Reflexionen des Genossen Fidel: Die belagerte Mannschaft
Die Olympischen Spiele in China stehen kurz vor ihrer Eröffnung. Vor wenigen Tagen habe ich über unsere Baseballmannschaft geschrieben. Ich erklärte, dass unseren Athleten eine sehr harte Probe bevorsteht und dass nicht sie es sind, welche die meiste Kritik verdient hätten, wenn etwas nicht gut ausgeht. Ich habe ihre Klasse und ihren Patriotismus anerkannt. Sie waren aufgrund der aus Kuba erhaltenen Kritiken deprimiert.
Mir wurde später bekannt, dass sie sich sehr heiter und froh zeigten. Sie hatten gelernt, die recht gewürzten koreanischen Nahrungsmittel auf Art und Weise des asiatischen Ostens mit Stäbchen zu essen. Sie schickten am 26. Juli eine mitreißende Botschaft. Ohne Zweifel werden sie sich der schwierigen Probe mit Ehren stellen.
Aber haben sie etwa gleiche Voraussetzungen wie die Mannschaften der reichen Mächte, zum Beispiel wie die der Vereinigten Staaten und Japans, die im Wettkampf Gegner von Kuba sein werden? Von diesen Ländern hat das erste eine dreißig Mal größere Bevölkerung, die mindestens elfmal größer ist als die des zweiten. Sie unterliegen keiner Wirtschaftsblockade und beiden stehen enorme Reichtümer zur Verfügung. Niemand raubt ihnen Athleten.
Japan hat seinen Profis angeordnet, sich dem olympischen Team anzuschließen, und sie müssen es tun, weil es ihre Besitzer so festlegen. Das hat nichts mit den Athleten zu tun, die in Ware verwandelt wurden.
Die Vereinigten Staaten haben am Vorabend der Olympiade mit ihrem Söldnergeld Alexei Ramírez, führender Home-run-Mann unserer Landesmeisterschaften von 2007, gekauft. Der Manager des Teams, das ihn gekauft hat, brüstet sich damit, dass sie nicht wissen, für welche Position sie ihn vorsehen sollen, da er sehr gut an allen trainiert ist. Die Details bezüglich der Handelsformalitäten rund um jenen Fall und bezüglich der Verteilung des Geldes, die über Agenturmeldungen verbreitet wurden, sind widerlich. Vorher hatten sie den hoffnungsvollsten Pitcher von Pinar del Rio, José Ariel Contreras, gekauft und so Unsicherheit und Misstrauen gesät.
In Edmonton, Kanada, wurde vor Spielbeginn mit der Mannschaft des Gastlandes der 23. Jugendweltmeisterschaft im Baseball die Abwesenheit des sicheren Spiel-Eröffners, des Linkshänders Noel Arguelles, und des Shortstop José Antonio Iglesias, mit einem Trefferdurchschnitt (Batting Average) von über 500, bekannt.
Der mutige Pitcher der Jugendmannschaft, Julio Alfredo Martínez Wong aus Pinar del Río, übernahm Pitchers Mound. Im achten Inning fehlte nur noch ein Out (Aus), es gab Spieler an verschiedenen Bases und er schien erschöpft. Der Bullpen bereitete Joan Socarrás Maya mit starken Aufwärmübungen vor und Anweisungen, sich für den Spieleintritt bereit zu halten. Esteban Lombillo, der energische und fähige Direktor der kubanischen Jugendmannschaft, war schon zur Box gegangen. Julio Alfredo forderte mit einer Explosion seiner Würde, weiter werfen zu dürfen: „Ich mache das zu Ende!” ― rief er aus. Lombillo, der ebenfalls aufgrund des niederträchtigen Verrats erbittert war, verstand ihn und vertraute ihm. Julio Alfredo setzte seine Seele ein. Er erreichte das fehlende “Aus” im achten Inning. Im neunten brachte er die Schlagmänner einen nach dem anderen jeweils mit drei Out ins Abseits und so gewann unsere Mannschaft gegenüber der von Kanada um einen Run.
Der Short-Ersatzmann Yandy Díaz spielte ausgezeichnet und war der Schlagmann, der das für den Sieg von Kuba entscheidende Double erzielte.
Edmonton ist zu einer Mülldeponie geworden. Die kubanischen Athleten wurden schlecht betreut. Die Stadt besitzt das Privileg, Austragungsort der jährlichen Meisterschaft zu sein. Es sollte analysiert werden, ob es sich lohnt, teilzunehmen. Zu dem Event war nicht ein einziger Vertreter der kubanischen Presse geschickt worden. Alles wurde auf informellem Wege bekannt.
Die würdigen kubanischen Athleten der olympischen Baseballmannschaft, die ausgezeichnet von den koreanischen Gastgebern betreut wurden, werden in China noch besser behandelt werden. Sie müssen unter den von mir oben erläuterten widrigen Umständen am Wettkampf teilnehmen. Egal wie das Ergebnis aussehen wird, sie wissen, dass für uns das Wichtigste die Ehre und der Mut sind, mit dem sie kämpfen.
Aber nicht nur im Baseball findet die imperialistische Aggression statt. Vor ein paar Monaten ließ sich ein Teil unserer Männerfußballmannschaft in den Vereinigten Staaten zum Verrat verleiten, womit die Perspektiven von Kuba in diesem Sport in der Arena international vermindert werden. Eine olympische Athletin im Judo, die eine beinahe sichere Goldmedaille darstellte, wurde bestochen. Dadurch dass unsere Athleten gekauft wurden, hat man uns fünf sichere Goldmedaillen im olympischen Boxsport entrissen. Es ist ein Schlachtruf, Kuba mit allen Mitteln fertig zu machen, indem man uns Köpfe, Muskeln und Beine raubt.
Worauf ist die Angst der Reichen und Mächtigen gegenüber unserer kleinen und unter Blockade stehenden Insel zurückzuführen?
Im Schach kämpft Leinier Domínguez in der Schweiz in einem der bedeutendsten internationalen Turniere.
Bei der Olympiade, die am 8. August beginnt, werden unsere Athleten der verschiedenen Sportdisziplinen mit mehr Würde denn je um das Gold kämpfen und unser Volk wird ihre Medaillen so feiern, wie niemals zuvor. Dann werden die Fans sich der Verräter erinnern.
Fidel Castro Ruz
31. Juli 2008
12:32 Uhr
Hier finden Sie chronologisch sortiert Reden und Schriften des kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro Ruz
Donnerstag, 31. Juli 2008
Montag, 28. Juli 2008
Die Botschaft von Chávez
Reflexionen des Genossen Fidel: Die Botschaft von Chávez
Er ist am Freitag von seiner Europareise zurückgekommen. Er hat nur vier Tage dafür verwendet. Nach dem Westen fliegend ist er um 11 Uhr nachts in Caracas angekommen, als es am Abflugort, das heißt in Madrid, gerade Tag zu werden begann. Am Samstag kam zeitig ein Anruf aus Venezuela. Man teilte mir mit, dass er an jenem Tag ein Telefongespräch führen wollte. Ich antwortete, dass es um 13:45 Uhr sein würde.
Ich hatte Zeit, mehr als 25 Punkte jener Art zu notieren, die man bei einer Unterhaltung über eine internationale Telefonleitung behandeln kann, wenn man weiß, dass der Feind zuhört. Einige von ihnen waren vom venezolanischen Präsident selbst vor der Presse angesprochen worden.
Chávez war gelassen, besonnen und mit der Rundreise zufrieden. Wir führten einen Meinungsaustausch über Nahrungsmittel-, Erdöl- und Rohstoffpreise, erforderliche Investitionen, Dollarabwertung, Inflation, Rezession, imperialistischen Betrug und imperialistische Ausplünderung, Fehler des Gegners, Atomkriegsgefahren, unlösbare Probleme des Systems und weitere, die keiner Geheimhaltung bedürfen. Aber trotzdem verwende ich diese Art und Weise der Kommunikation nur ausnahmsweise.
Wir haben Einzelheiten und Nachrichten ausgetauscht. Er hat mit keinem Wort die ausgezeichnete Botschaft erwähnt, die er anlässlich des 26. Juli geschrieben hatte, in der er mein Anprangern der „Strategie von Machiavelli” analysiert. Ich habe sie an jenem Samstagabend erhalten. In Chávez wurden die Ideen von Bolivar wieder geboren, nur dass unser einstündiger Meinungsaustausch zu Zeiten des Libertador (auf Spanisch: Befreier) Monate gedauert hätte und seine viertägige Rundreise durch Europa, mindestens 2 Jahre.
Gestern habe ich ihn im Programm Aló, Presidente gehört. Sein Investitionsprogramm ist beeindruckend. Vielleicht wurde nie jemals den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Es werden schon einige Ergebnisse spürbar.
Als ich abends den Fernseher einschaltete, war Chávez unter dem Publikum, welches die Frauenmannschaft im Softball bei einem Cup-Endspiel gegen Kuba ermunterte. Die venezolanischen Athletinnen haben eins zu null gewonnen. Und obendrein ohne Base Hit und ohne Walk. Die junge Werferin von Venezuela, ein gut aussehendes Mädchen, staunte nicht schlecht, als ihr nach dem letzten Aus ihre Großtat bewusst wurde. Inmitten der innerhalb des Feldes und in der Nähe der Box überglücklich herum springenden Mannschaft verteilte Chávez Umarmungen und Wangenküsschen. Wenn wir nicht Internationalisten wären, dann wären wir ganz deprimiert gewesen. Nach ein paar Sekunden Besinnung habe ich mich für ihn und für Venezuela gefreut. Was für ein Teufelskerl! Wie kann er nur so große Anstrengungen aushalten?
Heute ist sein Geburtstag. Wir, das heißt Raul und ich, haben ihm ein Bild des Che geschickt, auf dem dieser aus der Erde hervorgeht, so, wie ihn ein Maler der westlichsten Provinz von Kuba sieht. Es ist wirklich beeindruckend.
Ich werde ihm diese Reflexion zeitig zukommen lassen.
Fidel Castro Ruz
28. Juli 2008
11: 30 Uhr
Er ist am Freitag von seiner Europareise zurückgekommen. Er hat nur vier Tage dafür verwendet. Nach dem Westen fliegend ist er um 11 Uhr nachts in Caracas angekommen, als es am Abflugort, das heißt in Madrid, gerade Tag zu werden begann. Am Samstag kam zeitig ein Anruf aus Venezuela. Man teilte mir mit, dass er an jenem Tag ein Telefongespräch führen wollte. Ich antwortete, dass es um 13:45 Uhr sein würde.
Ich hatte Zeit, mehr als 25 Punkte jener Art zu notieren, die man bei einer Unterhaltung über eine internationale Telefonleitung behandeln kann, wenn man weiß, dass der Feind zuhört. Einige von ihnen waren vom venezolanischen Präsident selbst vor der Presse angesprochen worden.
Chávez war gelassen, besonnen und mit der Rundreise zufrieden. Wir führten einen Meinungsaustausch über Nahrungsmittel-, Erdöl- und Rohstoffpreise, erforderliche Investitionen, Dollarabwertung, Inflation, Rezession, imperialistischen Betrug und imperialistische Ausplünderung, Fehler des Gegners, Atomkriegsgefahren, unlösbare Probleme des Systems und weitere, die keiner Geheimhaltung bedürfen. Aber trotzdem verwende ich diese Art und Weise der Kommunikation nur ausnahmsweise.
Wir haben Einzelheiten und Nachrichten ausgetauscht. Er hat mit keinem Wort die ausgezeichnete Botschaft erwähnt, die er anlässlich des 26. Juli geschrieben hatte, in der er mein Anprangern der „Strategie von Machiavelli” analysiert. Ich habe sie an jenem Samstagabend erhalten. In Chávez wurden die Ideen von Bolivar wieder geboren, nur dass unser einstündiger Meinungsaustausch zu Zeiten des Libertador (auf Spanisch: Befreier) Monate gedauert hätte und seine viertägige Rundreise durch Europa, mindestens 2 Jahre.
Gestern habe ich ihn im Programm Aló, Presidente gehört. Sein Investitionsprogramm ist beeindruckend. Vielleicht wurde nie jemals den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Es werden schon einige Ergebnisse spürbar.
Als ich abends den Fernseher einschaltete, war Chávez unter dem Publikum, welches die Frauenmannschaft im Softball bei einem Cup-Endspiel gegen Kuba ermunterte. Die venezolanischen Athletinnen haben eins zu null gewonnen. Und obendrein ohne Base Hit und ohne Walk. Die junge Werferin von Venezuela, ein gut aussehendes Mädchen, staunte nicht schlecht, als ihr nach dem letzten Aus ihre Großtat bewusst wurde. Inmitten der innerhalb des Feldes und in der Nähe der Box überglücklich herum springenden Mannschaft verteilte Chávez Umarmungen und Wangenküsschen. Wenn wir nicht Internationalisten wären, dann wären wir ganz deprimiert gewesen. Nach ein paar Sekunden Besinnung habe ich mich für ihn und für Venezuela gefreut. Was für ein Teufelskerl! Wie kann er nur so große Anstrengungen aushalten?
