Reflexionen des Genossen Fidel: Der Wirbelsturm
Ich schrieb in meiner vorhergehenden Reflexion vom Dienstag, dem 26. August, die ich in den Nachmittagsstunden abzeichnete, als der Wirbelsturm Gustav sich unerwartet bildete und unser Territorium bedrohte, was mit der Ankunft unserer Olympiamannschaft zusammenfiel, Folgendes: „Zum Glück haben wir eine Revolution! Es ist abgesichert, dass niemand ins Vergessen gerät… Eine starke, energische und voraussehende Zivilverteidigung schützt unsere Bevölkerung… Die zunehmende Häufigkeit und Intensität dieser Naturphänomene zeigt, dass sich das Klima durch Verschulden des Menschen ändert. Die heutige Zeit erfordert immer mehr Aufopferung, mehr Standhaftigkeit und mehr Bewusstsein. Es macht nichts, dass die Opportunisten und Vaterlandsverräter auch Nutzen daraus ziehen, ohne etwas zur Sicherheit und zum Wohlbefinden unseres Volkes beizutragen.“
Ich weiß, welche ungeheuerlichen Anstrengungen die Revolution unternehmen muss, wenn Wirbelstürme das Hoheitsgebiet heimsuchen. Ich kann hinzusetzen, dass Kuba über scharfsinnige und beharrliche Wissenschaftler wie José Rubiera verfügt.
In ganz kurzer Zeit gehen hunderte Millionen Arbeitsstunden verloren, wenn Windböen direkt gegen wirtschaftliche und gesellschaftliche Einrichtungen in ausgedehnten Gebieten unseres Landes stürmen. Endlose Regenfälle begleiten dieses Naturphänomen. Die Flüsse treten über ihre Ufer hinweg, reißen alles mit sich, was sie auf ihrem Weg vorfinden und überschwemmen beträchtliche Gebiete. Tausende Einrichtungen zur Erzeugung von Gemüse, Milch, Eiern, Geflügel- und Schweinefleisch und hoch entwickelte Berieselungsanlagen werden ernsthaft beschädigt. Etliche zehntausend Hektar Zuckerrohr, Hülsenfrüchte, Getreide und Früchte, die fast erntereif sind, erleiden ernsthafte Schäden. Schulen, Polikliniken, Freizeit- und Kultureinrichtungen, Wohnungen, Dächer, Fabriken, Lagerhäuser, Straßen und Brücken werden vom stürmischen Wind und dem Wasser heimgesucht. Dieses Mal haben Wind und Regen in stärkerem bzw. geringerem Grade allen Provinzen Schaden zugefügt, da der Hurrikan erst auf den Meeren südlich des Landes vorbeizog und dann die westlichste Provinz mit einem Durchmesser des Wirbelsturmzentrums (Auge) von 30 Kilometern und einer Ausdehnung der starken Winde bis zu einem Durchmesser von über 450 Kilometern überquerte.
Nichts ist so verheerend wie die Zerstörung und der Schaden, den man nach einem Wirbelsturm beobachten kann. Einige hunderttausend Mitbürger mobilisieren sich und arbeiten intensiv in der Wirbelsturmphase und der anschließenden Phase zur Wiederherstellung. Die Reserven vermindern sich bzw. gehen zu Ende. Jetzt ist die Beeinträchtigung der Nahrungsmittellieferungen kostspielig und empfindlich. Aber dies ist unser Land, der Teil des Planeten, der uns zugekommen ist, und wir müssen ihn entwickeln und verteidigen.
Die vor uns stehende Aufgabe erfordert Zeit und Erfahrung. Man kann nicht in einer Minute das aufbauen, was das wirkliche Kuba und sein edles Volk sind, das fähig gewesen ist, mit anderen seine Kenntnisse und sogar einen Teil seiner Ressourcen und seines Blutes zu teilen. Deshalb ist es immer ein unschlagbarer Gegner gegenüber dem mächtigen Imperium gewesen, das gegen unser Vaterland alle seine Waffen ausprobiert hat.
Aber der Welt wird kaum über die Verdienste unseres Landes und seinen außerordentlichen Kampf etwas mitgeteilt.
Vor zwei Tagen, d.h. am Freitag, dem 29., gab es elf Agenturmeldungen zu Kuba, von denen keine einzige von dem Wirbelsturm berichtete, der auf unsere Insel zustürmte, und von den fieberhaften Bemühungen unserer Zivilverteidigung mit der großzügigen Unterstützung von Millionen kubanischer Familien unter der Leitung einer abgehärteten politischen Avantgarde.
Eine der Agenturmeldungen, die der deutschen Nachrichtenagentur DPA, teilte mit:
„Bekannter kubanischer Schauspieler kommt in Miami an: ‘Ich bin gegangen, weil ich es satt hatte.’“
Die Meldung lautete unmittelbar wie folgt weiter: „Der bekannte Seifenoper-Schauspieler Yamil Jaled kam aus Kuba zur Familienzusammenführung mit seiner kubanisch-amerikanischen Ehefrau in Miami an, berichtete heute ein örtliches Tagesblatt.“
„Jaled hat in bekannten Fernsehserien mitgewirkt, Theater gespielt und Filmrollen übernommen, letzteres bei Superproduktionen in Frankreich und Italien.“
„Nach dem Abschluss seines Schauspielstudiums im Jahr 1997 an der Kunsthochschule (ISA) begann er seine berufliche Schauspieler-Laufbahn am Theater Rita Montaner, aber ein Jahr danach ging er zum Fernsehen.“
Anschließend besagt die Meldung, dass er 31 Jahre alt ist, berichtet ausschweifend über seine künstlerischen Fähigkeiten und seinen siegreichen Aufstieg im Fernsehen. Sie verbreitet so die Information eines Yankee-Presseorgans weiter, das dem Medienkrieg und den Kampagnen gegen Kuba gewidmet ist. Was für ein Patriot, was für ein Demokrat, was für ein leuchtendes Beispiel, den man uns als Vorbild hinstellt! – könnten wir Kubaner hinzufügen. Auf diese Art und Weise wird der Welt ein viel weniger bekannter und bedeutender Typ bekannt gegeben als der Hurrikan Gustav.
Sie möchten aus ihm eine „heilige Kuh“ machen. Die tiefer gehenden Überzeugungen, die die Zeit und das Auf und Ab der Lebensumstände überstehen, erreicht man nicht an einem Tag. Man muss vorher viele der Tendenzen besiegen, die uns innewohnen.
Ich hasse nicht andere Menschen, aber ich hasse den Dünkel, die Selbstverherrlichung, den Egoismus, die Besserwisserei, die Selbstgefälligkeit, Mangel an Ethik und andere Neigungen, mit denen wir Menschen zur Welt kommen. Nur die Bildung und das Beispiel der im Kampf zur menschlichen Verbesserung Herausragenden siegen und beeinflussen uns. Es ist ein Minimum an Philosophie bezüglich der notwendigen Bescheidenheit vonnöten.
Es gibt „heilige Kühe“, die beabsichtigen, unsere fünf Patrioten, die brutal von ihrem Vaterland und ihren nächsten und engsten Angehörigen getrennt wurden, mit den Söldnern gleichzustellen, die rechtmäßig als Verräter verurteilt und niemals persönlichen und unmenschlichen Beleidigungen ausgesetzt wurden.
Das, was ich in dieser Reflexion darlege, bekräftigt die Überzeugung, die ich meinen Mitbürgern übermitteln möchte, nämlich, dass nur die gerechten Ideen, die mit Mut, Würde und Standhaftigkeit verteidigt werden, überleben.
Fidel Castro Ruz
31. August 2008
19:32 Uhr
Hier finden Sie chronologisch sortiert Reden und Schriften des kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro Ruz
Sonntag, 31. August 2008
Dienstag, 26. August 2008
Was über Kuba nicht verlautbart wurde
Reflexionen des Genossen Fidel: Was über Kuba nicht verlautbart wurde
Ich habe aufmerksam die Reaktion der westlichen Medien auf meine Sonntags-Reflexion zu den Olympischen Spielen in China verfolgt. Schmerzliche, in ihr aufgeführte Tatsachen wurden vollkommen ignoriert; andere Aspekte wurden ad libitum von den Verteidigern des Ausbeutung und Ausplünderung der Welt übertrieben hervorgehoben.
Hier die Beispiele:
„Fidel Castro hat heute den Schiedsrichtern und der Mafia die Schuld an der armseligen Rolle der kubanischen Delegation zu den Olympischen Spielen gegeben. Er rechtfertigt ebenfalls den kubanischen Taekwondo-Sportler Ángel Valodia Matos, dem Wettkampfverbot auf Lebenszeit verhängt wurde, weil er dem Schiedsrichter einen Fußtritt am Kopf versetzt hat, und drückt dem Athleten seine vollkommene Solidarität aus.“
„Der ehemalige kubanische Präsident rief am Montag dazu auf, eine tiefgründige Analyse des Sports in Kuba durchzuführen. Er drückte ebenfalls seine Solidarität mit einem Athleten aus, der zusammen mit seinem Trainer wegen Angriff auf einen Schiedsrichter auf Lebenszeit Wettkampfverbot verhängt bekam.”
„Castro hat seine vollkommene Solidarität mit dem Taekwondo-Sportler zum Ausdruck gebracht, dem wegen Aggression auf einen Schiedsrichter und einen Stuhlschiedsrichter Wettkampfverbot ausgesprochen wurde.”
„Castro, solidarisch mit kubanischem Taekwondo-Sportler, dem Wettkampfverbot wegen Aggression ausgesprochen wurde.”
Die Liste ähnlicher Phrasen und Absätze ist lang. Das war das Muster, nach dem die Information verbreitet wurde. Ich hatte nichts Anderes erwartet. Ich war, genau wie die kubanischen Boxer, vor bestochenen Schiedsrichtern und Stuhlrichtern im Voraus verurteilt und sie wussten genau, was sie veröffentlichen würden.
Über den Hunger, die Unterernährung, Mangel an Arzneimitteln, Sporteinrichtungen und –ausrüstungen, unter denen 80 Prozent der Länder leiden, die dort an den Wettkämpfen teilnahmen, wird, wie zu erwarten war, kein Wort verloren.
Ich habe dem Verdienst des Veranstalter-Landes der letzten Olympischen Spiele Beifall gezollt. Ich habe nicht gezögert, die außerordentlichen Qualitäten der Sportler anzuerkennen, die dort erfolgreich waren. Ich habe meine Wertschätzung darüber zum Ausdruck gebracht, welche Freude, Emotionen und menschliche Aspekte die Medaillengewinner Milliarden Menschen vermittelten. Ich habe besonders die Friedensbotschaft gewürdigt, die eine Olympiade gegenüber dem der menschlichen Gattung auferlegten täglichen und unaufhörlichen Schauspiel von Gemetzel, Zerstörung, Völkermord und realer Ausrottungsgefahr bedeutet.
Was über Kuba nicht gesagt wurde:
Kuba hat im Jahr 1992 in Barcelona den fünften Platz bei Goldmedaillen eingenommen, als wir uns schon voll in der Sonderperiode befanden.
Bei den letzten Spielen haben wir noch - Gold, Silber und Bronze zusammengerechnet - 24 Medaillen erreicht, eine größere Anzahl als jedes der anderen Länder Lateinamerikas und der Karibik.
Wir schrecken nicht davor zurück, unsere Aktivität auf dem Gebiet Sport objektiv zu analysieren und uns auf kommende Schlachten vorzubereiten, und das ohne zu vergessen, das unterstreiche ich erneut, dass es in London „europäischen Chauvinismus, Schiedsrichter-Korruption, ‘Raub von Muskeln und Köpfen’, unbezahlbare Kosten und eine starke Dosis Rassismus geben wird.”
Beim Schreiben dieser Zeilen erinnere ich mich daran, dass uns inmitten der Olympiade ein Wirbelsturm, Fay, heimsuchte. Zur gleichen Uhrzeit, als gestern das Gros unserer Sportdelegation ankam, erschien die Nachricht, dass eine weitere Wirbelsturm-Störung sich auf unsere Ostprovinzen hinbewegte. Heute hat sie einen größeren Stärkegrad erreicht und ihre wahrscheinliche Route ist gefährlicher. Man muss nicht nur die Muskeln des Körpers stählen, sondern ebenso die des Geistes.
Zum Glück haben wir eine Revolution! Es ist abgesichert, dass niemand ins Vergessen gerät. Wenn es Verluste an Menschenleben gibt, dann werden es nicht hunderttausende aufgrund des Ansteigens des Meeresspiegels sein, wie es am 9. November 1932 in Santa Cruz del Sur geschehen ist bzw. wie beim Wirbelsturm Flora am 3. Oktober 1963, wo das Herz der kubanischen Ostprovinzen überschwemmt wurde, als es noch keinen einzigen der jetzigen Stauseen zur Regulierung gab, die außerdem als Quellen für Bewässerung und Leitungswasser dienen. Eine starke, energische und voraussehende Zivilverteidigung schützt unsere Bevölkerung und bietet ihr mehr Sicherheit bei Katastrophen als in den Vereinigten Staaten. Jedoch darf keine Gefahr ausgeschlossen werden.
Man darf sich auch nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität dieser Naturphänomene zeigt, dass sich das Klima durch Verschulden des Menschen ändert. Die heutige Zeit erfordert immer mehr Aufopferung, mehr Standhaftigkeit und mehr Bewusstsein. Es macht nichts, dass die Opportunisten und Vaterlandsverräter auch Nutzen daraus ziehen, ohne etwas zur Sicherheit und zum Wohlbefinden unseres Volkes beizutragen.
Fidel Castro Ruz
26. August 2008
17:34 Uhr
Ich habe aufmerksam die Reaktion der westlichen Medien auf meine Sonntags-Reflexion zu den Olympischen Spielen in China verfolgt. Schmerzliche, in ihr aufgeführte Tatsachen wurden vollkommen ignoriert; andere Aspekte wurden ad libitum von den Verteidigern des Ausbeutung und Ausplünderung der Welt übertrieben hervorgehoben.
Hier die Beispiele:
„Fidel Castro hat heute den Schiedsrichtern und der Mafia die Schuld an der armseligen Rolle der kubanischen Delegation zu den Olympischen Spielen gegeben. Er rechtfertigt ebenfalls den kubanischen Taekwondo-Sportler Ángel Valodia Matos, dem Wettkampfverbot auf Lebenszeit verhängt wurde, weil er dem Schiedsrichter einen Fußtritt am Kopf versetzt hat, und drückt dem Athleten seine vollkommene Solidarität aus.“
„Der ehemalige kubanische Präsident rief am Montag dazu auf, eine tiefgründige Analyse des Sports in Kuba durchzuführen. Er drückte ebenfalls seine Solidarität mit einem Athleten aus, der zusammen mit seinem Trainer wegen Angriff auf einen Schiedsrichter auf Lebenszeit Wettkampfverbot verhängt bekam.”
„Castro hat seine vollkommene Solidarität mit dem Taekwondo-Sportler zum Ausdruck gebracht, dem wegen Aggression auf einen Schiedsrichter und einen Stuhlschiedsrichter Wettkampfverbot ausgesprochen wurde.”
„Castro, solidarisch mit kubanischem Taekwondo-Sportler, dem Wettkampfverbot wegen Aggression ausgesprochen wurde.”
Die Liste ähnlicher Phrasen und Absätze ist lang. Das war das Muster, nach dem die Information verbreitet wurde. Ich hatte nichts Anderes erwartet. Ich war, genau wie die kubanischen Boxer, vor bestochenen Schiedsrichtern und Stuhlrichtern im Voraus verurteilt und sie wussten genau, was sie veröffentlichen würden.
Über den Hunger, die Unterernährung, Mangel an Arzneimitteln, Sporteinrichtungen und –ausrüstungen, unter denen 80 Prozent der Länder leiden, die dort an den Wettkämpfen teilnahmen, wird, wie zu erwarten war, kein Wort verloren.
Ich habe dem Verdienst des Veranstalter-Landes der letzten Olympischen Spiele Beifall gezollt. Ich habe nicht gezögert, die außerordentlichen Qualitäten der Sportler anzuerkennen, die dort erfolgreich waren. Ich habe meine Wertschätzung darüber zum Ausdruck gebracht, welche Freude, Emotionen und menschliche Aspekte die Medaillengewinner Milliarden Menschen vermittelten. Ich habe besonders die Friedensbotschaft gewürdigt, die eine Olympiade gegenüber dem der menschlichen Gattung auferlegten täglichen und unaufhörlichen Schauspiel von Gemetzel, Zerstörung, Völkermord und realer Ausrottungsgefahr bedeutet.
Was über Kuba nicht gesagt wurde:
- Es ist das einzige Land, in dem es keinen Profisport gibt.
- Es ist das einzige Land, das vor Jahren eine großartige Internationale Hochschule für Körperkultur und Sport gegründet hat, an der viele junge Menschen der Dritten Welt ihren akademischen Abschluss gemacht haben und wo zurzeit circa 1.500 Studenten ihr Studium absolvieren, ohne einen Cent zu bezahlen.
