städten Floridas und Kaliforniens, wo viele Millionen Menschen die Mittel für Bildung und Gesundheit entbehren müssen.
Es gibt keinen Anhaltspunkt, kein Beispiel, das sie der Welt nennen können, um mit dem Werk dieser Revolution verglichen zu werden. Es wäre dieser ein Vergleich zwischen Hölle und Himmel.
Heute empfinden wir den Mut und die Genugtuung darüber, für die Armen einen Himmel errichtet zu haben. Wir empfinden das Glück, für unsere Bürger die Tore der Hölle geschlossen zu haben. (Beifall) Wir empfinden das Glück, beim Kreieren eines Modells zu sein. Wir empfinden das Glück, Beweise dafür anzutreten, was der Mensch zu tun fähig ist; dass Gerechtigkeit möglich ist; dass der Intellekt, mit dem der Mensch zur Welt kommt, wird er gut ausgebildet, in die Nähe von Ergebnissen rücken könnte, die in der Menschheitsgeschichte bis heute reine Utopie sind. Wir empfinden die Genugtuung der Umwandlung einer Utopie in Realität.
Diese ist die Absicht, mit der wir alle jene widerwärtigen Meldungen jener widerlichen Kreaturen lesen, die zusammen kommen, um kriminelle Träume zu ersinnen. Wenn sie dann die für sie angenehme und für mich ruhige Nachricht erhalten, dass die bescheidenen Anstrengungen, denen ich mein Leben gewidmet habe, zu Ende sind, werden Millionen Kubaner, ebenso revolutionär wie wir und viel gebildeter und geschulter als wir, ein vereintes und kampferprobtes Volk, die Revolution weiter voran bringen.
Mit voller Klarheit sehe ich — es zeigt sich an allen Dingen —, dass die Kinder der ersten, der zweiten und der dritten Klasse wohl zu beneiden sind. Die Jahre vergehen. Es ist erst vier Jahre her, dass die Ideenschlacht begann; und für die Auflistung aller seitdem geleisteten Dinge, der Tausenden und Abertausenden von Aufgaben und Maßnahmen zur Umsetzung der begonnenen Programme benötigt man fast schon ein Telefonbuch.
Ich erwähnte die Schulen, an denen insgesamt 16 000 gut ausgewählte Studierende den Beruf eines Kunstlehrers erlernen. Ich könnte die Schule für Krankenpflege im Intensivkurs nennen, zu der es kam, als sich in der Hauptstadt eine Mangel an Pflegepersonal zeigte. Ich könnte die vier neuen Schulen für Sozialarbeiter nennen mit einer Kapazität von insgesamt 7200 pro Jahr plus die 14 000 Absolventen, die heute bereits arbeiten. Als die Ideenschlacht einsetzte, gab es davon noch gar nichts.
Ich könnte phänomenale Fakten nennen wie den der Reduzierung der Anzahl der Grundschüler pro Lehrer auf höchstens 20. Ich hätte die 2500 Schulen nennen können, die ihren Strom aus Solarzellen beziehen und hätte sagen können, dass es nicht eine einzige Schule gibt, der für ihre audiovisuellen Geräte, die Fernsehgeräte und die PC’s, der Strom fehlte. Man könnte die Projekte erwähnen, die wir in den zur Zeit laufenden Programmen des Gesundheitswesens zu Hunderten und, zählten wir die kleinen, zu Tausenden realisieren. Man könnte die 100 000 Studierenden der integralen Ausbildungsschulen für Jugendliche nennen. Nichts dergleichen gab es vor vier Jahren..
Wir könnten das in Beschäftigung umgewandelte Studium nennen und die Herabsetzung der Arbeitslosigkeit aus unter 4 %, was faktisch mit einer Vollbeschäftigung gleichzusetzen ist, und das in Zeiten, da die Welt eine sehr hohe und noch steigende Arbeitslosenzahl verzeichnet.
Wir könnten die Anzahl der Bücher nennen, die gedruckt wurden, die Anzahl der Schulen für Malerei und andere künstlerische Aktivitäten, die neu errichtet wurden und noch werden. Es könnte der Bildungskanal des Fernsehens genannt werden, einer der Kanäle des Landes mit dem stärksten Rating, und dass wir in drei bis vier Monaten einen zweiten Bildungskanal ebenfalls für das gesamte Land haben werden.
Wir könnten die Universität für Alle erwähnen. Wir könnten die Immatrikulation zum Hochschulstudium von mehr als 100 000 Studierenden erwähnen. Nichts dergleichen gab es vor vier Jahren.