Heute ist sein Geburtstag. Wir, das heißt Raul und ich, haben ihm ein Bild des Che geschickt, auf dem dieser aus der Erde hervorgeht, so, wie ihn ein Maler der westlichsten Provinz von Kuba sieht. Es ist wirklich beeindruckend.
Ich werde ihm diese Reflexion zeitig zukommen lassen.
Fidel Castro Ruz
28. Juli 2008
11: 30 Uhr
Donnerstag, 24. Juli 2008
Die zwei Koreas
Reflexionen des Genossen Fidel: Die zwei Koreas
Teil 1:
Die koreanische Nation mit ihrer eigenen, sie von ihren chinesischen und japanischen Nachbarn unterscheidenden Kultur, besteht seit dreitausend Jahren. Das sind typische Merkmale der Gesellschaften jener asiatischen Region, einschließlich der chinesischen, der vietnamesischen und anderer. Nichts dergleichen kann man in den westlichen Kulturen beobachten, von denen einige seit weniger als 250 Jahren bestehen.
Die Japaner hatten China im Krieg von 1894 die Kontrolle über die koreanische Dynastie entrissen und haben deren Gebiet in eine Kolonie von Japan verwandelt. Durch ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und den koreanischen Behörden wurde im Jahr 1892 der Protestantismus in jenem Land eingeführt. Andererseits war der Katholizismus durch die Missionen ebenfalls in jenem Jahrhundert eingedrungen. Es wird geschätzt, dass zum jetzigen Zeitpunkt circa 25 Prozent der Bevölkerung von Südkorea christlichen Glaubens ist und eine ähnliche Anzahl buddhistisch. Die Philosophie von Konfuzius hat auf geistigem Gebiet großen Einfluss auf die Koreaner ausgeübt, die sich nicht durch fanatische Religionsausübung auszeichnen.
Zwei wichtige Figuren haben im 20. Jahrhundert hervorragenden Stellenwert im politischen Leben jener Nation eingenommen. Syngman Rhee, geboren im März 1875, und Kim Il Sung, der 37 Jahre später, im April 1912, zur Welt kam. Beide Persönlichkeiten, die verschiedener sozialer Herkunft waren, haben sich ausgehend von nicht von ihnen abhängenden historischen Umständen gegenseitig bekriegt.
Die Christen haben sich dem japanischen Kolonialsystem widersetzt, darunter Syngman Rhee, der aktiver Protestant war. Der Status quo von Korea wurde verändert: Japan annektierte im Jahr 1910 sein Gebiet. Jahre darauf, im Jahr 1919, wurde Rhee als Präsident der Provisorischen Regierung im Ausland ernannt, mit Sitz in Shanghai, China. Er hat niemals die Waffen gegen die Invasoren angewandt. Die Liga der Nationen in Genf beachtete ihn nicht.
Das japanische Imperium unterdrückte die Bevölkerung von Korea brutal. Die Patrioten leisteten bewaffneten Widerstand gegen die koloniale Politik von Japan und es gelang ihnen, während der letzten neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein kleines Gebiet in den Bergen des Nordens zu befreien.
Kim Il Sung, geboren in der Nähe von Pjöngjang, trat als 18jähriger den kommunistischen koreanischen Guerillatrupps bei, die gegen die Japaner kämpften. Während seines aktiven Lebens als Revolutionär erreichte er die politische und militärische Führung der Japan-feindlichen Kämpfer von Nordkorea, als er erst 33 Jahre alt war.
Während des Zweiten Weltkrieges haben die Vereinigten Staaten das Schicksal von Korea für die Nachkriegszeit beschlossen. Das Land trat in den Krieg ein, als es von einer von deren Schöpfungen, das heißt dem Reich der Aufgehenden Sonne, angegriffen wurde, dessen hermetische feudale Tore Kommodore Perry in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffnete, indem er das fremde asiatische Land, das sich weigerte, mit Nordamerika Handel zu treiben, mit seinen Kanonen bedrohte.
Der begabte Zögling wurde später zu einem mächtigen Rivalen, wie ich schon zu einem anderen Zeitpunkt erläutert habe. Japan hat Jahrzehnte später nacheinander China und Russland angegriffen, wobei es sich zusätzlich Koreas bemächtigte. Trotz alledem war es auf Kosten von China schlauer Verbündeter der Sieger des Ersten Weltkrieges. Es sammelte Kräfte und in eine asiatische Version des Nazifaschismus verwandelt, versuchte es 1937 das Gebiet von China zu besetzen und griff im Dezember 1941 die Vereinigten Staaten an. Es führte den Krieg in den Südosten von Asien und nach Ozeanien.
Die kolonial von Großbritannien, Frankreich, Holland und Portugal in der Region beherrschten Gebiete waren dazu verurteilt, verloren zu gehen und die Vereinigten Staaten begannen, zur stärksten Macht des Planeten zu werden, dem nur seitens der Sowjetunion Widerstand geleistet wurde, die damals aufgrund des Zweiten Weltkriegs und der zahlreichen, von dem Nazi-Angriff verursachten materiellen und menschlichen Verluste zerstört war. Die chinesische Revolution war fast beendet, als im Jahr 1945 das Weltgemetzel aufhörte. Der gemeinsame Kampf gegen Japan beanspruchte damals alle ihre Energien. Mao, Ho Chi Minh, Ghandi, Sukarno und andere Führer setzten anschließend ihren Kampf gegen die Wiedereinführung der alten Weltordnung fort, die schon unhaltbar war.
Truman ließ auf zwei zivile japanische Städte die Atombombe abwerfen, eine neue, schrecklich zerstörerische Waffe, über deren Existenz er - wie schon erläutert wurde - dem sowjetischen Verbündeten, dem Land, das am meisten zur Vernichtung des Faschismus beigetragen hatte, nichts mitgeteilt hatte. Es gab nichts, dass diesen begangenen Völkermord rechtfertigte, nicht einmal die Tatsache, dass der hartnäckige japanische Widerstand auf der japanischen Insel Okinawa knapp 15.000 US-Soldaten das Leben gekostet hatte. Japan war schon besiegt und wenn solch eine Waffe auf ein militärisches Ziel abgeworfen worden wäre, hätte das früher oder später die gleiche demoralisierende Wirkung auf den japanischen Militarismus gehabt und ohne neue Verluste unter den Soldaten der Vereinigten Staaten. Es war ein schmählicher Terrorakt.
Die sowjetischen Soldaten gingen mit ihren Angriffen auf die Mandschurei und den Norden von Korea zu, so wie sie es nach dem Aufhören der Kämpfe in Europa versprochen hatten. Die Verbündeten hatten im Vorhinein festgelegt, bis zu welchem Punkt jede der Kräfte voranschreiten sollte. In der Hälfte von Korea sollte die Teilungslinie verlaufen, gleichweit entfernt von dem Fluss Yalu und dem Süden der Halbinsel. Die US-Regierung verhandelte mit den Japanern die Regeln zur Kapitulation der Truppen in ihrem eigenen Gebiet. Japan sollte von den Vereinigten Staaten eingenommen werden. In Korea, das von Japan annektiert war, verblieb eine zahlreiche Truppe des mächtigen japanischen Heeres. Südlich des 38. Breitengrades, das heißt der festgelegten Trennungsgrenzlinie, sollten die Interessen der Vereinigten Staaten vorherrschen. Der von der US-Regierung wieder in dieses Gebiet aufgenommene Syngman Rhee war der Führer, den sie unter offener Mitarbeit der Japaner unterstützten. So gewann er die umkämpften Wahlen von 1948. Die Soldaten der Sowjetarmee hatten sich in jenem Jahr aus Nordkorea zurückgezogen.
Am 25. Juni 1950 bricht der Krieg in jenem Land aus. Es wird noch darüber diskutiert, wer den ersten Schuss abgegeben hat, ob es die Kämpfer aus dem Norden waren oder die US-Soldaten, die gemeinsam mit den von Rhee rekrutierten Soldaten Wache hielten. Die Diskussion ist sinnlos, wenn man es vom koreanischen Standpunkt aus betrachtet. Die Kämpfer von Kim Il Sung haben gegen die Japaner um die Befreiung von ganz Korea gekämpft. Ihre Kräfte schritten unhaltbar bis in die Nähe des äußersten Südens vor, wo die Yankees sich mit massiver Unterstützung ihrer Jagdflugzeuge verteidigten. Seoul und andere Städte waren besetzt worden. McArthur, Befehlshaber der US-Streitkräfte im Pazifischen Ozean, beschloss, die Landung der Marineinfanterie bei Incheon zu befehlen, und zwar in der Nachhut der Streitkräfte des Nordens, welchen jene schon nicht mehr aufhalten konnten. Pjöngjang fiel nach verheerenden Luftangriffen in die Hände der Yankee-Streitmacht. Das verlieh jener Idee der US-Oberbefehlshaber im Pazifischen Ozean Impulse, ganz Korea einzunehmen, da die chinesische Volksbefreiungsarmee unter Leitung von Mao Zedong den Yankee-freundlichen Kräften von Chiang Kai-shek, die von den Vereinigten Staaten versorgt und unterstützt wurden, eine vernichtende Niederlage beigebracht hatten. Das gesamte kontinentale und Meeresgebiet jenes großen Landes war zurückerobert worden, mit Ausnahme von Taipei und einigen anderen nahe gelegenen kleinen Inseln, auf denen die von den Schiffen der Sechsten Flotte beförderten Kuomintang-Kräfte Unterschlupf fanden.
Die Geschichte des damaligen Geschehens ist heutzutage gut bekannt. Es ist nicht zu vergessen, dass Boris Jeltsin Washington unter anderem die Archive der Sowjetunion übergeben hat.
Was haben die Vereinigten Staaten getan, als der durch die in Korea geschaffenen Voraussetzungen praktisch nicht zu verhindernde Konflikt ausbrach? Sie haben den Norden jenes Landes als Angreifer dargestellt. Der Sicherheitsrat der gerade auf Betreiben der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges gegründeten Organisation der Vereinten Nationen verabschiedete die Resolution, ohne dass einer der fünf Mitglieder ein Veto dagegen einbringen konnte. Zu eben jenem Zeitpunkt hatte die UdSSR ihre Nichtübereinstimmung mit dem Ausschluss von China aus dem Sicherheitsrat ausgedrückt, wo die Vereinigten Staaten Chiang Kai-shek mit weniger 0,3 Prozent des Hoheitsgebiets und weniger als 2 Prozent der Bevölkerung als Mitglied des Sicherheitsrates mit Veto-Recht anerkannten. Solch eine Willkür führte zur Abwesenheit des russischen Delegierten, infolgedessen die Vereinbarung jenes Sicherheitsrates getroffen wurde, was dem Krieg den Charakter einer Militärhandlung der UNO gegen den angeblichen Angreifer – die Volksrepublik Korea – verlieh. China, das mit dem Konflikt nichts zu tun hatte, der seinen unbeendeten Kampf zur vollkommenen Befreiung des eigenen Territoriums beeinträchtigte, sah die direkte Gefahr gegen sein eigenes Territorium auf sich zukommen, was unannehmbar für seine Sicherheit war. Gemäß den veröffentlichten Angaben, schickte es Zhou Enlai nach Moskau, um Stalin seinen Gesichtspunkt über die Unzulässigkeit der Anwesenheit von UNO-Streitkräften unter dem Befehl der Vereinigten Staaten an den Ufern des Flusses Yalu, der die Grenze zwischen Korea und China darstellt, zu erklären und die sowjetische Kooperation anzufordern. Damals gab es keine tiefgehenden Widersprüche zwischen den beiden sozialistischen Giganten.
Es wird behauptet, dass der chinesische Gegenschlag für den 13. Oktober vorgesehen war und dass Mao ihn in Erwartung der sowjetischen Antwort auf den 19. verlegte. Das war die maximale Zeitspanne, auf den er ihn hinauszögern konnte.
Ich denke, diese Reflexion am folgenden Freitag abzuschließen. Es ist ein vielschichtiges und mühsames Thema, das besondere Sorgfalt und so genaue Angaben als möglich erfordert. Es sind historische Tatsachen, die bekannt werden sollten und an die man sich erinnern sollte.
Fidel Castro Ruz
22. Juli 2008
21:22 Uhr
Teil 2:
Am 19. Oktober 1950 überquerten mehr als 400 000 freiwillige chinesische Kämpfer auf Anweisung von Mao Zedong den Fluss Yalu und lieferten den sich auf die chinesische Grenze zubewegenden Truppen der Vereinigten Staaten eine Schlacht. Die US-Einheiten, die von der energischen Aktion jenes von ihnen unterschätzten Landes überrascht wurden, sahen sich unter dem Ansturm der kombinierten Kräfte der Chinesen und Nordkoreaner gezwungen, sich bis in die Nähe der Südküste zurückzuziehen. Stalin, der übervorsichtig war, leistete eine viel geringere Kooperation als die von Mao erwartete, trotzdem sie wertvoll war. Diese bestand aus MiG-15-Flugzeugen mit sowjetischen Piloten an einer begrenzten Front von 98 Kilometern, welche in der Anfangsphase die Bodentruppen bei ihrem kühnen Voranschreiten unterstützten. Pjöngjang wurde zurückerobert und Seoul wurde erneut besetzt, indem dem ununterbrochenen Angriff der mächtigsten je vorhandenen US-Luftstreitkräfte getrotzt wurde.