- Es ist das einzige Land, in dem die Leistungssportler gratis ihre Ausbildung als Sportlehrer machen und das an Hochschulen dieser Fachrichtung etliche zehntausend Bürger ausgebildet hat, die ihre Tätigkeit im Dienste von Kindern, Jugendlichen und Menschen jeden Alters ausüben. Viele von ihnen arbeiten außerdem als Entwicklungshelfer in der Dritten Welt, gegen eine minimale Bezahlung bzw. in bestimmten Fällen gratis. So haben sie zur Entwicklung des Sports auf internationaler Ebene beigetragen.
- Es ist das einzige Land unter den Teilnehmerstaaten an der Olympiade von Beijing, das einer Wirtschaftsblockade seitens des mächtigsten und reichsten je vorhandenen Imperiums unterliegt.
- Es ist das einzige Land unter diesen selben Teilnehmern, dem ein Gesetz wie das Cuban Adjustment Act auferlegt wird, das außer den blutigen Ergebnissen zusätzlich den Raub von kubanischen Athleten erleichtert und Anreize dafür schafft.
- Unser Land hat der Gesundheitsbetreuung der Leistungssportler ein Spezialkrankenhaus gewidmet.
- Die Wahrheiten können nicht hinter der Anästhesie und den Feuerwerken der Olympischen Spiele verborgen werden.
Kuba hat im Jahr 1992 in Barcelona den fünften Platz bei Goldmedaillen eingenommen, als wir uns schon voll in der Sonderperiode befanden.
Bei den letzten Spielen haben wir noch - Gold, Silber und Bronze zusammengerechnet - 24 Medaillen erreicht, eine größere Anzahl als jedes der anderen Länder Lateinamerikas und der Karibik.
Wir schrecken nicht davor zurück, unsere Aktivität auf dem Gebiet Sport objektiv zu analysieren und uns auf kommende Schlachten vorzubereiten, und das ohne zu vergessen, das unterstreiche ich erneut, dass es in London „europäischen Chauvinismus, Schiedsrichter-Korruption, ‘Raub von Muskeln und Köpfen’, unbezahlbare Kosten und eine starke Dosis Rassismus geben wird.”
Beim Schreiben dieser Zeilen erinnere ich mich daran, dass uns inmitten der Olympiade ein Wirbelsturm, Fay, heimsuchte. Zur gleichen Uhrzeit, als gestern das Gros unserer Sportdelegation ankam, erschien die Nachricht, dass eine weitere Wirbelsturm-Störung sich auf unsere Ostprovinzen hinbewegte. Heute hat sie einen größeren Stärkegrad erreicht und ihre wahrscheinliche Route ist gefährlicher. Man muss nicht nur die Muskeln des Körpers stählen, sondern ebenso die des Geistes.
Zum Glück haben wir eine Revolution! Es ist abgesichert, dass niemand ins Vergessen gerät. Wenn es Verluste an Menschenleben gibt, dann werden es nicht hunderttausende aufgrund des Ansteigens des Meeresspiegels sein, wie es am 9. November 1932 in Santa Cruz del Sur geschehen ist bzw. wie beim Wirbelsturm Flora am 3. Oktober 1963, wo das Herz der kubanischen Ostprovinzen überschwemmt wurde, als es noch keinen einzigen der jetzigen Stauseen zur Regulierung gab, die außerdem als Quellen für Bewässerung und Leitungswasser dienen. Eine starke, energische und voraussehende Zivilverteidigung schützt unsere Bevölkerung und bietet ihr mehr Sicherheit bei Katastrophen als in den Vereinigten Staaten. Jedoch darf keine Gefahr ausgeschlossen werden.
Man darf sich auch nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität dieser Naturphänomene zeigt, dass sich das Klima durch Verschulden des Menschen ändert. Die heutige Zeit erfordert immer mehr Aufopferung, mehr Standhaftigkeit und mehr Bewusstsein. Es macht nichts, dass die Opportunisten und Vaterlandsverräter auch Nutzen daraus ziehen, ohne etwas zur Sicherheit und zum Wohlbefinden unseres Volkes beizutragen.
Fidel Castro Ruz
26. August 2008
17:34 Uhr
Sonntag, 24. August 2008
Für Ruf und Ehre - die Goldmedaille!
Reflexionen des Genossen Fidel: Für Ruf und Ehre - die Goldmedaille!
Wenn man eine statistische Aufstellung der Anzahl pro Million Einwohner solcher in den gerade abgeschlossenen Olympischen Spielen gesehenen Einrichtungen, Sportplätze und hoch entwickelten Ausrüstungen anfertigen würde, - wie der Schwimm- und Hallenbäder für Schwimm-, Kunstsprung- und Wasserpolo-Sportarten; der künstlichen Böden für Leichtathletik und Hockey; der Einrichtungen für Basketball, Volleyball; der schnellen Gewässer für Kajaksport; der Radrennbahnen, der Schießplätze usw. usf. – dann könnte man behaupten, dass diese für 80% der in Beijing vertretenen Länder, d.h. Milliarden Menschen dieses Planeten, nicht erreichbar sind. China, ein riesiges und tausendjähriges Land mit über 1,2 Milliarden Einwohnern, hat 40 Milliarden Dollar in die olympischen Einrichtungen investiert und wird noch eine gewisse Zeitspanne benötigen, um die Bedürfnisse im Sportbereich einer voll im Entwicklungsprozess befindlichen Gesellschaft zu befriedigen.
Wenn man die Einwohnerzahlen von Indien, Indonesien, Bangladesh, Pakistan, Vietnam, Philippinen und anderen zusammenrechnet, und außerdem die knapp 900 Millionen Afrikaner und über 550 Millionen Lateinamerikaner berücksichtigt, dann kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie vielen Menschen auf der Welt solche Sporteinrichtungen nicht zur Verfügung stehen.
Unter diesen Gesichtspunkten sollten wir die Nachrichten über die Olympischen Spiele von Beijing analysieren.
Die Welt hat sich an der Olympiade erfreut, weil wir sie brauchten, weil wir das Lächeln und die Gefühle der teilnehmenden Athleten sehen wollten, und besonders die der ersten Plätze, die den Preis für ihre Beständigkeit und Disziplin erhielten.
Wen von ihnen könnte man der kolossalen Ungleichheiten des Planeten beschuldigen, der uns als Wohnstätte zugefallen ist? Wie sollte man andererseits den Hunger, die Unterernährung, den Mangel an Schulen und Lehrern, Krankenhäusern, Ärzten, Arzneimitteln und elementaren Mitteln zum Leben vergessen, unter denen die Welt leidet!
Wir wissen, was offensichtlich jene wollen, die die von uns bewohnte Welt ausplündern und ausbeuten. Warum haben sie am selben Tag, an dem die Olympischen Spiele begannen, die Gewalt entfesselt und die Kriegsgefahren verschärft? Die Spiele sind in knapp 16 Tagen abgelaufen.
Jetzt, wo der Anästhesie-Effekt vorbei ist, wendet die Welt sich wieder ihren beängstigenden und wachsenden Problemen zu.
Vor einigen Tagen habe ich über unseren Sport geschrieben. Ich prangerte seit längerer Zeit in Verteidigung von Mut und Ehre unserer Athleten öffentlich die ekelhaften Söldneraktionen gegen jene revolutionäre Tätigkeit an.
Während die Wettkämpfe stattfanden, habe ich über diese Angelegenheit nachgedacht. Vielleicht hätte ich mich nicht so schnell entschlossen, etwas über dieses Thema zu schreiben, wenn es nicht den Zwischenfall mit dem kubanischen Taekwondo-Sportler Angel Valodia Matos – vor acht Jahren in Sydney Olympiasieger - gegeben hätte, dessen Mutter verstarb, als er 20.000 Kilometer von seinem Vaterland entfernt im Wettkampf stand und dabei war, die Goldmedaille zu gewinnen.
Erstaunt über eine Entscheidung, die ihm vollkommen ungerecht erschien, protestierte er und lancierte einen Fußtritt gegen den Schiedsrichter. Man hatte versucht, seinen Trainer zu kaufen, er war voreingenommen und entrüstet. Er konnte nicht an sich halten.
Der Athlet war daran gewohnt, mutig den im Taekwondo häufigen Verletzungen zu begegnen. Der Schiedsrichter erklärte den Kampf für beendet, als er dabei war, drei zu zwei zu gewinnen. Das war nicht der einzige Fall. Die Macht des Schiedsrichters bei dieser Art Wettkämpfen ist sehr groß und die des Athleten ist gleich Null. Beiden Kubanern, dem Taekwondo-Sportler und dem Trainer wurde die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen auf Lebenszeit verboten.
Ich habe gesehen, wie die Schiedsrichter auf unverschämte Art und Weise zwei kubanischen Boxern im Halbfinale den Sieg geraubt haben. Die Unsrigen haben mit Würde und Mut gekämpft; sie haben ständig angegriffen. Sie hegten trotz der Schiedsrichter Hoffnungen auf den Sieg; aber es war nutzlos: sie waren im Voraus verurteilt. Ich habe den Kampf von Correa nicht gesehen, dem ebenfalls der Sieg entrissen wurde.
Ich bin nicht verpflichtet, bezüglich der Mafia Schweigen zu bewahren. Dieser ist es gelungen, die Regeln des olympischen Komitees zu hintergehen. Das, was sie mit den jungen Boxern unserer Mannschaft gemacht haben, um die Arbeit derjenigen zu vervollständigen, die sich dem Raub von Athleten aus der Dritten Welt widmen, war kriminell. In ihrer Grausamkeit und Verbissenheit haben sie bewirkt, dass Kuba keine olympische Goldmedaille in dieser Disziplin erreicht hat.
Kuba hat weder jemals einen Athleten noch einen Schiedsrichter gekauft. Es gibt Sportarten, wo die Schiedsrichter sehr korrumpiert sind und wo unsere Sportler gegen den Gegner und den Schiedsrichter kämpfen. Vorher hat der kubanische Boxsport, der aufgrund seines Prestiges internationale Anerkennung genießt, solchen Bestechungs- und Korruptions-Versuchen begegnen müssen, wo auf hohem Niveau trainierte und gestählte Boxer gekauft wurden, wie sie es mit Baseball-Spielern und anderen herausragenden Sportlern versuchen, um dem Land mit Händen und Füßen die Goldmedaillen zu entreißen.
Die kubanischen Sportler, die in Beijing an den Wettkämpfen teilgenommen haben, und anstelle von Gold, Silber, Bronze bzw. einen hervorragenden Platz bei den Ausscheiden erreichten, haben ein riesengroßes Verdienst als Vertreter des Amateursports, der der Neugeburt der olympischen Bewegung zugrunde liegt. Sie sind unübertreffliche Beispiele auf der Welt.
Mit welcher Würde sie doch gekämpft haben!
Der Professionalismus wurde aufgrund von kommerziellen Interessen bei den Olympiaden eingeführt. Diese haben den Sport und die Sportler, wie wir es schon gesagt haben, in bloße Waren verwandelt.
Das Verhalten des Baseball-Olympiateams von Kuba war beispielhaft. Sie haben in Beijing zweimal die Auswahl der Vereinigten Staaten besiegt; Land, das diesen Sport erfunden hat, der aufgrund der Interessen der großen Handelsfirmen von den Olympiaden ausgeschlossen wurde. Das Jahr 2008 war vorläufig sein letztes Teilnahmejahr an der Olympiade.
Das Spiel gegen Südkorea wurde für das spannendste und außerordentlichste je bei einer Olympiade stattgefundene gehalten. Es wurde im letzten Inning mit drei Kubanern in Bases und einem Out entschieden.
Die gegnerischen Profi-Baseballspieler waren wie Automaten, die zum Schlagholz-Schlagen entworfen worden waren; ihr Pitcher war ein Linkshänder mit hoher Geschwindigkeit, vielfältigen Balls und sehr hoher Genauigkeit. Es handelte sich um ein ausgezeichnetes Team. Die Kubaner üben den Sport nicht als einen lukrativen Beruf aus. Sie sind wie alle unsere Sportler dazu erzogen, ihrem Land zu dienen. Wenn das nicht so wäre, würde das Vaterland - von geringer Größe und mit begrenzten Mitteln – sie für immer verlieren. Es ist nicht möglich, auch nur den Wert der von ihnen in ihrem ganzen Leben zu Unterhaltungs- und Bildungszwecken der Nation in allen Provinzen und auf der Isla de la Juventud geleisteten Dienste zu berechnen.
Im Volleyball hat unsere Mannschaft der US-Auswahl bei den Vorausscheiden eine Niederlage beigebracht, indem sie vom Untersten einer mehr als 50stufigen Treppe aufstieg. Eine Heldentat, die in die Geschichtsannalen eingehen wird, auch wenn sie ohne Medaillen zurückkommt.
Mijaín hat in einem schwierigen Kampf mit einem russischen Rivalen stolz die erste Goldmedaille für Kuba gewonnen.
Dayron Robles hat mit großem Abstand die Goldmedaille gewonnen. Der Regen hat die funkelnagelneue Piste durchnässt. Ohne die noch vorhandene Feuchtigkeit hätte er den olympischen Rekord einfach brechen können und außerdem den Weltrekord, den er einige Wochen vorher in dem schwierigen und millimetergenauen Wettkampf des 110 Meter-Hürdenlaufs aufgestellt hatte. Er ist ein disziplinierter und ausdauernder Sportler von 21 Jahren, der stahlharte Nerven besitzt.
Yoanka González hat die erste kubanische Olympia-Medaille beim Radsport gewonnen.
Leonel Súarez, der beim Zehnkampf die Bronzemedaille erreichte, wird im September 21 Jahre alt. Die in jedem der zehn Wettkämpfe seiner beinahe unzugänglichen Sportart erreichten Ergebnisse sind beeindruckend.
Es sind so viele Sportler mit großen Verdiensten, sowohl Männer als Frauen, dass man nicht alle hier aufzählen kann, aber es ist unmöglich, sie zu vergessen.
Über 150 Athleten unserer kleinen Insel haben an der Olympiade 2008 teilgenommen und in 16 der dort ausgetragenen 28 Sportarten gekämpft.
Unser Land übt weder den Chauvinismus aus noch handelt es mit dem Sport, der so heilig ist, wie die Bildung und die Gesundheit des Volkes; es übt aber im Gegenteil dazu die Solidarität aus. Es hat vor Jahren eine Bildungsanstalt für Körperkultur- und Sportlehrer mit einer Kapazität für über 1 500 Studierende der Dritten Welt geschaffen. Mit demselben solidarischen Geist feiern wir den Triumph der jamaikanischen Sprinter, die 6 Goldmedaillen erreichten; das Gold des Weitspringers aus Panama und des dominikanischen Boxers mit dem gleichen Titel, bzw. das der brasilianischen Volleyballspielerinnen, die die Mannschaft der Vereinigten Staaten überwältigend besiegten und die Vormachtstellung erreichten.
Andererseits haben tausende kubanische Sporttrainer Entwicklungshilfe in Ländern der Dritten Welt geleistet.
Diese Verdienste unseres Sports entheben uns nicht im Geringsten jetziger und zukünftiger Verantwortungen. In den Sportwettkämpfen auf der Welt hat sich aus den aufgezeigten Gründen ein Qualitätssprung vollzogen. Heutzutage leben wir nicht unter denselben Umständen, wie zu jener Zeit, als wir relativ schnell den ersten Platz der Welt bezüglich Goldmedaillen pro Einwohner erreichten, und natürlich wird sich das nicht wiederholen.
Wir stellen circa 0,07% der Weltbevölkerung dar. Wir können nicht wie die Vereinigten Staaten, die mindestens eine 30 Mal größere Bevölkerung haben, in allen Sportarten stark sein. Wir könnten niemals auch nur über 1% jener Einrichtungen und Ausrüstungen aller Art bzw. über die verschiedenartigen Klimas wie sie verfügen. Ebenso sieht es mit dem Rest der reichen Welt aus, die mindest zweimal die Bevölkerungsgröße der Vereinigten Staaten darstellt. Jene Länder haben insgesamt circa eine Milliarde Einwohner.
Die Tatsache, dass mehr Nationen teilnehmen und die Wettkämpfe härter sind, ist teilweise ein Sieg des kubanischen Beispiels. Aber wir haben uns auf unseren Lorbeeren ausgeruht. Seien wir ehrlich und erkennen wir es alle an. Es ist unwichtig, was unsere Feinde sagen. Wir müssen verantwortungsbewusst sein. Wir müssen jede Disziplin, jede menschliche und materielle Ressource überprüfen, die wir dem Sport widmen. Wir müssen tiefgründig bei unserer Analyse vorgehen, neue Ideen, Konzepte und Kenntnisse anwenden. Wir müssen das voneinander unterscheiden, was für die Gesundheit der Bürger getan wird und das, was aus der Notwendigkeit heraus geschieht, am Wettkampf teilzunehmen und dieses Instrument für Wohlbefinden und Gesundheit zu verbreiten. Wenn wir nicht mehr außerhalb des Landes an Wettkämpfen teilnehmen würden, würde das nicht das Ende der Welt sein. Ich bin der Meinung, dass es das Beste ist, innerhalb und außerhalb des Landes an Wettkämpfen teilzunehmen, allen Schwierigkeiten die Stirn zu bieten und die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen besser zunutzen, sowohl die menschlichen als auch die materiellen.