Wir könnten erwähnen, daß gegenwärtig 29 000 Ärzte sich mit Arbeiten zur Erlangung eines wissenschaftlichen Grades befassen, dass einige Tausend von ihnen als internationalistische Gesundheitshelfer unter schweren und harten Bedingungen tätig sind und auch in jener Umgebung ihre Studienarbeit fortsetzen unter Zuhilfenahme neuer Methoden, die wir entwickelt haben, Videotechnik, Fernsehen, die erschöpfende Nutzung dieser Mittel, der Computer und interaktiven Erziehungsprogramme, wodurch die Kenntnisse vervielfältigt werden.
Bald werden wir von nicht nur 51 000 Fachärzten, darunter etwa 30 000 Fachärzte der integralen Allgemeinmedizin, unserer insgesamt fast 70 000 Ärzte sprechen. Wir werden von Hunderttausenden Ärzten mit wissenschaftlichem Grad sprechen. In unserem Land liegt die Pro-Kopf-Anzahl der Ärzte bereits viel höher als in den Vereinigten Staaten, liegt die Pro-Kopf-Anzahl der Lehrer viel höher als in den Vereinigten Staaten; und natürlich erscheint im Bruttoinlandsprodukt ihr Beitrag fast nicht, denn ihre Leistungen sind kein kommerzielles Produkt; sie sind vollkommen kostenfrei.
Auch die Freizeit-, Kultur-, Kunst- und Sportaktivitäten werden weiter entwickelt. Das Land wird voller Schulen und Museen sein.
Heute — ich habe mich etwas verspätet — werden wir in Cárdenas ein sehr schönes Museum einweihen. Cárdenas nimmt im Herzen des kubanischen Volkes, in unser aller Herzen einen ganz besonderen Platz ein; denn hier begann diese Schlacht, die so viele Früchte trägt und zur Schaffung der gerechtesten Gesellschaft der Erde in einer Rekordzeit noch so unendlich viele Früchte tragen muss. Das Werk der Revolution, errungen im Verlaufe der langen Zeit unter so vielen Opfern und mit dem Blut so vieler edler Menschen, lässt nicht den geringsten Zweifel darüber zu, dass sie die Insel und alles Leben dieser Insel vom Antlitz der Erde fegen, jedoch nicht erreichen können, dass Kuba vor ihren Erpressungen, ihren stupiden Forderungen, ihren Drohungen auch nur eine Daumenbreite weicht.
Tut es, wenn ihr es wagt! Fegt uns vom Antlitz der Erde! (Beifall). Die möglicherweise viel schneller verschwindet als sie glauben ist diese ungerechte und brutale Ordnung mit der sie heute die Welt immer stärker unterdrücken und ausbeuten ohne jegliche Hoffnung für die Zukunft einer Menschheit, die sich in 150 Jahren um das Sechsfache gewachsen ist, Berechnungen zufolge von einer Milliarde auf 6,3 Milliarden. In fünfzig Jahren werden es zehn Milliarden sein auf einem zunehmend verheerten Planeten, auf dem die nicht erneuerbaren Ressourcen verschwendet, die Atmosphäre, die Luft und die Meere verschmutzt werden. So könnte mathematisch bewiesen werden, dass die Gattung Mensch mit den entwickelten kriminellen Waffen, ja sogar ohne diese, mit der Zerstörung der natürlichen Lebensbedingungen verschwinden kann. Was jedoch niemals verschwindet, solange es ein Bewusstsein gibt und Menschen, die Fähig sind, Träger dieses Bewusstseins zu sein, ist die Idee der Pflicht zu kämpfen, damit es nicht zum Verschwinden der Gattung Mensch und mit ihr all jener Wunderwerke kommt, die die menschliche Intelligenz zu schaffen fähig ist. (Beifall)
Die Bedingungen für meine Ausdrucksweise hier waren etwas komplexer Art, denn ich spreche vor Erwachsenen, vor der Presse und vor den Kindern. Nun, etwas tröstet mich: Ich weiß, dass ein jedes dieser Kinder bereits vom ersten Schuljahr an viele der hier vorgetragenen Fakten begreifen kann.
Ich will hoffen, mir wird verziehen, dass ihr dort so lange gesessen habt, wo ihr doch so sehnlichst auf den Imbiss, das Eis und jene Dinge wartet, die nun alle Kinder von Cárdenas bekommen. Doch als angehender Anwalt, der ich einmal war, will ich mich nun verteidigen und euch daran erinnern, dass ihr es wart, die mich zum Sprechen aufforderten (Applaus und Ausrufe: „Fidel! Fidel!") Und ich hatte euch gewarnt, dass ihr damit ein großes Risiko eingeht.
Es lebe das Vaterland! (Ausrufe: „Es lebe!")
Es lebe das Leben! (Ausrufe: Es lebe!)
Es lebe die Kultur! (Ausrufe: Es lebe!)
Es lebe die Bildung und Erziehung (Ausrufe: Es lebe!)
Es lebe für immer das Werk und Vorbild unseres Volkes (Ausrufe: Es lebe!)
Hasta la victoria siempre!
(Ovationen)
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