MacArthur war begierig darauf, China unter Anwendung von Atomwaffen anzugreifen. Nach der beschämenden erlittenen Niederlage forderte er deren Einsatz. Präsident Truman sah sich gezwungen, ihn als Befehlshaber abzusetzen und General Matthews Ridgway als Oberbefehlshaber der Luft-, See- und Bodenstreitkräfte der Vereinigten Staaten im Operationsgebiet zu ernennen. An dem imperialistischen Abenteuer von Korea nahmen zusammen mit den Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Griechenland, Kanada, die Türkei, Äthiopien, Südafrika, die Philippinen, Australien, Neuseeland, Thailand und Kolumbien teil. Dieses Land war der einzige Teilnehmer von lateinamerikanischer Seite, es wurde von der Einheitsregierung des Konservativen Laureano Gómez regiert, die verantwortlich für die Massengemetzel unter den Bauern war. Wie zu ersehen ist, nahm das Äthiopien unter Haile Selassie teil, wo es noch die Sklaverei gab, und das von den weißen Rassisten regierte Südafrika.
Es waren kaum fünf Jahre seit dem Ende des im September 1939 begonnenen Weltgemetzels vergangen, welches im August 1945 aufhörte. Nach blutigen Kämpfen auf dem koreanischen Gebiet, wurde der Breitengrad 38 erneut zur Grenze zwischen Norden und Süden. Es wird geschätzt, dass in jenem Krieg circa zwei Millionen Nordkoreaner umgekommen sind, eine halbe bis zu einer Million Chinesen und über eine Million der Soldaten der Verbündeten. Auf der Seite der Vereinigten Staaten ließen ungefähr 44 000 Soldaten ihr Leben, von denen nicht Wenige gebürtig aus Puerto Rico bzw. anderen lateinamerikanischen Ländern waren, die zur Teilnahme an einem Krieg rekrutiert worden waren, der ihnen die Kategorie eines armen Einwanderers verlieh.
Japan erwarb große Vorteile aus diesem Krieg. In einem Jahr verzeichnete die Industrieproduktion ein Wachstum von 50% und in zwei Jahren wurde die Menge der Vorkriegsproduktion erreicht. Jedoch die Art der Wahrnehmung der von den imperialen Truppen in China und Korea begangenen Genozide veränderte sich nicht. Die Regierungen von Japan haben Ehrungen der völkermörderischen Akte ihrer Soldaten vorgenommen, welche in China mehrere Zehntausende Frauen vergewaltigt und etliche Hunderttausende von Menschen brutal ermordet hatten, wie schon in einer Reflexion dargelegt wurde.
Äußerst arbeitsam und beharrlich haben die Japaner ihr Land, das nicht über Erdöl und andere wichtige Rohstoffe verfügt, in die zweitgrößte Weltwirtschaftsmacht verwandelt.
Das BIP von Japan, gemessen in kapitalistischen Kennziffern, ― obwohl die Angaben etwas voneinander abweichen, je nachdem, welche westliche Quelle verwendet wurde, ― beträgt heute über 4,5 Billionen Dollar und ihre Devisenreserven erreichen über eine Billion. Das ist immer noch das Doppelte des BIP von China (2,2 Billionen), obwohl dieses Land um 50% größere Reserven in konvertierbarere Währung besitzt als jenes. Das BIP der Vereinigten Staaten (12,4 Billionen), die über ein 34,6 Mal größeres Gebiet verfügen und eine 2,3 Mal größere Bevölkerung, ist knapp dreimal größer als das von Japan. Seine Regierung ist heute einer der wichtigsten Verbündeten des Imperialismus, wenn dieser von der Wirtschaftsrezession bedroht wird und die hoch entwickelten Waffen der Supermacht gegen die Sicherheit der menschlichen Gattung ins Spiel gebracht werden. Das sind unauslöschliche Lehren der Geschichte.
Dagegen hat der Krieg China bedeutenden Schaden zugefügt. Truman gab der 6. Flotte Befehl, die Landung der revolutionären chinesischen Kräfte zu verhindern, die mit der Zurückgewinnung des von den Überbleibseln der Yankee-freundlichen Kräfte von Chiang Kai-shek besetzten 0,3 Prozents seines Gebiets, wohin diese geflüchtet waren, die vollkommene Befreiung des Landes vollenden wollten.
Die chinesisch-sowjetischen Beziehungen verschlechterten sich dann nach dem Tod von Stalin im März 1953. Die revolutionäre Bewegung entzweite sich fast überall. Der dramatische Aufruf von Ho Chi Minh zeigt den verursachten Schaden auf, und der Imperialismus mit seinem riesigen Medienapparat schürte den Extremismus der falschen revolutionären Theoretiker, ein Thema, bei dem die Geheimdienste der Vereinigten Staaten zu Experten wurden.
Nordkorea war bei der willkürlichen Teilung der unebenste Teil des Landes zugefallen. Es musste jedes Gramm Nahrungsmittel mit viel Schweiß und Opfern gewinnen. In Pjöngjang, der Hauptstadt, war kein Stein auf dem anderen geblieben. Es mussten eine sehr hohe Anzahl an Kriegsverletzten und –versehrten betreut werden. Das Land stand unter Blockade und hatte keine Mittel. Die UdSSR und die anderen sozialistischen Länder befanden sich im Wiederaufbau.
Als ich am 7. März 1986 die Demokratische Volksrepublik Korea besuchte, knapp 33 Jahre nach den vom Krieg hinterlassenen Zerstörungen, war es kaum zu glauben, was dort geschehen war. Jenes heldenhafte Volk hatte eine Unmenge an Bauwerken errichtet: große und kleine Talsperren und Kanäle als Wasservorrat, zur Stromerzeugung, zur Versorgung der Städte und zur Bewässerung der Felder; Wärmekraftwerke, bedeutende Betriebe im Maschinenbau und in anderen Branchen, viele von ihnen unterirdisch, mittels harter und methodischer Arbeit in den Tiefen der Felsen verankert. Da sie kein Kupfer und kein Aluminium zur Verfügung hatten, sahen sie sich sogar gezwungen, Eisen in den in hohem Grade Strom verbrauchenden Übertragungsleitungen zu verwenden, Strom, der zum Teil aus Steinkohle hergestellt wurde. Die Hauptstadt und andere vollkommen zerstörte Städte wurden Meter für Meter aufgebaut. Ich schätzte mehrere Millionen neue Wohnungen in städtischen und ländlichen Gebieten und mehrere zehntausend Dienstleistungseinrichtungen aller Art. Unendlich viele Arbeitsstunden waren in Stein, Zement, Stahl, Holz, synthetische Erzeugnisse und Geräte verwandelt worden. Die landwirtschaftlichen Anbauflächen, die ich wo ich hinkam, erblicken konnte, sahen wie Gärten aus. Ein gut angezogenes, organisiertes und enthusiastisches Volk war überall zu sehen, um den Gast zu empfangen. Es hatte die Kooperation und den Frieden verdient.
Es gab kein Thema, dass ich nicht mit meinem illustren Gastgeber Kim Il Sung besprochen hätte. Das werde ich nicht vergessen.
Korea blieb mittels einer imaginären Linie in zwei Teile geteilt. Der Süden erlebte eine ganz andere Erfahrung. Er war der bevölkerungsreichere Teil und hatte in jenem Krieg weniger Zerstörung erlitten. Die Anwesenheit einer zahlenmäßig sehr großen ausländischen Streitkraft forderte die Belieferung mit örtlichen industriellen und anderen Gütern, die von kunsthandwerklichen Gegenständen bis zu frischem Obst und Gemüse und außerdem den Dienstleistungen reichten. Die Militärausgaben der Verbündeten waren riesig. Dasselbe geschah, als die Vereinigten Staaten beschlossen, eine große Streitkraft auf unbestimmte Zeit dort zu behalten. Die transnationalen Unternehmen des Westens und von Japan haben in den Jahren des Kalten Krieges bedeutende Summen investiert und damit unbegrenzte Reichtümer aus dem Schweiß der Südkoreaner gewonnen, einem ebenso arbeitsamen und aufopferungsvollen Volk wie seine Brüder des Nordens. Die großen Märkte der Welt waren für seine Erzeugnisse offen. Sie wurden nicht unter Blockade gehalten. Heutzutage erreicht das Land sehr hohe Niveaus bezüglich Technologie und Arbeitsproduktivität. Es hat die Wirtschaftskrisen des Westens erlitten, die den Erwerb vieler südkoreanischer Betriebe durch die transnationalen Unternehmen ermöglichten. Der enthaltsame Charakter seines Volkes hat es dem Staat erlaubt, bedeutende Devisenreserven zu akkumulieren. Jetzt erleidet es die Wirtschaftsdepression der Vereinigten Staaten, besonders die sehr hohen Preise bei Kraftstoffen und Nahrungsmitteln, und den davon abgeleiteten Inflationsdruck.
Das BIP von Südkorea, 787,6 Milliarden Dollar, ist dem von Brasilien (796 Milliarden) und Mexiko (768 Milliarden) gleich, die beide über umfangreiche Öl- bzw. Gasvorkommen und unvergleichbar größere Bevölkerungszahlen verfügen. Der Imperialismus hat den genannten Nationen sein System auferlegt. Zwei sind zurückgeblieben; die andere schritt viel weiter voran.
Aus Südkorea wandert kaum jemand nach dem Westen aus. Aus Mexiko geschieht das massenweise, und zwar in das jetzige Gebiet der Vereinigten Staaten. Aus Brasilien, Südamerika und Zentralamerika überall hin, wobei die Auswanderer von der Notwendigkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, und von der auf den Konsum ausgerichteten Propaganda angezogen werden. Jetzt wird es ihnen mit strengen und abschätzigen Regelungen vergolten.
Die grundsätzliche Haltung bezüglich der Atomwaffen, die von Kuba in der Bewegung der Blockfreien Staaten unterzeichnet und auf der Gipfelkonferenz von Havanna im August 2006 ratifiziert wurde, ist bekannt.
Ich habe den jetzigen Regierungschef der Demokratischen Volksrepublik Korea, Kim Jong Il, das erste Mal begrüßt, als ich auf dem Flughafen von Pjöngjang angekommen bin und er diskret an einer Seite des roten Teppichs in der Nähe seines Vaters stand. Kuba unterhält ausgezeichnete Beziehungen zu seiner Regierung.
Bei der Auflösung der UdSSR und des sozialistischen Lagers hat die Demokratische Volksrepublik Korea wichtige Märkte und Zulieferungsquellen von Erdöl, Grundstoffen und Geräten verloren. Ebenso wie für uns waren die Folgen sehr hart. Der mit großen Opfern erreichte Fortschritt sah sich bedroht. Trotz alledem bewiesen sie die Fähigkeit, die Atomwaffe herzustellen.
Als vor etwa einem Jahr der entsprechende Versuch stattfand, haben wir der Regierung von Nordkorea unseren Gesichtspunkt über den Schaden mitgeteilt, den dies den armen Ländern der Dritten Welt zufügen könnte, die in einer für die Welt entscheidenden Stunde einen ungleichen und schwierigen Kampf gegen die Pläne des Imperialismus führen. Vielleicht wäre dies nicht notwendig. Kim Song Il, an diesem Punkt angekommen, hatte schon im Vorhinein beschlossen, was er - die geographischen und strategischen Faktoren der Region berücksichtigend - zu tun hatte.
Die Erklärung von Nordkorea über seine Bereitschaft, sein Atomwaffenprogramm einzustellen, verschafft uns Genugtuung. Das hat nichts mit den Verbrechen und Erpressungsversuchen von Bush zu tun, der sich jetzt mit der koreanischen Erklärung als einem Erfolg seiner völkermörderischen Politik brüstet. Die Geste von Nordkorea war nicht an die Regierung der Vereinigten Staaten gerichtet, der gegenüber es niemals nachgegeben hat, sondern an China, das Nachbar- und Bruderland, dessen Sicherheit und Entwicklung vital für beide Staaten ist.
Die Länder der Dritten Welt sind an der Freundschaft und Kooperation zwischen China und beiden Teilen von Korea interessiert, deren Vereinigung nicht unbedingt des einen auf Kosten des anderen sein muss, wie es in Deutschland geschehen ist, das jetzt Verbündeter der Vereinigten Staaten und der OTAN ist. Schritt um Schritt, ohne Eile, aber auch ohne nachzulassen, wie es ihrer Kultur und Geschichte entspricht, werden die Verbindungen, welche die beiden Koreas einen werden, weiter gesponnen werden. Mit Südkorea werden wir nach und nach unsere Verbindungen entwickeln; mit Nordkorea haben sie immer bestanden und wir werden sie weiter festigen.