Wir wollen uns auf wichtige zukünftige Schlachten vorbereiten. Lassen wir uns nicht von lächelnden Gesichtern aus London einwickeln. Dort wird es europäischen Chauvinismus, Schiedsrichter-Korruption, „Raub von Muskeln und Köpfen“, unbezahlbare Kosten und eine starke Dosis Rassismus geben.
Man kann nicht einmal den Traum hegen, dass London solch einen Grad an Sicherheit, Disziplin und Enthusiasmus zu Wege bringen wird, wie es Beijing erreicht hat. Eines ist sicher: es wird eine konservative Regierung geben und diese wird vielleicht weniger kriegerisch eingestellt sein, als die jetzige.
Wir dürfen die Redlichkeit, Ehrbarkeit und das berufliche Prestige nicht vergessen, dessen sich unsere internationalen Schiedsrichter und die Sport-Entwicklungshelfer erfreuen.
Für unseren Taekwondo-Sportler und seinen Trainer unsere vollkommene Solidarität. Für diejenigen, die heute zurückkommen, der Beifall des gesamten Volkes.
Wir wollen unseren Sportlern an allen Enden des Landes einen Empfang bereiten. Wir wollen ihre Würde und ihre Verdienste hervorheben. Wir wollen für sie alles in unseren Kräften stehende tun.
Für Ruf und Ehre, die Goldmedaille!
Fidel Castro Ruz
24. August 2008
21:05 Uhr
Wenn man eine statistische Aufstellung der Anzahl pro Million Einwohner solcher in den gerade abgeschlossenen Olympischen Spielen gesehenen Einrichtungen, Sportplätze und hoch entwickelten Ausrüstungen anfertigen würde, - wie der Schwimm- und Hallenbäder für Schwimm-, Kunstsprung- und Wasserpolo-Sportarten; der künstlichen Böden für Leichtathletik und Hockey; der Einrichtungen für Basketball, Volleyball; der schnellen Gewässer für Kajaksport; der Radrennbahnen, der Schießplätze usw. usf. – dann könnte man behaupten, dass diese für 80% der in Beijing vertretenen Länder, d.h. Milliarden Menschen dieses Planeten, nicht erreichbar sind. China, ein riesiges und tausendjähriges Land mit über 1,2 Milliarden Einwohnern, hat 40 Milliarden Dollar in die olympischen Einrichtungen investiert und wird noch eine gewisse Zeitspanne benötigen, um die Bedürfnisse im Sportbereich einer voll im Entwicklungsprozess befindlichen Gesellschaft zu befriedigen.
Wenn man die Einwohnerzahlen von Indien, Indonesien, Bangladesh, Pakistan, Vietnam, Philippinen und anderen zusammenrechnet, und außerdem die knapp 900 Millionen Afrikaner und über 550 Millionen Lateinamerikaner berücksichtigt, dann kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie vielen Menschen auf der Welt solche Sporteinrichtungen nicht zur Verfügung stehen.
Unter diesen Gesichtspunkten sollten wir die Nachrichten über die Olympischen Spiele von Beijing analysieren.
Die Welt hat sich an der Olympiade erfreut, weil wir sie brauchten, weil wir das Lächeln und die Gefühle der teilnehmenden Athleten sehen wollten, und besonders die der ersten Plätze, die den Preis für ihre Beständigkeit und Disziplin erhielten.
Wen von ihnen könnte man der kolossalen Ungleichheiten des Planeten beschuldigen, der uns als Wohnstätte zugefallen ist? Wie sollte man andererseits den Hunger, die Unterernährung, den Mangel an Schulen und Lehrern, Krankenhäusern, Ärzten, Arzneimitteln und elementaren Mitteln zum Leben vergessen, unter denen die Welt leidet!
Wir wissen, was offensichtlich jene wollen, die die von uns bewohnte Welt ausplündern und ausbeuten. Warum haben sie am selben Tag, an dem die Olympischen Spiele begannen, die Gewalt entfesselt und die Kriegsgefahren verschärft? Die Spiele sind in knapp 16 Tagen abgelaufen.
Jetzt, wo der Anästhesie-Effekt vorbei ist, wendet die Welt sich wieder ihren beängstigenden und wachsenden Problemen zu.
Vor einigen Tagen habe ich über unseren Sport geschrieben. Ich prangerte seit längerer Zeit in Verteidigung von Mut und Ehre unserer Athleten öffentlich die ekelhaften Söldneraktionen gegen jene revolutionäre Tätigkeit an.
Während die Wettkämpfe stattfanden, habe ich über diese Angelegenheit nachgedacht. Vielleicht hätte ich mich nicht so schnell entschlossen, etwas über dieses Thema zu schreiben, wenn es nicht den Zwischenfall mit dem kubanischen Taekwondo-Sportler Angel Valodia Matos – vor acht Jahren in Sydney Olympiasieger - gegeben hätte, dessen Mutter verstarb, als er 20.000 Kilometer von seinem Vaterland entfernt im Wettkampf stand und dabei war, die Goldmedaille zu gewinnen.
Erstaunt über eine Entscheidung, die ihm vollkommen ungerecht erschien, protestierte er und lancierte einen Fußtritt gegen den Schiedsrichter. Man hatte versucht, seinen Trainer zu kaufen, er war voreingenommen und entrüstet. Er konnte nicht an sich halten.
Der Athlet war daran gewohnt, mutig den im Taekwondo häufigen Verletzungen zu begegnen. Der Schiedsrichter erklärte den Kampf für beendet, als er dabei war, drei zu zwei zu gewinnen. Das war nicht der einzige Fall. Die Macht des Schiedsrichters bei dieser Art Wettkämpfen ist sehr groß und die des Athleten ist gleich Null. Beiden Kubanern, dem Taekwondo-Sportler und dem Trainer wurde die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen auf Lebenszeit verboten.
Ich habe gesehen, wie die Schiedsrichter auf unverschämte Art und Weise zwei kubanischen Boxern im Halbfinale den Sieg geraubt haben. Die Unsrigen haben mit Würde und Mut gekämpft; sie haben ständig angegriffen. Sie hegten trotz der Schiedsrichter Hoffnungen auf den Sieg; aber es war nutzlos: sie waren im Voraus verurteilt. Ich habe den Kampf von Correa nicht gesehen, dem ebenfalls der Sieg entrissen wurde.
Ich bin nicht verpflichtet, bezüglich der Mafia Schweigen zu bewahren. Dieser ist es gelungen, die Regeln des olympischen Komitees zu hintergehen. Das, was sie mit den jungen Boxern unserer Mannschaft gemacht haben, um die Arbeit derjenigen zu vervollständigen, die sich dem Raub von Athleten aus der Dritten Welt widmen, war kriminell. In ihrer Grausamkeit und Verbissenheit haben sie bewirkt, dass Kuba keine olympische Goldmedaille in dieser Disziplin erreicht hat.
Kuba hat weder jemals einen Athleten noch einen Schiedsrichter gekauft. Es gibt Sportarten, wo die Schiedsrichter sehr korrumpiert sind und wo unsere Sportler gegen den Gegner und den Schiedsrichter kämpfen. Vorher hat der kubanische Boxsport, der aufgrund seines Prestiges internationale Anerkennung genießt, solchen Bestechungs- und Korruptions-Versuchen begegnen müssen, wo auf hohem Niveau trainierte und gestählte Boxer gekauft wurden, wie sie es mit Baseball-Spielern und anderen herausragenden Sportlern versuchen, um dem Land mit Händen und Füßen die Goldmedaillen zu entreißen.
Die kubanischen Sportler, die in Beijing an den Wettkämpfen teilgenommen haben, und anstelle von Gold, Silber, Bronze bzw. einen hervorragenden Platz bei den Ausscheiden erreichten, haben ein riesengroßes Verdienst als Vertreter des Amateursports, der der Neugeburt der olympischen Bewegung zugrunde liegt. Sie sind unübertreffliche Beispiele auf der Welt.
Mit welcher Würde sie doch gekämpft haben!
Der Professionalismus wurde aufgrund von kommerziellen Interessen bei den Olympiaden eingeführt. Diese haben den Sport und die Sportler, wie wir es schon gesagt haben, in bloße Waren verwandelt.
Das Verhalten des Baseball-Olympiateams von Kuba war beispielhaft. Sie haben in Beijing zweimal die Auswahl der Vereinigten Staaten besiegt; Land, das diesen Sport erfunden hat, der aufgrund der Interessen der großen Handelsfirmen von den Olympiaden ausgeschlossen wurde. Das Jahr 2008 war vorläufig sein letztes Teilnahmejahr an der Olympiade.
Das Spiel gegen Südkorea wurde für das spannendste und außerordentlichste je bei einer Olympiade stattgefundene gehalten. Es wurde im letzten Inning mit drei Kubanern in Bases und einem Out entschieden.
Die gegnerischen Profi-Baseballspieler waren wie Automaten, die zum Schlagholz-Schlagen entworfen worden waren; ihr Pitcher war ein Linkshänder mit hoher Geschwindigkeit, vielfältigen Balls und sehr hoher Genauigkeit. Es handelte sich um ein ausgezeichnetes Team. Die Kubaner üben den Sport nicht als einen lukrativen Beruf aus. Sie sind wie alle unsere Sportler dazu erzogen, ihrem Land zu dienen. Wenn das nicht so wäre, würde das Vaterland - von geringer Größe und mit begrenzten Mitteln – sie für immer verlieren. Es ist nicht möglich, auch nur den Wert der von ihnen in ihrem ganzen Leben zu Unterhaltungs- und Bildungszwecken der Nation in allen Provinzen und auf der Isla de la Juventud geleisteten Dienste zu berechnen.
Im Volleyball hat unsere Mannschaft der US-Auswahl bei den Vorausscheiden eine Niederlage beigebracht, indem sie vom Untersten einer mehr als 50stufigen Treppe aufstieg. Eine Heldentat, die in die Geschichtsannalen eingehen wird, auch wenn sie ohne Medaillen zurückkommt.
Mijaín hat in einem schwierigen Kampf mit einem russischen Rivalen stolz die erste Goldmedaille für Kuba gewonnen.
Dayron Robles hat mit großem Abstand die Goldmedaille gewonnen. Der Regen hat die funkelnagelneue Piste durchnässt. Ohne die noch vorhandene Feuchtigkeit hätte er den olympischen Rekord einfach brechen können und außerdem den Weltrekord, den er einige Wochen vorher in dem schwierigen und millimetergenauen Wettkampf des 110 Meter-Hürdenlaufs aufgestellt hatte. Er ist ein disziplinierter und ausdauernder Sportler von 21 Jahren, der stahlharte Nerven besitzt.
Yoanka González hat die erste kubanische Olympia-Medaille beim Radsport gewonnen.
Leonel Súarez, der beim Zehnkampf die Bronzemedaille erreichte, wird im September 21 Jahre alt. Die in jedem der zehn Wettkämpfe seiner beinahe unzugänglichen Sportart erreichten Ergebnisse sind beeindruckend.
Es sind so viele Sportler mit großen Verdiensten, sowohl Männer als Frauen, dass man nicht alle hier aufzählen kann, aber es ist unmöglich, sie zu vergessen.
Über 150 Athleten unserer kleinen Insel haben an der Olympiade 2008 teilgenommen und in 16 der dort ausgetragenen 28 Sportarten gekämpft.
Unser Land übt weder den Chauvinismus aus noch handelt es mit dem Sport, der so heilig ist, wie die Bildung und die Gesundheit des Volkes; es übt aber im Gegenteil dazu die Solidarität aus. Es hat vor Jahren eine Bildungsanstalt für Körperkultur- und Sportlehrer mit einer Kapazität für über 1 500 Studierende der Dritten Welt geschaffen. Mit demselben solidarischen Geist feiern wir den Triumph der jamaikanischen Sprinter, die 6 Goldmedaillen erreichten; das Gold des Weitspringers aus Panama und des dominikanischen Boxers mit dem gleichen Titel, bzw. das der brasilianischen Volleyballspielerinnen, die die Mannschaft der Vereinigten Staaten überwältigend besiegten und die Vormachtstellung erreichten.
Andererseits haben tausende kubanische Sporttrainer Entwicklungshilfe in Ländern der Dritten Welt geleistet.
Diese Verdienste unseres Sports entheben uns nicht im Geringsten jetziger und zukünftiger Verantwortungen. In den Sportwettkämpfen auf der Welt hat sich aus den aufgezeigten Gründen ein Qualitätssprung vollzogen. Heutzutage leben wir nicht unter denselben Umständen, wie zu jener Zeit, als wir relativ schnell den ersten Platz der Welt bezüglich Goldmedaillen pro Einwohner erreichten, und natürlich wird sich das nicht wiederholen.
Wir stellen circa 0,07% der Weltbevölkerung dar. Wir können nicht wie die Vereinigten Staaten, die mindestens eine 30 Mal größere Bevölkerung haben, in allen Sportarten stark sein. Wir könnten niemals auch nur über 1% jener Einrichtungen und Ausrüstungen aller Art bzw. über die verschiedenartigen Klimas wie sie verfügen. Ebenso sieht es mit dem Rest der reichen Welt aus, die mindest zweimal die Bevölkerungsgröße der Vereinigten Staaten darstellt. Jene Länder haben insgesamt circa eine Milliarde Einwohner.
Die Tatsache, dass mehr Nationen teilnehmen und die Wettkämpfe härter sind, ist teilweise ein Sieg des kubanischen Beispiels. Aber wir haben uns auf unseren Lorbeeren ausgeruht. Seien wir ehrlich und erkennen wir es alle an. Es ist unwichtig, was unsere Feinde sagen. Wir müssen verantwortungsbewusst sein. Wir müssen jede Disziplin, jede menschliche und materielle Ressource überprüfen, die wir dem Sport widmen. Wir müssen tiefgründig bei unserer Analyse vorgehen, neue Ideen, Konzepte und Kenntnisse anwenden. Wir müssen das voneinander unterscheiden, was für die Gesundheit der Bürger getan wird und das, was aus der Notwendigkeit heraus geschieht, am Wettkampf teilzunehmen und dieses Instrument für Wohlbefinden und Gesundheit zu verbreiten. Wenn wir nicht mehr außerhalb des Landes an Wettkämpfen teilnehmen würden, würde das nicht das Ende der Welt sein. Ich bin der Meinung, dass es das Beste ist, innerhalb und außerhalb des Landes an Wettkämpfen teilzunehmen, allen Schwierigkeiten die Stirn zu bieten und die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen besser zunutzen, sowohl die menschlichen als auch die materiellen.
Wir wollen uns auf wichtige zukünftige Schlachten vorbereiten. Lassen wir uns nicht von lächelnden Gesichtern aus London einwickeln. Dort wird es europäischen Chauvinismus, Schiedsrichter-Korruption, „Raub von Muskeln und Köpfen“, unbezahlbare Kosten und eine starke Dosis Rassismus geben.
Man kann nicht einmal den Traum hegen, dass London solch einen Grad an Sicherheit, Disziplin und Enthusiasmus zu Wege bringen wird, wie es Beijing erreicht hat. Eines ist sicher: es wird eine konservative Regierung geben und diese wird vielleicht weniger kriegerisch eingestellt sein, als die jetzige.
Wir dürfen die Redlichkeit, Ehrbarkeit und das berufliche Prestige nicht vergessen, dessen sich unsere internationalen Schiedsrichter und die Sport-Entwicklungshelfer erfreuen.
Für unseren Taekwondo-Sportler und seinen Trainer unsere vollkommene Solidarität. Für diejenigen, die heute zurückkommen, der Beifall des gesamten Volkes.
Wir wollen unseren Sportlern an allen Enden des Landes einen Empfang bereiten. Wir wollen ihre Würde und ihre Verdienste hervorheben. Wir wollen für sie alles in unseren Kräften stehende tun.
Für Ruf und Ehre, die Goldmedaille!
Fidel Castro Ruz
24. August 2008
21:05 Uhr
Montag, 11. August 2008
Kanonenfutter für den Markt
Reflexionen des Genossen Fidel: Kanonenfutter für den Markt
Vielleicht sind einigen Regierungen die genauen Angaben nicht bekannt, deshalb erschien uns die Botschaft von Raul sehr angebracht, in der er den Standpunkt von Kuba festhält. Ich werde zu einigen jener Aspekte tiefer gehende Ausführungen machen, die in einer kurzen und präzisen öffentlichen Erklärung nicht behandelt werden können.