Fidel Castro Ruz
24. Juli 2008
18:18 Uhr
Teil 1:
Die koreanische Nation mit ihrer eigenen, sie von ihren chinesischen und japanischen Nachbarn unterscheidenden Kultur, besteht seit dreitausend Jahren. Das sind typische Merkmale der Gesellschaften jener asiatischen Region, einschließlich der chinesischen, der vietnamesischen und anderer. Nichts dergleichen kann man in den westlichen Kulturen beobachten, von denen einige seit weniger als 250 Jahren bestehen.
Die Japaner hatten China im Krieg von 1894 die Kontrolle über die koreanische Dynastie entrissen und haben deren Gebiet in eine Kolonie von Japan verwandelt. Durch ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und den koreanischen Behörden wurde im Jahr 1892 der Protestantismus in jenem Land eingeführt. Andererseits war der Katholizismus durch die Missionen ebenfalls in jenem Jahrhundert eingedrungen. Es wird geschätzt, dass zum jetzigen Zeitpunkt circa 25 Prozent der Bevölkerung von Südkorea christlichen Glaubens ist und eine ähnliche Anzahl buddhistisch. Die Philosophie von Konfuzius hat auf geistigem Gebiet großen Einfluss auf die Koreaner ausgeübt, die sich nicht durch fanatische Religionsausübung auszeichnen.
Zwei wichtige Figuren haben im 20. Jahrhundert hervorragenden Stellenwert im politischen Leben jener Nation eingenommen. Syngman Rhee, geboren im März 1875, und Kim Il Sung, der 37 Jahre später, im April 1912, zur Welt kam. Beide Persönlichkeiten, die verschiedener sozialer Herkunft waren, haben sich ausgehend von nicht von ihnen abhängenden historischen Umständen gegenseitig bekriegt.
Die Christen haben sich dem japanischen Kolonialsystem widersetzt, darunter Syngman Rhee, der aktiver Protestant war. Der Status quo von Korea wurde verändert: Japan annektierte im Jahr 1910 sein Gebiet. Jahre darauf, im Jahr 1919, wurde Rhee als Präsident der Provisorischen Regierung im Ausland ernannt, mit Sitz in Shanghai, China. Er hat niemals die Waffen gegen die Invasoren angewandt. Die Liga der Nationen in Genf beachtete ihn nicht.
Das japanische Imperium unterdrückte die Bevölkerung von Korea brutal. Die Patrioten leisteten bewaffneten Widerstand gegen die koloniale Politik von Japan und es gelang ihnen, während der letzten neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein kleines Gebiet in den Bergen des Nordens zu befreien.
Kim Il Sung, geboren in der Nähe von Pjöngjang, trat als 18jähriger den kommunistischen koreanischen Guerillatrupps bei, die gegen die Japaner kämpften. Während seines aktiven Lebens als Revolutionär erreichte er die politische und militärische Führung der Japan-feindlichen Kämpfer von Nordkorea, als er erst 33 Jahre alt war.
Während des Zweiten Weltkrieges haben die Vereinigten Staaten das Schicksal von Korea für die Nachkriegszeit beschlossen. Das Land trat in den Krieg ein, als es von einer von deren Schöpfungen, das heißt dem Reich der Aufgehenden Sonne, angegriffen wurde, dessen hermetische feudale Tore Kommodore Perry in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffnete, indem er das fremde asiatische Land, das sich weigerte, mit Nordamerika Handel zu treiben, mit seinen Kanonen bedrohte.
Der begabte Zögling wurde später zu einem mächtigen Rivalen, wie ich schon zu einem anderen Zeitpunkt erläutert habe. Japan hat Jahrzehnte später nacheinander China und Russland angegriffen, wobei es sich zusätzlich Koreas bemächtigte. Trotz alledem war es auf Kosten von China schlauer Verbündeter der Sieger des Ersten Weltkrieges. Es sammelte Kräfte und in eine asiatische Version des Nazifaschismus verwandelt, versuchte es 1937 das Gebiet von China zu besetzen und griff im Dezember 1941 die Vereinigten Staaten an. Es führte den Krieg in den Südosten von Asien und nach Ozeanien.
Die kolonial von Großbritannien, Frankreich, Holland und Portugal in der Region beherrschten Gebiete waren dazu verurteilt, verloren zu gehen und die Vereinigten Staaten begannen, zur stärksten Macht des Planeten zu werden, dem nur seitens der Sowjetunion Widerstand geleistet wurde, die damals aufgrund des Zweiten Weltkriegs und der zahlreichen, von dem Nazi-Angriff verursachten materiellen und menschlichen Verluste zerstört war. Die chinesische Revolution war fast beendet, als im Jahr 1945 das Weltgemetzel aufhörte. Der gemeinsame Kampf gegen Japan beanspruchte damals alle ihre Energien. Mao, Ho Chi Minh, Ghandi, Sukarno und andere Führer setzten anschließend ihren Kampf gegen die Wiedereinführung der alten Weltordnung fort, die schon unhaltbar war.
Truman ließ auf zwei zivile japanische Städte die Atombombe abwerfen, eine neue, schrecklich zerstörerische Waffe, über deren Existenz er - wie schon erläutert wurde - dem sowjetischen Verbündeten, dem Land, das am meisten zur Vernichtung des Faschismus beigetragen hatte, nichts mitgeteilt hatte. Es gab nichts, dass diesen begangenen Völkermord rechtfertigte, nicht einmal die Tatsache, dass der hartnäckige japanische Widerstand auf der japanischen Insel Okinawa knapp 15.000 US-Soldaten das Leben gekostet hatte. Japan war schon besiegt und wenn solch eine Waffe auf ein militärisches Ziel abgeworfen worden wäre, hätte das früher oder später die gleiche demoralisierende Wirkung auf den japanischen Militarismus gehabt und ohne neue Verluste unter den Soldaten der Vereinigten Staaten. Es war ein schmählicher Terrorakt.
Die sowjetischen Soldaten gingen mit ihren Angriffen auf die Mandschurei und den Norden von Korea zu, so wie sie es nach dem Aufhören der Kämpfe in Europa versprochen hatten. Die Verbündeten hatten im Vorhinein festgelegt, bis zu welchem Punkt jede der Kräfte voranschreiten sollte. In der Hälfte von Korea sollte die Teilungslinie verlaufen, gleichweit entfernt von dem Fluss Yalu und dem Süden der Halbinsel. Die US-Regierung verhandelte mit den Japanern die Regeln zur Kapitulation der Truppen in ihrem eigenen Gebiet. Japan sollte von den Vereinigten Staaten eingenommen werden. In Korea, das von Japan annektiert war, verblieb eine zahlreiche Truppe des mächtigen japanischen Heeres. Südlich des 38. Breitengrades, das heißt der festgelegten Trennungsgrenzlinie, sollten die Interessen der Vereinigten Staaten vorherrschen. Der von der US-Regierung wieder in dieses Gebiet aufgenommene Syngman Rhee war der Führer, den sie unter offener Mitarbeit der Japaner unterstützten. So gewann er die umkämpften Wahlen von 1948. Die Soldaten der Sowjetarmee hatten sich in jenem Jahr aus Nordkorea zurückgezogen.
Am 25. Juni 1950 bricht der Krieg in jenem Land aus. Es wird noch darüber diskutiert, wer den ersten Schuss abgegeben hat, ob es die Kämpfer aus dem Norden waren oder die US-Soldaten, die gemeinsam mit den von Rhee rekrutierten Soldaten Wache hielten. Die Diskussion ist sinnlos, wenn man es vom koreanischen Standpunkt aus betrachtet. Die Kämpfer von Kim Il Sung haben gegen die Japaner um die Befreiung von ganz Korea gekämpft. Ihre Kräfte schritten unhaltbar bis in die Nähe des äußersten Südens vor, wo die Yankees sich mit massiver Unterstützung ihrer Jagdflugzeuge verteidigten. Seoul und andere Städte waren besetzt worden. McArthur, Befehlshaber der US-Streitkräfte im Pazifischen Ozean, beschloss, die Landung der Marineinfanterie bei Incheon zu befehlen, und zwar in der Nachhut der Streitkräfte des Nordens, welchen jene schon nicht mehr aufhalten konnten. Pjöngjang fiel nach verheerenden Luftangriffen in die Hände der Yankee-Streitmacht. Das verlieh jener Idee der US-Oberbefehlshaber im Pazifischen Ozean Impulse, ganz Korea einzunehmen, da die chinesische Volksbefreiungsarmee unter Leitung von Mao Zedong den Yankee-freundlichen Kräften von Chiang Kai-shek, die von den Vereinigten Staaten versorgt und unterstützt wurden, eine vernichtende Niederlage beigebracht hatten. Das gesamte kontinentale und Meeresgebiet jenes großen Landes war zurückerobert worden, mit Ausnahme von Taipei und einigen anderen nahe gelegenen kleinen Inseln, auf denen die von den Schiffen der Sechsten Flotte beförderten Kuomintang-Kräfte Unterschlupf fanden.
Die Geschichte des damaligen Geschehens ist heutzutage gut bekannt. Es ist nicht zu vergessen, dass Boris Jeltsin Washington unter anderem die Archive der Sowjetunion übergeben hat.
Was haben die Vereinigten Staaten getan, als der durch die in Korea geschaffenen Voraussetzungen praktisch nicht zu verhindernde Konflikt ausbrach? Sie haben den Norden jenes Landes als Angreifer dargestellt. Der Sicherheitsrat der gerade auf Betreiben der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges gegründeten Organisation der Vereinten Nationen verabschiedete die Resolution, ohne dass einer der fünf Mitglieder ein Veto dagegen einbringen konnte. Zu eben jenem Zeitpunkt hatte die UdSSR ihre Nichtübereinstimmung mit dem Ausschluss von China aus dem Sicherheitsrat ausgedrückt, wo die Vereinigten Staaten Chiang Kai-shek mit weniger 0,3 Prozent des Hoheitsgebiets und weniger als 2 Prozent der Bevölkerung als Mitglied des Sicherheitsrates mit Veto-Recht anerkannten. Solch eine Willkür führte zur Abwesenheit des russischen Delegierten, infolgedessen die Vereinbarung jenes Sicherheitsrates getroffen wurde, was dem Krieg den Charakter einer Militärhandlung der UNO gegen den angeblichen Angreifer – die Volksrepublik Korea – verlieh. China, das mit dem Konflikt nichts zu tun hatte, der seinen unbeendeten Kampf zur vollkommenen Befreiung des eigenen Territoriums beeinträchtigte, sah die direkte Gefahr gegen sein eigenes Territorium auf sich zukommen, was unannehmbar für seine Sicherheit war. Gemäß den veröffentlichten Angaben, schickte es Zhou Enlai nach Moskau, um Stalin seinen Gesichtspunkt über die Unzulässigkeit der Anwesenheit von UNO-Streitkräften unter dem Befehl der Vereinigten Staaten an den Ufern des Flusses Yalu, der die Grenze zwischen Korea und China darstellt, zu erklären und die sowjetische Kooperation anzufordern. Damals gab es keine tiefgehenden Widersprüche zwischen den beiden sozialistischen Giganten.
Es wird behauptet, dass der chinesische Gegenschlag für den 13. Oktober vorgesehen war und dass Mao ihn in Erwartung der sowjetischen Antwort auf den 19. verlegte. Das war die maximale Zeitspanne, auf den er ihn hinauszögern konnte.
Ich denke, diese Reflexion am folgenden Freitag abzuschließen. Es ist ein vielschichtiges und mühsames Thema, das besondere Sorgfalt und so genaue Angaben als möglich erfordert. Es sind historische Tatsachen, die bekannt werden sollten und an die man sich erinnern sollte.
Fidel Castro Ruz
22. Juli 2008
21:22 Uhr
Teil 2:
Am 19. Oktober 1950 überquerten mehr als 400 000 freiwillige chinesische Kämpfer auf Anweisung von Mao Zedong den Fluss Yalu und lieferten den sich auf die chinesische Grenze zubewegenden Truppen der Vereinigten Staaten eine Schlacht. Die US-Einheiten, die von der energischen Aktion jenes von ihnen unterschätzten Landes überrascht wurden, sahen sich unter dem Ansturm der kombinierten Kräfte der Chinesen und Nordkoreaner gezwungen, sich bis in die Nähe der Südküste zurückzuziehen. Stalin, der übervorsichtig war, leistete eine viel geringere Kooperation als die von Mao erwartete, trotzdem sie wertvoll war. Diese bestand aus MiG-15-Flugzeugen mit sowjetischen Piloten an einer begrenzten Front von 98 Kilometern, welche in der Anfangsphase die Bodentruppen bei ihrem kühnen Voranschreiten unterstützten. Pjöngjang wurde zurückerobert und Seoul wurde erneut besetzt, indem dem ununterbrochenen Angriff der mächtigsten je vorhandenen US-Luftstreitkräfte getrotzt wurde.
MacArthur war begierig darauf, China unter Anwendung von Atomwaffen anzugreifen. Nach der beschämenden erlittenen Niederlage forderte er deren Einsatz. Präsident Truman sah sich gezwungen, ihn als Befehlshaber abzusetzen und General Matthews Ridgway als Oberbefehlshaber der Luft-, See- und Bodenstreitkräfte der Vereinigten Staaten im Operationsgebiet zu ernennen. An dem imperialistischen Abenteuer von Korea nahmen zusammen mit den Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Griechenland, Kanada, die Türkei, Äthiopien, Südafrika, die Philippinen, Australien, Neuseeland, Thailand und Kolumbien teil. Dieses Land war der einzige Teilnehmer von lateinamerikanischer Seite, es wurde von der Einheitsregierung des Konservativen Laureano Gómez regiert, die verantwortlich für die Massengemetzel unter den Bauern war. Wie zu ersehen ist, nahm das Äthiopien unter Haile Selassie teil, wo es noch die Sklaverei gab, und das von den weißen Rassisten regierte Südafrika.
Es waren kaum fünf Jahre seit dem Ende des im September 1939 begonnenen Weltgemetzels vergangen, welches im August 1945 aufhörte. Nach blutigen Kämpfen auf dem koreanischen Gebiet, wurde der Breitengrad 38 erneut zur Grenze zwischen Norden und Süden. Es wird geschätzt, dass in jenem Krieg circa zwei Millionen Nordkoreaner umgekommen sind, eine halbe bis zu einer Million Chinesen und über eine Million der Soldaten der Verbündeten. Auf der Seite der Vereinigten Staaten ließen ungefähr 44 000 Soldaten ihr Leben, von denen nicht Wenige gebürtig aus Puerto Rico bzw. anderen lateinamerikanischen Ländern waren, die zur Teilnahme an einem Krieg rekrutiert worden waren, der ihnen die Kategorie eines armen Einwanderers verlieh.
Japan erwarb große Vorteile aus diesem Krieg. In einem Jahr verzeichnete die Industrieproduktion ein Wachstum von 50% und in zwei Jahren wurde die Menge der Vorkriegsproduktion erreicht. Jedoch die Art der Wahrnehmung der von den imperialen Truppen in China und Korea begangenen Genozide veränderte sich nicht. Die Regierungen von Japan haben Ehrungen der völkermörderischen Akte ihrer Soldaten vorgenommen, welche in China mehrere Zehntausende Frauen vergewaltigt und etliche Hunderttausende von Menschen brutal ermordet hatten, wie schon in einer Reflexion dargelegt wurde.
Äußerst arbeitsam und beharrlich haben die Japaner ihr Land, das nicht über Erdöl und andere wichtige Rohstoffe verfügt, in die zweitgrößte Weltwirtschaftsmacht verwandelt.
Das BIP von Japan, gemessen in kapitalistischen Kennziffern, ― obwohl die Angaben etwas voneinander abweichen, je nachdem, welche westliche Quelle verwendet wurde, ― beträgt heute über 4,5 Billionen Dollar und ihre Devisenreserven erreichen über eine Billion. Das ist immer noch das Doppelte des BIP von China (2,2 Billionen), obwohl dieses Land um 50% größere Reserven in konvertierbarere Währung besitzt als jenes. Das BIP der Vereinigten Staaten (12,4 Billionen), die über ein 34,6 Mal größeres Gebiet verfügen und eine 2,3 Mal größere Bevölkerung, ist knapp dreimal größer als das von Japan. Seine Regierung ist heute einer der wichtigsten Verbündeten des Imperialismus, wenn dieser von der Wirtschaftsrezession bedroht wird und die hoch entwickelten Waffen der Supermacht gegen die Sicherheit der menschlichen Gattung ins Spiel gebracht werden. Das sind unauslöschliche Lehren der Geschichte.
Dagegen hat der Krieg China bedeutenden Schaden zugefügt. Truman gab der 6. Flotte Befehl, die Landung der revolutionären chinesischen Kräfte zu verhindern, die mit der Zurückgewinnung des von den Überbleibseln der Yankee-freundlichen Kräfte von Chiang Kai-shek besetzten 0,3 Prozents seines Gebiets, wohin diese geflüchtet waren, die vollkommene Befreiung des Landes vollenden wollten.
Die chinesisch-sowjetischen Beziehungen verschlechterten sich dann nach dem Tod von Stalin im März 1953. Die revolutionäre Bewegung entzweite sich fast überall. Der dramatische Aufruf von Ho Chi Minh zeigt den verursachten Schaden auf, und der Imperialismus mit seinem riesigen Medienapparat schürte den Extremismus der falschen revolutionären Theoretiker, ein Thema, bei dem die Geheimdienste der Vereinigten Staaten zu Experten wurden.
Nordkorea war bei der willkürlichen Teilung der unebenste Teil des Landes zugefallen. Es musste jedes Gramm Nahrungsmittel mit viel Schweiß und Opfern gewinnen. In Pjöngjang, der Hauptstadt, war kein Stein auf dem anderen geblieben. Es mussten eine sehr hohe Anzahl an Kriegsverletzten und –versehrten betreut werden. Das Land stand unter Blockade und hatte keine Mittel. Die UdSSR und die anderen sozialistischen Länder befanden sich im Wiederaufbau.
Als ich am 7. März 1986 die Demokratische Volksrepublik Korea besuchte, knapp 33 Jahre nach den vom Krieg hinterlassenen Zerstörungen, war es kaum zu glauben, was dort geschehen war. Jenes heldenhafte Volk hatte eine Unmenge an Bauwerken errichtet: große und kleine Talsperren und Kanäle als Wasservorrat, zur Stromerzeugung, zur Versorgung der Städte und zur Bewässerung der Felder; Wärmekraftwerke, bedeutende Betriebe im Maschinenbau und in anderen Branchen, viele von ihnen unterirdisch, mittels harter und methodischer Arbeit in den Tiefen der Felsen verankert. Da sie kein Kupfer und kein Aluminium zur Verfügung hatten, sahen sie sich sogar gezwungen, Eisen in den in hohem Grade Strom verbrauchenden Übertragungsleitungen zu verwenden, Strom, der zum Teil aus Steinkohle hergestellt wurde. Die Hauptstadt und andere vollkommen zerstörte Städte wurden Meter für Meter aufgebaut. Ich schätzte mehrere Millionen neue Wohnungen in städtischen und ländlichen Gebieten und mehrere zehntausend Dienstleistungseinrichtungen aller Art. Unendlich viele Arbeitsstunden waren in Stein, Zement, Stahl, Holz, synthetische Erzeugnisse und Geräte verwandelt worden. Die landwirtschaftlichen Anbauflächen, die ich wo ich hinkam, erblicken konnte, sahen wie Gärten aus. Ein gut angezogenes, organisiertes und enthusiastisches Volk war überall zu sehen, um den Gast zu empfangen. Es hatte die Kooperation und den Frieden verdient.
Es gab kein Thema, dass ich nicht mit meinem illustren Gastgeber Kim Il Sung besprochen hätte. Das werde ich nicht vergessen.
Korea blieb mittels einer imaginären Linie in zwei Teile geteilt. Der Süden erlebte eine ganz andere Erfahrung. Er war der bevölkerungsreichere Teil und hatte in jenem Krieg weniger Zerstörung erlitten. Die Anwesenheit einer zahlenmäßig sehr großen ausländischen Streitkraft forderte die Belieferung mit örtlichen industriellen und anderen Gütern, die von kunsthandwerklichen Gegenständen bis zu frischem Obst und Gemüse und außerdem den Dienstleistungen reichten. Die Militärausgaben der Verbündeten waren riesig. Dasselbe geschah, als die Vereinigten Staaten beschlossen, eine große Streitkraft auf unbestimmte Zeit dort zu behalten. Die transnationalen Unternehmen des Westens und von Japan haben in den Jahren des Kalten Krieges bedeutende Summen investiert und damit unbegrenzte Reichtümer aus dem Schweiß der Südkoreaner gewonnen, einem ebenso arbeitsamen und aufopferungsvollen Volk wie seine Brüder des Nordens. Die großen Märkte der Welt waren für seine Erzeugnisse offen. Sie wurden nicht unter Blockade gehalten. Heutzutage erreicht das Land sehr hohe Niveaus bezüglich Technologie und Arbeitsproduktivität. Es hat die Wirtschaftskrisen des Westens erlitten, die den Erwerb vieler südkoreanischer Betriebe durch die transnationalen Unternehmen ermöglichten. Der enthaltsame Charakter seines Volkes hat es dem Staat erlaubt, bedeutende Devisenreserven zu akkumulieren. Jetzt erleidet es die Wirtschaftsdepression der Vereinigten Staaten, besonders die sehr hohen Preise bei Kraftstoffen und Nahrungsmitteln, und den davon abgeleiteten Inflationsdruck.
Das BIP von Südkorea, 787,6 Milliarden Dollar, ist dem von Brasilien (796 Milliarden) und Mexiko (768 Milliarden) gleich, die beide über umfangreiche Öl- bzw. Gasvorkommen und unvergleichbar größere Bevölkerungszahlen verfügen. Der Imperialismus hat den genannten Nationen sein System auferlegt. Zwei sind zurückgeblieben; die andere schritt viel weiter voran.
Aus Südkorea wandert kaum jemand nach dem Westen aus. Aus Mexiko geschieht das massenweise, und zwar in das jetzige Gebiet der Vereinigten Staaten. Aus Brasilien, Südamerika und Zentralamerika überall hin, wobei die Auswanderer von der Notwendigkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, und von der auf den Konsum ausgerichteten Propaganda angezogen werden. Jetzt wird es ihnen mit strengen und abschätzigen Regelungen vergolten.
Die grundsätzliche Haltung bezüglich der Atomwaffen, die von Kuba in der Bewegung der Blockfreien Staaten unterzeichnet und auf der Gipfelkonferenz von Havanna im August 2006 ratifiziert wurde, ist bekannt.
Ich habe den jetzigen Regierungschef der Demokratischen Volksrepublik Korea, Kim Jong Il, das erste Mal begrüßt, als ich auf dem Flughafen von Pjöngjang angekommen bin und er diskret an einer Seite des roten Teppichs in der Nähe seines Vaters stand. Kuba unterhält ausgezeichnete Beziehungen zu seiner Regierung.
Bei der Auflösung der UdSSR und des sozialistischen Lagers hat die Demokratische Volksrepublik Korea wichtige Märkte und Zulieferungsquellen von Erdöl, Grundstoffen und Geräten verloren. Ebenso wie für uns waren die Folgen sehr hart. Der mit großen Opfern erreichte Fortschritt sah sich bedroht. Trotz alledem bewiesen sie die Fähigkeit, die Atomwaffe herzustellen.
Als vor etwa einem Jahr der entsprechende Versuch stattfand, haben wir der Regierung von Nordkorea unseren Gesichtspunkt über den Schaden mitgeteilt, den dies den armen Ländern der Dritten Welt zufügen könnte, die in einer für die Welt entscheidenden Stunde einen ungleichen und schwierigen Kampf gegen die Pläne des Imperialismus führen. Vielleicht wäre dies nicht notwendig. Kim Song Il, an diesem Punkt angekommen, hatte schon im Vorhinein beschlossen, was er - die geographischen und strategischen Faktoren der Region berücksichtigend - zu tun hatte.
Die Erklärung von Nordkorea über seine Bereitschaft, sein Atomwaffenprogramm einzustellen, verschafft uns Genugtuung. Das hat nichts mit den Verbrechen und Erpressungsversuchen von Bush zu tun, der sich jetzt mit der koreanischen Erklärung als einem Erfolg seiner völkermörderischen Politik brüstet. Die Geste von Nordkorea war nicht an die Regierung der Vereinigten Staaten gerichtet, der gegenüber es niemals nachgegeben hat, sondern an China, das Nachbar- und Bruderland, dessen Sicherheit und Entwicklung vital für beide Staaten ist.
Die Länder der Dritten Welt sind an der Freundschaft und Kooperation zwischen China und beiden Teilen von Korea interessiert, deren Vereinigung nicht unbedingt des einen auf Kosten des anderen sein muss, wie es in Deutschland geschehen ist, das jetzt Verbündeter der Vereinigten Staaten und der OTAN ist. Schritt um Schritt, ohne Eile, aber auch ohne nachzulassen, wie es ihrer Kultur und Geschichte entspricht, werden die Verbindungen, welche die beiden Koreas einen werden, weiter gesponnen werden. Mit Südkorea werden wir nach und nach unsere Verbindungen entwickeln; mit Nordkorea haben sie immer bestanden und wir werden sie weiter festigen.
Fidel Castro Ruz
24. Juli 2008
18:18 Uhr
Mittwoch, 23. Juli 2008
Die Strategie von Machiavelli
Reflexionen des Genossen Fidel: Die Strategie von Machiavelli
Raúl hat gut daran getan, würdevoll zu den Erklärungen zu schweigen, die am vergangenen Montag, dem 21. Juli, von der Iswestija zu einem möglichen Aufbau von Basen für russische Langstreckenbomber in unserem Land veröffentlicht wurden. Die Nachricht stützte sich auf Hypothesen, die in Rußland angesichts der Verbissenheit der Yankees entstanden sind, in der Nähe der Grenzen dieser Großmacht Radarstationen und Raketenbasen ihres Nuklearschildes zu errichten.