Die Regierung von Georgien hätte niemals ihre Streitkräfte im Morgengrauen des 8. August zu einem Angriff auf die Hauptstadt der Autonomen Republik Süd-Ossetien losgeschickt, um – wie sie es bezeichnet – die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen, wenn es nicht eine vorherige Absprache mit Bush gegeben hätte. Dieser versprach Präsident Saakaschwili im April dieses Jahres in Bukarest seine Unterstützung für den Eintritt von Georgien in die NATO, was einem geschärften Dolch entspricht, den man in das Herz von Russland zu stoßen versucht. Viele europäische Staaten, die dieser Militärorganisation angehören, sind ernsthaft über die unverantwortliche Manipulierung des Nationalitätenthemas besorgt, was große potentielle Konflikte in sich birgt und in Großbritannien selbst zur Desintegration des Vereinigten Königreichs führen kann. Jugoslawien wurde auf diesem Wege aufgelöst. Die Bemühungen von Tito, um dies zu verhindern, waren nutzlos nach seinem Tode.
Welche Notwendigkeit gab es denn, das Pulverfass im Kaukasus anzuzünden? Wie lange wird der Krug zum Brunnen gehen, bis er bricht? Russland ist weiterhin eine mächtige Atommacht. Es besitzt tausende Waffen dieser Art. Ich muss andererseits daran erinnern, dass die Wirtschaft des Westens auf illegale Art und Weise diesem Land über 500 Milliarden Dollar entzogen hat. Jetzt, da Russland nicht mehr das Gespenst des Kommunismus darstellt und da über 400 Atomwaffen-Abschussrampen, die mit der Auflösung der UdSSR abgebaut wurden, nicht weiter direkt auf militärische und strategische Ziele von Europa gerichtet sind, warum dieser Eifer, es mit einem Atomwaffenschild zu umzingeln? Das alte Europa benötigt ebenfalls den Frieden.
Die russischen Truppen, die sich in Süd-Ossetien befanden, waren in einer international anerkannten Friedensmission aufgestellt worden, sie schossen auf niemanden.
Warum hat Georgien den 8. August ausgesucht, an dem die Olympischen Spiele in Beijing eröffnet wurden, um Tsjinvali, die Hauptstadt der autonomen Republik zu besetzen? An jenem Tag haben vier Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt im Fernsehen dem wunderbaren Schauspiel beigewohnt, mit dem China diese Spiele eröffnete. Nur die Bevölkerung der Vereinigten Staaten konnte an jenem Tag nicht die Live-Direktübertragung des anregenden Festes der Freundschaft zwischen allen Völkern genießen, das dort veranstaltet wurde. Das Monopol der Übertragungsrechte war von einem Fernsehkanal gegen Zahlung von 900 Millionen Dollar erworben worden und dieser wollte den kommerziellen Höchstgewinn pro Übertragungsminute erreichen. Die Konkurrenz-Unternehmen rächten sich dadurch, indem sie um diese Uhrzeit die Nachrichten über den Krieg im Kaukasus übertrugen, über die niemand das Exklusivrecht besaß. Die Risiken eines ernsthaften Konflikts bedrohten die Welt.
Aber Bush konnte das Schauspiel als offizieller Gast genießen. Noch am Sonntag, dem 10., zwei Tage danach, sah man ihn Flaggen schwenken, wobei er sich als Vorkämpfer des Friedens ausgab und darauf vorbereitet war, sich an den Siegen der ausgezeichneten US-amerikanischen Athleten zu ergötzen, welche seine Augen - daran gewöhnt, alles zu beflecken - als ein Symbol der Macht und Überlegenheit seines Imperiums sehen. In seiner Freizeit führte er lange Gespräche mit den untergeordneten Beamten in Washington, bedrohte Russland und ermunterte den Vertreter der Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu jenen für dieses Land beleidigenden Reden.
Einige derjenigen Länder, die ehemals das sozialistische Lager integrierten bzw. Teil der UdSSR selbst waren, handeln jetzt wie Protektoratsgebiete der Vereinigten Staaten. Ihre Regierungen, wie die von Polen und der Tschechischen Republik, schließen sich getrieben von einem verantwortungslosen Hass gegen Russland Haltungen einer totalen Unterstützung von Bush und dem Überraschungsangriff gegen Süd-Ossetien durch Saakaschwili an. Dieser, ein Abenteurer mit einer sonderbaren Vorgeschichte, der, nachdem er in Tbilissi, der Hauptstadt seines Landes, zu sozialistischen Zeiten geboren wurde, an einer Universität in Kiew seinen Rechtsanwaltstitel erwarb, dann postgraduelle Studien in Strassburg, New York und Washington absolvierte. Er hat diesen Beruf in New York ausgeübt. Er bildet sich als ein verwestlichter, ehrgeiziger und opportunistischer Georgier heraus. Er kehrte mit Unterstützung der Yankees in sein Land zurück und fischte im Trüben in der Desintegration der Sowjetunion. Er wurde im Januar 2004 als Präsident von Georgien gewählt.
Jenes Land ist nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien dasjenige, das die größte Anzahl Soldaten in dem Kriegsabenteuer im Irak hat, und das macht es nicht etwa ausgehend von einem internationalistischen Geist. Als Kuba über knapp zwei Jahrzehnte mehrere hunderttausend Kämpfer in den Kampf für die Unabhängigkeit und gegen den Kolonialismus und den Apartheid in Afrika geschickt hat, geschah das weder auf der Suche nach Kraftstoffen oder Rohstoffen noch nach Mehrwert. Es waren Freiwillige. So wurde der Stahl unserer Prinzipien gestählt. Was anderes tun die georgischen Soldaten im Irak, als einen Krieg zu unterstützen, der jenem Volk einige hunderttausend Menschenleben und Millionen Kriegsopfer gekostet hat? In Verteidigung welcher Ideale gingen sie dorthin? Es ist sehr logisch, dass Bürger aus Süd-Ossetien nicht wünschen, im Dienst des Imperiums als Soldaten zum Kämpfen nach Irak oder an andere Orte des Planeten geschickt zu werden.
Saakaschwili hätte sich niemals aus eigenem Antrieb in das Abenteuer gestürzt, das georgische Heer nach Süd-Ossetien zu schicken, wo es Zusammenstöße mit den russischen Truppen haben würde, die dort als Friedenskorps aufgestellt sind. Man kann weder mit dem Atomkrieg spielen, noch die Belieferung des Markts mit Kanonenfutter belohnen.
Diese Reflexion war schon ausgearbeitet, als Bush um 17:30 Uhr kubanischer Uhrzeit eine Rede hielt. Er sagt nichts, was nicht dem entspricht, was hier analysiert wird. Nur das der Medienkrieg der US-Regierung jetzt noch intensiver ist. Es ist die gleiche, im Vorhinein entworfene Intrige, die niemanden täuscht.
Die Russen haben vollkommen klar gestellt, dass der Rückzug der Invasoren bis zu ihrem Ausgangspunkt die einzige ehrenvolle Lösung ist. Hoffentlich können die Olympischen Spiele fortgesetzt werden, ohne durch eine schwerwiegende Krise unterbrochen zu werden. Das Volleyballspiel der Frauenmannschaft gegen eine gute Mannschaft der Vereinigten Staaten war phänomenal und der Baseball hat noch nicht begonnen.
Fidel Castro Ruz
11. August 2008
18:21 Uhr
Vielleicht sind einigen Regierungen die genauen Angaben nicht bekannt, deshalb erschien uns die Botschaft von Raul sehr angebracht, in der er den Standpunkt von Kuba festhält. Ich werde zu einigen jener Aspekte tiefer gehende Ausführungen machen, die in einer kurzen und präzisen öffentlichen Erklärung nicht behandelt werden können.
Die Regierung von Georgien hätte niemals ihre Streitkräfte im Morgengrauen des 8. August zu einem Angriff auf die Hauptstadt der Autonomen Republik Süd-Ossetien losgeschickt, um – wie sie es bezeichnet – die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen, wenn es nicht eine vorherige Absprache mit Bush gegeben hätte. Dieser versprach Präsident Saakaschwili im April dieses Jahres in Bukarest seine Unterstützung für den Eintritt von Georgien in die NATO, was einem geschärften Dolch entspricht, den man in das Herz von Russland zu stoßen versucht. Viele europäische Staaten, die dieser Militärorganisation angehören, sind ernsthaft über die unverantwortliche Manipulierung des Nationalitätenthemas besorgt, was große potentielle Konflikte in sich birgt und in Großbritannien selbst zur Desintegration des Vereinigten Königreichs führen kann. Jugoslawien wurde auf diesem Wege aufgelöst. Die Bemühungen von Tito, um dies zu verhindern, waren nutzlos nach seinem Tode.
Welche Notwendigkeit gab es denn, das Pulverfass im Kaukasus anzuzünden? Wie lange wird der Krug zum Brunnen gehen, bis er bricht? Russland ist weiterhin eine mächtige Atommacht. Es besitzt tausende Waffen dieser Art. Ich muss andererseits daran erinnern, dass die Wirtschaft des Westens auf illegale Art und Weise diesem Land über 500 Milliarden Dollar entzogen hat. Jetzt, da Russland nicht mehr das Gespenst des Kommunismus darstellt und da über 400 Atomwaffen-Abschussrampen, die mit der Auflösung der UdSSR abgebaut wurden, nicht weiter direkt auf militärische und strategische Ziele von Europa gerichtet sind, warum dieser Eifer, es mit einem Atomwaffenschild zu umzingeln? Das alte Europa benötigt ebenfalls den Frieden.
Die russischen Truppen, die sich in Süd-Ossetien befanden, waren in einer international anerkannten Friedensmission aufgestellt worden, sie schossen auf niemanden.
Warum hat Georgien den 8. August ausgesucht, an dem die Olympischen Spiele in Beijing eröffnet wurden, um Tsjinvali, die Hauptstadt der autonomen Republik zu besetzen? An jenem Tag haben vier Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt im Fernsehen dem wunderbaren Schauspiel beigewohnt, mit dem China diese Spiele eröffnete. Nur die Bevölkerung der Vereinigten Staaten konnte an jenem Tag nicht die Live-Direktübertragung des anregenden Festes der Freundschaft zwischen allen Völkern genießen, das dort veranstaltet wurde. Das Monopol der Übertragungsrechte war von einem Fernsehkanal gegen Zahlung von 900 Millionen Dollar erworben worden und dieser wollte den kommerziellen Höchstgewinn pro Übertragungsminute erreichen. Die Konkurrenz-Unternehmen rächten sich dadurch, indem sie um diese Uhrzeit die Nachrichten über den Krieg im Kaukasus übertrugen, über die niemand das Exklusivrecht besaß. Die Risiken eines ernsthaften Konflikts bedrohten die Welt.
Aber Bush konnte das Schauspiel als offizieller Gast genießen. Noch am Sonntag, dem 10., zwei Tage danach, sah man ihn Flaggen schwenken, wobei er sich als Vorkämpfer des Friedens ausgab und darauf vorbereitet war, sich an den Siegen der ausgezeichneten US-amerikanischen Athleten zu ergötzen, welche seine Augen - daran gewöhnt, alles zu beflecken - als ein Symbol der Macht und Überlegenheit seines Imperiums sehen. In seiner Freizeit führte er lange Gespräche mit den untergeordneten Beamten in Washington, bedrohte Russland und ermunterte den Vertreter der Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu jenen für dieses Land beleidigenden Reden.
Einige derjenigen Länder, die ehemals das sozialistische Lager integrierten bzw. Teil der UdSSR selbst waren, handeln jetzt wie Protektoratsgebiete der Vereinigten Staaten. Ihre Regierungen, wie die von Polen und der Tschechischen Republik, schließen sich getrieben von einem verantwortungslosen Hass gegen Russland Haltungen einer totalen Unterstützung von Bush und dem Überraschungsangriff gegen Süd-Ossetien durch Saakaschwili an. Dieser, ein Abenteurer mit einer sonderbaren Vorgeschichte, der, nachdem er in Tbilissi, der Hauptstadt seines Landes, zu sozialistischen Zeiten geboren wurde, an einer Universität in Kiew seinen Rechtsanwaltstitel erwarb, dann postgraduelle Studien in Strassburg, New York und Washington absolvierte. Er hat diesen Beruf in New York ausgeübt. Er bildet sich als ein verwestlichter, ehrgeiziger und opportunistischer Georgier heraus. Er kehrte mit Unterstützung der Yankees in sein Land zurück und fischte im Trüben in der Desintegration der Sowjetunion. Er wurde im Januar 2004 als Präsident von Georgien gewählt.
Jenes Land ist nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien dasjenige, das die größte Anzahl Soldaten in dem Kriegsabenteuer im Irak hat, und das macht es nicht etwa ausgehend von einem internationalistischen Geist. Als Kuba über knapp zwei Jahrzehnte mehrere hunderttausend Kämpfer in den Kampf für die Unabhängigkeit und gegen den Kolonialismus und den Apartheid in Afrika geschickt hat, geschah das weder auf der Suche nach Kraftstoffen oder Rohstoffen noch nach Mehrwert. Es waren Freiwillige. So wurde der Stahl unserer Prinzipien gestählt. Was anderes tun die georgischen Soldaten im Irak, als einen Krieg zu unterstützen, der jenem Volk einige hunderttausend Menschenleben und Millionen Kriegsopfer gekostet hat? In Verteidigung welcher Ideale gingen sie dorthin? Es ist sehr logisch, dass Bürger aus Süd-Ossetien nicht wünschen, im Dienst des Imperiums als Soldaten zum Kämpfen nach Irak oder an andere Orte des Planeten geschickt zu werden.
Saakaschwili hätte sich niemals aus eigenem Antrieb in das Abenteuer gestürzt, das georgische Heer nach Süd-Ossetien zu schicken, wo es Zusammenstöße mit den russischen Truppen haben würde, die dort als Friedenskorps aufgestellt sind. Man kann weder mit dem Atomkrieg spielen, noch die Belieferung des Markts mit Kanonenfutter belohnen.
Diese Reflexion war schon ausgearbeitet, als Bush um 17:30 Uhr kubanischer Uhrzeit eine Rede hielt. Er sagt nichts, was nicht dem entspricht, was hier analysiert wird. Nur das der Medienkrieg der US-Regierung jetzt noch intensiver ist. Es ist die gleiche, im Vorhinein entworfene Intrige, die niemanden täuscht.
Die Russen haben vollkommen klar gestellt, dass der Rückzug der Invasoren bis zu ihrem Ausgangspunkt die einzige ehrenvolle Lösung ist. Hoffentlich können die Olympischen Spiele fortgesetzt werden, ohne durch eine schwerwiegende Krise unterbrochen zu werden. Das Volleyballspiel der Frauenmannschaft gegen eine gute Mannschaft der Vereinigten Staaten war phänomenal und der Baseball hat noch nicht begonnen.
Fidel Castro Ruz
11. August 2008
18:21 Uhr
Donnerstag, 31. Juli 2008
Die belagerte Mannschaft
Reflexionen des Genossen Fidel: Die belagerte Mannschaft
Die Olympischen Spiele in China stehen kurz vor ihrer Eröffnung. Vor wenigen Tagen habe ich über unsere Baseballmannschaft geschrieben. Ich erklärte, dass unseren Athleten eine sehr harte Probe bevorsteht und dass nicht sie es sind, welche die meiste Kritik verdient hätten, wenn etwas nicht gut ausgeht. Ich habe ihre Klasse und ihren Patriotismus anerkannt. Sie waren aufgrund der aus Kuba erhaltenen Kritiken deprimiert.
Mir wurde später bekannt, dass sie sich sehr heiter und froh zeigten. Sie hatten gelernt, die recht gewürzten koreanischen Nahrungsmittel auf Art und Weise des asiatischen Ostens mit Stäbchen zu essen. Sie schickten am 26. Juli eine mitreißende Botschaft. Ohne Zweifel werden sie sich der schwierigen Probe mit Ehren stellen.
Aber haben sie etwa gleiche Voraussetzungen wie die Mannschaften der reichen Mächte, zum Beispiel wie die der Vereinigten Staaten und Japans, die im Wettkampf Gegner von Kuba sein werden? Von diesen Ländern hat das erste eine dreißig Mal größere Bevölkerung, die mindestens elfmal größer ist als die des zweiten. Sie unterliegen keiner Wirtschaftsblockade und beiden stehen enorme Reichtümer zur Verfügung. Niemand raubt ihnen Athleten.
Japan hat seinen Profis angeordnet, sich dem olympischen Team anzuschließen, und sie müssen es tun, weil es ihre Besitzer so festlegen. Das hat nichts mit den Athleten zu tun, die in Ware verwandelt wurden.
Die Vereinigten Staaten haben am Vorabend der Olympiade mit ihrem Söldnergeld Alexei Ramírez, führender Home-run-Mann unserer Landesmeisterschaften von 2007, gekauft. Der Manager des Teams, das ihn gekauft hat, brüstet sich damit, dass sie nicht wissen, für welche Position sie ihn vorsehen sollen, da er sehr gut an allen trainiert ist. Die Details bezüglich der Handelsformalitäten rund um jenen Fall und bezüglich der Verteilung des Geldes, die über Agenturmeldungen verbreitet wurden, sind widerlich. Vorher hatten sie den hoffnungsvollsten Pitcher von Pinar del Rio, José Ariel Contreras, gekauft und so Unsicherheit und Misstrauen gesät.