Am gestrigen 22. Juli hat General Norton Schwartz nach seiner Nominierung zum neuen Chef des Generalstabs der US-Luftwaffe im Senat erklärt, daß Rußland mit einem solchen Schritt die rote Linie übertreten würde, was für die Vereinigten Staaten unannehmbar wäre.
Wenn du ja sagst, bringe ich dich um. Sagst du nein, bringe ich dich auch um. Das ist die Strategie von Machiavelli, die das Imperium Kuba aufzwingt. Man braucht keine Erklärungen abzugeben, keine Rechtfertigungen oder Entschuldigungen.
In diesen Zeiten der Völkermorde sind Nerven aus Stahl notwendig –und Kuba hat sie. Dem Imperium ist das bewußt. Am Samstag, dem 26. Juli, werden 55 Jahre des permanenten Kampfes erreicht sein. Es gibt keine größere Ehrung der im Kampf Gefallenen, derjenigen, die später starben, ohne je ihre Prinzipen aufzugeben und derejenigen, die noch immer kämpfen. Sie sind Symbole einer Generation, die gekämpft hat. Die Freude, mit der unser Volk ihrer gedenkt, ist überaus angebracht.

Fidel Castro Ruz
23.07.08
12:17 Uhr
Raúl hat gut daran getan, würdevoll zu den Erklärungen zu schweigen, die am vergangenen Montag, dem 21. Juli, von der Iswestija zu einem möglichen Aufbau von Basen für russische Langstreckenbomber in unserem Land veröffentlicht wurden. Die Nachricht stützte sich auf Hypothesen, die in Rußland angesichts der Verbissenheit der Yankees entstanden sind, in der Nähe der Grenzen dieser Großmacht Radarstationen und Raketenbasen ihres Nuklearschildes zu errichten.
Am gestrigen 22. Juli hat General Norton Schwartz nach seiner Nominierung zum neuen Chef des Generalstabs der US-Luftwaffe im Senat erklärt, daß Rußland mit einem solchen Schritt die rote Linie übertreten würde, was für die Vereinigten Staaten unannehmbar wäre.
Wenn du ja sagst, bringe ich dich um. Sagst du nein, bringe ich dich auch um. Das ist die Strategie von Machiavelli, die das Imperium Kuba aufzwingt. Man braucht keine Erklärungen abzugeben, keine Rechtfertigungen oder Entschuldigungen.
In diesen Zeiten der Völkermorde sind Nerven aus Stahl notwendig –und Kuba hat sie. Dem Imperium ist das bewußt. Am Samstag, dem 26. Juli, werden 55 Jahre des permanenten Kampfes erreicht sein. Es gibt keine größere Ehrung der im Kampf Gefallenen, derjenigen, die später starben, ohne je ihre Prinzipen aufzugeben und derejenigen, die noch immer kämpfen. Sie sind Symbole einer Generation, die gekämpft hat. Die Freude, mit der unser Volk ihrer gedenkt, ist überaus angebracht.

Fidel Castro Ruz
23.07.08
12:17 Uhr
Samstag, 19. Juli 2008
Die Bildung in Kuba
Reflexionen des Genossen Fidel: Die Bildung in Kuba
Es wird der Eindruck vermittelt, als ob unser Land dasjenige ist, das auf der Welt die meisten Probleme im Bildungswesen aufweist. Alle erhaltenen Agenturmeldungen berichten über viele und schwierige Herausforderungen: ein Defizit von über 8000 Lehrern, Unhöflichkeit und schlechte Angewohnheiten der Schüler bzw. Studenten, ungenügende Vorbereitung; kurz und gut, Probleme jeder Art.
Erstens bin ich der Meinung, dass wir nicht so schlecht dastehen. Keines der entwickelten Länder weist auf diesem Gebiet unsere Schulabschlussraten und die Bildungsmöglichkeiten für alle Bürger auf, trotz der ungerechten Blockade und des unverschämten Raubs von Arbeitskräften der körperlichen und geistigen Tätigkeit und im Bereich des Sports, dem Kuba ausgesetzt ist.
Die Vereinigten Staaten und andere reiche Länder können keinen Vergleich mit unserem Land eingehen. Ja, sie haben viel mehr Autos, verbrauchen mehr Benzin, viel mehr Drogen, kaufen mehr unwichtige Dinge und ziehen Nutzen aus der Ausplünderung unserer Völker, wie sie es jahrhundertelang getan haben.
Der Imperialismus hegt die Absicht, dass die kubanischen Frauen erneut zu einer Ware werden, zu Vergnügungsartikeln und Bediensteten der Reichen. Sie verzeihen den Befreiungskampf der Völker nicht. Sie sehnen sich nach den Jahren, in denen der Eintritt von schwarzen Kubanern in die Freizeiteinrichtungen verboten war. Viele Bürger hatten damals weder eine Anstellung noch Sozialversicherung und ärztliche Betreuung.
Martí sagte, dass die Freiheit teuer ist, dass man sie um ihren Preis bezahlen muss oder sich damit abfinden müsse, ohne sie zu leben. Das ist das Dilemma, das alle Kubaner jeden Tag genau überdenken müssen.
Wieviel ist wahr an den Hoffnungen unserer Feinde? Nur in uns selbst ist die Antwort. Oder können wir uns in der Bildung ebenfalls die Frage stellen, ob die bürokratische Methode, Wissenschaft ohne Bewusstsein zu vermitteln, angewandt wird? Ich glaube nicht, dass wir in der Entwicklung so weit zurückgefallen sind. Jedenfalls ist es unumgänglich, dass sich jeder diese Frage stellt, um zu verhindern, dass unsere Würde beleidigt wird. Wir können von unseren Feinden keine Gnade erwarten.
Es gibt mehrere zehntausend Menschen, die denken, sprechen, handeln und Entscheidungen treffen. In den Händen von ihnen liegen die Maßnahmen, die jeden Tag getroffen werden.
Schenken wir unseren Feinden Aufmerksamkeit und tun genau das Gegenteil, was sie von uns wollen, um die zu bleiben, die wir sind.
Es wird an unser Bewusstsein appelliert. Die Revolution fordert von uns allen, und mit Recht, mehr zu arbeiten, das heißt zu arbeiten! Wir haben 50 Jahre standgehalten. Die neuen Generationen sind viel besser vorbereitet; wir haben das Recht darauf, von ihnen viel mehr zu erwarten. Lassen wir uns nicht durch die Nachrichten der Feinde entmutigen, die den Sinn unserer Worte verdrehen und unsere Selbstkritik als Tragödien darstellen. Der Quell der revolutionären Ethik ist unerschöpflich!
Fidel Castro Ruz
19. Juli 2008
12:14 Uhr
Es wird der Eindruck vermittelt, als ob unser Land dasjenige ist, das auf der Welt die meisten Probleme im Bildungswesen aufweist. Alle erhaltenen Agenturmeldungen berichten über viele und schwierige Herausforderungen: ein Defizit von über 8000 Lehrern, Unhöflichkeit und schlechte Angewohnheiten der Schüler bzw. Studenten, ungenügende Vorbereitung; kurz und gut, Probleme jeder Art.
Erstens bin ich der Meinung, dass wir nicht so schlecht dastehen. Keines der entwickelten Länder weist auf diesem Gebiet unsere Schulabschlussraten und die Bildungsmöglichkeiten für alle Bürger auf, trotz der ungerechten Blockade und des unverschämten Raubs von Arbeitskräften der körperlichen und geistigen Tätigkeit und im Bereich des Sports, dem Kuba ausgesetzt ist.
Die Vereinigten Staaten und andere reiche Länder können keinen Vergleich mit unserem Land eingehen. Ja, sie haben viel mehr Autos, verbrauchen mehr Benzin, viel mehr Drogen, kaufen mehr unwichtige Dinge und ziehen Nutzen aus der Ausplünderung unserer Völker, wie sie es jahrhundertelang getan haben.
Der Imperialismus hegt die Absicht, dass die kubanischen Frauen erneut zu einer Ware werden, zu Vergnügungsartikeln und Bediensteten der Reichen. Sie verzeihen den Befreiungskampf der Völker nicht. Sie sehnen sich nach den Jahren, in denen der Eintritt von schwarzen Kubanern in die Freizeiteinrichtungen verboten war. Viele Bürger hatten damals weder eine Anstellung noch Sozialversicherung und ärztliche Betreuung.
Martí sagte, dass die Freiheit teuer ist, dass man sie um ihren Preis bezahlen muss oder sich damit abfinden müsse, ohne sie zu leben. Das ist das Dilemma, das alle Kubaner jeden Tag genau überdenken müssen.
Wieviel ist wahr an den Hoffnungen unserer Feinde? Nur in uns selbst ist die Antwort. Oder können wir uns in der Bildung ebenfalls die Frage stellen, ob die bürokratische Methode, Wissenschaft ohne Bewusstsein zu vermitteln, angewandt wird? Ich glaube nicht, dass wir in der Entwicklung so weit zurückgefallen sind. Jedenfalls ist es unumgänglich, dass sich jeder diese Frage stellt, um zu verhindern, dass unsere Würde beleidigt wird. Wir können von unseren Feinden keine Gnade erwarten.
Es gibt mehrere zehntausend Menschen, die denken, sprechen, handeln und Entscheidungen treffen. In den Händen von ihnen liegen die Maßnahmen, die jeden Tag getroffen werden.
Schenken wir unseren Feinden Aufmerksamkeit und tun genau das Gegenteil, was sie von uns wollen, um die zu bleiben, die wir sind.
Es wird an unser Bewusstsein appelliert. Die Revolution fordert von uns allen, und mit Recht, mehr zu arbeiten, das heißt zu arbeiten! Wir haben 50 Jahre standgehalten. Die neuen Generationen sind viel besser vorbereitet; wir haben das Recht darauf, von ihnen viel mehr zu erwarten. Lassen wir uns nicht durch die Nachrichten der Feinde entmutigen, die den Sinn unserer Worte verdrehen und unsere Selbstkritik als Tragödien darstellen. Der Quell der revolutionären Ethik ist unerschöpflich!
Fidel Castro Ruz
19. Juli 2008
12:14 Uhr
Freitag, 18. Juli 2008
Botschaft an Nelson Mandela zu seinem 90. Geburtstag
Ruhm sei dir, Nelson, der du von deinen 25 Einzelhaft-Gefängnisjahren aus die menschliche Würde verteidigt hast! Gegen den Stahl deines Widerstands konnten die Verleumdung und der Hass nichts ausrichten. Du hast es verstanden, standhaft zu bleiben, und ohne es zu wissen bzw. zu beabsichtigen, bist du zum Symbol des Edelsten der Menschheit geworden. Du wirst in der Erinnerung der zukünftigen Generationen leben und zusammen mit dir die Kubaner, die in verschiedenen Gebieten der Welt bei der Verteidigung der Freiheit ihrer Brüder gefallen sind.
Fidel Castro Ruz
18. Juli 2008
Fidel Castro Ruz
18. Juli 2008
Donnerstag, 17. Juli 2008
Die Aufrichtigkeit und der Mut um bescheiden zu sein
Reflexionen des Genossen Fidel: Die Aufrichtigkeit und der Mut um bescheiden zu sein
Jedes Werk mit einer bestimmten autobiographischen Nuance zwingt mich dazu, Zweifel bezüglich jenen vor mehr als einem halben Jahrhundert von mir getroffenen Entscheidungen zu klären. Hierbei beziehe ich mich auf die subtilen Details, da man das Wesentliche niemals vergessen wird. Dies trifft auf das zu, was ich 1948 getan habe, das heißt vor sechzig Jahren.
Als ob es gestern gewesen wäre erinnere ich mich an jenen Augenblick, als ich beschloss, an der Expedition zur Befreiung des dominikanischen Volkes von der Trujillo-Tyrannei teilzunehmen. Ebenfalls ist mir jedes der transzendenten Ereignisse jenes Zeitabschnitts im Gedächtnis geblieben; mehrere Dutzend für mich unvergessliche Episoden, die ich das eine oder andere Mal behandelt habe. Viele von ihnen sind schriftlich festgehalten.
Ich könnte heute nicht mit vollkommener Sicherheit behaupten, dass, als ich mit der Idee nach Kolumbien reiste, die Gründung des Lateinamerikanischen Studentenverbandes zu fördern, zu meinen Zielstellungen konkret die Behinderung der Gründung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gehörte, die von den Vereinigten Staaten angestrengt wurde. Ich bin nicht sicher, dass ich zu jenem Zeitpunkt schon jene frühreife Ansicht erreicht hatte.
Ein außerordentlicher Historiker und Experte für die Details wie Arturo Alape, der mich 33 Jahre danach interviewte, gibt Antworten von mir wieder, in denen ich behaupte, dass diese Absicht zu den Zielstellungen meiner Reise nach Kolumbien im Jahr 1948 gehörte.