In Edmonton, Kanada, wurde vor Spielbeginn mit der Mannschaft des Gastlandes der 23. Jugendweltmeisterschaft im Baseball die Abwesenheit des sicheren Spiel-Eröffners, des Linkshänders Noel Arguelles, und des Shortstop José Antonio Iglesias, mit einem Trefferdurchschnitt (Batting Average) von über 500, bekannt.
Der mutige Pitcher der Jugendmannschaft, Julio Alfredo Martínez Wong aus Pinar del Río, übernahm Pitchers Mound. Im achten Inning fehlte nur noch ein Out (Aus), es gab Spieler an verschiedenen Bases und er schien erschöpft. Der Bullpen bereitete Joan Socarrás Maya mit starken Aufwärmübungen vor und Anweisungen, sich für den Spieleintritt bereit zu halten. Esteban Lombillo, der energische und fähige Direktor der kubanischen Jugendmannschaft, war schon zur Box gegangen. Julio Alfredo forderte mit einer Explosion seiner Würde, weiter werfen zu dürfen: „Ich mache das zu Ende!” ― rief er aus. Lombillo, der ebenfalls aufgrund des niederträchtigen Verrats erbittert war, verstand ihn und vertraute ihm. Julio Alfredo setzte seine Seele ein. Er erreichte das fehlende “Aus” im achten Inning. Im neunten brachte er die Schlagmänner einen nach dem anderen jeweils mit drei Out ins Abseits und so gewann unsere Mannschaft gegenüber der von Kanada um einen Run.
Der Short-Ersatzmann Yandy Díaz spielte ausgezeichnet und war der Schlagmann, der das für den Sieg von Kuba entscheidende Double erzielte.
Edmonton ist zu einer Mülldeponie geworden. Die kubanischen Athleten wurden schlecht betreut. Die Stadt besitzt das Privileg, Austragungsort der jährlichen Meisterschaft zu sein. Es sollte analysiert werden, ob es sich lohnt, teilzunehmen. Zu dem Event war nicht ein einziger Vertreter der kubanischen Presse geschickt worden. Alles wurde auf informellem Wege bekannt.
Die würdigen kubanischen Athleten der olympischen Baseballmannschaft, die ausgezeichnet von den koreanischen Gastgebern betreut wurden, werden in China noch besser behandelt werden. Sie müssen unter den von mir oben erläuterten widrigen Umständen am Wettkampf teilnehmen. Egal wie das Ergebnis aussehen wird, sie wissen, dass für uns das Wichtigste die Ehre und der Mut sind, mit dem sie kämpfen.
Aber nicht nur im Baseball findet die imperialistische Aggression statt. Vor ein paar Monaten ließ sich ein Teil unserer Männerfußballmannschaft in den Vereinigten Staaten zum Verrat verleiten, womit die Perspektiven von Kuba in diesem Sport in der Arena international vermindert werden. Eine olympische Athletin im Judo, die eine beinahe sichere Goldmedaille darstellte, wurde bestochen. Dadurch dass unsere Athleten gekauft wurden, hat man uns fünf sichere Goldmedaillen im olympischen Boxsport entrissen. Es ist ein Schlachtruf, Kuba mit allen Mitteln fertig zu machen, indem man uns Köpfe, Muskeln und Beine raubt.
Worauf ist die Angst der Reichen und Mächtigen gegenüber unserer kleinen und unter Blockade stehenden Insel zurückzuführen?
Im Schach kämpft Leinier Domínguez in der Schweiz in einem der bedeutendsten internationalen Turniere.
Bei der Olympiade, die am 8. August beginnt, werden unsere Athleten der verschiedenen Sportdisziplinen mit mehr Würde denn je um das Gold kämpfen und unser Volk wird ihre Medaillen so feiern, wie niemals zuvor. Dann werden die Fans sich der Verräter erinnern.
Fidel Castro Ruz
31. Juli 2008
12:32 Uhr
Die Olympischen Spiele in China stehen kurz vor ihrer Eröffnung. Vor wenigen Tagen habe ich über unsere Baseballmannschaft geschrieben. Ich erklärte, dass unseren Athleten eine sehr harte Probe bevorsteht und dass nicht sie es sind, welche die meiste Kritik verdient hätten, wenn etwas nicht gut ausgeht. Ich habe ihre Klasse und ihren Patriotismus anerkannt. Sie waren aufgrund der aus Kuba erhaltenen Kritiken deprimiert.
Mir wurde später bekannt, dass sie sich sehr heiter und froh zeigten. Sie hatten gelernt, die recht gewürzten koreanischen Nahrungsmittel auf Art und Weise des asiatischen Ostens mit Stäbchen zu essen. Sie schickten am 26. Juli eine mitreißende Botschaft. Ohne Zweifel werden sie sich der schwierigen Probe mit Ehren stellen.
Aber haben sie etwa gleiche Voraussetzungen wie die Mannschaften der reichen Mächte, zum Beispiel wie die der Vereinigten Staaten und Japans, die im Wettkampf Gegner von Kuba sein werden? Von diesen Ländern hat das erste eine dreißig Mal größere Bevölkerung, die mindestens elfmal größer ist als die des zweiten. Sie unterliegen keiner Wirtschaftsblockade und beiden stehen enorme Reichtümer zur Verfügung. Niemand raubt ihnen Athleten.
Japan hat seinen Profis angeordnet, sich dem olympischen Team anzuschließen, und sie müssen es tun, weil es ihre Besitzer so festlegen. Das hat nichts mit den Athleten zu tun, die in Ware verwandelt wurden.
Die Vereinigten Staaten haben am Vorabend der Olympiade mit ihrem Söldnergeld Alexei Ramírez, führender Home-run-Mann unserer Landesmeisterschaften von 2007, gekauft. Der Manager des Teams, das ihn gekauft hat, brüstet sich damit, dass sie nicht wissen, für welche Position sie ihn vorsehen sollen, da er sehr gut an allen trainiert ist. Die Details bezüglich der Handelsformalitäten rund um jenen Fall und bezüglich der Verteilung des Geldes, die über Agenturmeldungen verbreitet wurden, sind widerlich. Vorher hatten sie den hoffnungsvollsten Pitcher von Pinar del Rio, José Ariel Contreras, gekauft und so Unsicherheit und Misstrauen gesät.
In Edmonton, Kanada, wurde vor Spielbeginn mit der Mannschaft des Gastlandes der 23. Jugendweltmeisterschaft im Baseball die Abwesenheit des sicheren Spiel-Eröffners, des Linkshänders Noel Arguelles, und des Shortstop José Antonio Iglesias, mit einem Trefferdurchschnitt (Batting Average) von über 500, bekannt.
Der mutige Pitcher der Jugendmannschaft, Julio Alfredo Martínez Wong aus Pinar del Río, übernahm Pitchers Mound. Im achten Inning fehlte nur noch ein Out (Aus), es gab Spieler an verschiedenen Bases und er schien erschöpft. Der Bullpen bereitete Joan Socarrás Maya mit starken Aufwärmübungen vor und Anweisungen, sich für den Spieleintritt bereit zu halten. Esteban Lombillo, der energische und fähige Direktor der kubanischen Jugendmannschaft, war schon zur Box gegangen. Julio Alfredo forderte mit einer Explosion seiner Würde, weiter werfen zu dürfen: „Ich mache das zu Ende!” ― rief er aus. Lombillo, der ebenfalls aufgrund des niederträchtigen Verrats erbittert war, verstand ihn und vertraute ihm. Julio Alfredo setzte seine Seele ein. Er erreichte das fehlende “Aus” im achten Inning. Im neunten brachte er die Schlagmänner einen nach dem anderen jeweils mit drei Out ins Abseits und so gewann unsere Mannschaft gegenüber der von Kanada um einen Run.
Der Short-Ersatzmann Yandy Díaz spielte ausgezeichnet und war der Schlagmann, der das für den Sieg von Kuba entscheidende Double erzielte.
Edmonton ist zu einer Mülldeponie geworden. Die kubanischen Athleten wurden schlecht betreut. Die Stadt besitzt das Privileg, Austragungsort der jährlichen Meisterschaft zu sein. Es sollte analysiert werden, ob es sich lohnt, teilzunehmen. Zu dem Event war nicht ein einziger Vertreter der kubanischen Presse geschickt worden. Alles wurde auf informellem Wege bekannt.
Die würdigen kubanischen Athleten der olympischen Baseballmannschaft, die ausgezeichnet von den koreanischen Gastgebern betreut wurden, werden in China noch besser behandelt werden. Sie müssen unter den von mir oben erläuterten widrigen Umständen am Wettkampf teilnehmen. Egal wie das Ergebnis aussehen wird, sie wissen, dass für uns das Wichtigste die Ehre und der Mut sind, mit dem sie kämpfen.
Aber nicht nur im Baseball findet die imperialistische Aggression statt. Vor ein paar Monaten ließ sich ein Teil unserer Männerfußballmannschaft in den Vereinigten Staaten zum Verrat verleiten, womit die Perspektiven von Kuba in diesem Sport in der Arena international vermindert werden. Eine olympische Athletin im Judo, die eine beinahe sichere Goldmedaille darstellte, wurde bestochen. Dadurch dass unsere Athleten gekauft wurden, hat man uns fünf sichere Goldmedaillen im olympischen Boxsport entrissen. Es ist ein Schlachtruf, Kuba mit allen Mitteln fertig zu machen, indem man uns Köpfe, Muskeln und Beine raubt.
Worauf ist die Angst der Reichen und Mächtigen gegenüber unserer kleinen und unter Blockade stehenden Insel zurückzuführen?
Im Schach kämpft Leinier Domínguez in der Schweiz in einem der bedeutendsten internationalen Turniere.
Bei der Olympiade, die am 8. August beginnt, werden unsere Athleten der verschiedenen Sportdisziplinen mit mehr Würde denn je um das Gold kämpfen und unser Volk wird ihre Medaillen so feiern, wie niemals zuvor. Dann werden die Fans sich der Verräter erinnern.
Fidel Castro Ruz
31. Juli 2008
12:32 Uhr
Montag, 28. Juli 2008
Die Botschaft von Chávez
Reflexionen des Genossen Fidel: Die Botschaft von Chávez
Er ist am Freitag von seiner Europareise zurückgekommen. Er hat nur vier Tage dafür verwendet. Nach dem Westen fliegend ist er um 11 Uhr nachts in Caracas angekommen, als es am Abflugort, das heißt in Madrid, gerade Tag zu werden begann. Am Samstag kam zeitig ein Anruf aus Venezuela. Man teilte mir mit, dass er an jenem Tag ein Telefongespräch führen wollte. Ich antwortete, dass es um 13:45 Uhr sein würde.
Ich hatte Zeit, mehr als 25 Punkte jener Art zu notieren, die man bei einer Unterhaltung über eine internationale Telefonleitung behandeln kann, wenn man weiß, dass der Feind zuhört. Einige von ihnen waren vom venezolanischen Präsident selbst vor der Presse angesprochen worden.
Chávez war gelassen, besonnen und mit der Rundreise zufrieden. Wir führten einen Meinungsaustausch über Nahrungsmittel-, Erdöl- und Rohstoffpreise, erforderliche Investitionen, Dollarabwertung, Inflation, Rezession, imperialistischen Betrug und imperialistische Ausplünderung, Fehler des Gegners, Atomkriegsgefahren, unlösbare Probleme des Systems und weitere, die keiner Geheimhaltung bedürfen. Aber trotzdem verwende ich diese Art und Weise der Kommunikation nur ausnahmsweise.
Wir haben Einzelheiten und Nachrichten ausgetauscht. Er hat mit keinem Wort die ausgezeichnete Botschaft erwähnt, die er anlässlich des 26. Juli geschrieben hatte, in der er mein Anprangern der „Strategie von Machiavelli” analysiert. Ich habe sie an jenem Samstagabend erhalten. In Chávez wurden die Ideen von Bolivar wieder geboren, nur dass unser einstündiger Meinungsaustausch zu Zeiten des Libertador (auf Spanisch: Befreier) Monate gedauert hätte und seine viertägige Rundreise durch Europa, mindestens 2 Jahre.
Gestern habe ich ihn im Programm Aló, Presidente gehört. Sein Investitionsprogramm ist beeindruckend. Vielleicht wurde nie jemals den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Es werden schon einige Ergebnisse spürbar.
Als ich abends den Fernseher einschaltete, war Chávez unter dem Publikum, welches die Frauenmannschaft im Softball bei einem Cup-Endspiel gegen Kuba ermunterte. Die venezolanischen Athletinnen haben eins zu null gewonnen. Und obendrein ohne Base Hit und ohne Walk. Die junge Werferin von Venezuela, ein gut aussehendes Mädchen, staunte nicht schlecht, als ihr nach dem letzten Aus ihre Großtat bewusst wurde. Inmitten der innerhalb des Feldes und in der Nähe der Box überglücklich herum springenden Mannschaft verteilte Chávez Umarmungen und Wangenküsschen. Wenn wir nicht Internationalisten wären, dann wären wir ganz deprimiert gewesen. Nach ein paar Sekunden Besinnung habe ich mich für ihn und für Venezuela gefreut. Was für ein Teufelskerl! Wie kann er nur so große Anstrengungen aushalten?
Heute ist sein Geburtstag. Wir, das heißt Raul und ich, haben ihm ein Bild des Che geschickt, auf dem dieser aus der Erde hervorgeht, so, wie ihn ein Maler der westlichsten Provinz von Kuba sieht. Es ist wirklich beeindruckend.
Ich werde ihm diese Reflexion zeitig zukommen lassen.
Fidel Castro Ruz
28. Juli 2008
11: 30 Uhr
Er ist am Freitag von seiner Europareise zurückgekommen. Er hat nur vier Tage dafür verwendet. Nach dem Westen fliegend ist er um 11 Uhr nachts in Caracas angekommen, als es am Abflugort, das heißt in Madrid, gerade Tag zu werden begann. Am Samstag kam zeitig ein Anruf aus Venezuela. Man teilte mir mit, dass er an jenem Tag ein Telefongespräch führen wollte. Ich antwortete, dass es um 13:45 Uhr sein würde.
Ich hatte Zeit, mehr als 25 Punkte jener Art zu notieren, die man bei einer Unterhaltung über eine internationale Telefonleitung behandeln kann, wenn man weiß, dass der Feind zuhört. Einige von ihnen waren vom venezolanischen Präsident selbst vor der Presse angesprochen worden.
Chávez war gelassen, besonnen und mit der Rundreise zufrieden. Wir führten einen Meinungsaustausch über Nahrungsmittel-, Erdöl- und Rohstoffpreise, erforderliche Investitionen, Dollarabwertung, Inflation, Rezession, imperialistischen Betrug und imperialistische Ausplünderung, Fehler des Gegners, Atomkriegsgefahren, unlösbare Probleme des Systems und weitere, die keiner Geheimhaltung bedürfen. Aber trotzdem verwende ich diese Art und Weise der Kommunikation nur ausnahmsweise.
Wir haben Einzelheiten und Nachrichten ausgetauscht. Er hat mit keinem Wort die ausgezeichnete Botschaft erwähnt, die er anlässlich des 26. Juli geschrieben hatte, in der er mein Anprangern der „Strategie von Machiavelli” analysiert. Ich habe sie an jenem Samstagabend erhalten. In Chávez wurden die Ideen von Bolivar wieder geboren, nur dass unser einstündiger Meinungsaustausch zu Zeiten des Libertador (auf Spanisch: Befreier) Monate gedauert hätte und seine viertägige Rundreise durch Europa, mindestens 2 Jahre.
Gestern habe ich ihn im Programm Aló, Presidente gehört. Sein Investitionsprogramm ist beeindruckend. Vielleicht wurde nie jemals den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Es werden schon einige Ergebnisse spürbar.
Als ich abends den Fernseher einschaltete, war Chávez unter dem Publikum, welches die Frauenmannschaft im Softball bei einem Cup-Endspiel gegen Kuba ermunterte. Die venezolanischen Athletinnen haben eins zu null gewonnen. Und obendrein ohne Base Hit und ohne Walk. Die junge Werferin von Venezuela, ein gut aussehendes Mädchen, staunte nicht schlecht, als ihr nach dem letzten Aus ihre Großtat bewusst wurde. Inmitten der innerhalb des Feldes und in der Nähe der Box überglücklich herum springenden Mannschaft verteilte Chávez Umarmungen und Wangenküsschen. Wenn wir nicht Internationalisten wären, dann wären wir ganz deprimiert gewesen. Nach ein paar Sekunden Besinnung habe ich mich für ihn und für Venezuela gefreut. Was für ein Teufelskerl! Wie kann er nur so große Anstrengungen aushalten?
Heute ist sein Geburtstag. Wir, das heißt Raul und ich, haben ihm ein Bild des Che geschickt, auf dem dieser aus der Erde hervorgeht, so, wie ihn ein Maler der westlichsten Provinz von Kuba sieht. Es ist wirklich beeindruckend.
Ich werde ihm diese Reflexion zeitig zukommen lassen.
Fidel Castro Ruz
28. Juli 2008
11: 30 Uhr
Donnerstag, 24. Juli 2008
Die zwei Koreas
Reflexionen des Genossen Fidel: Die zwei Koreas
Teil 1:
Die koreanische Nation mit ihrer eigenen, sie von ihren chinesischen und japanischen Nachbarn unterscheidenden Kultur, besteht seit dreitausend Jahren. Das sind typische Merkmale der Gesellschaften jener asiatischen Region, einschließlich der chinesischen, der vietnamesischen und anderer. Nichts dergleichen kann man in den westlichen Kulturen beobachten, von denen einige seit weniger als 250 Jahren bestehen.
Die Japaner hatten China im Krieg von 1894 die Kontrolle über die koreanische Dynastie entrissen und haben deren Gebiet in eine Kolonie von Japan verwandelt. Durch ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und den koreanischen Behörden wurde im Jahr 1892 der Protestantismus in jenem Land eingeführt. Andererseits war der Katholizismus durch die Missionen ebenfalls in jenem Jahrhundert eingedrungen. Es wird geschätzt, dass zum jetzigen Zeitpunkt circa 25 Prozent der Bevölkerung von Südkorea christlichen Glaubens ist und eine ähnliche Anzahl buddhistisch. Die Philosophie von Konfuzius hat auf geistigem Gebiet großen Einfluss auf die Koreaner ausgeübt, die sich nicht durch fanatische Religionsausübung auszeichnen.
Zwei wichtige Figuren haben im 20. Jahrhundert hervorragenden Stellenwert im politischen Leben jener Nation eingenommen. Syngman Rhee, geboren im März 1875, und Kim Il Sung, der 37 Jahre später, im April 1912, zur Welt kam. Beide Persönlichkeiten, die verschiedener sozialer Herkunft waren, haben sich ausgehend von nicht von ihnen abhängenden historischen Umständen gegenseitig bekriegt.
Die Christen haben sich dem japanischen Kolonialsystem widersetzt, darunter Syngman Rhee, der aktiver Protestant war. Der Status quo von Korea wurde verändert: Japan annektierte im Jahr 1910 sein Gebiet. Jahre darauf, im Jahr 1919, wurde Rhee als Präsident der Provisorischen Regierung im Ausland ernannt, mit Sitz in Shanghai, China. Er hat niemals die Waffen gegen die Invasoren angewandt. Die Liga der Nationen in Genf beachtete ihn nicht.
Das japanische Imperium unterdrückte die Bevölkerung von Korea brutal. Die Patrioten leisteten bewaffneten Widerstand gegen die koloniale Politik von Japan und es gelang ihnen, während der letzten neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein kleines Gebiet in den Bergen des Nordens zu befreien.
Kim Il Sung, geboren in der Nähe von Pjöngjang, trat als 18jähriger den kommunistischen koreanischen Guerillatrupps bei, die gegen die Japaner kämpften. Während seines aktiven Lebens als Revolutionär erreichte er die politische und militärische Führung der Japan-feindlichen Kämpfer von Nordkorea, als er erst 33 Jahre alt war.
Während des Zweiten Weltkrieges haben die Vereinigten Staaten das Schicksal von Korea für die Nachkriegszeit beschlossen. Das Land trat in den Krieg ein, als es von einer von deren Schöpfungen, das heißt dem Reich der Aufgehenden Sonne, angegriffen wurde, dessen hermetische feudale Tore Kommodore Perry in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffnete, indem er das fremde asiatische Land, das sich weigerte, mit Nordamerika Handel zu treiben, mit seinen Kanonen bedrohte.
Der begabte Zögling wurde später zu einem mächtigen Rivalen, wie ich schon zu einem anderen Zeitpunkt erläutert habe. Japan hat Jahrzehnte später nacheinander China und Russland angegriffen, wobei es sich zusätzlich Koreas bemächtigte. Trotz alledem war es auf Kosten von China schlauer Verbündeter der Sieger des Ersten Weltkrieges. Es sammelte Kräfte und in eine asiatische Version des Nazifaschismus verwandelt, versuchte es 1937 das Gebiet von China zu besetzen und griff im Dezember 1941 die Vereinigten Staaten an. Es führte den Krieg in den Südosten von Asien und nach Ozeanien.
Die kolonial von Großbritannien, Frankreich, Holland und Portugal in der Region beherrschten Gebiete waren dazu verurteilt, verloren zu gehen und die Vereinigten Staaten begannen, zur stärksten Macht des Planeten zu werden, dem nur seitens der Sowjetunion Widerstand geleistet wurde, die damals aufgrund des Zweiten Weltkriegs und der zahlreichen, von dem Nazi-Angriff verursachten materiellen und menschlichen Verluste zerstört war. Die chinesische Revolution war fast beendet, als im Jahr 1945 das Weltgemetzel aufhörte. Der gemeinsame Kampf gegen Japan beanspruchte damals alle ihre Energien. Mao, Ho Chi Minh, Ghandi, Sukarno und andere Führer setzten anschließend ihren Kampf gegen die Wiedereinführung der alten Weltordnung fort, die schon unhaltbar war.
Truman ließ auf zwei zivile japanische Städte die Atombombe abwerfen, eine neue, schrecklich zerstörerische Waffe, über deren Existenz er - wie schon erläutert wurde - dem sowjetischen Verbündeten, dem Land, das am meisten zur Vernichtung des Faschismus beigetragen hatte, nichts mitgeteilt hatte. Es gab nichts, dass diesen begangenen Völkermord rechtfertigte, nicht einmal die Tatsache, dass der hartnäckige japanische Widerstand auf der japanischen Insel Okinawa knapp 15.000 US-Soldaten das Leben gekostet hatte. Japan war schon besiegt und wenn solch eine Waffe auf ein militärisches Ziel abgeworfen worden wäre, hätte das früher oder später die gleiche demoralisierende Wirkung auf den japanischen Militarismus gehabt und ohne neue Verluste unter den Soldaten der Vereinigten Staaten. Es war ein schmählicher Terrorakt.
Die sowjetischen Soldaten gingen mit ihren Angriffen auf die Mandschurei und den Norden von Korea zu, so wie sie es nach dem Aufhören der Kämpfe in Europa versprochen hatten. Die Verbündeten hatten im Vorhinein festgelegt, bis zu welchem Punkt jede der Kräfte voranschreiten sollte. In der Hälfte von Korea sollte die Teilungslinie verlaufen, gleichweit entfernt von dem Fluss Yalu und dem Süden der Halbinsel. Die US-Regierung verhandelte mit den Japanern die Regeln zur Kapitulation der Truppen in ihrem eigenen Gebiet. Japan sollte von den Vereinigten Staaten eingenommen werden. In Korea, das von Japan annektiert war, verblieb eine zahlreiche Truppe des mächtigen japanischen Heeres. Südlich des 38. Breitengrades, das heißt der festgelegten Trennungsgrenzlinie, sollten die Interessen der Vereinigten Staaten vorherrschen. Der von der US-Regierung wieder in dieses Gebiet aufgenommene Syngman Rhee war der Führer, den sie unter offener Mitarbeit der Japaner unterstützten. So gewann er die umkämpften Wahlen von 1948. Die Soldaten der Sowjetarmee hatten sich in jenem Jahr aus Nordkorea zurückgezogen.
Am 25. Juni 1950 bricht der Krieg in jenem Land aus. Es wird noch darüber diskutiert, wer den ersten Schuss abgegeben hat, ob es die Kämpfer aus dem Norden waren oder die US-Soldaten, die gemeinsam mit den von Rhee rekrutierten Soldaten Wache hielten. Die Diskussion ist sinnlos, wenn man es vom koreanischen Standpunkt aus betrachtet. Die Kämpfer von Kim Il Sung haben gegen die Japaner um die Befreiung von ganz Korea gekämpft. Ihre Kräfte schritten unhaltbar bis in die Nähe des äußersten Südens vor, wo die Yankees sich mit massiver Unterstützung ihrer Jagdflugzeuge verteidigten. Seoul und andere Städte waren besetzt worden. McArthur, Befehlshaber der US-Streitkräfte im Pazifischen Ozean, beschloss, die Landung der Marineinfanterie bei Incheon zu befehlen, und zwar in der Nachhut der Streitkräfte des Nordens, welchen jene schon nicht mehr aufhalten konnten. Pjöngjang fiel nach verheerenden Luftangriffen in die Hände der Yankee-Streitmacht. Das verlieh jener Idee der US-Oberbefehlshaber im Pazifischen Ozean Impulse, ganz Korea einzunehmen, da die chinesische Volksbefreiungsarmee unter Leitung von Mao Zedong den Yankee-freundlichen Kräften von Chiang Kai-shek, die von den Vereinigten Staaten versorgt und unterstützt wurden, eine vernichtende Niederlage beigebracht hatten. Das gesamte kontinentale und Meeresgebiet jenes großen Landes war zurückerobert worden, mit Ausnahme von Taipei und einigen anderen nahe gelegenen kleinen Inseln, auf denen die von den Schiffen der Sechsten Flotte beförderten Kuomintang-Kräfte Unterschlupf fanden.
Die Geschichte des damaligen Geschehens ist heutzutage gut bekannt. Es ist nicht zu vergessen, dass Boris Jeltsin Washington unter anderem die Archive der Sowjetunion übergeben hat.
Was haben die Vereinigten Staaten getan, als der durch die in Korea geschaffenen Voraussetzungen praktisch nicht zu verhindernde Konflikt ausbrach? Sie haben den Norden jenes Landes als Angreifer dargestellt. Der Sicherheitsrat der gerade auf Betreiben der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges gegründeten Organisation der Vereinten Nationen verabschiedete die Resolution, ohne dass einer der fünf Mitglieder ein Veto dagegen einbringen konnte. Zu eben jenem Zeitpunkt hatte die UdSSR ihre Nichtübereinstimmung mit dem Ausschluss von China aus dem Sicherheitsrat ausgedrückt, wo die Vereinigten Staaten Chiang Kai-shek mit weniger 0,3 Prozent des Hoheitsgebiets und weniger als 2 Prozent der Bevölkerung als Mitglied des Sicherheitsrates mit Veto-Recht anerkannten. Solch eine Willkür führte zur Abwesenheit des russischen Delegierten, infolgedessen die Vereinbarung jenes Sicherheitsrates getroffen wurde, was dem Krieg den Charakter einer Militärhandlung der UNO gegen den angeblichen Angreifer – die Volksrepublik Korea – verlieh. China, das mit dem Konflikt nichts zu tun hatte, der seinen unbeendeten Kampf zur vollkommenen Befreiung des eigenen Territoriums beeinträchtigte, sah die direkte Gefahr gegen sein eigenes Territorium auf sich zukommen, was unannehmbar für seine Sicherheit war. Gemäß den veröffentlichten Angaben, schickte es Zhou Enlai nach Moskau, um Stalin seinen Gesichtspunkt über die Unzulässigkeit der Anwesenheit von UNO-Streitkräften unter dem Befehl der Vereinigten Staaten an den Ufern des Flusses Yalu, der die Grenze zwischen Korea und China darstellt, zu erklären und die sowjetische Kooperation anzufordern. Damals gab es keine tiefgehenden Widersprüche zwischen den beiden sozialistischen Giganten.
Es wird behauptet, dass der chinesische Gegenschlag für den 13. Oktober vorgesehen war und dass Mao ihn in Erwartung der sowjetischen Antwort auf den 19. verlegte. Das war die maximale Zeitspanne, auf den er ihn hinauszögern konnte.
Ich denke, diese Reflexion am folgenden Freitag abzuschließen. Es ist ein vielschichtiges und mühsames Thema, das besondere Sorgfalt und so genaue Angaben als möglich erfordert. Es sind historische Tatsachen, die bekannt werden sollten und an die man sich erinnern sollte.
Fidel Castro Ruz
22. Juli 2008
21:22 Uhr
Teil 2:
Am 19. Oktober 1950 überquerten mehr als 400 000 freiwillige chinesische Kämpfer auf Anweisung von Mao Zedong den Fluss Yalu und lieferten den sich auf die chinesische Grenze zubewegenden Truppen der Vereinigten Staaten eine Schlacht. Die US-Einheiten, die von der energischen Aktion jenes von ihnen unterschätzten Landes überrascht wurden, sahen sich unter dem Ansturm der kombinierten Kräfte der Chinesen und Nordkoreaner gezwungen, sich bis in die Nähe der Südküste zurückzuziehen. Stalin, der übervorsichtig war, leistete eine viel geringere Kooperation als die von Mao erwartete, trotzdem sie wertvoll war. Diese bestand aus MiG-15-Flugzeugen mit sowjetischen Piloten an einer begrenzten Front von 98 Kilometern, welche in der Anfangsphase die Bodentruppen bei ihrem kühnen Voranschreiten unterstützten. Pjöngjang wurde zurückerobert und Seoul wurde erneut besetzt, indem dem ununterbrochenen Angriff der mächtigsten je vorhandenen US-Luftstreitkräfte getrotzt wurde.
MacArthur war begierig darauf, China unter Anwendung von Atomwaffen anzugreifen. Nach der beschämenden erlittenen Niederlage forderte er deren Einsatz. Präsident Truman sah sich gezwungen, ihn als Befehlshaber abzusetzen und General Matthews Ridgway als Oberbefehlshaber der Luft-, See- und Bodenstreitkräfte der Vereinigten Staaten im Operationsgebiet zu ernennen. An dem imperialistischen Abenteuer von Korea nahmen zusammen mit den Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Griechenland, Kanada, die Türkei, Äthiopien, Südafrika, die Philippinen, Australien, Neuseeland, Thailand und Kolumbien teil. Dieses Land war der einzige Teilnehmer von lateinamerikanischer Seite, es wurde von der Einheitsregierung des Konservativen Laureano Gómez regiert, die verantwortlich für die Massengemetzel unter den Bauern war. Wie zu ersehen ist, nahm das Äthiopien unter Haile Selassie teil, wo es noch die Sklaverei gab, und das von den weißen Rassisten regierte Südafrika.
Es waren kaum fünf Jahre seit dem Ende des im September 1939 begonnenen Weltgemetzels vergangen, welches im August 1945 aufhörte. Nach blutigen Kämpfen auf dem koreanischen Gebiet, wurde der Breitengrad 38 erneut zur Grenze zwischen Norden und Süden. Es wird geschätzt, dass in jenem Krieg circa zwei Millionen Nordkoreaner umgekommen sind, eine halbe bis zu einer Million Chinesen und über eine Million der Soldaten der Verbündeten. Auf der Seite der Vereinigten Staaten ließen ungefähr 44 000 Soldaten ihr Leben, von denen nicht Wenige gebürtig aus Puerto Rico bzw. anderen lateinamerikanischen Ländern waren, die zur Teilnahme an einem Krieg rekrutiert worden waren, der ihnen die Kategorie eines armen Einwanderers verlieh.
Japan erwarb große Vorteile aus diesem Krieg. In einem Jahr verzeichnete die Industrieproduktion ein Wachstum von 50% und in zwei Jahren wurde die Menge der Vorkriegsproduktion erreicht. Jedoch die Art der Wahrnehmung der von den imperialen Truppen in China und Korea begangenen Genozide veränderte sich nicht. Die Regierungen von Japan haben Ehrungen der völkermörderischen Akte ihrer Soldaten vorgenommen, welche in China mehrere Zehntausende Frauen vergewaltigt und etliche Hunderttausende von Menschen brutal ermordet hatten, wie schon in einer Reflexion dargelegt wurde.
Äußerst arbeitsam und beharrlich haben die Japaner ihr Land, das nicht über Erdöl und andere wichtige Rohstoffe verfügt, in die zweitgrößte Weltwirtschaftsmacht verwandelt.
Das BIP von Japan, gemessen in kapitalistischen Kennziffern, ― obwohl die Angaben etwas voneinander abweichen, je nachdem, welche westliche Quelle verwendet wurde, ― beträgt heute über 4,5 Billionen Dollar und ihre Devisenreserven erreichen über eine Billion. Das ist immer noch das Doppelte des BIP von China (2,2 Billionen), obwohl dieses Land um 50% größere Reserven in konvertierbarere Währung besitzt als jenes. Das BIP der Vereinigten Staaten (12,4 Billionen), die über ein 34,6 Mal größeres Gebiet verfügen und eine 2,3 Mal größere Bevölkerung, ist knapp dreimal größer als das von Japan. Seine Regierung ist heute einer der wichtigsten Verbündeten des Imperialismus, wenn dieser von der Wirtschaftsrezession bedroht wird und die hoch entwickelten Waffen der Supermacht gegen die Sicherheit der menschlichen Gattung ins Spiel gebracht werden. Das sind unauslöschliche Lehren der Geschichte.
Dagegen hat der Krieg China bedeutenden Schaden zugefügt. Truman gab der 6. Flotte Befehl, die Landung der revolutionären chinesischen Kräfte zu verhindern, die mit der Zurückgewinnung des von den Überbleibseln der Yankee-freundlichen Kräfte von Chiang Kai-shek besetzten 0,3 Prozents seines Gebiets, wohin diese geflüchtet waren, die vollkommene Befreiung des Landes vollenden wollten.