Germán Sánchez zitiert in seinem Buch Transparencia de Emmanuel wörtlich den Absatz von Alapes Interview: „In jenen Tagen bildete sich in meinem Kopf die Idee heraus, angesichts der Versammlung der OAS im Jahr 1948, die von den Vereinigten Staaten zur Konsolidierung ihres hiesigen Beherrschungssystems in Lateinamerika angestrengt wurde, zeitgleich mit dieser Zusammenkunft der OAS und am selben Ort ein Treffen der lateinamerikanischen Studenten mit antiimperialistischen Prinzipien und zur Verteidigung der schon von mir dargelegten Punkte durchzuführen.”
In einer Ausgabe desselben Interviews, das in Kuba vom Verlag Casa Editora Abril kürzlich veröffentlicht wurde, erscheint der Absatz intakt. Jemand erinnerte mich daran, dass ich selbst im Buch Cien horas con Fidel (Nachtgespräche mit Fidel) bezweifelt hatte, dass dies die Zielstellungen waren, die mein Handeln bestimmten. Es ist offensichtlich, dass der Ausdruck nicht klar war, als ich die Wendung „angesichts der Versammlung der OAS“ gebrauchte.
Als einziges Mittel zur Beseitigung der Zweifel habe ich versucht, die Zielstellungen erneut zusammenzustellen, die mir damals den Antrieb gaben, und zu sehen, wie weit reichend die politische Entwicklung desjenigen fortgeschritten war, der gerade zweieinhalb Jahre vorher seinen Abschluss der zwölften Klasse in von Mönchen geleiteten Schulen erreicht hatte. Es handelte sich um eine rebellische Person, deren Energien darauf verwandt worden waren, Sport zu treiben, Erkundungswanderungen zu unternehmen, Berge zu besteigen und mit dem bestmöglichen Kenntnisstand die entsprechenden Fächer in der zur Verfügung stehenden Zeit zu absolvieren, einzig und allein als Ehrensache.
Zu den Dingen, über die ich in meiner Schulzeit recht viel erfuhr, gehörten die täglich veröffentlichten Nachrichten über die Kämpfe, begonnen beim Spanischen Bürgerkrieg ab Juli 1936 – ich war noch keine 10 Jahre alt – bis zum August 1945, – als ich schon fast 19 war – als die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, wie ich es schon einmal erzählt habe.
Schon seitdem ich ein ganz kleines Kind war, erlitt ich Ungerechtigkeiten und Vorurteile innerhalb jener Gesellschaft, in der ich lebte.
Als ich nach Kolumbien abfuhr, hatte ich mich schon recht radikalisiert, aber mit 21 Jahren war ich noch kein Marxist-Leninist. Ich nahm am Kampf gegen die Trujillo-Diktatur und Diktaturen ähnlicher Art teil, am Kampf zur Erreichung der Unabhängigkeit von Puerto Rico, zur Rückgabe des Panama-Kanals, zur Zurückgabe der Malvinas (Falkland-Inseln) an die Republik Argentinien und zur Beendigung des Kolonialismus in der Karibik und für die Unabhängigkeit der von England, Frankreich und Holland auf unserer Halbkugel besetzten Inseln und Gebiete.
In jenen Jahren hatte in Venezuela, dem Heimatland von Bolívar, eine von Acción Democrática (Demokratische Aktion) angeführte Revolution stattgefunden. Rómulo Betancourt, inspiriert von radikalen linken Ideen, täuschte vor, ein revolutionärer Führer zu sein. Er regierte das Land von Oktober 1945 bis Februar 1948. Ihm folgte Rómulo Gallegos, der prominente Schriftsteller, der bei den ersten Wahlen nach der Militärbewegung von 1945 als Präsident gewählt worden war. Ich hatte in jenem selben Jahr bei einem Aufenthalt in Caracas ein Treffen mit ihm.
In Panama hatte man gerade auf brutale Art und Weise die Studenten unterdrückt, als sie die Rückgabe des Kanals forderten. Einer von ihnen hatte eine Schussverletzung an der Wirbelsäule erlitten, er konnte die Beine nicht bewegen.
In Kolumbien regte sich an der Universität die Volksmobilisierung der Gaitan-Anhänger sehr.
Die Kontakte mit den Studenten jener drei Länder waren sehr erfolgreich: sie waren mit dem Kongress und der Idee zur Schaffung des Lateinamerikanischen Studentenverbandes einverstanden. Die Peronisten in Argentinien unterstützten uns ebenfalls.
Die Universitätsstudenten von Kolumbien vermittelten mir einen Kontakt mit Gaitán. So hatte ich die Ehre, ihn kennen zu lernen und mit ihm einen Austausch zu führen. Er war der unbestreitbare Führer der armen Schichten der Partei Partido Liberal und der fortschrittlichen Kräfte von Kolumbien. Er versprach, unseren Kongress zu eröffnen. Das gab uns unwahrscheinlich Mut.
In jenem Bruderland fand gerade eine Zusammenkunft der Vertreter der lateinamerikanischen Regierungen statt. General Marshall, Staatssekretär, war im Namen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Harry S. Truman, dort anwesend. Dieser hatte hinter dem Rücken der sowjetischen Seite, ihres Alliierten im Zweiten Weltkrieg, die Millionen Kämpfer verloren hatte, die Atombomben auf zwei große japanische Zivilgemeinden abgeworfen. Das Hauptprojekt der Vereinigten Staaten bei dem Treffen in Bogotá bestand in der Gründung der OAS, welche für unsere Völker solch bittere Früchte mit sich gebracht hat.
Ich befrage mich selbst, ob ich bei meiner ideologischen Entwicklung so weit vorangeschritten war, um mir die kühne Idee vorzunehmen, die Schaffung jener überstaatlichen Einrichtung zu behindern. Allenfalls war ich gegen die dort vertretenen Tyranneien, gegen die Besetzung von Puerto Rico und Panama durch die Vereinigten Staaten, aber ich verfügte noch nicht über eine klare Idee des imperialistischen Herrschaftssystems.
Bei meiner Lektüre der Presse von Kolumbien gab es etwas, was mich recht erstaunte, die Nachrichten über die auf dem Lande stattfindenden Gemetzel unter der konservativen Regierung von Ospina Pérez. Es wurde normal über Dutzende in jenen Tagen getötete Bauern berichtet. Seit langem geschahen solche Dinge in Kuba nicht mehr.
So normal schienen die Dinge, dass ich den Fehler beging, im Theater, wo eine offizielle Galavorstellung stattfand und sich Marshall und die anderen Vertreter der nach Bogotá einberufenen Länder befanden, vom obersten Stockwerk aus einige Pamphlets mit unserem Programm zu werfen. Das hat mich eine Verhaftung gekostet, und zwei Stunden später wurde ich freigelassen. Es schien dort eine perfekte Demokratie zu herrschen.
Etwas Unerwartetes war es, Gaitán und seine Reden kennen zu lernen, wie das Gebet für Frieden, sowie seine beredte, beeindruckende und gut begründete Verteidigung des Leutnants Cortés ― die ich außerhalb des Saals hörte, da im Raum kein Platz mehr war. Ich meinerseits hatte gerade erst die ersten zwei Jahre des Studiengangs Jura abgeschlossen.
Unsere zweite Zusammenkunft mit Gaitán und weiteren Universitäts-Vertretern sollte am 9. April um 14 Uhr stattfinden. Zusammen mit einem mich begleitenden kubanischen Freund wartete ich auf den Zeitpunkt des Treffens, indem ich eine unserem Hotel und Gaitáns Büro nahe gelegene Allee entlang schlenderte, als ein Fanatiker oder ein Verrückter, der ohne Zweifel hierzu angestiftet worden war auf den kolumbianischen Führer schoss. Der Angreifer wurde vom Volk fix und fertig gemacht.
In jenem Augenblick begann die unvorstellbare, von mir in Kolumbien erlebte Erfahrung. Ich war freiwilliger Kämpfer jenes mutigen Volkes. Ich unterstütze Gaitán und seine fortschrittliche Bewegung genau so, wie die kolumbianischen Bürger unsere Mambises im Unabhängigkeitskampf unterstützt haben.
Als Arturo Alape 1981, Jahre nach dem Sieg der Revolution, nach Kuba reiste, vereinbarte Gabriel García Márquez das Treffen mit mir, das in den frühen Morgenstunden im Haus von Antonio Núñez Jiménez begann. Alape hatte ein Tonbandgerät bei sich und befragte mich stundenlang über die Ereignisse vom April 1948 in Bogotá. Núñez Jiménez machte Aufzeichnungen mit einem weiteren Gerät.
Ich hatte viele frische Erinnerungen der Geschehnisse, die ich nicht vergessen konnte. Der Historiker seinerseits wusste über alles von kolumbianischer Seite aus Bescheid, viele Details, die mir natürlich unbekannt waren. Das hat mir geholfen, den Sinn jeder erlebten Episode zu verstehen. Ohne ihn hätte ich sie vielleicht nie kennen gelernt. Er hatte jedoch eine Aufgabe noch nicht beendet: mit seinen Mitarbeitern alles Aufgezeichnete zu transkribieren. Die andere Tonbandaufzeichnung wurde im Revolutionspalast transkribiert. Ich erinnere mich daran, eine davon redigiert zu haben. Bei dieser Arbeit sind die Dialoge schwieriger als die Reden, weil sich oft die Stimmen überschneiden. Ich habe verstümmelte Worte und veränderte Sätze vorgefunden. Ich habe mir die Mühe gemacht, sie zu redigieren und zu berichtigen. Das Gespräch dauerte über vier Stunden. Wenige können sich vorstellen, wie diese Arbeit ist.
Ich bin der Meinung, dass die Mischung von historischen Ereignissen vor und nach dem Sieg der Revolution in meinem Kopf eine mögliche Verwirrung geschaffen hat. Das denke ich. Gegenüber dem Zweifel ist das Ehrbarste, dies zu erläutern.
Wenn sich meine politischen Ideen auch in den drei Jahren vor meinem Besuch in Kolumbien radikalisiert hatten, so hat sich doch in dem kurzen Zeitraum vom 9. April 1948 bis zum 26. Juli 1953, wo wir die Moncada-Kaserne angegriffen haben – vor fast genau 55 Jahren - eine enorme Veränderung vollzogen. Ideologisch gesehen war ich zu einem echten linken Radikalen geworden, was die Beharrlichkeit, die Ausdauer und ebenfalls die Schläue inspirierte, mit der ich mich der revolutionären Aktion widmete.
Anschließend war der Kampf in der Sierra Maestra, der 25 Monate dauerte, und der erste siegreiche Kampf mit nur 18 Waffen, nachdem unsere kleine Truppe von 82 Mann am 5. Dezember 1956 fast vollständig vernichtet worden war.
In den Archiven des Internationalen Roten Kreuzes sind die hunderten von Gefangenen festgehalten, die wir nach der letzten Offensive des Feindes im Sommer 1958 übergeben haben. Im Dezember jenes Jahres blieb nicht einmal Zeit, dem Internationalen Roten Kreuz zur Übergabe der Gefangenen Bescheid zu geben. In Erwartung des Kriegsendes und mit dem Versprechen, nicht zu kämpfen, übergaben die Soldaten der kapitulierenden Einheiten ihre Waffen, und blieben ohne Waffen einberufen, während die Offiziere ihren jeweiligen Rang und ihre vorschriftsmäßigen Kurzwaffen behielten.
Jetzt, wo das alles schon lange zurückliegt, ist es unvorstellbar, wie bedeutsam so ein Werk wie das von Arturo Alape ist, der ein ausgezeichnetes Buch über diese Etappe des revolutionären Kampfes in Kolumbien geschrieben hat, zu dem ich mir vorgenommen habe, auf theoretischem Gebiet und unter rigoroser Achtung eine Reihe von Reflexionen ausgehend vom Gesichtspunkt der jetzigen Umstände unserer Hemisphäre und der Welt zu schreiben.
Aus alledem geht eine ständige Lehre für den echten Revolutionär hervor: die Aufrichtigkeit und der Mut, um bescheiden zu sein.
Fidel Castro Ruz
17. Juli 2008
20:21 Uhr
Jedes Werk mit einer bestimmten autobiographischen Nuance zwingt mich dazu, Zweifel bezüglich jenen vor mehr als einem halben Jahrhundert von mir getroffenen Entscheidungen zu klären. Hierbei beziehe ich mich auf die subtilen Details, da man das Wesentliche niemals vergessen wird. Dies trifft auf das zu, was ich 1948 getan habe, das heißt vor sechzig Jahren.
Als ob es gestern gewesen wäre erinnere ich mich an jenen Augenblick, als ich beschloss, an der Expedition zur Befreiung des dominikanischen Volkes von der Trujillo-Tyrannei teilzunehmen. Ebenfalls ist mir jedes der transzendenten Ereignisse jenes Zeitabschnitts im Gedächtnis geblieben; mehrere Dutzend für mich unvergessliche Episoden, die ich das eine oder andere Mal behandelt habe. Viele von ihnen sind schriftlich festgehalten.