Die chinesisch-sowjetischen Beziehungen verschlechterten sich dann nach dem Tod von Stalin im März 1953. Die revolutionäre Bewegung entzweite sich fast überall. Der dramatische Aufruf von Ho Chi Minh zeigt den verursachten Schaden auf, und der Imperialismus mit seinem riesigen Medienapparat schürte den Extremismus der falschen revolutionären Theoretiker, ein Thema, bei dem die Geheimdienste der Vereinigten Staaten zu Experten wurden.
Nordkorea war bei der willkürlichen Teilung der unebenste Teil des Landes zugefallen. Es musste jedes Gramm Nahrungsmittel mit viel Schweiß und Opfern gewinnen. In Pjöngjang, der Hauptstadt, war kein Stein auf dem anderen geblieben. Es mussten eine sehr hohe Anzahl an Kriegsverletzten und –versehrten betreut werden. Das Land stand unter Blockade und hatte keine Mittel. Die UdSSR und die anderen sozialistischen Länder befanden sich im Wiederaufbau.
Als ich am 7. März 1986 die Demokratische Volksrepublik Korea besuchte, knapp 33 Jahre nach den vom Krieg hinterlassenen Zerstörungen, war es kaum zu glauben, was dort geschehen war. Jenes heldenhafte Volk hatte eine Unmenge an Bauwerken errichtet: große und kleine Talsperren und Kanäle als Wasservorrat, zur Stromerzeugung, zur Versorgung der Städte und zur Bewässerung der Felder; Wärmekraftwerke, bedeutende Betriebe im Maschinenbau und in anderen Branchen, viele von ihnen unterirdisch, mittels harter und methodischer Arbeit in den Tiefen der Felsen verankert. Da sie kein Kupfer und kein Aluminium zur Verfügung hatten, sahen sie sich sogar gezwungen, Eisen in den in hohem Grade Strom verbrauchenden Übertragungsleitungen zu verwenden, Strom, der zum Teil aus Steinkohle hergestellt wurde. Die Hauptstadt und andere vollkommen zerstörte Städte wurden Meter für Meter aufgebaut. Ich schätzte mehrere Millionen neue Wohnungen in städtischen und ländlichen Gebieten und mehrere zehntausend Dienstleistungseinrichtungen aller Art. Unendlich viele Arbeitsstunden waren in Stein, Zement, Stahl, Holz, synthetische Erzeugnisse und Geräte verwandelt worden. Die landwirtschaftlichen Anbauflächen, die ich wo ich hinkam, erblicken konnte, sahen wie Gärten aus. Ein gut angezogenes, organisiertes und enthusiastisches Volk war überall zu sehen, um den Gast zu empfangen. Es hatte die Kooperation und den Frieden verdient.
Es gab kein Thema, dass ich nicht mit meinem illustren Gastgeber Kim Il Sung besprochen hätte. Das werde ich nicht vergessen.
Korea blieb mittels einer imaginären Linie in zwei Teile geteilt. Der Süden erlebte eine ganz andere Erfahrung. Er war der bevölkerungsreichere Teil und hatte in jenem Krieg weniger Zerstörung erlitten. Die Anwesenheit einer zahlenmäßig sehr großen ausländischen Streitkraft forderte die Belieferung mit örtlichen industriellen und anderen Gütern, die von kunsthandwerklichen Gegenständen bis zu frischem Obst und Gemüse und außerdem den Dienstleistungen reichten. Die Militärausgaben der Verbündeten waren riesig. Dasselbe geschah, als die Vereinigten Staaten beschlossen, eine große Streitkraft auf unbestimmte Zeit dort zu behalten. Die transnationalen Unternehmen des Westens und von Japan haben in den Jahren des Kalten Krieges bedeutende Summen investiert und damit unbegrenzte Reichtümer aus dem Schweiß der Südkoreaner gewonnen, einem ebenso arbeitsamen und aufopferungsvollen Volk wie seine Brüder des Nordens. Die großen Märkte der Welt waren für seine Erzeugnisse offen. Sie wurden nicht unter Blockade gehalten. Heutzutage erreicht das Land sehr hohe Niveaus bezüglich Technologie und Arbeitsproduktivität. Es hat die Wirtschaftskrisen des Westens erlitten, die den Erwerb vieler südkoreanischer Betriebe durch die transnationalen Unternehmen ermöglichten. Der enthaltsame Charakter seines Volkes hat es dem Staat erlaubt, bedeutende Devisenreserven zu akkumulieren. Jetzt erleidet es die Wirtschaftsdepression der Vereinigten Staaten, besonders die sehr hohen Preise bei Kraftstoffen und Nahrungsmitteln, und den davon abgeleiteten Inflationsdruck.
Das BIP von Südkorea, 787,6 Milliarden Dollar, ist dem von Brasilien (796 Milliarden) und Mexiko (768 Milliarden) gleich, die beide über umfangreiche Öl- bzw. Gasvorkommen und unvergleichbar größere Bevölkerungszahlen verfügen. Der Imperialismus hat den genannten Nationen sein System auferlegt. Zwei sind zurückgeblieben; die andere schritt viel weiter voran.
Aus Südkorea wandert kaum jemand nach dem Westen aus. Aus Mexiko geschieht das massenweise, und zwar in das jetzige Gebiet der Vereinigten Staaten. Aus Brasilien, Südamerika und Zentralamerika überall hin, wobei die Auswanderer von der Notwendigkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, und von der auf den Konsum ausgerichteten Propaganda angezogen werden. Jetzt wird es ihnen mit strengen und abschätzigen Regelungen vergolten.
Die grundsätzliche Haltung bezüglich der Atomwaffen, die von Kuba in der Bewegung der Blockfreien Staaten unterzeichnet und auf der Gipfelkonferenz von Havanna im August 2006 ratifiziert wurde, ist bekannt.
Ich habe den jetzigen Regierungschef der Demokratischen Volksrepublik Korea, Kim Jong Il, das erste Mal begrüßt, als ich auf dem Flughafen von Pjöngjang angekommen bin und er diskret an einer Seite des roten Teppichs in der Nähe seines Vaters stand. Kuba unterhält ausgezeichnete Beziehungen zu seiner Regierung.
Bei der Auflösung der UdSSR und des sozialistischen Lagers hat die Demokratische Volksrepublik Korea wichtige Märkte und Zulieferungsquellen von Erdöl, Grundstoffen und Geräten verloren. Ebenso wie für uns waren die Folgen sehr hart. Der mit großen Opfern erreichte Fortschritt sah sich bedroht. Trotz alledem bewiesen sie die Fähigkeit, die Atomwaffe herzustellen.
Als vor etwa einem Jahr der entsprechende Versuch stattfand, haben wir der Regierung von Nordkorea unseren Gesichtspunkt über den Schaden mitgeteilt, den dies den armen Ländern der Dritten Welt zufügen könnte, die in einer für die Welt entscheidenden Stunde einen ungleichen und schwierigen Kampf gegen die Pläne des Imperialismus führen. Vielleicht wäre dies nicht notwendig. Kim Song Il, an diesem Punkt angekommen, hatte schon im Vorhinein beschlossen, was er - die geographischen und strategischen Faktoren der Region berücksichtigend - zu tun hatte.
Die Erklärung von Nordkorea über seine Bereitschaft, sein Atomwaffenprogramm einzustellen, verschafft uns Genugtuung. Das hat nichts mit den Verbrechen und Erpressungsversuchen von Bush zu tun, der sich jetzt mit der koreanischen Erklärung als einem Erfolg seiner völkermörderischen Politik brüstet. Die Geste von Nordkorea war nicht an die Regierung der Vereinigten Staaten gerichtet, der gegenüber es niemals nachgegeben hat, sondern an China, das Nachbar- und Bruderland, dessen Sicherheit und Entwicklung vital für beide Staaten ist.
Die Länder der Dritten Welt sind an der Freundschaft und Kooperation zwischen China und beiden Teilen von Korea interessiert, deren Vereinigung nicht unbedingt des einen auf Kosten des anderen sein muss, wie es in Deutschland geschehen ist, das jetzt Verbündeter der Vereinigten Staaten und der OTAN ist. Schritt um Schritt, ohne Eile, aber auch ohne nachzulassen, wie es ihrer Kultur und Geschichte entspricht, werden die Verbindungen, welche die beiden Koreas einen werden, weiter gesponnen werden. Mit Südkorea werden wir nach und nach unsere Verbindungen entwickeln; mit Nordkorea haben sie immer bestanden und wir werden sie weiter festigen.
Fidel Castro Ruz
24. Juli 2008
18:18 Uhr
Teil 1:
Die koreanische Nation mit ihrer eigenen, sie von ihren chinesischen und japanischen Nachbarn unterscheidenden Kultur, besteht seit dreitausend Jahren. Das sind typische Merkmale der Gesellschaften jener asiatischen Region, einschließlich der chinesischen, der vietnamesischen und anderer. Nichts dergleichen kann man in den westlichen Kulturen beobachten, von denen einige seit weniger als 250 Jahren bestehen.
Die Japaner hatten China im Krieg von 1894 die Kontrolle über die koreanische Dynastie entrissen und haben deren Gebiet in eine Kolonie von Japan verwandelt. Durch ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und den koreanischen Behörden wurde im Jahr 1892 der Protestantismus in jenem Land eingeführt. Andererseits war der Katholizismus durch die Missionen ebenfalls in jenem Jahrhundert eingedrungen. Es wird geschätzt, dass zum jetzigen Zeitpunkt circa 25 Prozent der Bevölkerung von Südkorea christlichen Glaubens ist und eine ähnliche Anzahl buddhistisch. Die Philosophie von Konfuzius hat auf geistigem Gebiet großen Einfluss auf die Koreaner ausgeübt, die sich nicht durch fanatische Religionsausübung auszeichnen.
Zwei wichtige Figuren haben im 20. Jahrhundert hervorragenden Stellenwert im politischen Leben jener Nation eingenommen. Syngman Rhee, geboren im März 1875, und Kim Il Sung, der 37 Jahre später, im April 1912, zur Welt kam. Beide Persönlichkeiten, die verschiedener sozialer Herkunft waren, haben sich ausgehend von nicht von ihnen abhängenden historischen Umständen gegenseitig bekriegt.
Die Christen haben sich dem japanischen Kolonialsystem widersetzt, darunter Syngman Rhee, der aktiver Protestant war. Der Status quo von Korea wurde verändert: Japan annektierte im Jahr 1910 sein Gebiet. Jahre darauf, im Jahr 1919, wurde Rhee als Präsident der Provisorischen Regierung im Ausland ernannt, mit Sitz in Shanghai, China. Er hat niemals die Waffen gegen die Invasoren angewandt. Die Liga der Nationen in Genf beachtete ihn nicht.
Das japanische Imperium unterdrückte die Bevölkerung von Korea brutal. Die Patrioten leisteten bewaffneten Widerstand gegen die koloniale Politik von Japan und es gelang ihnen, während der letzten neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein kleines Gebiet in den Bergen des Nordens zu befreien.
Kim Il Sung, geboren in der Nähe von Pjöngjang, trat als 18jähriger den kommunistischen koreanischen Guerillatrupps bei, die gegen die Japaner kämpften. Während seines aktiven Lebens als Revolutionär erreichte er die politische und militärische Führung der Japan-feindlichen Kämpfer von Nordkorea, als er erst 33 Jahre alt war.
Während des Zweiten Weltkrieges haben die Vereinigten Staaten das Schicksal von Korea für die Nachkriegszeit beschlossen. Das Land trat in den Krieg ein, als es von einer von deren Schöpfungen, das heißt dem Reich der Aufgehenden Sonne, angegriffen wurde, dessen hermetische feudale Tore Kommodore Perry in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffnete, indem er das fremde asiatische Land, das sich weigerte, mit Nordamerika Handel zu treiben, mit seinen Kanonen bedrohte.
Der begabte Zögling wurde später zu einem mächtigen Rivalen, wie ich schon zu einem anderen Zeitpunkt erläutert habe. Japan hat Jahrzehnte später nacheinander China und Russland angegriffen, wobei es sich zusätzlich Koreas bemächtigte. Trotz alledem war es auf Kosten von China schlauer Verbündeter der Sieger des Ersten Weltkrieges. Es sammelte Kräfte und in eine asiatische Version des Nazifaschismus verwandelt, versuchte es 1937 das Gebiet von China zu besetzen und griff im Dezember 1941 die Vereinigten Staaten an. Es führte den Krieg in den Südosten von Asien und nach Ozeanien.
Die kolonial von Großbritannien, Frankreich, Holland und Portugal in der Region beherrschten Gebiete waren dazu verurteilt, verloren zu gehen und die Vereinigten Staaten begannen, zur stärksten Macht des Planeten zu werden, dem nur seitens der Sowjetunion Widerstand geleistet wurde, die damals aufgrund des Zweiten Weltkriegs und der zahlreichen, von dem Nazi-Angriff verursachten materiellen und menschlichen Verluste zerstört war. Die chinesische Revolution war fast beendet, als im Jahr 1945 das Weltgemetzel aufhörte. Der gemeinsame Kampf gegen Japan beanspruchte damals alle ihre Energien. Mao, Ho Chi Minh, Ghandi, Sukarno und andere Führer setzten anschließend ihren Kampf gegen die Wiedereinführung der alten Weltordnung fort, die schon unhaltbar war.
Truman ließ auf zwei zivile japanische Städte die Atombombe abwerfen, eine neue, schrecklich zerstörerische Waffe, über deren Existenz er - wie schon erläutert wurde - dem sowjetischen Verbündeten, dem Land, das am meisten zur Vernichtung des Faschismus beigetragen hatte, nichts mitgeteilt hatte. Es gab nichts, dass diesen begangenen Völkermord rechtfertigte, nicht einmal die Tatsache, dass der hartnäckige japanische Widerstand auf der japanischen Insel Okinawa knapp 15.000 US-Soldaten das Leben gekostet hatte. Japan war schon besiegt und wenn solch eine Waffe auf ein militärisches Ziel abgeworfen worden wäre, hätte das früher oder später die gleiche demoralisierende Wirkung auf den japanischen Militarismus gehabt und ohne neue Verluste unter den Soldaten der Vereinigten Staaten. Es war ein schmählicher Terrorakt.
Die sowjetischen Soldaten gingen mit ihren Angriffen auf die Mandschurei und den Norden von Korea zu, so wie sie es nach dem Aufhören der Kämpfe in Europa versprochen hatten. Die Verbündeten hatten im Vorhinein festgelegt, bis zu welchem Punkt jede der Kräfte voranschreiten sollte. In der Hälfte von Korea sollte die Teilungslinie verlaufen, gleichweit entfernt von dem Fluss Yalu und dem Süden der Halbinsel. Die US-Regierung verhandelte mit den Japanern die Regeln zur Kapitulation der Truppen in ihrem eigenen Gebiet. Japan sollte von den Vereinigten Staaten eingenommen werden. In Korea, das von Japan annektiert war, verblieb eine zahlreiche Truppe des mächtigen japanischen Heeres. Südlich des 38. Breitengrades, das heißt der festgelegten Trennungsgrenzlinie, sollten die Interessen der Vereinigten Staaten vorherrschen. Der von der US-Regierung wieder in dieses Gebiet aufgenommene Syngman Rhee war der Führer, den sie unter offener Mitarbeit der Japaner unterstützten. So gewann er die umkämpften Wahlen von 1948. Die Soldaten der Sowjetarmee hatten sich in jenem Jahr aus Nordkorea zurückgezogen.
Am 25. Juni 1950 bricht der Krieg in jenem Land aus. Es wird noch darüber diskutiert, wer den ersten Schuss abgegeben hat, ob es die Kämpfer aus dem Norden waren oder die US-Soldaten, die gemeinsam mit den von Rhee rekrutierten Soldaten Wache hielten. Die Diskussion ist sinnlos, wenn man es vom koreanischen Standpunkt aus betrachtet. Die Kämpfer von Kim Il Sung haben gegen die Japaner um die Befreiung von ganz Korea gekämpft. Ihre Kräfte schritten unhaltbar bis in die Nähe des äußersten Südens vor, wo die Yankees sich mit massiver Unterstützung ihrer Jagdflugzeuge verteidigten. Seoul und andere Städte waren besetzt worden. McArthur, Befehlshaber der US-Streitkräfte im Pazifischen Ozean, beschloss, die Landung der Marineinfanterie bei Incheon zu befehlen, und zwar in der Nachhut der Streitkräfte des Nordens, welchen jene schon nicht mehr aufhalten konnten. Pjöngjang fiel nach verheerenden Luftangriffen in die Hände der Yankee-Streitmacht. Das verlieh jener Idee der US-Oberbefehlshaber im Pazifischen Ozean Impulse, ganz Korea einzunehmen, da die chinesische Volksbefreiungsarmee unter Leitung von Mao Zedong den Yankee-freundlichen Kräften von Chiang Kai-shek, die von den Vereinigten Staaten versorgt und unterstützt wurden, eine vernichtende Niederlage beigebracht hatten. Das gesamte kontinentale und Meeresgebiet jenes großen Landes war zurückerobert worden, mit Ausnahme von Taipei und einigen anderen nahe gelegenen kleinen Inseln, auf denen die von den Schiffen der Sechsten Flotte beförderten Kuomintang-Kräfte Unterschlupf fanden.