Ich könnte heute nicht mit vollkommener Sicherheit behaupten, dass, als ich mit der Idee nach Kolumbien reiste, die Gründung des Lateinamerikanischen Studentenverbandes zu fördern, zu meinen Zielstellungen konkret die Behinderung der Gründung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gehörte, die von den Vereinigten Staaten angestrengt wurde. Ich bin nicht sicher, dass ich zu jenem Zeitpunkt schon jene frühreife Ansicht erreicht hatte.
Ein außerordentlicher Historiker und Experte für die Details wie Arturo Alape, der mich 33 Jahre danach interviewte, gibt Antworten von mir wieder, in denen ich behaupte, dass diese Absicht zu den Zielstellungen meiner Reise nach Kolumbien im Jahr 1948 gehörte.
Germán Sánchez zitiert in seinem Buch Transparencia de Emmanuel wörtlich den Absatz von Alapes Interview: „In jenen Tagen bildete sich in meinem Kopf die Idee heraus, angesichts der Versammlung der OAS im Jahr 1948, die von den Vereinigten Staaten zur Konsolidierung ihres hiesigen Beherrschungssystems in Lateinamerika angestrengt wurde, zeitgleich mit dieser Zusammenkunft der OAS und am selben Ort ein Treffen der lateinamerikanischen Studenten mit antiimperialistischen Prinzipien und zur Verteidigung der schon von mir dargelegten Punkte durchzuführen.”
In einer Ausgabe desselben Interviews, das in Kuba vom Verlag Casa Editora Abril kürzlich veröffentlicht wurde, erscheint der Absatz intakt. Jemand erinnerte mich daran, dass ich selbst im Buch Cien horas con Fidel (Nachtgespräche mit Fidel) bezweifelt hatte, dass dies die Zielstellungen waren, die mein Handeln bestimmten. Es ist offensichtlich, dass der Ausdruck nicht klar war, als ich die Wendung „angesichts der Versammlung der OAS“ gebrauchte.
Als einziges Mittel zur Beseitigung der Zweifel habe ich versucht, die Zielstellungen erneut zusammenzustellen, die mir damals den Antrieb gaben, und zu sehen, wie weit reichend die politische Entwicklung desjenigen fortgeschritten war, der gerade zweieinhalb Jahre vorher seinen Abschluss der zwölften Klasse in von Mönchen geleiteten Schulen erreicht hatte. Es handelte sich um eine rebellische Person, deren Energien darauf verwandt worden waren, Sport zu treiben, Erkundungswanderungen zu unternehmen, Berge zu besteigen und mit dem bestmöglichen Kenntnisstand die entsprechenden Fächer in der zur Verfügung stehenden Zeit zu absolvieren, einzig und allein als Ehrensache.
Zu den Dingen, über die ich in meiner Schulzeit recht viel erfuhr, gehörten die täglich veröffentlichten Nachrichten über die Kämpfe, begonnen beim Spanischen Bürgerkrieg ab Juli 1936 – ich war noch keine 10 Jahre alt – bis zum August 1945, – als ich schon fast 19 war – als die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, wie ich es schon einmal erzählt habe.
Schon seitdem ich ein ganz kleines Kind war, erlitt ich Ungerechtigkeiten und Vorurteile innerhalb jener Gesellschaft, in der ich lebte.
Als ich nach Kolumbien abfuhr, hatte ich mich schon recht radikalisiert, aber mit 21 Jahren war ich noch kein Marxist-Leninist. Ich nahm am Kampf gegen die Trujillo-Diktatur und Diktaturen ähnlicher Art teil, am Kampf zur Erreichung der Unabhängigkeit von Puerto Rico, zur Rückgabe des Panama-Kanals, zur Zurückgabe der Malvinas (Falkland-Inseln) an die Republik Argentinien und zur Beendigung des Kolonialismus in der Karibik und für die Unabhängigkeit der von England, Frankreich und Holland auf unserer Halbkugel besetzten Inseln und Gebiete.
In jenen Jahren hatte in Venezuela, dem Heimatland von Bolívar, eine von Acción Democrática (Demokratische Aktion) angeführte Revolution stattgefunden. Rómulo Betancourt, inspiriert von radikalen linken Ideen, täuschte vor, ein revolutionärer Führer zu sein. Er regierte das Land von Oktober 1945 bis Februar 1948. Ihm folgte Rómulo Gallegos, der prominente Schriftsteller, der bei den ersten Wahlen nach der Militärbewegung von 1945 als Präsident gewählt worden war. Ich hatte in jenem selben Jahr bei einem Aufenthalt in Caracas ein Treffen mit ihm.
In Panama hatte man gerade auf brutale Art und Weise die Studenten unterdrückt, als sie die Rückgabe des Kanals forderten. Einer von ihnen hatte eine Schussverletzung an der Wirbelsäule erlitten, er konnte die Beine nicht bewegen.
In Kolumbien regte sich an der Universität die Volksmobilisierung der Gaitan-Anhänger sehr.
Die Kontakte mit den Studenten jener drei Länder waren sehr erfolgreich: sie waren mit dem Kongress und der Idee zur Schaffung des Lateinamerikanischen Studentenverbandes einverstanden. Die Peronisten in Argentinien unterstützten uns ebenfalls.
Die Universitätsstudenten von Kolumbien vermittelten mir einen Kontakt mit Gaitán. So hatte ich die Ehre, ihn kennen zu lernen und mit ihm einen Austausch zu führen. Er war der unbestreitbare Führer der armen Schichten der Partei Partido Liberal und der fortschrittlichen Kräfte von Kolumbien. Er versprach, unseren Kongress zu eröffnen. Das gab uns unwahrscheinlich Mut.
In jenem Bruderland fand gerade eine Zusammenkunft der Vertreter der lateinamerikanischen Regierungen statt. General Marshall, Staatssekretär, war im Namen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Harry S. Truman, dort anwesend. Dieser hatte hinter dem Rücken der sowjetischen Seite, ihres Alliierten im Zweiten Weltkrieg, die Millionen Kämpfer verloren hatte, die Atombomben auf zwei große japanische Zivilgemeinden abgeworfen. Das Hauptprojekt der Vereinigten Staaten bei dem Treffen in Bogotá bestand in der Gründung der OAS, welche für unsere Völker solch bittere Früchte mit sich gebracht hat.
Ich befrage mich selbst, ob ich bei meiner ideologischen Entwicklung so weit vorangeschritten war, um mir die kühne Idee vorzunehmen, die Schaffung jener überstaatlichen Einrichtung zu behindern. Allenfalls war ich gegen die dort vertretenen Tyranneien, gegen die Besetzung von Puerto Rico und Panama durch die Vereinigten Staaten, aber ich verfügte noch nicht über eine klare Idee des imperialistischen Herrschaftssystems.
Bei meiner Lektüre der Presse von Kolumbien gab es etwas, was mich recht erstaunte, die Nachrichten über die auf dem Lande stattfindenden Gemetzel unter der konservativen Regierung von Ospina Pérez. Es wurde normal über Dutzende in jenen Tagen getötete Bauern berichtet. Seit langem geschahen solche Dinge in Kuba nicht mehr.
So normal schienen die Dinge, dass ich den Fehler beging, im Theater, wo eine offizielle Galavorstellung stattfand und sich Marshall und die anderen Vertreter der nach Bogotá einberufenen Länder befanden, vom obersten Stockwerk aus einige Pamphlets mit unserem Programm zu werfen. Das hat mich eine Verhaftung gekostet, und zwei Stunden später wurde ich freigelassen. Es schien dort eine perfekte Demokratie zu herrschen.
Etwas Unerwartetes war es, Gaitán und seine Reden kennen zu lernen, wie das Gebet für Frieden, sowie seine beredte, beeindruckende und gut begründete Verteidigung des Leutnants Cortés ― die ich außerhalb des Saals hörte, da im Raum kein Platz mehr war. Ich meinerseits hatte gerade erst die ersten zwei Jahre des Studiengangs Jura abgeschlossen.
Unsere zweite Zusammenkunft mit Gaitán und weiteren Universitäts-Vertretern sollte am 9. April um 14 Uhr stattfinden. Zusammen mit einem mich begleitenden kubanischen Freund wartete ich auf den Zeitpunkt des Treffens, indem ich eine unserem Hotel und Gaitáns Büro nahe gelegene Allee entlang schlenderte, als ein Fanatiker oder ein Verrückter, der ohne Zweifel hierzu angestiftet worden war auf den kolumbianischen Führer schoss. Der Angreifer wurde vom Volk fix und fertig gemacht.
In jenem Augenblick begann die unvorstellbare, von mir in Kolumbien erlebte Erfahrung. Ich war freiwilliger Kämpfer jenes mutigen Volkes. Ich unterstütze Gaitán und seine fortschrittliche Bewegung genau so, wie die kolumbianischen Bürger unsere Mambises im Unabhängigkeitskampf unterstützt haben.
Als Arturo Alape 1981, Jahre nach dem Sieg der Revolution, nach Kuba reiste, vereinbarte Gabriel García Márquez das Treffen mit mir, das in den frühen Morgenstunden im Haus von Antonio Núñez Jiménez begann. Alape hatte ein Tonbandgerät bei sich und befragte mich stundenlang über die Ereignisse vom April 1948 in Bogotá. Núñez Jiménez machte Aufzeichnungen mit einem weiteren Gerät.
Ich hatte viele frische Erinnerungen der Geschehnisse, die ich nicht vergessen konnte. Der Historiker seinerseits wusste über alles von kolumbianischer Seite aus Bescheid, viele Details, die mir natürlich unbekannt waren. Das hat mir geholfen, den Sinn jeder erlebten Episode zu verstehen. Ohne ihn hätte ich sie vielleicht nie kennen gelernt. Er hatte jedoch eine Aufgabe noch nicht beendet: mit seinen Mitarbeitern alles Aufgezeichnete zu transkribieren. Die andere Tonbandaufzeichnung wurde im Revolutionspalast transkribiert. Ich erinnere mich daran, eine davon redigiert zu haben. Bei dieser Arbeit sind die Dialoge schwieriger als die Reden, weil sich oft die Stimmen überschneiden. Ich habe verstümmelte Worte und veränderte Sätze vorgefunden. Ich habe mir die Mühe gemacht, sie zu redigieren und zu berichtigen. Das Gespräch dauerte über vier Stunden. Wenige können sich vorstellen, wie diese Arbeit ist.
Ich bin der Meinung, dass die Mischung von historischen Ereignissen vor und nach dem Sieg der Revolution in meinem Kopf eine mögliche Verwirrung geschaffen hat. Das denke ich. Gegenüber dem Zweifel ist das Ehrbarste, dies zu erläutern.
Wenn sich meine politischen Ideen auch in den drei Jahren vor meinem Besuch in Kolumbien radikalisiert hatten, so hat sich doch in dem kurzen Zeitraum vom 9. April 1948 bis zum 26. Juli 1953, wo wir die Moncada-Kaserne angegriffen haben – vor fast genau 55 Jahren - eine enorme Veränderung vollzogen. Ideologisch gesehen war ich zu einem echten linken Radikalen geworden, was die Beharrlichkeit, die Ausdauer und ebenfalls die Schläue inspirierte, mit der ich mich der revolutionären Aktion widmete.
Anschließend war der Kampf in der Sierra Maestra, der 25 Monate dauerte, und der erste siegreiche Kampf mit nur 18 Waffen, nachdem unsere kleine Truppe von 82 Mann am 5. Dezember 1956 fast vollständig vernichtet worden war.
In den Archiven des Internationalen Roten Kreuzes sind die hunderten von Gefangenen festgehalten, die wir nach der letzten Offensive des Feindes im Sommer 1958 übergeben haben. Im Dezember jenes Jahres blieb nicht einmal Zeit, dem Internationalen Roten Kreuz zur Übergabe der Gefangenen Bescheid zu geben. In Erwartung des Kriegsendes und mit dem Versprechen, nicht zu kämpfen, übergaben die Soldaten der kapitulierenden Einheiten ihre Waffen, und blieben ohne Waffen einberufen, während die Offiziere ihren jeweiligen Rang und ihre vorschriftsmäßigen Kurzwaffen behielten.
Jetzt, wo das alles schon lange zurückliegt, ist es unvorstellbar, wie bedeutsam so ein Werk wie das von Arturo Alape ist, der ein ausgezeichnetes Buch über diese Etappe des revolutionären Kampfes in Kolumbien geschrieben hat, zu dem ich mir vorgenommen habe, auf theoretischem Gebiet und unter rigoroser Achtung eine Reihe von Reflexionen ausgehend vom Gesichtspunkt der jetzigen Umstände unserer Hemisphäre und der Welt zu schreiben.
Aus alledem geht eine ständige Lehre für den echten Revolutionär hervor: die Aufrichtigkeit und der Mut, um bescheiden zu sein.
Fidel Castro Ruz
17. Juli 2008
20:21 Uhr
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