Die Geschichte des damaligen Geschehens ist heutzutage gut bekannt. Es ist nicht zu vergessen, dass Boris Jeltsin Washington unter anderem die Archive der Sowjetunion übergeben hat.
Was haben die Vereinigten Staaten getan, als der durch die in Korea geschaffenen Voraussetzungen praktisch nicht zu verhindernde Konflikt ausbrach? Sie haben den Norden jenes Landes als Angreifer dargestellt. Der Sicherheitsrat der gerade auf Betreiben der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges gegründeten Organisation der Vereinten Nationen verabschiedete die Resolution, ohne dass einer der fünf Mitglieder ein Veto dagegen einbringen konnte. Zu eben jenem Zeitpunkt hatte die UdSSR ihre Nichtübereinstimmung mit dem Ausschluss von China aus dem Sicherheitsrat ausgedrückt, wo die Vereinigten Staaten Chiang Kai-shek mit weniger 0,3 Prozent des Hoheitsgebiets und weniger als 2 Prozent der Bevölkerung als Mitglied des Sicherheitsrates mit Veto-Recht anerkannten. Solch eine Willkür führte zur Abwesenheit des russischen Delegierten, infolgedessen die Vereinbarung jenes Sicherheitsrates getroffen wurde, was dem Krieg den Charakter einer Militärhandlung der UNO gegen den angeblichen Angreifer – die Volksrepublik Korea – verlieh. China, das mit dem Konflikt nichts zu tun hatte, der seinen unbeendeten Kampf zur vollkommenen Befreiung des eigenen Territoriums beeinträchtigte, sah die direkte Gefahr gegen sein eigenes Territorium auf sich zukommen, was unannehmbar für seine Sicherheit war. Gemäß den veröffentlichten Angaben, schickte es Zhou Enlai nach Moskau, um Stalin seinen Gesichtspunkt über die Unzulässigkeit der Anwesenheit von UNO-Streitkräften unter dem Befehl der Vereinigten Staaten an den Ufern des Flusses Yalu, der die Grenze zwischen Korea und China darstellt, zu erklären und die sowjetische Kooperation anzufordern. Damals gab es keine tiefgehenden Widersprüche zwischen den beiden sozialistischen Giganten.
Es wird behauptet, dass der chinesische Gegenschlag für den 13. Oktober vorgesehen war und dass Mao ihn in Erwartung der sowjetischen Antwort auf den 19. verlegte. Das war die maximale Zeitspanne, auf den er ihn hinauszögern konnte.
Ich denke, diese Reflexion am folgenden Freitag abzuschließen. Es ist ein vielschichtiges und mühsames Thema, das besondere Sorgfalt und so genaue Angaben als möglich erfordert. Es sind historische Tatsachen, die bekannt werden sollten und an die man sich erinnern sollte.
Fidel Castro Ruz
22. Juli 2008
21:22 Uhr
Teil 2:
Am 19. Oktober 1950 überquerten mehr als 400 000 freiwillige chinesische Kämpfer auf Anweisung von Mao Zedong den Fluss Yalu und lieferten den sich auf die chinesische Grenze zubewegenden Truppen der Vereinigten Staaten eine Schlacht. Die US-Einheiten, die von der energischen Aktion jenes von ihnen unterschätzten Landes überrascht wurden, sahen sich unter dem Ansturm der kombinierten Kräfte der Chinesen und Nordkoreaner gezwungen, sich bis in die Nähe der Südküste zurückzuziehen. Stalin, der übervorsichtig war, leistete eine viel geringere Kooperation als die von Mao erwartete, trotzdem sie wertvoll war. Diese bestand aus MiG-15-Flugzeugen mit sowjetischen Piloten an einer begrenzten Front von 98 Kilometern, welche in der Anfangsphase die Bodentruppen bei ihrem kühnen Voranschreiten unterstützten. Pjöngjang wurde zurückerobert und Seoul wurde erneut besetzt, indem dem ununterbrochenen Angriff der mächtigsten je vorhandenen US-Luftstreitkräfte getrotzt wurde.
MacArthur war begierig darauf, China unter Anwendung von Atomwaffen anzugreifen. Nach der beschämenden erlittenen Niederlage forderte er deren Einsatz. Präsident Truman sah sich gezwungen, ihn als Befehlshaber abzusetzen und General Matthews Ridgway als Oberbefehlshaber der Luft-, See- und Bodenstreitkräfte der Vereinigten Staaten im Operationsgebiet zu ernennen. An dem imperialistischen Abenteuer von Korea nahmen zusammen mit den Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Griechenland, Kanada, die Türkei, Äthiopien, Südafrika, die Philippinen, Australien, Neuseeland, Thailand und Kolumbien teil. Dieses Land war der einzige Teilnehmer von lateinamerikanischer Seite, es wurde von der Einheitsregierung des Konservativen Laureano Gómez regiert, die verantwortlich für die Massengemetzel unter den Bauern war. Wie zu ersehen ist, nahm das Äthiopien unter Haile Selassie teil, wo es noch die Sklaverei gab, und das von den weißen Rassisten regierte Südafrika.
Es waren kaum fünf Jahre seit dem Ende des im September 1939 begonnenen Weltgemetzels vergangen, welches im August 1945 aufhörte. Nach blutigen Kämpfen auf dem koreanischen Gebiet, wurde der Breitengrad 38 erneut zur Grenze zwischen Norden und Süden. Es wird geschätzt, dass in jenem Krieg circa zwei Millionen Nordkoreaner umgekommen sind, eine halbe bis zu einer Million Chinesen und über eine Million der Soldaten der Verbündeten. Auf der Seite der Vereinigten Staaten ließen ungefähr 44 000 Soldaten ihr Leben, von denen nicht Wenige gebürtig aus Puerto Rico bzw. anderen lateinamerikanischen Ländern waren, die zur Teilnahme an einem Krieg rekrutiert worden waren, der ihnen die Kategorie eines armen Einwanderers verlieh.
Japan erwarb große Vorteile aus diesem Krieg. In einem Jahr verzeichnete die Industrieproduktion ein Wachstum von 50% und in zwei Jahren wurde die Menge der Vorkriegsproduktion erreicht. Jedoch die Art der Wahrnehmung der von den imperialen Truppen in China und Korea begangenen Genozide veränderte sich nicht. Die Regierungen von Japan haben Ehrungen der völkermörderischen Akte ihrer Soldaten vorgenommen, welche in China mehrere Zehntausende Frauen vergewaltigt und etliche Hunderttausende von Menschen brutal ermordet hatten, wie schon in einer Reflexion dargelegt wurde.
Äußerst arbeitsam und beharrlich haben die Japaner ihr Land, das nicht über Erdöl und andere wichtige Rohstoffe verfügt, in die zweitgrößte Weltwirtschaftsmacht verwandelt.
Das BIP von Japan, gemessen in kapitalistischen Kennziffern, ― obwohl die Angaben etwas voneinander abweichen, je nachdem, welche westliche Quelle verwendet wurde, ― beträgt heute über 4,5 Billionen Dollar und ihre Devisenreserven erreichen über eine Billion. Das ist immer noch das Doppelte des BIP von China (2,2 Billionen), obwohl dieses Land um 50% größere Reserven in konvertierbarere Währung besitzt als jenes. Das BIP der Vereinigten Staaten (12,4 Billionen), die über ein 34,6 Mal größeres Gebiet verfügen und eine 2,3 Mal größere Bevölkerung, ist knapp dreimal größer als das von Japan. Seine Regierung ist heute einer der wichtigsten Verbündeten des Imperialismus, wenn dieser von der Wirtschaftsrezession bedroht wird und die hoch entwickelten Waffen der Supermacht gegen die Sicherheit der menschlichen Gattung ins Spiel gebracht werden. Das sind unauslöschliche Lehren der Geschichte.
Dagegen hat der Krieg China bedeutenden Schaden zugefügt. Truman gab der 6. Flotte Befehl, die Landung der revolutionären chinesischen Kräfte zu verhindern, die mit der Zurückgewinnung des von den Überbleibseln der Yankee-freundlichen Kräfte von Chiang Kai-shek besetzten 0,3 Prozents seines Gebiets, wohin diese geflüchtet waren, die vollkommene Befreiung des Landes vollenden wollten.
Die chinesisch-sowjetischen Beziehungen verschlechterten sich dann nach dem Tod von Stalin im März 1953. Die revolutionäre Bewegung entzweite sich fast überall. Der dramatische Aufruf von Ho Chi Minh zeigt den verursachten Schaden auf, und der Imperialismus mit seinem riesigen Medienapparat schürte den Extremismus der falschen revolutionären Theoretiker, ein Thema, bei dem die Geheimdienste der Vereinigten Staaten zu Experten wurden.
Nordkorea war bei der willkürlichen Teilung der unebenste Teil des Landes zugefallen. Es musste jedes Gramm Nahrungsmittel mit viel Schweiß und Opfern gewinnen. In Pjöngjang, der Hauptstadt, war kein Stein auf dem anderen geblieben. Es mussten eine sehr hohe Anzahl an Kriegsverletzten und –versehrten betreut werden. Das Land stand unter Blockade und hatte keine Mittel. Die UdSSR und die anderen sozialistischen Länder befanden sich im Wiederaufbau.
Als ich am 7. März 1986 die Demokratische Volksrepublik Korea besuchte, knapp 33 Jahre nach den vom Krieg hinterlassenen Zerstörungen, war es kaum zu glauben, was dort geschehen war. Jenes heldenhafte Volk hatte eine Unmenge an Bauwerken errichtet: große und kleine Talsperren und Kanäle als Wasservorrat, zur Stromerzeugung, zur Versorgung der Städte und zur Bewässerung der Felder; Wärmekraftwerke, bedeutende Betriebe im Maschinenbau und in anderen Branchen, viele von ihnen unterirdisch, mittels harter und methodischer Arbeit in den Tiefen der Felsen verankert. Da sie kein Kupfer und kein Aluminium zur Verfügung hatten, sahen sie sich sogar gezwungen, Eisen in den in hohem Grade Strom verbrauchenden Übertragungsleitungen zu verwenden, Strom, der zum Teil aus Steinkohle hergestellt wurde. Die Hauptstadt und andere vollkommen zerstörte Städte wurden Meter für Meter aufgebaut. Ich schätzte mehrere Millionen neue Wohnungen in städtischen und ländlichen Gebieten und mehrere zehntausend Dienstleistungseinrichtungen aller Art. Unendlich viele Arbeitsstunden waren in Stein, Zement, Stahl, Holz, synthetische Erzeugnisse und Geräte verwandelt worden. Die landwirtschaftlichen Anbauflächen, die ich wo ich hinkam, erblicken konnte, sahen wie Gärten aus. Ein gut angezogenes, organisiertes und enthusiastisches Volk war überall zu sehen, um den Gast zu empfangen. Es hatte die Kooperation und den Frieden verdient.
Es gab kein Thema, dass ich nicht mit meinem illustren Gastgeber Kim Il Sung besprochen hätte. Das werde ich nicht vergessen.
Korea blieb mittels einer imaginären Linie in zwei Teile geteilt. Der Süden erlebte eine ganz andere Erfahrung. Er war der bevölkerungsreichere Teil und hatte in jenem Krieg weniger Zerstörung erlitten. Die Anwesenheit einer zahlenmäßig sehr großen ausländischen Streitkraft forderte die Belieferung mit örtlichen industriellen und anderen Gütern, die von kunsthandwerklichen Gegenständen bis zu frischem Obst und Gemüse und außerdem den Dienstleistungen reichten. Die Militärausgaben der Verbündeten waren riesig. Dasselbe geschah, als die Vereinigten Staaten beschlossen, eine große Streitkraft auf unbestimmte Zeit dort zu behalten. Die transnationalen Unternehmen des Westens und von Japan haben in den Jahren des Kalten Krieges bedeutende Summen investiert und damit unbegrenzte Reichtümer aus dem Schweiß der Südkoreaner gewonnen, einem ebenso arbeitsamen und aufopferungsvollen Volk wie seine Brüder des Nordens. Die großen Märkte der Welt waren für seine Erzeugnisse offen. Sie wurden nicht unter Blockade gehalten. Heutzutage erreicht das Land sehr hohe Niveaus bezüglich Technologie und Arbeitsproduktivität. Es hat die Wirtschaftskrisen des Westens erlitten, die den Erwerb vieler südkoreanischer Betriebe durch die transnationalen Unternehmen ermöglichten. Der enthaltsame Charakter seines Volkes hat es dem Staat erlaubt, bedeutende Devisenreserven zu akkumulieren. Jetzt erleidet es die Wirtschaftsdepression der Vereinigten Staaten, besonders die sehr hohen Preise bei Kraftstoffen und Nahrungsmitteln, und den davon abgeleiteten Inflationsdruck.
Das BIP von Südkorea, 787,6 Milliarden Dollar, ist dem von Brasilien (796 Milliarden) und Mexiko (768 Milliarden) gleich, die beide über umfangreiche Öl- bzw. Gasvorkommen und unvergleichbar größere Bevölkerungszahlen verfügen. Der Imperialismus hat den genannten Nationen sein System auferlegt. Zwei sind zurückgeblieben; die andere schritt viel weiter voran.
Aus Südkorea wandert kaum jemand nach dem Westen aus. Aus Mexiko geschieht das massenweise, und zwar in das jetzige Gebiet der Vereinigten Staaten. Aus Brasilien, Südamerika und Zentralamerika überall hin, wobei die Auswanderer von der Notwendigkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, und von der auf den Konsum ausgerichteten Propaganda angezogen werden. Jetzt wird es ihnen mit strengen und abschätzigen Regelungen vergolten.
Die grundsätzliche Haltung bezüglich der Atomwaffen, die von Kuba in der Bewegung der Blockfreien Staaten unterzeichnet und auf der Gipfelkonferenz von Havanna im August 2006 ratifiziert wurde, ist bekannt.
Ich habe den jetzigen Regierungschef der Demokratischen Volksrepublik Korea, Kim Jong Il, das erste Mal begrüßt, als ich auf dem Flughafen von Pjöngjang angekommen bin und er diskret an einer Seite des roten Teppichs in der Nähe seines Vaters stand. Kuba unterhält ausgezeichnete Beziehungen zu seiner Regierung.
Bei der Auflösung der UdSSR und des sozialistischen Lagers hat die Demokratische Volksrepublik Korea wichtige Märkte und Zulieferungsquellen von Erdöl, Grundstoffen und Geräten verloren. Ebenso wie für uns waren die Folgen sehr hart. Der mit großen Opfern erreichte Fortschritt sah sich bedroht. Trotz alledem bewiesen sie die Fähigkeit, die Atomwaffe herzustellen.
Als vor etwa einem Jahr der entsprechende Versuch stattfand, haben wir der Regierung von Nordkorea unseren Gesichtspunkt über den Schaden mitgeteilt, den dies den armen Ländern der Dritten Welt zufügen könnte, die in einer für die Welt entscheidenden Stunde einen ungleichen und schwierigen Kampf gegen die Pläne des Imperialismus führen. Vielleicht wäre dies nicht notwendig. Kim Song Il, an diesem Punkt angekommen, hatte schon im Vorhinein beschlossen, was er - die geographischen und strategischen Faktoren der Region berücksichtigend - zu tun hatte.
Die Erklärung von Nordkorea über seine Bereitschaft, sein Atomwaffenprogramm einzustellen, verschafft uns Genugtuung. Das hat nichts mit den Verbrechen und Erpressungsversuchen von Bush zu tun, der sich jetzt mit der koreanischen Erklärung als einem Erfolg seiner völkermörderischen Politik brüstet. Die Geste von Nordkorea war nicht an die Regierung der Vereinigten Staaten gerichtet, der gegenüber es niemals nachgegeben hat, sondern an China, das Nachbar- und Bruderland, dessen Sicherheit und Entwicklung vital für beide Staaten ist.
Die Länder der Dritten Welt sind an der Freundschaft und Kooperation zwischen China und beiden Teilen von Korea interessiert, deren Vereinigung nicht unbedingt des einen auf Kosten des anderen sein muss, wie es in Deutschland geschehen ist, das jetzt Verbündeter der Vereinigten Staaten und der OTAN ist. Schritt um Schritt, ohne Eile, aber auch ohne nachzulassen, wie es ihrer Kultur und Geschichte entspricht, werden die Verbindungen, welche die beiden Koreas einen werden, weiter gesponnen werden. Mit Südkorea werden wir nach und nach unsere Verbindungen entwickeln; mit Nordkorea haben sie immer bestanden und wir werden sie weiter festigen.
Fidel Castro Ruz
24. Juli 2008
18:18 Uhr
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